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Full text of "Archiv der Pharmazie"

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DER 



PHARMACIE. 

Eine Zeitschrift 

des 

allgemeinen deutschen Apotheker- Vereins. 

!abtli!iltitig Jln^tntstjilanli. 



Herausgegeben 

von 

li. Bley und H. liudwig:. 



— "^ '• '> ' av". ' .i i>^'y - ' — 



HAl?!5TS0f'ER. 
Im Verlage der Hahn'schen Hofbuchhandlung. 

1867. 



DER 



PHARMACIE. 

— isr 

Zweite Reihe. CXXXI. Band. 
Der ganzen Folge CLXXXI. Band. 

i^i ■ 

Unter Mitwirkung der Herren 

Bender, Beyer, Björklund, Bodenstab, Casselmann, Ernst, Fausty 

Frisch, Göppert, Ha^Uer, Heintz, Hirschberg, Husemann, Landerer, 

Lenz, J. V. j^iebig, Löhr, Weinhold, Wittstein 

heraus gegeben 

von 

li. Bley und H. liudwi^. 



ereinsjalir. 




HANNOVER. 

Im Verlage der Hahn'schen Hofbuchhandlung. 

1867. 



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Inhaltsanzeige. 



Erstes und zweites Heft. 

I. Physik, Chemie, Pflanzenphysiologie und 

praktische Pharmacie. Seite 

Ueber die Constitution des Phenols; von Dr. Carl Weinhold 

in Freiberg 1 

Ueber das Kreosot; von Dr. K. Frisch 9 

Ueber Zuckerkapseln mit löslichem Eisen(oxyd)-Saccharat', von 

G. C. Wittstein 28 

Ueber die essbaren Erden in Persien 34 

Ergebnisse chemischer Analysen der Seidenraupen; von Leo- 
pold Lenz in Ungarisch-Altenburg 36 

Die Seidenraupen -Krankheiten; von J. v. Lieb ig 41 

Die Farbe der Butter 49 

Der Leberthran auf der Fischerei-Ausstellung in Boulogne s. M. 

im Jahre 1866 50 

Notizen; von Dr. K. Frisch 52 

II. Naturgeschichte und Pharmakognosie. 

Ueber die Anordnung der Alpenpflanzen in unsern Gärten; von 

H. R. Göppert, Director des botanischen Gartens in Breslau 55 
Ueber den Laachersee und die Kohlensäuregas -Exhalationen 

seiner Umgebung 62 

Der Sternschnuppenfall im November 1866 66 

Die Insel Lemnos und ihre Heilquellen; von Dr. X. Landerer 70 
Ueber ein gegen das Ausfallen der Haare erprobtes Mittel; von 

Demselben 71 

^ Ueber ein Schutzmittel für Bewaldung der Gebirge 72 

*"■ III. Monatsbericht. 

J^ Chlorkoblenstoff S. 73. — Dichtigkeit des Kohlenstoffs in sei- 
" nen Verbindungen 73. — Steinkohlen in Turkestan 75. — 

^ Verbrauch der Steinkohlen und nächste Folgen desselben 

^ 75. — Englands Kohlenreichthum und .seine Dauer 79. — 

Rauchverzehrende künstliche Brennstoffe 84. — Fabrika- 
tion der Schlempekohle 85. — Verfahren zur Wiederbele- 



Inhaltsanzeige. 

Seite 
bung der Knochenkohle 86. — Einwirkung von Ammoniak 
auf glühende Kohle 86. — Dissociation (Zerfallen) des Koh- 
lenoxyds 87. — Erkennung der Vergiftung mit Kohlenoxyd 
88. — Schädlichkeit des Schwefelkohlenstoffdunstes 89. — 
Borax in Californien 90. — Chemische Constitution der 
Kieselsäure 91. — Die Feldspäthe 92. — Einfluss der Kohle 
und des Schwefels auf die Färbung des Glases 93. — Chrom- 
Aventuringlas 93. — Wasserglas 93. — Cämentfabrikation 
94. — Englisches Probirverfahren für Portland-Cäment 95. 

— Neuer künstlicher Marmor und Cäment, mit Magnesia 
bereitet 96. — Analyse des Chladnit 96. — Darstellung 
von reiner Aetzkali- und Aetznatronlauge 97. — Krystalli- 
sirtes kohlensaures Kali 98. — Ueberführung des schwefel- 
sauren Kalis in kohlensaures 98. — Stassfurtit 98. — 
Flüssige Glycerinseife 99. — Wirkungen des Sprengols 
(Nitroglycerins) 100. — Eine Schiffs-Explosion durch Nitro- 
glycerin 101. — Ueber dieselbe Glono'in-Explosion 101. — 
Vorsichtsmassregeln bei Benutzung des Nitroglycerins 102. 

— Schädlichkeit des Nitroglycerins 103. — Prüfung des 
ätherischen Senföls 104. — Allylamin 105. — Tricarballyl- 
säure 105. — Acidum thebolacticum, Opiummilchsäure 106. 

— Lactimid = C^HäNO^ 107. — Succinaminsäure 108. — 
Leucinimid 109. — Capryl- und Oenanthyl- Alkohol 109. — 
Verfälschung des Mandelöls und ihre Entdeckung 110. — 
Prüfung des Mandelöls 111. — Chemische Kennzeichen 
des Baumwollsamenöls 111, — Sonnenblumenöl 112. — 
Bromerucasäure 112. — Leinölsäure 113. — Bereitung 
eines vorzüglichen Leinölfirnisses 114. — Eothfärben der 
Fette und Oele 114. — Darstellung von Uhrmacheröl 115. 

— Classification der Gerüche der Pflanzen 115. — Aus- 
beute an ätherischen Oelen 117. — Wirkung ätherischer 
Oele auf Fuchsin 118. — Zusammensetzung des ätherischen 
Oels der Lorbeeren 118. — Orangeblüth- und Orangeblät- 
ter-Wasser 119. — Aetherisches Oel der Blüthen von Citrus 
decumana 119. — Löslichkeit des Camphers in Wasser 119. 

— Erhaltung des Aromas der gerösteten Kaffeebohnen 120. 

— Das ätherische Oel von Erigeron canadensis 121. — 
Flüchtige Schärfe von Coronilla varia 121. — Erasin, ein 
Ersatzmittal für Benzin 121.— Aethyl-Phenyl 121. — Un- 
terscheidung der Carbolsäure (Phenylsäure) von Steinkoh- 
lentheeröl 122. — Hydrazoanilin 122. — Physiologische und 
therapeutische Wirkungen der Pikrinsäure 123. — Amido- 
diphenylimid, eine neue organische Base 124. — Benzoyl 
130. — Die isomeren Chlorbenzoesäuren 130. — Azodra- 
cylsäure und Hydrazodracylsäure 131. — Verhalten von 



Inhaltsanzeige, vil 

Seite 
BenzoesäureätherundNitrobenzoesäureäther gegen Brom 132. 

— Ueber einige Derivate des Benzo'ins 133. — Benzophe- 
non 134. — Azobenzid 136. — Hydrazosalicylige Säure 136. 

— Xylol 137. — Zur Kenntniss des Xylols 137. — Ver- 
schiedenheit des Cymols im Römisch-Kümmelöle von dem 
aus Campher dargestellten 139. — Untersuchungen über 
das amerikanische Petroleum 139. — Petroleumquellen in 
Italien 147. — Petroleumbeleuchtung 147. — Ueber einige 
neue Kohlenwasserstoffe 147. — Anfertigung von wasser- 
dichtem Papier 148. — Metam.orphose der Fische 149. — 
Tödten der Fische 149. — Ein grosser Hecht 150. — Straus- 
senzucht am Cap 150. — Verhältniss des Albumins zum 
Casein 150. — Chemische Analyse einer Schweinemilch 152. 

— Eisen im Blute 152. 

IV. Literatur und Kritik 153 

Bibliographischer Anzeiger 165 



Drittes Heft. 



I. Physik, Chemie, Pflanzenphysiologie und 
praktische Pharmacie. 

Ueber die Mineralquellen zu Tönnisstein und Heilbrunnen im 
Brohlthale; von E. Bender 169 

Notiz über die Einwirkung von salpetrigsaurem Kali auf salz- 
saures Triäthylamin; von W. Hein tz 173 

Ein Beitrag zur Prüfung der fetten Oele; von Dr. A. Cassel- 

mann 176 

Ueber die Veränderung des Oeles durch die Zeit; von Dr. X. 

Landerer 185 

Ueber die Basieität der Weinsäure; von Dr. Kuno Frisch, 
Assistenten am Laboratorium des Herrn Prof. Dr. Erd- 
mann 186 

Ueber einen Bleigehalt käuflicher Weinsäure; von Fr. Boden- 
stab in Calvörde 198 

l^otiz über Rapskuchen und Rapsmehl (entöltes) 199 

Ueber die Keimung der gelben Lupine; von Dr. A. Beyer in 

Regenwalde 201 

Acorin, ein Glykosid im Kalmus; von August Faust 214 

Zur Darstellung von Bromsalzen ; von Demselben 216 

Äur Rademacher'schen essigsauren Eisentinctur; von Demselben 217 



vin Inhaltsanzeige. 

Seite 
II. Naturgeschichte und Pharmakognosie. 

Botanische Notizen aus Caracas; von G. A. Ernst 219 

Vorläufige Mittheilung über Flores Cinae; von Dr. G. A. Björk- 

1 u n d 227 

III. Monatsbericht. 

Ueber die Darstellung grosser Salpeterkrystalle S. 229. — üeber 
ein in der Nähe von Schönebeck neu entdecktes Steinsalz- 
lager 230. — Process und Theorie der Sodafabrikation 231. 

— Ueber den Leblanc'schen Sodaprocess 233. — Schwefel- 
saurer Barj't 235. — Kohlensaurer Kalk 23.5. — Chlor- 
baryum als Mittel gegen Bildung von Kesselstein 236. — 
Bereitung von reinem Kalk zum Gebrauche bei der Ele- 
mentaranalyse 236. — Wolframsaures Natron zur Trennung 
von Calcium und Magnesium 237. — Phosphormagnesium 
238. — Untersuchung des Carnallits von Maman in Per- 
sien und über die Ursache der rothen Färbung mancher 
natürlicher Salze 239. — Kainit, ein neues Salz von Leo- 
poldshall, dem Anhaltischen Steinsalzwerke bei Stassfurt 
240. — Smirgel 240. — Evansit, ein neues Mineral 241. — 
Ist der Alaun ein normaler Bestandtheil des Weins? 241 — 
Zusammensetzung des Guignet'schen Grüns 243. — Ueber 
ein Verfahren, Spuren von Chrom im Eisen und Stahl 
nachzuweisen 244. — Vorkommen des Vanadiums in dem 
Aetznatron des Handels 244. — Titansäure 245. — Pyro- 
chroit, ein neues Mineral 245. — Uebermangansaures Kali 
aus Manganoxyd 246. — Verfälschung des Petroleums 247. 

— Neue Untersuchung über die in dem flüchtigsten Theile 
des Steinkohlentheeröles enthaltenden Kohlenwasserstoffe 
248. — Mittel zur Erkennung von Kohlenwasserstoffen in 
Gasgemengen 249. — Verbindungen des Naphthalins mit 
Brom 250. — Ueber die festen Kohlenwasserstoffe des 
Steinkohlentheeröls 251. — Kopaivabalsam 254. — Ursprung 
und geographische Verbreitung des Copals in Angola 254. 

— Schnelle Bereitung einer Schellacklösung 255. — Asa 
foetida 255. — Die Saughütchen von Kautschuk, eine 
Quelle chronischer Aphthenbildung bei Kindern 256. — 
Geleimtes und farbiges Pergamentpapier 257. — Holz zu 
conserviren 257. — Schiesspulver aus Holzsägespänen 258. 

— CoUodiumwolle 258. — Zwei neue Arten von Schiess- 
bau mwoUe 259. — Einwirkung der wasserfreien Essigsäure 
auf Cellulose, Stärke, Zucker, Mannit und dessen Verwandte, 
auf Glykoside und gewisse vegetabilische Farbstoffe 260. — 
Kermanisches Gummi 261. — Goemin, ein Bestandtheil von 
Fucus crispus 262. — Weinstein 263. 

IV. Literatur und Kritik 264 



ARCHIV DERJHARmiE. 

GLXXXI. Bandes erstes und zweites Heft. 

I« Physik^ Chemie, Pllaiizeiiphysio- 
lo§;ie luid praktische Pliaruiacie. 



Deber die Constitution des Phenols; 

von 

Dr. Carl W e i n h o 1 d in Freiberg. 

Ochon die verschiedenartigen Namen, welche im Laufe 
der Zeit für das Phenol in Gebrauch gekommen sind, 
deuten genugsam an, wie sehr man über die chemische 
Constitution dieses interessanten Körpers noch im Un- 
klaren ist. Runge, als er (1834) bei seiner Untersuchung 
des Steinkohlentheeröls das Phenol entdeckte, hielt dasselbe, 
wegen seiner Verbindbarkeit mit den Alkalien, für eine 
Säure und ertheilte ihm den Namen „Carbolsäure", welcher 
sich mit den später auftauchenden Bezeichnungen „Phenyl- 
säure, phenylige Säure, Phensäure etc." bis in die Gegen- 
wart im Gebrauch ei'halten hat. Schon Laurent hin- 
gegen, welcher (1840) die Zusammensetzung des Phenols 
ermittelte und eine ausführliche Untersuchung desselben 
unternahm, sprach bereits die Ansicht aus, dass darin 
wahrscheinlich ein Oxyd (Phenyloxyd) analog dem Aethyl- 
oxyd im Alkohol, mit Wasser verbunden enthalten sein 
müsse. In der That sind auch die Aehnlichkeiten des 
Phenols mit den Alkoholen unverkennbar, weshalb sich 
auch sehr bald die Namen „Phenylalkohol, Phenyloxyd- 
hydrat etc." für dasselbe geltend machten. Jedoch auch 
diese Ansicht erweist sich nicht in allen Puncten stich- 
haltig und es hat bereits Kolbe (in seinem Lehrbuche 
Arch. d. Pharm. CLXXXI. Bds . 1. u. 2. Hft. 1 



2 C. Weinhold, 

der Organ. Chemie Bd. II. S. 670) darauf hingewiesen^ 
dass viele Wahrscheinlichkeitsgründe vorliegen, nach denen 
das Phenol besser als Oxyphenylwasserstoff (Ci^H^O^, H) 
zu betrachten sei. Für diese Ansicht nun glaube ich auch 
in meinen Beobachtungen, besonders über die Einwirkung 
der Schwefelsäure auf das Phenol, eine erhebliche Stütze 
gefunden zu haben und es sollen daher im Folgenden 
zunächst die bemerkenswerthesten Momente daraus hervor- 
gehoben werden. 

Bekanntlich lässt sich das Phenol mit englischer und 
nordhäuser Schwefelsäure leicht mischen, ohne dass dabei 
eine merkliche Einwii'kung erfolgt, so dass durch Wasser 
beide wieder getrennt w^erden können. Erwärmt man 
aber obige Mischung auf 60 — 100^ C. einige Zeit, so 
erfolgt, wie schon Laurent gezeigt hat, allmälig die Bil- 
dung einer sogenannten gepaarten Säure, der Phenyloxyd- 
schwefelsäure (Sulfophenissäure nach Laurent), deren 
Formel man gewöhnlich HO, C'^H^O, S^O^ zu schreiben 
pflegt. Es ist diese Säure aber nicht das einzige Product 
jener Einwirkung der Schwefelsäure auf das Phenol. Je 
nach der Dauer der Erwärmung und der Concentration 
der Schwefelsäure in verschiedener Quantität wird dabei 
noch eine zweite, zweibasische Säure erzeugt, welche aller- 
dings in freiem Zustande, wie auch in ihren Salzen eine 
solche Aehnlichkeit mit der Obigen zeigt, dass es leicht 
erklärlich ist, wie man sie bisher übersehen hat. 

In reichlichster Menge erhält man diese zweite Säure, 
wenn man zu krystallisirtem Phenol, welches sich in einer 
von Eis umgebenen Vorlage befindet, wasserfreie 
Schwefelsäure destillirt und die so erhaltene, wachs- 
artig erstarrte, röthliche Masse, welche in der Wärme 
leicht zu einer zähen, ölartigen Flüssigkeit schmilzt, einige 
Zeit im Wasserbade erwärmt. Das Product besteht dann 
in der Regel der Hauptmasse nach aus der neuen Säure 
und enthält nebenbei noch Phenyloxy dsch wefelsäure 
und freie Schwefelsäure, Zur Trennung von diesen 



die Constitution des Phenols. 3 

Letzteren sättigt man zweckmässig das mit Wasser ver- 
dünnte Product in der Wärme vollständig mit kohlen- 
saurem Bleioxyde und filtrirt die Flüssigkeit möglichst 
rasch von dem schwefelsauren Bleioxyde ab. Beim Erkal- 
ten scheiden sich dann farblose, atlasglänzende in Wasser 
schwerlösliche Krystallschüppchen eines basischen Bleisal- 
zes der zweiten Säure ab, während die Flüssigkeit wiederum 
eine schwach saure Reaction angenommen hat. Durch wie- 
derholtes Sättigen in der Wärme und Erkaltenlassen erhält 
man so nach und nach eine Verbindung der neuen Säure als 
schwerlösliches basisches Bleioxydsalz völlig getrennt von 
der nur leichtlösliche Salze erzeugenden Phenyloxydschwe- 
felsäure und es kann die Säure sodann mittelst Schwefelwas- 
serstoff leicht in reinem Zustande dargestellt werden. — In 
wässeriger Auflösung, wie man sie auf jene Weise erhält, 
stellt diese Säure eine färb- und geruchlose Flüssigkeit von 
rein saurem Geschmack dar, welche sich ohne Zersetzung 
zu erleiden, in eine Röhre eingeschlossen, bis auf 1800 C. 
erhitzen und durch Eindampfen concentriren lässt. In 
sehr concentrirtem Zustande längere Zeit im Vacuum 
über Schwefelsäure aufbewahrt, bildet sie allmälig farb- 
lose, seideglänzende, äusserst hygroskopische, nadeiförmige 
Krystalle, welche aber schon wenig über 100^ sich zer- 
setzen. Von auffallend grosser Beständigkeit ist diese 
Säure aber bei Gegenwart von Basen. Weder ein Kochen 
mit überschüssigem Aetzkali, noch ein Erhitzen damit auf 
1800 wirkte verändernd auf dieselbe ein und es liess 
sich das Barytsalz bis auf 225^ erhitzen ohne sich zu 
zersetzen. Ziemlich rasch bewirken dagegen Chlor, Sal- 
petersäure, Phosphorchlorid etc. eine Zersetzung unter 
Bildung von Schwefelsäure. Die Salze dieser Säure sind 
fast sämmtlich in Wasser und häufig auch in Weingeist 
so ungemein leicht löslich, dass ihre Darstellung in kry- 
stallinischer Form sehr schwierig ist. Am leichtesten 
scheint, nächst dem schwerlöslichen basischen Bleisalze, 
das Barytsalz zu krystallisiren und es wurde dieses daher 
hauptsächlich zur Feststellung der Formel fiir die neue 

1* 



4 C. Weinhold, 

Säure benutzt. Die Resultate der Analyse ergeben fol- 
gende Zahlen *): 



Gefunden 


Berechnet 


C . . . = 15,43 


15,62 = 12 C 


H.. . = 1,04 


0,87 = 4 H 


S . . . = 13,54 


13,88 = 4 S 


BaO = 33,31 


33,19 = 2 BaO 


0... = 21,38 


20,82 = 12 


HO.. = 15,30 


15,62 = 8 HO 



100,00. 100,00. 

Hieraus ergiebt sich also die Zusammensetzung des 
Barytsalzes = 2 BaO, C12H4S4012 _|- 8 aq. Zieht man 
nun die Bildungsweise dieser Säure in Betracht, so ist 
nicht zu bezweifeln, dass ihre rationelle Formel folgende 
Gestalt haben muss: 

2HO,Ci2H402Jg2^4|02 

und es käme ihr somit der Name 

„ Oxypheny lendisulfonsäure " 
zu. 

Da nun bei der Entstehung dieser Säure die Bildung 
der Phenyloxydschwefelsäure, wie ich mich überzeugt 
habe, als vorausgehend angenommen werden kann, so 
ergiebt sich auch für diese die Vermuthung einer ähn- 
lichen Zusammensetzung, indem der Bildungsprocess beider 
sich am besten in folgender Weise veranschaulichen lässt. 

CJ2H602 -f S206 = HO, C'2H502(S204)0 
(Phenol) [Phenyloxydschwefelsäure] 

(Oxypheuylsulfonsäure) 
iS204j 
C12H602 4- 2S206 = 2H0, C12H402Jg204J<^- 

(Oxyphenylendisulfonsäure). 
Einzig in seiner Art würde dieser Vorgang dastehen. 



^) Nähere Angaben über die Darstellung und die Eigenschaften 
dieser Säure und ihrer Salze, nebst einer ausführlichen Dar- 
legung der Analysen, werden demnächst in den Annalen der 
Chemie und Pharm, erscheinen. 



die Constitution des Phenols. 5 

wenn man hier die Ansicht festhalten wollte^ dass das 
Phenol ein Alkohol sei. Dieser gemäss müsste die deshalb 
so genannte Phenyloxydschwefelsäure als ein Analogon 
der Aetherschwefelsäure betrachtet werden, während doch 
schon ihre grosse Beständigkeit sich schwer mit dem 
Charakter der Aethersäuren vereinbaren lässt, noch weniger 
aber die Bildung jener zAveibasischen Säure durch weitere 
Einwirkung der Schwefelsäure. Dagegen findet die Ent- 
stehung beider Säuren eine höchst einfache und durch 
Analogien wohl unterstützte Erklärung, wenn man das 
Phenol als eine vom Benzol abgeleitete Oxyverbindung 
betrachtet; wenn man annimmt, dass es ein Benzol sei, 
in welchem ein Wasserstoflfatom durch das Radical Hydroxyl 
(H02) vertreten ist. 

(Ci2H5)H (Ci2H5)H02 

(Benzol) (Phenol = Oxybenzo]). 

(Zweifelhaft ist es zur Zeit noch, ob man das extraradicale 
Wasserstoffatom oder ein Wasserstoffatom aus dem Radicale 
Q12H5 durch HO- substituirt sich zu denken hat.) 

Ein vergleichender Blick auf die Eigenschaften des 
Benzols und Phenols und auf deren Derivate rechtfertigt 
diese von Koibe aufgestellte Hypothese vollkommen. 
Unter den Abkömmlingen des Benzols finden wir auch 
die den eben besprochenen Säuren analogen Glieder: 

CJ2H6 -1- S206 = HO, C12H5(S204)0 
(Phenylschwefelsäure) 

C12H6 + 2S206 = 2HO,C'2H4}g2Q4J02 
(Phenylendisulfonsäure). 
Es erscheint sonach die Phenyloxydschwefelsäure als 
die der Salicylsäure entsprechende Sulfonsäure, ebenso 
wie die Phenylschwefelsäure als der Benzoesäure, die 
Phenylendisulfonsäure der Phtal - oder Terephtalsäure 
correspondirend gedacht wird. 

HO, Ci2H5(S204)0 HO, Ci2H5(C202)0 

(Phenylschwefelsäure) (Benzoesäure) 

2 HO, C12H4 }^^2 04i 02 2 HO, C'2H4 1^202 j 02. 

(Phenylendisulfonsäure) (Phtalsäure) 



6 C. Weinhold, 

HO, C»2H502(S204)0 HO, Ci2H502(C202)0 

(Phenyloxydschwefelsäure) (Salicylsäure). 

Für die Oxyphenylendisulfonsäure fehlt zur Zeit noch 
das entsprechende Glied, es ist aber vorauszusehen,, dass 
es bald einmal gelingen wird, dasselbe in Form der Oxy- 
phtalsäure darzustellen; bis dahin könnte hier die bereits 
bekannte Salicylschwefelsäure an deren Stelle fungiren: 

2HO,C12H402{g2Q4}02 2HO,Cl2H402{^202}^^- 

(Bei dieser Gelegenheit sei noch hervorgehoben, dass durch 
weitere Einwii'kung von Schwefelsäure auf die Salicyl- 
säure höchstwahrscheinlich gleichfalls Oxyphenylendisulfon- 
säure entstehen wird und dass sie auf diesem Wege 
möglicher Weise schon früher einmal von Duppa erhal- 
ten worden ist) *). 

Nachdem durch diese Betrachtungen die Annahme, 
dass das Phenol Oxybenzol sei, sich als eine sehr wahr- 
scheinliche erwiesen hat, gilt es nun, noch einen Blick 
auf die übrigen Beweise und Consequenzen dieser Hypo- 
these zu werfen. Der Kürze wegen soll dies durch Hinweis 
auf folgende Puncto geschehen: 

1. Das Phenol lässt sich aus dem Benzol auf dieselbe 
Weise darstellen, wie man behufs der Bildung von Oxy- 
verbindungen überhaupt zu verfahren pflegt. Denn wird 
Benzol in Nitrobenzol und dieses durch nascirenden Wasser- 
stoff in Anilin umgewandelt, so kann daraus, wie Hof- 
mann und Gerhardt gezeigt haben, durch Einwirkung 
von salpetriger Säure leicht Phenol erhalten werden. 

Ci2H5(N04) _f 6H = C12H5H2N -j^ 4 HO 
C12H5H2N -I- N03 = Ci2H5(H02) -f HO -f 2N. 
Ebenso ist es Church gelungen, durch Behandlung 
von aus Benzol dargestelltem Phenylchlorür mit Aetzkali 
Phenol zu erzeugen: 

C12H5C1 + KO, HO = Ci2H5(H02) -f KCl. . 

2. Lässt man auf Phenol Kalium oder Natrium 



^) S. Anmalen d. Chem. u. Pharm. Bd. 103. S. 346. 



' die Constitution des Phenols. 7 

wirket!, so wird Wasserstoff entbunden und das Alkali- 
metall tritt an dessen Stelle. (Eine bei den Oxyverbin- 
dungen häufig zu beobachtende Erscheinung.) Die so 
erzeugten Verbindungen geben alsdann bei der Behand- 
lung mit Kohlensäure die Oxyphenylcarbonsäure (Salicyl- 
säure), mit Jodmethyl das Oxyphenylmethyl (Anisol), mit 
Jodäthyl das Oxyphenyläthyl (Salithol), mit Jodamyl das 
Oxyphenylamyl (Phenamylol) etc. wie folgende Formeln 
veranschaulichen : 

Ci2H502Na -f C204 = NaO, 12 H5 02(02 02)0 
Ci2H502Na + C2H3J = Ci2H502(C2H3) -f NaJetc. 
Da nun diese Oxyphenylmetalle sich identisch erwei- 
sen mit den Producten, welche durch Einwirkung von 
Kali- oder Natronhydrat auf Phenol gebildet werden, so 
muss man annehmen, dass in diesem Falle ihre Bildung 
nachstehender Gleichung entsprechend vor sich gehen 
mag: 

C12H502H -f KO = C12H502K + HO. 
Hieraus folgt aber nun auch weiter, dass, wenn man 
den Wasserstoff des Phenols theilvveise oder ganz durch 
Chlor, Brom, Jod oder Untersalpetersäure ersetzt, die so 
erzeugten Derivate (wenn sie den ursprünglichen Formel- 
typus beibehalten sollen) mit den Basen keine wirklichen 
8alze geben können. Sonach würde das pikrinsaure Kali 
z.B. als Trinitroxyphenylkalium (Ci2H2(N04)302K) an- 
zusehen sein. Dies hat allerdings für den ersten Anblick 
etwas Befremdendes und man könnte durch den so ent- 
schieden sauren Charakter dieser Verbindungen leicht zu 
der Vermuthung kommen, dass durch die Einwirkung 
jener Agentien das Hydroxyl zerstört wurde und vielleicht 
Substitutionsproducte des Phenyloxyds entstünden. 

3. Bei der Behandlung des Phenols mit Phosphor- 
chlorid tritt unter geeigneten Verhältnissen die Bildung 
von Chlorphenyl, Salzsäure und einer gewöhnlich als phos- 
phorsaures Phenyloxyd bezeichneten Verbindung auf, ohne 
dass, wie bei ähnlichen Processen, Phosphoroxychlorid 
gebildet wird. Betrachtet man nun den Verlauf dieses 



8 C. Weinholdf die Constitution des Phenols. 

Vorgangs nach den hier festgehaltenen Grundsätzen, so 
ergiebt sich folgende Gleichung: 

C»2H502) 
4Ci2H5H02 4-PC15 = C»2H5Cl-f 4HCl + CJ2H502ip02. 

C12H502| 

Es wäre sonach die in der Hauptmasse auftretende 
Verbindung als eine Phosphorsäure anzusehen, worin die 
drei extraradicalen Sauerstoffatorae durch Oxyphenyl ver- 
treten sind. In der That findet diese Annahme auch 
weitere Rechtfertigung. Behandelt man nämlich diese 
ihrer Natur nach indifferente Verbindung mit Kalihydrat, 
so erfolgt die Bildung von Phenol und dioxyphenylphos- 
phorsaurem Kali : 

C12H5o4p02 -f- KO,HO = KO, ^125502! (P02) + C12H6O2 
C12H502J v^ n u ) 

Auf solche Weise wird nun auch der Umstand erklär- 
lich, dass durch fortgesetzte Behandlung des sogenannten 
phosphorsauren Phenyloxyds mit Kali, nie mehr als ein 
Atom Phenol elirainirt wird und dass, wenn man statt 
des Kalis Chlorkalium oder Cyankalium dazu bringt, kein 
Chlorphenyl und Cyanphenyl gebildet wird. 

4. Noch sehr wichtige Stützpuncte findet endlich die 
Ansicht, dass im Phenol eine Hydroxylsubstitution an- 
zunehmen sei, durch die an dasselbe sich eng anschliessende 
Oxyphensäure (Brenzkatechin) und Pyrogallussäure, in 
welchen man das Vorhandensein von Hydroxyl bereits 
von vielen Seiten annimmt. 

Phenol = Ci2H5(H02), 
Oxyphensäure = C'2H4(H02)2, 
Pyrogallussäure = C12H3(H02)3. 

Um Weitschweifigkeiten zu vermeiden, beschränke 
ich mich jetzt auf das Angeführte, jedoch mit der Ueber- 
zeugung, dass sich noch zahlreiche Verhältnisse in Betracht 
ziehen Hessen, welche zur Bestätigung der hier festgehal- 
tenen Ansicht dienen könnten. 

Leipzig, im August 1866. 



K. Frisch, über das Kreosot, 9 

üeber das Kreosot; 

von 

Dr. K. Frisch *). 

Hofmann's Arbeit über Kreosot {Joum. f. prakt. Ckem. 
96, 225) führte zu dem Resultate, dass dasselbe unreines 
Phenyloxydhydrat sei. Das Material hatte er unter Ver- 
sicherung seiner Reinheit aus mehren der bedeutendsten 
Droguenhandlungen bezogen. Dagegen hat Herr Prof. 
Dr. V. Gorup-Besanez {Joum. für prakt. Ckem. 97, 63) 
erklärt, das echte Buchenholztheerkreosot sei aus dem 
deutschen Handel gänzlich verschwunden und könne nur 
noch aus den Reichenbach'schen Fabriken zu Blansko in 
Mähren und Dobriss in Böhmen oder durch Batka in 
in Prag bezogen werden. Ich habe mich vergebens be- 
müht, aus einer dieser Bezugsquellen Kreosot zu erlangen, 
da auf den Reichenbach'schen Fabriken nicht mehr gear- 
beitet wird. Dagegen erhielt ich echtes Buchenholztheer- 
kreosot aus der Fabrik des Vereins für chemische Industrie 
zu Mainz, dessen Echtheit von der Direction gewährt 
wird **). Das chemische Verhalten dieses Kreosots stimmt 
mit dem des von v. Gorup-Besanez, Hlasiwetz und 
Völckel untersuchten fast vollkommen überein. 

Das Mainzer Kreosot ist eine ölige, das Licht stark 
brechende, fast farblose Flüssigkeit, mit einem geringen 
Stich ins Bräunliche, das aber dem Sonnenlichte aus- 
gesetzt sich nicht weiter bräunte, von einem spec. Gew. 
von 1,0874 bei 200 C Es zeigt einen eigenthümlichen, 
wesentlich von dem der Phenylsäure abweichenden Geruch, 
ist in Weingeist, Aether und Schwefelkohlenstoff voll- 
kommen löslich, desgleichen in Essigsäure. Ammoniak 



*) Vom Hrn. Verfasser im Separatabdruck eingesandt. D. Red. 
**) Auszug aus dem Briefe: Wir versichern Sie nun auf unser 
Ehrenwort, dass das fragliche Kreosot echtes und reines 
Buchenholziheer-Kreosot ist und dürfen Sie sich getrost 
auf uns berufen, dass wir für die Echtheit einstehen. 

gez. Heinrich Dietze. 



10 K. Frisch, 

löst es nur in geringer Menge auf und nimmt dabei eine 
bläulich -grüne Färbung an, die immer dunkler grün wer- 
dend nach mehren Tagen in braun übergeht. Das am 
Boden des Gefässes ungelöst bleibende Kreosot färbt sich 
braunschwarz. Kreosot mit Schwefelsäure digerirt löst 
sich mit rubinrother Farbe. Die Lösung mit Wasser 
verdünnt und mit Zink zusammengebracht wird farblos. 
Eisenchlorid bewirkt in wässeriger Lösung nur eine 
Bräunung, setzt man jedoch Alkohol hinzu, oder nimmt 
man eine alkoholische Lösung von Kreosot und eine solche 
von Eisenchlorid: so erhält man eine anfangs blaugrüne, 
später saftgrün wei'dende beständige Färbung. Das Kreosot 
krystallisirt zu erhalten ist mir nicht gelungen, obwohl 
ich das mit frisch geschmolzenem Chlorcalcium in gut 
verschlossenen Gefässen behandelte Kreosot in Kälte- 
mischungen bis — IGO abkühlte, Oxalsäure wird reich- 
lich gelöst und beim Erkalten Avieder krystallinisch aus- 
geschieden, ebenso lösen sich darin mehrere Alkaloide 
und Salze. In Kalilauge, selbst in schwächerer, ist es 
leicht löslich und lässt man eine solche Lösung an der 
Luft stehen, so verdickt sie sich zu einer braunen Masse. 
Setzt man zu einer kaiischen Lösung Aether, so nimmt 
dieser eine schöne blaue Färbung an, welche aber beim 
Umschütteln wieder verschwindet. 

Dieses Kreosot mit Kupferoxyd im Sauerstoffstrome 
verbrannt, gab folgende Resultate: 

a) 0,2205 Grm. = 0,594 C02 und 0,146 HO, 

b) 0,3625 „ = 0,978 „ „ 0,.340 „ 

c) 0,325 „ = 0,8765 „ „ 0,213 „ 

a. b. c. 

C = 73,47 73,58 73,55 

H = 7,36 7,35 7,28 

Dieses Kreosot in nicht zu grossen Quantitäten der 

Destillation unterwofen, begann bei 1950 C. zu sieden, bei 

2040 blieb der Siedepunct stationär. Der grösste Theil 

des Kreosots ging bei dieser Temperatur in öligen Streifen 

über, während sich der Rückstand in der Retorte braun 



über das Kreosot. 11 

färbte und dicker zu werden schien, wodurch gegen Ende 
der Operation ein Steigen des Siedepunctes eintrat. Unter- 
wirft man das bei 2040 übergegangene Destillat einer 
nochmaligen Destillation: so hat man fast dieselben Er- 
scheinungen wahrzunehmen, indem nicht die ganze Menge 
bei 204O übergeht, sondern gegen Ende der Destillation 
das Thermometer bis 209^ steigt und auch der Inhalt der 
Retorte sich im Laufe der Operation bräunt. 

Einen Theil des Kreosots versuchte ich durch Chlor- 
calcium zu entwässern, indem ich dasselbe mit frisch 
geschmolzenem Chlorcalcium in luftdicht verschlossenen 
Gefässen unter öfterem Umschütteln mehre Tage stehen 
Hess, dann klar abgoss und der Destillation unterwarf. 
Nachdem das Thermometer bis 150^ gestiegen war, begann 
der Inhalt der Retorte stark zu stossen und die Wände 
derselben belegten sich mit ausgeschiedenem Chlorcalcium. 
Man kann daher dieses Salz nicht zur Entwässerung des 
Kreosots anwenden, da es sich, wie der Versuch lehrte, 
in letzterem gelöst hatte. Ob sich hierbei vielleicht eine 
dem Chlorcalciumalkoholat ähnliche Verbindung bildet, 
war unmöglich nachzuweisen, da dasselbe erst bei einer 
Temperatur abgeschieden wird, in welcher Kreosot ent- 
weicht. 

Das bei 2040 übergegangene farblose Kreosot, welches 
sich bei Einwirkung des Sonnenlichtes nicht dunkler färbte, 
wurde mit Kupferoxyd im SauerstofFstrome verbrannt: 

a) 0,264 Kreosot gaben 0,703 C02 und 0,173 HO. 



b) 0,5535 


» 


n 


1,472 „ „ 


0,349 „ 


c) 0,389 


« 


» 


1,0435 „ „ 


0,2495 „ 


d) 0,3105 


n 


n 


0,835 „ „ 


0,201 „ 


a. 


h. 




c. d. 


nach Völckel 


C = 72,64 Proc. 
H= 7/27 „ 
0= - „ 


72,53 Proc. 
7,01 „ 




73,16 Proc. 73,15 Proc. 72,68 Proc. 

7,12 „ 7,13 „ 7,10 „ 

- „ - „ 20,22 „ 



100,00 Proc. 

Die elementare Zusammensetzung meines Kreosots 

ist übereinstimmend mit der von Völckel gefundenen. 

Ausserdem stimmten der Siedepunct und die Reactionen 



12 K. Frisch, 

mit den vonVölckel und v. Gorup-Besanez angege- 
benen überein, so dass ich überzeugt sein konnte, echtes 
Buchenholztheerkreosot von gleicher Beschaffenheit, wie 
es die oben genannten Chemiker zu ihren Untersuchungen 
anwendeten, unter den Händen zu haben. Auch Hlasi- 
wetz*) hatte mit demselben Material gearbeitet, als er 
aus dem Kreosot das sich als Säure verhaltende, mit dem 
Quajacol identische Kreosol darstellte und durch die genaue 
Untersuchung dieser Säure und ihrer Verbindungen das 
Kreosol als den einen Bestandtheil des Buchenholztheer- 
kreosots nachwies. 

Um das neutrale Kalisalz des Kreosots darzustellen, 
behandelte ich nach Hlasiwetz die ätherische Lösung 
von Kreosot mit einer gesättigten alkoholischen Kalilösung. 
Ich erhielt einen weissen, consistenten Krystallbrei, von 
welchem sich fast gar keine Mutterlauge abpressen Hess 
und der mit Alkohol umkrystallisirt werden musste. 
Bessere Resultate erhielt ich aber, wenn ich Kreosot in 
Alkohol löste und mit einer alkoholischen Kalilösung ver- 
mischte und stehen Hess. Es bildeten sich weisse, weiche^ 
seidenglänzende Nadeln, die strahlenförmig von einem 
Puncte aus, dem Coffein ähnlich, krystallisirt waren, sich 
von der Mutterlauge durch Abpressen leicht befreien Hessen 
und durch Umkrystallisiren aus absolutem Alkohol und 
Abwaschen mit Aether gereinigt und unter der Luftpumpe 
getrocknet wurden. Dieses von der Mutterlauge vollstän- 
dig befreite Salz zeigt eine etwas graulich-weisse Farbe, 
während die geringste Menge anhängender Mutterlauge 
dasselbe violett und braun färbt. Das von mir darge- 
stellte Salz zeigte dieselben Reactionen, wie sie bereits 
Hlasiwetz gefunden. Es gelang mir auch, dasselbe aus 
einer concentrirten wässerigen Kalilösung und Kreosot 
zu erhalten ; übergoss ich dieses Salz mit Aether : so nahm 
derselbe eine schön blaue, beim Umschütteln verschwin- 
dende Farbe an. 



*) Jouru. für prakt. Chem. 75, 1. 



über das Kreosot. 13 

0,409 Grm. des unter der Luftpumpe getrockneten Sal- 
zes gaben 0,135 kohlensaures Kali = 22,45 Proc. Kali. 
0,616 Grm. gaben 0,253 Grm. schwefelsaures Kali = 

22,21 Proc. Kali. 
0,376 Grm. gaben 0,123 Grm. kohlensaures Kali == 
22,26 Proc. Kali. 

Die Berechnung verlangt 22,17 Proc. KO. 

Da dieses Salz die Zusammensetzung von Hlasiwetz's 
kreosolsaurem Kali besass, mithin Kreosol als der eine 
Bestandtheil auch meines Kreosots gefunden war: so konnte 
ich diese von Hlasiwetz so wohl charakterisirten Ver- 
bindungen bei meiner Arbeit bei Seite lassen und hatte 
nur mein Augenmerk auf den neben dem Kreosol vor- 
handenen Bestandtheil zu richten. 

Schon Hlasiwetz hatte den Versuch gemacht, die 
Mutterlauge seiner Kalisalze zur Isolirung des anderen 
Körpers zu benutzen, doch mit wenig günstigem Erfolg. 
Ich hatte dieselben Erfahrungen zu machen: denn die 
Mutterlaugen enthalten immer noch beträchtliche Mengen 
des Kalisalzes und des Kreosols gelöst und wurden die- 
selben immer noch durch alkoholische Eisenchloridlösuns: 
grün gefärbt. — Da sich direct der andere Bestandtheil 
des Kreosots von dem Kreosol nicht trennen lässt: so 
konnte er nur durch seine Derivate erkannt werden. Es 
war hierbei besonderer Werth zu legen auf das Verhalten 
des Kreosots gegen Salpetersäure, da Hlasiwetz beim 
Nitriren seines Kreosols keine krystallisirbaren Nitropro- 
producte, sondern schliesslich nur Oxalsäure erhielt. Trat 
ein krjstallinisches Nitroproduct auf: so konnte es nur 
von dem anderen Bestandtheil im Kreosot herrühren. 
Ausserdem waren die Chlorverbindungen zu berücksich- 
tigen, da Hofmann aus dem Kreosot Chloranil bekom- 
men hatte und dieses nicht aus Kreosol entsteht und fer- 
ner noch das Verhalten des Kreosots gegen Schwefelsäure. 

Beim Nitriren des Kreosots ist die Einwirkung eine 
äusserst heftige, weshalb es am besten ist, das Kreosot 
tropfenweise zur Salpetersäure zu bringen. Es bildet sich 



14 K. Frisch f 

neben viel Oxalsäure ein harzartiger Körper, der, nach- 
dem die Oxalsäure durch Waschen mit Wasser entfernt 
ist, sich beim Kochen mit Salpetersäure zu einem seide- 
glänzenden, hellgelben Harze verwandelt, welches in kal- 
tes Wasser gegossen, fest und brüchig wird und aus wel- 
chem Alkohol eine krystallisirende Substanz auszieht. 
Diese wiederholt aus Alkohol umkrystallisirt, stellte hell- 
gelbe Prismen dar, die vorsichtig erwärmt zu einem in 
der Kälte krystallinisch erstarrenden braungelben Oel 
schmelzen, beim Erhitzen lebhaft mit heller Flamme ab- 
brennen. In Aether und Alkohol sind die Krystalle leicht, 
in Wasser schwer löslich, mit intensiv gelber Farbe. Die 
wässerige Lösung reagirt sauer, färbt intensiv und dauernd 
gelb und schmeckt stark bitter. 0,510 Grm. der Säure 
waren in 38,960 Wasser von 20» C. löslich, mithin 1 Th. 
in 76,5 Th. Wasser. Schwefelsaures Eisenoxydul und 
Baryt färbten die gelöste Säure blutroth, indem sich 
Pikraminsäure bildete. Kochende Kalilauge entwickelte 
aus dem Nitroproduct Ammoniak und diese Lösung beim 
Uebergiessen mit Schwefelsäure salpetrige Säure. Con- 
centrirte Schwefelsäure löste sie unverändert auf. Eine 
alkoholische Lösung der Säure mit Ammoniak versetzt 
und mit Schwefelwasserstoff gesättigt, färbte die Flüssig- 
keit dunkel. Beim Stehenlassen nahm sie eine tiefrothe 
Farbe an und darin hatten sich braunschwarze Nadeln 
von amidinitrophenylsaurem Ammoniak gebildet. Cyan- 
kalium wurde durch die Säure roth gefärbt. 

a) 0,301 Grm. der Säure gaben mit Kupferoxyd und 
vorgelegten Kupferdrehspänen verbrannt 0,0455 
Gramm HO und 0,346 C02. 

b) 0,538 Grm. Substanz gaben 0,0675 Grm. HO und 
0,6155 C02. 

c) 0,620 Grm. der Säure mit CuO und Kupferdreh- 
spänen verbrannt gaben 99 CO. N bei 10^ C. und 
741,63 MM. Barometerstand. Corr. =: 91,955 CC. 
Gas = 0,114469 Grm. N = 18,47 Proc. 



über das Kreosot. 15 







Gefunden 




Berechnet 


a. 


■^"^C" " 


C. 


C»2 z= 31,4 Proc. 


31,34 Proc. 


31,2 Proc. 


Proc. 


H3 = 1,3 , 


1,67 „ 


1,41 „ 


!> 


N3 = 18,4 „ 


f) 


~~* » 


18,47 „ 


0»4 = 48,9 „ 


7) 


n 


r> 



100,0. 
War das eben beschriebene Verhalten dieser Säure 
und deren elementare Zusammensetzung schon hinreichend 
sie als Trinitrophenylsäure zu erkennen, so geschah dies 
noch vollständiger durch das Kalisalz, welches ich durch 
Sättigen der Säure mit doppeltkohlensaurem Kali darstellte 
und das die bekannten Eigenschaften des pikrinsauren 
Kalis zeigte. Beim Erhitzen dunkler werdend, dann 
schmelzend, explodirte es zuletzt heftig unter Zurück- 
lassung einer leicht verbrennlichen Kohle. In kaltem 
Wasser war das Salz schwer, aber mit intensiv gelber 
Farbe löslich, in kochendem jedoch leichter. 29,550 Grm. 
bei 17,5^0. gesättigter Lösung von pikrinsaurem Kali 
enthielt 0,1105 Grm. gelöst; mithin 1 Th. in 267,5 Th. 
Wasser. In Alkohol war das Salz zwar schwer, aber mit 
intensiv gelber Farbe löslich, eine Eigenschaft, die mich 
veranlasste, Löslichkeitsbestimmungen mit pikrinsaurem 
Kali zu machen, da angenommen wird, dass dieses Salz 
in jenem Lösungsmittel unlöslich sei *). 



*) Vom pikrinsauren Kali wird ziemlich allgemein angenommen, 
dass dasselbe in Alkohol unlöslich sei. Dies ist unrichtig. 
Ich habe einige Versuche über die Löslichkeit des Salzes in 
Wasser und Alkohol angestellt, da ausser der Bestimmung 
von Liebig, nach welcher 1 Th. des Salzes in 14 Th. kochen- 
den Wassers löslich ist, eine Angabe der Löslichkeit dieses 
wichtigen Salzes bei anderen Temperaturen nicht existirt. 
Das zu diesen Versuchen dienende Material stellte ich mir 
durch Sättigen reiner Pikrinsäure mit doppeltkohlensaurem 
Kali und mehrmaliges ümkrystallisiren dar. Die Bestimmun- 
gen wurden so ausgeführt, dass ich eine überschüssige Menge 
des Salzes mit dem betreffenden Lösungsmittel kochte, dann 
24 Stunden lang der angegebenen Temperatur unter öfterem 



16 K. Frisch, 

0,552 Grm. des Salzes gaben 0,178 schwefelsaures 

Kali = 17,42 Proe. 
0,695 Grm. des Salzes gaben 0,226 schwefelsaures Kali 
= 17,59 Proc. 

Der gefundene Kaligehalt stimmt genau überein mit 
dem des pikrinsauren Kalis, welches 17,5lProc. KO enthält. 

Kreosot mit Schwefelsäure digerirt und mit Wasser 
verdünnt, lässt mit Salpetersäure gekocht neben Oxalsäure 
ein beim Erkalten festwerdendes, hellgelbes, mit Krystal- 
len durchsetztes Harz entstehen, welches mit Ammoniak 
ausgezogen beim Verdunsten der ammoniakalischen Lösung 
lange, feine, gelbe, seideglänzende Nadeln anschiessen 
Hess, die in kaltem Wasser und Alkohol schwer, in kochen- 
dem Wasser leicht löslich w^aren. Die heisse wässerige 
Lösung mit Salpetersäure versetzt Hess beim Erkalten 
säulenförmige Krystalle entstehen, die durch wiederholtes 
Umkrystallisiren blond wurden, beim vorsichtigen Erhitzen 
schmolzen und theilweise unverändert sublimirten; beim 
schnellen Erhitzen jedoch rasch abbrannten. Von Schwefel- 
säure wurden diese Krystalle unzersetzt gelöst und durch 
Wasser wieder abgeschieden. Schwefelsaures Eisenoxydul 
und Barytwasser gaben eine der Pikraminsäure ähnliche 
rothe Färbung. Zink und verdünnte Schwefelsäure lösten 
die Säure zu einer schön dunkel rosenrothen Flüssigkeit, die 
sich durch Ammoniak grün färbte. Diese Eigenschaften 



Umschütteln aussetzte, abfiltrirte und in der abgewogenen 
Lösung durch Abdampfen das pikrinsaure Kali bestimmte. 
36,045 Grm. einer alkoholischen Lösung (Alkohol von 90 Proc.) 

bei 20^ C. gesättigt, gaben 0,049 pikrinsaures Kali. 
30,487 Grm. alkoholischer Lösung von 0^ enthielten 0,018 Grm. 

Salz gelöst. 
20,224 Grm. einer wässerigen Lösung von 20" C. hintei'liessen 

0,074 Grm. des Salzes. 
37,027 Grm. wässei'iger Lösung, die 24 Stunden lang in Eiswasser 
gestanden, gaben 0,084 trocknes Salz. 

Demnach ist ein Theil pikrinsaures Kali in 735,6 Th. 
Alkohol von 200 0.: in 1138 Th. Alkohol von 0"; in 273,3 Th. 
Wasser von 20** C. und in 440,8 Th. Wasser von 0" löslich. 



übe7' das Kreosot. 17 

iiessen auf Dinitrophenylsäure schliessen und dies wurde 
durch die Verbrennung bestätigt: 

a) 0,856 der Säure gaben 1,205 C02 und 0,195 HO 



b) 0,763 „ 


, 1,085 „ 


. 0,158 


Berechnet 


a. 


b. 


C»2 = 39,1 Proc. 


38,33 Proc. 


38,78 Proc. 


H4 = 2,2 „ 


2,53 „ 


2,3 „ 


N2 = 15,2 „ 


""* » 


~~* ti 


OlO = 43,5 „ 


» 


~~~ n 



100,0 Proc. 
Das Kalisalz dieser Säure erhielt ich durch Abstumpfen 
derselben mit zweifach -kohlensaurem Kali in orangefar- 
benen kleinen Nadeln, die beim Erwärmen dunkler wur- 
den, beim Erkalten ihre frühere Farbe wieder annahmen. 
In Wasser schien es etwas leichter löslich zu sein als das 
pikrinsaure Kali. 

0,527 Grm. des bei 100^ getrockneten Salzes gaben 
0,203 Grm. schwefelsaures Kali = 20,83 Proc. KO. 
0,635 Grm. gaben 0,2455 Grm. KO, SO^ = 20,9 Proc. 
Kali. 
Das dinitrophenylsaure Kali verlangt 21,17 Proc. Kali, 
Wie Hlasiwetz gefunden, verwandelt sich beim 
Nitriren das Kreosol in Oxalsäure. Diese Nitroproducte 
müssen also von dem neben dem Kreosol im Kreosot ent- 
haltenen Körper stammen und die gefundene Pikrinsäure, 
besonders aber die Dinitrophenylsaure bezeichnen diesen 
als einen Phenylkörper. 

Behandelt man Kreosot mit Salzsäure und chlorsaurem 
Kali unter Mitwirkung von anfangs gelinder Wärme: so 
erfolgt eine lebhafte Reaction. Das Kreosot wird unter 
starkem Aufschäumen dicker und braun und man erhält 
nach dem Erkalten und Stehenlassen zwei Schichten, von 
denen die eine consistentere sich zu Boden setzt und die 
andere schaumartige und hellgelbe von der Salzlauge 
getragen wird. Diese Masse wurde Öfters von dem sich 
bildenden und anhängenden Chlorkalium durch Auswaschen 
befreit und die Chlorung so lange fortgesetzt, bis die 
Arch. d. Phaim. CLXXXI. Bds. 1. u. 2. Hft. 2 



18 K. Frisch, 

Masse pflasterartige Consistenz erlangt hatte und mit 
Krystallen durchsetzt schien. Eine Probe mit kaltem 
Weingeist ausgewaschen und darauf in kochendem Alkohol 
gelöst, schied gelbe glänzende Schüppchen aus, welche 
durch Umkrystallisiren gereinigt und sublimirt wurden.. 
Der zum Umkrystallisiren verwendete Alkohol nahm beim 
längeren Stehen eine röthliche Farbe an; ebenso wurden 
auch die hellen goldgelben Schüppchen bei längerem 
Liegen auf dem Filter oder an der Luft dunkler. 

Vor der Sublimation schmolzen die Krystalle theil- 
weise unter Bräunung. 

a) 0,5.315 Grm. des Sublimats mit Kalk geglüht, in 
Salpetersäure gelöst und durch salpetersaures Silber- 
oxyd gefällt, gaben 1,139 Grm. Ag Gl = 0,28156 Ol 
= 52,97 Proc. Gl. 

b) 0,813 Grm. gaben 1,742 Grm. AgCl = 52,96 Proc. GL 
Das Hexachloroxylon von v. Gorup-Besanez ver- 
langt 50,35 Proc. Gl. 

Diese glänzenden Schüppchen, die durchaus gleich- 
artig erschienen und nicht vermuthen Hessen, dass sie 
zwei verschiedene Producte enthielten, wurden von Schwe- 
felsäure erst in der Hitze zersetzt. Vorsichtig mit Kali 
unter gelinder Erwärmung behandelt, lösten sich die 
Schuppen zu einer purpurrothen Flüssigkeit, die nach 
dem Erkalten eine braune humusartige Substanz absetzte 
und neben dieser bildeten sich schöne rothe Krystalle, 
welche mit Salzsäure zersetzt hellrothe Schüppchen von 
Chloranilsäure gaben. Dieses Kalisalz, so wie die daraus 
dargestellte Säure Hessen keinen Zweifel übrig, dass in 
dem gechlorten Körper Ghloranil vorhanden sei. Die 
Reaction des Kalis auf die gelben Schüppchen muss aber 
sehr vorsichtig sowohl mit nicht zu concentrirter Lösung, 
als auch unter möglichster Vermeidung höherer Tem- 
peratur geschehen, da man sonst statt einer purpurrothen 
eine braune Flüssigkeit erhält, die beim Erkalten nur 
humusartige Körper absetzt. 

Neben dem Ghloranil war aber ein diesem in seinen 



über das Kreosot. 19 

physikalischen Eigenschaften sehr ähnlicher Körper in 
diesen Krystallen enthalten, der, wie aus der Chlorbestira- 
mung hervorgeht, einen geringeren Chlorgehalt als das 
Chloranil haben musste. Um die Beschaffenheit dieses 
Körpers festzustellen, verfuhr ich ganz wie v. Gorup- 
Besanez bei der Darstellung seines Hexachlorhydroxy Ions, 
da die Verrauthung nahe lag, dass er niedriger gechlorte 
Chinone als das Chloranil enthalten könne und diese sich 
durch Behandlung mit schwefliger Säure am besten charak- 
terisiren. 

Die mit Wasser zerriebenen Schüppchen wurden dem- 
nach mit schwefligsaurem Gas bis zur Sättigung der Flüs- 
sigkeit behandelt, einige Tage stehen gelassen und gekocht. 
Es hatte sich neben schmutzig weissen Krystallen, die 
die Gestalt des Chloranils beibehalten, ein weisses Pulver 
ausgeschieden. Die gesammelten Krystalle und das weisse 
Pulver wurden nach dem AusAvaschen mit kaltem Wasser 
durch Aether und Alkohol gelöst. Es schieden sich beim 
Verdunsten dieser Lösung perlmutterglänzende grauweisse 
Blättchen aus und an den Wänden des Gefässes hatten 
sich lange prachtvolle dunkelviolette, im auffallenden Lichte 
schwarzgrüne Nadeln gelagert, welche Aehnlichkeit mit 
dem grünen Chinon-Hydrochinon hatten, nur dunkler als 
dieses waren. Diese Krystalle für sich sorgfältig gesam- 
melt, waren in kaltem Wasser unlöslich, wurden durch 
Alkohol und Aether, in denen sie leicht löslich sind, theil- 
weise zersetzt, indem sich mit den vorigen zugleich die unten 
beschriebenen Krystalle abschieden. In heisser Essigsäure 
waren sie ebenfalls löslich und krystallisirten daraus theils 
unverändert_, theils verändert heraus. In verdünntem Am- 
moniak lösten sie sich mit smaragdgrüner Farbe, die bald 
darauf in eine rubinrothe überging. Salzsäure fällte aus 
dieser Lösung einen korallenrothen Niederschlag. Ver- 
dünnte Kalilauge verhielt sich dem Ammoniak ähnlich. 
Durch Salpetersäure entstanden Prismen von Dichlorchinon. 

Die schmutzig weissen Krystallblättchen, welche sich 
in grösserer Menge als die violetten Nadeln abgeschieden 

2* 



20 K. Frisch, 

hatten, wurden, nachdem sie durch Urakrystallisiren aus 
kochendem Alkohol gereinigt, durch Kalilauge ebenfalls 
aber ohne Farbenveränderung; gelöst. Bei längerem 
Stehen wurde die Lösung aber grün und später roth. 
Ammoniak löste die Krystalle mit gelber Farbe, die bei 
Zusatz von Chlorwasserstoffsäure in eine violette überging. 
Wurde jedoch die ammoniakalische Lösung der Luft aus- 
gesetzt; so färbte sie sich erst grün, dann roth, unter Ab- 
scheidung einer schmutzig braunen Substanz. Schwefel- 
säure war ohne Einwirkung. Unterchlorigsaures Natron 
zu einer alkoholischen Lösung der Krystalle gesetzt, be- 
wirkt eine tiefgrüne Färbung unter Abscheidung von 
gleich gefärbten Krystallen. 

Diese weissen Krystalle zeigten Reactionen, wie das 
Dichlorhydrochinon und das Tetrachlorhydrochinon, wäh- 
rend die oben beschriebenen schönen schwarzgrünen Na- 
deln sich als Dichlorchinon- Dichlorhydrochinon ergaben. 
Aus der Bildung dieser Verbindungen geht aber hervor, 
dass mein ursprünglich gechlortes Product ein Gemisch 
von Chloranil mit Bichlorchinon war. 

V. Gorup-Besanez hatte, nachdem er auf gleiche 
Weise sein Hexachloroxylon mit schwefliger Säure behan- 
delt, ebenfalls dunkelviolette Nadeln und blonde Prismen 
erhalten. Durch Kochen mit viel Wasser entstanden die 
dunkelvioletten Nadeln. Kali färbte dieselben grün und 
später roth; kaustisches Ammoniak verhielt sich ähnlich; 
concentrirte Salpetersäure verwandelte sie nach längerem 
Einwirken in goldgelbe Blättchen. Durch unterchlorig- 
saures Natron hingegen wurden sie nur in gelbe Blättchen 
verwandelt. 

Die schwarzen Nadeln v. Gorup-Besanez 's lösten 
sich beim Erwärmen mit Kali und Ammoniak mit roth- 
brauner Farbe, wobei die Krystalle schmutzig- grün, hell- 
grün und blassgelb wurden. Dasselbe Verhalten habe ich 
auch beobachtet, wenn ich meine Nadeln mit concentrir- 
ter Kalilauge und mit nicht verdünntem Ammoniak in 
der Wärme behandelte, während mit verdünnten Lösungen 



über das Kreosot. 21 

und in der Kälte die oben angeführten Reactionen des 
Dichlorchinon -Dichlorhydrochinons auftraten. 

Es zeigen das blonde und das violette Hexachlor- 
bydroxylon von v. Gorup-Besanez mit Ausnahme 
einiger nur sehr unbedeutender Abweichungen ein solches 
ähnliches Verhalten wie das Bi- und Tetrachlorhydro- 
chinon, dass wohl der Schluss Hofmann's einige Berech- 
tigung zu haben scheint, nach welchem dieses Hexa- 
chlorxylon ein Gemisch von beiden oben genannten gechlor- 
ten Chinonkörpern ist. 

Wenn meine Voraussetzungen richtig: so musste mein 
gechlortes Product in Chloranil vollständig übergeführt 
werden können. Der Process der Chlorung geht sehr 
langsam vor sich. Nachdem die Behandlung mit chlor- 
saurem Kali und Salzsäure noch 12 Stunden lang fort- 
gesetzt worden war und eine Probe, wie oben angegeben, 
auf den Chlorgehalt geprüft wurde, gaben 0,240 Grm. 
Krystalle 0,534 Grm. Chlorsilber, entsprechend 55 Proc. Cl. 
Nach weiterer fünfzehnstündiger Chlorung waren endlich 
die Schüppchen vollständig in Chloranil übergegangen, 
welche, nachdem sie durch wiederholtes Umkrystallisiren 
gereinigt, sich weder durch Farbe, Krystallform, noch 
sonstige äussere Eigenschaften von den zuerst untersuch- 
ten Kry stallen unterschieden. 

0,288 Grm. sublimirtes Chloranil mit Kalk geglüht, 

durch Salpetersäure gelöst und mit salpetersaurem 

Silberoxyd ausgefällt, gaben 0,6670 AgCl = 0,16488 

Cl = 57,25 Proc. Cl. Das Chloranil verlangt 

57,7 Proc. Cl. 

Die erhaltene Menge Chloranil war der angewendeten 

Menge Kreosots nach eine verhältnissmässig sehr geringe. 

Das Chloranil konnte sich nur aus dem neben dem Kreosol 

im Kreosot enthaltenen Bestandtheil gebildet haben und 

Hess als diesen einen Phenylkörper vermuthen. In dem 

Alkohol, welcher nach der Behandlung des ursprünglich 

gechlorten Harzes mit Weingeist zur Isolirung des Chlor- 

anils verwendet war, hatte sich ein Harz gelöst, welches 



22 K. Frisch, 

nach Abdestillation des Alkohols als ein goldgelbes, dickes, 
klebriges, zähes Harz von unangenehmem Geruch zurück- 
blieb. In Wasser war es vollständig unlöslich, eben so 
in Essigsäure. 

üebergiesst man dieses Harz mit Salpetersäure, so 
färbt es sich dunkler; beim Erwärmen nimmt es eine 
rothe Färbung an und bei fortgesetztem Erhitzen geht 
der grösste Tiieil in einen schönen purpurrothen Schaum 
über, der sich grösstentheils beim Erkalten wieder harz- 
artig zu Boden setzt. Ein krystallisirtes Nitroproduct 
daraus zu erhalten, ist mir trotz lange fortgesetzten Nitri- 
rens nicht gelungen. 

Behandelt man Kreosot mit englischer Schwefelsäure, 
so löst sich dasselbe unter Erwärmung mit violettrother 
Farbe auf. Auf Zusatz von Wasser wird das Kreosot 
wieder in öligen gefärbten Tropfen ausgeschieden. Lässt 
man aber das Gemisch von Kreosot und Schwefelsäure 
34 Stunden lang bei 500 stehen, so wird die Masse sehr 
dickflüssig und löst sich vollständig ohne Kreosotabschei- 
dung in Wasser zu einer tief rubinröthen Flüssigkeit auf, 
welche mit Zink farblos wird, an der Luft sich wieder 
röthet. Die rothe Lösung mit kohlensaurem Baryt ab- 
gestumpft, enthält ein Barytsalz gelöst, welches nach Ein- 
dampfen der Flüssigkeit bei gelinder Wärme unter der 
Luftpumpe in kugeligen Massen krystallisirt. Durch Um- 
krystallisiren konnte das Salz fast farblos erhalten werden, 
gab aber beim Lösen in Wasser, in welchem es sehr leicht 
löslich ist, immer eine bräunlich -rothe Lösung. In heis- 
sem Alkohol löst sich das Salz schwerer als in Wasser 
und bildet nach dem Erkalten aus verdünnten Lösungen 
eine durchsichtige Gallerte, beim Erkalten aus gesättigten 
Lösungen aber eine breiartige Substanz. Dieselbe gelatinöse 
Masse bildet sich, wenn man eine wässerige Lösung des 
Salzes mit Alkohol versetzt. 

Das aus Wasser umkrystallisirte und durch Nach- 
waschen mit Alkohol gereinigte Salz wurde im luftleeren 
Räume getrocknet. 



übe7' das Kreosot. 23 

1,043 Grra. unter der Luftpumpe getrocknet verlören 
bei 1000 0,094 HO = 9 Proc. 
Die folgenden Analysen wurden mit bei 100^ ge- 
trocknetem Salze ausgeführt: 

a) 0,560 Grm. gaben 0,259 Grm. BaO,S03 = 46,25 Proc. 

b) 0,970 „ „ 0,449 „ „ = 46,29 „ 

c) 0,848 „ wurden mit Salpetersäure oxydirt und 
gaben mit Chlorbaryum gefällt 0,786 Grm. BaO, S03. 

d) 0,870 Grra. mit Kupferoxyd und vorgelegten Kupfer- 
drehspänen und Bleihyperoxyd verbrannt, gaben 
0,907 C02 und 0,216 HO. 

e) 0,494 gaben 0,521 Grm. C02 und 0,114 HO. 
Berechnet Gefunden 





d. 


e. 


a. 


b. 


c. 


Pro. 


Prc. 


Prc. 


Prc. 


Prc. 


Prc. 


C12 = 28,73 


28,42 


28,77 


— 


— 


— 


H6 = 2,35 


2,75 


2,5 


— 


— 


— 


02 = G,44 


— 


— 


— 


— 


— 


BaO = 30,56 


— 


— 


30,34 


30,36 


— 


2S03 = 31,92 


— 


— 


— 


— 


31,7i 



100,Ü0 Prc. 

Es ergiebt sich also für dieses Salz die Formel 
Ci2H50,S03, H0,Ba0,S03, 
dieselbe, die Laurent für seinen sulfophenissauren Baryt 
gefunden hatte. In den meisten chemischen Werken ist 
dieser als C12H5 0, S03, BaO, S03 aufgeführt. Es lässt 
sich jedoch das eine Aequivalent Wasser aus der Verbin- 
dung nicht entfernen, da sie bei 1000 getrocknet, obige 
Zusammensetzung besitzt und in höheren Temperaturen 
sich zersetzt. 

Das Barytsalz, welches ich in Alkohol gelöst, aus 
diesem krystallisirt und bei 1000 getrocknet hatte, zeigte 
eine von den vorigen Salzen abweichende Zusammensetzung, 
indem der Alkohol wohl etwas zersetzend eingewirkt hatte. 
0,441 Grm. gaben 0,195 Grm. BaO,S03 = 29,02 Proc. BaO. 
0,840 „ „ 0,375 „ „ =29,05 „ 

0,435 „ „ 0,494 C02 und 0,113 HO = 30,9 Proc. C 

und 2,88 Proc. H. 



24 K. Frisch, 

0,9765 Grm. gaben 1,104 C02 und 0,2645 HO = 30,84 

Proc. C und 3,01 Proc. H. 

Kreosotschwefelsäure mit frisch gefälltem Bleioxyd- 
hydrat digerirt, löste dieses zu einer röthlich gefärbten 
Flüssigkeit, die eingedampft pflasterartig wurde und diese 
Consistenz auch unter der Luftpumpe beibehielt. Diese 
Bleiverbindung nahm bei gewöhnlicher Temperatur, im 
luftleeren Räume getrocknet, täglich an Gewicht ab und 
ergab selbst nach vier Wochen keine constanten Wägungs- 
resultate. Bei 100^ entwickelten sich Dämpfe und auch 
ein unangenehmer Geruch, welcher bei dem Barytsala 
nicht wahrzunehmen gewesen war. Nachdem kein Gewichts- 
verlust mehr stattfand, bestimmte ich den Bleioxydgehalt 
der Präparate, die sich im Wasser noch vollständig lösten. 

a) 2,334 Grm. gaben 1,304 Grm. PbO,S03 = 41 Prc. PbO. 

b) 1,908 „ „ 1,040 „ „ = 40,06 Prc. PbO. 

C>2H5 0, S03,PbO, S03 würde 40,3 Proc. PbO ver- 
langen. 

Da das phenylschwefelsaure Bleioxyd keine krystalli- 
sirbare Verbindung ist, so hängt diesem aus dem Kreosot 
bereiteten noch das Kreosol an, welches beim Barytsalz 
in der Mutterlauge bleibt. Dieses entweicht erst voll- 
ständig bei höherer Temperatur. 

Kreosot mit Kalkhydrat behandelt, gab eine krümelige 
feste Masse, die nach einiger Zeit eine violette Farbe 
annahm. Wasser wirkte schwer lösend; es wollte mir 
jedoch nicht gelingen, aus dieser Lösung eine constante 
Verbindung darzustellen, da beim Eindampfen das Kreosot 
bereits durch Kohlensäure verdrängt und verflüchtigt wird. 

Behandeljte ich das Kreosot mit oxydirenden Substan- 
zen, wie die Lösung desselben in Schwefelsäure mit saurem 
chromsauren Kali : so ändert sich der specifische Geruch 
des Kreosots in einen angenehm aromatischen um; die 
Flüssigkeit wird dunkelbraun, fast schwarz und setzt eine 
harzartige schwarze Masse ab, die mit Wasser ausge- 
waschen, bröckelig wird, in Alkohol löslich ist, in Kali 
und Ammoniak sich theilweise mit dunkelbrauner Farbe 



über das Kreosot. 25 

löst und braune humusartige Körper zurüeklässt. Gegen 
Säuren verhielt sich die Substanz indifferent. 

Fast dasselbe Verhalten wie gegen saures chromsaures 
Kali zeigte Kreosotschwefelsäure gegen Oxalsäure. Es 
trat beim Erwärmen Entwiekelung von Kohlensäure ein, 
die Flüssigkeit wurde immer trüber, zuletzt schwarzbraun, 
wobei sich eine schwarze harzige Masse ausschied, die 
nach dem Auskochen mit Wasser spröde wurde, in Alkohol 
etwas löslich war und von Kali und Ammoniak unvoll- 
ständig zu einer röthlich braunen Flüssigkeit gelöst wurde. 

Ein neutrales Bleisalz aus dem Kreosot darzustellen, 
um aus diesem das Aequivalent desselben zu bestimmen, 
gelang nicht, basische Verbindungen aber sind für den 
beabsichtigten Zweck natürlich ungeeignet. Ich versuchte 
das Verhalten einer alkoholischen Lösung von Kreosot 
gegen essigsaures Bleioxyd, eben so auch eine essigsaure 
Lösung von Kreosot gegen dasselbe Reagens, erhielt aber 
keine Fällungen. 

Nach den vorliegenden Resultaten, besonders der Bil- 
dung von Pikriasäure, Dinitrophenylsäure, von Phenyl- 
schwefelsäure und Chloranil glaube ich berechtigt zu sein, 
in dem Kreosot neben dem Hlasiwetz'schen Kreosol einen 
Phenylkörper anzunehmen. 

Aus den Elementaranalysen des Kreosots, wie sie 
V. Gorup-Besanez, Ettling, Völckel und ich aus- 
geführt haben und bei denen die ersteren beiden und die 
letzteren beiden ziemlich übereinstimmend ausgefallen sind, 
scheint hervorzugehen, dass das nach dem Reichenbach- 
schen Verfahren durch wiederholtes Behandeln mit Aetz- 
kali dargestellte Kreosot keine constante Zusammensetzung 
besitzt, wie auch v. Gorup-Besanez in seiner Zusam- 
mensetzung des Kreosots hervorhebt: denn er hat durch 
eigene Versuche gefunden, dass durch wiederholtes Be- 
handeln mit Kali der Kohlenstoff- und Wasserstoffgehalt 
herabgedrückt und der Sauerstoffgehalt erhöht wird 
und er vermuthet, dass das Kreosot sich durch fort- 
gesetzte Behandlung mit Kali zu Quajacol oxydiren 



26 K. Frisch, 

Hesse, mit welchem es so bedeutende Aehnlichkeiten hat. 
Diese von ihm theoretisch gefolgerte Annahme hat sich 
auch in so fern durch die Arbeiten von Hlasiwetz be- 
stätigt, als derselbe wirklich im Kreosot Quajacol gefun- 
den hat; das Quajacol jedoch C'^Hi^O* zusammengesetzt 
findet, während das von v. Gorup-Besanez gemeinte. 
Völckel'sche Quajacol aus C^^H^O*, wahrscheinlich einem 
Gemenge des Quajacols mit einem ihm homologen Körper 
besteht. 

Es wäre wohl eher anzunehmen, dass durch Behan- 
deln mit Kali ein schwer von dem Kreosot zu trennendes, 
mit demselben homolog siedendes Oel, wahrscheinlich ein 
Kohlenwasserstoff, nach und nach entfernt wird und dass 
die Einwirkung des Kalis, wie auch Völckel gefunden 
hat, bei einem gewissen Punct keinen Einfluss mehr auf 
die Zusammensetzung des Kreosots hat. Ist dieses Stadium 
gekommen, so weicht das so gereinigte Kreosot in so fern 
von dem mit höherem Kohlenstoffgehalte ab, als es in 
gewöhnlicher Essigsäure sich auflöst und auch in verdünn- 
ter Kalilauge vollständig löslich ist. 

Es lässt sich auch kaum auf eine andere Weise der 
gleiche und constante Siedepunct eines Kreosots von 
75 Proc. C. und von 7.3 Proc. Kohlenstoff erklären, wenn 
man nicht in ersteren einen mit dem Kreosot homolog 
siedenden Körper annimmt, der durch die Behandlung 
mit Kali entfernt wird: denn eine Zersetzung des Kreosots 
würde den Siedepunct verändern, in diesem Falle ihn, da 
eine Kohlenstoffverminderung eintritt, herabdrücken. Aus- 
serdem ist es von Interesse, dass mit der Abnahme von 
Kohlenstoff und Wasserstoff das specifische Gewicht zu- 
nimmt und auch dieses spricht für die Annahme eines 
Kohlenwasserstoffes, da diese ein niedriges specifisches 
Gewicht besitzen. So fanden: 

Ettling: bei 75,72 Proc. C und 7,80 Proc. H ein 
spec. Gew. von 1,037 b. 200 0. 

V. Gorup-Besanez: bei 75,21 Proc. C und 7,92 Proc. 
H ein spec. Gew. von 1,046 — 1,049 b. 11,50 C. 



über das Kreosot. 27 

V. Gorup-Besanez: bei 74,8 Proc. C und 7,8 Proc. 
H ein spec. Gew. von 1,057 b. 13» C. 

Völckel: bei 72,68 Proc. C und 7,10 Proc. H ein 
spec. Gew. von 1,076 b. 15,50 C. 

und nach meiner Bestimmung: bei 72,9 Proc. C und 
7,1 Proc. H ein spec. Gew. von 1,0874 b. 20^0. 

DasKreosot ist als eine eigenthümliche chemi- 
sche Verbindung zu betrachten, welche aus dem 
dem Quajacol gleichen Kreosol und einem Phenyl- 
körper besteht. Würde man in dem Kreosot mit Hlasi- 
wetz ein dem Phenjl homologes Radical annehmen, so wür- 
den wohl auch dem Phenyl liomologeDerivate resultirt haben, 
wie wir solche aus dem Steinkohlentheerkreosot in den Kre- 
sylverbindungen kennen und aus eben diesem Grunde ist die 
Annahme unrichtig, nach welcher viele Chemiker das Kreo- 
sot für Kresylalkohol halten. Diesem steht ferner die Beob- 
achtung Fairlie's entgegen, dass bei dem Sieden seines Kre- 
syloxydhydrats der anfangs stationäre Siedepunct im Laufe 
der Destillation mehr und mehr sinkt in Folge einer Zer- 
setzung des Kresylalkohols in Phenylalkohol, Eigenschaften, 
welche vollständig unseren Beobachtungen zuwiderlaufen*). 
Nach vorliegenden Untersuchungen und den Elemen- 
taranalysen von Völckel und mir kann man das Kreo- 
sot als eine dem sauren Kalisalz des Kreosols 
entsprechende Verbindung betrachten, in wel- 
chem an Stelle des Kaliums Phenyl eingetreten 
ist: denn das Kreosol ist geneigt, wie aus dem Kalisalze 
und den Bromverbindungen desselben hervorgeht, saure 
Verbindungen einzugehen. 

Die Formel würde sich nach der Elementaranalyse 
herausstellen als: 

Ci6Hi0O4^Ci6H9(Ci2H5)O4 -j- HO. 



*) Kresylalkohol weicht in seinem Siedepuncte von dem Gesetze 
der Erhöhung des Siedepunctes homologer Reihen um 19" bei 
C2H2 ab, indem er dem Phenylalkohol homolog 194 -f- 190 = 
2130 sieden müsste. 



28 G. C. Wittstein, 

-o -u -^ Mittel: Mittel bei 

^^^ ° Völckel's Analyse meiner Analyse 

C44 = 73,12 72,68 72,9 

H25 = 6,94 7,10 7,1 

09 = 19,94 20,22 20,0 

100,00. 100,00. 100,0. 

Noch erlaube ich mir zur praktischen Prüfung des 
Kreosots auf seine Reinheit hervorzuheben, dass Kreosot 
aus Buchenholztheer in seiner alkoholischen Lösung mittelst 
Eisenchlorid grün gefärbt wird, eine alkoholische Lösung 
von Phenyloxydhydrat sich aber nur bräunt; eine wässerige 
Kreosotlösung hingegen durch dasselbe Reagens nicht 
angezeigt wird, während Phenylalkohol die bekannte blaue 
Färbung giebt. 



neber Zuckerkapseln mit löslichem Eisen (oxyd)- 
Saccharat; 



G. C. Wittstein. 



Unter der Bezeichnung lösliches Eisen-Saccharat 
in Zuckerkapseln bringt die Firma Jordan und 
Tim aus in Berlin, Dresden und Wien, ein durch seine 
Cacao - Präparate schon lange rühmlichst bekanntes Ge- 
schäftshaus, seit einiger Zeit das Eisenoxyd, zum Zwecke 
innerlicher medicinischer Anwendung, in so eigenthüm- 
licher, neuer, leicht, bequem und angenehm zu nehmender 
Form in den Handel, dass eine eingehende Mittheilung 
darüber in dieser Zeitschrift gewiss am Platze ist. 

Diese Kapseln befinden sich, eine jede in feines 
Papier eingewickelt, zu 20 und zu 40 Stück in Papp- 
schachteln, deren Aufschrift den Beisatz „jede Kapsel 
enthält i/jg Gran metallisches Eisen" hat. Die kleinere 
Schachtel voll kostet 5, die grössere 10 Sgr. Das Eisen- 
Saccharat dazu liefert Herr Dr. E. Fleischer in Dres- 



Zuckerkapseln mit löslichem Eisen{pxyd)-Saccharat. 29 

den und die oben genannte Firma besorgt die Anferti- 
gung und Füllung der Kapseln. 

Bei dem Namen Kapseln denkt man unwillkürlich 
an die bekannten Gelatinkapseln, welche mit Copaivabalsam 
u. dergl. gefüllt sind, allein damit haben sie nur den Namen 
gemein, denn sie bestehen lediglich aus Zucker; es sind 
gleichsam Aggregate von Zuckerkryställchen, in Form 
und Grösse einer gewöhnlichen Cacaobohne und mit einer 
Höhlung versehen, welche von dem Eisen-Saccharate ein- 
genommen wird. Ihr Gewicht variirt von etwas über 
1 Skrupel bis beinahe 2 Skrupel, indem die Zuckerwand 
bald dünner, bald dicker, während das Gewicht des In- 
haltes ein mehr constantes ist und circa 15 Gran beträgt. 
Dieser Inhalt ist ein dunkelgoldgelber klarer Syrup von 
süssem, milde eisenartigem und weingeistigem Geschmack. 
Lässt man eine Kapsel im Munde zergehen, so empfindet 
man anfangs reinen Zuckergeschmack, und sobald die 
Hülle aufgelöst ist, tritt jener milde eisenartige und wein- 
geistige Geschmack hervor. Für die Kinderpraxis und 
überhaupt für Personen, welche vor den gewöhnlichen 
Arzneien einen Widerwillen haben, konnte, wo es sich 
um Einführung von Eisen in den Organismus handelt, 
daher wohl kaum eine passendere Form gewählt werden 
als diese Kapseln. In der That hat das Präparat sich 
bald Eingang in die medicinische Welt verschafft; es ist 
bereits in den Apotheken Sachsens so wie des. übrigen 
Norddeutschlands ein gangbarer Artikel geworden und 
fängt auch schon an, sich im Süden zu verbreiten. Dabei 
verdient noch Beachtung, dass die Fabrikanten das Präparat 
nur den Apotheken zum Vertriebe übergeben, damit das- 
selbe, dessen Grundlage eine reelle wissenschaftliche ist, 
nicht in die Ciasse der Geheimmittel und Schwindeleien 
geworfen werde. Der für dieses in solcher Form unbe- 
zweifelt nicht leicht herzustellende Medicament verlangte 
Preis ist ein sehr massiger. 

Schenken wir aber nun auch dem Eisen-Saccharate 
selbst eine nähere Betrachtung. Der Name soll andeuten, 



30 G. C. Wittstein, 

dass das Eisen sich durch Vermittelung des Zuckers in 
gelöstem Zustande befindet; das erscheint auf den ersten 
Blick etwas zweifelhaft, ist aber, wie weiterhin erhellen 
wird, nichts desto weniger richtig. Zwar weiss man, dass 
Zuckerlösung die Fähigkeit besitzt, kleine Antheile oxydir- 
ten Eisens aufzulösen und dadurch einen schwach eisen- 
artigen Geschmack anzunehmen; ich erinnere nur an das^ 
bekannte Becker -Klauer'sche Ferrum carhonicum saccha- 
ratum, welches damit geschütteltem Wasser neben dem 
süssen auch einen schwach eisenartigen Geschmack ertheilt. 
Das durch die Vermittelung des Zuckers in das Wasser 
gelangte Quantum Eisen ist indessen nur gering; Alkalien 
zeigen es gar nicht an, was jedoch nur in der bekannten 
Eigenschaft nicht flüchtiger organischer Substanzen, die 
Fällung des Eisens durch Alkalien zu verhindern, begrün- 
det ist; aber auch Ammoniumsulfid, dessen Reaction 
durch die Gegenwart solcher Substanzen nicht beeinträch- 
tigt wird, ruft zunächst nichts weiter als eine grüne Fär- 
bung hervor, und erst bei längerem Stehen setzen sich 
schwarze Flocken ab. 

Concentrirte Zuckerlösungen sind im Stande, mehr 
Eisen aufgelöst zu halten, aber beim Verdünnen mit 
Wasser fällt der grösste Theil desselben wieder heraus. 
Solcher Art ist und verhält sich der eisenhaltige Syrup 
der Kapseln, denn er ist vollkommen klar, wird aber 
beim Vermischen mit Wasser sofort trübe und setzt den 
grössten Theil (^^/le) des Eisenoxyds als gelbbraune Flocken 
ab. Eine ähnliche Erscheinung kann man täglich in der 
Receptur an den meisten officinellen Pflanzenextracten 
wahrnehmen ; mit dem Spatel herausgenommen sehen sie, 
selbst in den dünnsten Schichten, klar aus, aber mit Wasser 
geben sie eine trübe Lösung, der trübende Körper befindet 
sich mithin in dem Extracte selbst aufgelöst und scheidet 
sich erst in Folge der Einwirkung des Wassers aus. 

Die Darstellung des Syrups anlangend, so musste die 
Möglichkeit einer directen Auflösung von Eisenoxyd — 
wenn auch als Hydrat und im frischgefällten Zustande 



Ztickerkapseln mit löslichem Eisen (oxyd) - Saccharat. 31 

— in Zucker schon von vornherein abgewiesen, vielmehr 
angenommen werden, dass man sich dazu eines löslichen 
Eisenoxydsalzes bediene. Ueber die Wahl eines solchen 
konnte kaum ein Zweifel bestehen, denn keines eignet 
sich besser dazu als das Eisenchlorid, und dass dieses 
wirklich verwendet wird, zeigte mir sofort das Verhalten 
des mit Wasser verdünnten und von ausgeschiedenem 
Eisenoxyde abfiltrirten Syrups zu salpetersaurem Silber- 
oxyd. (Auf Schwefelsäure gab die Flüssigkeit nur eine spur- 
weise Andeutung.) Aber die verhältnissmässig nicht starke 
Reaction auf Chlor, dann die schon durch Wasser allein 
erfolgende Präcipitation des meisten Eisenoxyds aus dem 
Syrup und der milde eisenartige Geschmack des letztern 
bewiesen, dass darin kein neutrales (Fe2C13), sondern 
ein sehr basisches Eisenchlorid zugegen ist. 

Wenn man eine Lösung von Eisenchlorid abdampft,, 
so entweicht mit den Wasserdämpfen fortwährend auch 
Chlor oder vielmehr Salzsäure, welche durch Zerlegung 
von Wasser entstanden ist, dessen Sauerstoff mit dem 
seines Chlors beraubten Eisen Eisenoxyd bildet, das sich 
aber nicht ausscheidet, sondern in dem noch unzersetzten 
Eisenchloride zu einer basischen Verbindung gelöst bleibt. 
Auf diese Weise kann sogar das meiste Chlor ausgetrieben 
werden, ohne dass die Masse ihr klares Ansehen verliert; 
giesst man aber dann Wasser hinzu, so erfolgt Zersetzung 
unter starker Trübung und Ausscheidung von Eisenoxyd- 
hydrat, und die darüber stehende Flüssigkeit besitzt oft 
kaum noch eine gelbliche Farbe. Zuckerzusatz beeinträch- 
tigt das klare Ansehn der eingedampften Eisenlösung 
nicht, sondern macht die Farbe nur heller, kann aber 
nicht verhindern, dass beim Verdünnen mit Wasser eine 
ähnliche Zersetzung und Trübung erfolgt, wie wenn kein 
Zucker vorhanden wäre. 

Diese Andeutungen werden genügen, die Darstellung 
eines eisenhaltigen Syrups, wie er in den Zuckerkapseln 
sich eingeschlossen befindet, verständlich und ausführbar 
zu machen. Neutrales Eisenchlorid in die Kapseln ein- 



32 G. C. Wittstein, 

geschlossen, würde beim Zergehen derselben im Munde 
einen unangenehmen tinteartigen Geschmack hervorrufen; 
dieses zu verhindern, ist das Verdienst des Herrn Dr. 
Fleischer, indem er das Chlorid auf die äusserste Grenze 
der Basicität gebracht und durch die Syrupform gelöst 
erhalten hat. Der Zusatz von Weingeist scheint mir 
unwesentlich. Und da das Mittel nicht erst in Wasser 
aufgelöst wird, sondern unmittelbar in den Mund gelangt, 
so geht auch keine Spur Eisen verloren. 

In Erwägung, dass das Vertrauen zu einem neuen 
Arzneimittel nur gewinnen kann, wenn die Angaben der 
Verfertiger, resp. Verkäufer von unparteiischer Seite be- 
stätigt werden, und dass dem in Rede stehenden die grösste 
Verbreitung zu wünschen ist, habe ich eine quantitative 
Bestimmung des Eisens und daneben auch des Chlors aus- 
geführt. Zu diesem Zwecke wurden 10 Kapseln, welche 
zusammen 322 Gran wogen, in der doppelten Menge 
Wasser gelöst, das ausgeschiedene Eisenoxyd auf einem 
Filter gesammelt und so lange gewaschen, bis das Wasser 
rein ablief. 

n) Der Filterinhalt konnte möglicherweise kein reines 
Eisenoxydhydrat, sondern basisches Chlorid sein; er wurde 
daher mit Kalilauge erwärmt, wieder ausgewaschen und 
hierauf erst geglühet. Jetzt reines wasserfreies Eisenoxyd, 
betrug sein Gewicht 0,75 Gran = 0,525 Gran metallischem 
Eisen. 

Das kalinische Filtrat erlitt, nach dem Uebersättigen 
mit Salpetersäure, durch salpetersaures Silber eine sehr 
schwache Trübung, welche sich allmälig am Boden ver- 
einigte und 0,0312 Gran betrug, worin also 0,00772 Gran 
Chlor enthalten waren. 

b) Die von a getrennte, sehr schwach sauer reagirende 
Flüssigkeit, worin sich aller Zucker, das meiste Chlor 
und noch eine kleine Menge Eisen befanden, machte man 
mit Salpetersäui'e stark sauer und fällte es dann mit 
salpetersaurera Silberoxyd aus. Das Chlorsilber setzte sich 
aus dieser Flüssigkeit gar nicht ab, selbst nach Verlauf 



Zuckerkapseln mit löslichem Eisen {oxyd)-Saccharat. 33 

einer Woche war noch nicht an ein Filtriren zu denken, 
und erst Erwärmen des Ganzen bis zum Kochen ver- 
mochte eine Vereinigung des Niederschlags in dichtem 
Flocken und eine Klärung der Flüssigkeit zu bewirken. 
Dieses Chlorsilber wog 0,130 Gran, enthielt also 0,03216 
Gran Chlor. Dazu das in a erhaltene Chlor = 0,00772 
Gran, macht in Summa 0,03988 Gran. 

Die vom Chlorsilber getrennte Flüssigkeit wurde 
mittelst Salzsäure von dem überschüssig angewandten 
Silber befreit, dann mit Ammoniak übersättigt und, als 
dadurch keine sichtbare Veränderung eintrat, Ammonium- 
sulfid hinzugefügt. Es erfolgte eine dunkelgrüne Fär- 
bung und nach 2 Tagen hatten sich schwarze Flocken 
abgelagert, welche noch 0,050 Gran Eisenoxyd = 0,035 Gr. 
metallischem Eisen lieferten. Alles Eisen aus 10 Kapseln 
betrug demnach 0,800 Gr. als Oxyd oder 0,560 Gr. als 
Metall. Dies ergiebt für 1 Kapsel 0,056 oder i/j^ Gran 
metallisches Eisen, also etwas weniger als angegeben ist. 
Hager*), welcher den Eisengehalt ebenfalls bestimmt 
hat, fand per Kapsel 0,077 oder ^/i3 Gran, also etwas 
mehr als angegeben. Solche Schwankungen erklären sich 
leicht dadurch, dass die eine Kapsel etwas mehr, die 
andere etwas weniger Eisensyrup fasst, sind aber zu unbe- 
deutend, um sie zum Gegenstande eines Tadels zu machen, 
und gleichen sich immer wieder aus, wie denn das Mittel 
der beiden Bestimmungen 1/17 und ^/|3 auch genau die 
garantirte Zahl '/15 ist. 

Die gefundenen Mengen Chlor und Eisen stehen zu 
einander in dem äquivalenten Verhältniss von 1 zu 18, denn 
Gefunden Aeq. Berechnet 

Chlor . . . 0,03988 1 0,03941 

Eisen . . . 0,56000 18 0,56047 

0,59988. 0,59988. 



*) Pharm. Centralhalle 1866. No. 46. 



Arch. d. Pharm. CLXXXI. Bds. 1. u. 2. Hft. 



34 Die essharen Erden in Persien. 

Heber die essbaren Erden in Persien. 



Die Gewohnheit, mineralische Stoflfe zu geniessen, 
dürfte kaum in einem andern Lande so verbreitet sein^ 
wie in Persien. Auf den Bazaren der meisten Städte 
werden erdartige Stoffe feilgeboten, die der Befriedigung 
einer, wie es scheint, tief eingewurzelten Gewohnheit 
dienen sollen ; sie bilden einen nicht unbedeutenden Han- 
delsartikel. Es ist dieser Erdgenuss vorzugsweise auf 
das Volk beschränkt und namentlich sollen die Frauen 
demselben huldigen. Wenn neuere europäische Reisende, 
welche Persien besuchten, jener seltsamen Gewohnheit 
mit keiner Silbe erwähnten, so darf das nicht überraschen, 
da den Fremden nur wenig Gelegenheit geboten wird, 
sich mit den Sitten und Gebräuchen des Volks eingehen- 
der bekannt zu machen. 

Es sind besonders essbare Erden von zwei Oertlich- 
keiten, die sich eines Rufes im Lande erfreuen und welche 
man fast allenthalben wieder trifft. Die eine ist unter 
dem Namen Ghel Mahallat, d. h. Thon von Mahallat be- 
kannt, welcher vom Gebirge gleichen Namens etwa 60 
Werste westlich von Kum gebracht wird. Es ist ein 
rein weisser, feiner, etwas fettig anzufühlender und der 
Zunge anklebender Thon. Die chemische Untersuchung 
dieses Thones ergab: 

Kieselsäure 43,0 

Thonerde 37,5 

Kali 0,5 

Wasser 19,0. 

Die zweite Erdart heisst Ghel i Giveh, Thon von 
Giveh, einer Oertlichkeit, die unfern Kirman liegen soll. 
Es sind unregelmässig gestaltete, rein weisse, feste Knol- 
len, von Wallnuss- bis Faust-Grösse ; sie fühlen sich fein- 
erdig, nicht fettig an, haften nur schwach an der Zunge 
und haben einen etwas salzigen Geschmack. 



Die essbaren Erden in Persien. 35 

Die Untersuchung zweier Knollen ergab : 

I. II. 

Kohlensauren Kalk 14,660 23,500 

Kohlensaure Magnesia 78,162 68,758 

Magnesiahydrat 1,385 2,985 

Chlornatrium und schwefelsau- 
res Natron 2,192 1,946 

Wasser . 3,601 2,812 

100,000 100,000. 

Nach dieser Zusammensetzung ist das Mineral keine 
Thonart, sondern reihet sich am ehesten dem Hydro- 
magnocalcit an. 

Beide untersuchte Substanzen enthalten weder etwas, 
was zu den eigentlichen NahrungsstofFen des mensch- 
lichen Körpers zu rechnen ist, noch solche Dinge^ welche 
irgend einen Einfluss auf das Nervensystem ausüben; 
denn der feine Mahalla-Thon wird sich völlig indififerent 
verhalten, die Erde von Giveh kann nur insofern von 
Wirkung sein, als allenfalls durch die Erdcarbonate die 
freie Säure des Magensaftes neutralisirt wird. Sucht 
man nun nach der Erklärung der seit Jahrhunderten 
eingewurzelten Gewohnheit des Erde-Essens, so lässt sich 
etwa Folgendes annehmen: 

Die in den meisten persischen Ebenen den grössten 
Theil des Jahres hindurch herrschende trockne Hitze, 
das unthätige Leben der Orientalen haben zunächst ein 
äusserst vermindertes Nahrungsbedürfniss zur Folge. Der 
Körper bedarf wenig zum Wiederersatz der verbrauch- 
ten Stofife. Der eigentliche Genuss des Essens, welcher 
in dem Masse höher empfunden wird, als der Mensch 
unter dem Einflüsse anstrengender Thätigkeit und nie- 
derer Temperatur sich befindet, fällt somit weg. Wollte 
er sich solchen verschaffen durch Einführung wirklicher 
Nahrungsmittel, die sehr leicht über das erforderliche 
gewöhnliche Mass geht, so würden die Folgen davon in 
Form von heftigen Indigestionen, die in jenem Klima 

3* 



36 Die essharen Erden in Persien. 

besonders heftiger Natur sind, nicht ausbleiben. Der 
Genuss süsser und wässeriger Früchte, der hier am Platze 
wäre, behagt nicht Allen, auch sind solche nicht überall 
zu haben. Jene dem Organismus völlig indifferenten, 
dabei wohlfeilen Thone und Erden genügen zu diesem 
Zwecke. Sie verschaffen zunächst die Thätigkeit des 
Beissens und Schlingens, füllen den Magen und brin- 
gen das Gefühl einer vermeintlichen Sättigung hervor 
und verlassen den Organismus wieder, ohne — wenig- 
stens bei nicht übermässigem Genuss — auf die Blut- 
mischung einen störenden Einfluss ausgeübt zu haben. 
Sie wirken nur mechanisch, nicht chemisch. Hierzu 
kommt noch von Seiten der Phantasie das reinliche Aus- 
sehen der blendend weissen Knollen, das sanfte, zwischen 
den Zähnen abstumpfende Gefühl des sandfreien, durch 
Reiben und Drücken leicht mehlfein zu erhaltenden Pul- 
vers derselben. Endlich tragen noch Aberglauben, Un- 
wissenheit und Faulheit das. Ihrige bei zur Erhaltung 
der sonderbaren Gewohnheit. [Landw. Zeitung des Prov.- 
Vereins Hannover.) 

Ergebnisse chemischer Analysen der Seidenraupen; 

von 

Leopold Lenz in Lngarisch-Altenburg. 

Die zur Analyse verwendeten Seidenraupen entstam- 
men theils der an der hiesigen Anstalt befindlichen Zucht, 
theils waren sie anderorts herbeigeschafft und wurden — 
bezeichnet als gesunde, fleckenkranke und gelbsüchtige 
Raupen — im lebenden Zustande nebst ihren entspre- 
chenden Excrementen an das agricultur-chemische Labo- 
ratorium abgeliefert. Die Seidenraupen standen in glei- 
chem Alter und kamen 4 Tage nach der letzten Häutung 
zur chemischen Untersuchung. Die Excremente stammen 
ebenfalls von Raupen gleichen Alters und wurden nicht 
im frischen, sondern im bereits lufttrocknen Zustande in 
Arbeit genommen. Die verwendeten Blätter, ebenfalls 



L. Lenz, chemische Analysen der Seidenraupen. 37 

lufttrocken, waren eine Durchschnittsprobe der gesamm- 
ten zur Fütterung gelangten Masse. Ausgehend von der 
Thatsaclie, dass die Raupen bei ihrer Ernährung die Rip- 
pen des Blattes nicht angreifen, wurden diese, so wie 
auch die Blattstiele, sorgfältigst ausgeschnitten. 

Ueber den Gang der Analyse sei kurz bemerkt, dass 
wegen der zur Verfügung gestandenen geringen Aschen- 
mengen alle Bestimmungen der verschiedenen Aschen- 
bestandtheile immer in einer Portion Asche durch Auflösen 
in chlorfreier Salpetersäure vorgenommen werden mussten. 
Zur Abscheidung der Kieselsäure wurde die salpetersaure 
Lösung über dem Wasserbade zur vollkommenen Trocken- 
heit gebracht, der Rückstand in salpetersäurehaltigem 
Wasser gelöst, die Kieselsäure am Filter gesammelt und 
das gemessene Filtrat zur Theilanaljse verwendet. Der 
dabei befolgte Gang war derselbe^ wie er gewöhnlich bei 
Analysen der Pflanzenaschen eingehalten wird. Der Ge- 
halt der Asche an Kohlensäure, Sand und Kohle kam 
nicht in Rechnung, daher beziehen sich die analytischen 
Ergebnisse nur auf den in Salpetersäure löslichen Theil 
der Asche. Die Bestimmung des Kalis geschah aus dem 
Kaliumplatinchlorid, der StickstofFgehalt wurde durch Ver- 
brennen der Substanz mit Natronkalk und Einleiten des 
Ammoniaks in titrirte Oxalsäure erhalten. 

Die ausgeführten chemischen Analysen ergaben nun 
folgende Resultate: 

Bestimmung der Trockensubstanz und des Wasser- 
gehalts in 1000 Gewichtstheilen der lebenden Seidemau- 
pen und ihrer lufttrocknen Excremente: 

Gesunde Fleckenkranke Gelbsüchtige 

Eau- ihre Ex- Rau- ihre Ex- Rau- ihre Ex- 

peu cremente pen cremente pen cremente 

Trockensubstanz 166,44 879,38 138,87 870,58 141,98 8ö8,84 

Wasser 833,56 120,62 861,13 129,42 858,02 141,16 

1000 Gewichtstheile Trockensubstanz enthalten : 

Stickbtofi\. 10.5,52 29,03 106,94 32,81 108,41 31,03 

Asche (frei von 

Kohlensäure, 
Sund und Kohle) 73,54 97,49 91,23 94,24 83,60 110,15 



38 L. Lenz, 

In 1000 Gewichtstheilen lebender Seidenraupen und 
ihrer lufttrocknen Excremente sind enthalten: 

Orga- 1000 Gewth. frischer, 

Wasser nische Asche bezw.lufttrocknerSub- 
Sub- stanz euthalteu Stick- 

stanz stoflf 

Gesunde Raupen 833,56 154,20 12,24 17,56 

Excremente ders. 120,62 793,65 85,73 25,53 

Fleckenkrauke 

Kaupen 861,13 126,20 12,67 14,85 

p:xcremente ders. 129,42 788,54 82,04 28,56 

Gelbsüchtige 

Raupen .... 8.58,02 130,11 11,87 15,39 

Excremente ders. 141,16 764,24 94,60 26,65 

1000 Gewichtstheile Asche (frei von Kohlensäure, Sand 
und Kohle) der gesunden, fleckenkranken und gelbsüch- 
tigen Seidenraupen und ihrer Excremente enthalten : 

Gesunde Fleckenkranke Gelbsüchtige 

Rau- Excre- Rau- Excre- Rau- Excre- 

pen meute pen mente pen meute 

dcrs Q6rs ders 

Kieselsäure.. 5,76 23,70 12,34 53,77 13,52 14,09 

Schwefelsäure 62,28 48,04 57,21 56,73 49,01 62,97 

Phosphorsäure 287,14 89,94 280,93 82,76 267,60 94,47 

Chlor Spuren ' 2,03 Spuren 2,38 2,45 0.62 

Eisenoxyd-... 7,15 35,28 1,47 20,55 Spuren 24,83 

Magnesia.... 84,82 112,85 54,72 90,74 48,75 117,61 

Kalk 59,21 479,75 86,99 364,23 51,60 325,90 

Kali \ ^ 168,96 480,72 308,03 550,0 341,45 

Natron J 493,64 g^^l 17,10 20,76 6,86 18,0 

Aschenanalysen verpuppter Seidenraupen (gesunde 
Japanesen), ihrer Cocons und der Maulbeerblätter : 

In 1000 Gewichtstheilen sind enthalten von: 

Verpuppten Cocons Maulbeer- 

Raupen derselben blättern 
(Japanesen) 

Kieselsäure 30,50 14,51 

Schwefelsäure 24,12 21,37 46,36 

Phosphorsäure 358,78 121,32 120,2 

Chlor Spuren 9,02 0,62 

Eisenoxyd Spuren 24,89 15,87 

Magnesia 157,61 126,17 124,82 

Kalk 46,65 522,87 331,53 

Kali 355,95 131,95 312,67 

Natron 50,61 5,0 31,0 



Cocons 


Maulbeer- 


derselben 


blätter 


195,71 


47,74 



chemische Analysen der Seidenraupen. 39 

In 1000 Gewichtstheilen Trockensubstanz verpuppter 
Seidenraupen (gesunde Japanesen), ihrer Cocons und der 
Maulbeerblätter sind enthalten: 

Verpuppte 
Raupen 

Stickstoff 92,36 

Asche (frei von Kohlen- 
säure, Sand und Kohle) 60,87 10,61 74,84 

Aus Obigem ergiebt sich : 

1) Dass die Trockensubstanz in den gesunden Rau- 
pen grösser ist, als in den kranken, und hier sind es die 
gelbsüchtigen, welche mehr aufweisen, als die flecken- 
kranken, die den geringsten Trockengehalt zeigen; es 
beträgt nämlich in 1000 Gewichtstheilen der Seidenrau- 
pen die Differenz zwischen gesunden und gelbsüchtigen 
24,46 Gewth., zwischen gesunden und fleckenkranken 
27,57 Gewth., also Unterschiede, die wohl unter sich 
selbst betrachtet weniger abweichen, jedoch für den Orga- 
nismus gewiss nicht ohne Bedeutung sind. 

2) Dass bei der Unterscheidung der Trockensubstanz 
in organische und unorganische Bestandtheile die sich 
herausstellenden Differenzen beinahe ausschliesslich die 
organische Substanz betreffen, indem die Abweichungen 
in den organischen Bestandtheilen zwischen gesunden und 
gelbsüchtigen Raupen in 1000 Gewth. 24,09 Gewth., zwi- 
schen gesunden und fleckenkranken 28,0 Gewth. betra- 
gen, welche Zahlen mit den Differenzen in der Trocken- 
substanz fast übereinstimmen. 

3) Dass der Stickstoffgehalt in den gesunden Rau- 
pen höher als in den kranken erscheint, indem für je 
1000 Gewth. der lebenden Seidenraupen die fleckenkrau- 
ken um 2,71 Gewth. und die gelbsüchtigen um 2,17 Ge- 
wichtstheile weniger enthalten als die gesunden. Es ver- 
halt sich nämlich nach obigen Analysen der Stickstoff- 
gehalt gesunder, dieser gleich 1000 gesetzt, zu dem Stick- 
stoffgehalte fleckenkranker und zu dem gelbsüchtiger Rau- 
pen wie lOüO : 845 : 876. 



40 L. Lenz, 

4) Dass die Differenzen im Aschengehalte zwischen 
gesunden, fleckenkranken und gelbsüchtigen Seidenrau- 
pen sich unbedeutend erweisen. Bezüglich der wichti- 
geren Aschenbestandtheile ist bemerkbar, dass sowohl 
die Menge der Phosphorsäure, als auch die der Magne- 
sia in den gesunden Raupen grösser ist, als in den kran- 
ken, und hier sind es die gelbsüchtigen, die merkliche 
Abweichungen in beiden Bestandtheilen zu erkennen 
geben, indem die Differenz im Phosphorsäuregehalte 19,54 
Gewichtstheile und die Differenz im Magnesiagehalte 36,07 
Gewichtstheile in 1000 Gewth. der Asche beträgt. Da- 
gegen ist in den Excrementen der gelbsüchtigen gegen- 
über den Excrementen gesunder und fleckenkranker Sei- 
denraupen sowohl die Phosphorsäure als auch die Mag- 
nesia vorherrschend. Ebenso wie die vorher angeführten 
Aschenbestandtheile ist auch das Eisenoxyd und die 
Schwefelsäure in der Asche gesunder Raupen in grösse- 
rer Menge enthalten, als in der Asche fleckenkranker 
und gelbsüchtiger Raupen, Die Asche der letzteren ent- 
hält wieder weniger Schwefelsäure als die der flecken- 
kranken und es scheint mir nicht als unwichtig, 
auf das spurenweise Auftreten des Eisenoxyds in den 
gelbsüchtigen Seidenraupen aufmerksam zu machen. In 
Betreff des Kalkes ist bemerkbar, dass sich die Menge 
desselben in 1000 Gewth. Asche bei den fleckenkranken 
bedeutend grösser als in den gelbsüchtigen herausstellte, 
da die gesunden im Kalkgehalte um 27,78 Gewth. und 
die gelbsüchtigen um 35,39 Gewth. von den fleckenkran- 
ken Seidenwürmern differiren. Hingegen enthält die 
Asche der Excremente von gesunden Raupen mehr Kalk, 
als die der Excremente fleckenkranker und gelbsüchtiger 
Raupen. Der Alkaligehalt erscheint nach obigen Ana- 
lysen in der Asche gesunder Raupen geringer, als in der 
Asche kranker Raupen und hier erweist die der gelb- 
süchtigen mehr, als die der fleckenkranken. Dasselbe 
Verhalten giebt sich auch in der Asche der entsprechen- 
den Excremente kund. 



chemische, Analysen der Seidenraupen. 



41 



Zur übersichtlichen Vergleichung sind die Beziehun- 
gen der wichtigeren Aschenbestandtheile, der Trocken- 
substanz und des StickstofFgehaltes der Seidenraupen, ihrer 
Excremente, der Cocons und der Maulbeerblätter zu dem 
gleich 1000 gesetzten Phosphorsäuregehalt jeder Asche 
gebildet und in folgender Tabelle zusammengestellt worden. 

Verhältniss der gesammten Trockensubstanz, des Stick- 
stoflfgehalts und der wichtigeren Aschenbestandtheile zur 
Phosphorsäure — diese gleich 1000 — in den Raupen, 
ihren Excrementen, in den Cocons und den Maulbeer- 
blättern : 





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aj 


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CJ 




S 







o 



flj 



g j O M 



Maulbeerblätter 

Gesunde Eaupen .... 

Excremente derselben 

Flecken kranke Rau- 
pen 

Excremente derselben 

Gelbsüchtige Raupen 

Excremente derselben 

Gesunde, verpiippte 
Raupen (Japanesen) 

Cocons derselben. . . . 



111111 5304 



47356 
114047 

39017 

128205 

44700 

96099 

45789 
263158 



4997 
3310 



4172 1000 
4206 1000 



1000 
1000 
1000 



4847 
2981 



^000 
1000 



4229{1000 
51502'1000 



132 

25 

392 

5 

248 

262 
205 



1038 2758:2601257 



295 
1254 

187 
1096 



206 
5334 

309 
4401 



1719 

1878 413 



182 192 
1244*3449 

4391 130 
1039 4309 



1711 
3721 
2055 
3614 



992 
1087 



60 
250 

25 
190 

140 
41 



385 
216 
534 

203 
685 
183 
666 

67 
176 



{Allgem. land- u. forstwirthsch. Zeitung der k. k. Landwirth- 
schafts-Gesellsckaft in Wie7i.) 

Die Seidenraupen -Krankheiten; 



J, V. Lieb ig*). 

Durch die grosse Gefälligkeit des Hrn. Heinrich 
Scheibler in Crefeld bin ich in den Stand gesetzt wor- 

*) Aus der Agronomischen Zeitung von Dr. Hirsch berg mit- 
getheilt. 



42 J. V. Liebig, 

den, die Ermittelung einer Anzahl von Thatsachen zu 
veranlassen, welche, wie ich glaube, über die Natur der 
gegenwärtig herrschenden, für die Seidenindustrie so ver- 
derblichen Krankheit der Seidenraupe Licht zu verbrei- 
ten vermögen. 

Eine genaue Untersuchung des Futters der Seiden- 
raupe aus den verschiedenen Ländern und Gegenden, wo 
die Seidenraupen -Krankheit herrscht oder nicht herrscht, 
hatte ich Hrn. Scheibler als eine der nächsten und un- 
erlässlichsten Bedingungen bezeichnet, um über diese 
Krankheit Aufschlüsse zu gewinnen, und durch seine aus- 
gebreiteten Verbindungen gelang es Hrn. Scheibler, 
mir Maulbeerlaub aus China, Japan, der Lombardei, Pie- 
mont und Frankreich in genügender Menge zu verschaf- 
fen, um eine solche Untersuchung in meinem Laborato- 
rium durch einen sehr geschickten und gewissenhaften 
Chemiker, Hrn. Dr. Reichenbach, vornehmen zu lassen 
und es sind einige Resultate seiner grossen Arbeit, die 
ich in Folgendem mittheilen will. 

Ueber den Ursprung der Blätter schreibt mir Herr 
Scheibler: „Eine nähere Angabe, von welcher Species 
das Laub genommen, ist mir von China und Japan nicht 
zugekommen; es ist aber jedenfalls gesundes Laub*. 

Die erhaltenen Resultate sind, wenn ich sie richtig 
interpretire, vollkommen geeignet, die Ansicht zu stützen, 
die ich bereits früher über die Natur der Seidenraupen- 
Krankheit ausgesprochen habe. Es ist eine ziemlich all- 
gemeine Erfahrung, dass aus Eiern, welche frisch aus 
China oder Japan, oder auch von manchen andern Orten» 
bezogen worden sind. Raupen erzogen werden, welche 
Seide liefern und keine Symptome von Krankheit zeigen, 
dass aber die Nachkommenschaft von diesen Eiern in der 
zweiten oder dritten Generation der Krankheit verfällt. 
Diese Thatsache scheint mir die Existenz eines „Krank- 
heitsstoffes", welcher die einen ansteckt und die andern 
nicht, auszuschliessen; denn es lässt sich nicht erklären, 
warum Thiere von frisch importirten Eiern gesund blei- 



die Seidenraupen- Krankheiten. 43 

ben und Seide liefern, während die zweite oder dritte 
Generation aus Eiern aus demselben Lande unter sonst 
gleichen Verhältnissen und gleichem Futter krank wer- 
den und sterben. 

Nach Allem, was darüber bekannt ist, werden die 
Raupen von der herrschenden Krankheit vor oder un- 
mittelbar nach der letzten Häutung befallen; sie sterben 
vor dem EinsjDinnen und dem Anschein nach fehlt es 
ihrem Körper an Vorrath an dem für das Gespinnst er- 
forderlichen Stoff; dass der Mangel an diesem Stoff ihre 
Verpuppung gefährden und den Tod der Raupe nach sich 
ziehen muss, ist selbstverständlich. Auf die Erzeugung 
dieses Stoffes, welcher die Seide giebt, muss aber die 
Nahrung einen ganz bestimmten Einfluss äussern und 
diejenige muss als die geeignetste für die Seidenraupen 
angesehen werden, welche das Material hierzu in gröss- 
ter Menge enthält. Die Seide ist sehr stickstoffreich; sie 
wird in dem Körper der Thiere aus den stickstoffhaltigen 
Bestandtheilen der Maulbeerblätter erzeugt und es lässt 
sich hiernach aus dem Gehalt der letzteren an Stickstoff 
mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ihr Futterwerth beur- 
theilen. 

Die vollständige Entwickelung und die Gesundheit 
eines Thieres hängt selbstverständlich von seiner Ernäh- 
rung ab; durch eine Verminderung in der Menge der 
täglich erforderlichen Nahrung wird seine Entwickelung 
beeinträchtigt und die Körpermasse verringert; der Wider- 
stand gegen äussere Schädlichkeiten, welchen der Begriff 
der „Gesundheit" in sich einschliesst, wird dadurch ge- 
schwächt, d. h. das Thier wird bei mangelhafter Ernäh- 
rung leichter von Krankheiten befallen; gut genährt wider- 
steht es besser. Das Maximum von Nahrung, welches 
ein Thier zu verzehren vermag, hängt in gleichen Ver- 
hältnissen von der Grösse oder dem Umfang seiner Ver- 
dauungswerkzeuge ab ; über ein gewisses Quantum Fut- 
ter hinaus kann ein Thier nicht fressen. 

Es ist ferner klar, dass ein Thier von zwei Nah- 



44 J, V. Liehig, 

rungsmitteln, von denen das eine bei gleichem Gewicht 
mehr eigentlichen Nährstoff als das andere enthält, von 
dem ärmeren dem Gewicht nach mehr verzehren muss, 
als von dem reicheren, um ein gleiches Quantum Mate- 
rial zur Ernährung und zum Aufbau seines Körpers in 
sich aufzunehmen. Von Brod und Fleisch zusammen 
bedarf ein Mensch z. B. dem Gewicht nach weniger, als 
von Brod allein ; von Brod weniger, als von Kartoffeln. 
Wenn man nun von diesen Grundsätzen aus die Zusam- 
mensetzung der Maulbeerblätter aus verschiedenen Län- 
dern betrachtet, so ergiebt sich, dass sie sehr ungleich 
in ihrer Zusammensetzung sind, dass die eine Sorte aus 
China oder Japan z. B. sehr viel mehr von den Stoffen 
enthält, die zur Entwickelung des Körpers und zur Bil- 
dung der Seide dienen, als die andere. In Zahlen aus- 
gedrückt, hat die Analyse folgende Verhältnisse ergeben : 

Stickstoffgehalt der Maulbeerblätter aus 

Japan China Tortona (Piemont) Alais Brescia 

1) 3,23 3,13 1) 2,34 2,38 3,36 

2) 3,36 2) 2,34 

3) 2,49 

oder in Fleisch und Seide bildenden Stoffen ausgedrückt: 

im Mittel 

Japan China Tortona Alais Brescia 

20,59 19,56 14,93 14,62 21,0. 

Diese Zahlen zeigen, dass die Maulbeerblätter aus 
Piemont und Alais beinahe ein Drittel weniger von den 
zur Bildung der Körperbestandtheile der Raupe und der 
Seide dienenden Stoffen enthalten, als die aus Japan und 
China, und wenn diese Verhältnisse durch weitere Unter- 
suchungen sich bestätigen und constant erweisen, so knü- 
pfen sich hieran Schlüsse von grosser Bedeutung. Es 
liegt zunächst auf der Hand, dass wenn eine Anzahl 
Raupen von chinesischen oder japanischen Blättern eine 
Quantität von 1000 Gr. und eben so viel von piemon- 
tesischen oder von Blättern aus Alais verzehren, die Rau- 
pen in den ersteren 205 oder 195 Gr. Blut und Seide 



die Seidenraupen - Krankheiten. 45 

bildende Stoffe, in den andern hingegen nur 149 Gr. 
dieser Stoffe in ihren Körper aufnehmen, und dass fer- 
ner die Raupen von den in Alais und in Tortona gewach- 
senen Blättern nahe an 1400 Gr. verzehren müssen, um 
eben so viel von diesen Stoffen in ihren Körper aufzu- 
nehmen, als sie in 1000 Gr. chinesischem oder japani- 
schem Laub empfangen hätten. 

Ein Einfluss dieser Ungleichheit in der Beschaffen- 
heit des Futters auf die Körperbeschaffenheit der Thiere 
kann nicht verkannt werden. Mit derselben Menge Maul- 
beerblätter gefüttert, würde der Körper der Raupen in 
China und Japan an sich stärker und reicher an Seide 
bildenden Stoffen sein müssen, als der Körper der Thiere, 
die mit Blättern von Tortona oder Alais ernährt worden 
sind. Man kann nicht annehmen, dass jede einzelne von 
1000 Raupen eben so viel frisst wie eine andere, denn 
dies hängt von der Körperbeschaffenheit der Individuen 
ab, welche theils durch die Race, theils von der Körper- 
beschaffenheit der Eltern mit bedingt wird; aber man 
kann, ohne einen Fehler zu begehen, voraussetzen, dass 
die Nachkommen derselben Race nicht mehr Futter zu 
verzehren im Stande sind, als ihre unmittelbaren Vor- 
fahren zu fressen vermochten. 

Wenden wir dies auf Raupen an, die aus japanischen 
oder chinesischen Eiern gezogen, mit Maulbeerlaub in 
Tortona oder Alais ernährt werden, so wird eine gewisse 
Anzahl, welche in China oder Japan 1000 Gr. Maulbeer- 
laub gefressen hatte, auch 1000 Gr. von dem piemonte- 
sischen oder französischen Laub fressen. Die Unter- 
suchung giebt nun zu erkennen, dass die mit piemonte- 
sischen oder französischen Maulbeerblättern ernährten 
Raupen nahe ein Drittel weniger stickstoffhaltige Nähr- 
und Seide -bildende Stoffe empfangen, als die in China 
und Japan mit dortigem Maulbeerlaub ernährten Raupen. 
Ist die Fütterung mit einer gegebenen Menge chinesi- 
scher oder japanischer Blätter ausreichend für die voll- 
ständige Ernährung und Metamorphose einer gewissen 



46 J. V. Liehig, 

Anzahl von Raupen gewesen, so ist die gleiche Menge 
Blätter von Tortona oder Alais nicht genügend für diese 
Zwecke; die Raupen in Tortona und Alais werden mit 
derselben Menge Maulbeerlaub unvollständig ernährt sein 
und wie in allen Fällen von mangelhafter Ernährung, 
muss die Nachkommenschaft dieser Thiere schwächer als 
ihre Vorfahren sein, schwächer in Beziehung auf die Aus- 
bildung ihrer Organe und ihre Entwickelungsfähigkeit 
und schwächer in Hinsicht auf ihr Vermögen, äusseren 
Schädlichkeiten Widerstand zu leisten. Durch eine an 
Nährstoffen reichere Nahrung wird die Race wieder ver- 
bessert werden können, d. h. es kann in diesen Thieren 
der gesunde und kräftige Zustand, der ihre Vorfahren 
auszeichnete, dadurch wiederhergestellt werden ; aber mit 
dem mangelhaften Futter ernährt, wird die dritte Gene- 
ration noch mehr ausarten. Während die erste Genera- 
tion (von aus Japan und China importirten Eiern), die 
von den stärksten Eltern stammt, noch kräftig frisst, so 
dass man das bekannte Geräusch beim Fressen deutlich 
hört und noch so viel Vorrath von Seide bildendem Stoff 
in ihrem Körper zu sammeln vermag, um sich einzuspin- 
nen, nimmt dieser Vorrath in den Individuen der zwei- 
ten und dritten unvollständig ernährten Generation noth- 
wendiger Weise ab. 

Aus den Eiern mangelhaft ernährter Eltern muss 
sich ein schwächeres Geschlecht entwickeln und der Um- 
stand, dass die daraus hervorgehenden Individuen weni- 
ger kräftig fressen, wird von den Seidenzüchtern als 
eines der frühesten Symptome der sogen. Krankheit an- 
gesehen und sehr bald giebt sich ein bemerklicher Unter- 
schied in ihrer Grösse zu erkennen. Viele Raupen ver- 
lieren die Fähigkeit sich zu häuten, und es erzeugen 
diejenigen, welche bis zum Einspinnen kommen, ein loses, 
dünnes Gewebe; ihre Puppen verbleiben länger im Cocon; 
der kleine, in seinen Bewegungen träge Schmetterling 
hat häufig verkrüppelte Flügel. Dies sind alles Zeichen 
einer unvollständigen Ernährung und eines herabgekom- 



die Seidenraupen-Krankheiten, 47 

menen Geschlechts, aber nicht die einer besonderen 
Krankheit. 

Es tritt bei diesen Thieren derselbe Fall ein, wie 
bei guten Viehracen, deren Einführung aus England z. B. 
nach der Erfahrung mancher Viehzüchter keinen Vor- 
theil hat, weil sie in ihrer Gegend ausarten, d. h. weil 
ihre Nachkommen viele der ausgezeichneten Eigenschaf- 
ten ihrer Eltern wieder verlieren, während es sicher ist, 
dass, wenn sie das importirte Vieh mit gleicher Sorgfalt, 
eben so reichlich und mit eben so gutem Futter ernäh- 
ren würden, wie dies in England geschieht, von einer 
solchen Ausartung keine Rede sein könnte. Worin läge 
aber der Vortheil — so sagte mir ein Viehzüchter — 
wenn es mir nicht gelingt, die Race zu erhalten mit dem 
Futter, das mir gerade zu Gebote steht? Diese Vieh- 
züchter suchen einen gewissen Vortheil durch die Ein- 
führung von fremdem Vieh zu erzielen ; da sie aber die 
Bedingungen missachten, durch die er gesichert wird, so 
erreichen sie ihren Zweck nicht, was Niemand in Ver- 
wunderung setzt, der die ersten Elemente der Ernäh- 
rungsgesetze kennt. In Europa ist der Seidenzüchter 
nicht, wie in Japan und China, ein Landwirth, der seine 
Maulbeerbäume selbst pflanzt und sorgfältig pflegt, son- 
dern für ihn ist Maulbeerlaub Maulbeerlaub, woher es 
auch stammen mag. 

Der einfachste Bauer weiss, dass unter seinem Heu 
ein Unterschied ist, dass die eine Sorte Heu weiter reicht 
und lieber von seiner Kuh gefressen wird und mehr und 
reichere Milch liefert, als eine andere. Der Seidenzüch- 
ter weiss von allen Dingen nichts und wenn er fortfährt, 
auf seinem Standpuncte und auf seiner längst in die 
Rumpelkammer veralteter Begriffe verwiesenen Ansicht 
zu beharren, dass aufdieThiere alles ankommt und dass 
ihr Organismus alles schafft und auch Seide erzeugt aus 
Futter, in welchem das Material zu ihrem Gespinnst weit- 
aus nicht in hinreichender Menge enthalten ist, so zieht 
er täglich an der Glocke zum Grabgeläute einer Indu- 



48 J. V. Liebig, 

strie, auf welcher der Reichthum grosser Länder beruht, 
und dies kann nicht anders sein. 

Zum Schlüsse will ich mir noch eine Bemerkung 
hinsichtlich der Maulbeerblätter von Brescia erlauben, 
von denen ich nicht mehr als von den andern weiss, und 
das ist, dass es Blätter sind von der Beschaffenheit, wie 
sie in der Gegend, von der sie stammen, als Futter für 
die Raupen benutzt werden. Die analysirten Blätter von 
Brescia sind nämlich eben so reich an Stickstoff, als die 
japanischen und chinesischen, aber verglichen mit den 
letzteren ist in ihrer Grösse ein auffallender Unterschied; 
die chinesischen und japanischen Blätter sind völlig aus- 
gewachsen, die chinesischen sind aber handgross, dick 
und müssen frisch sehr vollsaftig und fleischig gewesen 
sein; die lombardischen Blätter sind hingegen klein (um 
•/g kleiner), dünn und wahrscheinlich jünger. Es ist eine 
ganz allgemeine Erfahrung, dass die jungen Blätter rei- 
cher an Stickstoff sind, als die ausgewachsenen und höchst 
wahrscheinlich, dass jüngere chinesische oder japanische 
Blätter einen noch weit höheren Stickstoffgehalt ergeben 
hätten, als die analysirten. 

Aus den Erfahrungen der Landwirthschaft wissen 
wir, dass die Düngung einen ganz entscheidenden Ein- 
fluss auf den Gehalt und den Reichthum der Pflanzen an 
stickstoffhaltigen Bestandtheilen ausübt und dass in China 
und Japan jede Pflanze, von der man eine Ernte gewin- 
nen will, gedüngt wird. Die chinesischen Werke über 
Seidenmanufactur beginnen mit der Beschreibung des 
Culturverfahrens des Maulbeerbaumes oder Strauches und 
es lässt sich daraus der Werth erkennen, den der chine- 
sische Bauer auf die richtige Pflege der Pflanze legt, 
welche bestimmt ist, das Futter für den Seidenwurm zu 
liefern; dem Anbau der Pflanze oder der Saat geht jeder- 
zeit die Düngung des Bodens voraus und die Zusammen- 
setzung der Asche der Maulbeerblätter aus China und 
Japan giebt mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erkennen, 
dass dieses Laub von gedüngten Bäumen gewonnen wor- 
den ist. 



die Seidenraupen- Krankheiten. 49 

Aus den chinesischen Werken (s. z. B. Tlie Chinese 
Miscellany. On the Silkmanufacture and the Cultivation 
of the Mulherry Nr. III. Printed at the Mission Press. 
Schanghai 1849) sieht man, dass in manchen Gegenden 
in China der Bauer den Maulbeerbaum sehr nahe so, wie 
der Winzer in Europa den Rebstock behandelt; auf das 
Beschneiden wird die grösste Sorgfalt verwendet und 
werden dazu die genauesten Vorschriften gegeben. In 
dem citirten Werke heisst es S. 84: „Jeder Hieb mit 
der Hacke erzeugt 3 Zoll Fruchtbarkeit und jeder Schnitt 
mit dem Messer sichert einen doppelten Ertrag vom Maul- 
beerbaum." Ferner: „üeberfluss an Zweigen durch Ver- 
nachlässigung des Beschneidens macht die Blätter dünn 
und geschmacklos; daher ist das Beschneiden der Bäume 
von der grössten Wichtigkeit für die Zucht der Seiden- 
raupen." 

Wenn der europäische Seidenzüchter gelernt haben 
wird, die Vorschriften seines Meisters in der Seidenzucht, 
des gewöhnlichen chinesischen Bauers, genau und richtig 
zu befolgen, so wird er ganz unzweifelhaft Herr des gros- 
sen Uebels werden, das seine Existenz bedroht. Die 
Natur giebt dem Menschen alles, was er von ihr will, 
aber auf die Dauer nicht umsonst; sie lohnt ihn für seine 
Pflege und straft ihn, wenn er sie beraubt. Dies ist das 
Gesetz. 



Die Farbe der Butter. 

Die schöne gelbe Butter ist oft gefärbt. Man 
wendet dazu in Frankreich oft Mohrrübensaft an, aber 
in einigen Gegenden der Normandie, besonders in Gour- 
nay, wird dafür die Feldringelblume {Calendula arvensis 
oder sylvestris) gezogen (französ. souci des champs). Sie 
wird dazu: in freiem Felde sowohl, als in Gärten culti- 
virt. Breitwürfige Saat, die Pflanzen breiten sich aus, 
brauchen daher nicht dicht zu stehen. Ernte Juli bis 
Arch.d.Phavm.CLXXXI.Bds. l.u.2.Hft. 4 



50 Leberthran auf der Fiecher ei- Ausstellung in Boulogne, 

Mitte September. Die Bereitung des Farbestoifs, der 
Merliton heisst, geschieht, indem man die Blume pflückt, 
in einem steinernen Topfe (gres) in 6zÖlh*gen Schichten 
mit einer dünnen Salzschicht abwechselt, bis der Topf 
voll ist. Im Salz löst sich der Farbestoff auf und um 
so besser, je länger man ihn liegen lässt. Daher ver- 
kauft sich auch der einjährige Merliton 2 Fr, 25 per 
Kilogramm, der zweijährige 3 Fr., der fünfjährige 10 Fr. 
Wenn man Butter färben will, nimmt man etwa 25 Grm. 
(12/3 Loth) Merliton per 50 Liter Rahm (oder 50 Pfund 
Butter) und rührt sanft um. Dann seiht man den Rahm 
durch und macht die Butter auf gewöhnliche "Weise. 
{Wochenblatt der Annalen der Landwirthschaft.) 

Hirschberg. 

Der Leberthran anf der Fischerei -Ausstellung in 
Bonlogne s. M. im Jahre 1866. 

Norwegen. Leberthran vom Dorsch, Hai und 
Rochen, in allen Farben, von der reinsten Wasserhelle 
bis zur tief braunen Färbung. 

Der anscheinend beste von diesem Artikel war aus- 
gestellt von A. E. Dewald in Aalesund, H. Lundgren 
in Drontheim, R. Knudson in Christiansund, P.Müller 
in Christiania. 

Wir wollen aber nicht verschweigen, dass wohlbe- 
währte Techniker hier in Berlin gerade die hellsten und 
darum dem Auge wohlgefälligen Leber- (Medicin-) Thrane 
für verdächtig erklären. 

Sie halten die weit verbreitete Meinung für wohl- 
begründet, dass mit denselben seit einigen Jahren eine 
arge Täuschung verübt werde und meinen, dass diese 
Fabrikate andere Substanzen als den Thran der Dorsch- 
leber enthalten. Sie stützen diese Meinung leider nicht 
auf eine sorgfältige chemische Untersuchung, wohl aber 
auf die immerhin auffällige Erscheinung, dass diese Thrane 



Lebertkran auf der Fischerei-Ausstellung in Boulogne. 51 

bei Annäherung der Temperatur an den NuUpunct feste 
Conglomerate zeigen, beim Sinken unter den Nullpunct 
ganz erstarren; während der reine, dunkelgefärbte Ber- 
ger Leberthran auch bei mehren Kältegraden unverän- 
dert durchsichtig und flüssig bleibt. Sie folgern daraus 
sicher nicht mit Unrecht, dass der helle Thran Substan- 
zen enthalten müsse, die zu ihrer Ausschmelzung einen 
höheren Temperaturgrad als das Fett der Dorschleber 
erfordere, welches gleich flüssig bleibe, lasse man es im 
Sonnenschein auslaufen oder gewinne man es durch Kochen 
im Wasser oder in Dämpfen. 

Eine vollständige Aufklärung in dieser Beziehung 
wäre interessant, nicht sowohl für die norwegischen Fa- 
brikanten, denen daran liegen muss, ein etwaiges Vor- 
urtheil zu beseitigen, als vielmehr auch für unsere Pro- 
ducenten an der Ostsee, die sich in erfreulicher Weise 
zu mehren scheinen und denen daran liegen muss, Con- 
currenten aus dem Felde zu schlagen, die mit dem äus- 
seren Schein zu täuschen suchen. 

Gerade an einer aus Boulogne mitgebrachten Flasche 
Thran aus Aalesund ist die oben bemerkte Probe ge- 
macht worden. 

Frankreich. Die Leberthranproben waren trübe 
und in ihrer äusseren Erscheinung mit denen aus Nor- 
wegen nicht zu vergleichen. 

Dorschlebersyrup, Dorschleberpillen, die den widri- 
gen Geschmack des Thrans vermeiden lassen sollen, er- 
weckten einigen Verdacht, ebenso die von Bayer pere 
in Trouville s. M. ausgestellte Fischwurst. {Aus dem dem 
Königl. Preiiss. Ministerio für landw. Angelegenh. erstatteten 
amtl. Berichte. Annalen der Landioirthschaft.) 

H i r s ch b e r g. 



52 K. Frisch, 

Notizen; 

von 

Dr. K. Frisch. 



l. Zur Prüfung der ealeiiürtcn Soda, 

Bei Prüfung der calcinirten Soda ist es oft wesent- 
lich, neben dem Gehalt an kohlensaurem Natron auch 
den Gehalt an Aetznatron zu ermitteln. Dies geschieht 
gewöhnlich, indem man vor der Kohlensäurebestimmung 
die betreffende Soda behufs der Wasserbestimmung glüht. 
Man erhält aber hierbei stets ungenaue Resultate, da 
beim Erhitzen das Aetznatron lebhaft Kohlensäure aus 
der Luft anzieht und dadurch eine Diff'erenz entstehen 
kann, die oft mehre Procent beträgt. Diese Fehlerquelle 
umgeht man, ohne das Salz in einer kohlensäurefreien 
Atmosphäre glühen zu müssen, indem man eine Probe 
der betreff'enden Soda, ohne sie vorher zu glühen, unter 
den nöthigen Cautelen auf ihren Gehalt an Kohlensäure 
prüft, alsdann einen andern Theil glüht und in diesem 
ebenfalls nach dem Wägen die Kohlensäure bestimmt. 
Man wird finden, dass der Gehalt an Kohlensäure bei 
der zweiten Bestimmung stets und oft beträchtlich höher 
ausfällt, als dies bei der ersten der Fall war. Die Differenz 
zwischen den Wägungen vor und nach dem Glühen und 
zwischen der zuerst und zuletzt gefundenen Kohlensäure 
wird den Gehalt an Wasser angeben^ während die mit 
der ungeglühten Soda vorgenommene Kohlensäurebestim- 
mung den wirklichen Gehalt an reinem kohlensauren 
Natron bestimmen lässt. 

Ein Beispiel Avird dies erläutern: 
1,434 Grm. Soda ohne vorher geglüht zu sein^ gaben 

0,351 Grm. C02 = 24,4 Proc. 
2,358 Grm. Soda verloren nach dem Glühen 0,138 Grm. 

= 5,9 Proc. HO und gaben 0,591 C02 = 25,1 

Procent, also 

25,1 — 24,4 = 0,7 
0,7 -f 5,9 Proc. HO = 6,6 Proc, HO. 



Nickel- Kobalterz von Dohschau. — Carminsäure. 53 

Die gesammte Menge des Alkalis wird ausserdem 
noch entweder durch Titriren oder durch Glühen der 
mit kohlensaurem Ammoniak hinreichend befeuchteten 
Soda und nachheriges Bestimmen der Kohlensäure ge- 
funden. 



2. Nickel -Kobaltcrz von Dobschaii. 

Herr Prof. Schrötter legte der kais. Akademie der 
Wissenschaften zu Wien eine im chemischen Laborato- 
rium des k. k. polytechnischen Instituts von Hrn. L. Zer- 
jau ausgeführte Untersuchung eines Nickel -Kobalterzes 
aus Dobschau in Ungarn vor. Nach derselben enthält 
dieses Erz, das fast ausschliesslich nach England aus- 
geführt und dort zur Gewinnung des Nickels und Kobalts 
verwendet wird: 

Arsen 49,725 

Schwefel 9,410 

Nickel 25,825 

Kobalt. 7,455 

Eisen 5,195 

Kieselsäure 1,625 

Es stimmt also in seinem Arsen- und Nickelgehalte 
nahe mit dem Gersdorffit von Schladming zusammen, 
welchen A. Löwe schon vor längerer Zeit untersucht 
hat, unterscheidet sich aber durch einen bedeutenden 
Gehalt an Kobalt von demselben. {Anz. der kais. Akad. 
zu Wien, 1866, No. 19.) 



3» Carminsäure. 

Herr Prof. Hlasiwetz hat der k. k. Akademie zu 
Wien über eine in Gemeinschaft mit A. Grabowsky 
ausgeführte Untersuchung der sogenannten Carminsäure 
aus der Cochenille berichtet, die zu dem Kesultate führte, 
dass diese Substanz, für welche man mehre Formeln auf- 
gestellt hatte, ohne über ihre nähere Zusammensetzung 
etwas Bestimmtes zu wissen, eine Zuck er verbin düng 



54 K. Frisch, Kaffeegerhsäure. — Nascirender Wasserstoff, 

ist, die beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure in 
ihre näheren Bestandtheile, den Zucker und einen amor- 
phen Farbstoff, das Carminroth, zerfällt. 

Carminroth ferner giebt beim Schmelzen mit Kali- 
hydrat ein interessantes Zersetzungsproduct, das Cocci- 
nin, einen in gelben Blättchen krystallisirten Körper, 
der eine Reihe der schönsten und auffälligsten Farben- 
reactionen giebt. {Am. der kais. Akäd> zu Wien, 1866, 
No. 14.) 

4. Kaffeegerbsäure. 

Eine neue Untersuchung der Kaffeegerbsäure von 
Hlasiwetz hat ergeben, dass diese Verbindung ein 
Glykosid ist, ähnlich der Galläpfelgerbsäure und sich mit 
Leichtigkeit in einen Zucker und eine neue, schön kry- 
stallisirte Säure, die er Kaffeesäure nennt, die im 
nächsten Zusammenhange mit der von ihm kürzlich ent- 
deckten Ferulasäure, so wie mit der Protocatechusäure 
steht, spalten lässt. 

Die Formel der Kaffeesäure ist C^^HSO^. Die Ver- 
hältnisse der sogenannten Viridinsäure, so wie der zu- 
letzt von Mulder beschriebenen Säuren aus dem Kaflfee 
werden nun verständlich sein. 

Mit in die Untersuchung gezogen sind bereits die 
Chinagerbsäure und die Säuren des Thees. 

Aus beiden ist Protocatechusäure darstellbar. 
{Anz. der kais. Akad. zu Wien, 1866, No. 14.) 



5. Wirkung nascirenden Wasserstoffs auf Chiniu, 
Ciuchoiiin und Caffc'in. 

Herr Prof. Rochleder in Prag theilte der Wiener 
Akademie unterm 20. Deceraber v. J. folgende Notiz mit: 

„Ich habe mich überzeugt, dass Chinin, Cinchonin 
und Caffein, welche oxydirenden Mitteln so hartnäckig 
widerstehen, mit der grössten Leichtigkeit durch nasciren- 
den Wasserstoff angegriffen werden. Die dabei entstehen- 
den Producte werde ich später ausführlich beschreiben." 



55 



II. Maturg:escliichte luid Pharma- 
kognosie. 



Deber die Anordnung der Alpenpflanzen in nnsern 

Gärten; 

von 

H. R. Göppert, 

Director des botanischen Gartens in Breslau. 



In unsem Tagen, wo man keine Gefahren scheut um 
die früher im Ganzen wenig berücksichtigten höchsten 
Gipfel und Kämme unserer Alpen zu erklimmen, hat man 
auch den sie zierenden Pflanzen vermehrte Aufmerksam- 
keit gewidmet und sie in unsem Gärten einzuführen ver- 
sucht, was auch mit den meisten unter genauer Berück- 
sichtigung der Bodenbeschaffenheit und des natürlichen 
Vorkommens gelungen ist. Gewöhnlich stellt man sie 
nun in Gärten ohne alle wissenschaftlichen Principien nur 
nach Cultur oder Grössenverhältnissen bunt durcheinander, 
wobei man wohl allenfalls Kenntniss der Art, aber nicht 
Kenntniss ihrer Beziehungen zu den Verhältnissen ihres 
Standortes, zum Klima und geschweige ihrer Verwandt- 
schaft zu den arktischen Gewächsen erlangt, denen sie 
doch durch ihre Form wie namentlich auch durch ihre 
durch klimatische Einwirkungen verursachte Vegetations- 
zeit so nahe stehen. Allen diesen Anforderungen, welche 
die Pflanzengeographie stellt, sollte man in botanischen 
Gärten mehr Rechnung tragen, was ich schon seit Jahren 
zu thun versucht habe, indem ich meine, dass die botani- 
schen Gärten auch die Aufgabe haben, pflanzen-geo- 
graphische Studien nach den verschiedensten 



56 H. R. Göppert, 

Richtungen hin zu fördern. Hinsichtlieh der Anord- 
nung der Alpenpflanzen gehe ich von folgenden Grund- 
linien aus, die ich mir erlaube hier kürzlich mitzutheilen : 

Allgemeine Grundlinien. 

Zwischen der arktischen Flora und der alpinen oder 
der Flora zwischen der Baum- und Schneegrenze findet 
eine innige Verwandtschaft statt. So in Europa zwischen 
der Flora Lapplands und der Flora der Central-Alpenkette 
namentlich der Schweiz und Deutschlands (von den 360 
Alpenpflanzen der Schweiz finden sich 150 im Norden 
Europas), ferner in Sibirien zwischen der Flora der Nord- 
küste und der des Altai. Die äusserste Grenze der Vege- 
tation gegen den Nordpol ist noch nicht erreicht. Spitz- 
bergen besitzt unter dem 780 selbst in 1000 bis 3000 F. 
Höhe nach Malgren noch kräftigen Pflanzenwuchs, über- 
haupt noch 93 Phanerogamen und an 280 Cryptogamen. 

Dr. Robert Kane sah am offenen Polarmeere über 
dem Polarkeis in 82^/^0 noch blühend: Papaver nudicaulej 
Saxifraga oppositifolia und Ranunculus nivalis, und Dr. 
Hayes sammelte in Grinnel- Lande zwischen 78 bis 820 
n. Br. vom Juli bis September 1861 noch 52 Phanerogamen 
und 68 Cryptogamen. Die Floren aller dieser den Pol 
umgebenden Länder zeigen die grösste Verwandtschaft 
unter einander. Von jenen 93 Pflanzen Spitzbergens 
kommen nicht weniger als 81 auch in Grönland vor, 53 
im Taymurlande Sibiriens unter 75^^ 69 in Skandinavien. 
24 Species sind, da sie sich auch in den andern arktischen 
Ländern finden, als die wesentlichen Pflanzen der arkti- 
schen Flora anzusehen, nämlich: Ranunculus arcticus 
Rieh., Parrya arctica R. Br., Eutrema Edwardsii R. Br., 
Braya purpurascens, Draha glacialis Adams., D. pauciflora 
R. Br., D. micropetala Hook., D. arctica Fl. Dan., D. 
corymhosa R. Br., Cochlearia fenestrata R. Br., Stellar ia 
Edioardsii R. Br., St. hiimifusa Rotth., Arenaria Rossii 
R. Br., Potentilla pulchella R. Br., P. emarginata Pursh, 
Saxifraga flagellaris Sternb,, Taraxacum phymatocarpum 



Anordnung der Alpenpflanzen in unsern Gärten. hl 

VaM., Polemonium pidchellum Ledeh., Hierochloa paucißora 
R. Br.j Dupontia psüorantha Evpr., D. Fischeri R. Br., 
Glyceria angustata MüMenb.f Catabrosa vüfoidea Anders., 
Festuca hrevifolia R. Br. 

Das Ende der Baumvegetation um den ganzen Nord- 
pol bilden fast überall Nadelhölzer: in Nordamerika 
Abies alba, A, nigra H. Keic, Pinus Banhsiana Lamb., 
und gruppenweise Larix americana Lamb., und Abies 
canadensis Poir., mit Juniperus virginiana; im arktischen 
Europa Pinus Abies L., und zuletzt Pinus sylvestris; im 
arktischen Asien (Sibirien) Pinus sylvestris nur bis zum 
600, höher hinauf Picea sibirica {Pinus Pichta Fisch.), 
Picea ohovata Ledeb., und Pinus Cembra. Die baumleere 
Region beginnt in Amerika, und zwar in Labrador schon 
unter dem 570, erhebt sich jedoch bis zum Mackenziefluss 
bis zum 650 und diesseits der Behringsstrasse bis zum 66^; 
jenseits dieser Strasse in Nordasien schwankt sie zwischen 
dem 63 bis 71^ und endigt in Europa in Norwegen und 
Lappland mit dem 700. In Strauchform wachsen unter 
den Grenzen der Baumvegetation ja hie und da wohl 
noch, etwas darüber hinaus um den ganzen Pol die nor- 
dische Birke Betida alpestris, Fr. {B. pubescens var.), 
Alnus incana, Populus tremula, Sorbus Aucuparia, Prunus 
Padus, Rubus Idaeus, Ribes rubrum, Ribes nigrum, und 
noch darüber hinaus als letzte Holzgewächse niedrige 
kriechende Sträucher aus Juniperus nana, Betula nana, 
Rhododendron lapponicum, Menziesia coendea, Ledum 
palustre, Vaccinium idiginosum, Andromeda hypnoides, A. 
tetragona L., Rubus Chamaemorus, Empetrum nigrum, und 
kriechende Weiden wie Salix arctica Pall., reiiculata L., 
polaris Wahlb., arbuscula Wahlb., depressa L., ovata Seringe, 
Myrsinites L. Zuletzt bleiben fast überall nur als Holz- 
pflanzen Andromeda tetragona, Empetrum nigrum, Salix 
reticulata und polaris, Flechten und Moose (die sogenann- 
ten Tundren) machen den Beschluss des gesammten vege- 
tabilischen Lebens. Auf den ewigen Schnee verirrt sich 
nur eine Alge, die Bewohnerin des ewigen Schnees, der 



58 H. R. Göjypert, 

Protococcus nivalis, die interessante Entdeckung von Sco- 
resby und Shuttleworth, die allen Temperaturverhält- 
nissen spottet. Auf der Central-Alpenkette besteht zwar 
die letzte Baumvegetation auch aus Coniferen, aber niemals 
aus Pinus sylvestris, sondern aus Finus Abies L., und 
noch höher hinauf Larix eitropaea und Pinus Cembra, wie 
in Strauchform die in der arktischen Region fehlende 
Pinus montana Mill. {Pumilio Haenke), Sorbus Aucuparia 
var. alpestris ist dagegen ebenfalls vorhanden, desgleichen 
Populus tremula, Betula alpestris, dann Alnus incana, höher 
hinauf Alnus viridis, dann Rhododendron hirsutum und 
ferrugineurn, Empetrum, die Vaccinien^ Azalea, Juniperus 
7iana, und zuletzt ebenfalls die kriechenden Weiden, Salix 
herbacea, reticulata, retusa W., Myrsinites L., und arbus- 
cula Wahlenb. als letzte Holzgewächse, Moose und Flech- 
ten machen auch hier den Beschluss. 

Von den circa 3,500 Phanerogamen Deutschlands 
und der Schweiz gehören ungefähr ein Drittheil zu den 
Berg- und Alpenpflanzen. Als wahre Alpenpflanzen sind 
jedoch nur etwa 450 anzusehen, zwei Drittheile davon 
werden ' in unserm Garten cultivirt. Sie befinden sich 
theils in etwa 2000 Töpfen, theils im freien Lande auf 
einen Preuss. Morgen grossen an einem Wassergraben 
gelegenen Räume, zwischen Gesteinen verschiedener Art, 
in acht folgenden durch Tafeln bezeichneten Gruppen auf- 
gestellt; unter ihnen eine ausgehöhlte Granitplatte erfüllt 
mit Protoccus nivalis, den Pflanzen des ewigen Schnees. 

I. Pßanzen des höchsten Nordens über dem 80^ oder 
der Polarzone, und Pflanzen der Centralalpen auf Firn 
oder Gletscherinseln über der Schneelinie ztvischen 10,000 
bis 10,700 Fuss. 

a) Pflanzen des höchsten Nordens zwischen 78^ bis 
820 im Grinnel-Land (Smith Sound und Kennedy Canal). 
Ranunculus nivalis, glacialis. 
Draba alpina D. C, corymbosa R. Br., und 

rupestris R. Br., Coehlearia officinalis. 
Stellaria stricta Richards. 



Anordnung der Alpenpflanzen in unsern Gärten. 59 

Cerastium alpinum, Silene acaulis, Lychnis apetala. 

Dryas octopetala, Potentilla nivea, Alchemilla vul- 
garis. 

Saxifraga oppositifolia, rivularis L., tricuspidata R., 
cernua L., nivalis L. 
' Taraxacum palustre D. C. 

Campanula rotundifolia var. linifolia. 

Vaccinium uliginosum L. 

Andromeda tetragona L. 

Bartsia alpina L. 

Armeria vulgaris W. 

Polygonura viviparum L., Oxyria digyna Campder. 

Etnpetrum rubrum L. 

Betula nana L. 

Salix herbacea. 

Tofieldia palustris var. borealis. 

Luzula campestris var. congesta. 

Carex rigida Gaud. 

Eriophorum vaginatum. 

Glyceria arctica Hook. 

Festuca ovina L. 

Im Ganzen 39, die übrigen 13 fehlen. 
b) Pflanzen, welche auch auf unsern Alpen den höch- 
sten Standpunct einnehmen und in der Region des ewigen 
Schnees auf Firn oder Gletscherinseln, wie z. B. im soge- 
nannten Jardin oder bei den Grand Mulet am Montblanc 
in 10,000 bis 10,700 Fuss vorkommen, etwa 40 bis 50 
Phanerogamen, welche mit den vorigen grosse Ueberein- 
stimmung zeigen, unter ihnen Cherleria sedoides von höch- 
stem Vorkommen in 11,700 F. Höhe am Monte Rosa 
(Schlagintweit). 

Draba frigida Sauter, fladnicensis Wulf, tomentosa; 
Cardamine bellidifolia. 

Silene acaulis L. 

Potentilla frigida Vill, 

Saxifraga groenlandica L., exarata Vill., muscoides 
Wulf, oppositifolia L., bryoides L. 



60 H. R. Göppert, 

Erigeron uniflorum, Pyrethrum alpinum. 

Phyteuma hemisphaericum L. 

Androsace helvetia Gaud, pubescens. 

Gentiana verna. 

Luzula spicata D. C. 

Agrostis rupestris All. 

Trisetum subspicatum P. Beauv. 

Poa laxa Haenke, caesia Sm., alpina L., vivipara. 

Festuca Halleri. 

Carex nigra. 
IL Pflanzen der Schneelime der Alpen von 8,500 bis 
10,000 F. Höhe. (Die in der arktischen Zone ebenfalls 
vorkommenden Arten sind in unsern Gärten mit einem 
Kreuz auf der Etiquette bezeichnet.) 

Von Monocotyledonen: Sesleria microcephala 
D. C, S. sphaerocephala Ait., Trisetum subspicatum, 
fPoa alpina, fPoa laxa Haenke, f Carex firma L. 

Von Dicotyledonen: f Salix herbacea, fS. retusa, 
Primula minima L,, Androsace glacialis App., Pedicularis 
rostrata, Gentiana bavarica, f Azalea procumbens, Phy- 
teuma pauciflorum L., Pyrethrum alpinum W., Artemisia 
Mutellina Wulf, spicata Vill., Gaya simplex, Saxifraga 
androsacea, biflora All., jbryoides, caesia B., muscoides 
Wulf, foppositifolia L., Sempervivum arachnoideum,Sedum 
atratum L., f Cerastium latifolium, f alpinum, Arenaria 
ciliata, Cherleria sedoides, Alsine verna Barth, f Silene 
acaulis, Braya alpina, f Ranunculus glacialis L. 

III. Pflanzen der sidinivalen Region von 6000 bis 
8000 F. der Alpen, oder die eigentliche Alpenflora, welche 
im Allgemeinen der Flora der baumleeren Region der ark- 
tischen Zone enfsp'icht. 

Auf unserm viel nördlicher gelegenen Riesengebirge 
beginnt die Region der Alpenpflanzen und mit ihr das 
Verschwinden der Bäume in 3500 bis 4000 F. Seehöhe. 
Im Allgemeinen aus folgenden in unsern Gärten mehr 
oder weniger stark vertretenen Familien (über 200 Arten) : 
Filices, Lycopodiaceen, Juncineen, Liliaceen, Orchideen 



Anordnung der Alpenpflanzen in unsern Gärten. 61 

(unter ihnen das sibirische Cyprijpedium macrantlium), 
Salicineen_, Thyraeleen, Polygoneen, Plantagineen, Primula- 
ceen, Rhinantheen, Antirrhineen, Borragineen, Gentianeen, 
Ericineen, Vaccinien, Campanuleen, Corapositen, Stellaten, 
Saxifrageen, Crassulaceen, Onagrarien^ Sanguisorbeen, 
Rosaceen, Papilionaceen, Alsineen, Sileneen, Violarien, 
Cistineen, Cruciferen und Ranunculaceen. 

Alle sind Familienweise zusaramengruppirt, wobei 
wir auch bemüht waren, Uebelstände, welche durch Grössen- 
verhältnisse der einen oder der andern Art herbeigeführt 
werden können, möglichst zu vermeiden. 

IV. Pflanzen des höchsten Nordens, die in der haum- 
leeren Region um den ganzen Pol verbreitet und auch in 
Deutschland einheimisch sind. 

Unter dieser Rubrik haben wir etwa 90 Arten zu- 
sammengestellt, welche mit wenigen Ausnahmen auch in 
Deutschland und Mitteleuropa überhaupt vorkommen. 

V. Ei)ie Anpflanzung von Laubhölzern, Sträiichern und 
Bäumen, welche mit den vorigen unter Abtheilung IV. 
genannten Pflanzen um den ganzen Pol wachsen, wie 
Rubus Idaeus, Sorbus Aucuparia, Alnus incana, Betula 
alpestris, Prunus Padus, Populus treraula. 

VI. Diejenigen oben erwähnten Nadelhölzer, ivelche um 
den Pol herum wachsen. 

VII. Sträucher der Centralalpen, welche nach dem Auf- 
hören der Baumvegetation vorkommen. 

VIII. Die Pflanzen der Bergregion Mitteleuropas, 
welche innerhalb des Baumwuchses, z. B. in verschiedenen 
Gegenden Deutschlands zwischen 2000 bis 6000 F. Höhe 
vorkommen. 

Endlich sind zum Vergleiche Repräsentanten der Alpen- 
flora des Himalaya (Rhododendra, Polygoneen, Pomaceen, 
Saxifragen, Berberideen, Compositen) in der Nähe in einer 
Gruppe vereinigt, welche jedoch zu wenig Arten enthält 
um mit allen den geschilderten Verhältnissen in nähere 
Beziehung gebracht werden zu können. 

Wir glauben, dass Gruppirungen dieser Art uns wohl 



62 LaacJiersee u. Kohlensäuregas- Exhalationen der Umgehung, 

in Stand setzen, mit einem Blicke die Beschaffenheit der 
Vegetation nach den Höhenverhältnissen ihres Vorkom- 
mens von der Ebene bis zur äussersten Grenze organischen 
Lebens und wieder ihre Verwandtschaft mit den Floren 
der immer noch so viele Räthsel bergenden arktischen 
Zone klar zu übersehen und wünschen, dass der hoch- 
geehrte botanische internationale Congress unsere Mit- 
theilungen gütig aufnehmen möge, welche eigentlich nur 
als praktische Ausführung der die Wissenschaft zieren- 
den Lehren eines A. von Humboldt, Schouw, Watson, 
A. de Candolle anzusehen sind. 

Englands Forscher haben bis jetzt mit den grössten 
Opfern das Studium der Alpen verfolgt, vielleicht sieht 
man sich veranlasst, auch meine Bestrebungen als einen, 
wenn auch nur sehr unbedeutenden Beitrag zu denselben 
anzusehen. 



lieber den Laachersee and die Eohlensäuregas- 
Exhalationen seiner Umgebung. 

Der Laachersee, das grösste der rheinischen Maare 
und der Mittelpunct der frühern vulkanischen Thätigkeit 
des linken Rheinufers, liegt zwei Stunden nordwestlich 
von der Stadt Andernach, grenzt einerseits an das frucht- 
bare Maifeld, anderseits an die ersten Höhen der Eifely 
so dass der See gleichsam der Ausgang des vulkanischen 
Eifelgebirges bildet. Der Wasserspiegel des Laachersees 
liegt 706 Fuss über dem Rheine bei Andernach, 845 Fuss 
über dem Spiegel der Nordsee. Die grösste Tiefe dessel- 
ben beträgt gegenwärtig 157 Fuss, vor dem Jahre 1845 
dagegen betrug sie 177 Fuss. Der Flächenraum des Sees 
betrug früher 0,068 Quadratmeilen, jetzt dagegen nur 0,0597 
Quadratmeilen. Im 12. Jahrhundert wurde nämlich die 
am Ufer des Sees gelegene Abtei Laack gegründet, der 
See hatte damals einen viel bedeutenderen Umfang und 
die Gebäude der Abtei waren häufigen UeberschwemmUn- 



Laachersee u. Kohlensäiiregas-Exhalationen der Umgehung. 63 

gen ausgesetzt. Der Abt Fulbert Hess deshalb einen 
Abzugscanal graben, der, den südlichen Rand durch- 
brechend, das Wasser des Sees in den Nettebach leitete. 
Später stürzte der Graben ein und wurde im 13. Jahr- 
hundert wieder hergestellt. Im Jahre 1845 wurde dieser 
Abzugscanal von dem damaligen Besitzer der Abtei tiefer 
gelegt, wodurch der Flächenraum des Sees sehr abgenom- 
men hat und etwa 300 Morgen Land gewonnen wurden. Die 
Form des Sees ist eiförmig, in der Mitte etwas eingeschnürt. 
Der Weg, welcher am Ufer um den See herumführt, 
besitzt eine Länge von 2100 Ruthen, wenig mehr als eine 
Meile. Der See wird hauptsächlich von einer weit ver- 
breiteten Kalktuffablagerung umgeben, in der sich auch 
Schichten von Bimsstein finden im Gemenge mit Schlacken 
und basaltischer Lava; an manchen Stellen tritt auch 
Devonschiefer auf. Das Wasser des Sees ist klar und 
durchsichtig und spiegelt stets die Farbe des Himmels 
zurück. Ein lieblicher Anblick ist es, wenn man die 
Westseite befahrend in die Tiefe schaut und auf dem 
Grunde zahlreiche Wasserpflanzen, Sparganien, Ceratophyl- 
leen und andere in die Höhe gerichtet stehen. Sehr selten 
findet man noch Nymphaea alba schwimmend auf der 
Oberfläche des Wassers. Ueberhaupt ist das Becken von 
Laach und der nächsten Umgebung sehr pflanzenreich. 
Es gedeihen in dem beschränkten Räume innerhalb des 
Bergkranzes 750 Arten Gefässpflanzen, ausserdem zahl- 
reiche Zellenpflanzen, besonders Flechten und Pilze. Von 
vorkommenden seltenern Pflanzen sind zu erwähnen: 
Anthencum Liliago, Poientüla rwpestris, Arahis hrassicae- 
formis, Dentaria hulhifera, Lithospermum purpureo - coeru- 
leum, Poa sudetica, Digitalis grandiflord, Lihanotis montana, 
Centaurea nigrescens, Calamintha officinalis, Achillea nobiliSf 
u. a. m. Der See nährt zahlreiche Fische, namentlich 
Hechte, Barben und Schleien. Auch Conchylien beleben 
denselben, zwar nur in geringer Artenzahl, man kannte 
deren 10, Limnaeus - und Flanorbis - Arten und einen 
Zweischaaler Cyctas, dafür aber in grosser Menge der 



64 Laachersee u. Kohlensäuregas- Exhalationen der Umgebung. 

Individuen. Ihre Gehäuse bilden mächtige Bänke und 
selbst am Ufer in einer Tiefe von 12 — 15 Fuss unter 
dem Wasserspiegel mit Torfschiehten abwechselnd, die 
den Beweis liefern, dass das Alter des Sees bedeutend 
und seine Höhe dem Wechsel unterworfen gewesen sein 
müsse. Unter dem Torfe findet man noch die starken, 
schwarzen Wurzelstücke der weissen Seerose, ein Beweis, 
dass diese Pflanze in frühern Zeiten bei weitem häufiger 
sich vorfand. Auch Lager von Infusorien wurden in 
neuerer Zeit aufgefunden, nach der Untersuchung von 
Ehrenberg sind unter diesen besonders die Gattungen 
Polygastrica und Phytolitharia vorhanden. Nach der 
Analyse enthält das Wasser des Laachersees kohlensaures 
Natron, schwefelsaures Natron, Chlornatrium, kohlensauren 
Kalk, kohlensaure Talkerde und Kieselsäure. Sämmt- 
liche feste Bestandtheile betragen 0,215 Promille. 

In dem See selbst sind viele Quellen vorhanden, 
aber auch am Ufer bei geringer Wassertiefe wird das 
Aufsteigen von Bläschen von kohlensaurem Gase bemerkt. 
Quellen, imprägnirt mit kohlensaurem Gase, finden sich 
dann auch in grosser Zahl auf 2 — 3 Meilen im Umkreise 
und bilden die sogenannten Säuerlinge, welche den Be- 
wohnern dieser Gegend stets ein angenehmes und er- 
frischendes Getränk darbieten. Einige dieser Quellen, 
z. B. die von Tönnisstein und Heilbrunn im Brohlthale 
haben eine medicinische Bedeutung erlangt. Bei beiden 
Quellen sind elegante Kurhäuser zur Aufnahme der Gäste 
eingerichtet, welche die Wasser des Brohlthales trinken 
und eines stillen ländlichen Aufenthalts sich erfreuen 
wollen. Der Absatz des Tönnissteiner Wassers nach 
Holland und den Colonien war früher bedeutend, jetzt 
hat er indess abgenommen und ist nur nach den umlie- 
genden Orten von Bedeutung, so werden nach Coblenz 
jährlich 12 — 15,000 Krüge versandt. Der Heilbrunnen 
ist eine Salzquelle, welche leicht abführend wirkt, durch 
ihren Reichthum an Bestandtheilen und an Kohlensäure 
ausgezeichnet ist, dabei sehr angenehm schmeckt. Von 



Laachersee u. Kohlemäuregas-Exhalationen der Umgegend. 65 

dem Heilbrunnen- Wasser werden jährlich etwa 20—25,000 
Krüge versandt. 

Von den gasförmigen Produeten, welche aus dem 
Boden erloschener Vulkane zu Tage treten, ist fast aus- 
schliesslich die Kohlensäure zu erwähnen. Diese Quellen 
kohlensauren Gases sind fast unerschöpflich, sie imprägni- 
ren das unterliegende Gestein und zersetzen dasselbe, 
wie das häufige Vorkommen von Sphärosiderit in dieser 
Gegend beweist, ferner das Effloresciren verschiedener 
wesentlich kohlensaurer Salze in natürlichen und künst- 
lichen Höhlungen des Tuffsteins, welcher für das Brohl- 
thal eine grosse Bedeutung erlangt hat. Exhalationen 
von Kohlensäure finden sich dann auch in grosser Zahl 
in der Umgebung des Laachersees. In einem 1/2 Meile 
von demselben nordwestlich gelegenen Kesselthaie liegt 
das Dorf Wehr, durch welches sich der Wirrbach ergiesst. 
Der Boden dieses Thaies wird von sumpfigen Wiesen 
eingenommen und hat nur ein geringes Gefälle nach der 
Abflussstelle. An der Nordostseite treten unzählige Sauer- 
quellen auf, welche mit Ablagerungen von Eisenocker 
umgeben sind, der als Färbematerial Benutzung findet. 
Nur zur trockenen Jahreszeit, wenn die einzelnen insel- 
artig aus dem Sumpfe hervortretenden Stellen trocken 
sind, kann die ungeheure Kohlensäuregas -Entwickelung 
ringsumher beobachtet werden. Das Brausen des Gases, 
welches sich zum Theil in kopfgrossen Blasen entwickelt, 
und das Sauerwasser fusshoch emportreibt, ist so stark, 
dass es schon in bedeutender Entfernung gehört wird. 

Drei Stunden nordöstlich vom Laachersee mündet 
der Brohlbach iu den Rhein. In dem Brohlthale finden 
sich unterhalb des Dorfes Burgbrohl unzählige Stellen^ 
wo das Kohlensäuregas unmittelbar aus dem Boden ent- 
weicht. Man findet hier an den Bergabhängen kleine 
Vertiefungen, worin stets todte Vögel, Mäuse u. dergl. 
liegen und beim Niederbücken bemerkt man den stechen- 
den Geruch der Kohlensäure. Ebenso zeigen sich ein- 
zelne Stellen auf den Feldern, wo die Früchte nur sehr 

Arch. d. Pharm. CLXXXI. Bds. 1. u. 2. Hft. c 



66 Der Sternschnuppenfall im November 1866. 

kümmerlich gedeihen. Aus dem Brohlbache entwickeln 
sich an vielen Stellen ununterbrochen Gasblasen. Mehre 
Keller in Burgbrohl sind so mit Kohlensäure erfüllt, 
dass sie gar nicht benutzt werden können und beim 
Graben neuer Keller finden oft sehr starke Gasentwicke- 
lungen statt. G. B i s ch o f bemerkt *), dass die Sauerquellen 
im tiefsten Niveau der Thalsohle, fast in dem des Baches, 
die. Gasentwickelungen in einem höhern Mveau an den 
Bergabhängen und die süssen Quellen, deren es in Burg- 
brohl nur zwei giebt, noch höher über der Thalsohle 
ausfliessen. 

Die Menge des kohlensauren Gases, welches hier dem 
Boden fortwährend entsteigt, ist ausserordentlich gross, 
so dass man bereits eine technische Nutzanwendung davon 
gemacht hat. In Burgbrohl sind nämlich zwei ßleivveiss- 
fabriken vorhanden, von welchen eine vor circa 30 Jahren 
gegründet worden ist. In diesen wird Bleiweiss durch 
Fällung einer Auflösung von basisch essigsaurem Bleioxyd 
mit natürlicher, aus dem Boden ausströmender Kohlen- 
säure gewonnen. 

Es bietet somit die Umgebung des Laachersees, welche 
für den Naturforscher von so bedeutendem Interesse ist, 
auch dem Industriellen vielfache Gelegenheit, die reichen 
Pi'oducte dieser Gegend zu verwerthen und Nutzen davon 
zu ziehen. J. J. Bender. 

Der Sternschnuppenfall im November 1866. 

» — - 

Das glänzende Sternschnuppenphänomen der vor- 
jährigen Novemberperiode hat gewiss das Interesse an 
diesen kleinen Weltbürgern in dem Masse wach gerufen, 
dass folgende kurze Notizen willkommen sein werden. 

Dass diese schönen Meteore wirklich kosmischen und 
nicht tellurischen Ursprungs sind, hat zuerst Chladni 
1794 nachgewiesen. Brandes und Benzenberg bestimmten 



*) Lehrbuch der ehem. und physikal. Geologie L p. 264. 



Der Stemschmippenfall vn Novemher 1866. 67 

zuerst 1798 ihre Geschwindigkeit und ihre Entfernung 
von der Erde. Dass die Sternschnuppen zu bestimmten 
Zeiten des Jahres besonders häufig auftreten, wurde mit 
Bestimmtheit erst gefolgert, nachdem Olmstedt und Pahner 
den ungeheuren Sternschnuppenschwarm am 12. und 13. 
November 1833 in Nordamerika beobachtet hatten. Jetzt 
wurde man aufmerksam darauf, dass besonders die Zeit 
zwischen dem 10. und 14. November es sei, in der in 
verschiedenen Jahren zahh'eiche Sternschnuppen gefallen 
seien. So hatten Humboldt und Bonpland am 12. Novbr. 
1799 Tausende der Meteore an der Mexikanischen Küste 
beobachtet, so waren sehr viele in Potsdam am 12. Novbr. 
1822 gesehen, noch mehr aber 1831 am 13. Novbr. im 
südlichen Deutschland und an der Spanischen Küste und 
eben so in der Nacht des 12. — 13. Novbr. 1832 an sehr 
weit von einander entfernten Orten. Man nahm nun an, 
dass ein ganzer Ring dieser winzigen Körperchen im 
Welträume vorhanden sei, den unsere Erde in ihrer Bahn 
gegen den 12. oder 13. Novbr. durchschneidet. Aus der 
grossen Geschwindigkeit dieser Meteore und daraus, dass 
bei besonders häutigen Fällen sämmtliche Sternschnuppen 
von dem Puncte des Himmels ausgingen, nach welchem 
sich unsere Erde hinbewegte, schloss man bald, dass die 
Sternschnuppenschaar dieses Ringes eine der Erde ent- 
gegengesetzte Bewegung haben müsste. Dass die Erschei- 
nung der SternschiTuppen in einigen Jahren so viel glän- 
zender war als in andern, führte zu der Hypothese, dass 
der Ring nicht allenthalben gleich dicht mit Körperchen 
besetzt sei. Olbers und nicht Humboldt, wie häufig au- 
gegeben wird, war wohl der erste, der aus den beiden 
so überaus prachtvollen Erscheinungen von 1799 und 
1833 folgerte, dass eine Stelle des Ringes besonders dicht 
mit den kleinen Körpern besetzt und dass gerade dieser 
Schwärm es gewesen sei, dem die Erde in den beiden 
genannten Jahren begegnete. „Im Jahre 1799 und 1833" 
— dies schrieb Olbers 1837 — „vielleicht auch 1832 ging 
die Erde durch einen solchen dichten Schwärm. In andern 



68 Der Sternschnu]ppenfall im November 1866. 

Jahren begegnete sie nur einzelnen, wenngleich vielen 
Sternschnuppen- Asteroiden. Vielleicht gehen mehre sol- 
cher dichteren Schwärme auf dieser Strasse einher, viel- 
leicht müssen die Erdbewohner selbst bis 1867 warten, 
ehe sie dies merkwürdige Phänomen in seiner ganzen 
Pracht, die es 1799 und 1833 hatte, sich wieder erneuern 
sehen." — Dies ist auch die Stelle, auf welche sich 
Humboldt in seinem Kosmos bezieht. 

Zu derselben Zeit erkannte man auch das August- 
Phänomen als ein periodisches, bald wurde man auch auf 
andere Tage des Jahres aufmerksam, an denen das Er- 
scheinen von Sternschnuppen besonders häufig ist. 

Aus einer sorgfältigen Discussion nicht nur der neuern^ 
sondern auch der in frühern Jahrhunderten beobachteten 
Erscheinungen schloss der amerikanische Astronom New- 
ton, dass der Schwärm der Novemberperiode eine Bahn 
um die Sonne beschreibe, welche gegen die Erdbahn um 
17 Grad geneigt sei, dass aber die Richtung der Bewe- 
gung des Schwarms in seiner Bahn der Richtung der 
Erdbewegung entgegengesetzt sei. Die Umlaufszeit des- 
selben betrage 354,g.2| Tage, so dass derselbe alle Jahre 
um etwa elf Tage früher durch die Erdbahn geht als im 
vorhergehenden. Alle 33 Jahre macht er hiernach nahe 
34 Umläufe, und wir würden also alle 33 Jahre das 
Schauspiel eines reichen Sternschnuppenfalls geniessen. 
Dies schliesst jedoch nicht aus, dass auch in zwei auf 
einander folgenden Jahren ein aussergewöhnlicher Stern- 
schnuppenreichthum eintreten kann, denn der Schwärm 
ist wahrscheinlich von einer solchen Ausdehnung, dass 
die Erde in auf einander folgenden Jahren Theile von ihm 
treffen kann. Ein centraler Durchgang ereignet sich nach 
Newton erst alle 133 Jahre, und zwar sollte der nächste 
am Morgen des 14. Novbr. 1866 statt finden. 

Diese Vorausbestimmung hat sich als richtig bewährt, 
nur wenige Stunden früher, als Newton angab, stiess die 
Erde mit dem Schwärm zusammen. Der überaus herr- 
liche Anblick des Phänomens, das sich dem Auge in der 



Der Sternschnuppenfall im November 1866. 69 

Nacht vom 13. zum 14. Novbr. 1866 darbot, hat gewiss 
alle Beobachter mit Staunen und Bewunderung erfüllt. 
Zur Zeit der reichsten Entfaltung der glänzenden Erschei- 
nung, welche in Berlin kurz vor 2 Uhr Nachts statt fand, 
zeigten sich nach sorgfältiger Schätzung aufmerksamer 
Beobachter gegen 20 Meteore in der Secunde. Man wird 
sicher nicht zu viel schätzen, wenn man annimmt, dass 
von halb zwei bis halb drei Uhr in der Minute durch- 
schnittlich 450 Sternschnuppen fielen, was also für diese 
Stunde 27,000 machen würde. Alle kamen aus der Gegend 
des grossen Löwen, aus der Gegend, nach welcher sich 
die Erde gerade hinbewegte. Die Pracht und derReich- 
thum der Erscheinung musste sich in derjenigen Gegend 
der Erde am grössten zeigen, welche die Hauptmasse des 
Schwarms traf. Hat derselbe eine hinreichende AiTsdeh- 
nung gehabt, so waren die Bewohner von Hindostan die 
Glücklichen, das Schauspiel in seiner reichhaltigsten Fülle 
geniessen zu können. Denn sie hatten den grossen Löwen 
gerade im Zenith, als der Sternschnuppenfall eintrat, was 
bei ihnen kurz vor Sonnenaufgang statt fand. 

Nach frühern Erscheinungen zu schliessen, ist es 
jedoch unwahrscheinlich, dass der Schwärm eine solche 
Breite gehabt hat. Weiter nach Westen hin musste aber 
die Reichhaltigkeit der Erscheinung abnehmen. Dies 
scheint auch deutlich aus den Berichten der englischen 
Astronomen hervorzugehen, welche die Zahl der während 
der Dauer des Phänomens gesehenen Meteore lange nicht 
so hoch angeben als die oben mitgetheilte. Das schönste 
Meteor, was in Berlin gesehen wurde, war unstreitig eine 
Feuerkugel, die in der Richtung nach dem Stern -j- des 
grossen Bären platzte. Besonders schön war der Anblick 
der zurückgebliebenen Theile durch das Fernrohr. Zwei 
Minuten nach dem Platzen boten sie den Anblick des 
kräuselnden Ringes, der sich zuweilen in den Rauchwolken 
einer brennenden Cigarre zeigt. Nach und nach erweiterte 
sich derselbe, öffnete sich an einer Stelle und verschwand 
erst nach 10 — 12 Minuten. Sehr bemerkenswerth war, 



70 Landerer, die Insel Lemnos und ihre Heilquellen . 

dass die Theilchen trotz ihrer grossen Höhe Luftströmun- 
gen ausgesetzt zu sein schienen. Einen sehr prachtvollen 
Anblick boten auch die Schweife verschiedener Stern- 
schnuppen. Oft lagen 6 — 8 neben einander, die zuweilen 
mehre Minuten sichtbar blieben. Die meisten zeigten 
eigenthümliche Bewegungen und Krümmungen, im Fern- 
rohr machten sie durchaus den Eindruck des Rauches. 
{Bl. für Handel und Gewerbe, 1866, 49.) B. 



Die Insel Lemnos und ihre Heilquellen; 

vou 

Dr. X. La nd e r e r. 

Noch gegenwärtig wird die Terra Leninea oder 
Bolus Lernnia in der Medicin gebraucht : sie wird 
von der Insel Lemnos in Form von grossen Boli, mit 
einem türkischen Zeichen versehen, das ich auch in 
letzter Zeit vergoldet gesehen, ausgeführt. Ich theile 
hier Einiges mit über eine sehr kräftige Heilquelle, 
die sich auf dieser Insel befindet. Lemnos hielten die 
Griechen zu Homers Zeiten für die Wohn- und Arbeits- 
stätte des Hephaestus, weshalb sie auch Hephaestinea, 
so wie die am Fusse eines vulkanischen Berges erbaute 
Stadt Hephaestinea genannt wurde. Ein aus Trachitfelsen 
bestehender Berg, dem im grauen Alterthum Feuersäulen 
entstiegen sein müssen und der vulkanische Producta 
aussreworfen haben nniss, heisst Meschila. Auf der Ost- 
Seite desselben sieht man auch die Ueberreste von Lava- 
strömen. Der grösstentheils aus Pazzolanerde. d. i. vul- 
kanischer Asche mit BimssteingeröUe, bestehende Boden 
erzeugt prächtigen Wein, so dass der Wein von Stali- 
meni, wie die Insel heute von den Türken genannt wird, 
zu den ausgezeichnetesten der Inseln des türkischen Ar- 
chipeis gehört. In der Nähe dieses vulkanischen Berges 
Meschila belindet sich eine sehr kräftige Theiotherme, 
die von den Lemnern zu Bädern gebraucht wird und die 



Landerer, Mittel gegen das Ausfallen der Haare 



71 



sich bei Psora und auch bei rheumatischen und arthri- 
tischen Leiden sehr heilkräftig erweist. Seit einigen Jah- 
ren befinden sich in der Kähe dieser Therme drei kleine 
Häaser, die den Patienten während der Badezeit zur 
Unterkunft dienen. Eine andere Therme, die jedoch eine 
Stahlquelle zu sein scheint, liegt drei Stunden von der 
Stadt Lemnos entfernt; dieselbe soll eine Menge rothen 
Pulvers absetzen, das die Leute auf Lemnos axopia to'j 
O!,or,pou, d. i. Eisenrost, nennen und hieraus ist zu schlies- 
sen, dass das Wasser einer Stahlquelle angehören muss. 



Ueber ein gegen das Ausfallen der Haare 
erprobtes Mittel; 

vou 

Dem seil) eil. 



Der rothe Wein von der Lisel Zea ist einer der 
ausgezeichnetsten und kräftigsten Weine, der dem Vin de 
Bourgogne, dem Vin de Chateau Lafitte nicht nur an die 
Seite zu stellen ist, sondern denselben an Tannin- und 
Weingeistgehait übertrifft. Auf derselben Insel befinden 
sich Wälder von Quercus Aegilops {Aegilops, 'AT?-or;i;, 
Ansehen der Ziegenaugen), deren Fruchtkelche die soge- 
nannten Wallaniden sind, die einen bedeutenden Aus- 
fuhrartikel bilden und je nach der Zeit der Sammlung 
den meisten Tannin enthaltenden Stoffen vorzuziehen sind. 
Wenn ich nicht irre, so ist der Gerbstofigehalt der 
Wallaniden auf 34 — 40 Procent angegeben. Diese bei- 
den Ingredienzien bilden nun das erprobte Mittel, um 
das Ausfallen der Haare zu verhindern, indem sich die 
Frauen und Mädchen ein Vininn e Capsulis Quercus Aegi- 
lopis bereiten und diesen zum Waschen der Haare ver- 
wenden. Kein Mittel soll dieses übertreffen können und 
auf Zea ist es selten, dass eine Dame länger als einige 
Tage an diesem Ausfallen der Haare leidet. Zu bemer- 



72 Ein Schutzmitsei für Bewaldung der Gebirge. 

ken ist jedoch noch, dass man sich vor der Anwendung 
dieses Weines die Haare mit einem Absude von Sapo- 
naria Levantica zu waschen hat, um die Pityriasis^ die 
oft die einzige Ursache des Ausfallens der Haare sein 
soll, zu vertreiben. 



Heber ein Schutzmittel für Bewaldung der Gebirge. 

Der durch seine praktische volkswirthschaftliche Wirk- 
samkeit bekannte Professor Dr. Mol in schreibt: „Um 
in kürzester Zeit die Bewaldung der Gebirge zu be- 
werkstelligen, muss dieselbe durch eine Pflanze eingelei- 
tet werden, welche die Thiere und hauptsächlich die Zie- 
gen instinctmässig nicht berühren, welche in ihrer Ent- 
wickelung weder durch die geringe Quantität Erde, in 
welcher sie vegetirt, noch durch die Dürre zurückgehal- 
ten wird und die Bewaldung selbst muss nach einem 
bestimmten Plane, aber durch eine eigene Methode aus- 
geführt werden. Die Pflanze ist Ailantlius glandulosa 
(Götterbaum). Eine junge Bewaldung von Äilanthus ist 
die einzige, welche sowohl die Mauereinzäunung als die 
Aufsicht entbehrlich machen wird, sie wird sich selbst 
gegen den nagenden Zahn der Thiere, die Ziegen nicht 
ausgeschlossen, schützen." {Bl. für Hand. u.Gwhe. 1866^ 
m. 49.) B. 



73 



III. Moiiatsliericlit* 



Chlorkohlcnstoff. 

Simpson hat den Chlorkohlenstoff, C^CH, (durch 
Einwirkving von Chlor auf Chloroform zu erhalten) als 
Anaestheticum mit Erfolg angewendet. Bei localen Schmer- 
zen der Brustwand und des Abdomens gab er, unter die 
Haut gespritzt, gute Resultate. Innerlich verordnete er 
ihn in kleinen Dosen bei Gastrodynie, wo die Wirkung 
sich der des Chloroforms gleich zeigte. {Pharm. Journ. 
and Transact. IL Ser. Vol. VII. No. 8. Fehr. 1866. p. 416.) 

Wp. 

lieber die Dichtigkeit des Kohlenstoffs in seinen 
Verbindungen. 

Eine hauptsächliche Schwierigkeit, welche der künst- 
lichen Darstellung von Diamanten im Wege steht, ist 
nach E. J. Maumene {Compt. rend. T. 59.) die je nach 
den Verbindungen verschiedene Dichtigkeit des Kohlen- 
stoffes. 

Am ersten würde er sich darstellen lassen aus sol- 
chen Substanzen, in welchen der Kohlenstoff dieselbe 
Dichtigkeit hat, wie der natürliche Diamant. 

Das Terpenthinöl C^OH'ß enthält nur Kohlenstoff und 
Wasserstoff, nämlich: 

15 Gewichtstheile Kohlenstoff und 
2 „ Wasserstoff 

in 17 Gewichtstheilen Terpenthinöl. 

Da über die Molecularstructur dieser Verbindung 
etwas Sicheres noch nicht bekannt ist, so kann man dar- 
über folgende Hypothesen aufstellen: 

1) Der Kohlenstoff existirt darin als Diamant, oder 
mit der Dichtigkeit des Diamanten, 



74 Dichtigkeit dts KohUiisioß'd In seinen Verbindungen. 

2) Beide Körper, Kohlenstoff und Wasserstoff, sind 
ohne Condensation verbunden, der Kohlenstoff mit der 
dem Diamant entsprechenden Dichte, der Wasserstoff mit 
dem Volumen, welches einer der für ihn in seinen Ver- 
bindungen gefundenen Dichtigkeiten entspricht. Setzt 
man die letzteren gleich x, so hat man: 
15 2 17 

-f- = , woraus x = 0,13. 

a,53 X 0,8G ' 

Mit dieser Dichte tritt der Wasserstoff mehrfach, haupt- 
sächlich im Wasser auf, da nach Kopp der Sauerstoff 
in den Metalloxyden eine der folgenden Dichten hat: 

6,25 

oder die Hälfte 3,125 

oder das Viertel 1,5625. 
Nehmen wir für den Sauerstoff im Wasser die grösste 
Dichte, 6,25, und den Wasserstoff ohne Condensation an, 
so haben wir: 

8 1 9 

6,25 "' X ~ 1 

und X = 0,1295 für die Dichte des Wasserstoff?, was 
mit der obigen Zahl sehr gut stimmt. 

Daraus kann man also ziemlich sicher schliessen, 
dass der Wasserstoff im Wasser die Dichte 0,1295 hat, 
dass er eben so dicht im TerpenthinÖl ist und folglich 
der Kohlenstoff in demselben als Diamant vorhanden ist. 

Mehre andere Kohlenstoffverbindungen, so das Fara- 
day'sche Sesquichlorid C^Cl^, geben dasselbe Resultat, 
wenn man für Chlor die von Kopp aus den Chlorüren 
von K, Ca, Sr, H^N, Cu, Hg gefundene Dichte annimint." 
Andere Verbindungen haben eine geringere Dichte, so 
das Benzol. 

Maumene ist durch Rechnungen und Betrachtungen 
zu der Ansicht gekommen, dass die Jodüre des Kohlen- 
stoffs C^J6 oder C^J^ denselben mit der ungefähren Dichte 
3,53 enthalten müssen. 

In den Lehrbüchern findet sich zur Darstellung des 
Jodkohlenstoffs das Verfahren von vSerullas angegeben, 
wonach man 

1 Theil C4H4J2 = 1 Aeq. und 
4 Theile HgCl = 8,3 „ 
mit einander erhitzen soll. Hierbei erhält man aber statt 
des Jodürs nur eine chlorhaltige Flüssigkeit, deren Ana- 
lyse Maumene nächstens veröffentlichen wird. 

H f m a n n {Ann. de C/iirn. et de Phys.) erwähnt einen 



Steinkohlen in Turkestan. — Verhrauc.li der Steinkohlen. 75 

Versuch, bei welchem sich wahrscheinlich das eigentliche 
Jodür bildet, es ist das die Erhitzung von Jodoform auf 
1500 in geschlossenen Röhren, wobei sich Methyienjodid 
C2H-J2 bilden soll. Demnach wäre die Zersetzung: 

2(C2HJ3) = C2H2J2 _|- C2J4. 
Hof mann spricht nur von dem ersteren, das zweite, bis 
jezt noch nicht bekannte, würde vielleicht zur Darstellung 
von Diamanten dienen können. 

Maumeue's Versuche, die Kohlenstoffjodüre danach 
zu bereiten, waren alle von ungünstigem Erfolge. {Journ. 
für 'prakt. Chemie, Bd. 95. 5.) B. 



Stciukohlen in Tiirkestau. 

In Turkestan hat man 90 Werst von Tschemkent, 
Turkistan und der Mündung des Arys Steinkohlen von 
sehr guter Qualität aufgefunden. Der Weg nach den 
drei genannten Orten ist für Fuhrwerk gut passirbar. 
Der Mangel an Feuerungsraaterial war eine der Haupt- 
ursachen, weshalb die DampfschifFfahrt auf dem Syrdarja 
sich nicht entwickeln konnte, man musste den Anthracit 
für die Dampfer vom Don herschaffen, wodurch das Ma- 
terial auf 2 Kübel das Pfund kam. (Russisch. Inv.) 

Dr. Reich. 

Der Verbrauch der Steinkohlen und die nächsten 
Folgen desselben. 

Von Emil Sommer. 

Gar manchem unserer Leser, der die an allen Bahn- 
höfen massenhaft angehäuften Steinkohlenvorräthe über- 
blickte, oder das Auge über die unzähligen rauchenden 
Kamine einer unserer grösseren Fabrikstädte schweifen 
Hess, hat sich gewiss schon die Frage aufgedrängt, 
ob die von der Natur im Schosse der Erde seit Jahrtau- 
senden aufgespeicherten Kohlenschätze wohl reichhaltig 
genug sein möchten, um die Menschheit für alle Zeiten 
mit diesem kostbaren Heizmaterial zu versorgen, und ob 
nicht ein so ungeheurer Consum, wie derselbe heute 
statt findet, schliesslich und wenn auch erst nach einer 
langen Reihe von Jahren den Zeitpunct herbeiführen 
müsste, wo diese anscheinend unerschöpfliche Wärme- 
vmd Kraftquelle zu fliessen aufhören würde. 

Auch die Industrie und Wissenschaft hat sich, na- 
mentlich in der letzten Zeit, wo der Verbrauch der Stein- 



76 Verbrauch der Steinkohlen. 

kohlen durch den grossartigen Aufschwung des industriel- 
len Lebens in so ausserordentlichem Masse gewachsen 
ist, wiederholt diese ernste und bedeutungsvolle Frage 
vorgelegt und verschiedene namhafte Gelehrten mach- 
ten es sich zur Aufgabe, durch sorgfältige Schätzungen 
und Berechnungen wenigstens annähernd zu bestimmen, 
für welche Zeitdauer die in den bedeutenderen heutigen 
Bergwerken vorhandenen Kohlenlager voraussichtlich noch 
ausreichen dürften, wobei es natürlich nicht auf 50 Jahre 
mehr oder weniger ankommt, indem es sich bei der Be- 
stimmung so kolossaler numerischer Verhältnisse nur um 
annähernde Zahlenwerthe. handeln kann. Wenn daher 
die Resultate derartiger Berechnungen, welche stets mehr 
oder weniger auf Wahrscheinlichkeit beruhen, auch kei- 
nen Anspruch auf absolute Genauigkeit haben, so gestat- 
ten dieselben dennoch die wichtigsten und interessante- 
sten Schlüsse, deren allgemeine Bedeutung und Tragweite 
nicht zu verkennen ist. 

Um nur einige Zahlen anzuführen, so weisen wir 
hier zunächst auf eine vor ungefähr zwei Jahren von Sir 
William Armstrong aufgestellte und auf möglichst ge- 
naue Schätzungen und Ermittelungen sich stützende Be- 
rechnung hin, aus welcher hervorgeht, dass, wenn der 
Steinkohlenverbrauch ferner in demselben Masse wie bis- 
her zunimmt, Englands Kohlenreichthum schon nach zwei 
Jahrhunderten gänzlich erschöpft sein würde. Ein ande- 
rer englischer Gelehrter, H. Murchison, welcher gleich- 
falls dieselbe Frage in der jüngsten Zeit zum Gegenstände- 
genauer Untersuchungen machte und unlängst über die 
Resultate derselben in einem in der Britischen Gesell- 
schaft gehaltenen Vortrage Bericht erstattete, gelangt 
ebenso wie Armstrong an der Hand untrüglicher Zah- 
len zu dem Schlüsse, dass der Zeitpunct, bis zu wel- 
chem die Industrie die in dem Boden Grossbritanniens 
noch begraben liegenden Kohlenvorräthe verschlungen 
haben wird, keineswegs so entfernt von uns liegt, als 
man gewöhnlich anzunehmen geneigt ist. Wenn nun 
auch die hierbei zu Grunde gelegte Annahme, dass der 
jährliche Kohlenverbrauch, welcher 1862 in England allein 
1720 Mill. Ctr. betrug und 1864 sogar 1860 Mill. Ctr. 
erreichte, auch ferner sich in der gleichen Progression 
steigern und demnach im Jahre 1900 sich in England zu 
der ungeheuren Summe von 4380 Mill. Ctrn. erheben 
würde, etwas gewagt und übertrieben erscheinen muss, 
so sind darum die von jenen Aufsteilungen abzuleitenden 



Verbrauch der Steinkohlen. 77 

Consequenzen nicht minder ernst und das Eintreten jenes 
drohenden Zeitpunctes der Erschöpfung der englischen 
Kohlenbergwerke nicht minder gewiss, mag derselbe nun 
auch unter günstigen Umständen um 100 Jahre wei- 
ter hinausgeschoben werden, als die in Rede stehenden 
•Schätzungen hoffen lassen. Jahrhunderte sind im Leben 
der gesammten Menschheit wie Tage im Leben des ein- 
zelnen Individuums und es würde daher auch bei der 
Voraussetzung eines möglichen Irrthums von Seiten der 
Geognosten ein derartiges weiteres Hinausrücken des un- 
vermeidlichen Termins um 100 Jahre nur eine wenig 
beruhigende Gnadenfrist bilden. 

Eine ältere, weniger zuverlässige Schätzung nimmt 
in allzu optimistischer Uebertreibung an, dass die in dem 
Saarbrücker Kohlenbecken (in der Preussischen Rhein- 
provinz) noch vorhandenen Steinkohlenvorräthe, welche 
die Mächtigkeit der meisten Kohlenflötze Englands bei 
weitem nicht erreichen, noch für 3000 Jahre ausreichen 
könnten; doch ist hierbei nicht nur der Reichthum die- 
ses Kohlengebirges bedeutend überschätzt, sondern auch 
die jährliche Ausbeute, welche in der in Rede stehenden 
Berechnung nur zu 50 Mill. Ctr. angenommen wird, viel 
zu niedrig gegriffen und mit den Bedürfnissen des sich 
täglich steigernden Verbrauches nicht mehr im Einklänge, 
so dass jene Zahl von 3000 Jahren sich in Wirklichkeit 
auf einen sehr bescheidenen Bruchtheil derselben redu- 
ciren dürfte. 

So unsicher und von einander abweichend alle diese 
Schätzungen nun auch sein mögen, so stimmen dieselben 
doch sämmtlich in der Hauptsache überein, dass nämlich 
von einer Unerschöpflichkeit der Steinkohlenbergwerke^ 
wie man dieselbe fast allgemein noch träumt, durchaus 
nicht die Rede sein kann, sondern dass alle auch noch 
so reichen Gruben nach längerer, man könnte sogar sa- 
gen, verhältnissmässig kurzer Zeit vollständig ausgebeu- 
tet und erschöpft sein werden. — Es ist allerdings hier- 
bei nicht zu vergessen, dass immer noch hier und da in 
weniger bewohnten Gegenden neue und ergiebige Kohlen- 
fundorte entdeckt werden können; anderseits ist es aber 
auch eine durch die Erfahrung bewiesene Thatsache, dass 
mit einem solchen Zuwachse stets auch der Verbrauch 
in gleichem Verhältnisse wächst, indem die durch den 
Zufluss neuer reicher Nahrung an den betreffenden Orten 
sofort mächtig sich entfaltende Industrie, gleich der durch 
die Zufuhr frischen Brennstoffes nur um so geirässiger 



78 Verbrauch der Steinkohlen. 

um sich greifenden Flamme, den grössten Theil der neu 
hinzugekommenen Vorräthe bald wieder verschlingt und 
folglich nur sehr wenig davon auf den allgemeinen Welt- 
markt gelangen lässt, so dass die mögliche Entdeckung 
solcher vereinzelten Gruben nur unmerklich zur Verlän- 
gerung des Steinkohlenzeitalters beizutragen vermag. 

Wenn wir erwägen, dass fast der gesammte moderne 
Fortschritt mit dem grossartigen, hoch pulsirenden, indu- 
striellen, commerziellen, socialen und geistigen Leben un- 
serer Zeit mittelbar durch Dampf und Dampfmaschinen 
auf der Wundei'kraft der Steinkohle beruht, dass somit 
fast die ganze herrliche Blüthe der heutigen Cultur aus 
dem reichen Boden des Steinkohlenfeldes hervorwuchs, 
so ist die Verarmung dieses Feldes, das Versiegen die- 
ser mächtigen Kraftquelle fast gleichbedeutend mit dem 
plötzlichen Stillstande aller Bewegung und Thätigkeit und, 
wenigstens vorübergehend, auch des materiellen und gei- 
stigen Fortschrittes der Völker. Es ist schwer, fast un- 
möglich, uns in unsern jetzigen Verhältnissen die uner- 
messlichen und auf alle Gebiete sich erstreckenden Fol- 
gen eines solchen Ereignisses zu vergegenwärtigen; aber 
ahnen können wir dieselben wenigstens, indem wir uns 
für einen Augenblick die Steinkohle aus der uns heute 
umgebenden Welt, welcher sie gleich dem Prometheus- 
funken mit feurigem Odem Leben und Bewegung ein- 
haucht, hinwegdenken. 

Gleich einem riesigen Uhrwerke, in dessen Räder 
die Hand plötzlich hemmend eingreift, würde bei einem 
Verschwinden der Steinkohle das mächtige Weltgetriebe, 
das uns in wildem Strudel überall umfluthet, plötzlich in 
Stockung und Erstarrung gerathen: Fabriken, Werkstät- 
ten, Eisenbahnen, Posten, Dampfschiffe, Dampfpressen, 
kurz Alles, was unser heutiges Leben zusammensetzt, 
würde wie mit einem Schlage stille stehen und nur eine 
allgemeine Umwälzung und Umgestaltung aller Verhält- 
nisse wäre alsdann im Stande, das gewaltsam zerstörte 
Gleichgewicht allmälig wieder herzustellen. Des mäch- 
tigsten und universellsten Motors beraubt, würde sich die 
Menschheit in einem solchen Falle genöthigt sehen, gleich- 
sam eine neue Richtung in ihrem weiteren Entwickelungs- 
gange einzuschlagen^ um auf neuen Wegen und durch 
neue Mittel der Erfüllung ihrer Weltbestimmung ent- 
gegen zu streben. 

Und diese neuen Mittel und Wege werden, wir hof- 
fen es zuversichtlich, gefunden werden, ehe noch der 



Englands Kohlenreiclithum und seine Dauer. 79 

verhängnissvoUe Augenblick an ein späteres Geschlecht 
herantritt. Bereits hat der Genius der Erfindung im 
Bunde mit Wissenschaft und Technik in der Neuzeit so 
Grosses und Unerwartetes hervorgebracht, dass es wohl 
nicht als sorglos eitler Wahn erscheinen kann, von der 
Elektricität, dem Luftdrucke oder dem durch eine wohl- 
feilere Wasserzersetzungsmethode erzeugten Wasserstoffe 
das zu erwarten, was zu leisten der Steinkohle einst ver- 
sagt sein wird. 

Schon hat man elektrische Locoraotiven construirt, 
schon versucht man, unsere Strassen statt mit Steinkoh- 
lengas m'.t elektrischem Lichte zu beleuchten, überall 
arbeitet man rastlos an der Vervollkommnung der Aero- 
nautik, fortwährend beschäftigen sich noch zahlreiche 
Köpfe mit dem Problem der wohlfeilen Gewinnung des 
heizkräftigsten aller Brennmateriale, des in unerschöpf- 
licher Menge im Wasser zu Gebote stehenden W^asser- 
stoffes, und wenn auch alle diese Versuche bis jetzt keine 
vollständig befriedigenden Resultate geliefert haben, wenn 
auch die industrielle Anwendung der Wasserstoffverbren- 
nung jetzt noch als eine unwissenschaftliche und unaus- 
führbare Idee erscheint, so müssen wir doch auf Grund 
des Princips der steten Fortentwickelung der Mensch- 
heit annehmen, dass einer späteren Generation das ge- 
lingen wird, was uns heute zu erreichen noch ver- 
sagt ist. 

Aber noch eine Folge ganz anderer Art haben wir 
hier als Wirkung des heutigen enormen Steinkohlenver- 
brauches zu erwähnen, eine Folge, unter der nicht nur 
die kommenden Generationen zu leiden haben werden, 
sondern welche auch das jetzt lebende Geschlecht schon 
sehr nahe berühren kann; wir meinen die Erzeugung der 
ixngeheuren Massen von Kohlensäure, welche die Ver- 
brennung so kolossaler Quantitäten Steinkohlen aus IMil- 
lionen Feuerheerden beständig der Atmosphäre zuführt. 
{El. für Hand. u. Gewhe. 1866.) B. 



Etiglauds Kohieiirciclitliuin und seine Dauer. 

Die Frage über die Erschöpflichkeit der Kohlenlager 
in England beschäftigt schon seit geraumer Zeit die dor- 
tigen Industriellen. Von besonderem Interesse ist daher 
nachstehender Artikel, welchen der „ Eco7io7nist" , in wirth- 
schaftlichen Tagesfragen unbestritten die gediegenste eng- 
lische Wochenschrift, veröffentlicht: 



80 Englands Kolilenreicidlium und seine Dauer. 

Unter dem Titel: „Die Kohlenfrage" hat Jevons 
dem Publicum eine Anzahl wohlgeordneter und meistens 
unbestreitbarer Thatsachen vorgelegt und sie mit einer 
Eeihe von anregenden Erwägungen begleitet, welche Je- 
der, der Theilnahme hegt für die zukünftige Entwicke- 
lung und Grösse seines Landes, sehr wohl thun wird, in 
ernste Ueberlegung zu ziehen. Für Wenige wird es der 
Erinnerung bedürfen, wie vollständig unsere Prosperität 
und commerzielle und industrielle Ueberlegenheit auf der 
„billigen Kohle" ruht. Kohlen und Eisen machen Eng- 
land zu dem, was es ist und sein Eisen hängt von sei- 
ner Kohle ab. Andere Länder besitzen eben so viel 
Eisenerz wie wir und mehre besseres als wir; aber kein 
Land (mit Ausnahme Amerikas, welches noch unent- 
wickelt ist) hat reichlich Kohlen und Eisenstein in der 
erforderlichen Nähe. Wir haben keine weiteren natür- 
lichen Anlagen für Erreichung industrieller Grösse, als 
unsern Vorrath von Kohlen und Eisen; fast alle rohen 
Stoffe für unsere Manufacturen kommen zu uns von fern- 
her; wir iraportiren viel von unserer Wolle, das meiste 
von unserem Flachse, alle unsere Baumwolle und alle 
unsere Seide. Unsere Eisenbahnen und unsere Dampf- 
boote werden von Eisen gemacht und von Kohlen betrie- 
ben, so auch gegenwärtig viele Fahrzeuge unserer Kriegs- 
marine. Kohle ist das Brod unserer grossen Fabriken, 
Eisen einer unserer Hauptexportartikel. Ganz besonders 
unsere Maschinenarbeit ist es, worin wir andere Natio- 
nen übertreffen; unsere Maschinen sind es, die unsere 
erfolgreichen textilen Fabrikate hervorbringen und das 
Eisen, aus welchem die Maschinen construirt sind, wird 
gefördert, geschmolzen, gegossen, gehämmert, zu Gerä- 
then verarbeitet durch Kohlen und Dampf, welchen Koh- 
len erzeugen. Man glaubt, dass wenigstens die Hälfte 
der in Grossbritannien gewonnenen Kohle von den ver- 
schiedenen Zweigen unseres Eisenhandels verbraucht 
wird. 

Wenn wir diese Thatsachen im Sinne behalten, so 
werden wir leicht begreifen, dass die Lebensfragen rück- 
sichtlich des Reichthums, des Fortschrittes, der Grösse 
unseres Landes diese sind: „Ist unser Vorrath an Kohle 
unerschöpflich? und, wenn nicht, wie lange wird er dau- 
ern?" Jevons setzt uns in den Stand, diese beiden 
Fragen zu beantworten. Dieser Vorrath ist weit entfernt 
unerschöpflich zu sein; er ist im Wege des Erschöpfens 
und wenn wir fortfahren, unsern Verbrauch an Kohlen 



Englands Kohlenreiclitlium und seine Dauer. 81 

von Jahr zu Jahr im Verhältniss unseres jetzigen Mehr- 
verbrauchs zu vermehren, so wird er nicht mehr hun- 
dert Jahre vorhalten. Unsere geologischen Kenntnisse 
sind jetzt so gross und so sicher und das, was wir hier 
die unterirdische Aufnahme unserer Inseln nennen kön- 
nen, ist in solcher Vollständigkeit geschehen, dass wir 
mit ziemlicher Sicherheit sowohl die Ausdehnung, die 
Mächtigkeit und die Zugänglichkeit unserer Kohlentelder, 
so wie die jähi'lich an die Überfläche gebrachte und ver- 
brauchte Quantität Kohlen kennen. Der ganze noch in 
Orossbritannien befindliche Kohlenvorrath bis zu einer 
Tiefe von 4000 Fuss wird auf 80,000 Millionen Tonnen 
geschätzt. Unser jährlicher Verbrauch betrug im Jahre 
1860 etwa 80 Millionen Tonnen. Nach diesem Verhält- 
nisse würde die erreichbare Kohle noch 1000 Jahre aus- 
reichen. Aber unser Verbrauch ist jetzt in stetiger Ver- 
mehrung begriffen, der Consum steigt 3^/2 Proc. pro Jahr 
und wird im Jahre 1880 nicht 80, sondei-n 160 Millionen 
betragen und wenn er in dieser Weise fortfährt zu stei- 
gen, so werden die ganzen 80,000 Millionen Tonnen vor 
dem Jahre 1960 erschöpft sein. Ja, dieser Zeitpunct 
wird vielleicht noch etwas früher erreicht werden, denn un- 
sere Berechnung schliesst alle Kohle bis zu 4000 Fuss 
Tiefe ein und bis jetzt ist keine Kohle bis zu einer grös- 
seren Tiefe als 2500 Fuss ausgebeutet worden, auch 
glauben wir nicht, dass Minen, wenn überhaupt, dann 
noch nutzbar in einer Tiefe von 4000 Fuss betrieben 
werden können. 

Wir wissen natürlich^ dass thatsächlich unsere Koh- 
lenfelder innerhalb dieser Periode nicht ausgenutzt sein 
werden. W^ir sind uns klar darüber, dass das gegen- 
wärtige Verhältniss der jährlichen Vermehrung nicht bei- 
behalten werden kann. Mit jedem Jahre haben wir tie- 
fer zu steigen für unsere Zufuhr und tiefer gehen heisst, 
grössere und grössere Kosten für Arbeit, Maschinerie, 
Ventilation, Wasserhaltung, Unfälle u. s. w. aufwenden 
müssen. Grössere Tiefe bedeutet daher einen erhöhten 
Preis für die emporgehobene Kohle und diese Erhöhung 
des Preises wird den Verbrauch zurückhalten. Allein es 
ist gerade diese bevorstehende Erhöhung des Preises und 
nicht die endliche Erschöpfung, welche wir zu fürchten 
haben; denn es ist diese Erhöhung, Avelche unser Mass des 
Fortschritts limitiren und uns unserer besonderen Vor- 
theile und industriellen Oberhoheit berauben wird. 

Sehen wir ein wenig näher den Modus operandi an. 

Arch.d. Pharm. CLXXXI. Bds. 1. U. 2.Hft. 6 



82 Englands Kohlenreichthum und seine Dauer. 

Die Schwierigkeit des Betriebes und des Förderns der 
Kohle wächst schnell, je mehr die Grube tiefer wird 
oder je nachdem untergeordnete Gruben überhaupt aus- 
gebeutet werden können ; die Hitze wird mehr und mehr 
unerträglich, die Stollen, Strecken und Querschläge werden 
länger, die Gefahr wird grösser, die Ventilation kostspie- 
liger, die Quantität Wasser, die abzuhalten oder hinauf- 
zuschaffen ist, schwerer zu bewältigen. Ein sehr kurzer 
Zeitraum kann Maschinenkohle und Schmelzkohle von 
5 auf 10 Sh. die Tonne erhöhen. Nun verbraucht aber 
eine Baumwollenspinnerei von gewöhnlicher Grösse für 
ihre Dampfkraft 80 Tonnen Kohlen pro Woche. Dies 
macht zu 5 Sh. 1000 £ das Jahr; zu 10 Sh. per Tonne da- 
gegen 2000 £, Aber die Baumwollenspinnerei ist voll 
von Maschinerien und ein grosses Moment in den Kosten 
dieser Maschinerie ist die zum Schmelzen und Verarbei- 
ten des Eisens, woraus die Maschinerie besteht, ver- 
wendete Kohle. Die Eisenbahnen, welche die Kohle 
zur Fabrik bringen, und das Calico und Garn zurück- 
führen zum Exporthafen, sind von Eisen gemacht und 
durch Kohlen betrieben; ebenso die Dampf boote, welche 
die Baumwolle zu unsern Gestaden führen und das Garn 
nach Deutschland exportiren; — der Preis des Trans- 
ports, welcher ein sehr bedeutender Factor in den Ge- 
sammtkosten unsei*er Fabrikate ist, wird dalier bedeutend 
vermehrt werden, sowohl mittelbar wie unmittelbar, durch 
eine Steigerung der Kohlenpreise. Eine Erhöhung in 
diesem Preise von 5 auf 10 Sh. per Tonne kann als gleich- 
bedeutend mit 2000 Pfd. St. das Jahr auf die Betriebs- 
kosten einer grösseren Baumwollenspinnerei geschätzt wer- 
den. Das heisst, jeder Fabrikant würde im Vergleich 
mit der gegenwärtigen Lage der Dinge und im Vergleich 
mit fremden Ländern eine Last von 2000 Pfd. St. das 
Jahr sich auferlegt sehen und würde deshalb den Preis 
seiner Waaren in diesem Verhältnisse erhöhen müssen. 
Wie lange würde es ihm möglich sein, bei diesem Miss- 
stande, oder wie es richtiger wäre zu sagen, bei dem 
Fortfall seiner gegenwärtigen vortheilhafteren Lage, mit 
seinen Concurrenten Schritt zu halten? Und wie lange 
wird die Kohle selbst zum Preise von 10 Sh. per Tonne 
geliefert werden? 

Und dann beachte man, dass der Stillstand im Ver- 
brauche der Kohle, d. h. die Verzögerung des Zeitpunc- 
tes ihrer endlichen und gänzlichen Erschöpfung, nur durch 
die Steigerung der Preise hervorgerufen werden kann 
und dass 'in dem Augenblicke, wo er eintritt, der Ver- 



Englands KohlenreicJithnm und seine Dauer. 83^ 

fall unseres relativen industriellen Supremats begonnen 
hat. Wir werden das Ausgeben unserer Koble in dem 
kurzen Zeiträume eines Jahrhunderts vermeiden ; allein 
wir werden das nur können, indem wir weniger ver- 
brauchen und jetzt Aveniger verbrauchen, heisst weniger 
Eisen produciren, weniger Calico und Wollenmanufacte 
exportiren, weniger Schiffe verwenden, eine geringere 
Bevölkerung unterhalten, aufhören in unserem Fortschritte, 
zurückweichen von unserer günstigeren Stellung. Wir 
können allerdings bewirken, dass unsere Kohle noch tau- 
send Jahre vorhält, anstatt hundert und die unvermeid- 
liche Erhöhung ihres Preises auf ein sehr unbedeutendes 
Mass reduciren; allein wir können dies nur, indem wir 
im Stillstande bleiben, und im Stillstande bleiben heisst, 
durch andere Nationen uns im Wettlaufe überflügeln las- 
sen, unsere ganze jährliche Vermehrung der Bevölkerung 
exportiren, vergleichsweise, wenn nicht positiv, ärmer 
und schwächer Averden. 

Und kein Vorbeugen dieses Endresultates scheint 
möglich in der Theorie, noch in der Praxis irgend ein 
Mittel, es zu inodificiren. 

Wir können immerhin, heisst es, sparen im Ver- 
brauche der Kohle; aber erstlich sind die grösseren Er- 
sparungen, welche vernünftigerweise in Aussicht genom- 
men werden können, bereits eingeführt. Im Schmelzen 
des Eisenerzes werden zwei Drittel weniger Kohle ver- 
wendet als früher iind im Betriebe unserer Dampfmaschi- 
nen die Hälfte weniger. Zweitens ist es nur eine Stei- 
gerung im Preise der Kohle, welche uns zum sparsame- 
ren Gebrauche derselben anstacheln wird und gerade 
diese Steigerung des Preises ist der Beweis und das 
Mass unserer Gefahr. „Exportirt keine Kohle mehr," 
ruft man aus, „und so schont euren Vorrath". Wir kön- 
nen aber dieses Auskunftsmittel nicht anwenden, Aväre 
es selbst weise, es zu thun, oder im Einklänge mit un- 
serer Handelspolitik, ohne die Hälfte • unserer Schifffahrt 
in Verwirrung zu stürzen, indem wir sie ihres Ballast- 
transports berauben; und selbst dann würde das Uebel 
kaum mehr als gemildert sein. „Warum, fragen Andere, 
sollten wir nicht, sobald unsere eigenen Vorräthe erschöpft 
sind, Kohlen von andern Ländern importiren, welche noch 
reich sein werden an Mineral-Brennstoffen und so unsern 
Mangel ersetzen?" Einfach darum nicht, weil von allen 
Handels- und Industrie-Artikeln die Kohle der umfang- 
reichste im Verhältniss zu seinem Werthe ist; und dass 

6* 



84 Raucliverzehrende künstliche Brennstoffe. 

der Umstand, sie zur Hand zu haben, sje im Ueberflusse 
billig und ohne Transportkosten zu haben, es ist, welcher 
uns unsere industrielle Ueberlegenheit verschafft hat. Mit 
Kohle, von Amerika gebracht, mit Kohle zu einem Preise, 
welchen sie dann kosten würde, können wir weder unser 
Eisen schmelzen, unsere Maschinen im Betriebe halten, 
unsere Locomotiven treiben, unsere Schiffe fahren, unsere 
Garne spinnen, noch unsere Tuche weben. Lange, ehe 
wir unsern Brennstoff importiren niüssten, wäre das Spiel 
zu Ende. 

Von 136 Mill. Tonnen Kohlen, welche gegenwärtig in der 
Welt gewonnen werden, produciren Grossbritannien 80 Mil- 
lionen und die Vereinigten Staaten nur 20. Allein das ist 
nur so, weil wir den Vorsprung hatten und unsere Be- 
völkerung weit dichter ist und weil unser Eisen und 
unsere Kohle für einander bequem liegen und auch be- 
quem zum Transport. Sobald Amerika dicht bevölkert 
sein wird, wird sowohl unsere Eisen- wie unsere Kohlen- 
Ueberlegenheit — und Alles, was daraus folgt — auf 
Amerika übergehen; denn die Vereinigten Staaten sind 
in dieser Hinsicht unernfesslich reicher als selbst Eng- 
land. Ihre Kohlenfelder werden auf 196,000 Quadrat- 
meilen an Ausdehnunji; geschätzt, während die unsrigen 
nur 5400 haben. Und das ist nicht Alles; ihre Kohlen 
sind oft besser in Qualität und unvergleichlich zugäng- 
licher als die unsern, hauptsächlich im Ohio-Thale. An 
einigen Stellen in Amerika ist der Preis der Kohle am 
Förderpuncte selbst jetzt schon nur 2/8/*. per Tonne, gegen 
6 Sh. in England. {Berg- u. Hüttenm.-Ztg. Ü. 99. 1866.) B. 



Rauchverzehrciide knustliche Brennstoffe« 

1. Kohle für die Küche. 

Gepulverte Holzkohle 50 Kilogrm. 

„ fette Steinkohle ... 8 „ 

^ magere Steinkohle 40 „ 

Salpeter 1/2 „ 

Gebrannte Stärke 1^/2 „ 

2. Kohle zum Heizen der Zimmer. 

Magere Steinkohle 92 Kilogrm. 

Fette Steinkohle 6 „ 

Salpeter */2 „ 

Gebrannte Stärke 1 1/2 „ 



. Fabrikation der ScMempekohle. 85 

3. Kohle ziLin Heizen der Fabriköfen, Dampfkessel etc. 

Magere Steinkohle 88 Kilogrm. 

Fette Steinkohle 10 „ 

Salpeter 1/2 „ 

Gebrannte Stärke 1^2 n 

Die Matei-ialien für diese Brennstoflfe werden zu Pul- 
ver gemahlen, gehörig vermengt, dann für den Küchen- 
gebrauch zu Cylindern, für sonstige Zwecke aber zu 
Blöcken von verschiedener Gestalt geformt. {Armengaud's 
Genie industr.) ß. 

Die Fabrikation der Schlcmpekolile. 

In der „Zeitschr. für Rübenzuckerindustrie", Bd. 15. 
S. 734, finden wir einen Aufsatz über die Verarmung 
des Bodens durch die Schlempekohlefabrikation 
von Hugo Schulz^ welcher wohl von allgemeinerem Inter- 
esse sein dürfte. Wir entnehmen jener Mittheilung Fol- 
gendes : 

Die Erschöpfung des Bodens an Kali ist eine sehr 
wichtige Frage geworden. Bekanntlich ist die Rübe eine 
viel Kali bedürftige Pflanze; in der Zuckerfabrikation 
geht dasselbe zum bei weitem grössten Theile in den 
Syrup und von da in die Melasse. Letztere wird in den 
meisten Fällen nicht verfüttert, sondern nachdem sie zur 
Spiritusfabrikation gebraucht ist, verkohlt und als Schlempe- 
kohle in den Handel gebracht. Diese dient zur Berei- 
tung von Salpeter und Pottasche, beides Producte, die 
der Landwirthschaft nicht wieder zugeführt werden. 

Die Provinz Sach:;en fabricirt jährlich ca. 60000 Ctr. 
solcher Kohle ; folgende Tabelle giebt über die chemische 
Zusammensetzung derselben Aufschluss. Sie ist aus 46 
speciellen Analysen berechnet, welche vom Verfasser in 
den Jahren 1864 und 1865 ausgeführt worden sind: 

lyiinimal- Maximal- Mittlerer 

gehalt gehalt Gehalt 

Feuchtigkeit 0,51 10.09 2,93 

In Wasser Unlösliches 11,82 28,62 18,03 

Schwefelsaures Kali 3,74 12.79 7,19 

Chlorkalium 14.26 30^31 19,24 

Kohlensaures Natron 12,3G 22,05 17,14 

Kali 21,94 46,88 34,94 

Unbestimmtes und Verlust.. — — 0,53 

100,00. 

Der in Wasser unlösliche Rückstand besteht aus 
Kohle, etwas Thonerde, Eisenoxyd, Kieselerde undKalkver- 
bindu.ngen mit nur ganz geringen Mengen von Phosphor- 
säure und Kali. Es ist ein beinahe werthloser lästiger Abfall. 



S6 Einwirkimg von Ammoniak auf glühende Kohle. 

Der Gesainmtkaligehalt stellt sich im 

Minimum 25,99 Proc. 

Maximum 57,51 „ 

Mittel 39,89 

Es werden also hier der Landwirthschaft durch die 
Schlempekohlenfabrikation jährlich circa 24,000 Centner 
Kali entzogen. Um diese wieder zu ersetzen, raüss- 
ten dem Boden jährlich mehr als 44,000 Centner schwe- 
felsaures Kali zugeführt werden. {Bl.filr Hand. u. Givhe. 
1866. No.38.) B. 

Verfahren zur Wiederbelebung der 
Knochenkohle. 

Nach Beane soll man, um den von der gebrauchten 
Knochenkohle absorbirten Kalk zu entfernen, ohne dabei 
gleichzeitig den phosphorsauren Kalk zu lösen, die trockne 
und heisse Kohle mit salzsaurem Gase vollständig sätti- 
gen und dann eine Portion unbehandelte Kohle damit 
mischen. Das in den Poren der ersteren zurückbleibende 
Gas wird von der letzteren aufgenommen und durch den 
Kalkgehalt derselben neutralisirt. Nach dem Auswaschen 
des Chlorcalciums wird die Kohle in gewöhnlicher Weise 
geglüht. Dies Verfahren wird von Medio ck als beach- 
tenswerth empfohlen. {Chem. News. — Chem. Centralbl.) 

ß. 

Einwirkung von Ammoniak auf glühende 
Kohle. 

Weltzien hat bei seinen Versuchen über die Ein- 
wirkung von Ammoniak auf glühende Kohle keine Spur 
eines Kohlenwasserstoffes wahrnehmen können. G. Lunge, 
der denselben Process im Grossen vorgenommen hat, glaubt 
dabei Acetylen aufgefunden zu haben. Nachdem das 
bei der Operation gebildete Cyanammonium in passenden 
Apparaten absorbirt worden ist, wird das unabsorbirte 
Gas durch mehre Gefässe mit Wasser und schliesslich 
in den Ofen geleitet, um dort verbrannt zu werden. 
Einige von den Röhren waren aus Kupfer gemacht. So- 
bald Lunge mit diesem Apparate zu arbeiten angefan- 
gen hatte, fanden täglich die heftigsten Explosionen statt, 
von denen er sich anfangs keine Rechenschaft geben 
konnte, bis er durch die Entdeckung der explodirenden 
Eigenschaften, welche die Verbindung von Acetylen mit 



Dissociation des Kohlenoxyds. 87 

Kupfer besitzt, aufmerksam gemacht, die kupfernen Lei- 
tungsröhren durch eiserne ei'setzte. Von diesem Zeit- 
puncte an fanden keine Explosionen mehr statt. In Be- 
tracht dieser Umstände glaubt Lunge die Bildung von 
Acetylen bei diesem Processe für erwiesen ansehen zu 
dürfen. {Chem, News. — Chem. Centralbl. 1866. 7 .) B. 



Dissociation (Zerfalleu) des Kohleuoxyds. 

Obgleich das wesentliche Ergebniss der Versuche 
H. St. Cl. Deville's über diesen Gegenstand schon früher 
einmal mitgetheilt worden ist, so ist es jedoch bei dem 
hohen Interesse und der Bedeutsamkeit derartiger Zer- 
legungen wohl geboten, diese Sache noch einmal zur 
Sprache zu bringen und speciell den Apparat und die 
Experimentirweise zu beschreiben, deren Devilie sich 
zur Zerlegung des Kohlenoxyds bediente {Compt. rend. 59), 
zumal dieser Apparat nicht nur zu Versuchen gleichen 
Zwecks, sondern auch zu manchen anderen verwendbar 
erscheint. 

Die Vorrichtung für die Dissociation des Kohlenoxyds 
hat die Aufgabe, in gleicher Art zu wirken, wie etwa 
der durch Gase durchschlagende elektrische Funke wirkt, 
nämlich an einer gewissen Stelle durch seine Hitze eine 
Zersetzung hervorzubringen, deren Producte, mit der 
übrigen überwiegenden Gasmenge sich mischend, nicht 
wieder so hoch erhitzt werden, dass sie sich von Neuem 
wieder vereinigen können. Diesen Zweck erreichte De- 
vilie durch folgende Anordnungen. 

Ein Porcellaurohr wird beiderseitig mit Korken ver- 
schlossen, die doppelt durchbohrt sind. In das eine Loch 
der beiden Korke wird ein dünnes Messingrohr von 8 MM. 
Durchmesser gesteckt, in die beiden anderen Löcher je 
ein kurzes beiderseitig offenes Glasrohr, durch deren eines 
das Kohlenoxyd eintritt, um in der Porcellanröhre sich 
zu verbreiten, durch deren anderes die Gase, die bei der 
Zersetzung im Porcellanrohr entstehen, entweichen. 

Wurde nun das Porcellanrohr einer sehr hohen Tem- 
peratur ausgesetzt und während dieser Zeit durch das 
eine Glasi'ohr ganz reines Kohlenoxyd eingeleitet, durch 
das Messingrohr ein schneller Strom kalten Wassers 
geschickt, das gegenüberliegende zweite Glasrohr aber 
mit einem Kugelapparat, der Barytwasser enthielt, in 
Verbindung eesetzt, so beobachtete man in lebhafter Roth- 
gluth die Trübung des Barytwassers und an dem Messing- 



88 Erkennung der Vergiftung mit Kohlenoxyd. 

röhr hatte sich, so weit es im Porcellanrohr lag, flockiger 
Kohlenstoff abgesetzt. 

Der Process ist also der: das Kohlenoxyd, welches 
die untere glühende Wand des Porcellanrohres bestreicht, 
zersetzt sich theilweise in Kohle und Sauerstoff und diese 
Producte steigen in die Höhe, treffen in der Mitte das 
kalte Messingrohr, dessen Temperatur etwa -f- 10^ beträgt^ 
und hier setzt sich der Kohlenstoff ab. Mit dieser Er- 
klärung stimmt auch die Thatsache überein, dass die 
Kohle nur der unteren Seite des Messingrohres anklebt. 
Der Sauerstoff des einen zersetzten Aequivalents Kohlen- 
oxyd verbindet sich mit einem unzersetzten Antheil des 
Gases zu Kohlensäure und nicht wieder mit dem einmal 
abgeschiedenen zu sehr abgekühlten Kohlenstoff*). 

Mit einigen Modificationen wird der oben beschriebene 
Apparat bei Gasuntersuchungen verschiedener Art sehr 
werthvoUe Dienste leisten können. Macht man z. B. ins 
Messingrohr eine sehr feine Spalte und lässt das Wasser 
durch ein hinreichend langes senkrechtes Rohr abfliessen, 
so besitzt man eine Art Trommelgebläse, durch welches 
man Gase schnell aufsaugen und die heissesten schnell 
abkühlen kann. (Jozirn. f. prakt. C/iem. Bd. 95. 5.) B. 



Erkennung der Vergiftung mit Kohlenoxyd. 

Das mit Kohlenoxyd behandelte Blut zeigt im Sonnen- 
spectrum untersucht bei hinreichender Verdünnung fast 
eben solche Absorptionsstreifen als sauerstoffhaltiges Blut, 
fügt man aber Schwefelammonium hinzu, so verschwin- 
den die Streifen nicht im Verlaufe mehrer Tage, während 
das kohlenoxydfreie, aber sauerstoffhaltige Blut nach 
einigen Minuten nur einen Absorptionsstreif in der Mitte 
zwischen den Spectrallinien D und E zeigt, wenn es mit 
Schwefelammonium versetzt war. An dieser Unveränder- 
lichkeit des kohlenoxydhaltigen Blutes durch Schwefel- 
ammonium kann man den Kohlenoxydgehalt des Blutes 
erkennen und es gelingt bei Thieren, die man mit wenig 
Kohlenoxyd allmälig vergiftet hat, recht gut auf die 
obige Weise, im Blute das Kohlenoxyd mit Entschieden- 
heit nachzuweisen. Dabei ist es zweckmässig, das Blut 

*) Man kann den Vorgang auch so erklären, dass das Kohlenox3^d 
C202 in Kohle C und Kohlensäure C02 zerfällt; eine weitere Ein- 
wirkung beider Zersetzungsproducte auf einander wird durch die 
Abkühlung des Kohlenstoffs luid eine Entfernung des Kohlensäure- 
gases verhindert. H. L. 



Schädlichkeit des Schivefelkohlenstoff dunstes. 89 

zur Untersuchung im Spectralapparate stark zu verdün- 
nen. Zahlreiche Fälle der Vergiftung von Menschen und 
Thieren haben erwiesen, dass nach der Vergiftung in 
atmosphärischer Luft ziemlich schnelle Erholung eintritt^ 
wenn die Vergiftung nicht bis unmittelbar zum beginnen- 
den Tode gedauert hatte. Hoppe-Seyler hat oft Kanin- 
chen und Hunde bis zum völligen Aufhören der Respiration 
mit Kohlenoxyd vergiftet und diese Thiere nach einge- 
leiteter künstlicher Respiration sich bald wieder erholen 
gesehen. Die Ursachen dieser Reconvalescenz hat Po- 
krowsky {Virchoio's Arch. Bd. 30. iS. 52;")) untersucht 
und gefunden, dass bei derselben kein Kohlenoxyd, son- 
dern mehr als gewöhnlich Kohlensäure ausgeathmet wird. 

Auch das mit Kohlenoxyd behandelte defibrinirte 
Blut verliert seinen Kohlenoxydgehalt beim Stehen an der 
Luft allniälig und Schwefelammonium macht dann die 
beiden Absorptionsstreifen bald verschwinden, Schütteln 
mit der Luft ruft sie wieder hervor, auch wird das Blut 
beim Schütteln mit Luft hellroth, beim Stehen venös dunkel. 

Die Veränderung des kohlenoxydhaltigen Blutes beim 
Stehen in dieser Weise macht daher in forensischen 
Falten schnelle Unteisuchung nöthig, wo es sich um den 
Nachweis derartiger Vergiftung handelt. Mehre Tage 
können bei mittlerer Temperatur vergehen, ehe der Kohlen- 
oxydgehalt des Blutes bemerkbar abnimmt. {Med.-Centrhl.) 

ß. 

Schädlichkeit des SchiTefelkohleiistoffdiinstes. 

Arbeiter, welche viel mit der Fabrikation des Schwefel- 
kohlenstoffs zu thun haben, M^erden immer dümmer, ver- 
lieren den Geschmack ganz^ haben eine belegte Zunge, 
können aber sehr viel essen. Dabei magern sie ab, wer- 
den kachektisch und empfinden ein fortwährendes Brennen 
in der Brust, im Unterleibe und After. 

Beim Leckwerden eines Behälters mit Schwefelkohlen^ 
Stoff liefen mehre Maass desselben aus; die dabei beschäf- 
tigten Arbeiter merkten bald ein Gefühlloswerden der Beine 
von unten herauf und nach und nach des ganzen Körpers, 
dann traten Hitze, Angstschweiss und ein äusserst weh- 
müthiges, bis zum Weinen sich steigerndes Gefühl ein 
und zuletzt fielen sie bewusstlos um. Durch Waschen 
der Gelenke mit kaltem Wasser, Genuss desselben, auch 
wohl eines starken Schnapses, bekamen sie die Besinnung 
wieder und fühlten sich wohler, wenn sie sich nur tüchtig- 
erbrechen konnten. Noch mehre Tage nach solchem 



90 Borax in Californien. 

schweren Anfalle fühlten sich die Leute sehr matt und 
nahmen dann, wie überhaupt häufig, zum Abführen ein 
und unterstützten die Genesung durch kalte Abreibungen 
und Bäder. 

Ein Arbeiter, der viel Schwefelkohlenstoff eingeathmet 
hatte, wurde erst dumm, dann ganz blödsinnig, dabei so 
wüthend, dass ihn drei Männer nicht im Bette halten 
konnten, schlief darauf ein und starb am folgenden Tage. 
{Pharm. Centralh.) ^• 

Borax iu Californien. 

Die kürzlich erschienene Schrift J. D. Whitney's 
über „die geologische Vermessung Californiens" enthält 
eine interessante Schilderung einer Boraxablagerung in 
diesem Lande. 

Der „Borax- See", wie man ihn nennt, liegt ungefähr 
36 engl. Meilen vom stillen Meere und 65 engl. Äleilen 
nordwestlich von der Suisun-Bay. Das Vorhandensein 
dieses Sees wurde zuerst im Jahre 1856 von Dr. Veatch 
bekannt gemacht, der in den Gewässern desselben Borax 
entdeckte. Einige Monate später fand man eine grosse 
Ablagerung von Krystallen auf dem Grunde des Sees. 
Diese Krystalle, welche an Grösse von mikroskopischen 
Dimensionen, bis zu 2 oder 3 Zoll querüber abweichen, 
bilden eine Schicht von verschiedener Dicke unmittelbar 
unter dem Wasser. An einer Stelle fand man diese 
Schicht 18 Zoll tief, an anderen Stellen wechselten mehre 
dünnere Schichten mit schwachen Thonlagen ab. 

Der Umfang des Sees schwankt je nach der Trocken- 
heit der Jahreszeit und eben so auch die Quantität der 
in der Lösung enthaltenen Salze. Im September 1863 
waren in einer Gallone 2401 Grains feste Stoffe enthalten, 
von denen die Hälfte gemeines Salz (Chlornatrium) 
ein Viertheil kohlensaures Natron und der Rest 
hauptsächlich bor sau res Natron waren. Ln Jahre 
1864 kam die „California Borax Compagny" in den Besitz 
des Sees und aus der laufenden Nummer von Sil lim an 's 
Journal, der wir die vorstehenden Notizen verdanken, 
erfahren wir, dass die Compagnie im Laufe des letzten 
Jahres nicht nur den örtlichen Bedarf von 30 bis 40 
Tonnen geliefert, sondern auch 200 Tonnen nach New-York 
verschifft hat. Der Borax wird während der trockenen 
Jahreszeit aus dem Schlamm auf dem Grunde des Sees 
gesammelt und der Ertrag in der letzten Jahreszeit belief 



Chemische Constitution der Kieselsäure. 91 

sich durchschnittlich auf etwa 2^/2 Tonnen reinen Borax 
täglich. Diese neue Quelle des Salzes scheint sonach 
einige conimerzielle Wichtigkeit zu besitzen. {Das Ausland, 
15. Mai 1866. No. 20. S. 480.) H. Ludwig. 



Chemische Constitution der liiescls.äure« 

Th. Sehe er er, der schon früher die Ansicht über 
die diatome Constitution der Kieselsäure bekämpfte *), 
sucht diesem Streite nun eine endgültige Entscheidung 
zu geben. Nach Wöhler's Entdeckung des Leu- 
cons und Silicons, ferner, nachdem es Geuther ge- 
lungen, ein Oxyd darzustellen, dem man die Formel 
Si02 beilegen müsse, sei die Zusammensetzung der Kiesel- 
säure unzweifelhaft nach der Formel SiO^ anzunehmen. 
Nach Scheerer's Ansichten, die viel für sich haben, 
würde die Reihe der Verbindungen des Siliciums mit dem 
Sauerstoff folgende sein: 

Si2 0, HO == Silicon 

Si O, HO . = Leucon 

Si02. . . . = Geuther's Oxyd 

SiO^ ....=: Kieselsäure. 
Durch die Existenz einer solchen Oxydationsreihe 
ist aber nach Scheerer's Ansicht der endgültige 
Beweis für die chemische Constitution der Kie- 
selsäure = SiO^ gegeben. Die isomorphen Haloid- 
doppelsalze, Kieselfluorstrontium und Zinnfluorstrontium, 
deren Formel nach der diatomen Ansicht über die Kiesel- 
säure folgendermassen lauten: 

SrF + SiF2 _[- 2H0 =r Kieselfluorstrontium 
SrF 4- SnF2 -{- 2 HO = Zinnfluorstrontiura 
lauten nach dem Aequivalentgewicht der Kieselerde = 
i^i03: 3SrF(Si2)F6 -f 6H0 . 

3SrF(Sn3)F6 -f- 6 HO. 
Es findet mithin nach dieser Ansicht ein polymerer 
Isomorphismus statt. 2 Aeq. Si können ?> Aeq. Sn ver- 
treten. 

G. Rose deutete die Zusammensetzung des Zircons 
nach der Formel = Zr2 0'^, SiO^, da die isomorphen 
Minerale Rutil und Zinnstein eine analoge Zusammen- 
setzung, nämlich nach den Formeln 



*) S. Annal. d. Chem. u. Ph. 116. 129-160. — Pogg. Anna). 118, 
182 — 185. — Leopoldina 1861, Heft 4. 



i)2 Die Feldspat he. 

Ti02 = Rutil 

Sn02 = Zinnstein 
haben. Scheerer sucht den Grund der Isomorphie in 
folgenden Verhältnissen: 

Rutil =3Ti-f60 

Zinnstein . . = 3 Sn -f- ^ ^ 

Zirkon =z (2 Zr 4- Si) + 6 O. 

Diese Ansicht hat Vieles für sich. 

Physikalische Thafsachen sind nach Th. Scheerer's 
Ansicht nur mit grösster Vorsicht zur Entscheidung über 
die chemische Constitution von Verbindungen zu benutzen 
und liefert schlagende Beispiele für diesen Satz. {Joiirn. 
für prakt. Chemie. Bd. 96. Heft 6. S. 321-329.) C. Bl. 



Die Feldspäthe. 

Ein einfaches System der zahlreichen zu den Feld- 
späthen gehörigen Mineralien nach ihrer chemischen Zu- 
sammensetzung aufzustellen, ist bis jetzt nicht gelungen. 
Die früher von Tschermak ausgesprochene Ansicht, es 
möchten viele Feldspäthe wohl Gemische isomorpherVerbin- 
dungen sein, hat derselbe begründet. Alle Feldspäthe sind 
nach ihm Gemische von nur drei Mineralien, die im Adular, 
Albit und Anorthit fast rein auftreten. Der Orthoklai? 
oder kalireiche Feldspath besteht aus regelmässigen Durch- 
wachsungen von Adular und Albit. Die übrigen Feld- 
späthe sind Gemenge von Albit und Anorthit, bisweilen mit 
kleinen Mengen Orthoklas gemischt. Oligoklas, Andesin 
und Labrador sind nur Glieder einer continuirlichen Reihe. 
Die bis jetzt noch nicht ins System gebrachten Feldspäthe, 
weil sie keinem dieser Fälle entsprechen, sind die bisher 
nicht berücksichtigten Zwischenglieder. Tschermak 
zählt auch zu den Feldspäthen den barythaltigen Hyalophan 
und den Danburit, der statt Thonerde Borsäure enthält. 
Es ist mithin hiernach die Gruppe der Feldspäthe in drei 
Gattungen zu trennen, deren jede nach dem Verhältniss 
der Mischung in Unterabtheilungen zerfällt. {Tschermak, 
Chemisch -mineralogische Studien. I. Th.) Dr. Reich. 



Clirom- AventuringJas. — Wasserglas. 93 

Eiufluss der Kohle und des Schwefels auf 
die Färbung des Cilases. 

Schon seit läugerer Zeit weiss man, dass das Glas 
durch Kohle und durch Schwefel gelb gefärbt wird; der 
Einfluss der übrigen Metalloide ist bis jetzt noch unbekannt 
geblieben. Um diese Lücke auszufüllen, hat J. Pelouze 
in der Glasfabrik von Saint- Gobain Versuche ausg,e- 
führt. 

Als Hauptresultate seiner Untersuchungen ergeben 
sich: 

1) dass alle Gläser des Handels Sulfate enthalten 5 

2) dass ein Glassatz, welcher vollständig frei von 
Sulfat ist, weder durch Kohle, noch durch Bor, noch durch 
Silicium, noch durch Wasserstoffgas gefärbt wird; 

3) dass der Schwefel und die Alkali - oder Erd- 
sulfüre sowohl das reine Glas als auch die käuflichen 
Glasarten gelb färben; 

4) dass die Farbe, welche das Glas unter dem Ein- 
flüsse der genannten Metalloide annimmt, nur eine Wir- 
kung der reducirenden Kraft der letzteren ist. {Compt. 
rend. T. 60.) B. 

Chrom - Avcnt uringlas. 

Bekanntlich werden Email und Glas durch Chromoxyd 
grün gefärbt. Pelouze schmolz einen Glassatz von 2öOTh. 
Sand, 100 Th. kohlensaurem Natron und 50 Tb. Kalk- 
spath mit doppelt - chromsaurem Kali zusammen und 
erhielt mit 10 Theilen Chromsalz ein homogenes, trans- 
parentes, gelblich -grünes, — mit 40 Theilen Chromsalz 
ein dunkelgrünes und mit Flitterchen von Chromoxyd 
erfülltes Glas. Dieses grüne Aventuringlas funkelt im 
Sonnenlichte und an sehr hellen Orten, steht in dieser 
Beziehung nur dem Diamant nach, ist viel härter als 
gewöhnliches Glas und schneidet dieses mit Leichtigkeit. 
Zu Schmucksachen ist es sehr geeignet. Dr. Reich. 



Wasserglas 

bietet nach A. Patsch ein wirksames Schutzmittel 
für hölzerne Dachconstructionen gegen Feuersgefahr. Man 
stellt dasselbe folgendermassen dar: 180 Pfd. Sand, 
110 Pfd. Glaubersalz und 10 Pfd. gepulverte Coaks wer- 
den in Glashäfen geschmolzen und blank geschürt, auf 



94 Cämentfahrikation. 

eiserne Platten gegossen, nach der Abkülilung fein ge- 
mahlen und in einem gusseisernen Kessel aufgelöst. Zum 
Anstriche wird eine sehr verdünnte Lösung 5 — 6 Mal 
aufgetragen. {Ztschr. des Ver. deutscher Ingenieure. Bd. 9.) 

B. 



Cäiueiitfabrikatioii. 

Grüneberg beschreibt eine nach dem Bleibtreu- 
schen Principe arbeitende Cämentfabrik bei Misdroy auf 
der Insel Wollin. Die in der Nähe der Fabrik gewonnene 
Kreide wird gleichmässig einem kreisförmigen, nach der 
Mitte zu sich kegelförmig erhebenden, mit etwa 12 Zoll 
hohen Rande umgebenen Schlämmheerd zugeführt, auf 
dem sich ein Rahmenwerk an einer verticalen Welle mit 
einer Geschwindigkeit von 60 Umdrehungen in der Minute 
bewegt. Ein continuirlich zufliessender Wasserstrahl bildet 
mit der Kreide eine milchartige Flüssigkeit, die durch 
das Rahmenwerk mit in Rotation versetzt wird. Von 
dem Schlämmherde gelangt die Kreidemilch durch ein 
Sieb nach 12 Zoll breiten, 8 Zoll tiefen Canälen von 
einigen 100 Fuss Länge, in denen sich die schAverei'en 
sandigen Theile absetzen und von hier nach 50 Fuss 
langen, 20 Fuss breiten und 8 Fuss tiefen in Cäment- 
mauerwerk aufgeführten Schlammbassins. Das Absetzen 
der Schlemmkreide in diesen dauert 10 Tage bis 4 Wochen, 
je nachdem die Luft mehr oder weniger ruhig ist. Der 
aus der Umgegend von Stettin bezogene Thon wird in 
Trockenhäusern getrocknet und dann zu einem ganz 
feinem Pulver gemahlen. Dieses Pulver wird mit der 
geschlämmten Kreide gemengt, circa 2 Raumtheile Kreide- 
brei mit 1 Raumtheil gemahlenen Thones; das genaue 
Verhältniss wird nach einer Probe festgestellt, die für 
jedes Schlämmbassin gemacht wird. Zur innigen Ver- 
mengung werden Thonsclineider angewendet, zur besseren 
Versteifung wird nach Bedürfniss noch gemahlene und 
nur getrocknete Cämentmischung zugesetzt. Die Thon- 
sclineider pressen die Cämentmischung durch einen circa 
8 Zoll breiten und 5 Zoll hohen eisernen Canal nach 
aussen, wo dieselbe mittelst Draht in Ziegel abgeschnitten 
wird. Diese Ziegel werden im Sommer in Trockenhäusern 
getrocknet, was je nach den Witterungsverhältnissen drei 
Tage bis vier Wochen erfordert. Die getrocknete IMasse 
wird auf Schienenwegen nach den Brennöfen geführt. 

Die Oefen bestehen aus 2 Fuss starkem Mauer werke, 



Englisches Probirverfahren für Portland -Cäment. 95 

sind cylindrisch von 10 Fiiss im Durchmesser, 50 Fuss 
hoch, oben zugespitzt und dort mit einem Regulirungs- 
schieber für den Zug versehen. Jeder Ofen hat 3 Be- 
schickungen, resp. Entleerungsöfen; auf die untere flache 
Ofensohle wird zunächst eine Lage Holz geschichtet, 
darauf Coaks, dann abwechselnd Cämentziegel und Coaks 
bis der Ofen circa 18 Zoll über den cylindrischen Theil 
gefüllt ist und zuletzt noch eine Lage Holz. Die Luft 
wird durch einige kleine Oeflfnungen über der Sohle zu- 
geführt. Beim Anheizen wird zunächst die obere, dann 
die untere Holzlage angezündet, hierauf werden die Be- 
schickungsöffnungen vermauert, deren eiserne Thüren von 
Aussen verschlossen sind und nun der Zug mittelst des 
oberen Schiebers so regulirt, dass das Material ganz al!- 
mälig ins Glühen kommt. Die ganze Operation des Bren- 
nens dauert circa 3 Tage, worauf die Oefen in 8 Tagen 
allmälig abkühlen. Die zerbröckelte Cämentmasse wird 
herausgezogen, mit Hämmern zerschlagen und zwischen 
cannelirten Walzen oder in eisernen sog. Brechkästen 
zerdrückt, deren Boden ein starker Rost bildet und in 
denen sich eine Walze mit schraubenförmig herumgewun- 
denen Messern dreht. Die weitere Verarbeitung geschieht 
auf 4 Mahlgängen mit französischen Steinen, in denen 
die Steinstücke nicht mit Oyps, sondern mit Cäment ver- 
bunden sind. Aus den Mahlgängen fällt das feine Cäment- 
pulver direct in die Packfässer; die durch eine mechanische 
Vorrichtung fortwährend geschüttelt werden, so dass eine 
feste Verpackung hergestellt wird. Zu einer täglichen 
Production von 80 Centnern Cäment sind 200 Arbeiter 
nöthig. 

Grüneberg hebt als Eigenschaften eines guten 
Cäments hervor, ein solcher dürfe in Berülirung mit Was- 
ser sich nicht stark erhitzen und derselbe müsse, mit 
y Th. Sand gemischt, bmnen 3 Stunden gebunden sein. 
Ein geringer Zusatz von Soda zu dem Cäment vor dem 
Brennen beschleunige die Erhärtung desselben bedeutend, 
so dass man es in der Hand habe, den Cäment in belie- 
bigen Zeiträumen erhärten zu lassen; ein zu schnelles 
Erhärten erschwere jedoch die Anwendung. {DeAitsche 
Indstr. - Ztg.) B. 

Ens;li$ches Probirverfahrcn für Portland -Cäment. 

Bei grösseren öffentlichen Bauten wird in England 
eine besondere Bavihütte zur Vornahme von Proben mit 



96 Analyse des Chladnit. 

dem angelieferten Cämente errichtet, welche Einrichtung 
von sehr praktischem grossen Nutzen ist. 

Zunächst wird das Gewicht untersucht, welches für 
den gestrichenen Bushel 110 Pfd. engl, oder 1375 Kilogrm. 
pro Cubikmeter betragen niuss; dann werden Probeziegel 
aus 1 Th. Cäment und 1 Th. reinem Sande gefertigt und 
auf die Festigkeit geprüft, welche sich mindestens auf 
180 Pfd. pro QuadratzoU belaufen muss, wenn die Ziegel 
einen Tag an der Luft und sechs Tage im Wasser erhär- 
tet sind. [Ztschr. des hannov. Archit. u. Ingen.-Vereins.) 

B. 

Neuer küustlieher ^lariuor und Cäment^ mit Magnesia 
bereitet, von Ste. Ciaire -Deville. 

Der Verfasser beobachtete, dass wasserfreie Magnesia, 
durch Calcination von Chlormagnesium gewonnen, einem 
continuirlichen Wasserstrahle ausgesetzt, nach und nach, 
so hart wurde wie Marmor. In kleine Stücke zertheilt 
wurde die Masse durchscheinend wie Alabaster und kry- 
stallinisch. Nach sechs Jahi'en hatte sie sich an der Luft 
dem Anscheine nach nicht verändert. Die Analyse ergab 
Wasser 27,7, Kohlensäure 8,3, Thonerde und Eisenoxyd 
1,3, Magnesia 57,1, Sand 5,6. 

Eine Portion wasserfreie Magnesia mit Wasser zu 
einer halbplastischen Masse angerührt und dann mit Wasser 
in ein hermetisch verschlossenes ülasrohr gebracht, ver- 
band sich langsam mit dem Wasser und wurde vollkom- 
men hart. An der Luft getrocknet wurde das Hydrat 
durchscheinend und krystallinisch. 

Eine Mischung von Kalk oder Marmor mit gepulverter 
Magnesia, mit Wasser zum Teige angerührt, erhärtete 
gleichermassen unter Wasser. Deville schlägt eine 
solche Mischung zur Darstellung von Büsten vor. 

Durch Calcination eines an Magnesia reichen Dolomits 
bei 300 — 400<^ und Mischung des Products mit Wasser 
bekam Deville einen Cäment, der sich in Salzwasser 
ausserordentlich gut hielt. (Pharmaceiit. Journ. and Trans- 
uct. 2. Ser. Vol. 7. No. 9. March 1866. p. 476.) Wp. ■ 



Analyse des Chladnit. 

Unter diesem Namen hat vor längerer Zeit She- 
pard den überwiegenden Gemengtheil des Meteorsteins 
von Bischopville beschrieben und ihm die Formel : 



Darstellung von reiner Äetzkali- und Aetznatronlauge. 97 

MgO, SiO^ zugetheilt. Denselben Stein hat jüngst J. L. 
Smith einer erneuten Analyse unterworfen und ist dabei 
zu anderen Resultaten gelangt. {Sill. Ainer. Journ. 38.) 
Darnach ist der Chladnit ein Talkerde -Pyroxen und 
identisch mit Eustasit; seine Zusammensetzung entspricht 
■der Formel MgO^SiO^. Er enthält nämlich: 

Si02 60,12 59,83 

MgO 39,45 39,22 

Fe2 03 0,30 0,50 

KO,NaO,LiO 0,74 — 

100,61. 
Diese Abweichung von Shepard sucht Smith in 
der fehlerhaften Analyse des Letzteren, vermöge deren 
er den Kieselsäuregehalt zu hoch fand. {Joum. für prakt. 
Chemie. Bd. 95. 5.) B. 

Darstellniig von reiner Aetzkaii- iiud Aetzuatronlauge. 

Die kohlensauren Alkalien sind sehr leicht schwefel- 
säurefrei zu erhalten, schwierig dagegen salzsäurefrei. 
Hat man es daher mit einem kohlensauren Alkali zu 
thun, welches so weit rein ist, dass es nur noch kleine 
Mengen von Chlor enthält, so setzt man der Auflösung 
derselben eine entsprechende Menge kohlensaures Silber- 
oxyd zu, erwärmt damit, filtrirt, und macht das Filtrat 
alsdann auf die gewöhnliche Weise durch gebrannten 
Marmor ätzend. Zur Filtration bedient sich Gräger 
schon seit längerer Zeit eines Filters, welches aus Marmor 
besteht und in folgender Weise hergerichtet wird. In 
die Oeffnung eines Glastrichters legt derselbe zunächst 
einige Stückchen groben Marmors und auf diese feineres 
Pulver desselben Materials und spült so lange mit destil- 
lirtem Wasser nach, bis dieses alles Feinere fortgenom- 
raen hat und klar abfliesst. Hierauf giesst man die Lauge 
in den Trichter ; man hält wälirend der Arbeit den Trich- 
ter gut bedeckt, die Filtration geht ungemein rasch von 
statten und man erhält eine vollkommen wasserhelle und 
farblose Lauge. Der Rückstand im Trichter lässt sich 
mit aller Bequemlichkeit vollständig auswaschen ohne den 
geringsten Verlust zu erleiden. Die gelbliche Färbung, 
die eine in einem eisernen Kessel eingekochte Lauge 
zeigt, rührt gewöhnlich und hauptsächlich von suspendir- 
tem Eisenoxydhydrate her, die man wegnimmt, wenn man 
die alsdann freilich nicht zu starke Lauge durch gepul- 
verten Marmor filtrirt. {Polyt. Notizhl. 1866. I.) ß. 



Arch. d. Pharm. CLXXXI. Bds. 1. u. 2. Hft. 



98 Ueherfiihrung des schivefelsauren Kalis in kohlensaures. 

Krystallisirtes kohlensaures Kali. 

Bei der Darstellung von Uroxansäure durch Einwir- 
kung von Kalilösung auf Harnsäure erhielt G. Städeler, 
nachdem uroxansaures und oxalsaures Kali angeschossen 
waren, beim weiteren Abdampfen der Mutterlauge ein 
in grossen farblosen durchsichtigen Prismen anschiessen- 
des Salz, welches bei näherer Untersuchung aus reinem 
kohlensauren Kali bestand. Dieses Salz ist nach der 
Formel 2 KO, C^ O^ -(- 3 aq zusammengesetzt, enthält 
also 3 Aeq. Wasser. 

Wir kennen bereits ein krystallisirtes kohlensaures 
Kali von der Zusammensetzung 2 KO, C^O* -\- 4 aq, 
welches nach Berzelius gewonnen wird, wenn man die 
Lösung des Salzes so weit verdampft, bis sie in der 
Wärme 1,62 spec. Gew. hat, und dann langsam in einem 
hohen Cylinder erkalten lässt. G. Städeler erhielt nach 
dieser Methode nur ein krystallinisches Pulver; grössere 
Krystalle bildeten sich erst dann, als die Lösung vor 
dem Abdampfen mit etwas kaustischem Kali vermischt 
wurde. Da diese Krystalle aber einen Wassergehalt 
übereinstimmend mit der Formel 2K0, 02 0* -^ 3 aq 
zeigten, so scheint nach diesen Versuchen ein kohlen- 
saures Kali mit 4 Aeq. Krystaliwasser nicht zu existiren. 
{Annal. cl. Chem. u. Pharm. CXXXIIL, 371 — 874.) G. 



Die Heberführuiig des schwefelsauren Kalis 
in kohlensaures, 

analog dem Sodabildungsprocesse von Leblanc, ist 
unter Leitung von Koppe, nach einer brieflichen Mit- 
theilung desselben an R. Wagner versuchsweise in 
grösserem Massstabe ausgeführt worden und hat zu einem 
sehr günstigen Resultate geführt. Allein es bilden sich 
dabei sehr grosse Mengen von Cyan- und Schwefelcyan- 
kalium, welche Umstände der allgemeinen Anwendung 
dieser Pottasche hindernd in den Weg treten. (Polyt. 
Journ. Bd. 175.) B. 

lieber den Stassfurtit. 

A. St e in b eck gelangte durch eine Analyse die- 
ses Minerals zu dem Resultate, dass eine Verschieden- 
heit zwischen dem ausgewaschenen Stassfurtit und dem 
Lüneburger Boracit nicht besteht, sondern ersterer als 
eine dimorphe Form des Boracits anzusehen ist. {Poggend. 
Annal. Bd. 125.) B. 



Flüssige Glycerinseife. 99 

Die flüssige Glycerinseife 

aus der Fabrik von Sarg in Wien, deren Betrieb 
für Norddeutschland Dr. Marquart in Bonn übertra- 
gen ist, besitzt beim Gebrauche so empfehlenswerthe 
Eigenschaften, dass Prof. Heeren in Hannover sich 
bemüht hat, ein ähnliches Product herzustellen, da die 
Sarg'sche Glycerinseife ihres ziemlich hohen Preises wegen 
der Classe der feinen Luxusseifen anheimfällt, indem 
Heeren vermuthete, dass sie zu einem niedrigeren Preise 
sich Averde herstellen lassen. 

Die Sarg'sche flüssige Glycerinseife ist vollkommen 
klar, von hellbrauner Farbe und dickflüssiger Consistenz, 
wie Honig. Sie ist parfümirt. Freies Alkali ist nicht 
vorhanden. Zum Waschen der Hände reicht ein Thee- 
löftel voll derselben hin, die Seife giebt aber weniger 
Schaum, als gewöhnliche glycerinfreie Seife. 

Zur Bereitung der flüssigen Glycerinseife bringt 
Heeren 100 Gewth. Olein in ein beliebiges Gefäss, 
welches erwärmt werden kann, bei kleinen Portionen in 
ein Kochglas oder einen Glaskolben, bei grösserem Quan- 
tum in einen eisernen Kessel, setzt 314 Gewth. Glycerin 
von 1,12 spec. Gew. hinzu, erwärmt das Ganze etwa auf 
500 C. und fügt nun 56 Gewth. coiicentrirte Aetzkalilauge 
von 1,34 spec. Gew. unter stetem Umrühren hinzu. Die 
Seifenbildung erfolgt dabei augenblicklich und es entsteht 
ein ziemlich dünnflüssiges, jedoch etwas trübes Liquidum. 

Nach mehreren Tagen muss nun, um die honigartige 
Durchsichtigkeit zu erlangen, durch Papier filtrirt werden, 
was natürlich nur sehr langsam von Statten geht. Man 
macht ein grosses Filter von einem Bogen Löschpapier, 
breitet es in einem grossen Glastrichter gehörig aus 
und giebt die Seife hinein. Hört das langsame Abtröpfeln 
auf, so bringt man den noch im Filter vorhandenen Rest 
auf ein neues kleineres Filter. 

In den Laboratorien kann man auch, um diese lang- 
wierigen Filtrationen zu umgehen, nach dem Zusätze der 
Lauge die Seife mit einer ihrem Gewichte gleichen Menge 
Wassers verdünnen, wodurch sie ganz dünnflüssig wird 
und sich leicht filtriren lässt, worauf man sie nachher 
wieder auf ihr vorheriges Gewicht eindampft. Dieses 
Eindampfen darf aber nur im Wasserbade statt finden. 

Dieser nun geklärten Seife fügt man f/jo von der 
Gewichtsmenge des angewendeten Ole'ins Pottasche, welche 
in einer sehr kleinen Menge heissen Wassers aufgelöst 

7* 



100 Die Wirkungen des Sprengöls {Nitroglycerins). 

wird, unter Schütteln und Umrühren, hinzu. Durch diesen 
Zusatz erlangt die Seife die dickflüssige honigartige Con- 
sistenz und man giebt nun der Seife mit Ol. Neroli oder 
anderen wohlriechenden Oelen ein angenehmes Parfüm. 

Zur Benutzung dieser Seife muss ein Gefäss mit ganz 
weiter Oeffnung angewandt werden und ein Theelöffel 
voll zum Gebrauche dienen. 

Nach der Berechnung Heeren 's stellt sich der Preis 
des Pfundes der nacli dieser Vorschrift bereiteten Seife 
auf 4 Sgr. {Alitth. des Gew.-Ver. in dem Königr. Hannover. 
1866.) B. 

Heber die Wirkungen des Sprengöls (Nitroglycerins) 

berichtet das „Dresdener Journal". Hier fanden 
in dem Sienitsteinbruche bei der Restauration „Zum 
hohen Stein" oberhalb Plauen Sprengversuche mittelst 
SprengÖl (Nitroglycerin) statt. Es waren zu dieser Probe 
sechs Bohrlöcher getrieben worden. Die Tiefe der klei- 
neren derselben, welche man in vorherrschend ebenem 
Gestein angebracht hatte, betrug 14 bis 32 Zoll und es 
wurden diese Bohrlöcher mit 2 bis 7 Loth Sprengöl besetzt. 
Auf dieses Oel wurde sodann Wasser gefüllt. Durch 
dasselbe ging eine circa 1 bis 1^/2 Elle lange, etwas über 
Bleistiftstärke dicke Schnur, an welche ein hölzerner, 
mit Pulver gefüllter Zünder (Patentzünder) angebracht war. 
Die durch das Anzünden desselben erreichte Wirkung 
war höchst befriedigend. Auch bei grössern Bohrlöchern 
waren die Resultate sehr zufriedenstellend. Ein Bohrloch 
von 1 '/4 Fuss Tiefe und 1 Zoll Durchmesser wurde mit 
10 Loth Oel besetzt und die Sprengung erfolgte mit gleich 
günstigem Erfolge. Ein in einen frei stehenden Kegel 
in den Sienit getriebenes Bohrloch von 4 Fuss Tiefe und 
üben 5|^, unten 2/4 Zoll Durchmesser rückte, mit 2'/2 Pfd. 
Sprengöl besetzt und mit Patentzünder entzündet, gleich 
bei der ersten Zündung über 2 Ruthen Steine für die 
Abtragung auseinander, was von der überwiegenden Kraft 
des Sprengöls im Vergleich mit Schiesspulver Zeugniss 
ablegt. Eine eigenthümliche Wahrnehmung bei diesem 
Sprengmaterial ist die, dass es weniger in die Höhe treibt, 
als vielmehr das Gestein vorzugsweise nach der Seite 
rückt. Am Schlüsse der Versuche wurden die Flaschen, 
aus denen- das Sprengöl entnommen worden war und 
welche inwendig an den Wänden noch mit gefrorenem 



Glonoin- Explosion. 101 

Nitroglycerin bekleidet waren, gegen eine unten gelegene 
Felswand geschleudert, dabei jedoch eine Explosion nicht 
wahrgenommen. {Bl. für Hdl.u. Gewerbe.) B. 



Eine Schiffsexplosion durch Nitroglycerin. 

Eine furchtbare Explosion wird aus Colon^ an der 
Ostseite des Isthmus von Panama berichtet. Der der 
West - India und Pacific - Company gehörige Dampfer 
„European", welcher eine Quantität (70 Flaschen) Nitrogly- 
cerin an Bord hatte, flog am 3. April 1866 im Hafen von 
Aspinwall in die Luft. 50 Menschen wurden getödtet 
und die Explosion wird als furchtbar geschildert. {Allg. 
Ztg.) ß- 

lieber dieselbe Glonoin • Explosion. 

Ein entsetzliches Unglück trug sich am 3. April 
1866 zu Aspinwall zu. Der zum Löschen seiner Ladung 
am Quai liegende englische Dampfer European sprang 
in Folge einer Explosion im Waarenraume. Der 400 Fuss 
lange Quai wurde buchstäblich in Stücke zermalmt, ein 
nahestehendes grosses Magazin stürzte zusammen und 
bildete nur noch einen Trümmerhauten. Die Erschüt- 
terung pflanzte sich durch die ganze Stadt fort und es 
ist fast kein Haus unbeschädigt geblieben. Die Zahl der 
Opfer schätzt man auf 50, viele Personen wurden ver- 
wundet und mussten operirt werden, mehre überlebten 
die Operation nur wenige Stunden. Der Schaden wird 
in runder Summe auf eine Million Dollars veranschlagt. 
Es fanden drei Explosionen statt, nach der ersten ver- 
suchte das königliche Paketboot Tamar den European 
fortzubugsiren, dann erfolgte eine zweite schwächere Explo- 
sion, der Dampfer war in offenes Wasser gebracht, die 
dritte zerschmetterte ihn dermassen, dass er in weniger 
als einer halben Stunde in den Grund sank. 

Das Unglück wurde nach dem Panama star and 
/Ze?-aZo? Schiesspulver zugeschrieben; es ist jedoch unmög- 
lich, dass eine Pulverexplosion ohne eine Rauchwolke 
vor sich gehen kann und ohne in der Umgebung Spuren 
zu hinterlassen; in dem vorliegenden Falle war einige 
Minuten nach dem Ereignisse keine andere sichtbare 
Spur vorhanden als die allgemeine Verwüstung. Man 
erfuhr später, dass 66 Kisten mit Glonoin oder Nitro- 
glycerin, dem gegenwärtig furchtbarsten Sprengkörper, 



102 VorsicJitmassregeln hei Benutzung des Nitroglycerins. 

unter gewölmlichem Fraclitbrief an Bord gewesen seien 
und von Liverpool nach Californien bestimmt waren. 

Vor kurzer Zeit hat in der Greenwich- Street eine 
Explosion statt gefunden durch das dem Glono'in wahr- 
scheinlich gleich zusammengesetzte Sprengöl, wodurch drei 
grosse Gebäude und viele kleinere zertrümmert wurden. 
{Courrier de la Cote. Mai 1866.) Dr. Reich. 



Yorsichtsiuassregcln bei Benutzung des Nitroglycerius. 

Durch die kürzlich in Bochum und Hirschberg statt- 
gehabten Unglücksfälle mit dem Patentsprengöle von 
A. Nobel in Hamburg wurde derselbe veranlasst, die 
bei Benutzung des Sprengöls erforderlichen Vorsichts- 
massregeln in Kürze mitzutheilen, bei deren Befolgung 
irgend ein Unfall kaum möglich ist. 

Dieselben bestehen darin: 

1) Den Arbeitern jedes Experimentiren zu untersagen. 

2) Die Packflaschen mit Sprengöl in feuerfesten 
Räumen, oder wo solche nicht vorhanden, unter Wasser 
aufzubewahren. 

3) Wenn das Sprengöl gefroren ist, zum Gebrauch 
die Packflaschen in lauwarmes Wasser einzusetzen, um 
es aufzuthauen. 

4) Beim Laden nur losen Besatz aus Sand oder Letten 
zu gebrauchen. 

5) Den Besatz, wenn ein Schuss versagt hat, nur 
zur Hälfte vorsichtig auszukratzen, und in dem leeren 
Theile des Bohrloches eine kleine neue SprengöUadung 
anzubringen, bei deren Entzündung beide Ladungen explo- 
diren. 

6) Weder gefrorenes noch flüssiges Sprengöl mit 
Hammer oder Beilschlagen zu behandeln. Bei jeder 
Neuerung übertreibt man die Nachtheile und läugnet die 
Vortheile am längsten. Die riesige Kraft und die grossen 
Vortheile des Sprengöls in der Verwendung lassen sich 
aber nicht mehr läugnen, es handelt sich demnach nur 
darum, dasselbe mit Vernunft und Vorsicht zu gebrauchen 
und Nobel mächt sich anheischig, um jegliche Gefahr 
abzuwenden : 

durch Einführung von elastischen, mit Sicherheits- 
platten versehenen Packflaschen, worin das Sprengöl 
auch durch den stärksten Stoss nicht explodiren 
kann, und wobei 100^ C. die Metallplatte schmilzt, 
so dass das Sprengöl nie im geschlossenen Räume 



Schädlichkeit des Nitroglycerins. 103 

bis zum Explosionsgrade erhitzt werden kann, 
sondern bei einer Feuersbrunst ausläuft und harm- 
los verbrennt, wie es dieses stets im Freien thut. 
Die von Nobel oben angeführten Vorschläge sind 
von einer Commission berühmter schwedischer Autoritäten 
in diesem Fache geprüft und für gut befunden, auch Ver- 
suche angestellt worden, um die Ungefährlichkeit des 
Nitroglycerins in mehren Beziehungen, im Vergleich 
zum gewöhnlichen Pulver nachzuweisen. {Polytechn. 
Notizbl. 1866. 1.) B. 

Heber die Schädlielikeit des Nitroglycerins 

theilt B. Schuchardt Folgendes mit: 

Das Nitroglycerin wirkt bei höheren Thiereri vorzugs- 
weise auf die Hirnthätigkeit und führt bei hinreichender 
Grösse der Gabe den Tod herbei. Um die Wirkung des Stof- 
fes zu studiren, nahm B. Schuchardt Vormittags 10 Uhr 
einen Tropfen; fünf Minuten später stellte sich ein ziem- 
lich starker Schwindel mit Schwäche im Sehvermögen ein, 
darauf Kopfschmerz in der Stirngegend mit Klopfen in 
den Schläfen, Mattigkeit und Schläfrigkeit, stark aromati- 
scher Geschmack im Munde, mit brennendem Gefühle 
im Schlünde und Schmerz in der Cardia. Eine Stunde 
nachher bekam derselbe aus Unvorsichtigkeit, indem er 
mittelst eines kleinen Rohres Nitroglycerin aus der Flasche 
herausnehmen wollte, eine nicht unbedeutende Menge in 
den Schlund. Obgleich dasselbe ausgespien und der Mund 
mit Alkohol ausgespült wurde, so empfand B. Schuchardt 
doch darauf eine Zunahme der oben angegebenen Symp- 
tome, so dass er sich ins Bett legen musste. Hier fiel 
er in einen halb bewustlosen Zustand, der einige Stunden 
dauerte und einen sehr heftigen klopfenden Kopfschmerz 
mit Empfindlichkeit gegen Licht, Schwindel und Zittern 
im ganzen Körper hinterliess. Die Temperatur war Anfangs 
erhöht; es war ein Gefühl von Wärme im ganzen Körper 
nebst vermehrter Pulsfrequenz, später ein Kältegefühl 
bemerkbar, ferner eine brennende Empfindung in der 
Cardialgegend, Uebelkeit, aber kein Erbrechen vorhanden. 
Am folgenden Tage war jedes Vergiftungssymptom ver- 
schwunden. Keine Spur von Krämpfen zeigte sich. 

Durch directe Application bewirkt das Nitroglycerin 
keine Symptome, es muss absorbirt werden und ins Blut 
übergehen, was darauf deutet, dass seine giftige Wirkung 
durch ein Zersetzungsproduct desselben bedingt werde. 



104 Prüfung des ätherischen Senföls. 

Vielleicht wird dadurch im Blute Stickoxydul frei gemacht. 
Da das Sprengöl eine bedeutende Fähigkeit hat, organische 
Gewebe zu durchdringen, so erklärt sich der Umstand^ 
dass die mit diesem Stoffe umgehenden Arbeiter leicht 
Kopfschmerzen bekommen, aus einer Resorption durch 
die Haut, da das Nitroglycerin nicht verdampft, also eine 
Einwirkung durch die Lungen nicht statt finden kann. 

Da die Vorzüglichkeit dieses Stoffes als Sprengmittel 
hinreichend bewiesen ist, so wird es wohl in kurzer Zeit 
eine ausgebreitete Anwendung finden. Dann wird die Frage 
entstehen, ob nicht die giftigen Eigenschaften so bedeutend 
sind, um eine Benutzung desselben zu verbieten. B. S chu- 
chardt glaubt, dass nach seinen Untersuchungen kein 
Grund vorhanden ist, dagegen einzuschreiten. Versuche 
an Thieren haben bewiesen, dass erst in verhältnissmässig 
grossen Dosen der Tod erfolgt; bei Menschen bringt es 
zwar selbst in geringen Mengen deutliche Vergiftungs- 
symptome hervor, aber selbst nach einigermassen grossen 
Gaben treten diese doch in keinem beunruhigenden Grade 
auf. B. Schuchardt hat an 100 Tropfen in den Mund 
bekommen und mindestens 10 Tropfen hinabgeschluckt. 
Die Symptome traten allerdings heftig auf, jedoch war 
derselbe keinen Augenblick für sein Leben besorgt. Wir 
wenden zum technischen Gebrauche Gifte an, die weit 
gefährlicher sind, als Phosphor, Cyankalium, Sublimat 
u. s. w. Jedoch müssen beim Verkaufe und bei der Be- 
reitung Vorsichtsmassregeln angewandt werden. Der Ver- 
kauf des Sprengöls muss controlirt, ferner müssen die 
Arbeiter über die Gefährlichkeit des Stoffes belehrt werden, 
so dass sie nicht durch fahrlässigen Umgang mit demsel- 
ben sich selbst Schaden zufügen. Auf diese Weise würde 
sich das Sprengöl wohl kaum schädlicher erweisen als 
alle anderen zum technischen Gebrauche angewandten 
Gifte. {Ztschr. für prakt. Heilk. u, Med.-W. 1866. 1.) B. 



Prüfung des «ätherischen Senföls. 

Concentrirte Schwefelsäure löst dasselbe auf; beige- 
mengte Oele scheiden sich aus. {Polyt. Centrhl. 491. — 
lllustr. Geiohe.-Ztg. 28. — Philip2)'s Alphab. Sachregister 
techn. Journale.) H. Ludwig. 



Allylamin. — Tricarhallylsäure. 105 

Allylaiuiu. 

Allylamin = C6H5, H2N = C^H^N, erhielt C. 
Oeser, als er Senföl in weingeistiger Lösung in Berüh- 
rung mit Zink und Salzsäure brachte. Es entwickelte 
sich schon bei gewöhnlicher Temperatur ein Gas, welches 
neben Wasserstoff und Schwefelwasserstoff auch Kohlen- 
säure enthielt. Nach mehrtägiger Einwirkung des nas- 
cirenden Wasserstoffes wurde aus der Flüssigkeit durch 
Uebersättigen mit Kalilauge, Destillation, Ansäuern des 
alkalischen Destillats mit Salzsäure, Abscheidung des dabei 
entstandenen Salmiaks und abermalige Destillation mit 
Kalilauge das Allylamin rein erhalten. 

Das Allylamin ist eine farblose, ziemlich dünne Flüs- 
sigkeit von penetrant ammoniakalischera, entfernt lauch- 
artigen Geruch, welcher Niesen und Thränen der Augen 
hervorruft. Es schmeckt brennend scharf, siedet constant 
bei 580 und hat bei 15^ das spec. Gew. = 0,864. Es 
brennt mit leuchtender Flamme, mischt sich unter Wärme- 
entwickelung in allen Verhältnissen mit Wasser, reagirt 
stark alkalisch und fällt Thonerde-, Eisenoxyd-, Queck- 
silberoxyd-, Kupferoxyd- und Silberoxydsalze; die beiden 
letzteren Oxyde sind in einem Ueberschusse der Base, 
wie im Ammoniak löslich. 

Die Reaciion, durch welche bei Einwirkung von Salz- 
säure und Zink auf Senföl Allylamin entsteht, beschränkt 
sich also nur darauf, dass ohne directe Wasserstoffaddition 
Wasser aufgenommen wird nach der Gleichung: 

C2N 1 C6H5i 

C6h4 S2 -f 4 ho = "^ H2} N + 2 HS + 2 CO2. 

{Annal. d. Chem. u. Pharm. CXXXIV. 7 — 11.) G. 



Tricarballj'lsäüre. 

M. Simpson bezeichnet mit diesem Namen die von 
ihm entdeckte und von Kekule mit dem Namen Carb- 
allylsäure bezeichnete Säure, die durch Einwirkung von 
Kali auf dreifach Cyanallyl entsteht. Seiner früher ge- 
gebenen Beschreibung dieser Säure lässt Simpson jetzt 
noch nachstehende Thatsachen folgen: Kocht man die 
Lösung der Säure mit frisch gefälltem Quecksilberoxyd, 
filtrirt und verdunstet, so erhält man schöne weisse Kry- 
stalle, die an Glanz dem Silber nicht nachstehen. 

Der Tricarhallylsäure- Aethyläther, durch Einleiten 
von Salzsäure in eine heisse alkoholische Lösung der 



106 Tricarhallylsäure. 

Säure dargestellt, bildet eine farblose, etwas in Wasser 
lösliche Flüssigkeit, von scharfem Geschmacke. Dieselbe 
siedet bei 3000 und zerfällt mit festem Kali erhitzt, in 
Alkoliol und Tricarballylsäure. Die Formel ist SC^H^O, 
C12H50» (ber. 55,38 C, 7,69 H, 36,93 O; gef. 54,59 — 
54,86 C — 7,43 H). 

Der Amyläther 3Ci0H«»O,Ci2H5O9 ist von Simp- 
son nicht vollständig rein dargestellt worden. Er bildet 
eine dicke ölige Flüssigkeit, die schwerer als Wasser ist, 
von einem sehr scharfen Geschmacke. Erhitzt man ein 
Gemisch von 1 Gewth. Tricarballylsäure und 2 Th. reinem 
Glycerin in einem verschlossenen Räume mehre Stun- 
den lang auf 200^^ fügt dem Inhalte dann überschüssiges 
Barytwasser zu, entfernt diesen Ueberschuss durch Kohlen- 
säure, filtrirt und dunstet ein, so erhält man einen Rück- 
stand, aus dem man durch Auflösen in Wasser und Fällen 
mittelst Alkohol einen leicht gefärbten Niederschlag erhält, 
der nicht krystallisirt. Derselbe ist nach Simpson 
glycerin-tricarballylsarer Baryt (2ßaO, C6H705,C12H509), 
obwohl die Analysen nicht sehr genau mit der nach dieser 
Formel berechneten Zusammensetzung stimmen. 

Die Natronsalze der Tricarballylsäure sind in Wasser 
leicht löslich und krystallisiren schwierig. Es giebt wahr- 
scheinlich deren drei: mit 1, 2 und 3 Aequiv. Natron. 

Tricarballylsaurer Kalk 3 CaO, C12H509 + 4 HO 
bildet sich durch einfache Sättigung der Säure mit der 
genügenden Menge Kalkwasser. Weisses amorphes Pulver, 
leicht in verdünnten Säuren löslich, schwer in Wasser. 
Das Kupfersalz 3 CuO,Ci2H509 bildet sich als schön blau- 
grüner Niederschlag, wenn man Kupfervitriol zu einer 
heissen Lösung von tricarballylsaurera Natron giebt. Un- 
löslich in Wasser. — Das Bleisalz 3PbO,C'2H5 09 wird 
auf ganz analoge Weise dargestellt. 

Die Tricarballylsäure steht zu der Citronensäure in 
derselben Beziehung, wie Bernsteinsäure zur Aepfelsäure: 
C12H8 012 Tricarballylsäure, C8H608 Bernsteinsäure; 
C12H8 0>4 Citronensäure, C9H60»o Aepfelsäure. 

Die Umwandlung der Tricarballylsäure in Citronen- 
säure ist Simpson nicht gelungen. {Journ. of the ehem. 
Sog. — Chem. Centrbl. 1866. 14.) B. 



Aciduiii thcbolacticuin, OjHiimmilcbsäure; 

von T. und H. Smith. 
Diese Säure wird auf folgende Art aus dem Opium 



Acidum theholacticum, Opiummilchs'dure. — Lactimid. 107 

gewonnen : Nach Ausfällung allei' Alkaloide aus den 
Morphiummutterlaugen mittelst eines Alkalis digerirt man 
die concentirte Flüssigkeit mit Blei glätte, verdünnt 
und tilti'irt. Das wiederum concentrirte Filtrat wird mit 
viel Weingeist vermischt, die weingeistige Flüssigkeit 
liltrirt und mit Schwefelsäure versetzt, bis sich keine 
Basen mehr ausscheiden. Nach abermaligem Filtriren 
neutralisirt man mit Kalkmilch und destillirt den Spiritus 
ab. Der Destillationsrückstand wird zur Syrupsconsistenz 
gebracht; nach einigen Wochen scheidet sich das Kalk- 
salz der Opiummilchsäure in krystallinischen Massen aus, 
die durch ümkrystallisiren und Behandlung mit Thier- 
kohle schneeweiss erhalten Averden. Man scheidet daraus 
die Säure mittelst Schwefelsäure ab. 

Die Opiummilchsäure findet sich im Opium eben so 
constant, wie dessen Alkaloide oder wie die Mekonsäure, 
auch in unveränderlicher Menge. (Man erhält etwa 2 Proc. 
opiummilchsauren Kalk.) Sie ergänzt die Mekonsäure bei 
der Neutralisation der Basen. Ob sie mit der gewöhn- 
lichen Milchsäure identisch oder gleich der Fleischmilch- 
säure nur eine isomere Modification derselben sei, ist noch 
zu ermitteln. {Pharmaceut. Journ. and Transact. Vol. VIT. 
No. IL p. 50 ff.) Wp. 



Lactiuiid = C6H5]\02. 

Das von S. Preu dargestellte Lactimid entsteht aus 
dem Alanin, wenn man dasselbe einer Temperatur von 
180*^ bis 200^' aussetzt und trockenes Salzsäuregas darüber 
leitet, die braune rückständige amorphe Masse dann in 
Wasser löst, mit Bleioxydhydrat versetzt, die von dem 
basischen Chlorblei abfiltrirte Lösung durch Schwefel- 
wasserstoff entbleit und das zur Trockene verdampfte 
Filtrat mit absolutem Alkohol behandelt. Beim Verdun- 
sten des Alkohols scheiden sich dann farblose Krystalle 
von Lactimid ab. 

Es bildet farblose und durchsichtige Krystallnadeln 
oder Blättchen, die bei 275^ C. schmelzen, sich unzersetzt 
sublimiren lassen und sich in Wasser und Alkohol leicht 
lösen. Die Lösungen schmecken bitter. Das Lac- 
timid scheint wesentlich-indifferenter Natur zu sein; seine 
Zusammensetzung entspricht der Formel C^H^NO^, es 
enthält also 2 HO weniger als das Alanin, wie aus fol- 
gender Gleichung hervorgeht: 



108 Succinamin säure. 

C6H7N04 — 2H0 := C6H5N02 

Alanin Lactimid. 

{Annal. d. Chem. u. Pharm. CXXXIV. 372—375.) 



Succinaiiiinsäure. 

Die Darstellung der Succinaminsäure aus Succinimid 
gelang R. T euch er t nach derselben Methode, nach wel- 
cher Heintz aus Diglycolimid die Diglycolaminsäure 
erhalten hatte. 

Aequivalente Mengen Succinimid und Barythydrat 
wurden in nur wenig erwärmter Lösung zusammenfiltrirt 
und dann unter der Luftpumpe über Schwefelsäure ver- 
dunstet. Der rückständige vollkommen klare Syrup er- 
starrte beim Stehen an der Luft zu einer warzigen Kry- 
stallraasse, welche sich nicht ganz vollständig in Wasser 
wieder löste, sondern eine geringe Menge weissen Pulvers 
zurückliess. Dieses letztere ward abfiltrirt und dem Fil- 
trate nach und nach Alkohol hinzugefügt, bis zuerst ein 
bleibender Niederschlag (bernsteinsaurer Baryt) entstand. 
Nachdem auch dieser Niederschlag durch Filtration ent- 
fernt war, wurde die Flüssigkeit mit noch mehr Alkohol 
versetzt und nun 24 Stunden sich selbst überlassen. Nach 
Verlauf dieser Zeit hatten sich am Boden und den Wän- 
den des Gefässes eine ansehnliche Menge von kleinen, 
concentrisch gruppirten Krystallnadeln abgeschieden, deren 
Quantität durch erneuten Zusatz von Alkohol noch be- 
deutend vermehrt wurde. Die so erhaltene Krystallmasse 
war succinaminsaurer Baryt, C^H^BaNOß, weisse, seiden- 
glänzende Nadeln, in Alkohol und Aether unlöslich, in 
Wasser leicht löslich, bei 100^ bis 1300 unveränderlich, 
bei höherer Temperatur schmelzend und schliesslich unter 
Entwickelung von kohlensaurem Ammoniak in Wasser 
und brenzliche Stoffe sich zersetzend. Die wässerige 
Lösung zerfällt beim Sieden in bernsteinsauren Baryt und 
Ammoniak. 

Aus diesem Salze die Succinaminsäure ganz rein dar- 
zustellen gelang nicht; es wurde aber nachgewiesen, dass 
dieselbe in freiem Zustande existiren kann und deutliche 
Krystalle bildet, die aber in der Lösung leicht Wasser 
aufnehmen und in saures bernsteinsaures Ammoniak über- 
gehen. 

Die Salze der Succinaminsäure sind grösstentheils 
gut krystallisirbar, wenn es auch schwer hält, schöne 
Krystalle zu erzielen, da man bei ihrer Darstellung Hitze 



Leucinimid. — Capryl- und OenantJiyl- Alkohol. 109 

vermeiden muss. Sie sind theils wasserfrei, theils wasser- 
haltig, mehr oder weniger löslich in Wasser und die 
Lösungen scheinen sieh alle in der Siedehitze zu zer- 
setzen, während sie im festen Zustande bis 100^ C. und 
darüber erhitzt werden können, ohne sich zu verändern. 
{Annal. d. Ckem. u. Pharm. CXXXIV. 136 — 165.) G. 



Leucinimid. 

Das Leucinimid, C^-HUNO^^ von anderen Chemikern 
unter dem Namen Leucinsaurenitril beschrieben, erhielt 
A. Kohl er auf leichte Weise, indem er trockenes Leucin 
im Oelbade einer allmälig auf 220^ bis 230^ steigenden 
Hitze aussetzte und dann einen langsamen Strom trocke- 
nen Salzsäuregases darüber leitete. Der Rückstand wurde 
in absolutem Alkohol aufgelöst und die ausgeschiedenen 
Krystalle wurden durch Umkrjstallisiren aus Weingeist 
gereinigt. Das Leucinimid entsteht aus dem Leucin unter 
Austritt von 2 HO nach der Gleichung: 

C12H13N04 = C>2HnN02 -f 2 HO. 
{Annal d. Chem.u. Pharm. CXXXIV. 367 — 372.) G. 



Heber Capryl- und Oeiiauthyl-AIkohol, 

Bouis erhielt bei der Destillation von Ricinusöl mit 
überschüssigem Alkali ein Product, das er bald für 
Oenanthyl- bald für Capryl-Alkohol ansah. Spätere Unter- 
suchungen über denselben Gegenstand lieferten zwar ein 
bei 1780 siedendes Product, dessen Dampfdichtebestim- 
inung und Analyse jedoch verschiedene Resultate ergaben. 

Mit der Absicht, diese Eigenthümlichkeit aufzuklären 
und den fraglichen Alkohol darzustellen, verseifte T. Chap- 
mann Ricinusöl mit Soda, schied die Seife auf gewöhn- 
liche Weise ab und erhitzte sie mit ungefähr '/ß ihres 
Gewichts kaustischer Soda, bis Alkoholgeruch bemerkbar 
wurde, in einer Retorte. Das Destillat bestand aus Wasser 
und einem öligen Producte, das mit einer concentrirten 
Lösung von zweifach Schwefelnatrium geschüttelt und dann 
.24 Stunden lang stehen gelassen wurde. 

Um das Feste von dem Flüssigen zu trennen, wurde 
hierauf die Masse durch Filtrirzeug gedrückt und der 
ölige Theil der Flüssigkeit getrennt, getrocknet und destil- 
lirt. Das Sieden begann unter 100^, der grösste Theil 
ging jedoch zwischen 1700 bis 180^ über, woraut das 



110 Verfälschung des Mandelöls und ihre Entdeckung. 

Thermometer langsam, ohne wieder constant zu werden, 
bis zum Siedepuncte des Quecksilbers stieg. 

.Das zwischen 178^ und 180^ übergehende Oel ergab 
bei der Analyse die Formel C'^HiöO^. In der Meinung^ 
die Substanz könnte noch mit einem Kohlenwasserstoffe 
von demselben Siedepuncte verunreinigt sein, suchte 
Chapmann mittelst Phosphor und Jod daraus das Jodid 
darzustellen. Er erhielt eine bei 212'^ siedende Masse, 
die mit kaustischem Kali den Alkohol regenirte, der nun 
bei 1820 siedete. Aus diesem Producte stellte Chap- 
mann ferner mit Phosphorpentachlorid Caprylchlorid dar^ 
welches normal bei 1750 siedete, und verwandelte das- 
selbe ebenfalls wieder in Alkohol, der gleichfalls, wie der 
aus dem Jodid erhaltene, bei 182^ siedete. Bei der Ver- 
brennung ergab jedoch auch dieses Product, wenn gleich 
einige Grade höher siedend, dieselben Werthe und folglich 
dieselbe Formel C^^H'^O^, mit der auch die ausgeführten 
Dampfdichte -Bestimmungen in üebereinstimmung stehen. 
Dass der erhaltene Körper wirklich Caprylalkohol 
sei, stellte Chapmann ferner noch dadurch fest, dass 
er daraus ein Bromid und mit dessen Hülfe ein Amin 
darstellte, das sich als Tricaprylamin (C'^H^^^SN auswies. 

Um den synthetisch aus Petroleum dargestellten Capryl- 
alkohol mit dem aus Ricinusöl erhaltenen zu vergleichen, 
bereitete Chapmann aus dem zwischen 115^ und 120* 
siedenden Theil des canadischen Petroleums Caprylchlorid 
und stellte daraus den Alkohol dar. In allen Eigen- 
schaften zeigte derselbe sich dem Alkohol aus Ricinusöl 
gleich. 

Die Zersetzung des Ricinusöles durch Kali ist indess 
nicht so einfach, wie man gewöhnlich annimmt. Es bil- 
den sich neben den beschriebenen Alkoholen noch mehre 
andere Körper und die Zusammensetzung des Destillates 
ist auch keineswegs immer dieselbe. So fand der Ver- 
fasser, dass bei einer Destillation des Oeles mit Alkali 
beinahe die sämmtlichen Producte mit Schwefelnatrium 
in Verbindung traten, mit dem sie, wie oben erwähnt, 
geschüttelt wurden. {Journ. of the ehem. Soc. — Chem. 
Centrhl. 1866. 7.) B. 



Verfälschung des ]tlandelöls und ihre Entdeckung. 

Im südlichen Frankreich ward das Mandelöl vielfach 
mit dem aus Aprikosenkernen gepressten Oeles versetzt. 
Man erkennt diese Verfälschung nach Nickles daran. 



Chemische Kennzeichen des Baumwollsamenöls. 111 

dass sich das Aprikosenkernöl mit pulvrigem Kalkhydrat 
salbenartig verdickt, echtes Mandelöl aber nicht. Man 
schüttelt etwa 12 Gramme des zu prüfenden Oels mitl'/j 
Grammen Kalkhydrat, erhitzt im Wasserbade und filtrirt 
noch heiss durch einen Wasserbadtrichter. Beim Erkal- 
ten in Wasser oder Eis wird verfälschtes Oel weiss und 
undurchsichtig, echtes bleibt klar. Es lässt sich so noch 
1 Proc. Aprikosenkernöl nachweisen. [Pharm. Journ. and 
Transact. Juli 1866. 6. Ser. Vol. VIII. No. I. p. 23.) Wp. 



Prüfung des Mctudelöls. 

Die Eigenschaft, mit Kalkhydrat eine feste salben- 
artige Masse zu bilden, besitzen neben dem Aprikosen- 
kernöle auch das Hanf- und Mohnöl, das Nuss-, Lein- 
samen- und Erdnussöl; das Baumwollensamenöl giebt 
nur sehr wenig der festen Masse, ist aber leicht an an- 
deren Reactionen zu erkennen. 

Das Kalkhydrat geht mit dem reinen Mandelöl keine 
Verbindung ein und ebenfalls werden reines Oliven- und 
Colzaöl von demselben nicht verändert. Diese beiden 
Oele sind schon durch den Geschmack vom reinen Mandelöl 
zu unterscheiden und lassen sich durch zweckmässige 
Reagentien leicht erkennen. Jedenfalls ist diese leicht 
ausgeführte Untersuchung eines fraglichen Mandelöls auf 
die fast immer statt findende Vermischung mit Aprikosen- 
kernöl nach der hier angegebenen Methode nicht un- 
wichtig. {Bull, de la soc. ind. — Hamburg. Getverbebl. 1866.) 

B. 

Chemische Kennzeichen des Bauiuwollsniueuöls. 

In grösseren Massen erscheint dieses Oel röthlich, in 
kleineren Mengen weniger dunkel, schmutzig -gelb. Es 
ist ohne Geruch und Geschmack. Werden einige Tropfen 
desselben in einem Reagensglase mit Chlorzinklösung 
Übergossen, so färbt es sich dunkelbraun, Rüböl dagegen 
nur goldgelb, Olivenöl grün. Englische Schwefelsäure 
färbt das Oel sofort dunkelrothbraun, Rüböl dagegen Avird 
grün, Olivenöl schwach orangegeib. Zinnchloi'id verän- 
dert das Oel in eine dicke durchsichtige Masse von orange- 
rother Farbe: Rüböl wird auch hier grün, Olivenöl grün- 
lich - blau, beide verdicken sich nicht. Phosphorsäure 
färbt Baumwollsamenöl unter Aufbrausen goldgelb, Rüböl 
wird dadurch weisslich^ Olivenöl bläulich-grün. Durch 



112 Sonnenblumenöl. — Bromerucasäure. 

diese angeführten Reagentien ist es leicht zu ermitteln, 
ob man reines Baumwollsamenöl öder ein mit diesem üel 
verfälschtes Rüb- oder Olivenöl vor sich hat. {Hamburg. 
GewerbeU. 1866.) B. 

Souueiibliimcuöl. 

Für die Russische Land wirthschaft ist das Sonnen- 
blumenöl in den letzten Jahren zu rasch steigender 
Bedeutung gekommen. Die Produetion des letzten Jahres 
wird auf über 100,000 Ctr. geschätzt, welche einen Werth 
von gegen 1^2^111. R. repräsentiren. Von diesem Quan- 
tum wurde der dritte Theil über Petersburg nach Stettin 
exportirt und ging bei der sciilechten Rübsenernte hier 
zu steigenden Preisen rasch in den Consum. Der Anbau 
der Sonnenblumen, welche früher von den Bauern nur 
an den Grabenrändern angepflanzt wurden, gewinnt immer 
grössere Ausdehnung. Die Stengel werden dort zu Pott- 
asche verbrannt und der Export dieses Artikels hat in 
Folge davon ebenfalls zugenommen. Auch bei uns würde, 
bei dem sehr riscanten Ertrage der hier gebauten Oel- 
früchte, der Anbau der Sonnenblumen wohl die Beach- 
tung der Landwirthe verdienen. Die Pflanze wächst hier 
wild und wird also gewiss das Klima ihrem Gedeihen 
als Culturpflanze kein Hinderniss bereiten. Das Oel ist 
als Speiseöl zu verwei'then und wird höher als . Rüböl 
bezahlt. , Zu einem Versuchsanbau ist jedoch der Bezug 
von Samen aus Russland zu empfehlen, wo durch die 
langjährige Cultur die Pflanze zu einer grössern Ent- 
wickelung gelangt ist, als die bei uns wild wachsende. 
Von einer Verwerthung der Stengel zu Pottasche würden 
unsere Landwirthe aber wohl absehen, um dem Boden 
nicht die Düngstoffe zu entziehen, welche ihm durch den 
Anbau der Pflanze genommen werden. {Bl. für Handel 
und Gewe be.) B. 



Bromerucasäure. 

Nach R. Otto verbindet sich Brom direct mit Eruca- 
säure ohne Entwickelung von Bromwasserstoff zu der ein- 
basischen Bromerucasäure, C44H4204ßr2^ welche in klei- 
nen warzenförmigen Krystallen erhalten wird, sich leicht 
in Alkohol und Aether löst und einen Schmelzpunct von 
420 — 430 besitzt. Das Barytsalz ist ein weisser, an 
der Luft bald schmierig werdender Niederschlag, das 
Bleioxydsalz ist krystallisirbar. 



Uebei' die Lein'dlsäure. 113 

Die Erucasäure gleicht hiernach in ihrem Verhalten 
gegen Brom völlig der Elaidinsäure und Angelicasäure, 
welche sich beide ebenfalls mit 2 Aeq. Brom direct ver- 
einigen, während die mit ersterer isomere Oelsäure ein 
Substitutionsproduct giebt. Hinsichtlich ihres Verhaltens 
gegen schmelzendes Kalihydrat findet jedoch eine Ab- 
weichung statt, denn unter den Zersetzungsproducten 
konnten Arachinsäure und Essigsäure nicht nachgewiesen 
werden. {Annal d. Chera. u. Pharm. CXXXV. 226—229.) 

G. 

lieber die Leinölsäure. 

Es war Otto Süssenguth gelungen, ein Zinksalz 
der Leinölsäure darzustellen, das aus kochendem absoluten 
Alkohol vollständig in warzenförmig gruppirten Nadeln 
herauskrystallisirte und sich nicht veränderte. Da jedoch 
die Analyse desselben mit den früheren Resultaten Sacc's, 
Schul er 's und Oudemann's nicht übereinstimmte, so 
schied Süssenguth die Säure daraus ab, um durch 
weitere Versuche und besonders durch die Einwirkung 
des Broms zu bestimmten Resultaten zu gelangen. Lässt 
man in die Säure unter Abkühlung Brom eintropfen, so 
tritt heftige Brorawasserstoff-Entwickelung ein und die 
Masse wird fest. 

In kaltem Alkohol ist bloss ein Theil davon löslich, 
der beim Verdampfen oder Zusatz von Wasser, als schweres 
röthlich -gelbes Oel erhalten wird. Der unlösliche Theil 
löst sich erst beim Kochen und scheidet sich beim Erkal- 
ten in glänzenden krystallinischen Blättchen aus^ sobald 
die Lösung verdünnt; ist sie jedoch concentrirt, oder 
setzt man Wasser zu, so bilden sich weisse Flocken 
desselben Körpers. Die Entstehung der öligen Sub- 
stanz scheint von der Reinheit der Oelsäure abzuhän- 
gen, je weisser und leichtflüssiger diese war, desto 
weniger bildete sich von dem Oele. Eine Analyse des- 
selben wurde nicht angestellt, da es nicht rein zu erhal- 
ten war, dagegen führte die Analyse des krystallinischen 
Körpers zu der Formel C32H2tißr4 08. Berücksichtigt 
man, dass die Formel des Zinksalzes der Leinölsäure 
wahrscheinlich ZnO, C32H2503 ist^ woraus die Formel der 
Säure selbst C32JJ26 04 folgt, so dürfte anzunehmen sein, 
dass bei Einwirkung von Brom 4 At. Wasserstoff durch 
4 At. Brom substituirt werden und mit 4 HO die feste 
krystallinische Verbindung bilden. Weitere Mittheilun- 

Arch.d. Pharm. CLXXXI.Bds. l.u.2.Hft. 8 



114 Roth färben der JEette und Oele. 

gen über Salze und Umsetzungen der Leinölsäure stellt 
Otto Süssenguth in Aussicht. {Zeitschr. für Chemie, 
N.Folge 1. 18.) B. 

Bereitung eines vorzäglichen Leinölfirnisses. 

Wohlgeklärtes abgesetztes Leinöl, welches nicht trübe 
und dunkelbraun aus der Presse gewonnen, wird in 
einem nicht zu flachen, sauberen Kupferkessel nur vom 
Boden aus massig und langsam erhitzt, bis es nach Auf- 
hören der wässerigen Verdampfung anfängt, Oelgase zu 
entwickeln, die mit dem zugleich resultirenden ßrenz- 
ätheröl als hellwolkig aufsteigender Dampf, den Zeitpunct 
bezeichnen, wo der Kessel vom Feuer entfernt werden 
muss. Sogleich werden 4 Proc. wohl getrocknete ^^nd ge- 
riebene oder gesiebte präparirte Bleiglätte unter schnellem 
Umrühren eingetragen und mit einem breiten vorher auch 
wohl ausgetrockneten Holzspatel immer recht vom Boden 
auf anhaltend langsam gerührt, bis im Kleinen etwa noch 
40^ R. Wärmestand sind, oder im Grossen, dass höchstens 
nach 5^ stündigem Rühren diese Temperatur eingetreten 
ist. Dann lässt man denselben ablagern und füllt ihn in 
gut verschliessbare Gefässe. 

Der solcher Art bereitete Firniss dunkelt zwar nicht 
nach, aber für hellzarte Farbe, wenn Lackmischung nicht 
angebracht, ist es erwünscht, einen helleren Oelfirniss 
aus Mohn- oder Wallnussöl zu haben ; dieser darf aber 
nicht in Kupfergefässen bereitet werden, sondern man 
muss die Arbeit auf dem Sandbade in Steingutgefässen 
ausführen. (Hamb. Gewerbebl. 1866.) B. 

Rothfärben der Fette und Oele. 

Hirzel empfiehlt zum Rothfärben der Fette und 
Oele, welches man bis dahin durch Digestion derselben 
mit Alkannawurzel ausführte, die Anwendung eines Al- 
kanna ■ Extrats als ganz vorzüglich. Die zerkleinerte 
Wurzel wird zu dem Ende mit sog. gereinigtem Petroleum- 
äther Übergossen, welcher den Farbstoff sehr schnell auf- 
nimmt und sich durch die Destillation im Wasserbade 
und gelindes Austrocknen vollständig entfernen lässt. Es 
bleibt ein sehr dunkles, gei'uchloses, weiches Extract von 
grossem Färbevermögen, mit welchem man die verschie- 
densten Stoffe sehr schön roth färben kann. Solches Al- 
kannawurzel-Extract ist aus der chemischen Fabrik von 
Hirzel und Gerhard zu Leipzig zu beziehen. (Polyt. 
Notizbl. 1866. 10.) B. 



Classification der Gerüche der Pflanzen. 115 

Darstellnng von llruiacheröl. 

Man verwendet hierzu das beste Olivenöl von der 
ersten Pressung vollkommen gereifter Oliven, nachdem 
dasselbe gut abgelagert ist und setzt dasselbe einer Tem- 
peratur von einigen Graden unter dem Gefrierpunct aus, 
wodurch sich die schleimigen Theile und sonstigen fremd- 
artigen StoflFe abscheiden. Das klar gebliebene flüssige 
Oel giesst man vorsichtig ab und tiltrirt durch einen 
Becher von Lindenholz oder Hollundermark. So erhält 
man ein Oel, welches mehre Jahre flüssig bleibt und die 
Zapfen der Räder nicht angreift. 

Ein anderes Verfahren, das Olivenöl für die Uhr- 
macherei zu reinigen, besteht darin, dass man das Oel 
in eine weisse Glasflasche giesst, ein Stück Blei so hinein- 
legt, dass es daraus hervorragt, und dann das Oel der 
l?inwirkung der Sonnenstrahlen aussetzt. Dieses Oel ist 
aber nicht ganz so säurefrei, wie das nach oben beschrie- 
bener Methode dargestellte. 

Eine aus Amerika in den Handel gelangende Sorte 
Uhrmacheröl, angeblich aus Fischöl, hält sich nicht länger 
als ein Jahr, was seine Anwendung sehr beeinträchtigt. 
(Dingl. polyt. Journ. ßd. 178.) ß. 



Classification der Gerüche der Pflanzen. 

Eduard Ritter von Josch in Graz {Oestereich. 
Lot. Zeitschr.) schlägt vor, folgende Grundgerüche an- 
zunehmen: 

1) Rosengeruch, z.B. bei Rosa canina u.a. Rosa- 
Arten, Rhodiola rosea (der Wurzel), Spartium junceum etc. 

2) Nelkengeruch, Beispiele: Dianthus-Arten, Mono- 
tropa Hypopitys, Orobanche cruenta u. a. Orobanchen, 
Convoivulus arvensis, Cyclameu europaeum, Daphne Me- 
zereum, D. Cneorum, Gymnadenia odoratissiraa, Piatan- 
thera bifolia, Nigritella suaveolens. 

3) Veilchengeruch: Viola odorata und Viola suavis, 
Matthiola varia, Cheiranthus Cheiri, Hesperis matronalis, 
Erysimum Cheiranthus, Myosotis alpina *). 

4) Resedageruch: Reseda odorata, Tilia grandi- 
folia und parvifolia, Vitis vinifera, Lychnis vespertina, 
Scabiosa suaveolens. 



^) auch Rad. Ireos = Veilchenwurzel u. a. 



116 Classification der Gerüche der Pjianzen. 

5) Melilotengeruch *): Melilotus alba, officinalis 
und coerulea, Asperula odorata, Anthoxanthum odoratuni, 
Trigonella Foenum graecurn, monspeliaca und corniculata. 

6j Myrtengeruch: Myrtus communis, Philadelphus 
coronarius, Lonicera Caprifblium, Jasminum otticinale, 
Elaeagnus angustifolia, Narcissus poeticus, Convallaria 
majalis und Hemerocallis flava. 

7) Baldriangeruch: Valeriana -Arten, z.B. Val. 
celtica, saxatilis ; Geranium macrorhizon, Prunus Padus, 
Sambucus nigra, Ligustrum vulgare, Fraxinus Ornus, 
Asarura europaeum, Humulus Lupulus. 

8) Primel- (oder Aurikel-) geruch: Arten von 
Primuia, Berberis vulgaris, Muscari racemosum, Trollius 
europaeus, mehre Arten von Verbascum. 

9) Grasgeruch '^*): Senecio nemorensis var. odorata, 
Hierochloa australis, Anthoxanthum odoratuni, Asperula. 

10) Caniphergeruch: Puta graveolens, DictanmÄ 
fraxinella, Artemisia Absynthium, A. camphorata, A. Dra- 
cunculus, Tanacetum vulgare, Tanacetum balsamita, La- 
vandula vera, Rosmarinus officinalis, Melissa officinalis, 
Hyssopus officinalis, Origanum Majorana, Laurus nobilis, 
Acorus Calamus, Foeniculum officinale, Anethum gra- 
veolens. Aelmlich dem Campher, doch mehr ätherisch, 
duften Cistus monspessulanus, Antheniis nobilis, IMatri- 
caria Chamorailla, Hieracium albidum, Rhododendron fer- 
rugineum, Rh. hirsutum (die Blätter), Ocymum Basilicum, 
viele Arten von Mentha, Salvia, Thymus, iSatureja, Cala- 
mintha, Nepeta und Teucrium, Cortusa Matthioii ***). 

11) Knoblauchgeruch: Sehr viele Allium- Arten, 
von Erysimum Alliaria mancher Pilze. 

12) Moschusgeruch: Adoxa moschatellina, Achil- 
lea moscliata, Erodium moschatum, Jurinea mollis. 

13) Bocksgeruch: Ononis hircina, Ribes nigrum f ), 
Opium graveolens, Petroselinum sativum, Orlaya grandi- 
flora, Coriandrum sativum, Cannabis sativa. 

14) Uebelriechend überhaupt: Thalictrum foeti- 
dum, Helleborus foetidus, Lepidium ruderale, Geranium 

*) Steinklee-, Waldmeister-, Tonkabohnen-, Heu-, Cu mar i lä- 
ge ru eh. (Ludwig.) 
**) fällt theil weise mit Heu geruch zusammen. (L.) 
***) Hier können noch manche Unterabtheiluugen gemacht werden, 
so namentlich der erfrischende, kühlende Labiatengeruch 
der Rlentha-Arten. der heisse Labiatengeruch des Lavendels, 
der erfrischende Dillgeruch, der bitterliche Geruch von 
Artemisia, der süsse Umbelliferengeruch des Fenchels. (H. L.) 
t) Wanzeubeere, also auch Wanzengeruch. 



Ausleute an ätherischen Oelen. 117 

robertianura, Aposeris foetida, Conium maculatum, Hyos- 
cyamus niger, Datura Stramoniunf, Scrophularia nodosa 
und canina, Chenopodium vulvaria*), Buxus sempervirens, 
Orchis coriophora etc. {Frauen dorf er Blätter vom 16. April 
1866.) H. Ludiüig. 

Ausbeute an ätherischen Oelen. 

H. Zeise in Altena giebt in Nachstehendem einen 
Bericht über die Ausbeute an ätherischem Oel, welche 
er durch Destillation verschiedener Droguen, aus 100 
Pfunden derselben erhalten hat. 

Pfd. Unz. 
Absynthii herba recens (Absynthium officinaje) — 2 

Amomi semen (Myrtus Pimenta) 2 10 

bis 3 

Amygdalae amar, (Amygdalus communis) — 12-14 

Anisi, semen (Pimpinella Anisum) 2 — 

Anisi stellati, sem. (Illicium anisatum) 4 5-15 

Cardamom. minus (Alpinia Cardamomum) 2 3 

Carvi, semen (Carum Carvi) ; 3 9 

auch 4 8 

Caryophylli de Bourbon 18 — 

„ „ Zanzibar (Caryoph. aromaticus) 16 — 

Cascarillae, cortex (Croton Eluteria) — 10-14 

Chamomill. roman., flor. sicc. (Anthemis nobilis) — 6'/2 
„ vulg. flor. sicc. (Matricaria Chamomilla) — 1 

bis 33/g 

Cedri citrini, lignura (Pinus Cedrus) 1 3 

bis 2 2 

Cinnamom. acut. Ceyl. cort — 7 

bis 1 ll>/2 

Cinnamom. acut, de Java, cortex 1 31/2 

Copaivae, bals. (Copaifera ofiicinalis) 58 — 

bis 67 

Oubebae (Piper Cubeba) , 61/.) — 

bis 121/2 

Cupressi, lignum (Cupressus thyoides) 3 6 

Foeniculi, semen 31/9 — 

bis 33/4 

Juniperi, baccae — 12-14 

Lauri, baccae — H */2 

bis 13 
Macis (Myristica moschata). . . , 7 — 

*) Häringslakengeruch, Trimethylamingeruch. (L.) 



1 18 Zusammensetzung des ätherischen Oels der Lorbeeren. 

Pfd. Unz. 

Menth, pip. herb, sicc — 11 '/2 

Nuces nioschatae 3 11 

Piperis, baccae, de Batavia (Piper nigr.) 2 7 

Sabinae herba sicc , 2^/^ — 

Santali alb Lign 1 ','4 — 

bis 23/4 

Sassafras Lign — 12 

Sinapis, sem. holland — 7-11 

italic — 7-10 

Zingiberis, rad. de Bengal 1 2 

{N. Jahrb. f. Pharmacie. Bd. 25. 2.) B. 



Wirkung ätherisclier Oele auf Fuchsiu 

Nach H. Zeise in Altena lösen folgende von ihm selbst 
frischbereitete ätherische Oele Fuchsin auf: Ol. aniygd. 
amarar., Ol. caryophyll., Ol. flor. Cassiae, Ol. Cinnamom. 
acuti, Ol. Coriandri, Ol. Pimenti, Ol. ligni Santali albi und 
Ol. Sinapis aether. Schwach lösend wirken: Ol. menth. 
crisp. et pip. Sehr schwach lösend: Ol. nuc. moschat. 
Gar nicht lösend: Ol. nuc. moschat. aus Myristic. tomen- 
tosa, Ol. Macidis, Cascarill., Bals. copaiv., Cubebar., Ligni 
Sassafras, Piperis zingiber. {N. Jahrb. für Pharm. Febr. 
1867.) H. Ludiviy. 

Zusainiueiisetzuiig des äthcrisclieu Oels der Lorbeeren. 

Das von C. Blas untersuchte ätherische Oel von 
Lauras nobilis hatte eine grünlich-gelbe Farbe, war etwas 
dicklich, besass einen an Lorbeeren und Terpenthinöl 
erinnernden Geruch, reaglrte schwach sauer und zeigte 
bei 150 das spec. Gew. 0,932. 

Bei der Destillation des Oels stieg der Siedepunclr 
langsam von 1700 auf 250^5 die Hälfte des Oels ging 
unter 200^ über. Aus diesem Antheil wurde durch frac- 
tionirte Destillation und Rectification ein Kohlenwassei'- 
stoff von der Zusammensetzung des Terpenthinöls C^OH^ß 
abgeschieden, dessen constanter Siedepunct 164^, dessen 
spec. Gew. 0,908 und dessen Molecular-Rotationsvermögen 
bei 16 = — 23,35 war. 

Der höher siedende Theil des rohen Oels wurde 
durch verdünnte Kalilauge in ein obenauf schwimmendes 
gelbes Oel und eine trübe wässerige Lösung getrennt. 
Aus jenem konnte durch fractionirte Destillation ein was- 
serhelles neutrales, bei 250^ siedendes Oel (spec. Gew. 



Aethensches Oel der Blüthen von Citrus decumana. 119 

0,92^ und linksseitiges Rotationsvermögen — 7,225 bei 
15^) abgeschieden werden. DieElementarzusanimensetzung 
desselben ist der des vorigen Kohlenwasserstoffes gleich, 
das Moleculargewicht scheint aber wegen des höheren 
Siedepuncts durch die Formel C30H24 ausgedrückt wer- 
den zu müssen. 

In der von dem obenauf schwimmenden Oele befrei- 
ten alkalischen Lösung wurde eine Säure abgeschieden, 
welche die Zusammensetzung der Laurinsäure C^^H'-^Ü* 
zeigte. Nelkensäure, welche Gladstone im Lorbeeröl 
gefunden hatte, konnte von Blas nicht nachgewiesen 
werden. (Ännal. d. Chem. u. Pharm. CXXXIV. I — 7.) 6^. 



Orangeublüth- und Oraiigenblätter* Wasser. 

Nach Gobley wird das Orangenblüthwasser öfters 
mit dem über Orangenblätter abgezogenen, weniger an- 
genehm riechenden verfäscht. Man kann jenes von die- 
sem daran unterscheiden, dass es sich mit einer Mischung 
von 20 Th. Salpetersäure, 10 Th. Schw^efelsäure und 30 Th. 
Wasser im Verhältniss von 1 : 5 versetzt je nach der 
Stärke des Wassers mehr oder weniger tief rosenroth 
färbt; mit dem Blätterwasser tritt diese Reaction nicht 
ein. Leider zeigt sie sich auch nicht bei einer Mischung 
der beiden Wässer, ja selbst nicht bei älterem, länger 
aufbewahrt gebliebenem echten oder mit Neroliöl berei- 
tetem Orangenblüthwasser. {Pharm. Journ. and Transacf. 
Aug. 1866. IL Ser. Vol. VIU. No. 2. ij. 78.) Wp. 



Aetberisches Oel der Blütben vou Citrus decumana. 

De Vry hat durch Destillation der Blüthen von 
Citiis decumana, welche auf Java sehr reichlich wächst, 
ein Oel erhalten, das mit dem bekannten Neroliöl völlig 
identisch sein soll. Dabei hat er die interessante Ent- 
deckung gemacht, dass die in der Blase zurückbleibende 
Flüssigkeit nach dem Coliren und Erkalten eine grosse 
Menge des sogenannten Hesperidins in Krystallen absetzt. 
{Pharmaceut. Journ and Transaci. II. Ser. Vol. VIT. No. 9. 
March 1866, p. 477.) Wp. 

lieber die Löslichkeit des Caiiipbers in Wasser. 

Die Vorschrift der Vereinigte Staaten -Pharmakopoe 
zur Aqua Camphorae lautet: 



120 Erhaltung des Aromas der gerösteten Kaffeebohnen. 

Campher 120 Gran 

Alkohol 40 Tropfen 

Kohlensaure Magnesia ^J2 Unze 
Destillirtes Wasser... 2 Finten. 

Der Carapher wird zuerst mit dem Alkohol fein ge- 
rieben, dann die Magnesia, hierauf allniälig das Wasser 
zugesetzt und schliesslich das Ganze durch Papier filtrirt. 

Alle Bücher geben übereinstimmend an, dass der Cam- 
pher in 1000 Th. kalten Wassers löslich sei. Storer sagt 
in seinem „Handwörterbuche über die Löslichkeit der 
chemischen Substanzen", aus einem innigen Gemenge von 
Campher und kohlensaurer Magnesia löst Wasser angeb- 
lich dreimal mehr Campher auf, als von Carapher allein. 

H. Markoe [Amer. Journ.of Pharm.) suchte nun die 
aufgelöste Menge Campher dadurch zu bestimmen, dass 
er den ungelöst gebliebenen, mit der kohlensauren Mag- 
nesia vermehrten Antheil desselben ermittelte, indem er 
das auf dem Filter zurückgebliebene Gemenge von kohlen- 
saurer Magnesia und Campher in ein Becherglas brachte 
und mit verdünnter Schwefelsäure in Ueberschuss be- 
handelte, wodurch die Magnesia in Lösung ging und der 
Campher sich auf der Oberfläche sammelte. Auf diese 
Weise ermittelte Markoe, dass 1 Unze Aq. Camphorae 
2 Gran Campher auflöse, oder in 240 Th. desselben 1 Th. 
Campher aufgelöst sei. ( Wittst. Vierteljahrsschr. Bd. 15. 2.) 

B. 

Erhaltung des Aromas der gerösteten Kafleebohncn. 

Die gerösteten Kafi'eebohnen verlieren mit jedem 
Tage der Aufbewahrung von ihrem aromatischen Gerüche 
in Folge der Einwirkung der Luft. J. v. L i e b i g macht nun 
neuerdings darauf aufmerksam, dass man diese nachthei- 
lige Veränderung dadurch verhüten könne, wenn man 
nach beendeter Röstung, ehe noch die Bohnen aus dem 
noch sehr heissen Röstgefässe geschüttet werden, diesel- 
ben mit gestossenem Zucker bestreue. Auf 1 Pfd. Kaffee- 
bohnen genüge 1 Loth Zucker. Der Zucker schniilzt 
sogleich und durch starkes Umschütteln verbreitet er sich 
auf alle Bohnen und überzieht sie mit einer dünnen, aber 
für die Luft undurchdringlichen Schicht von Caramel; 
sie sehen dann glänzend aus, wie mit einem Firniss über- 
zogen und verlieren hierdurch beinahe ganz ihren Geruch, 
der natürlich beim Mahlen wieder aufs stärkste zum Vor- 
schein kommt. {Deutsche Ind.-Zig. 1866.) B. 



Erasin, ein Ersatzmittel für Benzin. 121 

Das iätherischc Oel von Erigeron canadensis 

empfiehlt Moormann als vortreffliches Mittel gegen 
Hämoi-rhagie, Diarrhöe und Dysenterie. Man giebt es 
in Dosen von 5 — 10 Tropfen alle drei Stunden, doch kann 
man auch grössere Dosen ohne Nachtheil anwenden. Bei 
Ruhr ist es gerathen, vorher eine Dosis Ricinusöl nehmen 
zu lassen. [Pharmaceut. Journ. and Transact. 11. Ser. 
Vol. Vll. No. VIIL Febr. 1866. p. 425.) Wp. 



Flüchtige Schärfe von Coronilla varia. 

Czumpelik giebt als wesentlichen Bestandtheil der- 
selben einen nach Senföl riechenden, die Augen und Nase 
reizenden Körper an, über dessen Natur und Eigenschaf- 
ten er später berichten wird. {Ckem. Centrhl. 1866. 2.) B. 

Erasiu, ein Ersatzmittel für Benzin. 

In Californien hat man jetzt Bäume von einer neuen 
Species der Kiefer entdeckt, die anstatt des gewöhnlichen 
Terpenthinöls durch Destillation eine ätherisch-ölige Flüs- 
sigkeit geben, welche den Wohlgeiuch der Citronen 
besitzt und frei von aller theerigen Substnnz ist. Das spe- 
cifische Gewicht der Flüssigkeit sei 0,6; sie löse alle 
animalischen und vegetabilischen Oele und hinterlasse 
beim Verdunsten auf Aveissem Papier keine Flecken, noch 
wirke sie auf die in der Färberei benutzten Farben und 
sei daher ein ausgezeichnetes Ersatzmittel für Benzin, 
auch sei sie billiger als Benzin. Sie verdampfe schnell 
und brenne gut und sei ausgiebiger als alles Kohlen- 
theeröl. (Polyt. Centrhl.) B. 

Äethyi - Phenyl. 

Der schon früher von R. Fittig dargestellte und 
beschriebene Kohlenwasserstoff Aethyl-Phenyl C^^Hio = 
C*H5, C'^H^ hat dieselbe Zusammensetzung wie das Xylol, 
ist aber nicht mit demselben identisch. 

Das Aethyl-Phenyl liefert bei der Oxydation mit 
chromsaurem Kali und Schwefelsäure Benzoesäure, wäh- 
rend Xylol unter gleichen Umständen Terephtalsäure giebt. 
Ferner verbindet sich das Aethyl-Phenyl mit Brom zu 
einem Körper, dem Monobromäthylphenyl, welcher ein 
schweres, farbloses, wasserklares Liquidum darstellt. End- 
lich erhält man beim Behandeln des Aethyl-Phenyls mit 
rauchender Salpetersäure nur flüssige Verbindungen, wäh- 



122 Ilydrazocmilin. 

rend aus Xylol unter gleichen Verhältnissen die gut kry- 
stallisirenden Körper, das Dinitroxylol und Trinitroxylol, 
entstehen. Das Dinitroäthylphenyl bildet ein hellgelbes, 
völlig durchsichtiges, nicht unzersetzt flüchtiges Oel ; die 
Trinitroverbindung des Aethyl-Phenyls besteht aus einem 
dem vorigen ähnlichen, aber noch dickflüssigeren Üele. 
{Annal. d. Chem. u. Pharm. CXXXIII. 222-230.) G. 



IJnterscht'iduug der Carbolsäiire (Pheiiylsäure) von 
Steiukohlentlieeröl. 

Betrügerischer Weise wird statt der Carbolsäure, die 
jetzt in England als Desinfectionsmittel viel Anwendung 
findet, nicht selten Steinkohlentheeröl verkauft. Nach 
W. Crookes dient als ünterscheidungsmittel der käuf- 
lichen Carbolsäure vom Steinkohlentheeröle ihre Eigen- 
schaft, sich in 25 bis 70 Th. Wasser oder ihrem zwei- 
fachen Volumen Natronlauge zu lösen, während Stein- 
kohlentheeröl darin unlöslich ist. Man braucht also nur 
einen Theelöffel voll Carbolsäure in eine Flasche zu brin- 
gen, 1/2 Liter warmes Wasser zuzugiessen und die Flasche 
1/2 Stunde lang von Zeit zu Zeit zu schütteln, worauf 
der übrige Rückstand die Verunreinigung anzeigen wird; 
oder man schüttelt 5 Th. Carbolsäure mit einer Lösung 
von 1 Th. Aetznatron in 10 Th. warmen Wassers und 
sieht wieder zu, ob und wie viel Rückstand bleibt. {Fohjt. 
Notizhl. 1866. 11.) B. 

llydi'nzoauilin 

stellte A. Haar haus aus dem Nitranilin durch 
Reduction mittelst Natriumamalgam dar. Eine alkoholische 
Lösung von Nitranilin wurde nach und nach mit Natrium- 
amalgam versetzt, die entstandene gelbbraune P^ällung 
abültrirt und zu dem Fitrate Wasser hinzugefügt. Der 
gebildete Niederschlag gab beim Umkrystallisiren aus 
Alkohol lange, goldgelbe, gut krystallisirte Nadeln, welche 
Hydrazoanilin, C24H'4N4, sind. 

Das Hydrazoanilin ist eine ziemlich starke Base, 
schmilzt etwas über 140^ und sublimirt zum grössten 
Theil unzersetzt bei höherer Temperatur; es ist schwer 
löslich in Wasser, dagegen leicht löslich in Alkohol und 
Aether und giebt mit Säuren krystallisirbare Salze. {Anncd. 
d. Chem. u. Pharm. CXXXV. 162 — 167.) G. 



Physiolog. u. therapeut. Wirkungen der Pikrinsäure. 123 

Die physiologischen und therapeutischen Wir- 
kungen der Pikrinsäure. 

Von Prof. Dr. Friedrich veranlasst, hat Dr. W. Erb, 
Assistent an der medicinischen Klinik zu Heidelberg, 
eine Reihe von Versuchen über die physiologischen und 
therapeutischen Wirkungen der Pikrinsäure angestellt und 
deren Beschreibung zum Gegenstande seiner Inaugurai- 
Dissertation gemacht. 

Die Pikrinsäure, von Hausmann im Jahre 1788 
entdeckt, wurde schon öfter zu Heilzwecken anzuwenden 
versucht. Sie wurde zuerst von Bell in Manchester 
gegen Wechselfieber angewendet und für ein gutes Surrogat 
der Chinapräparate gehalten. Später wurde sie und ihre 
Salze von Molfat bei Cephalalgie, Wechselfieber und 
chronischen Diarrhöen, von Braconnot und Calvert, 
eben so von Seitz in München gegen Wechselfieber an- 
gewendet. 

Die Schlusssätze, zu deren Aufstellung sich Erb 
am Ende seiner Arbeit berechtigt glaubt, sind folgende: 

1) Die Pikrinsäure, in Verbindung mit Kali oder 
Natron dargereicht, wird in das Blut aufgenommen, imbibirt 
fast alle Gewebe des thierischen Organismus und wird 
grösstentheils durch den Harn wieder ausgeschieden. 

2) Die Aufnahme grösserer Dosen eines pikrinsauren 
Alkalis in das Blut bedingt Zerstörung eines grossen 
Theiles der rothen Blutkörperchen und consecutive Ver- 
mehrung der farblosen. (Künstliche Leukocythose.) 

3) Die Aufnahme pikrinsaurer Alkalien in den 
Organismus erzeugt einen künstlichen vorübergehenden 
Icterus. 

4) Kleine Dosen der pikrinsauren Alkalien werden 
selbst auf längere Zeit ganz gut vertragen ; grössere Dosen 
verursachen nach längerem Gebrauche den Tod unter den 
Erscheinungen der Erschöpfung. 

5) Die pikrinsauren Alkalien werden von kräftigen, 
nicht fiebernden Erwachsenen in der Dosis von 9 — 15 
Gran täglich sehr gut vertragen. 

6) Dagegen sind dieselben bei Kindern so wie bei 
schwächlichen und fiebernden Personen nur mit grösster 
Vorsicht anzuwenden. 

7) Die pikrinsauren Alkalien sind gegen die Trichinen- 
Krankheit vollständig wirkungslos. 

8) Dagegen ist das pikrinsaure Kali in seiner Wir- 



124 Amidodipkenylimid, eine neue organische Base. 

kung gegen Tänien den übrigen Bandwurnimittel gleich- 
zustellen. 

9) Das pikrinsaure Kali ist gegen Oxyuris vermi- 
cularis von entschieden günstiger, gegen Ascaris lumhri- 
coides von ganz vortrefflicher Wirkung, dagegen gegen 
Cysticerken vollkommen wirkungslos. 

10) Das Wechselfieber kann durch pikrinsaures Kali 
nicht geheilt werden. {Buchn. n. Repert. Bd. 14. 11. u. 12.) 

B. 

I'eber das .4mi(Io(!i[)henylimid; ciuc neue orga- 
nische Base. 

In der Fabrik der HH. Simpson, Maule und 
Nicholson in London wird das Anilingelb durch Ein- 
M'irkung von salpetriger Säure auf Anilin dargestellt; die 
Genannten halten solches für identisch mit dem Diazo- 
amidobenzol C24H11N3. 

C. A. Martius und P. Griess vereinigten sich zur 
gemeinschaftlichen Ausführung einer gewissen Versuchs- 
reihe über diesen Gegenstand und beschlossen, um der 
gerade nicht sehr angenehmen Darstellung desselben zu 
entgehen, sich des käuflichen Materials zu bedienen. Sie 
erhielten dieses als ein braungelbes, lockeres, krystalli- 
nisches Pulver. Um sich zu überzeugen, ob dasselbe in der 
That mit dem Diazoamidobenzol identisch sei, untersuchten 
sie sein Verhalten gegen kochende Chlorwasserstoffsäure, 
durch welche das Diazoamidobenzol bekanntlich eine sehr 
charakteristische Zersetzung im Sinne nachstehender Glei- 
chung erleidet. 

C24H11N3 4- H202 ^ C12H602 _|- C"2H7N + 2N 
Diazoamidobenzol Phenol Anilin 

Dabei war indess auch nicht die allergeringste Gas- 
entvvickelung zu beobachten und ebenso wenig konnten 
in der tiefroth gefärbten, chlorwasserstoffsauren Auflösung^ 
Phenol oder Anilin aufgefunden werden. Als die salz- 
saure Lösung dagegen mit Ammoniak übersättigt wurde, 
nachdem sie durch Filtration von einer Spur eines unlös- 
lichen Harzes befreit worden war, entstand eine reich- 
liche Menge eines gelben krystallinischen Niederschlages, 
während sich in der Mutterlauge beträchtliche Mengen 
Oxalsäure nachweisen Hessen. 

Durch diesen Versuch M'urde nicht allein die voll- 
ständige Abwesenheit von Diazoamidobenzol im Anilin- 
gelb dargethan, sondern auch der Beweis geliefert, dass 



Amidodipkenylimid, eine neue organische Base. 125 

dasselbe, abgesehen von der Spur harziger Substanz, nur 
aus dem Oxalsäuren Salze einer organischen Base bestand. 
Ueber die Natur dieser Base musste man vorläulig im Un- 
klaren bleiben, da es nicht gelang_, sie durch qualitative 
Iteactionen mit irgend einem bekannten Körper zu identi- 
ficiren. Da dieselbe mehre bemerkenswerthe Eigenschaf- 
ten erkennen liess, so wurde sie einer eingehenden Unter- 
suchung unterworfen. 

Was zun.ächst die Reindarstellung der neuen Verbin- 
dung anlangt, so gelingt diese schon, wenn man die auf 
die vorhererwähnte Weise aus dem käuflichen Materiale 
abgeschiedene Verbindung öfters aus wannen Alkohol 
umkrystallisirt. Zweckmässiger ist jedoch, sie vorher der 
Destillation zu unterwerfen, wobei sie unzersetzt als gelb- 
rothes Gel übergeht, das schon im Retortenhalse zu einer 
strahlig-krystaliinischen Masse erstarrt. Ein einmaliges 
Umkrystallisiren des Destillationsproductes aus Alkohol 
liefert sie dann in der Regel von einer zur Analyse hin- 
reichenden Reinheit. 

Nach der Analyse kommt der neuen Base, welche 
C. A. Martius und P. Griess aus später zu erörtern- 
den Gründen Amidodiphenylimid nennen, die Formel 
C^^H^^N^ zu, sie ist also isomer mit dem Diazoamido- 
benzol. 

Dass sie mit dem letzteren aber ausserdem nichts 
gemein hat, erhellt schon aus der Art ihrer Reindarstel- 
lung und ergiebt sich vollends aus den nachstehenden 
Eigenschaften. 

In Wasser ist das Amidodiphenylimid selbst in der 
Siedehitze nur sehr wenig auflöslich, reichlicher dagegen 
in Aether und heissem Alkohol. Aus der heiss gesättig- 
ten alkoholischen Lösung krystallisirt beim Erkalten der 
grösste Theil wieder aus, in gelben rhombischen Na- 
deln oder Prismen von beiläufig 49^ 20', deren scharfe 
Seitenkanten durch breitere Flächen gerade abgestumpft 
werden. Da die Enden der sonst ziemlich grossen Kry- 
stalle alle abgerundet waren, konnte V. von Lang, dem 
C. A. Martius und P. Griess dieselben zur Messung 
übergeben hatten, nichts weiter über die krystallographi- 
schen Constanten mittheilen. 

Das Amidodiphenylimid schmilzt bei 130 o^ erstarrt 
wieder bei 120^ und siedet ohne Zersetzung zu erleiden 
bei einer Temperatur, die höher ist als der Siedepunct 
des Quecksilbers. Mit Säuren verbindet es sich zu wohl 
charakterisiften Salzen, die zum grössten Theil gut kry- 



126 Amidodiphenylinnd, eine neue organische Base. 

stallisiren. Das Diazoamidobenzol dagegen wird fast immer 
in messinggelben Blättchen erhalten, die bei 91^ schmel- 
zen und in höherer Temperatur explodiren. Erwärmt 
man dasselbe mit Säuren, so zersetzt es sich unter Ent- 
wickelang von Stickgas. 

Dass das Amidodiphenylimid in ähnliclier Weise wie 
das Diazoamidobenzol durch Einwirkung von salpetriger 
Säure auf alkoholische Lösungen von Anilin entsteht, hat 
sich im Laufe der Untersuchungen bestätigt. C A. Mar- 
ti us und P. Griess haben sich ferner überzeugt, dass 
es in der That nur von der Temperatur abhängt, ob der 
eine oder der andere von diesen beiden Körpern bei dieser 
Reaction zu erwarten steht. Lässt man die salpetrige 
Säure in der Kälte auf die Anilinlösung einwirken, so 
wird nur Diazoamidobenzol erhalten; zur Bildung des 
Amidodiphenylimids dagegen ist eine höhere Tem- 
peratur erforderlich. Man verfährt zur Darstellung des 
Amidodiphenylimids am zweckmässigsten in folgender 
Weise. Anilin wird in der dreifachen Menge Alkohol 
gelöst und in die etwas erwärmte Lösung, ohne dabei 
abzukühlen ein starker Strom salpetriger Säure geleitet^ 
so lange, bis die Flüssigkeit eine tiefrothe Farbe ange- 
nommen hat. Man versetzt dieselbe darauf mit einem 
grossen Ueberschusse massig concentrirter Salzsäure, wobei 
die Mischung sofort zu einem braunrothen dicken Brei 
erstarrt. Dieser wird auf ein Filter geworfen und zur 
Entfernung der Mutterlauge, welche stets eine beträchtliche 
Menge Phenylsäure enthält, nochmals mit sehr verdünn- 
tem Alkohol gewaschen. Der Filterrückstand wird dann 
wiederholt mit kochendem Wasser ausgezogen, aus den 
vereinigten Lösungen die Basis mit Ammoniak abgeschie- 
den und in oben angegebener Weise gereinigt. 

Während C. A. Martins und P. Griess mit den 
eben beschriebenen Versuchen beschäftigt waren, wurde 
ihre Aufmerksamkeit noch auf einen anderen gelben Farb- 
stoff gelenkt, der durch Einwirkung von zinnsaurem Natron 
auf salzsaures Anilin entsteht und dessen Bildung zuerst 
in der Fabrik von G. J. Müller & Comp, in Basel, 
später auch von H. Schiff beobachtet wurde. Die Ver- 
muthung, dass derselbe mit dem Amidodiphenylimid iden- 
tisch sei, haben C. A. Martius und P. Griess bestätigt 
gefunden. 

Will man sich dieser letzteren Darstellungsweise 
bedienen, so kann man auf folgende Weise verfahren. 
Eine Mischung von 3 Th. zinnsaurem Natron und 1 Th. 



AmidodipJienylimidj eine neue organische Base. 127 

Anilinnitrat wird mit 10 Th. Wasser versetzt und auf 
lOOO erwärmt. Wird nun Natronlauge nach und nach 
in kleinen Portionen zugefügt, so tritt eine heftige Reaction 
ein. Sobald Säuren einer Probe eine tiefrothe Färbung 
ertheilen, unterbricht man die Operation und lässt erkal- 
ten. Versetzt man darauf mit Salzsäure bis zur Lösung 
des ausgeschiedenen Zinnoxyds, wobei ein starker Ge- 
ruch nach Phenol zu beobachten ist, so wird eine be- 
trächtliche Menge eines rothbraunen Harzes abgeschieden. 
Dieses wird zur Entfernung beigemengten Phenols mit 
verdünnter Natronlauge digerirt und dann mit salzsäure- 
haltigem Wasser ausgekocht. Die wässerig sauren Aus- 
züge, mit Ammoniak zersetzt, liefern Amidodiphenylimid 
mit allen seinen vorher erwähnten Eigenschaften. 

Zieht man nur die Darstellungsweise des Amido- 
diphenylimids mittelst salpetriger Säure in Betracht, so 
Aväre es am einfachsten, wenn man annähme, dass es 
nach derselben Gleichung entstände, wie das ihm isomere 
Diazoamidobenzol : 

2C12H7N -f H0,N03 = C24H'iN3 -f 4 HO. 

Aber hiermit steht die letzterwähnte Bildungsweise 
desselben mittelst zinnsauren Natrons und salpetersauren 
Anilins nicht im Einklang, da hierbei keine so einfache 
Stickstoff-Substitution erscheint. Erinnert man sich übri- 
gens, dass bei beiden Darstellungsweisen das Auftreten 
von Phenol beobachtet wurde, so kommt man jedenfalls 
der Wahrheit näher, wenn man die in beiden Fällen 
stattfindenden Keactionen in gleicher Weise als einen 
Oxydationsprocess auffasst, nachstehender Gleichung ent- 
sprechend : 

3Ci2H7N + 60= C24HHN3 _|- C12H6O2 _|- 2 HO 
Anilin Amidodiphenyl- Phenol. 

imid 
Das Amidodiphenylimid ist eine einsäurlge Base und 
zwar sind seine basischen Eigenschaften nur schwach 
ausgeprägt, da alle seine Salze schon in Berührung mit 
viel Wasser in ihre Bestandtheile zerfallen. Die schwach 
sauren Auflösungen dieser Salze besitzen eine schön coche- 
nillerothe Farbe. 

Von den Salzen sind hauptsächlich das 
salzsaure Salz C24H>iN3, HCl, 
Nitrat C24Hi'N3, HO, NO^, 
Sulfat 2(C24HnN3), 2H0, S206 und 
Oxalat 2 (C24HHN3) 2 HO, C^O^ 
bemerkenswerth. 



128 Amidodi'phenylimid , eine neue organische Base. 

In Wasser lösen sich die Salze mit Ausnahme des 
Nitrats schwer, Sulfat und Oxalat sind selbst in kochen- 
dem Alkohol schwierig löslich. 

Auf Zusatz von Platinchlorid zu einer alkoholischen 
Lösung des salzsauren Salzes scheidet sich das Platin- 
doppelsalz: 2(C24HnN3, HCl), Pt2C14 
in feinen braunrothen Nadeln ab. 

Setzt man zur alkoholischen Lösung des Amidodi- 
phenylimids eine Lösung von Silbernitrat, so fallen gold- 
gelbe, stark glänzende Blättchen, denen die Formel 
2 (C24HHN3), AgO, N05 zukommt und die in kochendem 
Alkohol schwer, in Wasser oder Aether fast gar nicht 
löslich sind. 

Bleibt die alkoholische Lösung der Base längere Zeit 
in der Kälte mit Jodäthyl in Berührung, so entsteht eine 
schön krystallisirende jodwasserstotfsaure Verbindung der 
einfach äthylirten Base C24H10 (C^RS) N3, HJ. Wirken 
dagegen diese Körper bei 100^ auf einander ein, so wird 
Aethylanilin und ein harziges Product gebildet. 

Ueber die Anwendbarkeit des Amidodiphenylimids 
als Farbstoff lässt sich nicht viel Günstiges mittheilen. 
Fast alle schwach sauren Auflösungen desselben f<ärben 
Wolle und Seide intensiv citronengelb. Aus einer Lö- 
sung der Pikrinsäureverbindung kann Wolle in einer 
Farbe gefärbt werden, die dem Cochenilleroth, was Schön- 
heit und Tiefe des Tons anlangt, wenig nachsteht. Des- 
senungeachtet haben diese Farben eine sehr untergeord- 
nete praktische Bedeutung, w^eil sie flüchtig sind und in 
Folge dessen von den damit gefärbten Stoffen, namentlich 
in höherer Temperatur, nach und nach wegsublimiren. 

Was die Stellung anlangt, welche das Amidodiphe- 
nylimid im chemischen Systeme einnimmt, so ist es nach 
Berücksichtigung seiner im Vorhergehenden erwähnten 
Eigenschaften von selbst verständlich, dass es nicht mit 
dem ihm isomeren Diazoamidobenzol in ein und dieselbe 
Gruppe gehört. Es zeigt sich dagegen in mannigfacher 
Beziehung grosse Uebereinstimmuug mit jener Classe von 
Verbindungen, deren erstbekanntes Glied das von Mit- 
s ch er 1 i ch . entdeckte Azobenzol ist. In der That sind 
CA. Martius und P. Griess sogar geneigt, ihre Base 
geradezu als Amidoazobenzol C24HHN3 = C24H9 (H2N)N2 
anzusprechen. Im Fall sich diese Ansicht richtig erweist, 
müsste ihre Darstellung auch aus dem Nitraazobenzol, 
dessen Existenz von Laurent und Gerhardt wahr- 



Amidodi'phenylimid, eine neue organische Base. 129 

scheinlich gemacht wurde, nach folgender Gleichung ge- 
lingen : 
C24H9 (N04) N2 -f 6 HS = C24H9(H2N)N2 -f. 6 S -f- 4 HO. 

Nitroazobenzol 
Diese Bildungsweise wäre dann ganz in Uebereinstim- 
mung mit der des Diamidoazobenzols (Diphenins) aus 
Dinitroazobenzol : 

C24H9(N04)2N2-fi2HS = C24H8(H2N)2N2-f 12S + 8HO. 
Dinitroazobenzol Diphenin 

CA. Marti US und P. Griess hoffen, dass sie spä- 
ter in der Lage sein werden, diese Vermuthungen durch 
das Experiment bestätigen zu können. Dass übrigens die 
angedeutete Beziehung des Amidodiphenylimids zum Di- 
phenin nicht nur eine rein zufällige ist, möchte schon durch 
die grosse Aehnlichkeit der beiden Verbindungen, so wie 
namentlich auch durch die im Nachstehenden erwähnten 
Zersetzungserscheinungen genügend dargethan werden. 

Wird Amidodiphenylimid mit Zinn und Salzsäure 
erwärmt, so wird es rasch unter Entfärbung gelöst und 
in der Auflösung linden sich neben Chlorzinn zwei orga- 
nische Basen, Anilin und das kürzlich von A. W. Hof- 
mann beschriebene Paraphenylendiamin. Um diese 
beiden Körper von einander zu trennen, wird das Zinn 
durch Schwefelwasserstoff entfernt, die filtrirte Lösung 
zur Trockne verdampft, der Rückstand in wenig Wasser 
gelöst und durch Zusatz von concentrirter Salzsäure das 
chlorwasserstoffsaure Paraphenylena nilin aus- 
gefällt, welches bekanntlich in concentrirter Salzsäure 
schwer löslich ist. Durch Wiederholung dieser Opera- 
tion wurde das Paraphenylendiamin von jeder Spur Ani- 
lin befreit. Es wurde sowohl durch eine gut stimmende 
Analyse, als durch die Vergleichung seiner Eigenschaf- 
ten mit der Hofmann'schen Verbindung identiticirt. 

Man kann diese Umsetzung durch nachstehende Glei- 
chung versinnlichen: 

C24HnN3 _|_ 4H = C12H7N -f C'2H8N2 

Araidodiphenyiimid Anilin Paraphenylendiamin. 

Eine weitere Analogie beider Basen ergiebt sich aus 
dem gleichen Verhalten derselben beim Erhitzen mit 
einer Oxydationsmischung aus Braunstein und Schwefel- 
säure, beide liefern dabei reichliche Mengen von Chinon. 

Ueber einige weitere Zersetzungsproducte des Amido- 
diphenylimids soll bei anderer Gelegenheit berichtet wer- 
den. Besonders wird eines blauen Farbstoffs zu geden- 
ken sein, der sich beim Erhitzen des Amidodiphenyl- 

Arch.d.Pharm. CLXXXI.Bds. l.u.2.Hft. 9 



130 Benzoyl. — Isomere ChlorJjenzoesäuren. 

imids mit chlorwasserstoffsaurem oder salpetersaurera Ani- 
lin bildet. Auch das Diazoamidobenzol und Diphenin 
liefern unter diesen Bedingungen einen blauen Farbstoff, 
es bleibt jedoch zu beweisen, ob diese identisch sind. 

Schliesslich erwähnen C. A. Martius und P. Griess 
noch, dass sich aus dem Toluidin, sowohl durch Ein- 
wirkung der salpetrigen Säure, wie des zinnsauren Na- 
trons, eine dem Amidodiphenylimid homologe Verbindung 
darstellen lässt, welche ebenfalls in gelben Nadeln kry- 
stallisirt und mit letzterem auch in allen andern Eigen- 
schaften die grösste Uebereinstimmung zeigt. {Ber. der 
Berl. Akad. — Chem. Centralhl. 1866. No. 21.) B. 



ßenzoyl. 

Das Benzoyl = C'^H^O^, das Radical der Benzoe- 
säure, wurde von G. Briegel isolirt, indem er Benzoyl- 
chlorid in ätherischer Lösung mit Natriumamalgam be- 
handelte. Die Zersetzung ging nach der Gleichung vor 
sich: C14H502C1 + Na = Ci^H^Qs -|- NaCl. 

Es sind kleine, farblose Prismen von starkem Glas- 
glanze, bei 146*^ schmelzend, unverändert sublimirbar, in 
Alkohol und Aether schwer löslich. Beim Kochen mit 
alkoholischer Kalilösung tritt eine vorübergehende röth- 
liche Färbung ein ; auf Zusatz von Wasser fällt ein Oel 
nieder (Benzalkohol), während die davon abfiltrirte Flüs- 
sigkeit mit Säuren Krystallnadeln von Benzoesäure lie- 
fert. ^Ann. der Chem. u. Pharm. CXXXV. 171 — 175.) <J. 



Die isomeren Chlorbenzoösäuren. 

F. Beilstein und F. Schlun haben dargethan, dass 
alle von verschiedenen Forschern beschriebenen isomeren 
Säuren der Formel C'* 115 0104 sich auf drei scharf von 
einander getrennte Verbindungen zurückführen lassen : 
Chlorbenzoesäure, Chlorsalylsäure und Chlor- 
dracylsäure. 

1) Chlorsalylsäure (aus Salicylsäure). Schmelz- 
punct übereinstimmend mit Kekule's Angaben = 1370» 
(nach Limpricht und v. Uslar bei etwa 130^, nach 
Kolbe und Lautemann bei 140^). Die Säure schmilzt 
beim Erhitzen mit Wasser. Ihr Kalksalz enthält 1 Mol. 
Wasser und ist löslicher als die Kalksalze der übrigen 
isomeren Säuren. 



Äzodracylsäure und Hydrazodracylsäure. 131 

2) Chlorbenzoesäure (aus Benzoeschwefelsäure) 
erhält man rein, indem man sie durch Papier hindurch 
sublimirt. Blendend weisse Krjstallnadeln, Schmelzpunct 
1530 (nach Limpricht und v. Uslar 1400, nach Kolbe 
und Lautemann 1520). Die Gegenwart einer kleinen Bei- 
mengung kann den Schmelzpunct beträchtlich erniedrigen. 
Die Säure schmilzt nicht unter Wasser, ihr Kalksalz 
enthält 1^/2 Mol. Wasser. Nur die ganz reine Säure 
liefert ein gut krystallisirendes Kalksalz; ein Theil davon 
löst sich bei 120 in 82,7 Th. Wasser. 

3) Chlordracylsäure (aus Azo-Amidodracylsäure). 
Schmelzpunct bei 236 — 2370, sublimirt nicht in Nadeln, 
sondern in Schuppen. Kalksalz mit 1^/2 Mol. Wasser. 

Die weiteren Untersuchungen der Verf. haben nun 
ergeben, dass alle übrigen auf verschiedene Art erhaltenen 
Chlorbenzoesäuren einem dieser drei Typen angehören. 
Das Resultat ist: Wird aus Benzoesäure oder einem 
Derivate der Bezoesäure (Nitrobenzoesäure, Benzoeschwefel- 
säure), oder auch nur aus einem Körper, der Benzoesäure 
zu liefern im Stande ist (Hippursäure, Zimmtsäure) Chlor- 
benzoesäure dargestellt, so erhält man stets ein und die- 
selbe Verbindung. Isomere Säuren, Chlorsalyl- und 
Chlordracylsäure, entstehen nur, wenn von anderen 
parallelen Reihen (Salicylsäure, Nitrodracylsäure) ausge- 
gangen wird. {Annal. d. Chem. u. Pharm. CXXXIII., 239 
his 253.) G. 

Azoilrae^lsäure uud Hjdrazodracylsäiire. 

Diese beiden Säuren wurden von O. Bilfinger aus 
der Para- Nitrobenzoesäure Fischer's (oder Nitrodracyl- 
säure von Beilstein und Hildebrand) dargestellt und 
entsprechen den von Strecker beschriebenen Azover- 
binduugen der Nitrobenzoesäure, der Azobenzoesäure und 
der Hydrazobenzoesäure. 

Nitrodracylsaures Natron wurde in wässeriger 
Lösung nach und nach mit Natriumamalgam versetzt, die 
sich dabei abscheidende flockige Masse von der Flüssig- 
keit getrennt, in Wasser gelöst und die kochende Lösung 
mit verdünnter Salzsäure zersetzt. Die so erhaltene 
Äzodracylsäure bildet im trockenen Zustande ein 
feines, fleischfarbenes, unkrystallinisches Pulver; sie ist 
eine schwache stickstoffhaltige Säure, löst sich wenig in 
Wasser, Weingeist und Aether, ist aber in concentrirter 
Schwefelsäure mit schön gelber, in Ammoniak, kaustischen 

9* 



132 Verhalten von Benzoesäureäther etc. gegen Brom. 

und kohlensauren Alkalien mit orangegelber Farbe lös- 
lich. Die Analysen der bei 100^ getrockneten Säure 
führten zu der Formel C^'^H^NO^, die bei 100« getrocknete 
Azobenzoesäure besitzt die Formel 2 (Ci^HSNO^) -f HO. 
Das Natron-, Ammoniak-, Baryt- und Silberoxydsalz sind 
nicht identisch, sowohl in Betreff des Wassergehaltes als 
der Form mit den entsprechenden Salzen der Azobenzoe- 
säure. 

Die Hyd razodracy Isäure erhält inan, wenn man 
eine Lösung von azodracylsaurem Natron in überschüssiger 
Natronlauge kochend nach und nach mit Eisenvitriollösung 
bis zur Entfärbung versetzt, bis sich das anfangs gebil- 
dete Eisenoxydhydrat in schwarzes Eisenoxydoxydul ver- 
wandelt hat, und dann zu dem Filtrat Salzsäure hinzufügt. 
Die Säure scheidet sich als gelblich weisser voluminöser 
Niederschlag aus, bekommt nach dem Trocknen ein hell- 
fleischfarbenes Ansehen, ist in Wasser fast ganz unlöslich, 
löst sich leicht als noch feuchter Niederschlag in kochen- 
dem Weingeist und kann daraus in farblosen Krystall- 
chen erhalten werden. Die Salze sind leicht zersetzbar, 
scheinen ursprünglich farblos zu sein und färben sich an 
der Luft, wahrscheinlich indem sie Sauerstoff aufnehmen 
und dadurch in azodracylsaure Salze übergehen. Die 
Hydrazodracylsäure hat dieselbe Zusammensetzung wie 
die Hydrazobenzoesäure =^ C'^H^NO^, ist aber nur mit 
derselben isomer. 

Aus dieser Untersuchung geht hervor, dass die Nitro- 
dracylsäure im Allgemeinen das Verhalten der Nitrobenzoe- 
säure gegen Natriumamalgam zeigt, dass aber die aus 
beiden Säuren entsprechenden Producte in ähnlicher Weise 
bestimmte Unterschiede von einander zeigen, wie ihre 
Mutterstoffe. {Aniialen der Chem. u. Pharm. CXXXV, 152 
his 161.) G. 

Verhaheu von Benzoesiiiircätlicr iiiid Nitrobenzoösäure- 
äther gegen Brom, 

Die von Grafts angegebene Entstehungsweise der 
Monobromessigsäure durch Einwirkung von Brom auf 
Essigsäureäther veranlasste A. Naumann, auch das Ver- 
halten des Benzoesäureäthers und Nitrobenzoesäureäthers 
unter gleichen Verhältnissen zu studiren. Die Versuche 
haben ergeben, dass sich dabei nicht Brombenzoesäure, 
sondern Benzoesäure und ausserdem Aethylenbromür bilde 



lieber einige Derivate des Benzo'ins. 133 

nach der Gleichung: C4H50,Ci4H50'i + Br2 = C14H604 
+ C4H4Br2. 

Dei' Nitrobenzoesäureäther verhält sich ganz ähnlich, 
indem sich Nitrobenzoesäure und Bromäthylen bildet. Der 
Schmelzpunct der hierbei entstandenen Nitrobenzoesäure 
wurden zwischen 140 und 142^ gefunden, während Mulder 
denselben zu 127^ angiebt, wahrscheinlich aber ein mit 
Benzoesäure verunreinigtes Product untersucht hat. {Annal. 
d. Chem. u. Pharm. CXXXIII. 199 — 207.) G. 



l'eber eiuige Derivate des Benzoins. 

Ueber die durch Einwirkung von weingeistigem Am- 
moniak auf Benzoin entstehenden Producte berichtet J. 
Erdmann Folgendes: 

Wenn man Benzoin mit dem doppelten Volumen 
weingeistigen Ammoniaks in zugeschmolzenen Röhren 
etwa 4 bis 6 Stunden lang im Wasserbade erwärmt, so 
scheiden sich nach Verlauf von einigen Stunden in der 
goldgelb gefärbten Flüssigkeit seideglänzende Nadeln aus. 
Diese bestehen aus einer in siedendem Alkohol löslichen 
Verbindung (wahrscheinlich Lop hin) und einer darin 
unlöslichen. Letztere ist das bereits von Laurent be- 
schriebene Benzoin am, C'^^H24N02. Das Benzoinam 
wird beim Erhitzen über 120^^ C. zersetzt, indem Bitter- 
mandelöl austritt und Amarin zurückbleibt, welches fast 
gleichzeitig mit der Entbindung des Benzaldehyds ein 
wohlriechendes Oel entwickelt und nach und nach in 
Lophin übergeht. Die Spaltung des Benzoinams in Bitter- 
mandelöl und Amarin geschieht nach folgender Gleichung : 
C56H24N202 = C42HI8N2-f C14H602 
Benzoinam Amaiin Bitternnandelöl, 

und es lässt sich demnach das Benzoinam besser als 
Benzaldehydamarin bezeichnen mit der Formel 
C42H13, CirH502, HN2. 

Die Mutterlauge vom Benzaldehydamarin scheidet, 
der spontanen Verdunstung überlassen, eine gelbe Kry- 
stallmasse aus, die nach dem Auskochen mit siedendem 
Alkohol ein citronengelbes Pulver darstellt. Der Körper 
ist unlöslich in Alkohol, Aether und Wasser, löst sich in 
concentrirter Schwefelsäure mit blutrother Farbe, zeigt 
die Zusammensetzung C28H'*N und ist demnach als 
Benzoinimid zu betrachten = (C'4H5)2HN. 



134 Benzophenon. 

Die Mutterlauge von Bezoinam liefert drittens ausser 
einem harzartigen, nach Bittermandelöl riechenden Product 
noch gelb gefärbte Krystallnadchi von Lophin, C42H16N2^ 
die mit einer g;eringen Menge einer körmigen, nicht näher 
untersuchten Verbindung verunreinigt sind. 

Die Hauptproducte der Einwirkung des Ammoniaks 
auf Benzoin sind demnach: Benzoylaldehydamarin (Ben- 
zoinam), Lophin und ein Harz; in geringer Menge ent- 
stehen dabei Benzoi'nimid und eine körnige Verbindung. 
{Annal.d.Chem.u.Pliarrn. CXXXV, 181—188.) G. 



Benzophenon. 

Das durch Destillation von wasserfreiem benzoesauren 
Kalk und Aetzkali gewonnene Benzophenon stellt nach 
E. Linnemann eine schneeweisse, aus langen dünnen 
Nadehi bestehende Krystallmasse dar, welche bei 48 — 48,50 
schmilzt, bei 'dlb^ siedet und nach der Formel C26fD0O2 
zusammengesetzt ist. 

Brom benzophenon. Bei der Einwirkung von 
Brom auf Benzophenon in zugeschmolzenen Röhren bei 
1600 bildet sich ein gelber Syrup, der beim Erkalten 
erstarrt und nach mehrmaligem Umkrystallisiren aus 
kochendem Weingeist die Zusammensetzung C^^x^iößj-öQ* 
zeigt. Die Substanz leitet sich demnach von 2 Mol. 
Benzophenon ab. 

Bcnzhydrol. Dieser Körper von der Formel 
C-6H'202 entsteht unter Wasserstoffaufnahme aus dem 
Benzophenon beim Behandeln desselben mit Natrium- 
amalgam. Er krystallisirt aus Weingeist, Aether, Chloro- 
form und Schwefelkohlenstoff als eine seideglänzende, aus 
feinen Nadeln bestehende Masse. In Wasser ist er wenig 
löslich, leichter in alkalischen Flüssigkeiten, aus denen 
er auf Zusatz von Wasser oder einer Säure wieder kry- 
stallinisch ausgeschieden wird. In seinem chemischen 
Verhalten zeigt das Bcnzhydrol viele Eigenschaften eines 
einatomigen Alkohols, es unterscheidet sich aber von den 
eigentlichen Alkoholen vor Allem darin, dass es unter 
Einfluss von Oxydationsmitteln nicht wie die normalen 
Alkohole ein Aldehyd liefert, welches bei fortgesetzter 
Wirkung jener Agentien in die zugehörige Säure über- 
geht, sodann dass es in diesem Falle einfach wieder in 
Benzophenon zurückgeführt wird. So wird das Benzhydrol 
durch rauchende Salpetersäure in Binitrobenzophenon über- 
geführt, indem es sich zunächst in Benzophenon verwan- 



Benzophenon. 135 

delt, welches dann nitrirt wird. Verdünnte Chromsäure 
bildet gleichfalls aus dem Benzhydrol Benzophenon. 
Mit Brom giebt das Benzhydrol sehr leicht zweifach- 
gebromtes Benzhydrol. Auf der anderen Seite hat das 
Benzhydrol jedoch die Eigenschaft mit den normalen 
Alkoholen gemein, dass es wie diese leicht Aetherarten 
bildet. Der eigentliche Aether, der Benzhydroläther, ent- 
steht schon durch einfache Destillation des Benzhydrol- 
alkohols, indem dieser hierdurch in Wasser und Aether 
zerfällt; die gemischten Aether des Benzhydrols und 
Methyl- oder Aethylalkohols erzeugen sich schon bei 
mittlerer Temperatur, wenn man die Lösung des Benz- 
hydrols in einem dieser Alkohole mit Schwefelsäure ver- 
setzt; die zusammengesetzten Aether des Benzhydrols 
und der Essigsäure, Benzoesäure oder Bernsteinsäure end- 
lich lassen sich durch einfaches Zusammenschmelzen der 
Säuren mit dem Alkohol darstellen. Der Benzhydroläther 
bildet mikroskopische, federartig vereinigte Krystalle, die 
bei llio schmelzen und bei 3150 sieden; der Aethyl- 
Benzhydroläther ist eine geruchlose Flüssigkeit von der 
Consistenz des Glycerins und zeichnet sich dadurch aus, 
dass es im Lichte eine deutliche Färbung annimmt, die 
aber im Dunkeln wieder verschwindet und nach aber- 
maligem Belichten wieder auftritt, namentlich im directen 
Sonnenlichte schon nach einigen Secunden. Bei auffallen- 
dem Lichte ist die Substanz schön grün, bei durchschei- 
nendem schwach gelb; durch Schütteln verschwiiadet die 
Parbe ebenfalls, ebenso bei gelinder Erwärmung, nicht 
aber bei plötzlicher Erkältung um 20 — 30^. Diese Empfind- 
lichkeit gegen das Licht hört nach mehreren Monaten 
auf. Wenn man durch den verdunkelten Aether einen 
Lichtkegel fallen lässt, so tritt eine lebhafte Fluorescenz 
auf und zwar ist das ausgestrahlte Licht lebhaft hellblau. 
Diese merkwürdigen Eigenschaften finden sich auch bei 
dem essigsauren Benzhydroläther wieder. 

Benzpinakon. Wird Benzophenon in Alkohol ge- 
löst und mit Schwefelsäure und Zink zusammengebracht, 
so bildet sich nach einigen Tagen ein Ueberzug über 
dem Zink, der nach dem Umkrystallisiren aus siedendem 
Weingeist als eine blendend weisse, glänzende, aus klei- 
nen Nadeln bestehende ■Masse erscheint. Der Verfasser 
nennt diesen Körper von der Formel C52H22 04 Benz- 
pinakon, weil er zu dem Benzophenon in derselben Bezie- 
hung steht, wie das mit dem Acetal isomere Pinakon zum 
Aceton. 



136 Azobenzid. — Hydrazosalicylige Säure._ 

2C6H602 -f H2 = C>2Hi404 

Aceton Pinakon 

2 C26H»0O2 -f H2 = C52H220* 
Benzophenon 
Das Benzpinakon löst sich leicht in Aether, Schwefel- 
kohlenstoff und Chloroform, geht beim Kochen mit einer 
verdünnten Chromsäurelösung in Benzophenon und beim 
Behandeln seiner weingeistigen Lösung mit Natriumaraal- 
gam in Benzhydrol über. Beim Destilliren so wie beim 
Schmelzen verwandelt es sich in eine Flüssigkeit von 
fast gleicher Zusammensetzung, das Isobenzpinakon, 
eine farblose, dicke, stark lichtbrechende Flüssigkeit, 
welche, wenn sie Monate lang sich selbst überlassen wird, 
wieder eine Veränderung erleidet, indem sie anfängt fest 
zu werden und endlich ganz erstarrt. Alle drei Körper 
aber, das Benzpinakon, das flüssige und das feste Isobenz- 
pinakon, geben beim Behandeln mit Natriumamalgara 
Benzhydrol. {Annal. d. C/iem. u. Pharm. CXXXIII, 1 — 52.) 

G. 

Azobenzid. 

A. Werigo versetzte eine alkoholische, mit Essig- 
säure angesäuerte Lösung von Nitrobenzol alluiälig mit 
Natrium am algam ; es bildete sich hierbei Azobenzid, wel- 
ches durch verlängertes Einwirken des Natriumamalgams 
in Benzidin überging. Ersteres wurde in Gestalt von 
rothen, rhombischen Blättchen erhalten; seine Formel ist 
C24H10N2, sein Schmelzpunct 650. 

Das Azobenzid verbindet sich nicht nur direct mit 
Wasserstoff zu Benzidin, sondern auch direct mit Brom zu 
Dibrombenzidin, C24H'"N2Br2. Diese Verbindung bildet 
aus Alkohol umkrystallisirt kleine, gelbe, goldglänzende 
Nadeln, ist ziemlich schwer in Alkohol löslich, schmilzt 
bei etwa 205^ und sublimirt sich in Gestalt von irisiren- 
den, schwach gelben, ziemlich grossen Nadeln. In Aether 
ist es schwer löslich, in concentrirter Schwefelsäure löst 
es sich mit rother Farbe. Mit starker Salpetersäure be- 
handelt giebt es Mononitrodibrombenzidin, C24H9(NO'*) 
N2Br2, welches in langen strohgelben Nadeln krystallisirt. 
(Annal. d. Chem. II. Pharm. CXXXV, 176 — 180.) G. 



Hydrazosalicylige Säure. 

Wenn man nach dem von Strecker angegebenen 
Verfahren die nitrosalicylige Säure, C»4H5(N04)04, mit 



Xylol. — Zur Kenntniss des Xylols. 137 

Natriumamalgam behandelt, so wird derselben der Sauer- 
stoff aus der Gruppe NO'* entzogen und es entsteht eine 
neue Säure, die hydrazosalicylige Säure, von der Zusam- 
mensetzung C>4H5NO'». 

Diese Säure stellt nach G. Briegel im trockenen 
Zustande ein feines, rothbraunes, nicht krjstallinisches 
Pulver dar, das in Wasser, Weingeist und Aether fast 
unlöslich ist, dagegen in Ammoniak eine dunkelrothbraune 
Lösung bildet. {Annal. d. Chem. «. Pharm. CXXXV, 168 
—170.) G. 

Xylol. 

Die Angaben über das Xylol waren bisher wenig 
übereinstimmend. F. Beilstein hat jetzt das reine 
Xylol durch fractionirte Destillation aus einem von H. 
Trommsdorff bezogenen Steinkohlentheeröl dargestellt 
und gefunden, dass dasselbe constant bei 1390 siedet und 
bei 210 ein spec. Gew. = 0,8668 besitzt. Hiernach stel- 
len sich die Siedepunctsdifferenzen bei den Kohlenwasser- 
stoffen des Steinkohlentheers anders dar, als sie gewöhn- 
lich in den Lehrbüchern angegeben sind. Es ist: 
Benzol.. C>2H6 822 Differenz 

Toluol. . C»4H8 11 10 290 

Xylol. . . C«6H10 1390 280. 

Mit der Schwefelsäure geht das Xylol eine krj-stalli- 
sirbare Verbindung, die Xylols chwe feisäure, ein, 
welche mit Metalloxyden wohl charakterisirte Salze giebt. 
Bei der Oxydation durch doppelt- chromsaures Kali und 
Schwefelsäure liefert das Xylol nicht Toluylsäure, sondern 
Tereph talsäure. Durch rauchende Salpetersäure wird 
es in Mononitro-Xylol und Dinitro-Xylol verwan- 
delt, welche beiden Körper durch Behandeln mit Salpeter- 
Schwefelsäure sehr leicht in Trinitro-Xylol übergehen. 
Dieses Trinitro-Xylol ist identisch mit dem Trinitro- 
petrol von Bussenius und Eisen stuck. {Annal. d. 
Chem. u. Pharm. CXXXIIl, 82—47.) G. 



Zur Kciiutiiiss des Xylols. 

G. Deumelandt wandte zur Darstellung des Nitro- 
xylols, C'6H9(N04), ein constant bei UOO siedendes Xylol 
an, welches sich sehr leicht nitrirt, wobei sich indess Di- 
und Trinitroxylol mit bildet. Man reinigt die gebildeten 
Nitroverbindungen durch Schütteln mit Ammoniak von 



138 Zur Kenntniss des Xylols. 

den beigemengten Säuren und destilHrt nach dem Waschen 
und Trocknen im Kohlensäurestrome hei einer 240^ nicht 
übersteigenden Hitze. Diese Vorsichtsmassregel darf nicht 
imtcrblciben, indem sonst gegen das Ende der Destillation 
eine Explosion eintritt. Das abdestillirte Nitroxylol kann 
durch wiederholtes Fractioniren leicht auf den constanten 
Siedepunct 2400 gebracht werden. 

Behandelt man Nitroxylol mit Zinn und Salzsäure, 
so erstarrt nach dem Erkalten das Ganze unter Bildung 
eines Doppelsalzes, M^elches, durch Umkrystallisiren in 
concentrirte Salzsäure gereinigt, grosse schuppige Krystalle 
bildet, die die Formel CieRUN, HCl -[- 2 SnCl besitzen. 
Aus diesem Salze kann man durch Schwefelwasserstoff 
das salzsaure Xylidin erhalten, welches beim Abdampfen 
seiner Lösung sehr leicht krystallisirt. Formel C^^H^'N, 
H Cl. Es ist in kaltem Wasser nicht so leicht löslich, 
wie gewöhnlich die salzsauren Basen. 

Die freie Base gewinnt man entweder, indem man 
das salzsaure Salz mit trockner Soda destillirt, oder bes- 
ser, indem man Nitroxylol mit Eisenfeile '^und Essigsäure 
reducirt und nach dem Zusätze von überschüssiger Natron- 
lauge das- freie Xylidin C'^H^'N aus einem kupfernen 
Kessel abdestillirt. Es wird zur Reinigung an Salzsäure 
gebunden, und aus dem reinen Salze durch Kali gefällt. 
Es ist eine farblose Flüssigkeit, die sich an der Luft 
bald bräunt, schwerer als Wasser und bei 214 — 216^ 
siedend. Mit Chlorkalk erhält man keine Färbung. 

Die von Deumelandt untersuchten Salze, das sal- 
petersaure, schwefelsaure und Oxalsäure Xylidin krystalli- 
siren leicht. Das salpetersaure Salz bildet weisse seiden- 
glänze Blättchen und ist in heissem Wasser leichter lös- 
lich, als in kaltem. 

Erhitzt man schwefelsaures Xylidin mit Schwefelsäure, 
bis ein Theil der letzteren abraucht und krystallisirt den 
Rückstand aus siedendem Wasser um, so erhält man 
Xylidinschwefelsäure C'^H^N, S^O^. Aus einer verdünn- 
ten Lösung krystallisirt sie in Nadeln. Das Baryumsalz 
= BaO, CI6H10N, S205 bildet Warzen, die in Wasser 
leicht löslich sind. (Ztschr. f. Chem. N. Folge. Bd. 2. — 
Cham. Centrhl. 1866, 27.) B. 



Untersuchungen über das amerikanische Petroleum. 139 

Versclüciiciilieit des Cyiuoh im Römisch -Kiiiumclöle 
von dem ans Camplicr dargestcllteu. 

Mit Gerhardt und Delalande nimmt man gewöhn- 
lich die Identität des Kohlenwasserstoffes aus Röraisch- 
Küramelöl und des aus Campher dui'ch Chlorzink darge- 
stellten an, obgleich deren Siedepuncte etwas differiren. 
Indess verhalten sich beide Körper auch in anderer Hin- 
sicht verschieden. a - Cyniol (aus Römisch -Kümmelöl) 
bildet mit Brom nur eine dicke pflasterähnliclie Verbin- 
dung von nahezu der Zusammensetzung C^o Iii0ßi'4_ Y)\q 
Verbindung von Sieveking = C^^^H'^Br^ konnte R. 
Fittig nicht erhalten. Dagegen liefert j3 - Cymol (aus 
Carapher und Chlorzink) sehr leicht eine schön krjstalli- 
sirende Verbindung mit Brom von der Zusammensetzung 
O20Hi2Br2. Auch die Kitroverbindungen unterscheiden 
sich: a - Dinitrocymol krystalHsirt aus Alkohol in farb- 
losen langen, glänzenden Blättchen oder Nadeln, die bei 
69,50 schmelzen, während ß- Dinitrocymol in kleinen farb- 
losen, dünnen, bei 90^ schmelzenden Tafeln krystallirt. 

Das a- Dinitrocymol scheint ferner nur sehr schwie- 
rig in eine Trinitroverbindung überzugehen, während das 
ß- Dinitrocymol leicht eine bei 112,50 schmelzende Trinitro- 
verbindung erzeugt. 

Das ß-Cymol wird schliesslich auch durch chrora- 
saures Kali und Schwefelsäure nicht wie das a-Cymol in. 
Terephtbalsäure verwandelt. Die dabei entstehende Säure 
zeigt äusserlich zwar eine grosse Aehnlichkeit mit der 
Tereplitalsäure, ist aber namentlich durch ihre grössere 
Löslichkeit, sowohl im freien Zustande, als in ihren Sal- 
zen, streng unterschieden. Die Analyse des Baryt-, Kalk- 
und Silbersalzes führte zu der Formel Ci^H^QS^ die 
Lunge jedoch als noch nicht ganz unzweifelhaft betrach- 
tet. {Ztschr. f. Chemie. N. F. Bd. I. Heft 10. — Chem. 
Centrbl. 1866, 7.) B. _ 

Mcrsuchiingeu über das amorikanisfhe Petroleum; 

von Felo uze und Cahours. 
Die ältesten Schriftsteller sprechen in ihren Schrif- 
ten von brennbaren Flüssigkeiten, die ähnlich dem Wasser 
dem Erdboden entspringen. Bei den Urvölkern wurden 
diese zu dem gröbsten häuslichen Gebrauche verwendet, 
während civilisirtere Völker sich derselben zur Erzeugung 
von Wärme und Licht in verschiedenen industriellen An- 
wendungen bedienten. Nach Herodot war eine solche 
Quelle am Fusse der Gebirge auf Zante, welche die Ein- 



110 Untersuchungen übe)' das amerikanische Petroleum. 

wohner in mannigfacher Weise ausnutzten. Einige dieser 
natürlichen Quellen entzündeten sich von «elbst, brannten 
Jahrhunderte hindurch in Folge der fortwährenden Er- 
neuerung des Brennstoffes und wurden von den Feuer- 
anbetern als die herrlichste Manifestation der Gottheit 
betrachtet. 

Die Mineralöle der verschiedensten Natur wurden 
viel später als Petroleum oder Steinöl bedeutende Handels- 
artikel. Persien, Indien, einige Gegenden am kaspischen 
Meere, gewisse Landstriche in Italien bieten uns bemer- 
kenswerthe Beispiele solcher Quellen. Trotz ihrer Wichtig- 
keit fanden diese Substanzen dennoch nur beschränkte 
Verwendung, bis vor einigen Jahren die Nachricht sich 
verbreitete, dass in mehren Gegenden Nordamerikas 
beträchtliche Eeservoirs eines dem Petroleum ähnlichen 
Oeles sich vorfänden, das man vortheilhaft verwenden 
könnte als Brennmaterial in eigen dazu construirten Lam- 
pen oder als Lösungsmittel für Stoffe, die an Kohlenstoff 
und Wasserstoff reich sind, wie Oele, Fette, Essenzen 
u.s. w. Ferner kann man bei Rothgluth aus diesen Flüssig- 
keiten ein stark leuchtendes Gas erhalten, und die Mannig- 
faltigkeit der Eigenschaften konnte nicht verfehlen, ihnen 
bedeutenden Abgang zu verschaffen. 

Die reichlichsten Quellen dieses interessanten Pro- 
ductes finden sich bei Mekka in der Grafschaft Trumbull 
und bei Titusville in der Grafschaft Venanzo in Pensyl- 
vanien. Jede von ihnen lieferte 125,000 Tonnen zu 145,20- 
Liter im Jahre 1861, fast das Fünffache der Menge, die 
man 1860 erhalten hatte. Es ist dieses das rohe Mineralöl, 
das zu New -York 1859 die Gallone (3,63 Lit.) 1 Fr. 
89 Cent, kostete und gegen Ende 1862 auf 76 Cent. fiel. 

Neuerdings hat man diese Mineralöle an zwei Orten 
in Kanada aufgefunden bei Gaspe am Meerbusen von 
St. Lorenz und in der Grafschaft Lambton am west- 
lichen Ende der Halbinsel zwischen dem Huron, Erie 
und Ontario-See. Hier sind es nicht einfache Quellen, 
sondern M^ahre Springbrunnen; die Resultate bei Gaspe 
haben wenig befriedigt, was bei denen von Lambton 
nicht der Fall ist. Die Oellager befinden sich fast in der 
Mitte der Grafschaft im Bezirk Enniskillen. 1861 zählte 
man hier vier Brunnen mit ununterbrochenem Flusse, von 
welchen die drei ersten gegen Ende desselben Jahres in 
24 Stunden mindestens 5808 Hectoliter lieferten, ohne 
dass auch nur daran zu denken wäre, dass ihre Production 
sich verlangsamern würde. Der vierte Brunnen, dessen 
Bohrung im März 1862 gefasst wurde, lieferte während 



Untersuchungen über 'das amerikanische Petroleum. 141 

dieser Zeit mehr Oel als die drei andern zusammen. 
Diese allerdings noch unvollständigen Notizen sind aus 
einem Berichte des französischen Consuls in Kanada, 
Gauldree-Boileau, an den Minister der auswärtigen 
Angelegenheiten. 

Ebenso kommt dieses Mineralöl im Ueberfluss vor 
in Texas, an der Küste in Kalifornien, wo es zusammen 
mit Erdharz gefunden wird; ferner tritt es westlich vom 
Mississippi auf, in Illinois und in einigen anderen der 
Vereinigten Staaten. 

Der Verbrauch dieser Producte nimmt täglich in 
grossen Dimensionen zu, so war 1861 der Export 41,161 
Hectoliter und hatte sich schon in den drei ersten Monaten 
1862 auf 76,866 Hectoliter gehoben. 

Die Methode, diese Oele zu erhalten, ist sehr einfach. 
Man hohrt mit einem Sonden -Erdbohrer von 0,076 bis 
0,152 Durchmesser in die Tiefe, die von 15 bis 150 Meter 
variiren kann; hat man bei dieser Tiefe noch keinen 
Erfolg, so giebt man gewöhnlich das weitere Bohren an 
derselben Stelle auf. Trifft die Sonde auf Oel, so röhrt 
man das Bohrloch aus und setzt eine Pumpe ein, durch 
welche das Gemenge von Oel und Wasser in nahe ge- 
legene Reservoirs gezogen wird. Bei geringer Ergiebig- 
keit setzt man die Pumpe durch menschliche Kräfte in 
Bewegung, bei reicher Ausbeute treibt man dieselbe durch 
Dampf. 

Gegenwärtig ei'hält man durch Destillation der Stein- 
öle vier Producte, welche verschiedene Anwendung finden: 

1) Die Essenz, die wegen des hohen Preises des 
Terpenthinöles bei der Malerei verwendet wird ; 

2) Das Beleuchtungsmaterial mit einer Dichte 
von 0,780 bis 0,800, das man en gros für 75 — 80 Eres, 
das Hectoliter kauft; 

3) Das schwere hellgelbe Oel, von welchem 
das Liter 820 — 830 Grni. wiegt, und welches man nach 
Verhältniss mit 60 — 65 Eres, für das Hectoliter bezahlt; 

4) Das rothe Oel, das zur Verfälschung der vege- 
tabilischen Oele dient und je nach seiner Klarheit 35 bis 
45 Eres, kostet. 

Die Oele von Kanada sind bis jetzt wegen ihres 
sehr unangenehmen Geruches und wegen der geringen 
Ausbeute an Beleachtungsmaterial nicht in Anwendung 
gekommen. Das schwere Oel wird mit Vortheil zu 
Maschinenschmiere verwendet, auch erhält man daraus 
zu ziemlich billigem Preise ein Gas von beträchtlicher 
Leuchtkraft. 



142 Untersuchungen ilber das amerikanische Petroleum. 

Es sind die silurischen, Ammoniten führenden oder 
devonischen Kalke, welche die Reservoirs der Mineral- 
öle zu enthalten scheinen. Die von Pensylvanien und 
Ohio offnen sich in einem porösen Sandstein, der als 
Aequivalent des englischen Altrothsandsteins betrachtet 
werden kann und den die unteren Schichten der kohlen- 
führenden Formation bedecken, die in Kanada fehlt. Ueber 
die Entstehung dieser Gele hat man bis jetzt nur mehr 
oder weniger gegründete Vermuthungen, man muss sich 
in dieser Hinsicht mit reinen Hypothesen helfen. p]inige 
Geologen meinen, den Ursprung des amerikanischen Petro- 
leums müsse man einer Art langsamer Fermentation von 
Meerpflanzen und Thierresten der paläozoen Zeit zuschrei- 
ben, die bei niedrigen Temperaturen und in einem Medium 
statt findet, zu welchem die atmospärische Luft nicht zu- 
treten kann. Nach Andern sind diese Producte das Resul- 
tat einer langsamen Destillation bituminöser Kohlen, die 
bei möglichst niedriger Tempei'atur vor sich geht. Wie 
dem auch sei, die vollstcändige Abwesenheit von Benzin 
und seinen Homologen in den zahlreichen Proben sehr 
verschiedener Quellen lässt es als wahrscheinlich erschei- 
nen, dass diese Producte nicht aus der Kohle stammen, 
weil diese beständig Benzin und analoge Kohlenwasser- 
stoffe liefert, mag man sie bei hoher oder niedriger Tem- 
peratur, schnell oder langsam destilliren. 

Die neuerdings in Manchester von Schorlemmer 
ausgeführten Untersuchungen über die flüchtigen Destilla- 
tionsproducte der Kannelkohle haben einige Kohlenwasser- 
stoö'e ergeben, die Pelouze und Cahours auch in dem 
amerikanischen Petroleum fandeia, aber neben diesen traten 
in dem Destillate beständig Benzin und seine Homologen 
in ziemlich bedeutenden Verhältnissen auf. Die gleichen 
Kohlenwasserstoffe sind auch in der Bogheadkohle und 
in den Destillationsproducten gewisser Schiefer vorhanden. 
Jedes Mal bildeten sie sich, wenn man etwas über Rothgluth 
die Säuren der Essigsäuregruppe und ihre Alkohole in 
verschlossenen Gläsern erhitzte. Dasselbe ist der Fall, 
wie Wurtz und Berthelot jeder für sich gezeigt 
haben, wenn man dieselben Alkohole der gleichzeiti- 
gen Einwirkung von Wärme und Chlorzink oder höchst 
concentrirter Schwefelsäure aussetzt. Berthelot er- 
hielt Sumpfgas, Aethyl-, Propyl- und ButylwasserstofT, 
indem er die alkalischen essigsauren und buttersauren 
Salze der Destillation unterwarf. Es ist nicht unwahr- 
scheinlich, dass die Reihe der homologen Kohlenwasser- 
stofie im amerikanischen Petroleum ihren Ursprung einer 



n 



Untersuchungen über das amerikanische Petroleum. 143 

langsamen Destillation verdankt oder einer Art Fermen- 
tation der organischen Materien, die Kohlenstoff und 
Wasserstoff in äquivalenten Verhältnissen enthalten. 

Die von Pelouze und Cahours ausgeführte che- 
mische Untersuchung ergab eine der merkwürdigsten und 
wichtigsten Reihen der organischen Chemie, alle Verbin- 
dungen standen im Bezüge zum Sumpfgas, dem sie homolog 
sind und vervollständigten so eine interessante Reihe, 
von deren Gliedern man bis jetzt nur eine beschränkte 
Zahl kannte. Die in möglichster Reinheit dargestellten 
dreizehn flüssigen, dem Sumpfgase homologen Kohlen- 
wasserstoffe charakterisiren sich alle eben so wie das 
Sumpfgas durch grosse chemische Indifferenz. Das als 
Paraffin bezeichnete feste Product, welches man immer 
im amerikanischen Petroleum findet und welches eben so 
gegen die Einwirkung der energischsten Reagentien resi- 
stent ist, gehört ebenfalls zu dieser Reihe. Es steht jetzt 
fest, dass es mehre Paraffine mit sehr verschiedenem 
Schmelz- und Siedepuncte giebt, die eine eben solche 
mehr oder weniger beträchtliche Reihe fester Verbindun- 
gen bilden, wie die der flüssigen. 

Jeder dieser Kohlenwasserstoffe wird durch Chlor 
angegriffen, wobei unter successiver Elimination des Was- 
serstofls als Salzsäure eine äquivalente Menge Chlor fixirt 
wird. Das erste Product dieser Einwirkung ist bei jedem 
Kohlenwasserstoffe der salzsaure Aether des entsprechen- 
den Alkohols, aus diesen Chlorwasserstoffäthern kann man 
verschiedene homologe Alkohole der Aethylreihe darstel- 
len und umgekehrt werden die einmal erhaltenen Alkohole 
durch Chlorwasserstoffsäure in ihre verschiedenen Chlor- 
wasserstoffäther umgebildet. Alle diese Aether ohne Aus- 
nahme geben im Contact mit Natrium die schöne blau- 
violette Färbung, die Bouis in seiner Arbeit über den 
Caprylalkohol erwähnt. Erhitzt man die Mischung dieser 
Körper, so vereinigt sich das Chlor mit dem Alkalimetall, 
in derselben Zeit entwickelt sich ein Kohlenwasserstoff 
iTiit 2 Aeq. Wasserstoff weniger, als der ursprüngliche 
Kohlenwasserstoff enthielt. 

Auf diese Weise kommt man aus der Reihe des 
Sumpfgases in die des ölbildenden Gases. Die Chlor- 
wasserstoffäther wirken in verschlossenen Gläsern bei 100 
bis 16()0 auf die alkoholischen Lösungen der Alkalien, 
Sulfüre, Cyanüre, alkalischer Salze und bringen durch 
Doppelzersetzung die verschiedenartigsten Verbindungen 
hervor, die man durch reciproke Einwirkung der ent- 
sprechenden Alkohole und Säuren erhalten kann, aus wel- 



111: Untersuchiuujen über das amevikanische Petroleum. 

eben die verschiedenen einfachen und zusammengesetzten 
Aether entstehen. Die dem Sumpfgase homologen Kohlen- 
wasserstoffe versprechen uns also nicht allein die Darstel- 
lung aller bekannten Alkohole, sondern auch die Auf- 
findung anderer noch unbekannter. 

Lässt man in verschlossenen Gläsern die Chlorwasser- 
stofFäthcr auf alkoholische Ammoniaklösungen einwirken, 
so kann man ebenso die ganze Reihe der den Methyl- 
und Aethylverbindungen homologen Ammoniake erhalten. 
Jeder dieser Kohlenwasserstoffe führt demnach zu zahl- 
reichen Producten, deren Darstellung keine ernstlichen 
Schwierigkeiten darbieten dürfte. 

Sind die Kohlenwasserstoffe in ihren vielfachen heute 
gebräuchlichen Verwendungen von grosser Bedeutung, 
so sind sie dieses nicht weniger von rein speculati- 
vem Uesichtspuncte, indem sich aus ilmen eine grosse 
Zahl von Verbindungen darstellen lässt, deren Existenz 
bisher nur durch Hypothesen w^ahrscheinlich gemacht war. 

Die von Pelouze und Cahours aus dem ameri- 
kanischen Petroleum erhaltenen Producte sind: 



Name. 



For- 
mel. 



Dichte 

der 

Flüssigkeit 



Siede- 
punct. 



Dichte d. Gase 



gefun- 
den. 



berech- 
net. 



III 



Butylhydrur (Te- 

trylhydrür) 

Amylhydrür (Pen- 

tylhydrür) 

Caproylhydrür 

(Hexylhydrür). . 
Oeuanthylhydrür 

(Heptylhydrür). . 
Caprylhydrur (Oc- 

tylhydrür) 

Pelargylhydrür 

(Nonylhydrür). . 
EutyUiydrür (De- 

cylhydrür) 

Undecylhydrür . . . 
Laurylhydrür (Du- 

odecyihydrür) . . 
Cocinyihydrür 
(Tridecylhydrür). . 
Myristylhydrür 
(Tetradecylhydrür) 
Benylhydrür (Peu- 

tadecylhydrür). . 
Piilmitylhydrür 

(Cetylhydrür). . . 



C8H>o 
C10HI2 

C12HH 

C14H16 

C16H18 

C18H20 

C20H22 
C22H24 



0,600 bei 0° 

0,628 „ 170 

0,669 „ 160 

0,699 „.160 

0,726 „ 150 

0,741 „ 150 

0,757 „ 150 
0,766 „ 160 



gegen lOO 

300 

680 

92 - 940 

116—1180 

136- 1380 

158—1620 
180—1820 

198-2000 



C24H26 0,778 „ 200 

C26H29 0,796 „ 200 216-2180 

I 
C28H3o!o,809 „ 200 236-2400 



C30H32|o,825 „ 190 

C32H34 



255-2600 
gegen2800 







2,557 


2,535 


3,055 


3,029 


8,600 


3,521 


4,010 


4,015 


4,541 


4,508 


5,040 
5,458 


5,001 
5,494 


5,972 


5,987 


6,569 


6,481 


7,019 


6,974 


7,526 


7,467 


8,078 


7,961 



4 Vol. 



Untersuchungen über das amerikanische Petroleum. 145 

Aus der sehr umfangreichen Arbeit sind über die 
•einzelnen Kohlenwasserstoffe einige möglichst kurze Aus- 
führungen nothwendig. 

Butylhydrür konnte wegen der geringen Menge 
nicht gründlich untersucht werden ; riecht ätherartig, giebt 
rnit Chlor CSH^Cl^ das mit alkoholischer Kalilösuug im 
Wasserbade sich zersetzt und unter andern Producten 
ein Gas liefert, welches von Brom absorbirt wird. Brom- 
butylen CSH8Br2 bei 163—1650 siedend. 

Amylhydrür farblos, äusserst beweglich, ätherartig 
riechend, brennt mit stark leuchtender nicht russender 
Flamme, unlöslich in Wasser, leicht löslich in Alkohol 
und Aether, ist identisch mit dem von Frankland durch 
reciproke Einwirkung von Zink und Jodamyl dargestell- 
ten Amylwasserstoff, löst fette Körper sehr leicht, ein Hin- 
derniss seiner Anwendung ist die grosse Flüchtigkeit. Chlor 
ward selbst bei gewöhnlicher Temperatur und im diffusen 
Lichte unter Erhitzung reichlich davon absorbirt, C'OliiiOJ- 
das Amylchlorür giebt mit alkoholischer Lösung von 
einfach Schwefelkalium Amylsulfür, mit Schwefelwas- 
serstoff-Schwefelkalium Amylmercaptan und mit Brom 
bildet sich Bromamylen CiOHiOBr2. 

Caproylhydrür =C^2fji4 igt i^^ amerikanischen 
Petroleum von allen Kohlenwasserstoffen in 
grösster Menge enthalten, farblos, sehr beweglich, mit 
schwach ätherartigem Geruch, unlöslich in Wasser, leiclit 
löslich in Alkohol, Holzgeist, Aether, Aceton, Amylalkohol 
und verschiedenen zusammengesetzten Aethern. Es lost: 
Elaylchlorid, Schwefelkohlenstoff, Bromhydrocarbür in allen 
Verhältnissen bei gewöhnlicher Temperatur; reichlich selbst 
in der Kälte Talg, Aethal, Stearin, Margarin, Elain, 
Paraffin, vegetabilisches Wachs, fette Oele und die aus 
ihrer Verseifung entstehenden Säuren, löst aber selbst in 
der Wärme nicht merklich die Säuren, welche aus Fetten 
durch Salpetersäure sich bilden wie Bernsteinsäure^ Adi- 
pin-, Pimelin- und Suberinsäure. Nicotin wird davon in 
allen Verhältnissen und bei allen Temperaturen gelöst; 
Anilin nur in der Wärme, scheidet sich beim Erkalten 
wieder ab; Chinin, Cinchonin, Morphin, Narcotin nicht 
merklich. Caproylhydrür löst Jod und nimmt davon eine 
sehr intensive rothviolette Farbe an; Jodoform beim Sie- 
den mit röthlicher Färbung, scheidet sich beim Erkalten 
in gelben glänzenden Flittern aus. In nur sehr geringen 
Mengen selbst bei längerm Sieden werden gelöst Coio- 
phonium, Copal, Anime; Benzoesäure in der Kälte kaum, 
Arch.d. Pharm. CLXXXr.Bds.l.u.2. Hft. 10 



]-16 Untersuchungen über das amerikanische Petroleum. 

in der Wärme reichlich, scheidet sich beim Erkalten in 
langen, durchsichtigen, dünnen Nadeln wieder ab; Benzoe 
bei gewöhnlicher Temperatur nicht merklich, in der Wärme 
sehr Avenig; Benzin in allen Verhältnissen, Nitrobenzin 
ziemlich beträchtlich, Dinitrobenzin in sehr geringen Men- 
gen, scheidet sich in feinen, schwach gefärbten Nadeln 
wieder aus; Naphtalin in der Wärme reichlich, scheidet 
sich beim Erkalten in glänzenden Prismen ab, weniger 
gelöst wird selbst in der Wärme Nitronaphtalin, das sich 
beim alhnäligen Erkalten in langen, gelben, dünnen, glän- 
zenden Nadeln abscheidet. Leicht gelöst wird Azobenzid 
selbst in der Kälte, giebt beim Verdunsten schön orange- 
rothe Prismen, die grosse Aehnlichkeit mit doppelt chrom- 
saurem Kali haben. Campher löst sich in allen Verhält- 
nissen im Hexylhydrür. 

Es ist brennbar mit stark leuchtender Flamme. Diese 
Eigenschaften versprechen eine vortheilhafte Verwendung 
dieses Körpers zur Beleuchtung einerseits und andererseits 
zum Entfernen von Fettflecken aus Zeugen. Zur Berei- 
tung von Firnissen kann es nicht dienen, weil es zu wenig 
lösend auf harzartige Körper wirkt. 

Bei mehrstündigem Einleiten unter diffusem Lichte 
von Chlor in Caproylhydrür nimmt dasselbe die charak- 
teristische Farbe des Gases an. Das Caproylchlorür 
C'2H»3C1 siedet bei 125-1280, ist farblos, klar, völHg 
neutral, wirkt nicht auf Silbernitrat, ist unlöslich in Was- 
ser, leicht löslich in Alkohol und Aether. Dichte 0,892 
bei IßO. Es ist der Chlor wasserstoffäther der 
Hexyl- oder Caproy Ireihe. — Durch längeres Ein- 
leiten von Chlor entwickelt sich Salzsäure und es bilden 
sich chlorreichere Producte; man erhält eine farblose, klare 
Flüssigkeit, die bei 180— 184» siedet, bei 20» eine Dichte 
von 1,087 zeigt und der Formel C>2H»2C12 entspricht: 
einfach gechlorter Chlorhydrohexyläther. ■ — Das 
dritte Product der Einwirkung von Chlor auf Hexylhydrür 
ist fast farblos, noch ziemlich beweglich, siedet bei 215 
bis 2180, seine Dichte ist 1,193 bei 21«, seine Formel 
Q12H11C13: zweifach gechlorter Chlorhydrohexyl- 
äther. — Das vierte Product ist eine leicht ambrafarbige 
Flüssigkeit, weniger beweglich als das dritte, von der For- 
mel C12HJ0C14, dreifach gechlorter Chlorhydro- 
hexyläther. — Unterstützt man die Einwirkung des 
Chlors auf Hexylhydrür durch Wärme und Sonne nicht, so 
erhält man eine beträchtliche Menge eines dunkelambra- 
farbenen Productes von der Consistenz eines fetten Oeles» 



Petroleumbeleuchtung. 147 

das beim Erhitzen stark campherartig riecht, bei 285 bis 
2900 siedet, Dichte 1,598 bei 200, Formel C»2H8C16: 
fünffach gechlorter Chlorhydrohexyläther. 

Die übrigen in der Tabelle aufgeführten-Kohlenwasser- 
stoffe sind nebst ihren Derivaten und Substitutionsproduc- 
ten sehr ausführlich in der Arbeit von Pelouze und 
Cahours behandelt, bieten jedoch nichts pharmaceutisch 
Wichtiges dar. {Annal. de CMm. et de Phys.) Dr. Reich. 



Petroleumquellen in Italien. 

Auch in Italien und zwar im Toskanischen, wurden 
durch einen englischen Geognosten Petroleumquellen auf- 
gefunden. Derselbe hat die Landesstrecken bei Guerzola, 
Guercin, Varana, Monte Carenzone angekauft; die Aus- 
beutungsarbeiten werden ehestens beginnen. {Ztgsnachr. 
1866.) B. 

Petroleunibelcuchtung. 

Eine bei der Petroleumbeleucbtung überall ge- 
machte Erfahrung lautet dahin, dass die Beleuchtung 
durch das häufige Zerspringen der Glascylinder ziemlich 
vertheuert wird und dies ist namentlich an Orten, wo 
Luftzug herrscht (in Hausfluren, Strassen, auf Bahnhöfen 
u. s. w.) der Fall. Die Petroleuniflamme strahlt nämlich, 
weil sie helUeuchter ist als andre Flammen, auch eine 
stärkere Hitze aus, welcher der Glascylinder nicht wider- 
steht, wenn von aussen eine ungleiche und rasche Ab- 
kühlung erfolgt. Das einfachste Mittel, das Zerspringen 
der Glascylinder sicher zu verhüten, besteht darin, den 
Glascylinder mit einem andern, von 7 — 10 Linien grös- 
seren Durchmesser zu umgeben. Selbstverständlich muss 
der grössere Glascylinder auf einem Boden aufstehen, so 
dass von unten her kein bemerkenswerther Luftstrom im 
Zwischenraum beider Cylinder entsteht. Es kann keine 
Hede davon sein, dass nun der äussere Cylinder zersprin- 
gen muss, weil er jetzt ungleicher Abkühlung ausgesetzt 
ist, denn die Temperatur seiner Innenfläche ist offenbar 
zu gering. {Bl. f. Hdl. u. Gew. 1866.) B. 



Notiz über einige neue Kohlenwasserstoffe. 

C Schorlemmer theilt mit, dass er in letzterer 
Zeit mehre Kohlenwasserstoffe der Reihe 0-^"^^°+^ mit 

10* 



148 Notiz iiher einige neue Kohlenivasserstoff'e. 

allen möglichen Oxydationsmitteln behandelt habe, jedoch 
ohne Erfolg. Er hat sich indess überzeugt, dass die aus 
Steinöl dargestellten Amyl Verbindungen mit den aus 
Fuselöl erhaltenen im Siedepuncte, specifischen Gewicht 
u. s. Av. ganz identisch sind. Für das Acetat fand Öchor- 
lemmer, wie kürzlich Wanklyn, den Siedepunct 140^. 
Gegenwärtig hat Schorlemmer eine Arbeit wieder 
aufgenommen, die sich an seine Untersuchung über die 
Kohlenwasserstoffe aus Cannelkohlentheeröl anschliesst. 
Beim Reinigen des unter 120^* siedenden Oels mittelst 
Schwefelsäure wird ein Theil desselben verändert, indem 
beim Abdestilliren des gewaschenen Oeles die Kohlen- 
wasserstoffe der vSurapfgas - und der Benzolreihe abdestil- 
liren und eine bedeutende Menge einer theerartigen Flüs- 
sigkeit zurückbleibt. Wird dieselbe über 2000 erhitzt, 
so destillirt ein dickes Oel über, aus dem Schorlemmer 
durch lange wiederholtes Fractioniren über Kalihydrat 
und Natrium folgende drei Kohlenwasserstoffe abgeschie- 
den hat: Siedepunct 
C24H20. ., 2100 

C2SH24... 2400 

C32H2S. .. 2800. 
Dieselben sind wasserhelle, dickflüssige, stark licht- 
brechende Oele, die einen eigenthümlichen, an die Wur- 
zeln einiger Umbelliferen erinnernden Geruch besitzen 
und mit Salpetersäure Nitroverbindungen bilden, aus denen 
durch Zinn und Salzsäure leicht veränderliche chlor- 
wasserstoffsaure Salze entstehen. Durch Chromsäure wer- 
den die Kohlenwasserstoffe langsam oxydirt, unter Bildung 
von Kohlensäure, flüchtigen Fettsäuren und einer harz- 
artigen Säure. Diese Kohlenwasserstoffe hat Schorlem- 
mer bis jetzt nur in geringer Menge und noch nicht in 
ganz reinem Zustande erhalten, es ist demselben jedoch 
vor der Hand wahrscheinlich, dass dieselben durch Einwir- 
kung der Schwefelsäure auf Kohlenwasserstoffe der Reihe 
C2nH2n-2 entstanden sind. {Ztschr. f. Cliem. N. F. Bd. 2. 
Heft 2. — Chem. Centrbl. 1866, 29.) B. 

Äiifertiguug rou f^asscrdiohteiii Papier. 

Man setzt zu der Papiermasse eine Lösung von reiner 
Talgseife in Wasser, zu welcher man die genügende Menge 
Alaun hinzugefügt hat, um eine vollständige Zersetzung 
der Seife zu bewirken. Das Papierzeug wird dann in 
gewöhnlicher Weise verarbeitet, braucht aber nicht geleimt 
zu werden. {Scient. Avier. durch Polyt. Centrbl. 1866.) B. 



Tödten der Fische. 149 

}Iet<amorphose der Fische. 

Agassiz zeigt, dass nicht allein bei den Insekten 
und Amphibien Metamorphosen vorkommen, sondern auch 
und zwar gar nicht selten bei den Fischen. Kleinere 
Fische, die anfangs den Gadoiden (Schellfischen) und 
Blennioiden (Meergrundeln) gleichen, nehmen später die 
Gestalt von Labroiden (Lippenfischen) und Lophioiden 
(Meerteufeln) an. Gewisse unentwickelte Formen, die 
denjenigen der Frösche und Kröten ähneln, werden zu 
Cyprinodonten (Weissfischen); es werden Akanthoptery- 
gien (Stachelflosser) aus Malakopterygien (Weichflossern); 
Jugularen (Kehl-Stachelflosser) oder Abdominalen (Bauch- 
Weichflosser) aus Apoden (Kahlbäuchen). Bei einigen 
Skomberoiden (Makrelen oder Thunfischen) treten noch 
unerwartetere Metamorphosen auf. Der Sonnen- oder St. 
Feterfisch {Zeus faher L.) ist als zu den Makrelen oder 
Thunfischen gehörig von allen Naturforschern genau cha- 
rakterisirt. Seltener ist der zu den Lachsen gezählte 
Ärgyropeleciis hevngymnus im Mittelmeere. Es werden 
Lachse und Makrelen von den Systematikern als sehr 
weit von einander stehende Familien betrachtet und doch 
ist der Argyropelecus nichts Anderes als ein junger Son- 
nentisch. Es wird das ganze bisherige System durch 
diese Beobachtungen umgestürzt und eine grosse Zahl 
von Arten wird sich bei näherer Untersuchung als Meta- 
morphosenform ausweisen. [Annal. des sciences nahir.) 

Dr. Reich. 

Heber das Tödteu der Fische 

Die Erfahrung hat gelehrt, dass das Fleisch von 
Fischen, die sogleich beim Herausnehmen aus dem Was- 
ser getödtet werden, wie es in Holland durchgängig im 
Gebrauch ist, viel fester und schmackhafter ist, als das 
von solchen, denen man noch Stunden oder Tage lang 
ein eben so unnatürliches als qualvolles Leben lässt, da 
die Fische, denen man eine längere Zeit die nothwen- 
digste Lebensbedingung (frisches Wasser) entzogen hat, 
krank werden müssen. Im Interesse der Gesundheit des 
Fische consurairenden Publicums muss aber darauf ge- 
drungen werden, dass die Fische sogleich beim Heraus- 
nehmen aus dem Wasser getödtet werden, welches aber 
auch ferner nicht mehr auf die gewöhnliche rohe Weise 
geschehen möge, sondern es viel zweckmässiger ist, den 
Fischen das Leben durch Trennung des Gehirns vom 



150 Ein grosser Hecht. — Straussenzucht am Gay. 

Rückenmarke, also durch einen hinter dem Kopfe beizu- 
bringenden Schnitt, mit einem Male zu nehmen. Die 
bisherige Ansicht, dass das Fleisch der getödteten Fische 
zu schnell in Verwesung übergehe, ist ganz unrichtig; 
an einem kühlen Orte aufbewahrt, erhält sich dasselbe 
48 Stunden vollkommen frisch. {ßiirgers kurze Berichte.) 

B. 

Ein grosser Hecht. 

Das Memorial de la Loire spricht von einem selte- 
nen Fischfange, der im August 1865 zu St. Paul-en-Cor- 
raillon gemacht wurde. Man fing in der Loire einen rie- 
sigen alten Hecht, in dessen Körper man ein Messer mit 
zwei KHngen, einen kleinen Schlüssel und den Stahlbügel 
einer Börse fand. Das Geld und die Börse hatte das 
gefrässige Thier ohne Zweifel verdaut. Die Autopsie 
wurde nach allen Regeln vorgenommen. Nach der An- 
sicht erfahrener Fischer war dieser Hecht mindestens ein 
Jahrhundert alt, seine Länge betrug gegen 5 Fuss. Ueber 
den Ursprung der in ihm gefundenen Gegenstände ver- 
liert man sich in Conjecturen; die Meisten nehmen an, 
er habe einen Menschen gefressen, der seinen Tod im 
Wasser gefunden. Derjenige, der die Wildheit und sprich- 
wörtliche Gefrässigkeit der Hechte kennt, wird darin 
nichts Unmögliches finden. Man hat das Thier zerglie- 
dert und dem Museum von St. Etienne zugesandt. {Cour- 
rier de la Cote.) Dr. ReicJi. 

Straussenzucht am Cap. 

Man beginnt jetzt am Cap den Strauss zu züchten. 
35 dieser Thiere erfordern 300 Acker Grasgrund. Die 
Federn werden einmal in 6 Monaten gerupft und jeder 
Vogel liefert für 10 — 12 Pfd. Sterl. (etwa 67—80 Thlr.). 
1 Pfund Straussenfedern kostet 25 Pfd. Sterl. (166 Thlr. 
20 Sgr.) Die ursprünglichen Kosten der jungen Vögel 
sollen sich auf je 5 Pfd. Sterl. belaufen. (Ausland.) 

Dr. Reich. 

Yerhältniss des Albumins zum Case'in. 

Schwarzenbach hat die Beobachtung gemacht, dass 
die Proteinkörper nicht nur durch gelbes und rothes 
Blutlaugensalz, sondern auch durch die Platindoppelcya- 
nüre gefällt werden. 



Verhältniss des Albumins zum Casein. 151 

Säuert man ein Gemisch aus einer schwach alkalisch 
reagirenden Lösung der Proteünkörper und Kaliumplatin- 
cyanür an, oder setzt man das Reagens gleich einer be- 
reits sauren Lösung zu, so tritt augenblicklich eine reich- 
liche Fällung ein. Die schneeweissen gallertartigen Nie- 
derschläge verdichten sich bald und trennen sich von 
der Flüssigkeit; sie sind im Ueberschusse des Fällungs- 
mittels ziemlich leicht und vollständig löslich, durch Schwe- 
fehvasserstoflF werden sie nicht zersetzt. Sie lassen sich 
auf dem Filter auswaschen und bleiben als eine zusammen- 
hängende käsige Masse zurück, die man am besten gleich 
vom Filter abnimmt, da sie nach dem Trocknen zu fest 
am Papier haftet. Der weisse undurchsichtige Körper 
wird nämlich beim Trocknen völlig durchsichtig und glas- 
artig, nur der Fibrinniederschlag nimmt im Wasserbade 
eine bräunliche Färbung an. Die übrigen Platinproteide 
lassen sich leicht zu einem staubfeinen Pulver zerreiben, 
welches bis auf eine geringe Hygroskopicität an der Luft 
vollkommen unveränderlich ist. 

Hühner ei Aveiss wurde mit dem doppelten Volu- 
men Wasser vermischt, geschlagen, filtrirt, durch concen- 
trirte Essigsäure schwach angesäuert, abermals filtrirt und 
die saure Lösung mit Kaliumplatincyanür vorsichtig ge- 
fällt. Die gut ausgewaschene kleisterartige Masse wurde 
getrocknet und gab einen Gehalt von 5,54 — 5,57 Proc. 
Platin. Nimmt man nach Li eher kühn das Mischungs- 
gewicht des Eiweisses zu 1612 an, so würden sich 5,59 Pro- 
cent Pt. berechnen. 

Der unter denselben Umständen in einer Casein- 
lösung erhaltene Niederschlag bildet ein compactes Coa- 
gulum und lässt sich leicht auswaschen und trocknen. 
Der Platingehalt wurde zu 11,17:3 — 11,.34G Proc. gefun- 
den. Es verhält sich demnach der Procentgehalt an Pla- 
tin in der Eiweissverbindung zu demjenigen in der (Ja- 
seinverbindung wie 1 : 2. 

Dieses auflfallende Resultat veranlasste den Verf., 
noch Schwefelbestimmungen beider Proteide auszuführen. 
Es ergab sich für das Hühnereiweiss in der Mehrzahl 
der Versuche 2,1 — 2,2 Proc. S und für das Casein ge- 
wöhnlich 1,1 Proc, also beträgt der procentische Schwe- 
felgehalt des Caseins nur die Hälfte von dem des Albu- 
mins. Dieser Schwefelgehalt ist höher als der bisher 
gefundene, doch ist der Verf. der Ueberzeugung, dass 
er nicht auf Irrthum der Analyse beruht, sondern wohl 
nur dem Umstände zuzuschreiben ist, dass alle bisherigen 



1i)2 Analyse einer Schceinemück. — Eisen im Blute. 

IMethoden zur Reinigung der Proteinkörper behufs der 
Elementaranalyse einen Verlust an deren Schvvefelgehalt 
mit sich geführt hätten. 

Hiernach würde also das Mischungsgewicht des Ca- 
se'ins die Hälfte von dem des Albumins betragen und = 
806 anzunehmen sein. {Ann. d. CJiem. ti. Pharm. CXXXllI^ 
185—193.) G. 

Chemische Analyse einer Schweinemilch. 

Das Schwein, von welchem die Milch herrührte, war 
2 Jahre alt. Gefüttert wurde dasselbe mit Molken, Kar- 
toffeln, Bruch von Afterweizen und Afterroggen. 

Die Milch des Schweines betrug 50 Grm.; sie war 
dicklich, fast fadenziehend, ihr Geschmak kühlend, fettig,. 
nicht süss; die Reaction stark alkalisch. 

Lintner fand darin in 100 Theilen: 

^tr^°: ! 6,89 

_,. ^^ ^„ Albumin ) ' 

Wasser 82,93 g^tter 6 88 

Fester Rückstand 17,07 Milchzucker '. '. 2',01 

Salze . 1,29 

{Buchn. n. Repert. Bd. 15.) B. 



Eisen im Blute. 

Nach einer neueren von Pelouze angegebenen Me- 
thode untersucht enthalten 100 Theile: 

Menschenblut. . . 0,051 — 0,054 Th. Eisen 

Ochsenblut 0,049 — 0,055 „ „ 

Schweineblut. . . 0,051 — 0,059 „ „ 

Gänseblut 0,035 — 0,037 „ , 

Truthahnblut . . . 0,033 — 0,034 „ „ 

Hühnerblut 0,036 „ „ 

Entenblut 0,034 ' „ „ 

Froschblut 0,042 „ „ 

{Comptes rendus.) Dr. Reich, 



153 



IV. liiteratur und Kritik. 



Amtlicher Bericht über die 40ste Versammlung deutscher 
Naturforscher und Aerzte. Hannover 1866. 

Allgemeine Sitzungen. Erste Sitzung, 18. Septbr. 1865. An- 
sprachen beider Geschäftsführer: Geh. Ober-Medicinalraths Krause 
und Directors Karmarsch; ferner des Stadtdirectors Rasch und 
Sr. Excellenz des Staatsminisers v. Hammer stein. Es folgten 
die Vorträge: ^Ueber Darwin's Lehre und die Specification" von 
Ernst Ha liier; „über die klinische Bedeutung der Helmholtz'schen 
Schwingungslehre'' von Professor Er ha r dt und „über die Stellung 
Blumenbach's zur Darwin'schen Schöpfungstheorie" von Professor 
Schultz-Schultzenstein. 

Zweite Sitzung, 20. Septbr. Vortrag: „Ueber die nationale Ent- 
wickelung und Bedeutung der Naturwissenschaften" von Professor 
Virchow; Bericht über das Stassfurther Steinsalzlager vom Geh. 
Ober-Bergrath Nöggerath; Vortrag: „über sogenannte Geheim- 
niittel" von Professor W. Krause. 

Dritte Sitzung, 23. Septbr. Vortrag: „Ueber naturgeschicht- 
liche Volksbildung" von Professor Rossmässler. Mittheilung: 
„Ueber Entwickelungsgeschichte der Steinsalzlagerstätten" von Dr. 
Volger. Vortrag: „Ueber submarine Apparate und Fahrzeuge" 
vqm Submarine-Ingenieur Wilh. Bauer. Vortrag: „Die Kalen- 
derreform", von Staatsrath Mädler. Schlusswort vom Geh. Ober- 
Bergrath Nöggerath. 

Aus den Sectionssitzungen theilen wir natürlich nur dasjenige 
mit, was für die Botanik von besonderem Interesse ist. 

Zunächst machen wir aufmerksam auf den in der mathema- 
tisch-physikalischen Section von Hrn. Dr. Prestel aus Emden em- 
pfohlenen Verdunstungsmesser, welcher sich für pflanzenphysiolo- 
gische Versuche vorzüglich eignen dürfte. 

Aus der chemischen Section heben wir eine Mittheilung von 
Dr. J. Erdmann in Hannover über die Steinzellen der Birnen 
hervor. Die Schlüsse, welche auf das interessante Ergebniss einer 
Analyse jener Zellen gebaut werden, sind vielleicht etwas zu kühn 
und allgemein gehalten. Sehr wichtig für die Pflanzenphysiologie 
dürfte die Methode zur Bestimmung des Stickstoffs gleichzeitig mit 
KohlenstoflP und Wasserstoff, welche C. Gilbert Wheeler aus 
Nürnberg mittheilt, sicherweisen. Herr Dr. K. Kraut aus Hannover 
sprach über die Salicyl-Verbindungen. Vom höchsten Interesse für die 
gesammte Naturwissenschaft ist die Frage, welche H. L. B uff durch 
seinen Vortrag: „Ueber das Verhältniss der Raumerfüllung und 
der chemischen Affinität bei dem Schwefel in flüchtigen und flüs- 
sigen Verbindungen desselben" berührte. 

Section Botanik und Pflanzenphysiologie. Vortrag vom Pro- 
fessor Schultz-Schultzenstein: „Ueber den Unterschied zwi- 
schen Metamorphose und Anaphytose mit Rücksicht auf die gefüll- 
ten Blumen". 



154 Literatur. 

Aus interessanten und wichtigen Beobachtungen an Dianthiis 
Heddeivigii, welche zeigen, dass hier die Fülhing Folge einer Pro - 
lification der ötaubfädeu ist, zieht Keduer den Schluss, ee tindu 
überhaupt keine Verwandelung der Staubblätter in Kronblätter 
statt. Wer an der rückschreitenden Metamorphose zweifelt, den 
darf man nur an das erste Stadium der Tulpenfüllung erinnern, 
wo in der That am Connectiv sich einerseits ein halber Staub- 
beutel und andererseits ein halbes Perigonblatt ausbildet. Aber 
es bedarf dessen nicht Die Teratologie giebt zur Metamorphose 
die interessantesten und deutlichsten Belege. 

So viel im Einzelnen auch Interessantes und richtig Beobach- 
tetes in der Auffassung des Kedncrs liegt, so müssen wir doch im 
Auge behalten, dass er gegen die alte Form der Goethe'schen 
Metamorphose kämpft und dass seine Einwürfe durch die Zellen- 
lehre, besonders durch die Individualität der Zelle, grösstentheils 
beseitigt sind. Ausser der Zellenlehre, vermöge deren die Zellen 
eines Blattes z. B. an den Orten stärkster Saftbewegung, also na- 
mentlich an den Krcuzungspuncteu der Gefässbündel, unter gün- 
stigen Umständen Zellenvermehrung und Knospuncr einleiten kön- 
nen, bedarf es keiner Annahme besonderer Anaphyta: denn die 
Kigenthümlichkeit der ganzen Pt^anze, also auch der Knospe, liegt 
schon in der einzelnen Zelle; sonst könnte die erste Pflanzenaulage 
nicht einzellig sein. 

Wir haben nicht nöthig, auf die übrigen Folgerungen, welche 
aus der Anaphytosenlehre gezogen werden, näher einzugehen, da 
die ganze heutige Botanik dieser Frage gegenüber schon entschie- 
den hat. 

Herr Dr. v. Holle hielt in der zweiten Sitzung einen Vor- 
trag: „Ueber die Formenconstanz der Brombeeren zwischen dem 
Deister und den Mooren bei Hannover." 

In der dritten Sitzung: Vortrag von Ernst Hallier: „Ueber 
Schmarotzerpilze auf dem menschlichen Körper, in.sbesondere Gäh- 
rungspilze". Med. -Assessor Wi 1ms knüpfte daran sehr intere.s.sante 
Mittheilungen über parasitische Pilze auf Insektenlarven, insbeson- 
dere über eine wahrscheinlich neue Ciavaria auf dem Larvenkopfe 
einer Cicade. 

Agierte Sitzung. Vortrag von Dr. F. Buchen au: „Ueber die 
Sprossverhältnisse in der Gattung Trt^/oc/«'??": ferner von H. Wen d - 
land: „Ueber die systematische Eintheilung der Palmen", und 
von Demselben: „Ueber Cyclanthus Pois."' 

Leider war Referent bei dem folgenden Vortrage des Herrn 
Forstraths H artig: „Ueber die in der Atmosphäre vorausgesetzten 
Infusorien- und Pilzkeime", nicht mehr in Hannover anwesend. 
Referent ist ganz entschieden der Ansicht, welche er auf einem 
anderen und einfacheren Wege als Pasteur glaubt begründet zu 
haben, dass alle Gährungs-Organismon aus der Luft in die gäh- 
rende Substanz gelangen. Hart ig hatte so schöne Zeichnungen 
zur Erläuterung seiner entgegengesetzten Ansichten mitgebracht, 
dass schon dadurch die Lust erweckt wurde, dem Vortrage zu fol- 
gen. Wir lassen den kurzen Bericht wörtlich folgen. Redner hatte 
Glasflaschen mit einer gährungsfähigen, Schimmel nährenden Flüs- 
sigkeit gefüllt, gekocht und mit einem Baumwollenstöpsel verschlos- 
sen. Es blieb dann die Flüssigkeit unverändert; allein wenn der 
Stöpsel nach einigen Tagen oder selbst Monaten auch nur für 
einen Augenblick geöffnet wurde, siedelten sich rascher und mas- 
senhafter, als wenn die Flasche gar nicht verschlossen gewesen 



Literatur. 155 

wäre, Schimmel- und Gähmngspilze an. Da wegen der äusserst 
gei-ingen Temperaturdifferena eine sehr geringe Luftiuenge iu die 
Flasche eintritt, so berechnet Kedner, dass, wenn man diese Luft- 
menge auch ziemlich hoch taxire, eine solche Menge Pilzsporen in 
der Luft schwimmen müssten, dass dieselben auf keine Weise über- 
sehen werden könnten. 

Es ist dies ein merkwürdiges Beispiel, wie viel bei unseren 
Beobachtungen von der Erklärungsweise der Erscheinungen ab- 
hängt. Referent sieht nämlich aus der oben mitgetheilten Beob- 
achtung genau das Gegentheil von dem hervorgehen, was der Red- 
ner daraus schliesst. 

Das Wesen aller Gährungsformen zeigt sich bekanntlich darin, 
dass die Organismen im Innern einer Flüssigkeit vegetiren und 
daher gezwungen sind, der Flüssigkeit den Sauerstoff" zu entziehen, 
dessen sie bedürfen. An der Oberfläche, wo die Flüssigkeit mit 
der Luft in Berührung ist, kann daher keine Gährung statt finden, 
sondern es tritt Schimmelbildung oder, im allgemeinsten Sinne des 
Wortes, Verwesung ein. Daher schliesst mau bei allen Gährungs- 
processen die Luft möglichst ab. Es folgt daraus, dass eine Flasche, 
gefüllt mit gährungsfähiger Substanz, nur dann starke Gährung 
zeigen wird, wenn man sie für kurze Zeit öffnet und wieder schliesst, 
nicht aber, wenn sie ganz ofi'en steht. Dieses Factum hat Referent 
experimentell nachgewiesen und wird sogleich darüber referiren. 

Was aber zunächst die Ansicht Hartig's anlangt, es könne 
nur eine geringe Luitmenge in die Flasche gelaugt sein während 
des augenblicklichens Oeff"nens, so glauben wir, dass auch diese 
und zwar in doppelter Weise auf unrichtigen Vorstellungen beruht. 
Erstlich nämlich werden Pilzsporen iu die Flasche sinken, wenn 
auch gar kein Luftaustausch statt findet, denn die durch Luft- 
bewegungen suspendirteu Körperchen sind doch specifisch schwe- 
rer als die Luft, also im Sinken begriffen, sobald die Luft nur 
schwach bewegt ist. Schon eine Viertelstunde nach dem Abwischen 
ist in einem Zimmer das Mobiliar wieder, dem blossen Auge sicht- 
bar, mit Staub bedeckt. 

Zweitens aber habe ich gezeigt, dass nur wenige Sporen dazu 
gehören, um in 2 — 3 Tagen eine nährende Substanz mit dichtem 
Schimmel zu überziehen. Weit stärker aber vermehrt sich die Hefe. 
Jede Pilzspore entlässt im Innern der Gährungsflüssigkeit eine Menge 
von Kernen, deren jeder schon binnen einer Stunde mehre seines 
Gleichen hervorgebracht hat, welche eben so rasch den Theilungs- 
process fortsetzen. 

Nun zu dem oben versprochenen Referat. Ich stellte Milch in 
drei Gefässen an. Das eine wurde gekocht und verstöpselt. Nach 
mehren Monaten zeigte die Milch noch keine Spur von saurer 
Reaction oder von Hefezellen. Die zweite Flasche stand unter 
Wasserverschluss, ohne vorher gekocht zu sein. Ihr Inhalt befand 
sich nach wenigen Tagen in starker Gährung. Das dritte Gefäss 
stand ganz off'en an der Luft in demselben Räume. Hier wurde 
noch überdies Penicillium auf die Oberfläche gesäet. Die Gäh- 
rung trat ein, aber merklich später und langsamer; statt dessen 
zeigte sich aber schon nach 11/2 Tagen starke Schimmelbildung. 
Noch schlagender dürfte ein anderes Beispiel sein. Hühnereiweiss 
wurde, mit Penicillium besäet, unter Wasserverschluss gebracht. 
Es trat schon binnen 24 Stunden unter Bildung unzähliger Kerne 
(die Hefekerne schwellen nicht zu Hefezellen an, sondern theilen 
sich rasch wie die Leptothrix-Ketten: sie sind in der That nichts 



156 Literatur. 

Anderes, ak beständig zerfallende Ketten) starke Fäulniss ein. 
Eine andere Portion Eiweiss wurde in einem Becherglase ebenfalls 
dick mit Penicillium besäet und oben nur lose ein Uhrglas darauf 
gelegt, um den gröbsten Staub abzuhalten, ohne der Luft den Zu- 
tritt zu wehren. Nach 2'/i Monaten war noch keine Spur von 
Geruch wahrzunehmen; jetzt, nach länger als 3 Monaten, ist der- 
selbe noch sehr schwach. Es ist offenbar statt der Fäulniss eine 
sehr langsame Verwesung eingetreten. 

Auch Herrn Meyer's Einwand gegen die Hartig'schen Folge- 
rungen, dass die am Baunnvollenpfropf so lange angesammelten 
Pilzsporen beim Entfernen desselben zum Theil in die Flasche 
gefallen sein müssen, können wir nur beistimmen. 

Fünfte Sitzung. Vortrag von Prof Schultz -Schultzen- 
stein: „Ueber die Umbildung von Holzsaft in Lebenssaft. Mit- 
theilung vom Forstrath Hartig über Entnadelungsversuche und 
Gerbmehl. 

Hinweisen wollen wir hier auf die in mehrfacher Beziehung 
botanisch interessanten Sitzungen der forstwissenschaftlich-agrono- 
mischen Section. 

Schliesslich heben wir noch aus der zoologischen Section den 
Vortrag des Hrn. Prof. Ferd. Cohn: „Ueber die Gesetze der Be- 
wegung der mikroskopischen Pflanzeu und Thiere" hervor. Cohn 
zeigt die Abhängigkeit der Bewegung der mit Geissein versehenen 
Infusorien {FlageUcUa Cohn), der Zoosporen, Spermatozoiden der 
Chlorosporeae, Melanosporeae und Phaeosporeae vom Licht, 1) in 
Bezug auf die Richtung, welche durch den einfallenden Strahl be- 
stimmt wird: 2) in Bezug auf Polarität, indem gewöhnlich der Kopf, 
d. h. das mit Geissein versehene Ende, sich der Lichtquelle zu- 
wendet; 3) in Bezug auf eine bestimmte Drehungsrichtung; 4) in 
Bezug auf die Brechbarkeit der Strahlen, indem nur die stärker 
brechbaren Bewegung veranlassen. 

Cohn weist auf einige Ausnahmen von diesen Gesetzen hin 
und auf die chemische Thätigkeit des Lichtes. 

Wir möchten nur gegen Cohn 's Ansicht, dass die farblosen 
mikroskopischen Organismen der Pilze ganz indifferent gegen das 
Licht seien, uns einen kleinen Einwand erlauben. Der Zellen- 
inhalt der Sporen der Mucorineen tritt bekanntlich in gährungs- 
fähigen Flüssigkeiten in Gestalt beweglicher oder unbeweglicher 
Kerne hervor, um sich je nach der chemischen Natur der Flüssig- 
keit zu den verschiedenen Ilefezellen zu gestalten. \ Diese beweg- 
lichen Zellen (Schwärmer) sind allem Anschein nach stets in ihrer 
Bewegung vom Lichte abhängig und zwar genau in der von Cohn 
angegebenen Weise. Sie besitzen eine polarische, mit dem schwanz- 
förmigen Ende (Cilie?) der Lichtquelle zugekehrte, um die im 
Lichtstrahl liegende Achse drehende und bohrende Bewegung. 
Gerade an dieser Bewegung kann man sie unterscheiden von den 
in allen Richtungen umherschwärmenden Vibrionen, Spirillen etc. 

E. Hallier. 



Enumeratio plantarutn Transsilvaniae, exhibens stirpes 
phanerogaraas sponte crescentes, atque frequentius 
culta ; Cryptogamas vasculares, Characeas, etiam 
Muscos, Hepaticasque. Auetore Dr. phil. Johanne 
Ferdinando Schur, Profess. emer. Scientiae natural.^ 



Literatur. 157 

plurimum Societat. literar. sociali ord., Societat. natur. 
Transsilv. Cilliniensi et Societat. Regn. hungar. in- 
vestigator natur. Pestini correspond. etc. Vindobonae 
1866, apud Guilielmum Braumüller. 

Unter obigem Titel liegt uns eiu umfangreiches Werk, die 
Flora von Siebenbürgen, vor, in welchem uns der gelehrte Ver- 
fasser in grossen Umrissen ein reiches, vielgestaltiges Pflanzen- 
wachsthum in einem Lande vorführt, welches theilweise bis jetzt 
in botanischer Hinsicht noch nicht vollständig bekannt war. Das 
Buch enthält nämlich eine nicht unbedeutende Zahl von neuen 
und unbeuannten Gattungsnamen, Arten und Varietäten, wovon 
meistens nur die beiden letzteren mit wissenschaftlichen Diagnosen, 
Citaten und sonstigen Bemerkungen in lateinischer Sprache be- 
schrieben und die Standorte, Fundorte, Blüthezeit u. s. w. in deut- 
scher Sprache zugesetzt sind. 

Die Enumeratio umfasst einen Band von 62 Gross-Octav-Bogen 
mit 984 Seiten. Die systematische Zusammenstellung der darin 
enthaltenen Pflanzen ist mit wenigen Abweichungen nach De Can- 
dolle geordnet, mit ]G2 (Familien-) Ordnungs- und 1040 Gattung«- 
Namen mit 4622 Arten. Auf die Phanerogamen kommen 151 Ord- 
nungen mit 886 Gattungen und 4129 Arten; auf die Kryptogameu 
fallen 11 Ordnungen, die Gefässkryptogamen sind dabei mit 180 
Arten, die Laubmoose mit 224 Arten, die Lebermoose mit 75 Arten 
lind die Characeen mit 14 Arten vertreten. Unter den Phanero- 
gamen befinden sich 222 Culturpflanzen oder solche, die der Verf. 
als Flüchtlinge aus Gärten, als eingewandert oder als unbeständig 
bezeichnet. Vergleicht man nun in den)selben Verhältnisse J. C. G. 
Baumgarten, Enumeratio sfirpium iii Transsylvania, Tom. I — IV. 
Vindobonae 1816 mit nur 2548 Arten gegen die vorliegende Enn- 
meratio von 1866 mit 4622 Arten, so so hat sich die Zahl um 2038 
Arten vermehrt. Dem Verfasser dieser Enumeratio hat demnach 
die botanische Wissenschaft durch mühevolle und schwierige For- 
schungen zu verdanken, dass sie einen bedeutend weiteren Ein- 
blick in den Pflanzenreichthum jener Gegenden gewonnen hat, 
welcher für dieselbe, besonders aber für die geographische Botanik, 
von hohem Werth ist, wenn auch manche als neu beschriebene 
Pflanze, was bei Bearbeitung und Sichtung eines so bedeutenden 
Materials kaum vermieden werden kann, auf schon früher bekannte 
Pflanzennamen zurückgeführt werden wird. 

Bei Aufstellung von neuen Gattungen hat der Verf., wie er 
selbst im Vorworte bemerkt, sich frei bewegt, indem er nach sei- 
ner Ansicht für erforderlich gefunden, Sectionen oder Subgenera 
der Arten oder eingeschobene heterogene Formen als Gattungen 
zu erheben und diese mit Namen der verdienstlicheren Botaniker 
Siebenbürgens, z. B. Haynald, Bielz, Fuss, HeuflFel, Lerchenfeld, 
Kladni zu belegen, oder auch nach Sectionen, Subgenera anderer 
Autoren unter seinem Namen zu benennen; wenn auch manche 
Aufstellung nicht ungerechtfertigt erscheint, so mussten doch die 
neuen Gattungen Diagnosen erhalten. Bei Beschreibung von neuen 
Arten hat der Verf. mehrfach ausser den obigen Botanikern auch 
die Namen von Baumgarten, Fenzl, Heuffler, Kayser, Sigerus be- 
nutzt; warum aber nicht Janka? Wenn nun aber die Ansicht des 
Verf. adoptirt werden sollte, dass jeder Autor einer Flora die in 
der Botanik anerkannten Sectionen und Subgenera von De Caud., 



158 Literatur. 

E. Br., Koch etc. zu neuen Gattungen stempeln wollte, so würde 
man zuletzt den Wald der Bäume wegen nicht mehr sehen kön- 
nen; denn nach einem Ueberschlag des Registers sind circa 10 Pro- 
cent der Pflanzen von dem Verf. benannt! 

Bei Bearbeitung der Enumeratio plantarum Transsilvaniae hat 
sich der Verf. die Aufgabe gestellt, welche neue Arten und Ab- 
arten, nach seinen Beobachtungen, in Siebenbürgen vorkommen 
und es scheint ihm, nach den umfassenden Auseinandersetzungen, 
auch gelungen zu sein, ein übersichtliches Bild der Flora Sieben- 
bürgens nach Kräften aufgerollt zu haben. 

Wer ein so umfangreiches Werk näher kennen lernen will, 
dem kann man nur rathen, das Original zu studiren, um eine voll- 
ständige Auffassung zu erlangen und wir wollen in diesen Blättern 
nur Dasjenige mittheileu, was uns bei flüchtiger Durchsicht noch 
besonders aufgefallen ist. 

Pag. 11. Ranun culaceen. Ranunculus Sect. I., Batrachium 
De Cand. Syst., stellt die Enumerat. als Batrachium Schii7\ herb. 
Trajissilv. auf, indem E. Meyer diesen Namen als Gattung schon 
182ü in seiner Flora von Preussen beschrieben hat; ebenso 

Jiatr. hederuceinn Schur., früher E. Meyer., Wimmer etc. 

Balr. aquatile Schur, „ „ „ 

Batr. jjaucisfaminea Schur. Fr. Schultz schon in seiner Flora 
der Pfalz. 

Batf. fluitans Schur., früher Wimmer etc. 

Sect. II. Hecatonia De Cand. Syst. hat Schur zu einer eige- 
nen Gattung Hecatonia Schur gemacht und darunter gestellt: 

H. glucialis Schur; Ranuvculus glacialis L. 

H. alpestris Schur; Ranuvculus alpestris L. 

H. Traunfellneri Schur; Ranunculus Traunfellneri Hoppe 

H. crenata Schur und Hecatonia aconitifolia Schur. 

Pag. 29. Cruciferen. Nastnrtium R. Br. Sect. II. Brachy- 
lohus De Cand. nimmt der Verf. als eigenes Genus unter Brachy- 
lobus Schur auf, obschon Allion. pedem. schon früher Sisymhrium 
amphihium L. Brachylobus amphibius nannte. Schur stellt nun 
unter seinen Brachylobus noch Br. pyrenaicus Schur, Br. silvestris 
Schur; Br. brevistylus Schur ist wohl nur Varietät von Nastur- 
tium silvestre Koch syn. II. p. 38. Br. palustris Schur. ^ Br. ripa- 
rius Schur ist Nasturtium riparium Wallr. sched. er. eine Varietät 
von N. amphibium y auriculatum De C. Br. anceps Schur. Br. 
armoracioides Schur. Br. hybridus Schur nov. spec. Siebenbürgen 
bei Schellenberg mit Bi: austriacus Schur. 

Pag. 49. Cardamine rivularis Schur ist nach Andrae Botan. 
Zeitung 1853 subalpine Form von C. pratensis, Südkarpathen. 

Pag. 51. Hesperis Kladni Schur, H. glabra Schur und H. al- 
pina Schur, Siebenb., Verhandl. Enum. Transsilv. scheinen nach 
Beschreibung Formen von der vielgestaltigen Hesp. matronalis. 

Pag. 56. Erysim. Witmanni Zaw. Galiz. 81. E. odoratum Baumg. 
Trans. II. ist nach Andrae Bot. Zeitg. von E. carniolicum Doli. 
nicht verschieden und die letztere ist nach K. syn. ebenfalls nur 
eine Var. y dentatum von E. odoratum Ehrh. 

Pag. 132. Hypericineen. Hypericum Rochelii Griesb. scheint 
uns nach der Beschreibung zu H. Richeri Vill. delph. zu gehören, 
indem die Blätter nur etwas mehr herzförmig, Kelche und Deck- 
blätter etwas mehr gefranzt sind. 

Pag. 134. Geraniaceen. Geranium alpestre Schur Transsil. 
G. sylvaticum Baumg. scheint wohl Alpenform von G. sylvaticum L. 



Literatur. 159 

Pag. 144. Papilionaceen. Genista transsilvan. Schur. Enum. 
Seet. 637. G. leptophylla Spach. Ann. des sciences. 1845. G. trian- 
gularis Fuss., nicht Baumg. Am Altfluss bei Talmatz. Mai bis 
Juli. 1500'. 

Genista rupestris Schur Emim. mit dem Citat {affinis G. tinC' 
toria). Kalkfelsen auf dem Kapellenberge bei Kronstadt. Mai bis 
Juli. 3 — 4000'. 

Genista incubaea Schur. Enum. Kapellenberg. Mai bis Juli. 

Vicia Lerchenfeldiana Schur. Enum. pl. Trans. V. morospor- 
tensis Lerchenf. V. hybrida et V. lutea, an var. Schur. Morosporto 
in Siebenbürgen etc. Juni — Juli. 

Vicia ßavida Schur Enum. pl. Trans. Sect. 20. V. lentiformis 
Schur herb. Trans. {Affinis V. lutea L. var. ß K. syn.) Hermann- 
stadt. Juni — Juli. 

Pag. 183. Rosaceen. Dryadeae Vent. 

Geum strictum Ait. hort.Kew. G. infermedium Bess. De C.prod. 
non Ehrh. Am Arpat in Siebenbürgen. Juli — August. Leicht mit 
G. urbanum zu verwechseln. 

Potentilla pseudo-frigida Schur. Enum. pl. Trans, p. 195. Kalk- 
alpen auf dem Königsstein bei Kronstadt. 6 — 7000'. August. 

Potentilla amphibola Schur. Enum. Auf den Budos am St. 
Anna-See. 7 — 8. 

Scleran th een. Scleranthus neglectus Rachel pl. Banat. rar. 
Baumg. Rchb. fl. excurs. Auf der Höhe von Butsets, 8000'. Juli 
bis August. 

Pag. 229. Crassulaceen. Sempervivum ciliatum Schur Enum. 
S. campaniforme Schur herb. Scheint nach Beschreibung S. sobo- 
liferum Sims, nahe zu stehen. Gneisfelsen, Mauern, Dächer bei 
Michelsberg. 7 — 8. 

Umbellif eren. Libanotis humilis Schur En. pl. Tr. L. pu- 
mila Schur herb. Trans. L. alpina Schur. Sect. Hält Neil reich 
nur für niedere Alpenformen von L. montana Crtz. Glimmerschie- 
fer der Arpater Alpen. 6 — 7000'. Juli — August. 

Pag. 290. Valerianeen. Valeriana sisymbrifolia Desp. Chair. 
De C. prodr. Schur Enum. V. Cardaminis M. et B. V. transsil- 
vanica Schur herb. V. tripteris var. Schur. Quellige Orte auf den 
Arpater Alpen. 3000'. Juli. Soll Aehnlichkeit mit Nasturtium offi- 
cinale haben. 

Pag. 312. Compositen. Inula transsilvanica Schur. Enum. 
pl. trans. I. media Schur, I. cordata germanica Schur. Verb, des 
Siebenb. Ver. Die Pflanze scheint mit /. inedia M. v. B. Koch syn. 
viel Aehnlichkeit zu haben. Sonnige Hügel bei Klausenburg etc. 
7 — 8. _ 

Tripleurospermum pusillum Maly, pag. 386, ist richtig als Tri- 
pleur. inodorum o. pusillum Janka. Oestr. botan. Wochenbl. 1856. 
aufgenommen. Unangebaute Orte bei Klausenburg. 

Pag. 343. Stellt der Verf. Cineraria L. ß Tephroseris Rchb. 
exe. germ. Tephroseres De C. prodr. Endlicher als Genus Tephro- 
seris Schur auf und beschreibt die Species unter seinem Namen. 

Cirsium ferox De C. fl. fr. Schur Enum. pl. Transsilv. p. 419, 
welche nach einem Ex. in Baumgarten's Herb, als eine Pflanze 
Siebenbürgens aufgenommen wurde, scheint als südwestliche 
Pflanze auf einem Irrthum zu beruhen. 

Calcitrapa solstitialis Schur pl. Trans, ist schon vor 30 Jahren 
in meiner Flora von Coblenz pag. 179 so benannt worden. 



IGO Literatur. 

Pag. 447. Erica cinerea L. Schar. Enum.pl. Trans., nach Mit- 
theilung von Bielz bei Boitza in Siebenbürgen: scheint mir zwei- 
felhaft, da die Pflanze eine westeuropäische ist. Sie kann übri- 
gens leicht mit E. Teti-alix L. verwechselt werden, besonders wenn 
die Form des Blüthenköpfchens etwas abnorm verlängert ist, wie 
dies an dem Standorte Bonn am Rheine schon geschehen. 

Pag. 457. Gentiaim pneumonantlioides Schur. En. j)l. Transsilv. 
Waldränder bei Hermanustadt und Kronstadt. Sept. Oct. Scheint 
uns nur eine Varietät von G. Pneumommthe L., welche durch spä- 
tere Blüthezeit eine veränderte Form erhalten hat. 

Pag. 469. Onosma pseudn-arenaria Schur. Ex. pl. = 0. Stella- 
tum a ramosum paniculatum Schur. Sert. 0. transsilvanica Schur 
Herb, ist wohl nur eine ästige Abänderung von 0. stellatum L. 
Siebenb. bei Klausenburg; auf dem sogenannten Onosma-Hügel bei 
Hermannsdorf. Juli — August. Ebenso gehört O.pustulatum Schur. 
Oestr. bot. Zeitg. 1860. zu 0. montana Sm. 

Pag. 483. Scrophidaria ohjmpica Schier En. gehört nach Neil- 
reich zu Sc. laciniata. Hermannstadt (Janka). 

Pag. 521. Salvia transsilvanica Schur En. Sert. fl. travs. S. 
pratensis var. transsilvanica Grieseh. Rchb. Icon. XXV III. p. 29 
ist wohl nur eine Form der vielgestaltigen S. pratensis, Hermanu- 
stadt, Klausenburg. Juni — Juli. 

Ajuga Ästolonos Schur En. jj. 545. Herb, transsilv. Am Fusse 
des Surul, 3000'. Juli. A. purnila Schur Enum. A. alpina VilL, 
Kronstadt auf dem Kapellenberge. 2 - 8000' auf Kalkmeigel. Mai 
bis Juni. Sind wohl nur Formen der vielgestaltigen A. genevcnsis L. 

Pag. 593. Euphorbia lingulata Heuffel. Flora 1835. Schur 
Enum. pl. Trans. Soll nach Neilreich Nachtr. p. 277 von E. epi- 
thymoides Jacq. kaum verschieden sein. Siebenb. Kalk, auf dem 
Kapellenberi^e bei Kronstadt. 2500'. Mai — Juli. 

Pag. 608. Quercus Escidus L. sj). Schur. En. ptl. Trans. Ob 
in Siebenbürgen die Pflanze Linne's wächst, oder ob es nur Q. ^07i- 
ferta Kit. Rchb. Icon. XXII. p. 8, Q. Escidus Pollini veronensis 1789 
ist, da die echte Pflanze Linne's nur im südlichen Macedonien, 
Thracien wachsen soll. Siebenb. Bergwälder bei Hatzeg. 

Quercus pallida Heuffel. Oestr. bot. Ztg. 1858: Schur Enum. 
Neil reich sagt in seinen Nachtr., dass er die Pflanze nach Ori- 
ginal-Exemplaren von Q. Eessiflora Sm. nicht zu unterscheiden ver- 
möge. Siebenb. Westgrenze, Wälder bei Doba. April — Mai. 

Pag. 625. Jitnipcrus intermedia Schur. Enum. J. communis 
ß alpina Wahlb. Carpat. Gaud. Helv. J. communis y Lin. J. sibi- 
rica Burgsd. etc. Ist wohl nur eine Mittelform von J. communis 
und J. nana. Siebenb. auf dem Surul in den Kronstädter Alpen. 
Juli — August. 

Pag. 641. Orchis tefragona Heuff. Schur Enum. pl. Trans. 0. 
macidcda var. turfosa Schur Sert. Ist eine Form von 0. maculata 
L. Voralpen in Siebenbürgen auf Glimmerschiefer. Juni — Juli. 

Himantoglossum caprinum C. Koch, nicht cuprinum. Schu,r En. 
Aceras caprina Lindl. Safyrium hircinum Fall. Ist nach Reichb. 
fil. Icon. XXIII. p. 6 nur eine Form von H. hircinum. 

Pag. 659. Asparagus collinus Schur. Enum. Tixins. Sandige 
Hügel bei Hermanustadt und Klausenburg. Mai — Juni. Nach der 
Beschreibung scheint die Pflanze eine Form von Asp. officinalis. 

Pag. 665. Albucea chlorantha Schur En. Ornithogalmn chlo- 
ranthum Sanier Koch syn. ist nach ßritt. Flora 18^9, Hausmanu 



Literatur. 161 

Tirol, nur Schatten form von A. nutans RcTib. Grasgärten Klausen- 
burgs etc. 

Pag. 678. Colchicum paimonicum Griesb. et Seh. lt. hung. Wich- 
mann Archiv 1852, Schin^ Ennm. C. multiflorum Schur Sert. Ist 
nach Janka Linn. 1860 von C. aiitumnale nicht verschieden. Sie- 
benbürgen. Wiesen der Hügelregion bei Stolzenberg. September 
und October. 

C. transsilvanicum Schur Enum. C. latifolium Heuffel. Wald- 
wiesen, Kapellenberg bei Kronstadt. 2500'. 8 — 9. Früchte Juli. 

Cyperaceen. Sectionen der Carices erhebt der Verfasser zu 
eigenen Gattungen, z. B. Sect. Psyllophora LoisL, Sect. caricifor- 
mis Rchb. {Vigimnfha Schur), indem derselbe die Species unter sei- 
nem Namen darunter stellt. 

Gramineen, p. 728, hat der Verf. Colobachne Gerardi Lk. 
Schrad. gramin. der Enum. Transs. in den Arpaser nach Kladni 
angegeben: diese Pflanze ist aber nach Neilr. Nachtr. 20. nicht die 
echte Pflanze Link's, sondern Phleum Gerardi Panz. All. ped. oder 
Ph. commutatum Gaud. helv. I. 166 ; Formen von Ph. alpinum L. 
K. syn. IL p. 899. 

Hierochloa vivialis Schur. En. p.725; Oestr. botan. Ztg. 1859. 
H. Orientalis Eries et Heuffel. Oest. bot. Ztg. 1859. In Siebenbür- 
gen bei Klausenburg, sind nach Janka's Linn. 1860 von H. odorata 
Wahlh. nicht verschieden. 

Alopecurus obscurvs Schur. En. A. nigricans K. syn. IL, nicht 
Hörnern. A. pratensis ß obscurus Ledeb. Boss. IV. A. ventricosus 
Pers. Siebenbürgen, Waldwiesen bei Klausenburg und Kronstadt. 
Juni — Juli. 

AI. ruthenicus Weinm. hart. Dorp. 1810. Schur Enum. p. 726. 
AI. nigricans Hörnern, hafn. AI. armidinaceus Poir. AI. repens M. 
et B. A. Sibiriens Schott. Schwammige Wiesen der Alpen Sieben- 
bürgens. 5000'. 6 — 7. 

Alopecurus altissimus Schur. En. Oestr. bot. Ztg. 1859. Wie- 
sen, Grasgärten Siebenbürgens, bei Hermannstadt. Juli — August. 

Pag. 753 hat der Verf. in seiner Enum. pl. Trans, die II. Sec- 
tion Aira, Avenella K. syn. IL 915. Lerchenfeldia Schur genannt 
und Lerch. flexuosa Schur und L. idiginosa Schur als Arten zuge- 
zogen. Avena Sect. V. Caryophyllea K. syn. IL p.912 ist zu einem 
neuen Genus Fussia Schur benutzt und Fussia caryophyllea Schur, 
E. capillaris Schur und F. praecox Schur zugezogen; ebenso wurde 
vom Verf. Avena Sect. IL Avenastrum K. syn. IL 918 in Heuffelia 
Schur umgeändert und die in dieser Section aufgeführten Arten 
sind unter Schur veröffentlicht u. s. w. 

Man wird wohl im Allgemeinen mit meiner Ansicht einverstan- 
den sein, wenn ich behaupte, dass eine solche Vermehrung der 
Namen von neuen Gattungen und Arten der Wissenschaft keinen 
Nutzen bringt. Denn wenn alle Florenschreiber denselben Weg 
geben wellten, so müsste folgerichtig die Botanik sehr erschwert 
werden. 

Nun folgen pag. 815 die Characeen, pag. 818 die Gefäss-Cryp- 
togamen, pag. 844 die Laubmoose und die Lebermoose und den 
Schluss der Enumeratio macht ein vollständig ausgearbeitetes Re- 
gister der Ordnungen, Gattungen, Arten und Abarten der Flora 
Siebenbürgens mit den Corrigenda. 

W^ir halten obige Notizen aus dem als Flora ausgezeichneten 
wissenschaftlichen Werke für das Archiv hinreichend, um einen 

Arch. d. Pharm. GLXXXI.Bds. l,u.2.Hft. H 



162 Literatur. 

flüchtigen Blick in dasselbe werfen zu können, obschon in dem 
Buche selbst noch vieles Wissenswerthe und Interessante enthal- 
ten ist. 

Die ganze Ausstattung des Werkes ist in jeder Beziehung 
zweckentsprechend und vorzüglich ausgeführt und macht der Ver- 
lagshandlung alle Ehre. 

Dr. M. J. Löhr. 



Taschenbuch der Geheimmittellehre. Eine kritische 
Uebersicht aller bis jetzt untersuchten GeheimmitteL 
Zunächst für Aerzte und Apotheker, dann zur Be- 
lehrung und Warnung für Jedermann herausgegeben 
von Dr. G. C. Wittstein. Nördlingen, C.H.Beck. 
1867. 190 Seiten in Octav. 

Wenn sich irgend ein Buch für Jedermann empfiehlt, so ist es die- 
ses. Der Wunsch nach einer alphabetisch geordneten Zusammenstel- 
lung der Geheimmittel ist schon öfters laut geworden und noch neuer- 
dings hat ihn in seiner Schrift über Geheiramittel W. Krause 
vernehmen lassen. Witt stein war der Mann dazu, eine solche 
Sammlung zu veranstalten, da er selbst durch zahlreiche eigene 
und unter seinen Augen ausgeführte Prüfungen von Geheimmitteln 
ein ungemeines Interesse zur Beseitigung dieses Krebses der öffent- 
lichen Gesundheitspflege an den Tag gelegt hat. Wie sehr Witt- 
stein ausserdem die vorhandene Literatur benutzt hat, worunter 
ihm in den letzten Jahren besonders die Industrieblätter von Hager 
uiul Jacobson eine reiche und lautere Fundgrube für seinen 
Zweck darboten, zeigt die ungemein grosse Anzahl der Arcana, 
welche Aufnahme in diesen Codex medicaminum spuriorum gefun- 
den haben. Als unerlässliche Bedingung für ihre Aufnahme galt 
übrigens mit Recht die Kenutniss ihrer Zusammensetzung, nicht 
aber etwa der Umstand, dass sie in dem gegenwärtigen Momente 
in Gunst und Ansehen stehen. Auch das Obsolete ist in diese 
quasi Pharmakopoe aufgenommen, weil man von diesen Pseudo- 
medicamenten sagen kann, dass sie wiederbelebungsfähig sind und 
gar nicht selten über kurz oder lang unter demselben oder unter 
einem neuen Firmaschilde wieder auftauchen, wie das z. B. mit 
der als Revalesciere revalescenten Revalenta der Fall gewesen ist. 
So hat es denn Witt st ein zu einer sehr ansehnlichen Ziffer von 
Medicamenten der niedrigsten Art gebracht, die er in alphabeti- 
scher Ordnung aufführt und wobei er es nicht vergisst, über den 
Namen des Erfinders oder Verfertigers und seinen Wohnort, so 
wie über die empfohlene Anwendung und die angebliche Wirkung 
die ihm bekannten Facta oder Angaben beizufügen. Es sind solche 
Daten, die übrigens häufig fehlen, wie z. ß. bei dem das Buch ein- 
leitenden Acetine sehr werthvoll für einen Historiker dieser bisher 
als rudis indigestaque zu bezeichnenden Moles, wenn sich ein sol- 
cher finden sollte. Wir unsererseits würden eine solche Arbeit für 
keineswegs unverdieustlich halten und der Stoff selbst darf nicht 
als zu despectirlich angesehen werden, da ihm ein bedeutendes 
Interesse zukommt, indem die Unsitten der Zeit dieselbe wesent- 
lich charakterisiren; auch darf man nicht ausser Acht lassen, dass 
der vornehme Schatz unserer Pharmakopoen die Namen verschiede- 
ner Schwindler vergangener Jahrhunderte verewigt hat, wir wollen 



Literatur. 163 

nur an Dippel und den Grafen St. Germain erinnern. Es las- 
sen sich sehr hübsche Gesichtspuncte durch ein genaues Studium 
der VVittstein'schen Arbeit gewinnen. So z. B. über die Variation 
in den Benennungen, die manchmal ganz hausbacken den Zweck 
in der Sprache des Vaterlandes ausdrücken, wie Augenwasser, 
Augenheilwasser, Gichtpflaster, Kropfpulver, Viehfutter, bald dies 
in fremden Zungen thun, wie Antisudie, Chromacome, oder doch 
wenigstens neben dem Krankheitsnamen noch eine pharmaceutische 
Beigabe, wie Essenz, Balsam tragen, bald ganz sinnlos und haar- 
sträubend componirt sind, wie Anditropfen, Anthosenz ; nicht selten 
ist es auch, dass ein französischer Fabrikant einen englischen Na- 
men wählt, wie Odorous poioder, oder ein Deutscher glauben machen 
will, sein Fabrikat sei in England erfunden (vgl. Augenwasser von 
White, das aus der Fabrik von F. Ehrhardt in Altenfeld in Thü- 
ringen stammt). Interessant ist es dann auch zu verfolgen, welche 
Kiankheiten besonders industriell von Geheimmittelfabrikanten aus- 
gebeutet werden. Bisweilen sind es besondere Krankheiten, wie 
die Cholera, die eine Anticholerasäure, ein Anticholerawasser, Bast- 
ler's Choleratropfen u. s. w. hervoi-rief, oder die Epilepsie, in Bezug 
auf welche wir von S. 83 — 87 verschiedenen Mitteln begegnen, zu 
denen Deutschland, Frankreich und selbst Holland ihr Contingent 
stellten: bisweilen Krankheiten bestimmter Organe, z.B. Augen- 
krankheiten, Magenki-ankheiten, welchen beiden ein erkleckliches 
Quantum gegen sie bestimmter Arcana zufällt; bisweilen haben die 
Mittel den Zweck, schmerzstillend zu wirken, und insbesondere ist 
es dann auch der Zahnschmerz, welcher dadurch curirt wird ; viele 
haben den Zweck, die Lebenskraft zu stärken, manchmal daneben 
auch noch antodontalgisch zu wirken, wie das oder die oder der 
Anthosenz von Hess; eine besondere Aufmerksamkeit ist aber von 
Seiten der Industrieritter der Haut und den Haaren gewidmet und 
namentlich scheinen Grauköpfe jederlei Geschlechts eine willkom- 
mene Beute für derartige Schwindelei und Prellerei zu sein. Um 
eine solche aber handelt es sich, wie die von Wittstein überall, 
wo es anging, beigefügten Gegenüberstellungen von Preis und Werth 
beweisen, in allen Fällen; manchmal muss der Geprellte den 35- 
fachen Werth bezahlen, wie z. B. bei der Lebenstinctur von Lau- 
rentius. Es enthält Wittstein 's Buch übrigens, wie wir bemer- 
ken müssen, nicht allein Medicamente, sondern auch eine grosse 
Keihe technischer Geheimmittel, hinsichtlich deren in Ansehung 
der Prellerei das Nämliche gilt, wie von den Arzneimischungen; 
auch hier herrscht eine grosse Mannigfaltigkeit bezüglich der Ver- 
wendung, vom Butterfärbmittel bis zum Delphiueum, das Stiefel 
gegen Wassersgefahr schützt, und zu Bucher's Feuerlöschpulver, 
welches des Feuers Herr werden soll, alle durch das gemeinsame 
Band der Geheimnisskrämerei und des zu hohen Preises zusam- 
mengehalten. Auch die Veterinärheilkunde hat ihre Arcana, Mor-»- 
veum und wie sie alle heissen mögen, denen bei Wittstein ihr 
Recht geschieht. 

Bei weitem die Mehrzahl der im vorliegenden Codex arcano- 
rum enthaltenen Geheimmittel sind deutscheu Ursprungs (nicht 
allein die grossen Städte unseres Vaterlandes, unter denen Berlin 
und Wien hinsichtlich der Grösse des Ei-findungsgeistes rivalisiren, 
sondern auch kleinere Orte haben Beiträge dazu geliefert): ausser- 
dem finden wir Frankreich, Grossbritannien, Holland, Kussland, 
Italien, die Schweiz u. s. w. berücksichtigt. Zur Vergleichung über 
die Prävalenz des Industrieritterthums in den einzelnen Ländera 



164 . Literatur. 

scheint uns indoss das WittstcinVche Bnch nicht das nöthigc Ma- 
terial zu liefern, indem wir gerade in liezug auf auswärtige Län- 
der Manches vermissen und zwar namentlich Sachen, bei denen 
die Gesundheitsschädlichkeit klar zu Tage liegt: wir erinnern z.H. 
an die Strychniumischungen zum Zwecke der Tödtung von Unge- 
ziefer, wie liattley's vermin kilter, Vermicidal macjical poioder, 
von denen ersteres nach einer Analyse von May et (Ami.d'liy. 373. 
1865) im Paquete von l'/s^rm. Gewicht 0,10 Grm. Btrychnin, 1,00 
Kartoffelstärke und 0,20 JJerliner Blau enthält; an das zu so vie- 
len tödtlichen Into.xicationen Anlass gewesene Sir William Biirndts 
Fluid {Burnetts desivfecting fluid), nach Taylor eine Lösung von 
372 Gran Chlorziuk in 1 Unze Wasser), endlich an die verschie- 
denen Opium enthaltenden englischen Mittel, Godfrey's Cordial, 
Dalby's Ccu'minative, Battley's sedative Solution, ühnv AarauTjüsaiXn- 
meusetzuugWittstein das Bekannte in meinem Handbuche derToxi- 
kologie p. .')03 angegeben gefunden haben würde. Einzelne vermisst 
Kef. um so mehr ungern, weil sie zu den beliebten und viele Jahre 
hindurch in Gebrauch stehenden Mitteln gehören, z. B. Battley's 
sedative Solution, die sogar neulich im Pritchard'schen Processe eine 
Rolle spielte, indem dieser ärztliche Giftmischer sie mit Aconit 
gemengt zu haben schien, um unter dem Deckmantel dieses Arca- 
nums ungestraft Giftmischeri treiben zu können. In Bezug auf ein 
englisches Geheimmittel findet sich S. 73 in der Ueberschrift ein 
störender Druckfehler; es muss heissen: lierbal emhrocation for the 
loooping-congh. Auch das so sehr en vogue stehende Chlorodyne 
(vergl. Wiggers Jahresber. für 1865, p. 95) fehlt bei Wittstein. 

Auch unter den neuesten Erzeugnissen französischen, russischen 
\ind deutschen Industrieritterthums vermissen wir Einiges. So z. B. 
den Toilette- Essig von Jean Vincent Bully (vergl. darüber 
Hannov. Zeitschrift für wisseusch. Heilkunde, 1866, p. 414, wo das 
Recept nach einer früheren Angabe im Journ. de Pharm, et de 
Chim. mitgetheilt ist, Dr. Mampe's echte bittere Tropfen (Pharm. 
Centralhalle, V. 371), Dr. Scharlau's Milchpulver, von Peltz 
(Pharmac. Ztschr. für Russland, III. 55) analysirt, Pariser Gela- 
tinpomade (Hager in dessen Centralhalle, V. 31, amerikanisches 
Mustangliniment (Neue Jahrb. für Pharm. XX. 168) u. s. w. Auch 
das im Fürstenthum Lippe gewissermassen unter obrigkeitlicher 
Aufsicht verkaufte Schmiedeskamp sehe Schutzmittel gegen 
Wuthkrankheit, dem in Folge von blindem Vertrauen zu dem- 
selben schon manche Opfer gefallen sind, hätte aufgenommen wer- 
den können, da dessen Zusammensetzung bekannt ist. Ebenso ver- 
missen wir die neueste Schöpfer'sche Industrie, das famose Tsa- 
tsin, das als chinesisches Heilmittel sogar Pbarmakognosten wie 
Schroff und Wiggers getäuscht hat, obschon es den Stempel 
der Dichtung durch eine beigefügte romanhafte Geschichte von 
einem niemals existirt habenden Apotheker Schmidt, der aus dem 
von einem Mandarinen bewachten chinesischen Tsa-tsin-Felde sich 
eine Schote dieses herrlichen Mittels, das im Vereine mit Chamil- 
lenthee (d. h. mit einem für sich wirksamen Mittel) Menstrualkoli- 
ken in 3 — 4 Tagen (d.h. in derjenigen Zeit, binnen welcher sie 
spontan aufhören) beseitigen soll, annectirte, auf der Stirn trägt 
und das Tscheu-fu, ein Antiepilepticum von der allerhöchsten 
Bedeutung (?), aber weder in China gewachsen, noch dort je 
gebraucht, sondern in Deutschland aus Artemisia und Curcuma 
gemischt. 

Andererseits müssen wir hervorheben, dass Wittstein an ein- 



Literatur. 165 

zelnen Stellen zu weit zurückgegangen ist: so hätte unsers Erach- 
tens die Aqua Tofana fehlen können, ohne dass dem Werthe des 
Buches dadurch geschadet worden. Wenn Wittstein diese aber 
aufnahm, so mussten eine Menge anderer Arcana vergangener Jahr- 
hunderte, das Poudre de succession, die vielen spagirischen Mittel 
auch Aufuahme finden, zumal da diese zum Theil besser hinsicht- 
lich ihrer Zusammensetzung gekannt sind, wie das berüchtigte ita- 
lienische Giftwasser. 

Diese Ausstellungen, welche wir im Interesse einer zweiten 
Auflage oder eines Additaments zu Wittstein's Codex arcanorum 
machen mussten, hindert uns nicht, die gethane Arbeit in hohem 
Grade willkommen zu heissen und wünschen wir dieselbe am lieb- 
sten in aller Aerzte und Apotheker Händen, damit dieselben durch 
Verbreitung dieser die Prellereien der Geheimmittelfabrikanten ad 
oculos demonstrirenden Schrift in ihren Kreisen, besonders an Geist- 
liche und Lehrer, der Ausbreitung des immer weiter wuchernden 
Krebsschadens der öffentlichen Gesundheitspflege Einhalt thun könn- 
ten. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Aerzte selbst 
nicht die Hände in den Schoos legen dürfen, wo es darum gilt, ein 
solches Unkraut auszurotten, das hier und da, wie der bekannte 
Lampen-Scaudal beweist, von der Obrigkeit gepflegt wird wie ein 
seltenes Blümlein, aber dieser Vertilgungskrieg wird erst dann ein 
fruchtbarer, wenn er mit gemeinsamer Anstrengung geführt wird, 
und auch zum gedeihlichen Ende kann er erst gebracht werden, 
wenn, wie es die bekannten Richter'schen Vorschläge bezwecken, 
die Aerzte das Selfgovernemeut in ihrem Gebiete auszuüben und 
aus ihren Kreisen die räudigen Schafe, welche dem ludustrie- 
ritterthum Vorschub zu leisten sich nicht entblöden, auszumerzen 
berechtigt sind. 

Theodor Husemann. 



Bibliograpliisclier Anzeiger für Pharmaceuteu, 
1867. No. II. 

Annalen der Chemie und Pharmacie. Herausg. von Fr. Wöhler, 
J. Liebig u. H. Kopp. Jahrg. 1867. 12 Hefte gr. 8. Leipzig, 
C. F. Winter, n. 7 ^. 

— der Physik und Chemie. Herausg. von J. C. Poggendorff. Bd. 
130-133. Jahrg. 1867. 12 Hefte gr. 8. Leipzig, J. A. Barth. 

n. 91/3 ^• 
Apotheker-Zeitung. Correspondenzblatt für Apotheker, Dro- 

guisten, Chemiker etc. Eed. Dr. Heppe u. Kohlmann. Jahrg. 

1867. 52 Nrn. Fol. Leipzig, Kürsten. IV2 '$• 
Archiv für Anthropologie. Zeitschrift für Naturgeschichte u. Ur- 
geschichte des Menschen. Red. v. A. Ecker u. L. Lindenschmit. 

2. Heft. Mit eingedr. Holzst. gr. 4. (1. Bd. S. 161 — 284.) 

Braunschweig, Vieweg u. Sohn. n. l'/2 «f- 
Barth, L., über die Paraoxybenzoesäure. Lex,-8. (10 S.) Wien, 

Gerold's Sohn. n. 2 n^r. 



166 Bibliographischer Anzeiger. 

Brehm, A. E. u. E. A. Rossmässler, die Thiere des Waldos. 

2. Bd. 4—6. Lief. Lex. -8. Mit eingedr. Holzsclin. Leipzig, 

C. F. Winter, n. 24 nf. 

Centralblatt, chemisches. Repertorium für reine, pharmac, phy- 
siolog. u. techn. Chemie. Red. R. Arendt. 12. Jahrg. 1867. 
12 Nrn. 8. Leipzig, Voss. u. 5 »S^. 

Centralhalle, pharmac, für Deutsehland. Herausg. von Hager. 
8. Jahrg. 1867. Lex.-8. Berlin, Springer's Verl. baar n. 2 ^. 

Cor da, A. J., Flora protogaea. Beiti-äge zur Flora der Vorwelt. 
Mit 60 Taf. Abbild. 1. Lief. 4. (14 S. mit 8 Steintaf.) Ber- 
lin, Calvary & Comp. n. 1 »f*. 

Crüger, Dr. Job., Lehrbuch der Physik. Mit 318 eiogedr. Holzsch. 
gr. 8. Erfurt, Körner's Verl. n. l'/s ^■ 

Uncyklopädie, allgemeine, der Physik. Herausg. v. G. Karsten. 
18. Lief. Lex.-8. Leipzig, Voss. 2% 4. 

ütti ngshausen, Prof. Dr. C. Ritter v., die fossile Flora des Ter- 
tiär-Beckens von Bilin. Mit 30 litb. Taf. 4. Wien, Gerold's 
Sohn in Comm. u. 6^/3 4- 

Fleischer, Dr. Emil, kurzgefasstes Lehrbuch der Massanalyse. 
Mit eingedr. Holzschn. gr. 8. (176 S.) Leipzig, J. A. Barth, 
n. 28 ngr. 

riora od. allgem. botan. Zeitung. Red. Dr. Herrich-Schäffer. 25r 
Jahrg. 1867. 48 Nrn. gr. 8. Regensburg. (Pustet.) n. 4 4. 

Flora Bremensis. Nachträge und Berichtigungen dazu. Zu- 
sammengestellt von Dr. Frz. Buchenau. 8. Bremen, Müller, 
n. 8 7iqr. 

Flora von Deutschland. Herausg. vou F. L. v. Schlechtendal, L. 

E. Langethal u. E. Schenck. 21. Bd. 1. u. 2, Lief. 8. Jena, 

F. Mauke, '/s 4- 

Flückiger, Dr. F. A., Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflan- 
zenreiches. Für Pharmaceuten, Mediciner und Chemiker. 2. u. 

3. Lief. gr. 8. (S. 129-384.) Berlin, Gärtner, a n. 2/3 4, 
Tuss, M., Flora Transsylvaniae excursoria. 8. (864 S.) Hermann- 
stadt, Filtsch. n. 22/3 4. 

Garten, der zo. logische. Herausg. v. F. C. NoU. 8. Jahrg. 1867. 
12 Nrn. Mit Illustrat. Lex.-8. Frankfurt a. M., Sauerländer's 
Verlag, n. 22/3 4. 

Hanstein, Prof. Dr. F., über die Richtungen und Aufgaben der 
neueren Pflanzen-Physiologie. 8. Bonn 1866, Marcus n. '/e 4- 

Harting, Prof. P., das Mikroskop. Theorie, Gebrauch, Geschichte 
u. gegenwärtiger Zustand desselben. Herausg. v. F. W. Theile. 
2. Aufl. 3. Bd. gr. 8. Braunschweig, Vieweg u. Sohn. n. 2 «$. 
(compl. öVs 4-) 

Hedwigia. Notizblatt für kryptogam. Studien. Red. von Dr. L. 
Rabenhorst. Jahrg. 1867. 12 Nrn. Mit Steintaf. gr. 8. Dres- 
den, Heinrich, baar n. 2 4- 

Hein, Theod., Analyse eines Meteoriten aus Dacca in Bengalen. 
Lex.-8. (4 S.) Wien, Gerold's Sohn. l'/2 «f • 

Hlasiwetz, H. u. A. Grabowsky, über die Carminsäure. Lex.- 
8. (14 S.) Wien, Gerold's Sohn. n. 2 nf. 

Jahrbuch, neues, für Mineralogie, Geologie u. Paläontologie. Fort- 
gesetzt V. G. Leonhard u. H. B. Geinitz. Jahrg. 1867. 7 Hfte. 
Mit Steintaf. gr. 8. Stuttgart, Schweizerbart. n. 6 ;f 12 «gr. 

für Pharmacie u. verwandte Fächer. Hei-ausg. v. Dr. F. Vor- 
werk. Jahrg. 1867. 12 Hefte, gr. 8. Speyer, Neidhard. baar 

D. ^ 4. 



Bibliographischer Anzeiger. 167 

Jahrbücher für wissenschaftl. Botanik. Herausg. v. Dr. N. Frings, 
heim. 5. Bd. 2. Heft. Lex.-8. Leipzig, Engelmann. n. 3 ^. 

Journal für prakt. Chemie. Herausg. v. 0. L. Erdmann und G- 
Werther. Jahrg. 1867. 24 Hefte, gr. 8. Leipzig, J. A. Barth. 
n. 8 ^. 

Kalender, pharmaceutischer, für Süddeutschland, auf d. J. 1867. 
Herausg. von Dr. F. Vorwerk. 5. Jahrg. gr. 16. Speyer, Kle- 
berger, n. 17 V2 ^F- 

Keruer, A. u. J. Kerner, Herbarium Österreich. Weiden. 6. u. 
7. Decade. Fol. (ä 10 Bl. mit aufgekl. Pflanz, u. 1 Bl. Text.) 
Innsbruck, Wagner, n. 1 ^. 

Kopp, Herm., Sonst und Jetzt in der Chemie. Ein populär- wis- 
sensch. Vortrag, gr. 8. Braunschweig, Vieweg u. Sohn. n. 8 »gr. 

La Fontaine, Alph. de, Faune du pays de Luxembourg ou ma- 
nuel de Zoologie. Oiseaux. 2. Partie, gr. 8. Luxembourg, 
Bück. 24 n^r. 

Landois, Dr. H., die Ton- u. Stimmapparate der Insekten in ana- 
tomisch-physiologischer und akustischer Beziehung. Mit 2 Taf. 
gr. 8. Leipzig, Engelmann. n. 5/g ^. 

Ludwig, C, Arbeiten aus der physiolog. Anstalt zu Leipzig v.J. 
1866. Mit 7 Taf. gr. 8. Leipzig, Hirzel. n. l'/s 4- 

Malin, G., über ein Derivat der Pyrogallussäure. Lex.-8. Wien^ 
Gerold's Sohn, l'/a «f- 

Maly, Dr. R. L., über einige Derivate des Thiosinnamins. Lex.-8. 
Wien, Gerold's Sohn. 2 ??gr. 

Metschnikow, Elias, embryologische Studien an Insekten. Mit 
10 Taf. gr. 8. Leipzig, Engelmann. n. 2% ^. 

Miquel, F. A. G., Prolusio florae Japonicae. Fase. IV. Fol. (S. 
145 — 192.) Amsteldami. Leipzig, Fr. Fleischer, n. 1^21ngr. 

Müller, Anton, alphab. Wörterbuch synonymer deutscher, lateini- 
scher u. böhmischer Namen der officin. Pflanzen. 4. (174 S.) 
Prag, Rziwnatz. n. 1 .$ 26 vf. 

Muspratt's theoret., prakt. und analvt. Chemie, von Dr. F. Stob- 
mann, fortges. v. Prof. B. Kerl. 2te Aufl. 3. Bd. 6—11. Lief. 
4. (S. 321— 704.) Braunschweig, Schwetschke u. Sohn, k n. 12w3r. 

Neilreich, .A^ug., Flora von Niederösterreich. Nachträge, gr. 8. 
(104 S.) Wien 1866. Leipzig, Brockhaus. n. 2/3 ^. 

Nitschke, Dr.Th., Pvrenomycetes germanici, die Kernpilze Deutsch- 
lands. 1. Bd. i. Lief. gr. 8. (160 S.) Breslau, Trewendt. 
n. 12/3 ^. 

Patek, Sehulr. Job., die Giftpflanzen. 2. (Schluss-) Heft. gr. 4. 
Prag. Tempsky. n. l'/.3 4- 

Portius, K. W-, die Entdeckung der Grundelemente des Weltalls, 
ein naturwiss. Vortrag, gr. 8. (163 S.) Leipzig. Brauns, n. 2/3 ^^ 

Eabenhorst, Dr. L, die Algen Europas. Dec. 81—89. 8. (ä ca. 
10 Bl, mit aufgekl. Pfl.^ Dresden, am Ende, haar k n. ^/g ^. 

Regnault-Strecker's kurzes Lehrbuch der Chemie. 1. Bd. 
2. Hälfte. 8. Braunschweig, Vieweg u. Sohn, ä n. 1 1^. 

Reinsch, Paul, das Mikroskop in seiner Bedeutung für die Erwei- 
terung der Naturkenntniss. für die Entwickelung der physikal.,, 
der beschreib, u. physiolog. Wissenschaften. Mit 6 Taf. gr. 8. 
Nürnberg, Stein, n. 2'/3 ^. 

Eepertorium, neues, für Pharmacie. Herausg. v, A. Buchner. 
13—15. Bd. ä 12 Hefte, gr. 8. München, Kaiser, ä Bd. 2 «f 
16 n^r. 



168 Bibliographischer Anzeiger. 

Köchle der, Dr. Fr., zur Elemcntaranaivse org. Substanzen. Lex.-8. 
(3 S.) Wien, Gerold's Sohn. II/2 ntjr. 

— über den Gerbstoff der Rosskastauie. Lex.-8. (23 S.) Ebend. 

3 n^r. 

Schacht, Dr. J. F. u. F. W. Laux, Preise von Arzneimitteln, welche 

in der 7. Ausg. der preuss. Pharmakopoe nicht enthalten sind. 

Zusammengest. f. d. J. 1867. gr. 8. (64 S.) Berlin, Gärtner.. 

baar n. Vs *^- 
Ule, Dr. Otto, populäre Naturlehre. Mit eiugedr. Holzsehu. 8. 

Lief. 8. (S. 577 - 687.) Leipzig, Keil. _ ä V4 4- 
Veränderungen der kön. preuss. Arzneitaxe für die Hohenzol- 

lernschen Lande für 1867. gr. 8. (10 S.) Berlin, Gärtner. 

n. 2V2 't^f- 
Vierteljahresschrift für techn. Chemie, landwirthsch. Gewerbe 

u. Fabrikwesen. Herausg. v. Dr. W. Artus. 8. Jahrg. 1867. 

4 Hefte, gr. 8. Quedlinburg, Basse, n. 2V3 4- 

Weiss, Ad., Untersuchungen über die Entwickelungsgeschichte des 
Farbstoffes in Pflanzcnzelleu. Lex.-8. (61 S.) Wien, Gerold's 
_ Sohn. n. 5/g ^. 

Wi essner, Dr. Jul., Einleitung in die techn. Mikroskopie nebst 
mikroskop. -techn. Untersuchungen. Mit 142 Holzschn. 8. Wien, 
Braumüller, n. 21/3 4- 

Wittstein, Dr. G. C, Anleitung zur Darstellung und Prüfung 
chemischer und pharmac. Präparate. 4. Aufl. 8. (764 S. mit 
eingedr. Holzschn.) München, Grubert. 4 ^. 

Wochenblatt, pharmac., insbesondere den materiellen Interessen 
des Standes gewidmet. Hei*ausg. v. Dr. H. Hanstein. Jahrg.. 
1867. 52 Nrn. gr. 8. Heidelberg, Weiss, n. 27 n^r. 

Zeitschrift des allgem. Österreich. Apotheker- Vereins. Red. von 
Fr. Klinger. 4. Jahrg. 1867. 24 Nrn. Lex.-8. Wien, Tend- 
ier & Comp, baar n. 4 ^. 

— Österreich, botan. Herausg. Dr. A. Scofitz. 17. Jahrg. 1867. 

12 Nrn. gr. 8. Wien, Gerold's Sohn. n. SVs, 4- 

— für Chemie. Herausg. von F. Beilstein, R. Fittig u. H. Hühner^ 

10. Jahrg. gr. 8. Leipzig, Quandt u. Händel, n. 3'/2 4- 

— pharmaceut., für Russland. Red. v. Dr. A. Casselmann. 6. Jahrg. 

1867. 12 Hfte. Lex.-8. Petersburg, Münk. n 4 ^. 
Zeitung, botanische. Red. Hugo v. Mohl, A. de Bary. 25. Jahrg. 
1867. 52 Nrn. 4. Leipzig, Felix, n. 6 4. 

E. 



Holbucbdrackerei der Gebr. Jänacke >Q HaonoTer. 



ARCHIV DER PHARIACIE. 

CLXXXI. Bandes drittes Heft. 

I. Pli^'sik, Chemie^ Pflaitzeiiphyisio- 
log;ie und praktische Pharinacie. 



Ceber die Mineralquellen zu Tönnisstein und 
Heiibrunnen im Brohlthale; 

von 

R. Bender. 



iiiinen Hauptreichthum des Brohltbales bilden eine 
Menge Mineralquellen, welche durch die Verschieden- 
artigkeit ihres Gehaltes auffallen und als die namhafte- 
sten sind zu erwähnen: der Tönnissteiner Brunnen, die 
Tönnissteiner Stahlquelle und der Heilbrunnen. 

Das Tönnissteiner Wasser hatte schon in frühen 
Zeiten einen medicinischen Ruf, so nennen schon Prof. 
Günther in Strassburg 1565 in seinem Commentar. de 
balneis et aqins medicatis und Tabernaemontanus 1593 
diese Quelle fo}}s excellentissimus\ im 17ten und 18ten 
Jahrhundert erschienen verschiedene Schriften über die- 
selbe, in welchen die Heilkraft des Wassers in den ver- 
schiedensten Krankheiten angepriesen wurde; von den 
neueren sind zu erwähnen die von Wall er heim, G. 
Bischof, Wegeier u, a. 

Das Tönnissteiner Wasser entquillt einem Brunnen, 
der durch eine 17 Fuss hohe Kuppel, welche auf einer 
Rückwand und 4 toskanischen Säulen ruht, bedeckt wird. 
Die ersten grösseren Bi'unnenanlagen führte Kurfürst Max 
Heinrich im Jahre 1666 aus. Sein Nachfolger Clemens 
August errichtete das Brunnengebäude, das jetzige Kur- 
Arch. d. Pharm. CLXXXI. Bds. 3. Hft. 12 



170 R. Bender y 

haus, die Kapelle und stellte einen Verbindungsweg mit 
dem Heilbrunnen her. 

Der Tonnissteiner Trinkbrunnen liegt in einer Höhe 
von 395 Fuss über dem Spiegel der Nordsee, etwa 1 Meile 
vom Rhein entfernt ; er besitzt eine Temperatur von 
100,2 R. 

Nach der Analyse von Prof. G. Bischof sind in 
einem Civilpfunde des Wassers enthalten : 

Kohlensaures Natron 6,60 Gran 

Kohlensaure Magnesia 7,10 „ 

„ Kalkerde 3,10 

Kohlensaures Eisenoxydul . . , 0,46 „ 

Schwefelsaures Natron 0,60 „ 

Chlornatrium .... 4,10 „ 

Kieselscäure 0,30 „ 

Summa der Bestandtheile 22,26 Gran. 

100 Vol. des Wassers enthalten 163,5 Vol. freie und 
halbgebundene Kohlensäure. 

Der Tonnissteiner Badebrunnen liegt oberhalb dem 
Trinkbrunnen in einer Höhe von 441 Fuss über dem 
Meeresspiegel. Derselbe besitzt eine Temperatur von 
8® R. und enthält nach der Analyse von G. Bischof in 
einem Civilpfunde: 

Kohlensaures Natron 6,00 Gran 

Kohlensaure Magnesia 2,70 „ 

Kalkerde 3,60 

Kohlensaures Eisenoxydul . . . 0,53 , 

Schwefelsaures Natron 0,40 „ 

Chlornatrium 1,10 „ 

Kieselsäure 0,20 „ 

Summa der Bestandtheile 14,53 Gran. 

Der Tonnissteiner Stahlbrunnen liegt 20 Minuten 
oberhalb dem Badebrunnen bei Wassenach, in einer Höhe 
von 680 Fuss über dem Meere und besitzt eine Tempe- 
ratur von 80,7 R. 



Mineralquellen zu Tönnisstein und Heilbrunnen. 171 

In einem Civilpfunde des Wassers sind nach G. 
Bischof enthahen: 

Kohlensaure Magnesia 2,60 Gran 

„ Kalkerde 2,60 „ 

Kohlensaures Eisenoxydul 3,08 

Schwefelsaures Natron 0,70 „ 

Kieselsäure 0,30 „ 

Summa der Bestandtheile 9,28 Gran. 
Der Heilbrunnen im Brohlthale, 1/4 Meile unterhalb 
Tönnisstein, liegt in einer mit Wald umgebenen Gebirgs- 
schlucht, 356 Fuss über dem Meere. Die Temperatur 
des Heilbrunnens beträgt 9^,3 R. Dieser Temperaturgrad, 
die mittlere Bodentemperatur nach dem Temperaturgrade 
süsser Quellen der Umgebung zu 7,3^ angenommen, lässt 
ungefähr auf eine Tiefe ihres Ursprungs von 230 Fuss 
schliessen. 

Nach einer Analyse von G.Bischof enthalten 10,000 
Theile des Heilbrunner Wassers: 

Kohlensaures Natron 17,495 

Kohlensaure Magnesia 10,935 

Kalkerde 3,744 

Kohlensaures Eisenoxydul.... 1,116 

Schwefelsaures Natron 3,054 

Chlornatrium 16,695 

Kieselsäure. . 0,678 

Summa der Bestandtheile 53,717. 
Die Summe der löslichen Bestand- 
theile beträgt 37,245 

Die der unlöslichen 16,475. 

Die Bestimmung des Gehalts an Kohlensäure im 
Heilbrunnen wurde von Dr. F. Mohr ausgeführt. Der- 
selbe fand in 1000 Grammen 4,942 Grm. Kohlensäure, wo- 
von 1,6732 Grm. in gebundenem und 3,2688 Grm. in 
freiem Zustande sich befanden. Berechnet man dieses 
Gewicht auf Volumina bei 0^ R. und 28 Zoll Barometer- 
stand, so repräsentiren diese 3,2688 Grm. einen Raum 

12* 



1 < 2 K. Bender, AJineralquellen zu lörnii.'istein u. ileiihrunneii. 

von 1651,1 C.C. Es enthält demnach 1 Vol. Mineral- 
wasser 1,6011 Vol. Kohlensäure in freiem und doppelt 
kohlensaurem Zustande. Es ist somit das Wasser als 
mit Kohlensäure vollständig gesättigt anzusehen und wird 
das aus dem Wasser frei werdende Gas noch dazu be- 
nutzt, vor der Füllung in die Krüge und Flaschen gelei- 
tet zu werden, deren 1000 in einem Tage bequem gefüllt 
werden können. 

Eine Prüfung des Heilbrunner Mineralwassers durch 
den Spectralapparat habe ich gemeinschaftlich mit Herrn 
Director Dr. D renke versucht. Zu diesem Endzwecke 
wurden 30 Grm. des klaren unliltrirten AVassers in einer 
Platinschale zur Trockne verdunstet. Der salzige Rück- 
stand, bei 120^ getrocknet, zeigte im Spectroskop die 
Linien: 

Na . a sehr stark und lang, 

Li . a stark und lang, 

Cs . [i schwach aber deutlich. 
Nach Befeuchten mit ChlorwasserstofFsäure zeigte sich 

Ca -Spectrum sehr intensiv. 
Es enthielt demnach das Heilbrunner Wasser noch 
Spuren von Lithium und Cäsium, welche Körper in der 
jüngsten Zeit in verschiedenen alkalisch-salinischen Mine- 
ralwässern aufgefunden wurden. 

Die wissenschaftliche Deputation für das Medicinal- 
wesen in Berlin, welche von der Brunnen- und Bade- 
verwaltung um ein Gutachten ersucht worden, hat nach 
den mitgetheilten Analysen und nach dem Vergleich der- 
selben mit ähnlichen Mineralwässern, wie Carlsbad und 
Marienbad, sich dahin ausgesprochen, dass der Heilbrun- 
nen und die demselben zunächst liegenden Mineralquellen 
im Brohlthale, begünstigt durch ihre vortheilhafte Lage, 
eine ganz besondere Berücksichtigung verdienen. 



Eimvirkung von salpetrigs. Kali auf salzs.Triätliylamin. 173 

Notiz über die Einwirkung von salpetrigsaurem 
Kali auf salzsaures Triäthylamin ; 

vou 

W. Heintz*). 



In der Zeitschrift für Chemie (N. F. 2, 513)**) hat 
Geuther einige Angaben von mir über die Art der 
Einwirkung obiger zwei Körper auf einander in einer 
Weise besprochen, die zu Missverständnissen führen könnte. 

Ich habe in meinem Aufsatze „Ueber die Einwir- 
kung der salpetrigen Säure auf die Glykolamidsäuren" 
{Ann. Ch. Pharm. 138, 316 u. Zeitschr. für Chem. N. F. 2, 
466) behauptet, dass reines Triäthylaminsalz durch Kochen 
mit salpetrigsaurem Kali (natürlich in wässeriger Lösung) 
im Wesentlichen unverändert bleibt und daraus {ebendas. 
S. 321) geschlossen, dass mit Hülfe des salpetrigsauren 
Kalis das Triäthylamin von dem Diäthylamin leicht ge- 
trennt werden könne. 

Geuther sagt (I.e.), er habe die Heintz'sche Ent- 
deckung, dass reines Triäthylan)insalz durch Kochen mit 
salpetrigsaurem Kali im Wesentlichen unverändert bleibt, 
nur mit Verwunderung zu lesen vermocht. 

Hierauf fährt Geuther fort: „die folgenden Ver- 
suche zeigen" u. s. w. 

Nach dieser Fassung sollte man nun meinen, die 
nun folgenden, aus den von Geuther neuerdings ange- 
stellten Versuchen gezogenen Schlüsse müssten meiner 
Behauptung schnurstracks widersprechen, müssten Beweis 
geben, dass meine Angaben falsch seien und die Behaup- 
tung von Geuther { Ar eh. d. Pharm. 123, 200) vollkom- 
men sicher stellen, dass sich das Triäthylaminsalz gegen 
salpetrigsaures Kali ganz wie das Diäthylaminsalz ver- 



*) Als Separatabdruck aus der Zeitschrift für Chemie, herausg. 
von Beilstein, Fittig u. Hübner, 18G6, Bd. 2. S. 571 vom 
Verfasser eingesendet. 
**) Dieses Archiv, Bd. 130, S. 56. 



174 W. Heintz, 

halte. Ein nicht sehr aufmerksaniei' Leser würde zu dem 
iSchkisse gelangen können, obgleich sich Geuther in 
seiner zweiten und dritten Schlussfolgerung, wie folgt, 
ausdrückt: „Die Versuche zeigen 2., dass in concen- 
trirter Lösung das salzsaure Triäthylaniin durch salpe- 
trigsaures Kali das nämliche Product liefert, wie das 
salzsaure Diäthylamin, nämlich Nitrosodiätliylin, sich also 
so verhält, wie Dr. W. Schnitze beobachtet hat, dass 
in verdünnter Lösung dagegen nur geringe Zersetzung 
eintritt, und 3., dass bei dieser Behandlung das Triäthyl- 
aniin vollständig verschwindet". 

Zur Auf klärung der Sachlage möge Folgendes dienen: 
Geuther sagt in dem oben citirten älteren Auf- 
satze {Arch. Pharm. [2] 123, 200) wörtlich: „der Verlauf 
der „Reaction" (bei Einwirkung von salpetrigsaurem Kali 
auf salzsaures Triäthylaniin) war ganz so, wie ich es frü- 
her bei dem Diäthylaminsalz {Ann. Ch. Pharm. 128, löl) 
beobachtet habe". An der citirten Stelle drückt sich 
Geuther aber, wie folgt, aus: „Erst beim Erwärmen 
(einer Mischung einer „ziemlich concentrirten Lösung von 
salzsaurem Diäthylamin" „mit einer concentrirten Lösung 
neutralen salpetrigsauren Kalis") beginnt die Stickgas- 
entwickelung, welche durch die sich bei der Reaction 
entwickelnde Wärme immer bedeutender wird, so dass 
der Kolben zeitweilig in kaltes Wasser gesetzt werden 

muss In der Vorlage sammelt sich allmälig eine 

gelb gefärbte wässerige Lösung des Nitrosodiäthylins, auf 
Avelcher der Ueberschuss ölförmig schwimmt". 

Ganz anders lautet seine Beschreibung des Voi'gangs 
bei Einwirkung des salpetrigsauren Kalis auf salzsaures 
Triäthylaniin, welche er neuerdings giebt. Es heisst da 
{Ztschr. für Chemie, N. F. 2, 515): „In der Kälte keine 
Einwirkung, beim Kochen w^ird, ohne dass ölige Tropfen 
erscheinen, ein sich allmälig schwach gelb färbendes und 
den Geruch nach Nitrosodiäthylin in geringem Grade be- 
sitzendes Destillat erhalten. Je weiter die Destillation 
fortsclireitet, desto deutlicher der Geruch, bis, bei begin- 



Einwirkung von salpetrigs. Kali auf salzs. Triätliylamin. 1 75 

nender Ausscheidung von Chlorkaliura im Kölbchen, dau- 
ernd ölige Tropfen von Nitrosodiäthylin erscheinen". 

Hiermit ist constatirt, dass die frühere Angabe von 
Geuther, die Reaction bei Einwirkung von salpetrig- 
saurem Kali auf Triäthylaminsalz verlaufe ganz gleich, 
wie die auf Diäthylaminsalz, irrig ist. Diese irrige An- 
gabe veranlasste mich, bei meinen Versuchen mit Tri- 
äthylamin es nie zur Salzausscheidung kommen zu las- 
sen, um eine etwaige anomale Zersetzung bei zu starker 
Concentration und damit Ueberhitzung der Mischung zu 
vermeiden und unter diesen Umständen sind meine An- 
gaben vollkommen richtig. Von dem Triäthylaminsalz 
wird nur sehr wenig verändert, das Diäthylamin dagegen 
ganz in das Destillat übergeführt. Die von mir ange- 
gebene Methode zur Trennung und Reindarstellung des 
Di- und Triäthylamins ist also durchaus brauchbar. Man 
hat nur die Vorsicht anzuwenden, die kochende Mischung 
nicht bis zur Abscheidung von Chlorkalium einzudam- 
pfen, wodurch, wie Geuther's Versuche lehren, ein be- 
deutender Verlust eintreten würde. 

Geuther's Versuchen verdanken wir die Kenntniss 
der Thatsache, dass Triäthylaminsalz beim Einkochen 
mit salpetrigsaurem Kali bis zur Bräunung vollkom- 
men zersetzt, aber nur zum Theil in Nitrosodiäthylin 
übergeführt wird. 

In Betreff der ersten Schlussfolgerung aus Geuther's 
neuen Versuchen (Ztschr.für Chem. AL F. 2, 514), wonach 
das von ihm durch fractionirte Destillation gereinigte Tri- 
äthylamin frei war von Diäthylamin, will ich gern zu- 
geben, dass ich im Irrthum war, wenn ich das Gegen- 
theil vermuthete. Hätte ich gewagt, das anzunehmen, 
was nun durch Geuther's eigene Angaben constatirt 
ist^ dass ihm nämlich die Verschiedenheit des Verlaufs 
der Einwirkung des salpetrigsauren Kalis auf Di- und 
Triäthylaminsalz entgangen war, so hätte ich freilich in 
diesen Irrthum nicht verfallen können. 

Halle, den 26. September 1866. 



176 A. Casselmann, 

Ein Beitrag zur Prüfung der fetten Oele; 

von 

Dr. A. Cass cl m n n n *). 

Vor einiger Zeit ersuchte mich ein hiesiger Geschäfts- 
mann, verschiedene Leinölsorten auf Verfälschungen 
mit andern Oelen zu prüfen. Von der einen Sorte Lein- 
öl war eine grössere Quantität nach dem Auslande ge- 
sandt, von den Käufern jedoch nicht für genügend rein, son- 
dern für mit andern Oelen, namentlich mit Sonnenblumen- 
öl versetzt, erklärt worden. Der betreffende Herr wünschte 
in Folge dessen nicht allein die Richtigkeit dieser An- 
gabe ausser Zweifel gesetzt zu sehen, sondern auch ein 
Reagens zu haben, welches ihn als Laien befähigte, die 
Güte des Oeles künftig selbst zu prüfen. 

Wer sich jemals mit der Prüfung der fetten Oele 
beschäftigt hat, wird die Erfahrung gemacht haben, wie 
schwierig es ist, ein in jeder Beziehung genügendes Re- 
sultat zu erlangen. Die in den verschiedenen Werken 
angegebenen Prüfungsmethoden sind nicht überall genau 
zutreffend, und wenn auch ein französischer Chemiker 
Chateau in seinem Werke „Die Fette" **) S. 55 u. flgde. 
einen Untersuchungsgang zur Bestimmung und Prüfung 
der Oele genau aufgeführt hat, so lässt derselbe doch 
noch sehr viel zu wünschen übrig und eignet sich kei- 
neswegs für den Laien. Der Grund für das Eben- 
gesagte liegt meines Erachtens nach vorzugsweise in dem 
Grade der Reinheit der zu untersuchenden Oele, so dass 
das Oel einer und derselben Pflanze manche abweichende 
Reactionen zeigen kann, oder besser gesagt: Viele Reac- 
tionen sind weniger dem Oele selbst, als viel- 



*) Als Separatabdruck aus der Pharmac. Zeitschrift für Eussland 

vom Hru. Verfasser eingesendet. D. Red. 

**) Die Fette. Die Lehre von den natürlichen Fettkörpern, 
welche technische Anwendung finden. Vorkommen, Gewin- 
nung, Handel, Eigenschaften etc. von Tb. Chateau. Bear- 
beitet und mit Zusätzen vermehrt von Dr. Hugo Hartmann. 
Leipzig 1864, bei Wolfgang Gerhardt. 



Beitrag zur Prüfung der fetten Oele. 177 

mehr denjenigen Stoffen zuzuschreiben^ welche 
das Oel aus der Mutterpflanze als Verunreini- 
gungen aufgenommen hat. 

Als Beispiel will ich anführen: Die fetten Oele der 
Cruciferen bilden mit wässeriger Kali- oder Natron- 
lauge in der Wärme behandelt Schwefelkalium oder 
Schwefelnatrium, enthalten mithin irgend eine Schwe- 
felverbindung, welche wir weniger als einen wesentlichen, 
als vielmehr als einen zufälligen Bestandtheil des fetten 
Oels der Cruciferen betrachten müssen. Dennoch irebrau- 
chen wir diesen geringen Schwefelgehalt, um eine Ver- 
fälschung des Mandelöls, Mohnöls oder Olivenöls mit 
einem Oele aus der Familie der Cruciferen nachzuweisen. 

Unter den fetten Oelen unterscheiden wir vorzugs- 
weise drei Gruppen : 

1. Die nicht trocknenden Oele, die Glyce- 
ride der Oelsäure. Sie charakterisiren sich dadurch^ 
dass sie 

a) an der Luft nicht trocknen, sondern schmierig" 
bleiben ; 

b) mit salpetriger Säure oder Untersalpetersäure ver- 
setzt, sehr bald erstarren durch Umwandlung des 
flüssigen Ol eins in festes Elaidin und 

c) mit concentrirter Schwefelsäure gemischt sich höch- 
stens bis 6()<^ C. erhitzen. 

2. Die trocknenden Oele, die Glyceride der 
Leinölsäure oder ähnlicher Säuren. Sie charakterisiren 
sich 

a) durch allmäliges Eintrocknen an der Luft, d. h. 
sie werden bei Zutritt der Luft und rascher noch 
bei Anwendung einer höheren Temperatur (z. B. 
längere Zeit in einem Oelbade bei der Tempe- 
ratur von 150 — 160^0. gehalten), entweder in 
einen starren, festen, harzähnlichen oder in einen 
kautschukartigen Körper verwandelt; 

h) dass sie in Berührung mit Untersalpeter- oder sal- 
petriger Säure nicht erstarren, und 



178 A. Casselmann, 

c) mit concentrirter Schwefelsäure gemischt, sich un- 
gemein stark, meist unter Entwickelung von schwef- 
liger Säure, erhitzen. 

3. Die Fischöle oder Thrane. Die Glyceride 
der Physetölsäure oder ähnlicher Säuren. Dieselben 
charakterisiren sich durch die intensiv rothen Färbun- 
gen, welche Aetznatron, Schwefelsäure von 1,530 spec. 
Gew. und namentlich syrupsdicke Phosphorsäure damit 
erzeugen. 

Wenn aus diesem eben Gesagten hervorgeht, dass 
es dem Laien nicht schwer fallen wird, die Verfälschung 
eines Oels einer Gruppe mit dem einer andern Gruppe 
durch die oben angeführten charakteristischen Reactionen 
zu entdecken, so wird ihm die Entdeckung der Ver- 
mischung von Oelen ein und derselben Gruppe doch um 
so mehr Schwierigkeiten bereiten, als es eigentlich nur 
möglich ist, dieselben aus dem Complex einer Reihe von 
Reactionen genauer zu erkennen. 

Die mir zur Untersuchung gesandten Leinölsorten 
führten, wahrscheinlich nach dem Namen der Fabriken, 
verschiedene Bezeichnungen, nämlich Müller, Schisch- 
kin und Tschubuikin und das Sonnenblumenöl die 
Bezeichnung süsses Sonnenblumenöl No. 2. 

Das Leinöl von Müller war dunkelgelb und klar 
und wurde mir als vollkommen rein und unverfälscht 
bezeichnet, während die beiden andern von trüber Be- 
schaffenheit waren und noch Schleimtheile enthielten. 
Auch das Sonnenblumenöl, von hellgelber, dem Mohnöl 
ähnlicher Farbe, war nicht ganz klar. 

Zur Prüfung des specifischen Gewichts wandte ich 
ein Oleometer an, was ähnlich wie ein Alkoholometer 
mit Thermometer eingerichtet und dessen 0-Punct gleich 
12i/oOR, war. Die Scala des Oleometers stieg von unten 
20 nach oben bis 50. Eine beigegebene Anweisung be- 
sagte, dass Baumöl 38, Mohnöl 32, Leinöl 29 — 30, Thran 
33 Grade anzeigten müsse. 



Beitrag zw Prüfung der fetten Oele. 179 

Nach diesem Oleometer zeigten nun 
das Leinöl von Müller und Sehischkin = 29,5 Grade 

„ „ „ Tschubuikin =30 „ 

„ Sonnenblumenöl = 33,5 „ 

Ferner : 

Mohnöl =33 

Hanföl =32 

Provenceröl =38 „ 

]\landelöl = 36,7 „ 

Durch Beschaffung einer Mohr'schen Wage war es 
mir späterhin möglich, das specifische Gewicht der erst- 
genannten vier Oele und des Provenceröls nochmals fest- 
zustellen und es ergab sich, dass 

das Leinöl von Müller und Sehischkin = 0,9316 

„ Tschubuikin =0,9310 

„ Sonnenblumenöl = 0,920 

„ Provenceröl = 0,914 

spec. Gew. bei 15^ C. zeigte. 

Ein Gemisch von gleichen Theilen Leinöl und Son- 
nenblumenöl dagegen zeigte am Oleometer 32 Grade und 
ergab mit der Mohr'schen Wage ein spec. Gewicht von 
= 0,926 bei 150 C 

Bei dieser Gelegenheit muss ich bemerken, dass Bol- 
ley in seinem Handbuch der chemisch-technischen Unter- 
suchungen 1864 S. 347 mittheilt, dass es den von ver- 
schiedenen Autoren angegebenen specif. Gewichtsbestira- 
mungen der fetten Oele an Uebereinstimmung mangelte. 
Vergleichsweise führt er ausser andern auch das Leinöl 
und Olivenöl auf. Dieselben besitzen folgendes speci- 
fische Gewicht: 

Scharling Lefebvre Schübler 

Leinöl . . . 0,9383 0,9350 0,9347 

Olivenöl — 0,9180 0,9176. 

Da die daselbst angegebenen Zahlen mit den von 
mir mittelst der Mohr'schen Wage gefundenen ebenfalls 
nicht übereinstimmten, so versuchte ich die Bestimmung 
des specif. Gewichts noch auf anderem Wege, nämlich 
durch das gewöhnliche Aräometer und das 1000 Gran- 



180 



A. Casselmann, 



Gläschen. Leider stand mir dazu nur noch das Gemisch 
aus Leinöl und Sonnenblumenöl zu Gebote. Dies ergab 
folgendes spec. Gewicht bei 150 C.: 

Mohr'sche Wage 1000 Gran-Gläschen Gew. Aräometer 

0,926 0,928 0,930. 

Auch hier sieht man eine Differenz auftreten, deren 

It e a g e 



iNamen 

der 

Oele. 


Sfliwefel- 
calciuai. 


Schwefel- 
säure von 
1,475 spec. 
Gew. 


Schwefel- 
säure von 
1,530 spec. 
Gew. 


Schwefel- 
säure von 
1,035 spec. 
Gew. 


Schwefel- ! Schwi 
säure von säure 
1,840 mit 1,475 
Salpeter- [ Gew. 
säure von chroin? 
1,2 sp. Gew. siesät 


^'"''^■^ : eidottei- 
von ,, 

Tschubui. ^S^"'.^ 
, ■ bmulsion 

kW 

! 


dunkel 
schmutzig 

grüne 
Färbung 


schmutzig 
dunkel- 
grün 


dunkel- 
grün- 
braun 


roth- 
brauu 


dunl 
grii 


fa» ''"°'''"='' 


dunkel- 
grüne 
Färbung 


stark 
dunkel- 
grün 


desgl. 


desgl. 
dunkler 


des. 


Leinöl desgl. 

von heller als 
Müller : vorige 


desgl. wenig 

heller wie 

vorige 


dunkel- 
grün 


schmutzig 
braun 


desgl. 
heller 


des| 


1 weisse, 

Sonnen- kaum ins 

,7 ... Gelbliche 
1 olumenoi ■ , , 
spielende 

1 Emulsion 


weisse 
Färbung 


weiss, kaum 
ins Bräun- 
liche über- 
gehend 


weissgelb, 
ins Bräun- 
liche über- 
gehend 


d^sgl.mehr 
ins Röth- 
liche über- 
gehend 


grün, 
Gel 


Mohnöl 


weisslich- 

geibe 
Emulsion 


gelbliche, 

bald ins 

Bräunliche 

übergehend. 

Färbung 


gelb, ins 
Scbriiutzig- 
l)räun liehe 
übergehend 


gelb- 
braun 


braun 


des« 


Hanföl 


grüngelbl. 
Emulsion 


dunkelgr. dunkel- 
Färbung grün 


dunkel- 
grün 


schwarz- 
braun 


desgl. 
dunb 


Pro. 

vencer- 

öl 


weissgelb- 

liche 
Emulsion 


gelbliche ins 
Grüne und 
Bräunliche 

übergeh. 

Färbung 


gelb, 

schmutzig 

grünlich 


schmutzig 
bräunlich 


orange- 
gelb 


duni 
brai 


Mandelöl 


weisse 
Emulsion 


weisse 
Färbung 


weiss 


weiss, ins 
Röthliche, 
dannBräun- 
liche über- 
gehend 


röthlich- 
braun 


(lunh 

grün, 

Bräi 

licl 

überj 

i 



Beitrag zur Prüfung der fetten Oele. 



181 



Grund in der fehlenden Genauigkeit der Instrumente zu 
suchen ist, welche möglicher Weise, abgesehen von den 
\ erschiedenen Oelsoi ten und deren Reinheit, auch bei oben- 
genannten Autoren nicht ohne Einfluss gewesen sein mag. 
Die Wirkung . der verschiedenen angewandten Rea- 
gentien ist in folgender Tabelle niedergelegt: 



i e 


11. 












»eter- 
e von 
) spec. 
ew. 


Salpefer- 

säiire von 

1.220 spec. 

Gew. 


Salpeter- 
säure von 

1,20 spec. 
Gew. und 

Kupferfeil- 
späne. 


Zinncblurid 
Sn t'12. 


Zinkchlorid 

(ZnCI) beim 

Erwärmen. 


Phosphor- 
säure 
(sjTupsdick). 


Salpeter- 
saures 
Qiiecksilber- 
oxjd beim 
Erwärmen. 


elb. gelb, 
was etwas 
iklei' dunkler 
•deud 1 werdend 


dunkel- 
braune 

dick- 
flüssige 

Masse 


schmutzig 
gelb; nach 
einiger Zeit 
schmutzig 
grün und 
dunkler 
werdend 


grün und 
grün blei- 
bend 


gelbe emul- 
sionsähn- 
liche Masse, 
nach eini- 
gem Stehen 
sich aus- 
scheidend 


dunkel- 
grün bis 
braunroth 


^sgl. 


desgl. 


desgl. 


gelb, 1 grün, ins 
schmutzig ; Schmutzig- 
grünlich braune 
werdend übergehend 


desgl. 


desgl. 


3Sgl. 

cht 
idunk. 


desgl. J 

nicht 1 desgl. 
nachdunk.; 


bald nach schwach 
dem Umrüh- grün, mehr 
ren rein grün gelb 


desgl. weni- 
ger gut 
mischbar 


desgl. 


31SS. 

wach 
iräun- 
2 über- 
aend 


weiss, 

kaum 

bräunlich 


schmutzig 

grüne 
dickflüssige 

Masse 


weiss, dann 
etwas dunk- 
ler (bräun- 
lich) wer- 
dend 


keine Far- 
benverän- 
derung 


keine emul- 
sionsähnl. 

Masse, zugl. 

Entfärbung 
eintretend 


hellgelb 


Igelb 


hellgelb 


schmutzig 

bräunliche 

dickflüssige 

Masse 


schmutzig 
grünlich 


desgl. 


emulsions- 
ähnl. Masse, 

n. einigem 
Stehen sich 

ausscheid. 


grün, ins 
Braune 
übergeh. 


nlich- [ grünlich- •, , 
elb gelb ^*^'Sl- 


gelblich- 
grün 


schön 
grün 


■ keine 
Emulsion 


desgl. 
dunkler 


blich 


schwach 
gelb 


grünlich- 
gelbe 
erstarrte 

Masse 


hellgelb 


wurde 

etwas 
heller 


desgl. Ent- 
färbung 
eintretend 


dunkelgelb 
ins Orange- 
rothe über- 
gehend 


eiss 


weiss 


grünl. gelbe 
fest erstarr. 

Masse, nicht 

so wie die 

vorige 


weiss, 

kaum 

gelblich 


keine Ver- 
änderung 


desgl. 


eidotter- 
gelb 



182 A. Casselmann, 

Diese Tabelle stimmt nicht ganz mit der sich ge- 
wöhnlich in den Lehrbüchern befindlichen von Craco 
Calvert überein, auch fehlen die Reactionen mit Aetz- 
natron, so wie die mit Königswasser und der alsdann 
weitere Zusatz von Aetznatron, wodurch sich noch ver- 
schiedene Farbenveränderungen erzielen lassen, nament- 
lich was die thierischen Oele^ die Thrane, anlangt. Da 
aber auf diese hier weniger Rücksicht zu nehmen war 
und andererseits das Material nicht überall zureichte, so 
überging ich dieselben um so mehr, als mir die meisten 
der Reactionen nicht geeignet erschienen, um daraus mit 
Sicherheit eine bestimmte Verfälschung des Leinöls zu 
constatiren. So geht z. B. aus keiner der angegebenen 
Reactionen auch nur annähernd hervor, ob eine Ver- 
setzung des Leinöls mit Sonnenblumenöl statt gefunden. 
Denken wir uns 10 Proc. Sonnenblumenöl dem fraglichen 
Leinöl zugemischt, so würde diese Beimischung eben so 
wenig durch die aufgeführten Reactionen erkannt werden 
können, als eine Vermischung des Mohnöls mit Sonnen- 
blumenöl, weil sich das letztere gegen die Reagentien 
von allen Gelen am indifferentesten verhält. Umgekehrt 
dagegen würde man leicht das Leinöl im Sonnenblumen- 
öl nachweisen können, weil ersteres mehre charakte- 
ristische Reactionen zeigt, dagegen weniger gut das Mohn- 
öl, mit welchem das Sonnenblumenöl überhaupt grosse 
Aehnlichkeit hat. 

Da diese Reactionen also nicht zum Ziele führten, 
so versuchte ich aus der Temperaturerhöhung, welche 
beim Mischen der fraglichen Oele mit concentrirter Schwe- 
felsäure von 1,840 spec. Gew. eintritt, eine Verfälschung 
zu constatiren. Bei Ausführung dieses Versuchs hatten 
die Oele sowohl, wie die Schwefelsäure eine Temperatur 
von 14^ C. Vom Oel wurden 50 Grm. genommen und 
zu diesen unter fortwährendem Umrühren 10 C. C. der 
concentrirten Schwefelsäure in dünnem Strahle aus einer 
Bürette fliessen gelassen *). Der Grad der Erhitzung bei 

*) Wird weniger Oel und Schwefelsäure genommen, etwa die 



Beitrag zur Prüfung der fetten Oele. 183 

den Oelen ist ein verschiedener und in manchen Fällen 
genügend, um den Ausspruch, dass eine Verfälschung 
statt gefunden hat, zu rechtfertigen. 

Von den oben aufgeführten Oelen ist das Leinöl das- 
jenige, welches die höchste Temperaturerhöhung erzeugt. 
Das Oel verwandelt sich zunächst in eine schwärzliche, 
dicke, schmierige Masse, welche bei 75^ C. unter gleich- 
zeitiger Entwickelung von schwefliger Säure sehr stark 
zu schäumen anfängt. Das Thermometer steigt alsdann 
rasch und hat in wenigen Minuten den höchsten Punct 
erreicht. 

Nach dem Leinöl folgt das Hanföl, dann das Mohn- 
und Sonnenblumenöl, welche letztere beide sich gleich 
verhalten und keine so zähe dicke Masse bilden^ wie das 
Leinöl und Hanföl. Bei den nicht trocknenden Oelen, 
dem Provencer- und Mandelöl, ist die Erhitzung lange 
nicht so stark und namentlich findet keine Entwickelung: 
von schwefliger Säure statt. 

Die erhaltenen Resultate sind folgende: 
Bei dem Leinöl von Müller stieg die Temperatur bis 

auf = 1320 C. *) 
„ „ „ Schischkin „ = 134» C. 

„ „ „ Tschubuikin „ = 132» C. 

bei dem Sonnenblumenöl stieg die Temperatur 

bis auf = 920 c. 

„ Mohnöl „ = 920 C. 

Hanföl „ = 950(1 

„ Provenceröl „ = 480 C. 

Mandelöl „ = 59« C. 

Wie aus dieser Zusammenstellung ersichtlich, beträgt die 

Differenz der Temperaturerhöhung zwischen Sonnenblumen- 



Hälfte des vorgeschriebenen Quantums, so steigt die Tempe- 
ratur nicht so hoch. Beim Leinöl von Müller wurde an- 
fangs die Hälfte des Obengesagteu genommen und die Tem- 
peratur stieg nur bis 120^ C. 

Da die Oele durchschnittlich 14" hatten, so beträgt die Tem- 
peraturerhöhung obige Zahlen minus 14. 



184 Ä. Casseimann, Beitrag zur I')üfuny der fttteu Oele. 

öl und Leinöl ungefähr 40 Grade. Mischungen dieser Oele 
müssen also innerhalb dieser Grade liegen. Um dies zu 
constatiren, wuixlen 15 Grm. Sonnenblumenöl mit 35 Grm. 
Leinöl von Schischkin gemischt und mit 10 CG. Schwe- 
felsäure versetzt. Die Temperatur stieg bis auf llS^C., 
welche geringere Temperaturerhöhung mit dem zugesetzten 
Sonnenblumenöl, wie leicht zu berechnen, im Einklang steht. 

Schliesslich stellte ich noch eine Reaction an, welche 
auf der Schnelligkeit des Erhärtens oder Eintrocknens 
beruhte. Zu dem Zweck wurden 3 — 4 Grm. von jedem 
Oel auf Uhrgläsern in ein üelbad gesetzt, letzteres un- 
gefähr 3 Stunden lang auf einer Temperatur von 150^^ C. 
erhalten und dann erkalten gelassen. Den andern Tag 
wurde dieselbe Operation wiederholt. Nach 36 Stunden 
war das Leinöl von Müller und nach 48 Stunden waren die 
beiden andern Leinöle zu einer gummiähnlichen Masse 
eingetrocknet; den 4ten bis 5ten Tag folgte das Mohnöl, 
darauf das Hanföl, während das Sonnenblumenöl am lang- 
samsten trocknete und gegenwärtig, nach Verlauf von 
drei Monaten, noch einer gallertartigen klebrigen Masse 
gleicht. Die nicht trocknenden Oele erhärteten selbst- 
verständlich nicht, wurden aber bei weitem dickflüssiger, 
so dass sie jetzt ähnlich dem Ricinusöl fliessen. 

Gehen wir nach dieser Auseinandersetzung zu der 
dieser Arbeit zu Grunde liegenden Frage zurück, näm- 
lich: War eine der beiden Oelsorten von Schisch- 
kin oder Tschubuikin (die von Müller wurde als 
rein angenommen) mit Sonnenblumenöl vermischt? 
so muss diese Frage aus folgenden Gründen mit „Nein" 
beantwortet werden, weil erstlich weder das specifische 
Gewicht, noch zweitens die Temperaturerhöhung 
mit Schwefelsäure, noch drittens die Dauer des 
Eintrocknens für eine Mischung sprechen. Nur aus 
der Zusammenstellung dieser drei Factoren ist es mög- 
lich, einen solchen Schluss zu ziehen, wenig oder gar 
keinen Schluss aber aus den in der Tabelle angegebenen 
Reactionen. 



Landerer, Veränderung des Oeles durch die Zeit. 185 

Für den Laien aber sind das specifische Gewicht 
und namentlich die Dauer des Eintrocknens als die 
einfachsten und besten Mittel zu bezeichnen, um die 
Oüte eines jeden Leinöls zu erproben. 

Heber die Veränderung des Oeles durch die Zeit; 

von 

Dr. X. Landerer. 

Am Fusse des so bekannten Berges Sion wollte man 
«ine Schule bauen und um festen Grund zu finden, war 
man genöthigt, bis zu einer Tiefe von 30 Meter zu gra- 
ben, als man mit einem Mal auf eine Zisterne stiess, die 
mit Oel gefüllt war. Dieses Oel war jedoch durch die 
Zeit, während welcher es in dieser Zisterne gewesen war, 
und die man auf etwa 1200 Jahre berechnete, indem 
daselbst früher eine Stadt gestanden, in einen beinahe 
festen Zustand übergegangen, so dass man nur mit Mühe 
mittelst hölzerner Stöcke bis auf den Grund der Zisterne 
kommen konnte. Man versuchte in Jerusalem das Oel 
zum Brennen zu verwenden, es entwickelte jedoch einen 
so fürchterlichen, in den Augen brennenden, scharfen Ge- 
ruch, dass die Leute, die sich im Zimmer befanden, das 
Freie suchen mussten, was wohl eine Folge der Bildung 
von Acrylsäure ist. Ein mir befreundeter Geistlicher aus 
Jerusalem machte mir ein Fläschchen dieses Oeles zum 
Geschenk. Dasselbe ist so fest, dass man das Glas um- 
kehren kann, ohne dass etwas herausläuft ; es besitzt einen 
brennenden Geschmack und einen ranzigen Geruch; die 
Dämpfe des angezündeten Oeles sind nicht auszuhalten 
vor Brennen in den Augen. Im ganzen Oriente existirt 
die Meinung, dass das alte Oel für Wunden und andere 
Schäden sehr heilsam sei, weshalb die Kleinhändler altes 
ranziges Oel führen, das mit dem Zwei- bis Dreifachen 
bezahlt wird. In Jerusalem bereitet man aus diesem Oele 
Salben für die Armen, jedoch auf offene Wunden ange- 
wendet, kann es Niemand vor Schmerzen aushalten. 



Arch.d.Phann.CLXXXI.Bds.3.Hft. 13 



186 K. Frisch, 

üeber die Basicität der Weinsäure; 

von 

Dr. Kuno Frisch, 

Assistenten am Laboratorium des Herrn Prof. Dr. Erdmann*). 

Von den meisten Chemikern wird die Weinsäure als 
eine zweibasische Säure angesehen, die zwei Reihen von 
Salzen, neutrale und saure bildet, von denen die ersteren 
die Zusammensetzung C8H'*Me2 0i2 besitzen. Dieser 
Annahme stehen jedoch mehre Thatsachen entgegen, 
welche die zweibasische Natur der Weinsäure zweifelhaft 
machen und dieselbe als eine vierbasische Säure erscheinen 
lassen, indem einige Metalloxyde im Stande sind, vier 
Aequivalente Wasser in der Weinsäure zu vertreten. 

Liebig und Dumas zeigten zuerst am Brechwein- 
stein, dass derselbe bei 100» C. 2,1 Proc. HO, bei 200 
bis 220*^ aber 7,6 — 7,7 Proc. HO verliert. Sie schrieben 
das Salz nach der Radicaltheorie KO, Sb03, C8H2 08. 
Gerhardt und Laurent betrachteten dasselbe als die dem 
Weinsäureanhydrid isomere Tartrelsäure, in welcher 1 At. 
Wasser durch Kali, das andere durch Antimonoxyd ver- 
treten ist. 

Berzelius nahm diese Verbindung als Doppelsalz 
einer neuen Säure, der anomalen Weinsäure, an, welche 
2 Aeq. Wasser weniger enthielte, als die Weinsäure und 
gab diesem die Formel KO, C4H04 -]- SbO», C^HO^; 
doch gelang es Berzelius nicht, diese Säure zu isoliren. 

Von den weinsauren Doppelsalzen ist das von S ch War- 
zen b er g zuerst dargestellte weinsaure Wismuthoxyd-Kali 
von höchstem Interesse, weil dasselbe bei 1000 getrocknet 
eine den bei 200^ getrockneten Brechweinsteinen analoge 
Zusammensetzung besitzt. Behufs der Darstellung kochte 
ich frisch gefälltes Wismuthoxyd mit Weinstein so, dass 
ersteres in bedeutendem Ueberschusse vorhanden war. 
Das Filtrat stellte eine farblose Flüssigkeit dar, welche 



'') Vom Hrn. Verfasser eingesandt. D. Red. 



die Basicität der Weinsäure. 187 

durch Mineraisäuren weiss gefällt und durch Alkohol 
vollständig niedergeschlagen wurde. Wasser erzeugte 
keine Trübung. Dampfte man diese Flüssigkeit ein, so 
schied sich aus der concentrirten Lauge ein krjstallinisches 
Pulver aus, welches sich mit Wasser unter Abscheidung 
eines weissen, sich schwer absetzenden Pulvers zersetzte. 
Dieses ist der Wismuthweinstein. Versucht man aus dem 
von der ersten Bereitung zurückgebliebenen Wisrauthoxyd 
durch Kochen mit Weinstein neue Quantitäten des Salzes 
darzustellen, so erhält man stets verschiedene Präparate, 
welche immer weit mehr Weinstein enthalten, als das 
normale Salz. Das leichte Körnigwerden des Wisrauth- 
oxyds scheint die Bildung des Salzes zu erschweren. 
Das auf die oben beschriebene Weise dargestellte bei 100^ 
getrocknete Salz unterwarf ich der Analyse, indem ich 
dasselbe in Salzsäure löste und mit Schwefelwasserstoff 
fällte. Das Schwefelwismuth wurde in Salpetersäure gelöst, 
mit kohlensaurem Ammoniak gefällt und gekocht. Das 
Kali wurde als Chlorkalium gewogen. 

1,810 Grm. des Salzes gaben 1,0685 Bi03 = 59,03 
Proc. Bi03 und 0,332 KCl =-- 0,20961 KO = 11,58 
Proc. KO. 

a) 1,763 Grm. Substanz gaben 0,788 C02 = 0,2149 C 
= 12,19 Proc. C und 0,1055 HO =: 0,01172 H = 
0,66 Proc. H. 

b) 1,509 Grm. des Salzes gaben 0,677 C02 = 0,185 C 
— 12,19 Proc. C und 0,083 HO = 0,00922 H = 
0,61 Proc. 



Berechnet 


Uerui 
a. 


Qden 
b. 


nach 
Schwarzenberg 


Bi03. 59,52 


59,03 




58,94 


KO .. 11,83 


11,58 




12,22 


O 12,06 


12,19 


12,19 


12,16 


H.... 0,50 


0,66 


0,61 


0,59 


16,09 






16,09 



100,00. 100,00. 

13* 



188 K. Frisch, 

Diese Analysen stimmen mit dem Schwarzenberg- 

schen und mit dem berechneten Resultate gut überein und 

geben für das Salz die Formel C8H2KBi0'2. Wie bereits 

oben erwähnt, zerlegte sich dieses Salz mit Wasser zu 

einem weissen unlöslichen Pulver, welches sich schwer 

absetzte. Das Filtrat reagirte sauer, enthielt Weinsäure 

und Kali, aber keine Spur von Wismuth. Nachdem es 

so lange ausgewaschen, bis es nicht mehr sauer reagirte, 

wurde es zwischen Papier gepresst und getrocknet. 

Zwischen 100« und 2000 verlor es 3,92 Proc. HO. 

Das bei 200^ getrocknete Salz ergab: 

1,298 Grm. = 0,9225 BiO^ == 71,07 Proc. Bi03 und 

0,0995 Grm. KCl = 0,06295 KO = 4,83 Proc. KO. 

Dieses Salz ist demnach ein basisches Salz von der 

Formel: 

KO, 3(Bi03) -I- 2C8H2 08 (bei 2000 getr.) 
KO, 3(Bi03) -f 2C8H4O'0 (bei lOOOgetr.) denn 
Berechnet Gefunden 

Bi03 71,67 71,07 

KO 4,85 4,83 

C4H204. 23,47 24,10 

100,00. 100,00. 

Um die Zusammensetzung der Brechweinsteine zu 
erklären, nehmen viele Chemiker an, dass das Antimon- 
oxyd darin als Antimonyl (SbO^) -|- O enthalten sei 
und dass diese Atomgruppe sich wie das Uranyl (U202) 
verhalte, zu dessen Annahme man durch das Verhalten 
des Uranoxyds zu Säuren bestimmt worden ist. Dieser 
Hypothese zufolge war zu erwarten, dass beide Metall- 
oxyde sich auch ähnlich in ihren Salzen, besonders in 
ihrem Kali-Doppelsalz, verhalten. Um dieses gegenseitige 
Verhalten zu ermitteln, stellte ich das weinsaure Uran- 
oxydkali dar, indem ich Weinstein mit überschüssigem 
frisch gefälltem Uranoxydhydrat kochte. Das Filtrat besass 
eine gelbbraune Farbe und konnte nicht zur Krystalli- 
sation gebracht werden. Bei langem Stehen schieden sich 
einzelne Schuppen und Häutchen ohne krystallinisches 



die Basicität der Weinsäure. 189 

Gefüge ab. Die Lösung wurde durch Alkohol vollständig 
gefällt. Das bei 100^ getrocknete Salz verlor beim weiteren 
Trocknen bis 200^ noch 5,63 Proc. HO und war noch 
vollständig in Wasser löslich. Das bei 200*^ getrocknete 
Salz der Analyse unterworfen, wurde bei Luftzutritt ge- 
glüht, in verdünntem Königswasser gelöst, mit Ammoniak 
gefällt, wieder in Salzsäure gelöst, die Lösung eingedampft 
und der Rückstand in Wasserstoffgas geglüht. Alsdann 
wurde das anhängende Chlorkaliura vollständig mit Wasser 
ausgezogen und das gebildete Uranoxydul zur Verwand- 
lung in Uranoxyduloxyd nochmals im schiefstehenden 
Tiegel geglüht. Diese langwierige Operation war noth- 
wendig, da Kali vom Uranoxyd fest zurückgehalten wurde 
und ich bei meiner ersten Analyse dadurch Differenzen 
erhielt. 

a) 2,219 Grm. gaben 0,9905 UO, U203 = 1,0093 U203 

= 45,48 Proc. (kalihaltig) und 0,482 KCl = 0,3036 

KO = 13,68 Proc. 
ß) 1,9845 Grm. = 0,8545 UO, U2 03 = 0,8703 U203 = 

43,85 Proc. und 0,449 KCl = 0,283 KO = 14,26 Proc. 

a) 1,351 Grm. mit Kupferoxyd verbrannt gaben 0,7185 
C02 = 0,1959 C =3 14,5 Proc. und 0,173 HO = 
0,01922 H = 1,41 Proc. 

b) 0,993 Grm. = 0,531 C02 = 0,14481 C = 14,58 Proc. 
und 0,1215 HO =z 0,0135 H = 1,36 Proc. 

Berechnet Gefunden 

a. b. 

U2 03.. . 44,36 43,85 

KO 14,62 14,26 

C 14,90 14,5 14,58 

H 1,24 1,41 1,36 

O 24,84 

99,96. 
Dieses bei 200<^ getrocknete Salz entspricht also der 
Formel: KO, U203, C8H4O10, das Oxyd vertritt also nur 
zwei Aequivalente basischen Wasserstoffs der Weinsäure^ 



1»0 K. Frischf 

das Salz verhält sich demnach entsprechend seinen übrigen 
Verbindungen und anders als die Antimonoxyddoppelsalze. 

Ausser den Doppelsalzen mit vier Atomen Basis 
spricht hauptsächlich noch eine Verbindung der Wein- 
säure mit vier Aequivalenten einer einsäurigen Basis für 
die Tetrabasicität derselben. Es ist dies das von Erd- 
raann bei'eits vor 30 Jahren [Journ.f.prakt.Chem. 9, 271 
und Ann. d. Pharm. 21) dargestellte Bleisalz, welches 
76,9 — 77,2 Proc. Bleioxyd enthält und dessen Formel 
4PbO, C^H^OiO lauten würde. Dieses Salz, welches 
Erdmann ursprünglich aus metaweinsaurem und später 
auch aus weinsaurera Bleioxyd darstellte, das er in Am- 
moniak löste und kochte, ist auf ähnliche Weise vor kur- 
zer Zeit auch von H ein tz dargestellt worden. Erdmann 
betrachtete dieses Salz als ein basisches Salz, da auch andere 
Säuren,wie Citronensäure, Essigsäure etc. sich ähnlich gegen 
Bleioxyd in ammoniakalischer Lösung verhalten und Blei- 
salze von mehr Atomen Basis als die neutralen liefern, 
die sich nur als basische Salze betrachten lassen. Trock- 
net man jedoch das Erdmann'sche Salz bei einer Tempe- 
ratur zwischen löO — 2000, so verliert es noch 2 Aeq. 
Wasser und enthält 79 — 79,4 Proc. Bleioxyd. 

Dieses Bleisalz auf eine Weise darzustellen, wodurch 
die Entstehung eines basischen Salzes vollkommen aus- 
geschlossen ist, ist mir gelungen, indem ich neutrales 
essigsaures Bleioxyd mit saurem weinsauren Kali acht 
bis zwölf Stunden lang kochte. Unter Entwickelung von 
Essigsäure setzte es sich als ein schweres krystallinisches, 
rein weisses Pulver nieder, welches heftiges Stossen der 
siedenden Flüssigkeit verursachte. Das gut ausgewaschene 
Pulver Avar frei von Essigsäure und Kohlensäure, voll- 
ständig unlöslich in Wasser, verhielt sich eben so gegen 
Essigsäure, weinsaures Ammoniak und andere Ammoniak- 
salze und unterscheidet sich dadurch wesentlich von dem 
zweibasisch weinsauren Bleioxyd. Dagegen löste es sich 
leicht in Kalilauge und Salpetersäure. Das Salz verlor 
zwischen 160 — 220« kein Wasser. Zwischen 150—1600 



die ßasicifät der Weinsäure. 191 

getrocknet ergab die Aequivalentbestimmung einen Gehalt 

von 79,2 — 79,4 Proc. PbO. 

1,413 Grm. des Salzes gaben 1,120 PbO = 79,19 Proc. 
1,845 „ „ „ „ 1,1465 „ = 79,3 „ 

1,792 „ „ , „ 1,433 , = 79,4 „ 

a) 0,647 Grm. des Bleisalzes mit 79,3 Proc. PbO gaben 
mit CuO verbrannt 0,2035 C02 = 0,0555 C und 
0,024 HO =: 0,00266 H. 

b) 1,127 Grm. des Bleisalzes von 79,4 Proc. PbO = 
0,348 C02 = 0,0949 C und 0,0395 HO = 0,00439 H. 

Berechnet a. b. 

PbO... 79,65 79,3 79,40 

C 8,57 8,57 8,40 

H «,35 0,41 0,39 

11,42 

99,99. 
Diese Zusammensetzung würde genau der Formel 
C^H'^Pb^Oi^ entsprechen, mithin sind 4 Aeq. H der 
Weinsäure durch Pb vertreten. Dass aber in diesem 
Salze Weinsäure als solche vorhanden und eine andere 
Säure, wie einige Chemiker dies bei den in höheren Tem- 
peraturen getrockneten Brechweinsteinen annehmen, sich 
nicht gebildet hatte, scheint aus folgenden Reactionen 
hervorzugehen. Das Bleisalz verbrannt zeigte den charak- 
teristischen Weinsäuregeruch. In Wasser vertheilt und 
mit Schwefelwasserstoff zerlegt, lieferte es nur Weinsäure. 
Um die Berührung mit Wasser zu vermeiden, vertheilte 
iph das Salz in Alkohol und leitete Schwefelwasserstoff 
ein. Allein auch hier bekam ich eine Säure, die die 
Reactionen der Weinsäure besass. Den letzten Theil, 
welcher mir von der Bereitung des vierbasisch weinsauren 
Bleioxyds geblieben, zerlegte ich in der Kälte vorsichtig 
mit concentrirter Schwefelsäure, so dass eine Erwärmung 
möglichst vermieden wurde und Schwefelsäure nicht im 
Ueberschusse zugegen war. Eine Zersetzung der orga- 
nischen Säure war nicht bemerkbar. Dann zog ich es 
mit absolutem Alkohol aus und versetzte den Auszug mit 



392 K. Frisch, 

einer überschüssigen Lösung von in absolutem Alkohol ge- 
lösten Chlorcalcium. Die Flüssigkeit trübte sich sogleich, 
setzte aber nur sehr langsam einen weissen breiartigen 
Niederschlag ab, welcher auf das Filter gebracht, schwer 
ablief und mit absolutem Alkohol so lange ausgewaschen 
wurde, bis das Filtrat nicht mehr auf Chlor reagirte. 
Der getrocknete Rückstand stellte eine zähe, gummiartige 
Masse dar, welche nur sehr schwer zerrieben werden 
konnte. Verbrannt zeigte das Salz den Geruch nach 
Weinsäure. Es war in kochender Weinsäure löslich, 
unlöslich dagegen in Chlorammonium und salpetersaurem 
Ammoniak. Ebenso wie dieses zeigte auch das ursprüng- 
liche vierbasisch weisaure Bleioxyd, in Kalilauge gelöst, 
die Reactionen der Weinsäure. • 

Bei der Darstellung des vierbasischen Bleisalzes kochte 
ich anfangs die Weinsteinlösung mit der essigsauren Blei- 
oxydlösung nur kurze Zeit, das eine Mal drei, das andere 
Mal vier Stunden. Es resultirten zwei Bleisalze, von 
denen das eine 72,55 Proc. PbO, das andere 72,87 Proc. 
PbO enthielt. Sie unterschieden sich von dem zweibasiscb 
weinsauren Bleioxyd durch gänzliche Unlöslichkeit in 
Wasser, Essigsäure und Amraoniaksalzen. Wäre es ein 
Gemisch zweier Salze gewesen, also in diesem Falle aus 
zweibasisch und vierbasisch weinsaurem Bleioxyd beste- 
hend, so hätte sich doch wohl das zweibasische Salz in 
Essigsäure und Ammoniaksalzen lösen müssen. Von dem 
Bleisalze mit vier Atomen Basis unterschied es sich durch 
mindere Schwere, welche sich durch geringeres Stossen 
der siedenden Flüssigkeit bemerkbar machte. 

Das bei 200" getrocknete Salz wurde der Analyse 
unterworfen : 

1,2385 Grm. Substanz gaben mit CuO verbrannt 0,4713 
C02 = 0,12859 C und 0,079 HO = 0,00877 H. 



Berechnet 


Gefunden 


PbO. 73,12 


72,87 


C... 10,49 


10,39 


H.... 0,65 


0,70 


0.... 15,74 





100,00. 



die ßasicität der Weinsäure. 193 

Diesem Salze würde demnach die Formel C^H^Pb^Oi^ 
zukommen und in ihm drei Aequivalente basischen Wasser- 
stoffs durch Blei vertreten sein. 

Es ist mir auch gelungen, ein vierbasisches Zinksalz 
darzustellen. Bei früher angestellten Versuchen, die Wein- 
säure durch Zink in alkalischer Lösung zu reduciren, 
kochte ich längere Zeit Weinsäure, Zink und Kalilauge. 
Beim nachherigen Neutralisiren der stark kaustischen 
Lösung mit Salpetersäure, fällte ich ein Zinksalz, wel- 
ches durch nochmaliges Wiederauflösen in Kalilösung und 
nochmaliges vorsichtiges Neutralisiren mit Salpetersäure 
gefällt, abfiltrirt, ausgewaschen und getrocknet wurde. 
Dieses Salz war vollständig unlöslich in Wasser, Wein- 
säure^ Salmiak und salpetersaurem Ammoniak, löste sich 
aber leicht in Kalilauge und Mineralsäuren. Es war voll- 
ständig frei von Kohlensäure. Das bei 100^ getrocknete 
Salz zeigte einen Procentgehalt von 56,2 — 56,8 Proc 
Zinkoxyd, denn 

a) 0,598 Grm. des bei 1000 getrockneten Salzes gaben 
mit Salpetersäure befeuchtet und geglüht 0,336 ZnO 
— 56,2 Proc. 
ß) 0,470 Grm. des bei 100^ getrockneten Salzes von 
einer anderen Bereitungsweise gaben wie oben be- 
handelt 0,267 ZnO = 56,8 Proc. 

a) 0,824 Grm. bei 100^ getrocknet und mit CuO ver- 
brannt gaben 0,496 C02 = 0,1352 C und 0,0815 
HO = 0,00905 H. 

b) 1,172 Grm. bei 200« getrocknet und mit CuO ver- 
brannt gaben 0,709 C02 = 0,1933 C und 0,1305 
HO = 0,0145 H. 



Berechnet 


a. (1000) 


b. (2000) 


ZnO 56,84 


56,20 


56,80 


C... 16,84 


16,43 


16,50 


H... 1,05 


1,09 


1,23 


0.. . 25,26 







99,99. 
Die Formel für dieses Salz ist C8H2Zn4 0i2 _[- HO. 



194 K. Frisch, 

Dieses letzte Aequivalent Wasser scheint ziemlich 
hartnäckig zurückgehalten zu werden, da das Aequivalent- 
gewicht des Zinksalzes auch bei 200^ getrocknet zwischen 
56,2 bis 56,8 Proc. schwankte. Doch steht in der Reihe 
der weinsauren Salze dieser Fall nicht vereinzelt da, denn 
Versuche haben mich überzeugt, dass auch bei den zwei- 
basisch weinsauren Salzen des Baryts und Kalks ein ähn- 
liches Zurückhalten von 1 Aeq, Wasser, welches ausser- 
halb der Formel steht, statt findet. 

Bei stundenlangem Kochen der Weinsäure mit Zink 
schied sich unter Entwickelung von Wasserstoff ein weis- 
ses, lockeres Pulver aus, welches in Wasser sehr schwer, 
leicht dagegen in Kalilauge löslich ist. Wasser löste nur 
Spuren. Eben so war es auch getrocknet unlöslich in 
Essigsäure und Salmiak. Bei lOOO getrocknet ergab es 
sich als zweibasisch weinsaures Zinkoxyd, denn 0,947 
des Salzes gaben mit Salpetersäure befeuchtet und geglüht 
0,3595 ZnO = 37,9 Proc. ZnO. 

Versuche, die vierbasisch weinsauren Baryt- und 
Kalksalze darzustellen, blieben erfolglos. Durch längeres 
Kochen von überschüssigem essigsauren Baryt und Kalk 
mit saurem weinsauren Kali erhielt ich nur zweifach wein- 
sauren Kalk und Baryt. Das Barytsalz war sehr dicht 
und krystallinisch. 

1,204 Grm. bei 100^ getrocknet in HCl gelöst und mit 
S03 gefällt gaben 0,950 BaO, SO^ = 0,6324 BaO 
= 52,53 Proc. 

Das gleiche Resultat wurde erhalten, wenn ich Wein- 
säure stark mit Ammoniak übersättigte und nun erst die 
Lösungen des essigsauren Baryts und Chlorcalciums, 
ebenfalls mit Ammoniak übersättigt, im Ueberschuss zu- 
setzte und längere Zeit kochte. Bei Anwendung von 
Baryt erhielt ich auf diese Weise gleich anfangs einen 
Niederschlag, der beim Kochen sehr dicht und krystalli- 
nisch wurde. Das Salz war in Essigsäure unlöslich, eben 
so in Chlorammonium und heisser sowohl, wie kalter 
Weinsäurelösung. Eben so wurde es auch von kalter 



die Basicität der Weinsäure. 195 

Kalilauge nur sehr wenig gelöst und aus dieser Lösung 
durch Kochen wieder abgeschieden. Beim Verbrennen 
blähte es sich sehr stark auf und hinterliess den kohlen- 
sauren Baryt als lockeres weisses Pulver. 

a) 2,825 Grm. des bei 1500 getrockneten Salzes gaben 
1,910 BaO, C02 = 1,4834 BaO = 52,52 Proc. 

b) 2,119 Grm. des Salzes bei 1200 getrocknet, geglüht 
und wie oben mit kohlensaurem Ammoniak befeuch- 
tet und wieder gelinde geglüht gaben 1,427 BaO, 
C02 = 1,11335 BaO = 52,55 Proc. 

Das Barytsalz verlor zwischen 120 — 1500 kein Wasser. 
Der wasserfreie weinsaure Baryt hat ein Aequivalent- 
gewicht von 53,7 Proc. BaO. Jene oben gefundenen und 
genau übereinstimmenden Analysen sowohl des Salzes 
aus ammoniakalischer Lösung als auch aus essigsaurer, 
welche bei 120 und 1500 getrocknet wurden, lassen das 
Salz mit noch einem Atom Wasser verbunden annehmen 
G^H^Ba^Oi^^ HO, welches vollständig ohne Zersetzung 
aus dem Salze nicht entfernt werden kann. Das Baryt- 
salz zersetzt sich bereits unter Bräunung bei einer Tem- 
peratur zwischen 150 — 2000. 

Mit Kupferoxyd verbrannt gaben 0,812 Grm. Substanz 
0,468 C02 = 15,71 Proc. und 0,153 HO = 2,093 
Proc. H. 

Berechnet als : Gefunden 
C8H'ißa20i2,HO , — -^ ,— 

BaO 52,04 62,54 52,53 52,54 

C... 16,32 15,71 

H . . 1,70 2,09 

O . . 29,93 



99,99. 
Eine entsprechende Zusammensetzung habe ich bei 
den nach beiden Methoden dargestellten Kalksalzen ge- 
funden. Das durch stundenlanges Kochen der ammoniaka- 
lischen Lösung von Weinstein und Chlorcalcium dargestellte 
Salz, welchem das verdampfende Ammoniak beim Kochen 
immer wieder zugesetzt wurde, bildete einen dichten, 



196 K. Frisch, 

krystallinischen, weissen Niederschlag, der sowohl in 
Wasser als in concentrirter und verdünnter Essigsäure 
unlöslich war. In concentrirter Kalilauge löste sich das 
Salz leicht auf, schied sich aber beim Kochen wieder 
gallertartig aus. In Salmiak und salpetersaurem Ammoniak 
war es vollständig unlöslich. Setzte man kalte Weinsäure- 
lösung hinzu, so bemerkte man selbst nach längerer Zeit 
keine Lösung, dieselbe erfolgte aber alsbald beim Erhitzen. 
Beim Glühen bläht sich das Salz stark auf und hinterlässt 
ein zartes weisses Pulver. In höherer Temperatur als 
150 — 1600 bräunte es sich wie das Barytsalz. 

1,191 Grm. des bei 150^ getrockneten Salzes gaben 
0,608 CaO, C02 = 0,3404 CaO = 28,5 Proc. 

Das wasserfreie zweibasische Salz verlangt 29,8 Proc. 
Es scheint also eben so wie das Barytsalz sein letztes 
Aequivalent Wasser schwer zu verlieren und besteht aus 
C8H4Ca20i2,HO. 

Der Aggregatzustand des Barytsalzes sowohl wie der 
des Kalksalzes ist durch das lange Sieden wahrscheinlich 
ein anderer geworden, denn beide weichen in ihren Lös- 
lichkeitsverhältnissen von den auf gewöhnliche Weise dar- 
gestellten Salzen bedeutend ab. In Chlorammonium und 
salpetersaurem Ammoniak sind die von mir dargestellten 
Salze gar nicht löslich, die auf kaltem Wege bereiteten 
leicht. Eben so verschieden verhalten sie sich gegen 
Essigsäure. Der weinsaure Kalk soll in kalter Weinsäure- 
lösung löslich sein; der durch langes Kochen erhaltene 
ist es erst in heisser. Der weinsaure Baryt ist in kalter 
Kalilauge sehr leicht löslich, der durch Kochen erhaltene 
sehr schwer. 

Versuche, welche ich anstellte, um das Verhalten des 
Eisenoxyds gegen Weinsäure zu ermitteln, scheiterten 
an der leichten Reducirbarkeit des Eisenoxyds durch die 
Säure. Frisch gefälltes Eisenoxydhydrat mit Weinsäure- 
lösung digerirt, welche eine Temperatur von 35^ nicht 
überstieg, Hess bereits nach zwei Stunden deutlich Oxydul 
nachweisen. Erwärmt man die Lösung höher, so fällt 



die ßasicität der Weinsäure. 197 

unter theilweiser Reduction zu Oxydul ein Salz nieder, 
weiches basischer Natur sein muss, denn die überstehende 
eisenoxyduloxydhaltige Flüssigkeit enthielt neben wenig 
Eisen sehr viel freie Weinsäure, welche man durch Kry- 
stallisation trennen konnte. Das Präcipitat, wesentlich 
aus Eisenoxyd und Eisenoxydul bestehend, enthielt nur 
ganz geringe Mengen Weinsäure und war wahrscheinlich 
ein Gemenge von weinsaurem Eisenoxydul und viel Eisen- 
oxydhydrat. 

Günstigere Resultate schien das weinsaure Eisenoxyd- 
Kali zu versprechen, ein Doppelsalz mit vier Aequivalenten 
Basis, also gerade wie die Brechweinsteine zusammen- 
gesetzt. Ich vermuthete, dass es diesen analog zusammen- 
gesetzt sein und bei höherer Temperatur getrocknet noch 
2 Aeq. Wasser verlieren würde. Frisch gefälltes Eisen- 
oxydhydrat wurde mit Weinstein und Wasser mehre 
Tage bei gelinder Wärme digerirt. Verdunstet, setzte 
die Flüssigkeit schwarzbraune Schuppen ab, die bei 100^ 
getrocknet, noch nicht zersetzt waren, denn das Salz löste 
sich in Wasser wieder zu einer klaren Flüssigkeit auf. 
Bei dieser Temperatur enthält es aber noch zwei Aequi- 
valente Wasser, welche, wenn man es in höherer Tem- 
peratur, z. B. bei 1500 trocknet, allerdings entweichen, 
zugleich tritt auch eine Reduction des Oxydsalzes ein, die 
Weinsäure wird theilweise zersetzt und Kohlensäure ent- 
wickelt. 

Eben so wenig wie beim Kalk und Baryt ist es mir 
auch beim Kupfer und Quecksilber gelungen, noch zwei 
Aequivalente Wasserstoff in der Weinsäure durch das be- 
treffende Metall zu ersetzen. Beim Quecksilberoxyd stösst 
man auf dieselben Schwierigkeiten wie beim Eisenoxyd, 
da das weinsaure Quecksilberoxyd sehr geneigt ist, sich 
zu reduciren, besonders leicht beim Kochen der entsprechen- 
den Lösungen. Bei Anwendung kalter Lösungen bekommt 
man stets das zweibasische Salz. Von der Behandlung 
der Quecksilberoxydsalze mit Alkalien musste ich absehen ; 
eben so konnte ich mir keinen günstigen Erfolg durch 



198 F. Bodenstab y 

Anwendung von Ammoniak versprechen, denn behandelt 
raan weinsaures Quecksilberoxyd mit weinsaurem Am- 
moniak und Ammoniak im Ueberschuss, so tritt Ammoniak 
in die Verbindung und es bildet sich weinsaures Mercur- 
ammoniumoxyd. 

Das weinsaure Quecksilberoxydul zersetzt sich eben- 
falls in der Hitze, indem es bereits durch kochendes 
Wasser schwarzgrau wird und in Folge der Reduction 
Quecksilber ausscheidet. • 

Noch leichtere Zersctzbarkeit zeigt das Silbersalz. 

Mehre der dargestellten Salze mit einsäuriger Basis, 
namentlich das vierbasisch und dreibasisch weinsaure 
Bleioxyd und das vierbasisch weinsaure Zinkoxyd, be- 
weisen, dass in der Weinsäure C^H^O'^ nicht bloss zwei, 
sondern auch drei und vier Aequivalente Wasserstoff durch 
Metalle vertreten werden können. 



lieber einen Bleigehalt käuflicher Weinsäure; 

von 

Fr. Bodenstab in Calvörde. 



Obgleich schon wiederholt auf obige Verunreinigung 
hingewiesen, erscheint mir nachfolgende Beobachtung den- 
noch mittheilungswerth. 

Bei der Prüfung einer kürzlich bezogenen Weinsäure 
mit der Bezeichnung purissimnvi, erhielt ich in der wässe- 
rigen Auflösung mit Schwefelwasserstoff einen schwarzen 
Niederschlag. Dies veranlasste mich, um letzteren näher 
zu prüfen, einige Unzen der Säure, mit Hülfe eines Mör- 
sers, in Wasser zu lösen. Hierbei bemerkte ich unter 
dem Pistill einige glänzende, dehnbare Metallblättchen, 
welche offenbar den Krystallen angehängt hatten. Diesel- 
ben gaben sich bei näherer Prüfung als Blei zu erkennen. 
Auch aus der Auflösung schied sich durch Schwefelwasser- 
stoff reichlich so viel des schwarzen Niederschlages aus, 



Bleigehalt käuflicher Weinsäure. 199 

dass es leicht wurde, denselben, nach dem gewöhnlichen 
Verfahren der Analyse als Schwefelblei erkennen zu können. 

Es gelang mir auch, aus einigen Pfunden der Säure 
eine grössere Anzahl Krystalle auszulesen, welche dunkle 
Punkte enthielten, besonders an den äusseren Seiten. 
Unter der Loupe zeigten sich diese dunkeln Partikeln 
auf der Oberfläche mit einem matt weisslichen Anfluge 
versehen. Von den Krystallen getrennt und im Mörser 
mit Wasser zerrieben erschienen sie metallglänzend, weich 
imd dehnbar. 

Off'enbar hatte man das Abdampfen der Säurelösung^ 
auch wohl gar die Krystallisation, in Bleigefässen vor- 
genommen, so dass Partikelchen des Metalls sich von den 
Wänden derselben getrennt und der krystallisirten Säure 
angehängt hatten. 

Ueber die Säure wurde mir mitgetheilt, dass der 
Fabrikant derselben die meisten Droguenhandlungen damit 
schon lange versorgt, unter Garantie völliger Reinheit! 
Man habe daran um so weniger gezweifelt, weil keine 
Klagen über die Waare eingelaufen seien. 

Einige Handlungen führen eine wesentlich theurere 
Säure; die von dem Hause Rump & Lehners in Hannover 
mit der Bezeichnung purum bezogene, hat sich stets als 
völlig rein erwiesen. 



Notiz über Rapskuchen und Rapsmehl (entöltes). 

Bei von O.Lehmann mitgetheilten vergleichenden Füt- 
terungsversuchen mit gepressten, ölreichen Rapskuchen und 
ölarmen Rapsmehl, wie solches bei der Oelgewinnung durch 
Extraction mit Schwefelkohlenstofi" übrig bleibt, wurde die 
Beobachtung gemacht, dass das letztere, mit Wasser zu 
einem dicken Brei angerührt, erst nach 36 Stunden in der Zira- 
merwärme einen schwachen Geruch nach Senföl wahrneh- 
men Hess, während der mit Pressrückständen bereitete Brei 



200 Notiz über Rai^skuchen und Rapsmehl. 

schon nach 6 Stunden diesen Geruch zeigte, der an Stcärke 
aUniälig zunahm und sich nach etwa 36 Stunden wieder 
verlor. Diese Beobachtung gab Anlass zu folgenden 
weiteren Versuchen: 

1. Gleiche Mengen von beiden Sorten von reinem 
Rapsmehl wurden mit Wasser zu einem Brei angerührt 
und nach 8 Stunden, mit Wasser verdünnt, der Destillation 
unterworfen. Das Destillat von den Presskuchen, nament- 
lich die zuerst übergehenden Portionen, zeigte deutlich 
einen schwachen Senfölgeruch, das von dem mit Schwefel- 
kohlenstoff entölten Rapsmehl nicht. 

2. Derselbe Versuch nach 24 stündigem Stehen des 
Breies gab das gleiche Resultat, nur war der Senfölgeruch 
in sehr schwachem Grade, und nur im Anfang der Destil- 
lation wahrzunehmen. 

3. Mit Weingeist, und nach der Erschöpfung mit 

Wasser extrahirt, gaben 

spirituöses wässeriges 
Extract Extract 

100 Rapsmehl vom Pressverfahren 7,50 4,71 = 12,21 Proc. 

100 „ „ Extractionsverfahreu 3,18 4,10= 7,28 „ 

Direct mit Wasser digerirt, gab das erstere, das Mehl 
vom Pressverfahren, eine Flüssigkeit, aus der sich beim 
Erhitzen ein sehr starkes, eiweissartiges Coagulum ab- 
schied, wogegen bei dem letzteren nur eine schwache 
Abscheidung erfolgte. Zu einem Theil der ungekochten 
Lösung beider Mehlsorten wurde etwas von dem obigen 
■wässerigen Extract gebracht^ es ergab sich, dass beim 
Stehen an einer circa 30*^ C. warmen Ofenstelle die Lösung 
mit dem Extract des Rapsmehles vom Pressverfahren 
einen zwar schwachen, aber deutlich zu erkennenden 
Geruch nach Senföl entwickelte, während das Extract 
des durch Schwefelkohlenstoff entölten Rapsmehles eine 
solche Geruchsentwickelung nicht veranlasste. 

Nach diesem Verhalten darf man wohl annehmen, 
dass auch in den Körpern des Rapses kleine Mengen 
derjenigen Stoffe (Myronsäure und Myrosin) vorhanden 
sind, welche den Senfkörnern die Fähigkeit ertheilen, in 



A. Beyer, die Keimung der gelben Lupine. 201 

Berührung mit Wasser Senföl zu erzeugen, und dass die- 
ser scharfe Stoff auch in die Milch übergeht und der bei 
starker Fütterung von Rapskuchen daraus dargestellten 
Butter den bekannten scharfen, beissenden Geschmack 
ertheilt. — Da das durch Schwefelkohlenstoff entölte Raps- 
mehl diese üble Eigenthümlichkeit weder bei den vor- 
stehenden, wenn auch unvollkommenen Versuchen, noch 
bei der Verfütterung an Milchkühe zeigte, so muss man 
annehmen, dass die Bedingungen zur Bildung des schar- 
fen, senfölähnlichen Stoffes bei der Extraction des ge- 
mahlenen Rapses aufgehoben wurde. Da das Myrosin 
durch Erhitzung das Vermögen, aus Myronsäure Senföl 
zu entwickeln, einbüsst, so liegt die Vermuthung am näch- 
sten, dass der heisse Wasserdampf, durch den man bei 
dem Extractionsverfahren die letzten Reste von anhängen- 
dem Schwefelkohlenstoff aus dem Rapsmehl entfernt, eine 
solche Umwandlung bewirkt. Als Milchfutter würde es 
demnach den gewöhnlichen Rapskuchen vorzuziehen sein. 
Bei letzteren ist mindestens ein vorgängiges längeres 
Weichen in Wasser zu vermeiden. Hirschberg. 

lieber die Eeimiing der gelben Lupine; 

von 

Dr. A. Beyer in Regenwalde *). 

In Beziehung auf die Ausführung nachstehender Arbeit 
sei hiermit vorausgeschickt, dass dieselbe während meiner 
Thätigkeit an der Akademie zu Tharand begonnen und an 
hiesiger Versuchs -Station zum Abschluss gebracht wor- 
den ist. 

Keine Periode im Leben der Pflanze ist wohl so 
geeignet für das Studium des Stoffumsatzes, als die Zeit 
der Keimung. Die hier in einem kleinen Objecte zusam- 

*) Als Abdruck a. d. „Landw. Versuchs -Stationen", ed. Prof. 
Dr. F. Nobbe. Bd. IX. 1867, vom Hrn. Verfasser mitgetheilt. 

D. Red, 
Arch. d. Pharm. CLXXXI. Bds. 3. Hft. J4 



202 A. Beyer, 

mengedrängten Erscheinungen gestatten mehr, als in der 
bereits zur weiteren Entwickelung gelangten Pflanze, 
einen Einblick in diesen wunderbaren Process. Die bis 
jetzt ausgeführten, dahin zielenden Arbeiten haben durch 
ihre auf mikro- und quantitativ- chemischem Wege erhal- 
tenen Resultate schon viel zur Erhellung desselben bei- 
getragen. Allein leider kann man sich nicht verhehlen, 
dass in Beziehung auf die analytischen Mittel bei sol- 
chen Untersuchungen noch mannigfache Unvollkommen- 
heiten existiren. Und weshalb? Weil die Schwierigkeiten 
bedingt sind durch die mangelhafte Kenntniss der chemi- 
schen Constitution derjenigen Körper, die am verbreitesten 
in den Pflanzen vorkommen. Man möchte deshalb ver- 
sucht sein, solche Untersuchungen als verfrüht zu be- 
trachten und könnte es der Zeit überlassen, diese Lücken 
auszufüllen; allein ich glaube, trotz der Mangelhaftigkeit 
der Methoden haben solche Untersuchungen auch jetzt 
schon ihre Berechtigung, nur müssen die dabei einzuhal- 
tenden Bedingungen möglichst den natürlichen nahekom- 
mende sein. Auch ist das genaue Einhalten einer und 
derselben Methode eine Hauptbedingung. Sind die Zahlen 
bei periodischen Untersuchungen, und zu diesen gehören 
ja die über die Keimung, auch nur relative, so haben sie 
doch deshalb einen Werth, weil ja die Untersuchungs- 
methoden dieselben bleiben. 

Wenn ich bei nachstehender Arbeit etwas von den 
am meisten angewandten Methoden der Bestimmung ab- 
gewichen bin, so geschah es in der Ueberzeugung, die 
nothwendigen Bedingungen einzuhalten, die während der 
Operation eine Veränderung in dem Untersuchungsmaterial 
selbst verhindern können. Dahin gehört vor allem die 
Vermeidung höherer Temperatur. Ist das Material bei 
lOOO getrocknet, so haben gewiss so mannigfache Umwand- 
lungen statt gefunden, dass das Untersuchungsobject nicht 
mehr vergleichbar ist mit dem im natürlichen Zustande 
befindlichen. Einige darauf bezügliche Zahlen werden 
dies beweisen. Wollte man den natürlichen Verhältnissen 



die Keimung der gelben Lupine. 203 

am nächsten kommen, so müsste man stets frische, un- 
getrocknete Pflanzensubstanz anwenden. Allein dies ist 
in der That nicht möglich. Ich habe deshalb den Mittel- 
weg eingeschlagen und zu meinen Untersuchungen, wo es 
nöthig schien, Material angewendet, welches lufttrocken 
oder bei 30 — 40^ C. getrocknet war. 

Alle Berechnungen geschehen schliesslich auf bei 
1000 C. getrocknete Substanz, und wenn auch dadurch die 
an und für sich mühsame Arbeit noch mehr erschwert 
wird, so glaube ich doch dadurch einen wesentlichen Theil 
der Fehlerquellen beseitigt zu haben. 

Eine Schwierigkeit, die zu überwinden mir nicht 
möglich war, ist noch die, dass die Stoffveränderung beim 
Keimen die für den ruhenden Samen ausprobirten analy- 
tischen Methoden beeinträchtigt. Namentlich sind es die 
Umwandlungsproducte der Proteinkörper, die hier hindernd 
in den Weg treten und ein genaues Einhalten einer und 
derselben Methode unmöglich machen. 

Einige Bemerkungen über letztere selbst weiter unten. 

Ein Rückblick auf die analytischen Arbeiten über 
Keimungsprocesse ist mir wegen des Umfangs an Material 
nicht vergönnt, auch haben ja die bisherigen Abhandlungen 
jedesmal hinreichend darüber referirt. Die Keimung 
stärkemehlhaltender Samen ist schon früher Gegenstand 
mehrfacher Untersuchung gewesen, eben so die Bedeutung 
des fetten Oels in den ölhaltigen Samen als Reservestoff 
und seine Umwandlung beim Keimen, so noch vor Kurzem 
durch Fleury. 

In beiden Samengruppen nun sind die erwähnten 
N- freien Bestandtheile, Stärke und fettes Oel, als die 
beim Keimen der eingehendsten Veränderung unterliegen- 
den zu bezeichnen. Die dahin einschlagenden Abhand- 
lungen von Stein, Planta, Sachs, Peters, Hell- 
riegel, Boussingault u. s. w. sind ja genugsam be- 
kannt. Der Grund zu dieser Arbeit, und die mich dabei 
leitende Idee war, die Keimungsgeschichte eines Samens 
zu Studiren, der weder Stärke noch fettes Oel in grösserer 

14* 



204 A. Beyer, 

Menge (denn ganz feht es ja in keinem Samen), dagegen 
Eiweisskörper in vorwiegender Menge enthält. Ich wählte 
dazu die gelbe Lupine. Abgesehen von ihrer leichten 
Keimfähigkeit, eignet sie sich wegen der Grösse des 
Samens und ihrer Keimtriebe sehr gut zu einer Arbeit, 
wo es darauf ankommt, die gewonnenen analytischen Re- 
sultate auf eine bestimmte Anzahl von Individuen zu berech- 
nen. Die ganze Keimungszeit, die circa 8 — 12 Tage 
umfasste, wurde in zwei Perioden eingetheilt. Die erste 
Periode bezeichnet einen Fortschritt der Keimung bis zur 
Zeit, wo die Cotyledonen die Samenschale noch nicht 
gesprengt und Wurzel und hypocotyles Glied 1 — 1^/2 Zoll 
erreicht haben. In der zweiten Periode sind die Coty- 
ledonen sämmtlich über die Erde emporgetreten, haben 
die Schale zwar noch nicht abgeworfen, aber zersprengt, 
und fangen an, sich grün zu färben. Der ganze Keim 
ist 2 — 3 Zoll lang. Die Samenschale wurde auch bei 
den ungekeimten Samen durch ein kurzes Einweichen in 
Wasser und Abziehen entfernt und bei der Analyse nicht 
berücksichtigt. Die Samen keimten in ausgeglühtem und 
mit concentrirter HCl ausgekochten Weisseritzsand. 
Mikrochemische Beobachtungen. 

Es ist nicht meine Absicht, hier eine auf alle ein- 
zelnen Gewebspartien eingehende Darstellung der Stoff- 
wanderung von dem im Samen enthaltenen Reservestoffe 
darzubieten. Ich will nur auf einige Thatsachen, nament- 
lich in Beziehung auf den Bitterstoff, aufmerksam machen. 

Die Stärke, welche schon sehr bald nach Streckung 
des Keims in ganz bedeutender Menge auftritt, während 
sie im ruhenden Samen nicht zu finden ist, kommt haupt- 
sächlich im Parenchym der jungen Rinde, und zwar in 
den Schichten am meisten vor, welche die Gefässbündel 
unmittelbar umgeben. Sie besitzt denselben feinkörnigen 
Zustand, wie er bei der Stoffwanderung immer vorkommt. 
Oft sind die Stärkekörner zu ganzen Gruppen vereinigt. 
Die Eiweisskörper finden sich im Keim wie immer in 
dem Cambiform der Gefässbündel. 



die Keimung der gelben Lupine. 205 

Behandelt raan einen Querschnitt des hypocotylen 
Gliedes mit einer nicht zu concentrirten Jodlösung, so 
bemerkt man im Parenchym des Markes, in den Partien, 
welche die primären Markstrahlen bilden, und auch in 
einzelnen Zellen des übrigen Parenchyms, namentlich in 
der Nähe des Gefässbündelringes einzelne Zellen mit einem 
körnigen, rothbraunen bis dunkelvioletten Inhalt erfüllt, 
dessen Färbung auf Zusatz von Alkohol verschwindet. 
Im Laufe nun der Versuche, den Bitterstoff in reiner 
krystallinischer Form darzustellen, die aber bis jetzt zu 
keinem Resultate führten, stellte es sich heraus, dass der 
in der Lupine enthaltene bittere Körper, — so wie man 
ihn mit Zucker zusammen erhält, wenn man den alkoho- 
lischen Auszug der Samen oder Keime verdunstet, den 
Rückstand in Wasser löst, die Lösung mit essigsaurem 
Bleioxyd fällt, die vom Niederschlage abfiltrirte Flüssig- 
keit durch HS vom Blei befreit und bei gelinder Tem- 
peratur verdunsten lässt — mit Jod ganz dieselbe präch- 
tige rothbraune Reaction giebt, wie man sie unter dem 
Mikroskop beobachten kann. Ich kann deshalb nicht 
umhin, die oben erwähnte mikrochemische Reaction als 
auf den Bitterstoff bezüglich zu bezeichnen. Die jeden- 
falls alkaloidische Natur dieses Körpers spricht für die 
Wahrscheinlichkeit meiner Vermuthung, da ja manche 
Alkaloide, z. B. das Morphium, mit Jod ganz ähnliche 
Reactionen geben. Es wäre dies ausserdem ein neuer 
Beitrag zur Lehre von der Localisirung einzelner 
Pflanzenstoffe. 

Zu den Glykosiden gehört der bittere Körper jeden- 
falls nicht, was schon aus seiner Eigenschaft, durch essig- 
saures Bleioxyd nicht gefällt zu werden, hervorgeht *). 
Die bei Bestimmung der einzelnen Körper 
angewandten Methoden. 

*) Neuerdings ist es mir gelungen, die erwähnte Jodverbindung 
in schönen rubinrothen Krystallen rein darzustellen, und ich 
hoffe, in der Kürze über die chemische Constitution derselben 
Näheres mittheilen zu können. 



206 A. Beyer, 

Die Bestimmung des Totalslickstoffs und fetten Oels 
geschah in gewöhnlicher Weise in der bei 100 ge- 
trockneten Substanz, während sonst fast nur bei 30 — 40^ 
getrocknete angewandt wurde. 

Die fein gepulverte Substanz wurde zur Bestimmung 
des Zuckers, Gummis, der in Wasser löslichen Protein- 
körper und des Asparagins immer mit derselben Menge 
kalten Wassers bis zur Erschöpfung ausgezogen und der 
Auszug auf ein bestimmtes Volumen gebracht. 

1. Gesammt-Stick Stoff der im Wasser lös- 
lichen Körper. — Ein bestimmtes Volumen wurde ein- 
gedampft und im Rückstande der Stickstoff bestimmt. 

2. Bitterstoff. — Die von Eichhorn*) angege- 
bene Methode, nach welcher das alkoholische Extract der 
Samen in Wasser gelöst und mit Bleiessig gefällt, filtrirt, 
das Filtrat mit Gyps zur Trockne verdunstet, und in 
einem Theil der Stickstoff bestimmt wird^ aus dem schliess- 
lich der Procentgehalt an Bitterstoff berechnet wird, war 
hier deshalb nicht anwendbar, weil im Verlauf der Kei- 
mung N- haltige Körper sich bilden, die theil weise auch 
in Alkohol löslich sind, aber durch essigsaures Bleioxyd 
nicht gefällt werden. Ich musste deshalb Zucker und 
Bitterstoff zusammen bestimmen, und ich glaube, dass 
dadurch die Resultate nicht wesentlich gestört werden. 
Ich hoffe jedoch, eine directe Bestimmung zu finden, die 
sich auf das eigenthümliche Verhalten gegen Jodlösung, 
welches ich bereits erwähnt habe, gründet. 

3. Asparagin. — Dieser vielfach beim Keimen der 
Leguminosen beobachtete Körper tritt auch hier in ziem- 
lich bedeutender Menge auf. Ein Theil des wässerigen 
Auszuges wurde bis zur dünnen Syrupsconsistenz einge- 
dampft und zur Krystallisation gebracht. Nach mehrtägi- 
gem Stehen enthält die überstehende Flüssigkeit nur noch 
Spuren von Asparagin. Die gewonnenen Krystalle wurden 
gewaschen und bei 100^ getrocknet. Selbstverständlich 
kann diese Methode auf absolute Genauigkeit keinen An- 

*) Monatsschrift der Pomm. ökon. Gesellschaft 1861, S. 16. 



die Keimung der gelben Lupine. 207 

Spruch machen, allein bei vergleichenden Analysen ist sie 
wohl anwendbar. Zur Nachweisung der Identität der ab- 
geschiedenen Krystalle mit Asparagin wurden mehre 
N- Bestimmungen davon gemacht. 

0,3482 bei 100^ getrocknete, durch mehrmaliges Um- 
krystallisiren gereinigte Krystalle gaben beim Verbrennen 
mit Natronkalk eine, 51 CC, ^/jq Silberlösung entsprechende, 
Menge Chlorammonium = 20,50 Proc. N. 

0,300 Grm. derselben Substanz sättigen 4,4 CC. Nor- 
mal- SO» = 20,53 Proc. N. 

0,6385 Grm. Krystalle verloren bei 100^ getrocknet 
0,0755 Grm. Wasser = 11,824 Proc. HO. 

Das bei 100^ getrocknete Asparagin enthält 21,21 
Proc. N und die Krystalle enthalten 12 Proc. HO. Es 
unterliegt also keinem Zweifel, dass der von mir erhal- 
tene Körper Asparagin ist. 

4. Glykose und Gummi. — Ein Theil des Aus- 
zuges wurde zur Syrupsconsistenz verdampft und wieder- 
holt mit absolutem Alkohol behandelt. Glykose und Bitter- 
stoff lösen sich auf, und hinterblieben beim Eindampfen 
der alkoholischen Flüssigkeit. Gummi hinterbleibt in dem 
in Alkohol unlöslichen Rückstände, und gewinnt man die 
Zahlen dafür, wenn man nach Abzug des als Aspagarin 
vorhandenen N den übrigen auf Proteinkörper berechnet. 
Der nach Summirung des in Wasser löslichen Bitterstoffs, 
Zuckers, Aspagarins und der Proteinkörper verbleibende 
Rest ist Gummi. Die Bestimmung des Zuckers mit alka- 
lischer Kupferlösung konnte wegen der mangelhaften Kennt- 
niss des bittern Körpers nicht angewandt werden, da ja, 
wie bekannt, viele organische Verbindungen in der Wärme 
reducirend auf Kupferlösung wirken. 

In Bezug auf das, Avas ich bereits erwähnt, theile 
ich hier nur kurz mit, dass ich nach einer und derselben 
Methode aus der Substanz des hypocotylen Gliedes bei 
1000 getrocknet 69,5 Proc. in Wasser lösliche Körper 
erhielt; in der bei gewöhnlicher Temperatur getrockneten 
hingegen nur 56,63 Proc. derselben. 



208 



A. Beyer, 



1000 Stück bei 100^ getrocknete Samen wiegen Gramme 



Cotyle- 


Hypocotvles 


Wnrzel- 


in 


Verlust in 


donen 


Glied 


glied 


Summa 


Procenten 


Ungekeimte 80,1 


— 


— 


— 


— 


I. Periode 72,89 


4,97 


2,12 


79,98 


— 


II. Periode 66,60 


6,67 


4,47 


77,74 


2,95 



In 100 Th. bei 1000 getrockneter Substanz sind enthalten: 





05 

S a 
M S 

9 


I. Periode. 


II. Periode. 




a 
o 

o 


o ^ 
ü tn <u 
O «5 ;- 


'S 
3 


a 

O 

na 

o 


8 «'S 




1.1 


Fettes Oel 

Mineralstoffe.. 

Eiweisskörper. 

Asparagin .... 

Zucker und 
Bitterstoff . . 

Gummi 

Zellstoff, Stär- 
ke, Pectin- 
körper 


6,020 

4,225 

61,268 

10,610 
6,920 

10,957 


5,950 

4,150 

60,762 

15,115 
4,831 

9.192 


3,820 

6,510 

30,000 

10,500 

j 37,010 
12,160 


3,680 

7,120 

25,480 

10,600 

j 33,700 
19,420 


4,710 

4,322 

60,450 

1,450 

15,540 
2,680 

10,848 


2,680 

6,610 

27,080 

14,650 

22,600 
11,410 

14,970 


2,800 

7,110 

23,000 

14,990 

j 29,030 
23,070 




100,000 


100,000 


100,000 


100,000 


100,000 


100,000 


100,000 


Absolut. Stick- 
stoffgehalt . . 
Im Wasser lösl. 
Eiweisskörper 


9,803 
10,913 


9,722 
20,676 


7,020 
1,523 


6,325 

2,687 


9,980 
26,450 


7,440 
1,681 


6,860 
3,687 



In 1000 Stück bei 100^ getrockneter Samen sind enthalten 

Gramme: 





OJ 

S 3 

M s 

bDCO 
Q 


I. Periode. 


II. Periode. 




a" 


na 

■^ 



8 »1 
tri 


1 


a" 





(^ r-. 


Fettes Oel 

Mineralstoffe. . 

Eiweisskörper. 

Asparagin .... 

Zucker und 
Bitterstoff.. 

Gummi 

Zellstoff, Stär- 
ke, Pectin- 
körper 


4,832 

3,384 

49,075 

8,498 
5,542 

8,869 


4,336 
3,025 

44,250 

11,017 
3.521 

6,700 


0,189 
0,323 
1,491 
0,521 

1,839 
0.604 


0,078 
0,150 
0,540 
0,224 

j 0,714 
0.411 


3,136 

2,876 

40,263 

0,965 

10,349 

1,784 

7.224 


0,178 
0,440 

1,806 
0,977 

2,268 
0,998 


0,125 
0,317 
1,028 
0,670 

j 1,297 
1,031 








1 




1 


Absolut. Stick- 
stoffgehalt. . 
In Wasser lösl. 
Eiweisskörper 


7,852 
8,741 


7,080 
15,070 


0,348 
0,0756 


0,134 
0,056 


6,646 
17,615 


0,496 
0,112 


0,306 
0,164 



die Keimung der gelben Lupine. 209 

Rechnet man die einzelnen Bestandtheile dei* Organe 
aus beiden Perioden zusammen, so erhält man für 1000 
Stück (in Grm.) 

Ungekeiinter Pflanzen der Pflanzen der 

Same I. Periode II. Pei-iode 

Fettes Oel 4,832 4,603 3,439 

Mineralstoffe 3,384 3,498 3,633 

Eiweisskörper 49,075 46,281 43,097 

Asparagin — 0,746 2,612 

In HO lösliche Koh- 
lenhydrate 24,040 17,091 15,698 

In HO unlösliche 

Kohlenhydrate., 8,869 7,715 9,257 

Absoluter N-Gehält 7,852 7,562 7,448 

In HO lösliche 

Eiweisskörper . . 8,741 15,145 17,891 

Um auch über die Veränderung der Aechenbestand- 
theile Einsicht zu gewinnen, folgen noch die Aschenanaiysen 
des ruhenden Samens und des Keims in der zweiten 
Periode. Die Veraschung geschah mit der zur Vermeidung 
von Verlusten nöthigen Vorsicht : Verkohlen bei möglichst 
niedriger Temperatur, Ausziehen der Kohle mit Wasser 
u. s. w. 

100 Th. Asche enth.: lOOTh. Tr.-Subst. enth.: 

Ungekeimter n„„r,^„ Ungekeimter .^ 
Same mit ^^".^«"^ Same mit ^^''.^^' 

Schale ^^'"^ Schale ^^^^ 

Kali 28,127 36,768 1,1312 2,5222 

Natron Spuren 2,350 Spuren 0,0910 

Kalk 8,631 4,246 0,3471 0,2912 

Magnesia 11,330 5,049 0,4556 0,3463 

Eisenoxyd.... 2,047 1,590 0,0823 0,1090 

Phosphorsäure 42,569 32,437 1,7121 2,32 Jl 

Schwefelsäure 3,023 5,785 0,1215 0,3968 

Chlor 0,418 1,797 0,0168 0,1212 

Kieselsäure... 0,559 0,311 0,0224 0,0213 

Gehen wir nun zur Darstellung der Resultate über. 

— Wir finden auf den ersten Blick keine so in die 



210 A. Beyer, 

Augen fallenden Veränderungen, wie man sie bei ähn- 
lichen Untersuchungen Stärkemehl- oder ölhaltiger Samen 
sofort erkennt. Zunächst ist es die sehr unbedeutende 
Gewichtsabnahme. Sie beträgt in der 2. Periode nur 
2,95 Proc. Die Ursache dieser geringen Abnahme liegt 
wohl theilweise in der raschen Keimung, theils in der 
Temperatur, die nie mehr als 15 — 18^0. betrug. Ein 
Vergleich des Verlustes von Samen verschiedener Pflanzen- 
gattungen ist schon wegen ihrer verschiedenen chemischen 
Zusammensetzung nicht möglich; denn die Stoflfmetamor- 
phose ist nach letzterer gewiss sehr verschieden. 

Die Bildung von qualitativ nachgewiesener CO^ und 
von HO sind auch hier die Quellen des Verlustes, Die ge- 
ringe Gewichtsabnahme Hess mir eine quantitative Bestim- 
mung der C02 nicht nothwendig erscheinen. Fassen wir 
nun die näheren Bestandtheile ins Auge. 

1. Das fette Oel. — Während bei dem Keimungs- 
process von Samen mit einem höheren Procentgehalt an 
fettem Oel die Abnahme des letzteren eine ganz bedeu- 
tende ist, kann man sie hier nur eine geringe nennen. 
Die Veränderung scheint mehr qualitativer als quantita- 
tiver Natur zu sein. Die Lupine enthält im fetten Oel 
eine wachsartige Substanz, die im Verlauf der Zeit im 
Aetherauszug in den Vordergrund tritt, während das flüssig- 
gelbe Oel mehr verschwindet. Bemerkt sei noch, dass 
das fette Oel phosphorhaltig ist. 

2. Die Eiweisskörper und das Asparagin. — 
Von allen Reservestoffen haben die Eiweisskörper jedenfalls 
die durchgreifendste Veränderung erlitten. Wie auch bei 
anderen Keimungsprocessen nachgewiesen, hat der absolute 
N- Gehalt so gut wie gar nicht abgenommen, denn die 
kleinen Diff'erenzen sind nur auf die Fehlerquellen bei 
den Analysen zu schieben; wohl aber hat er die Form 
bedeutend gewechselt. Ein grosser Theil der im Samen 
unlöslich befindlichen Eiweisskörper hat sich in im Wasser 
lösliche verwandelt. In den Cotyledonen der 2. Periode 
haben sie sich fast um das Doppelte vermehrt. Im Sten- 



die Keimung der gelben Lupine. 211 

gelglied sowohl aber, als in der Radicula, finden wir 
den löslichen N fast nur in der Form von Asparagin. 
In dem Masse nun, als dieses zunimmt, sehen wir die 
Gesamratraenge der Eiweisskörper abnehmen, und es unter- 
liegt wohl nun keinem Zweifel mehr, dass das Asparagin 
aus ersteren entsteht. Der in der entstandenen Menge 
Asparagin enthaltene N ist fast gleich dem in dem ver- 
loren gegangenen Eiweisskörper enthaltenen. 

H artig, der in seiner Entwickelungsgeschichte des 
Pflanzenkeims aus dem verbreiteteren Vorkommen der 
EiweissstofFe in der Form von Klebermehl, als der übrigen . 
ReservestofFe, auf die grössere Wichtigkeit der erstem 
für Ernährung der jungen Keimpflanze schliesst, giebt 
für die Veränderung des Klebermehls im Keimungsprocess 
folgende Erklärung: Ein Theil der Kleberkörnchen, die 
er als ähnliche Gebilde betrachtet, wie die Stärkekörner 
verwandelt sich in Stärkemehl, und dieses in Chlorophyll. 
Ein anderer Theil verflüssigt sich zu Aleuron tropfen, die 
nach und nach ihre Reaction auf Jod und Millonsche 
Flüssigkeit einbüssen, farblos werden, und aus denen sich 
ein krystallinischer Körper abscheidet. Diesen nicht allein 
aus jungen Keimpflanzen, sondern auch aus den jungen 
Frühjahrstrieben von Holzpflanzen erhaltenen krystallini- 
schen Körper bezeichnet er mit dem Collectivnamen Gleiss. 
Er schliesst aus dem häufigen Vorkommen desselben in 
dem jungen Zellgewebe, dass es die Form sei, in der die 
N- haltigen Stoffe zum Aufbau neuer Zellen aus Reserve- 
stoö*en fortgeleitet würden. — Was die chemische Natur 
betrifi't, so hält er allerdings das Asparagin auch diesem 
Stoff'e nahe verwandt, doch nicht damit identisch. Er 
schliesst dies aus den verschiedenen sauren Reactionen, 
der Krystallform u. s. w. 

Wie meine Analysen beweisen, ist diese Ansicht für 
die gelbe Lupine nicht haltbar. Wie sie es für andere 
Pflanzen ist, kann nur die Analyse entscheiden. Jeden- 
falls ist aber das häufige Vorkommen des Asparagins bei 
den Processen, wo aus fertig gebildeten Stoff'en neue 



212 A. Beyer ^ 

Zellenanlagen gebildet werden sollen, ein Beweis für die 
Wichtigkeit desselben. 

Im Laufe der weiteren Vegetation verschwindet es, 
nachdem die Elemente desselben jedenfalls wieder zur 
Neubildung von Eiweisskörpern gedient haben. In einer 
im „Chem. Acker sm. {Jan. 1867 Y erschienenen Abhandlung 
habe ich die Vermuthung über das Vorkommen des As- 
paragins im Safte der Weissbuche und Birke ausgesprochen, 
weil ich auch da N- haltigen krystallinischen Körpern 
begegnete. Das gleichzeitige Auftreten der Aepfelsäure 
lässt wohl nicht mit Unrecht darauf schliessen, dass 
möglicherweise aus den Eiweisskörpern Ammoniak aus- 
tritt und sich mit der ersteren zu Asparagin verbindet. 
Die in der Lupine vorkommende organische Säure, die 
scheinbar in nicht ganz unbedeutender Menge auftritt, 
denn der Same reagirt auf dem Querschnitt deutlich sauer, 
ist wahrscheinlich auch Aepfelsäure. Das bis jetzt aus 
dem Alkoholauszug nach gewöhnlicher Behandlung erhal- 
tene Silbersalz war nicht frei von PO^. Ich hoffe darüber 
später entscheiden zu können. Dass das Asparagin nicht 
das einzige Product der Umwandlung der gelösten Eiweiss- 
stoffe sei, ist wohl anzunehmen. Ob aber N-freie Körper 
dabei sind, ist nach der jetzigen Kenntniss beider Gruppen 
schwer zu entscheiden. 

3. Lösliche Kohlenhydrate. — Bei den in HO 
löslichen Kohlenhydraten (Zucker, Gummi) begegnen wir 
nur sehr geringen Unterschieden, wenn wir die Resultate 
auf eine bestimmte Anzahl von Samen beziehen. 

In der 1. Periode nimmt die absolute Menge der- 
selben etwas zu, in der 2. dagegen ab. In beiden Perioden 
aber enthält sowohl das Stengel- als auch das Wurzel- 
glied im Verhältniss zu den Cotyledonen procentisch be- 
deutende Mengen mehr davon. Es ist wohl nicht unmög- 
lich, dass im weiteren Verlauf der Entwicklung der Keim- 
pflanzen wahrnehmbare Vermehrung von Zucker und 
Gummi in der Cotyledonarsubstanz auftritt. Zucker und 



die Keimung der gelben Lupine. 213 

Gummi konnten, wie schon erwähnt wurde, getrennt be- 
stimmt werden, wo kein Asparagin vorhanden war. 

4. In Wasser unlösliche Kohlenhydrate. — 
Das Wurzelglied ist es hauptsächlich, welches durch die 
Gegenwart von Zellstoff procentisch am reichsten daran 
erscheint. Die Stärke fand sich bei der mikroskopischen 
Untersuchung in weit geringerer Menge darin vor, eben- 
so der Bitterstoff. Das hypocotjle Glied dagegen, aus 
dem die Stärke in die jungen Blattanlagen geführt wird, 
enthält weit mehr von letzterer. Die verschiedenen Func- 
tionen der beiden Keimtheile im weitern Verlauf der 
Ernährung der jungen Pflanzen erklären diese Verschie- 
denheiten. Auf 1000 Pflanzen berechnet, sind auch hier 
die Unterschiede weniger in die Augen fallend. 

5. Mineral Stoffe. — Wie man aus den Tabellen 
ersieht, haben dieselben in einer bestimmten Anzahl Pflan- 
zen zugenommen. Es geht daraus hervor, dass trotz des 
vorherigen Glühens und Ausziehens mit concentrirter HCl 
die Keimpflanzen aus dem Sande Aschenbestandtheile 
aufgenommen haben, doch ist die Zunahme nicht so erheb- 
lich, dass die andern Resultate dadurch beeinträchtigt 
werden könnten. Was die Vertheilung der einzelnen 
Mineralstoffe in der Trockensubstanz betrifft, so macht 
sich hauptsächlich bemerkbar: 

a. der erheblich grössere Aschengehalt der Keimtheile ; 
h. der um das Doppelte höhere Gehalt an KG in dem- 
selben ; 

c. der um das Dreifache höhere Gehalt an S03; 

d. das sehr bemerkbare Hervortreten der PO 5 und 

e. der bedeutend gesteigerte Chlorgehalt. 

Wenn auch letztere Thatsachen schon früher bei an- 
dern Keimpflanzen beobachtet sind, so bilden die von mir 
gewonnenen Zahlen doch einen weiteren Beitrag zur Be- 
stätigung derselben. 

Regenwalde, den 28. December 1866. 



214 A. Faust, 

Acorin, ein Glykosid im Kalmus; 

von 

August Faust. 

Werden ungeschälte Kairauswurzeln wiederholt mit 
Regenwasser ausgekocht, die abgepressten Flüssigkeiten 
auf das Gewicht der angewendeten Wurzeln verdampft 
und mit einem gleichen Volum Alkohol versetzt, so scheidet 
sich ein grosser Theil hier gleichgültiger Körper ab. Die 
abkolirte Flüssigkeit wird mit Bleizucker und Bleiessig so 
lange vermischt, als dadurch noch ein Niederschlag ent- 
steht, von diesem nach einiger Zeit abfiltrirt und endlich 
vom überschüssigen Blei durch Schwefelwasserstoff oder 
durch eine Glaubersalzlösung befreit. Der abermals filtrir- 
ten Flüssigkeit entzieht man den Weingei'st durch Destil- 
lation, dampft sie auf den fünften Theil des Gewichtes 
der angewendeten Wurzeln ein, macht sie mit Natron- 
lauge alkalisch und schüttelt sie wiederholt mit je dem 
halben Volum Aether aus. Nach dem Abheben und Ab- 
destilliren des Aethers bleibt ein weicher, harzartiger 
Körper zurück von der Farbe des gereinigten Honigs 
und einem Geschmacke, der an Kalmus im hohen Grade 
erinnert. Aus fünf Pfund Kalmuswurzeln wurde eine 
Drachme dieses Körpers erhalten. 

Dieser Körper, den ich aus natürlichen Gründen 
, Acorin" nenne, lässt sich leider nicht in einen festen 
Zustand bringen. Weder monatelanges Stehen über Schwe- 
felsäure, noch wochenlanges Erhitzen auf 100^ war im 
Stande ihn auszutrocknen. Er bleibt in beiden Fällen 
eine klebrige, harzartige Masse. Längeres und namentlich 
höheres Erhitzen bis etwa 120^ trocknet ihn zwar etwas 
mehr aus, scheint aber auch zersetzend auf ihn zu wir- 
ken, wenigstens wird hierbei seine Farbe dunkler bis 
beinahe schwarz. — Auch oft wiederholtes Fällen des 
Acorins aus seiner ätherischen Lösung durch Benzol 
schied es stets wieder in balsamartigem Zustande ab. — 



Äcorin, ein Glykosid im Kalmus. 215 

Da mir nun die vollständige Unfähigkeit des Acorins zu 
krystallisiren oder auch nur den festen Zustand anzunehmen, 
keine Sicherheit dafür geben konnte, dass ich es in ge- 
nügender Reinheit besass, stand ich von der Eleraentar- 
analyse ab und begnüge mich vorläufig damit, eine kurze 
Charakteristik dieses Körpers zu geben. 

Das Acorin ist eine honiggelbe, weiche, harzartige 
Masse von ausgezeichnet bitteraromatischem Kalmusge- 
schmack; es löst sich leicht in Aether und Alkohol, ist 
aus letzterer Lösung durch Wasser, aus ersterer Lösung 
durch Benzol fällbar. Li weingeistiger Lösung färbt es 
rothes Lackmuspapier ganz schwach blau. In Salzsäure 
ist es schwierig, aber vollständig löslich, ohne die Säure 
zu neutralisiren. Eine solche Lösung mit den Chloriden 
des Goldes und Platins vermischt, reducirt diese nach 
einiger Zeit. — Phosphormolybdänsaures Natron fällt die 
Lösung des Acorins in Säuren, wobei ebenfalls nach einiger 
Zeit eine Reduction der Molybdänsäure zu blauem Molyb- 
dänoxyd eintritt. Ferner wird Acorin gefällt durch Gerb- 
säure, Quecksilber] odidjodkalium und Jodwasser; durch 
letzteres kermesfarbig. 

Das Acorin entwickelt beim Glühen mit Natronkalk 
Ammoniak. Aus Fehling'scher Lösung reducirt es Kupfer- 
oxydul. Beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure 
spaltet sich das Acorin in Zucker und eine andere harz- 
artige, stickstoffhaltige Substanz, deren physikalische 
Eigenschaften leider eben so unangenehm sind, wie die 
des Acorins. Barytwasser bewirkt beim Kochen mit 
Acorin ebenfalls Spaltung in Zucker und einen harzartigen 
Körper. 

Das Acorin ist also ein stickstoff'haltiges Glykosid. 
Göttingen, Laboratorium des Professors Bödeker, im 
Juni 1867. 



216 A. Faust, 

Zur Darstellung von Bromsalzen; 



von 

Demselben. 



Herr Professor Bödeker bringt in seinem Labora- 
torium eine Methode zur Darstellung von Bromsalzen in 
Anwendung, die wegen ihrer Eleganz und Einfachheit 
weiterer Verbreitung werth ist. Diese Methode beruht 
auf der Zersetzung von Bromschwefel mit den ätzenden 
alkalischen Erden, zu einem Bromsalz der alkalischen 
Erde und zu schwefelsaurer alkalischer Erde, nach der 
Gleichung: S2 -^ G Br2 = 2 (S Br6) und 

2 (S Br6) -f 8 CaO = 6 (CaBr2) -f 2 (CaSO*). *) 
Oder übersichtlicher in Aequivalentgewichten aus- 
gedrückt: **) 

S -f- 3Br = SBr3 und SBr3 -|- 4 CaO = SCaBr 
+ CaO, S03. 

Man bereitet zunächst Bromschwefel durch einfaches 
Vermischen von 20 Th. Schwefelblumen mit 240 Th. 
Brom in einer Kochflasche. Die Verbindung dieser Körper 
erfolgt bald und ohne Gefahr. Diesen Bromschwefel giesst 
man allmälig in eine dünne Kalkmilch, die man aus 
140 Th. reinem Aetzkalk (durch Glühen von weissem 
Marmor erhalten) und dem nöthigen Wasser dargestellt 
hat. Auch hier erfolgt die Umsetzung des Bromschwefels 
mit dem Aetzkalk zu Bromcalcium und schwefelsaurem 
Kalk rasch unter Erwärmung. Nachdem aller Brom- 
schwefel in die Kalkmilch eingetragen ist und die über- 
stehende Flüssigkeit farblos erscheint, filtrirt man ab, 
wäscht den Rückstand auf dem Filter gut aus und sättigt 
das Filtrat mit Kohlensäure, um den mitgelösten Aetzkalk 
in kohlensauren Kalk zu verwandeln. Jetzt erhitzt man 
die Flüssigkeit einige Zeit zum Kochen, filtrirt dann den 
gefällten kohlensauren Kalk ab, dampft das Filtrat weiter 
ein, bis auf ein geringes Volum, vermischt dieses zur 
Abscheidung des schwefelsauren Kalkes mit der doppelten 

*) = 16, S = 32, Br = 80, Ca = 40. 
**) = 8, S = 16, Br = 80, Ca = 20. 



zur Rademacher' sehen essigsauren Eisentinctur. 217 

Menge Alkohol und lässt es einige Tage stehen. In die- 
ser Zeit scheidet sich der schwefelsaure Kalk aus; man 
filtrirt ihn ab und verdampft die Lösung von jetzt reinem 
Bromcalcium zur Trockne. — Bei der Darstellung von 
Brorabaryum fällt natürlich das letzte Verfahren mit 
Alkohol weg, da schwefelsaurer Baryt wegen seiner Un- 
löslichkeit nicht in Lösung sein kann. 

Das so erhaltene Bromcalcium oder Brombaryum kann 
auch als Grundlage zur Darstellung einiger Bromalkali- 
metalle dienen. Durch Versetzen der wässerigen Lösung 
des Bromcaiciums mit kohlensaurem Ammoniak, dem etwas 
Salmiakgeist beigemischt ist, bis zur alkalischen Reaction, 
Erhitzen zum Kochen, Abfiltriren von dem gebildeten 
kohlensauren Kalke, Verdampfen des Filtrats zur Trockne, 
Wiederauflösen in Wasser, Filtriren und Krystallisiren, 
erhält man Bromammonium. Beim Verdampfen der Lösung 
des Bromammoniums ist es nothwendig, sämmtliches 
kohlensaures Ammoniak zu verjagen, indem sonst geringe 
Mengen Baryt oder Kalk mit grosser Hartnäckigkeit wieder 
mit in Lösung gehen. 

In derselben Weise kann man auch durch vorsich- 
tiges Ausfällen von Brombaryum oder Bromcalciumlösung 
mit kohlensaurem Natron oder kohlensaurem Kali, Brom- 
natrium oder Bromkalium darstellen. 



Zur Rademacher'schen essigsanren Eisentinctur; 

von 

Demselben. 



Versuche, welche nur die Zeit entscheiden konnten, 
haben mich gelehrt, dass die Vorschrift zur Rademacher- 
schen essigsauren Eisentinctur, welche im Maiheft dieses 
Archivs vom Jahre 1865 abgedruckt ist, einer Abänderung 
bedarf. Der Alkohol dieser Tinctur wirkt nämlich, je 
nach Umständen bald früher, bald spätei*, zersetzend auf 
das neutrale essigsaure Eisenoxyd ; es scheiden sich dann 



Arch. d. Pharm. CLXXXI. Bds. 3. Hft. 



15 



218 A. Faust, zur liademacher sehen essigs. Eiseninctur. 

oft scheinbar bedeutende Mengen Eisenoxydhydrats in 
der Tinctur ab. Diesem Uebelstande kann man nur durch 
gänzliches Weglassen des Alkohols abhelfen, denn auch 
kleine Quantitäten davon bewirken diese Zersetzung. Da 
nun nach Rücksprache mit Aerzten der Alkohol in dieser 
Tinctur nur eine untergeordnete Stellung einnimmt, em- 
pfehle ich zur Erzielung eines lange haltbaren Präparates 
den Alkohol durch destillirtes Wasser zu ersetzen und, um 
auch den bekannten ätherischen Geruch zu erreichen, 
der Tinctur etwas Essigäther zuzusetzen. Auf das im 
Maiheft dieses Archivs vom Jahre 1865 eingehaltene Ver- 
hältniss reicht ein Gewichtstheil Essigäther aus. Eine 
solche fertige Tinctur verträgt noch eine Verdünnung mit 
der Hälfte ihres Gewichtes destillirten Wassers, aber nicht 
mehr; sie ist dann noch eine Kleinigkeit stärker als das 
Präparat der ursprünglichen Vorschrift. 



219 



II. Matiirg:escliiclite luid Phariiia- 
kogiiosie* 



Botanische Notizen aus Caracas; 

vou 

G. A. Ems f. 



1. Schnelligkeit des Waehsthums von flusa 
sapientum L. 

Im Septemberhefte 1865 dieses Journals machte Herr 
Geheimerath Prof. H. R. Göppert einige Mittheilungen 
über die Schnelligkeit des Waehsthums der Pflanzen, die 
mich veranlassten^ ähnliche Beobachtungen an der oben 
genannten Pflanze anzustellen. Ich vereinte damit zu- 
gleich die Absicht^ eine etwaige Verschiedenheit in der 
Vegetationsgeschwindigkeit bei Tage oder bei Nacht zu 
ermitteln. Ein Musastaram wurde 2 Fuss über dem Bo- 
den horizontal abgeschnitten. Der frische Schnitt be- 
deckte sich bald mit einer gallertartigen, vollständig farb- 
losen Substanz, welche in kaltem Wasser und Alkohol 
von gewöhnlicher Temperatur vollkommen unlöslich, in 
kochendem Wasser dagegen ein wenig löslich war. Da 
der Saft des Stengels von Musa in hohem Grade ad- 
stringirend ist und auf Leinewand unauslöschliche Flecke 
hervorbringt, so war ich erstaunt zu finden, dass diese 
Substanz durchaus geschmacklos war und keine Flecken 
gab. Der Schnitt wurde gemacht am 3. August 1866, 
Nachmittags 6 Uhr. Die nachfolgende Tafel giebt die 
beobachteten Resultate. 

15* 



220 G- A. Etmst, 

Zeit der Vegetations- Wetter. 

Beobachtung. geschwindigkeit. 

Aug. 3. 6*" P.M. — klar 

„ 4. 6*^A.M. Sl"'"" klar 

4. 6*» P.M. 36 „ heiss u. trocken 

„ 5. 6''A.M. 39 „ ein wenig Regen 

5. G'^P.M. 31 , bewölkt 

„ 6. G^A.M. 52 „ klar, wann 

„ 6. 6*^ P.M. 60 „ sonnig, warm 

„ 7. 6'^A.M. 65 „ etwas Regen 

„ 7. 6'' P.M. 80 „ warm, sonnig 

„ 8. 6»>A.M. 70 „ Regen 

„ 8. 6*'P. M. 75 „ wenig Regen. 

Der Gesammtwuchs für 120 Stunden betrug dem- 
nach 539"'" oder beinahe 21" rheinl., also stündlich im 
Durchschnitt beinahe 4,5""" oder etwas mehr als 2 Linien. 
Die einzelnen Z.iVilen der Tafel zeigen zugleich, dass 
Tag und Nacht keinen ersichtlichen Einfluss haben ; 
Wärme und Feuchtigkeit sind die hauptsächlichsten be- 
stimmenden Elemente. 

2. Aiuylnmköruer in den Zellen des Stengels 
strauchartiger llrtieeen. 

Das Genus Urera von Gaudichaud enthält bekannt- 
lich eine Reihe strauchartiger Gewächse^ von denen die 
Umgegend von Caracas, so weit ich wenigstens bis jetzt 
beurtheilen kann, drei verschiedene Arten besitzt, näm- 
lich U. Caracasana Gaud., U. elata Griseb. und U. bac- 
cifera Gaud. Beim Aufsuchen der Raphides, deren Stu- 
dium nach GuUiver's Beweisführung von nicht gerin- 
ger systematischer Wichtigkeit ist, fand ich im Stengel 
aller drei Species zahlreiche elliptische Körner, die sich 
durch die Prüfung mit Jodtinctur als Amylum auswiesen. 
Die Menge derselben ist grösser in Pflanzen, welche sich 
im ruhenden Vegetationsstadium befinden. Die jungen 
Triebe, welche seit der jetzigen Regenzeit sich entwickelt 
haben, zeigen wenige, oft gar keine Körner. 



botanische Notizen aus Caracas. 221 

3. Deber die Pulpa in den Früchten der Randia. 

Randia aculeata L., R. Moussaendae DC. und nament- 
lich R. armata DC. finden sich häufig im Gebiete unse- 
rer Flora. Da ich zahlreiche Früchte der beiden letzt- 
genannten Arten gesammelt hatte, um Samen zum Ver- 
senden zu bekommen, hatte ich Gelegenheit, die schwärz- 
lich-braune Pulpa, in welcher die Samen liegen, einer 
näheren Prüfung zu unterwerfen. Geruch und Geschmack 
erinnern so lebhaft an die Pulpa von Cassia ßstula, dass 
es nahe lag, einen ähnlichen Einfluss auf den Organis- 
mus zu erwarten. Und in der That stellte sich heraus, 
dass sie gleichfalls als eine gelinde Purganz wirkt, welche 
unbedenklich statt Cassia fistula angewendet werden kann. 



4. Gummi von Acaeia Oujrarema D€, 

(DC. Prod. II. 469. No. 208.) 
Diese wie es scheint bis jetzt nur aus Guayana be- 
kannte Species erscheint nicht selten bei Turmero in den 
fruchtbaren Thälern von Aragua, von wo mir Zweige 
und Gummi übersandt wurden. Obgleich jene weder 
Blüthen noch Früchte hatten, kann doch über die Bestim- 
mung dieser so markirten Species kaum ein Zweifel blei- 
ben. Das Gummi gleicht fast genau dem Gummi ara- 
hicum, ist aber etwas dunkler, selbst in den reinsten 
Stücken. Es könnte sehr wohl das arabische Gummi 
ersetzen, namentlich wenn es durch sorgsame Gewinnung 
hellfarbiger geliefert werden könnte. Doch steht zu be- 
fürchten, dass es weit theurer kommen würde als impor- 
tirte Waare. Ricinus wächst z. B, in allen Ecken und 
Enden des Thaies von Caracas, wie in Venezuela im 
Allgemeinen und doch kann die Oelproduction hier nicht 
mit Vortheil betrieben werden und alles Ricinusöl wird 
importirt. Die Arbeitskraft ist hier zu Lande zu theuer, 
einmal weil es an Arbeitern fehlt und zweitens weil die 
vorhandenen Arbeiter selten Lust zur Arbeit haben. 



222 G. A. Ernst, 

5. Gelber Farbostoff von Xanthoxylum Ochroxylum DC. 

(DC. Prod. 1. 725. No. 3.) 
Dieser mit eigenthümlich gebauten Dornen bewehrte 
Baum ist nicht selten bei Caracas und unter dem Namen 
Bosüa bekannt. Die Dornen haben eine kurze, harte 
Spitze, die auf einer breiten, halbkreisförmigen Basis 
sitzt. Die innere Rindenschicht ist rein safrangelb und 
wird vielfach zum Färben benutzt, so dass man in der 
Nähe der Ortschaften selten einen Stamm findet, der 
nicht unverkennbare Spuren wiederholter Abschälung zeigt. 
Die Farbe hat ein gutes Aussehen, ist aber nicht recht 
dauerhaft. Amarillo como hosiia — gelb wie Bosua — 
ist eine geläufige Redensart im Volksmunde mit Bezug 
auf einen sehr hohen Grad der Gelbsucht *). 



6. Blausäure in den Früchten von Ximenia amerieana L. 

Ximenia amerieana L. ist eine sehr gewöhnliche 
Pflanze in der untern Region des Catuche, des Flusses, 
welcher die Stadt Caracas mit Trinkwasser versorgt. Die 
Pflanze hat die Vulgärnamen Manzana de Guayava (Gua- 
yava-Apfel, wegen der Aehnlichkeit mit den Früchten 
von Psidium Guava Radd.) und Manzana del Diablo. 
Die Frucht, welche uns hier nur interessirt, ist von 
Jacquin {Selectarum stirp. Amer. hist. 1763, p. 107) ziem- 
lich gut beschrieben. Schon im unentwickelten Zustande 
zeigt sie einen penetranten Geruch nach Blausäure, wenn 
sie zerschnitten oder zerrieben wird, also ähnlich wie 
bei den Mandeln. Sollte dies die Ansicht Derer bestä- 
tigen, welche die fertige Existenz der ätherischen Oele 
in der Pflanze bezweifeln und deren Entstehen vielmehr 
von dem Moment der mechanischen Zerstörung der Zelle 
datiren? Oder liegt es wahrscheinlicher nur daran, dass 
die geschlossene Zelle ein Verbreiten des flüchtigen Zell- 
inhalts unmöglich macht? 

*) Dieser FarbstoflP möchte wohl Berberin sein, da dieses gelbe 
Alkaloid auch in Xanthoxylum caribaeum vorkommt. H. Ludwig. 



botanische Notizen aus Caracas. 223 

7. lieber die giftigen Eigenschaften von Euphorbia 
caraeasana ßoiss. 

(Auszug aus einer bereits in Seemann's Joifrnal of Botany, 1866, 
IV. publieirten Arbeit.) 
Eupliorhia caraeasana ßoiss. gehört zur Section Alec- 
toroctonum und unterscheidet sich von der nahe verwand- 
ten Species E. cotinifolia L. vorzugsweise durch die ge- 
zähnelten Drüsenanhängsel, während dieselben bei der 
letzteren Art ganzrandig sind. Die Pflanze ist gemein 
im Thale von Caracas und unter dem Trivialnamen Le- 
chero, d. h. Milchner, bekannt. Sie ist gewöhnlich ein 
Strauch, erreicht aber gelegentlich bedeutende Dimen- 
sionen, 50 — 60' Höhe und 9 — 10" Stammdicke. Aus 
den Stämmen grösserer Exemplare fliesst beim Verletzen 
der Rinde eine reichliche weisslich-gelbe Milch von bal- 
samischem Geruch und wenigstens anfangs indifferentem 
Geschmack. Ich brachte nur 2 Tropfen auf meine Zunge, 
fühlte aber schon nach einer halben Stunde ein heftiges 
Brennen im Schlünde, das selbst durch wiederholtes Aus- 
spülen des Mundes mit kaltem Wasser nicht beseitigt 
wurde. Bald stellten sich heftige Nausea ein und nach 
fünfmaligem Erbrechen war der Organismus wieder in 
leidlicher Ordnung. Ein Theil der Milch war in meine 
Augen gekommen und verursachte eine heftige Entzün- 
dung von glücklicher Weise sehr kurzer Dauer. Auf 
der Haut zeigte sich die Milch nicht kaustisch. Der 
Einfluss der Milch scheint weniger energisch, wenn der 
Magen Speise enthält; am Morgen der Excursion, wo ich 
den Versuch anstellte, war ich noch vollkommen nüch- 
tern. Ich nahm Milch in einer Flasche mit nach Haus. 
Ein Theil derselben war coagulirt. Das specif. Gewicht 
war 0,97. Sie erhärtete nicht an der Luft, sondern bil- 
dete eine klebrige, gelbliche Substanz, die in fetten Oelen 
löslich war. Das alkoholische Extract enthielt viel Harz. 
Nach 24 Stunden war die Milch vollständig sauer. 

Ich gab 5 Grm. derselben einem Meerschweinchen; es er- 
folgte zweimaliges Erbrechen und das Thier zeigte sich wie- 



224 G. A. Eimst, 

der vollkommen wohl. Ein zweites Meerschweinchen erhielt 
10 Grm. und starb nach wiederholtem Erbrechen nach 
3 Stunden. Ein mittelgrosses Kaninchen hatte 20 Grm. 
bekommen und starb nach einer halben Stunde. Im 
Rectum beider Cadaver zeigten sich zahlreiche rothe 
Flecken. 

Die Milch ist demnach ein drastisch scharfes Gift 
und ist es wohl glaublich, dass manche Indianer Bra- 
siliens unter anderem auch die Milch der so nahe ver- 
wandten E. cotinifolia L. als Pfeilgift benutzen, wie Dr. 
Masters in Lindley's Treasury of Botany 1. 477 erwähnt. 



8. Giiachamaca, eine Giftpflanze aus den Llanos 
von Venezuela. 

Diese Pflanze gehört zu den Apocyneen, deren gif- 
tige Eigenschaften allbekannt sind. Sie ist so giftig, 
dass selbst Fleisch, welches an Stöcken aus Guachamacä- 
Holz gebraten wird, gleichfalls zum tödtlichen Gifte wird. 
Die Bewohner der Llanos benutzen die Pflanze nicht sel- 
ten, um Kraniche und Reiher an den Ufern der grossen 
Lagunen zu erlegen. Eine Anzahl kleiner Fische wer- 
den mit dem Safte des Guacharaacä bestrichen und an 
Stellen ausgelegt, wo sich gewöhnlich jene Sumpfvögel 
einfinden. Der Vogel soll todt niederfallen, so wie er 
nur den vergifteten Bissen mit dem Schnabel ergreift. 
Der Jäger eilt dann schnell herbei, schneidet dem Thiere 
Kopf und Hals ab und der Rest des Körpers bleibt so- 
mit vollkommen frei von dem Gifte und kann genossen 
werden. 

Vor einigen Jahren ereignete sich eine entsetzliche 
Vergiftungsgeschichte durch Guachamacä in Nutrias, einer 
Stadt im jetzigen Venezuelanischen Staate Apure. Eine 
Frau wurde eifersüchtig auf ihren Liebhaber, da dieser 
einer andern Frauensperson Aufmerksamkeiten zu erwei- 
sen anfing und sie beschloss, sich zu rächen. Da es nun 
in jenen abgelegenen Gegenden weder forensische Medi- 



botanische Notizen aus Caracas. 225 

einer noch Chemiker giebt, es also rein unmöglich ist, 
einen Mord zu constatiren^ wenn keine äusseren Spuren 
der Gewaltthat ersichtlich sind, so beschloss sie ihren 
Liebhaber durch vergifteten Masato zu tödten. Der Ma- 
sato ist ein Lieblingsgetränk der Bewohner von Apure, 
aus gekochtem Mais, welchen man dann in Wasser gäh- 
ren lässt. In dieses Getränk legte sie Stücke Guacha- 
machä für einige Zeit und präsentirte es dann ihrem 
Opfer, Der Anblick des verführerischen Gebräus ver- 
anlasste den nichts Ahnenden, mehre seiner Freunde und 
Nachbaren einzuladen, und unter diesen auch die ver- 
hasste Nebenbuhlerin. Da die Frau indess nicht wünschte, 
Jemand anders ausser ihrem treulosen Liebhaber zu ver- 
giften, bereitete sie schnell während seiner Abwesenheit 
eine zweite Portion Masato ohne Gift. Die Sitte der 
Llanos verlangte aber, dass der einladende Wirth seinen 
Antheil mit dem der Gäste vermischte und darauf füll- 
ten alle ihre Schalen aus Crescentia- Früchten, Von den 
elf versammelten Personen entging nur die verbreche- 
rische Anstifterin dem Tode; selbst die Affen und das 
Geflügel das Hauses, welche auch ihren Theil erhalten 
hatten, starben. Die Sprache jener Gegenden bezeich- 
net dergleichen Vergiftungen mit einem eigenen Verbum 
guachamacar. So berüchtigt ist der Guachamaca, dass 
Ramon Paez erzählte, seine Llanero- Begleiter hätten 
sich auf das Entschiedenste seiner Idee widersetzt, Pflan- 
zen und Früchte behufs einer genauen Bestimmung in 
seinem Gepäck mitzunehmen; sie drohten sogar ihn zu 
verlassen, wenn er es thun wollte. 

Die Pflanze ist botanisch noch nicht recht genau 
bekannt. Humboldt erwähnt sie nicht; denn der Name 
Guavicamo, obgleich synonym mit Guachamaca, wird in 
Kunth's Synopsis auf die Patrisia affinis bezogen (IIL 
289), eine Passiflore, und giftige Eigenschaften werden 
gar nicht genannt. Selbst die Ryania coccinea des Reise- 
werkes (engl. Ausgabe I, 224) hat nicht die Aufmerk- 
samkeit des grossen Forschers so erregt, wie es der 



226 G. A. Ernst, botanische Notizen aus Caracas. 

wirkliche Guachamacä sicherlich gethan hätte. Don Ra- 
ni on Paez in seinem interessanten Buche: Wild Scenes 
in South America (New York 18G2) sagt, die Pflanze sei 
erst in neuester Zeit in Apure eingewandert (doch wo- 
her?), da die ältesten Bewohner sich aus ihrer Jugend 
nicht des Guachaniacä erinnern. Sollte dies wirklich 
sein, so wäre Huniboldt's Schweigen über ein so auf- 
fallendes berüchtigtes Vegetabil zu erklären. Ich weiss 
nicht, ob Karsten bereits den Guachamacä botanisch 
bestimmte, da leider kein einziges Exemplar seines theu- 
ren Werkes „ Florae Columbiae specimina selecta" in Cara- 
cas existirt. Die einzige mir bekannte Beschreibung fin- 
det sich in einem Werke eines Franzosen, Dr. Renat 
de Grosourdy, El Medico hotdnico eriollo, Paris 1864, 
4 Vol. (I. 295). Ich reproducire hier seine Beschreibung, 
indem ich indess die breite Weitschweifigkeit des spani- 
schen Originals durch die strenge Kürze der wissenschaft- 
lichen Sprache vermeiden will. 

Guachamaca toxicaria li. de Gros., loc. cit. Rhizoma 
perpendiculare crassum, diametro interdum G-pollicari, 
ligno albo levi, cortici tenui brunnea longitudinaliter striata, 
radiculas longas crassiusculas e parte inferiori emittens. 
Gaules fruticosi numerosi recti subsimplices (8' — 12' alt. 
2" — 2I/2" diam.), ramis oppositis ex axillis foliorum, cor- 
tice brunnea albo-notata. Folia simplicia integra oppo- 
sita subsessilia ovato-lanceolata, apice basique attenuata, 
mucronata obtusa, utraque facie glabra, supra intense 
viridia, subter pallidiora, nervo venisque proniinentibus 
(venis 11 — 13, inferioribus oppositis, superioribus alter- 
nis), 5" long. 2" — S'/o" lat, Flores luteovirides axilla- 
res conferti longo pedunculati, pedunculo liliformi uni- 
floro poUicari et ultra (12'" — 15'" long.) glabro apicera 
versus incrassato; calyx monosepalus 5-partibus lobulis 
niargine membranaceis triangularibus acutis lineam lon- 
gis ; coro IIa hypocrateriformis calycem raultoties supe- 
rans, tubo basi ampliato pentagonali extas glabro intus 
pubescenti, limbo 5-partito, lobulis longis patentibus vel 



Björklund, über Flores Cinae. 227 

usque ad calycein reflexis margine undulata^ extus gla- 
bris intus pilis longis albis instructis; filamenta fauce 
corollae inserta, antherae conniventes pubescentes. O Va- 
lium subsphaericum sulco verticali paululura notatum, 
disco bypogynio; Stylus albus filiformis longiusculus, 
Stigma capitatura glandulosum, termino inferior! et in- 
teriori antherarura adhaerens. F r u c t u s ignotus. 

Frutex orgyalis vel biorgyalis. Habitat in provincia 
Apurensi Venezuelae. Guachamacd incolarum. (Planta 
a me non visa!) 



Vorläufige Mittheilung über Flores Cinae; 

von 

Dr. G. A. Björklund*). 

Was die Abstammung betrifft, sagt Prof. Henckel 
in seinem Handbuche der Pharmakognosie Folgendes: 

„Die nicht vollkommen ausgebildeten, noch geschlos- 
senen ßlüthenkölbchen mehrer Arten Ärtemisia Linne 
(Ordn. Corymbifera), welche in Persien, der Bucharei, 
an den Ufern der Wolga, wie auch im nördlichen Afrika 
gesammelt werden, bilden die verschiedenen Sorten des 
Wurmsamens. Den Namen Semen sanctum sollen sie 
erhalten haben, weil sie aus dem heiligen Lande kamen, 
Semen Cinae, weil man glaubte, dass China das Vater- 
land derselben sei." 

Nach den neuesten Nachrichten wachsen dieselben 
in ungeheuren Massen in der Kirgisensteppe nördlich von 
Turkestan in der Umgegend des Flusses Aris unweit von 
der Stadt Ikan. 

Zur Zeit der Einsammlung finden sich dort noma- 
disirende Kirgisen ein, welche die obersten Spitzen der 
betreffenden Artemisia-Arten abstreifen und dieselben an 



*) Separatabdruck aus der Pharmac. Zeitschrift für Russland. 
1867. 5. Heft vom Hrn. Verfasser eingesendet. D. Red. 



228 Björklund, über Flores Cinae. 

Kaufleute für circa 1 Rubel per Centner verkaufen. Von 
Turkestan werden die Wurmsaraen mit Karawanen nach 
Orenburg gebracht und von da über Nishni-Nowogorod 
nach St. Petersburg befördert. 

Ein anderer Theil ging früher nach Osten über Tasch- 
kend, Kaschgar, Jorkand durch Tibet oder den nörd- 
lichen Weg über Kuldscha nach China. Dieser uralte 
Handelsweg Central-Asiens hat in neuerer Zeit seine Be- 
deutung verloren und wird nur wenig noch durch Kara- 
wanen bereist, erstlich weil die in neuerer Zeit entwickel- 
ten Handelsverbindungen Chinas mit Europa den Wasser- 
weg einschlagen und zweitens, weil das Gebiet zwischen 
Taschkend und Kaschgar von Kokandern unsicher ge- 
macht wird, während der nördliche Weg über Kuldscha 
schon seit drei Jahren aus dem Grunde gar nicht mehr 
eingeschlagen wird, weil ein räuberisches Volk, genannt 
Dunganen, vor drei Jahren die 8tadt Kuldscha überfallen 
und ein Lager von 60,000 Tschibycken (Kisten) Thee 
verbrannt hat. 

Für das Jahr 1868 haben wir die Flores Cinae in bester 
Qualität im Handel zu erwarten, da Fachmänner jetzt 
dieses Geschäft in die Hand genommen haben. Nur die 
in rechter Zeit gesammelte, gut behandelte und verpackte 
Waare wird in den Handel gebracht, während der Rest 
an Ort und Stelle zu Santonin verarbeitet werden soll. 

Ich habe Hoffnung, in diesem Jahre eine genaue 
Beschreibung der Pflanze, so wie auch einige getrock- 
nete Exemplare zu Herbarien zu bekommen und werde 
mir alsdann erlauben, darüber Näheres zu berichten. 



229 



III. lUonatsliericht. 



lieber die Darstellang grosser Salpeterkrystalle. 

J. Stinde giebt in Nachstehendem seine Erfahrungen 
über diesen speciellen Gegenstand und berücksichtigt nur 
die eigentlichen Handgriffe^ welche zum Gelingen der 
Operation nothwendig sind, geht dabei von schon einmal 
raffinirtem Kalisalpeter aus, oder noch besser von dem 
Salpeter, welcher durch Umsetzen des Chilisalpeters mit 
Chlorkalium erhalten wird und bei der ersten Krystalli- 
sation anschiesst. 

Man bereitet eine Lauge von gedachtem Salpeter und 
destillirtem Wasser, und zwar kann man sich hierzu eines 
eisernen Kessels bedienen. Eine beliebige Menge Was- 
ser wird zum Sieden gebracht und nach und nach Salpeter 
eingetragen. Mit dem Eintragen hört man auf, wenn die 
Lauge heiss gemessen 29^ an der Beaume'schen Senk- 
waage zeigt. Nach Erzielung dieses Punctes wird der 
Lauge eine kleine Quantität in heissem Wasser zergan- 
genen Leimes hinzugefügt, und man beginnt die Lauge 
zu schäumen. In den meisten Fällen wird */jq Pfd. Leim 
auf 1 Ctr. Salpeter genügen. Der praktische Blick muss 
hier den Ausschlag geben, eine Regel lässt sich darüber 
eigentlich nicht aufstellen. Ist der Kessel rein, d. h. ist 
sämmtlicher Schaum abgenommen, so lässt man das Feuer 
gänzlich ausgehen; der Kessel bleibt sich so lange selbst 
überlassen, bis sämmtliche Flocken und Unreinigkeiten am 
Boden liegen und die Lauge vollkommen klar erscheint. 

Zum Ausbringen der Lauge in die Krystallisirgefässe 
bedient man sich eines grossen kupfernen Schöpflöffels 
und einer hölzernen Rinne, welche vom Kessel in ein 
Filtrirgestell führt. An dem Filtrirgestell hängt ein grosser 
Spitzbeutel, auf welchem einige grosse Bogen groben 
weissen Filtrirpapiers liegen. Ein zweiter grobmaschiger 
Spitzbeutel wird, damit die letzteren in ihrer Lage bleiben, 
in den ersten gehängt. Unter dem Spitzbeutel kommt 
ein Holzkübel zu stehen^ der so erhöhet wird, dass das 
eine Ende einer darauf gelegten Holzrinne sich genau 
unter der Spitze des Beutels befindet und hinreichend 
Gefalle vorhanden ist, wenn das andere Ende der Rinne 



Ü3U Neu entdecktes bteinsalziager hei »Schönebeck. 

auf die Ränder der übrigen Krystallisirgefässe gelegt wird. 
Das Ausfüllen der Lauge besorgt ein Arbeiter, ein zweiter 
übernimmt die Klarmachung des Filters, von dem stets 
ein zweites in Reserve sein muss, ein dritter trägt Sorge 
für die richtige Füllung der Krystallisirbottiche. Diese 
Bottiche sind aus Tannenholz angefertigt, haben eine 
Höhe von circa 2 Fuss und einen Durchmesser, am 
Boden 3 1/2 Fuss, am oberen Rande von 3 Fuss 8 Zoll, 
und sind mit genau schliessendem Deckel von Tannen- 
holz versehen. Diese Bottiche werden bis zur Höhe von 
II/2 Fuss voll Lauge gelassen, mit dem Deckel verschlos- 
sen und bleiben 3 Tage stehen. Nach dieser Zeit ist die 
Krystallisation beendet. Während dieser Zeit bleibt das 
Lokal;, worin sich die Bottiche befinden, geschlossen, es 
muss jede Berührung sorgfältig vermieden werden. Nach 
Beendigung der Krystallisation wird die Lauge vorsichtig 
abgeschöpft und wieder in den Kessel gebracht, um mit 
neuem Salpeter verstärkt zu werden. Die Bottiche setzt 
man über einander und lässt die Lauge gehörig ablecken 
und antrocknen, wozu 18 bis 24 Stunden nöthig sind. 
Die erhaltenen Krystalle werden durch vorsichtiges Klopfen 
der Fässer von Aussen abgetrennt und in Trockenräumen 
bei geringer Wärme getrocknet. 

Nach Einhaltung der eben beschriebenen Operationen 
gelingt es stets, prachtvolle, grosse, prismatische Krystalle 
zu erhalten, welche um so klarer ausfallen, je blanker 
die Mutterlauge gekocht wurde. {Hamburg. Gewerbebl. 
1866.) ß. 

Ueber ein i« der Nähe von Schönebeck neu ent- 
decktes Stcinsalzlager. 

Die vom Staate betriebene Tiefbohrung in der Nähe 
von Schönebeck hat nach Meldung des „Staats- An- 
zeigers" zum Aufschlüsse eines Steinsalzlagers in der 
Tiefe von 1001 Fuss unter der Erdoberfläche geführt. 
Man wird das Bohrloch im Steinsalz zunächst bis zu 
einer Tiefe von 150 — 200 Fuss fortsetzen, um sich von 
der Beschaffenheit des Salzes zu überzeugen Und für 
die spätere Ausbeutung mittelst Zuführung süssen Wassers, 
welches nach der Sättigung mit Salz empor gepumpt 
wird, die genügenden Flächen zum Angriffe zu erhalten. 
Die Untersuchung ist von ganz besonderer Wichtigkeit, 
um fest zu stellen, ob das Steinsalzlager eine ähnliche 
Zusammensetzung wie das von Stassfurt habe, dessen 



Process und Theorie der Sodafabrikation. 231 

obere Schichten aus einer Reihenfolge von kalihaltigen 
Salzen bestehen, deren Ausbeutung für die Industrie und 
Landwirthschaft von sehr grosser Bedeutung ist. Aber 
auch in dem Falle, wenn die kalihaltigen Salzschichten 
fehlen sollten, wird der neue Aufschluss des Steinsalzes 
in der Nähe des Elbstroms und der Siedehäuser der Saline 
zu Schönebeck grosse technische Vortheile bei der Salz- 
fabrikation gewähren, ß. 



Process nnd Theorie der Sodafabrikation. 

E. Kopp empfiehlt zur Nutzbarmachung der Rück- 
stände von der Sodafabrikation und von der Darstellung 
des Chlors das folgende Verfahren : Die flüssigen und 
sauren Rückstände, die man bei der Chlorkalkfabrikation 
erhält, befreit man durch Absetzen von den in ihnen 
suspendirten festen Substanzen, und fügt ihnen dann in 
Bassins gerade genug Soda- Abfälle zu, um das in ihnen 
enthaltene freie Chlor zu zerstören und das Hyper- und 
Sesquichlorid von Mangan und Eisen in Monochlorid zu 
verwandeln. Es fällt Schwefel nieder, den man sammeln 
kann, und es entwickelt sich etwas Schwefelwasserstoff, 
den man durch Eisenoxyd absorbiren lassen kann. Die 
entchlorte, aber noch saure Flüssigkeit wird nun in be- 
sondere Apparate gepumpt, in welchen sie vollständig mit 
Soda-Aescher gesättigt wird. Es entwickelt sich hierbei 
sehr viel Schwefelwasserstoff, der zu Wasser und schwef- 
liger Säure verbrannt werden kann. 

Setzt man den Soda-Aescher der Luft aus, so ver- 
wandelt sich das Calciumoxysulfuret (2 CaS, CaO) in 
zweifach Schwefelcalcium und in Aetzkalk, durch weitere 
Oxydation geht das Disulfid in unterschwefligsauren Kalk 
über, der beim Trocknen sich in ein Gemenge von schweflig- 
saurem Kalk und Schwefel verwandelt. Das schweflig- 
saure Salz geht durch fernere Oxydation in schwefelsaures 
Salz über, während der freie Schwefel sich mit neuen 
Mengen Schwefelcalcium zu Disulfid oder Polysulfiden 
vereinigt. 

Die in Folge dieser Reactionen beim Auslaugen er- 
haltenen gelben bis orangefarbigen alkalischen Flüssig- 
keiten, die Polysulfide und unterschwefligsauren Salze 
von Natron und Kalk enthalten, lässt man während der 
Sommermonate in dünnen Schichten der Luft ausgesetzt, 
und so erhält man durch Oxydation unterschwefligsaure 



232 Process und Theorie der Sodafahrikation. 

Salze und freien Schwefel. Dasselbe wird auch erreicht, 
wenn man die Flüssigkeit mit schwefliger Säure behandelt. 
{Compt. rend. T. 61. 1865.) 

In der darüber sich anknüpfenden Discussion hatte 
Dumas gesagt, dass die zahlreichen Analysen von Kopp 
seine Ansicht über das Vorhandensein eines in kaltem 
Wasser unlöslichen (Jalciumoxysulfurets und über die 
Theorie des Sodaprocesses überhaupt bestätigten. Dagegen 
macht nun Scheu rer-Kestner geltend, dass zwar in 
den Rückständen Kalk und Schwefelcalcium vorhanden 
seien, dass aber, wie er schon früher gezeigt habe, das 
Schwefelcalcium allein hinreichend unlöslich sei, um bei 
der Auflösung des kohlensauren Natrons nicht zersetzend 
auf dieses einwirken zu können. Man brauche daher 
die Dumas'sche Hypothese von einem unlöslichen Calcium- 
oxysulfuret gar nicht. 

Uebrigens könne man auch nicht behaupten, dass 
sich die Soda -Rückstände allgemein durch ein und die- 
selbe Formel ausdrücken Hessen. Hätte Kopp die aus 
verschiedenen Fabriken hervorgehenden Rückstände unter- 
sucht, so würden die Verhältnisse sich eben so veränder- 
lich erwiesen haben, wie die ursprünglichen zur Soda- 
fabrikation nothwendigen Substanzen variirt hätten. Alles, 
was man über die Beschaffenheit der Rückstände sagen 
kann, ist das, dass ihre Zusammensetzung sehr veränderlich 
ist und nach verschiedenen Fabriken nach Abzug der 
Kohlensäure zwischen Ca S und 2 CaS, CaO schwankt. 
{Compt. rend. T.61. 1866.) 

Zur Widerlegung dieser Ansichten von Scheurer- 
Kestner hat Kopp nun die Reaction, von reinem Kalk- 
hydrat, reinem Schwefelcalcium (CaS) und Soda -Rück- 
ständen verglichen und kommt zu dem Resultate, dass 
die dabei beobachteten wesentlichen Unterschiede es schwer 
erscheinen lassen, in den Soda -Rückständen freies Kalk- 
hydrat und freies Schwefelcalcium anzunehmen. 

Eine Lösung; von kohlensaurem Natron von 30^ B, 
wurde in zwei Hälften getheilt und die eine Hälfte 
mit 32,3 Grm. Kalkhydrat, die andere mit 155 Grm. 
Sodarückstand, welcher zufolge einer Analyse ebenfalls 
32,3 Grm. Kalkhydrat enthielt, gleiche Zeit behandelt. 
Bei diesem Verhältnisse genügt der vorhandene Kalk, um 
alles Natron in Aetznatron zu verwandeln. Es wurde 
nun filtrirt und in gleichen Volumen des Filtrats die 
Causticität titrirt. Hierbei fand sich, dass der Aetzkalk 
des Sodarückstandes unfähig ist, dieselbe Menge kohlen- 



Ueber den Lehlanc^ sehen Sodaprocess. 233 

saures Natron in Aetznatron zu verwandeln, wie der freie 
kaustische Kalk. 

Schliesslich erwähnt Kopp, dass nach vielfachen 
Versuchen in der Sodafabrik zu Dieuze dasjenige Ver- 
hältniss zwischen Kalk und schwefelsaurem Natron das 
beste Resultat ergeben habe, welches einen Rückstand im 
Verhältnisse 2CaS, CaO gäbe, daneben fände sich aber 
stets so viel Kohlensäure, dass der überschüssige Kalk 
genau als kohlensaurer Kalk berechnet werden könnte. 
(Compt. rend. T. 61. — Cheru. Centrbl. 72.) ß. 

lieber den Leblanc'sehen Sodaprocess. 

Die Resultate der sehr umfangreichen Arbeit J. Kolb's 
über den Leblanc'sehen Sodaprocess bestehen in Folgendem: 
Bei Gegenwart von lauwarmem oder kaltem Wasser findet 
zwischen Schwefelcalcium und kohlensaurem Natron keine 
Wechselwirkung statt. Es ist daher gleichgültig, ob man den 
kohlensauren Kalk imUeberschusse gegen das schwefelsaure 
Natron anwendet (nach der Dumas'schen Gleichung 2 (NaO^ 
S03) -j-3(CaO,C02) -fl2C = 2(NaO,C02) 4- (CaO,2CaS) 
-j- lOCO-j- 3 C), oder ob man beide Salze zu gleichen Aequi- 
valenten anwendet (nach der Gleichung von Dubrunfaut: 
NaO, S03 -I- CaO, C02 + 4 C = Na O, C02 -f CaS -f- 4 CO). 
Ist nämlich die Bildung des Oxysulfurets unumgänglich 
nothwendig, so muss das erste Verhältniss eine vollkom- 
men kohlensaure Soda geben, während das zweite nur 
eine Lauge von Schwefelnatrium geben darf. Ist dagegen 
das Schwefelcalcium wirklich in alkalischen Laugen un- 
löslich, so dürfen beide Resultate nur in Bezug auf die 
Causticität differiren, die bei dem ersten Verhältnisse 
wegen des überschüssigen Kalks grösser sein muss. Kolb 
hat nun (bei Versuchen im Grossen) gefunden, dass das 
durch Einwirkung von Kohle auf ein Gemenge von gleichen 
Aequivalenten schwefelsauren Natrons und kohlensauren 
Kalks entstandene kohlensaure Natron und Schwefelcalcium 
sich leicht durch Auslaugung mit lauwarmem oder kaltem 
Wasser trennen lässt. 

Die erste Reaction, die im Ofen vor sich geht, ist 
die Reduction des schwefelsauren Natrons, wobei Kohlen- 
säure, nicht Kohlenoxyd entsteht, während gleichzeitig 
der kohlensaure Kalk in freien Kalk übergeht. Man erhält 
auch eine ganz gleiche und vollkommen kohlensaure Soda, 
wenn man die Kreide durch Kalk ersetzt. Es geht aus 
beiden Thatsachen hervor, dass die Kohlensäure der Kreide 
Ärch. d. Pharm. CLXXXI. Bds. 3.Hft. 16 



234 Ueber den Lablanc sehen iSodajjrocess. 

nicht zur Bildung der Soda beiträgt, und Versuche im 
Laboratorium haben Kolb zu dem ►Schlüsse geführt, dass 
es die theils durch Reduction des schwefelsauren Natrons 
entstehende, theils in den Üfengasen enthaltende Kohlen- 
säure ist, unter deren Einflüsse die Endreaction sich 
vollzieht. Es wird dadurch erklärlich, warum man in 
geschlossenen Tiegeln so schwierig Soda bereiten kann, 
während es sehr leicht in einer von Kohlensäure durch- 
strömten Röhre gelingt. Man kann demnach die Bildung 
der Soda durch drei Gleichungen versinnlichen: 
Na 0,803 -f 2C = 2C02 -f- NaS 
CaO, 002 4. c = 200 4- CaO 
NaS -f CaO + CO2 (im Ueberschusse) 
= Na 0,002 _f_ CaS. 

Ganz trockene Luft hat zwischen 00 und 1000 keinen 
wahrnehmbaren Einfluss auf rohe Soda. Sie wirkt selbst 
nicht durch ihre Kohlensäure. Versuche haben nämlich 
gezeigt, dass vollkommen trockene Kohlensäure weder 
auf wasserfreien Kalk, noch auf wasserfreies Schwefel- 
calcium einwirkt. Bei Rothgluth, und selbst etwas darunter, 
oxydirt dagegen die Luft das Schwefelcalcium und der 
gebildete schwefelsaure Kalk wirkt beim Auslaugen schäd- 
lich. Feuchte Luft wirkt im Gegentheile sehr energisch 
auf rohe Soda, indem sie an den Kalk Wasser und Kohlen- 
säure abgiebt und das Schwefelcalcium oxydirt. 

Beim Auslaugen der rohen Soda erhält man ein ver- 
schiedenes Resultat, je nach der Concentration der Flüssig- 
keit, der Dauer der Behandlung mit Wasser und Tem- 
peratur. Die längere Dauer der Digestion und eine er- 
höhte Temperatur begünstigen nicht nur die Caustification 
eines Theils der Soda durch den Kalk, sondern sie be- 
wirken auch eine geringe Reaction zwischen Schwefel- 
calcium und kohlensaurem Natron, die auf der Bildung 
von Calciumsulfhydrat zu beruhen scheint. Die Concen- 
tration der Lauge und die Gegenwart von kaustischem 
Natron treten dieser Bildung entgegen, die durch über- 
schüssigen Kalk verhindert wird. Wenn es also von 
Nutzen ist, in der rohen Soda etwas freien Kalk zu haben, 
80 hat dies nur den Zweck, eine geringe Menge kaustisches 
Natron zu erzeugen, das der Schwefelung entgegenwirkt. 
{Compt. rend. T. 62; Ännal. de Chim. et de Fhys. T. 7.) 

B. 

Hieran sich anschliessend folgen die Resultate aus 
J. Pelouze's Arbeit über den Leblanc'schen Sodaprocess. 

Rohe Soda ist nach Analyse und Reactionen Pe- 



Schwefelsaurer Baryt. — Kohlensaurer Kalk. 235 

lo uze's ein Gemenge von kohlensaurem Natron, Schwe- 
felcalcium, kohlensaurem Kalk und freiem Kalk. Durch 
verlängerte Einwirkung von Wasser giebt die rohe Soda 
eine gewisse Menge kaustisches Natron, die im Verhält- 
nisse zu dem in ihr enthaltenen freien Kalke steht. Unter 
diesen Bedingungen hinterlässt die Soda einen Rückstand, 
in welchem aller Kalk durch Kohlensäure gesättigt ist, 
und der unfähig ist, kohlensaures Natron zu caustificiren. 
Man kann ihn mit einem kohlensauren Natron behandeln, 
ohne dass dabei die geringste Menge kaustisches Natron 
entstände, was unfehlbar der Fall sein müsste, wenn in 
diesem Rückstande Kalk mit Schwefelcalcium verbunden 
wäre. Da beim Auslaugen der Soda im Grossen die 
Bedingungen für eine vollkommene Reaction des freien 
Kalks auf das kohlensaure Natron nicht gegeben sind, 
so enthält der Rückstand öfters etwas freien Kalk, ge- 
wöhnlich 1 — 3, manchmal sogar 3 — 6 Proc. Hat man 
aber eine rohe Soda, so kann man, je nach der Art, wie 
man auslaugt, in dem Rückstande freien Kalk lassen, 
oder nicht, und es ist daher erklärlich, wie manche Rück- 
stände kohlensaures Natron caustificiren können, während 
andere dies nicht thun. Endlich beweist zur Zeit nichts 
die Existenz eines Calciumoxjsulfurets 2CaS, CaO, noch 
die einer anderen Verbindung zwischen Kalk und Schwefel- 
calcium. {Compt. rend. T. 62. 1866. — Chem. Centrhl. 
1866. 19.) B. 

Schwefelsaurer Baryt 

ist bekanntlich ebenso wie schwefelsaurer Strontian 
und schwefelsaurer Kalk in kochender Schwefelsäure lös- 
lich. Er löst sich nach Nicki es aber auch in kalter 
Schwefelsäure, wenn er in dieser erzeugt wird, wenn man 
also fein gepulvertes Chlorbaryura in die concentrirte 
Säure bringt. Bei dem Verdünnen mit Wasser fällt das 
Barytsalz nieder. Bemerkenswerth ist, dass schwefelsaurer 
Baryt am leichtesten, das entsprechende Kalksalz aber am 
schwersten in Schwefelsäure löslich ist. {Silliman Americ. 
Journ.) Dr. Reich. 

Kohlensaurer Kalk 

ist nicht ganz uftlöslich in Wasser. Kocht man eine 
Lösung von doppelt -kohlensaurem Kalk sehr lange, so 
fällt zwar die grösste Menge des Kalkes nieder, indem ein 
Theil der Kohlensäure entweicht, aber im Liter Wasser 

16* 



236 Bereitung von reinem Kalk zur Elementaranalyse. 

bleiben nach A. W. Ilofmann 0,034 Grrn., nach Cruse 
0,030 Grm. kohlensaurer Kalk gelöst. Auf eine der Zer- 
setzung entgangene Spur von doppelt -kohlensaurem Kalk 
ist diese Erscheinung nicht zurückzuführen, denn das klare 
Wasser trübt sich mit Kalkwasser nicht, was geschehen 
würde, wenn überschüssige Kohlensäure vorhanden wäre. 
{Hofmann im Quart. Journ. of tlie Chem. Soc. — Cruse in 
den Annal. der Chem. und Pharm.) Dr. Reich. 



Chlorbarynm als Mittel gegen Bildung von Kesselstein. 

Zur Verhütung des Kesselsteines macht der 
Director der chemischen Fabrik in Griesheim a. M. auf 
ein Mittel aufmerksam, das ihm vorzügliche Dienste ge- 
leistet habe. Es ist dies nämlich Chlorbaryum, von dem 
man für jedes Quadratmeter Heizfläche 1 Pfd. in den 
Kessel bringt. Nach 2 — 4 Wochen wird eine neue Quan- 
tität hinzugesetzt und damit so lange fortgefahren, bis 
der Kessel gereinigt werden soll. Die Kosten betrugen 
dort für einen Kessel von 40 Quadratmeter Heizfläche 
monatlich 2'/2 Thlr. Das dort in Anwendung gebrachte 
Speisewasser enthält Gyps und kohlensauren Kalk und 
giebt einen sehr festen Kesselstein. Bei Anwendung des 
erwähnten Mittels erhielt man aber statt dessen nur einen 
aus feinen Blättchen und Staub bestehenden Niederschlag. 
Die Wirksamkeit des Chlorbaryums beruht zunächst in 
der Umsetzung des Gypses; es bilden sich Chlorcalcium 
und schwefelsaurer Baryt. Letzterer ist ein feines schweres 
Pulver, das im kochenden Wasser auf- und abspielt und 
den ausgeschiedenen Kalk verhindert, sich fest zu setzen. 
Ob das Chlorbaryum auch bei Wasser, das nur kohlen- 
sauren Kalk enthält, gute Dienste leistet, ist noch nicht 
entschieden. {Bl. für Ildl. und Gew. 1866. 4.) 

B. 

Bereitung Ton reinem Kalk zum Gebrauche bei der 
Elementaranalyse. 

Nach Fausto Sestini wird fein gepulverter Statuen- 
Marmor mit einer ziemlich concentrirten Zuckerlösung 
befeuchtet (so dass auf 100 Th. Marmor etwa 2 Th. Zucker 
kommen) im Sandbade getrocknet ufid bis zum Caustisch- 
werden geglüht; dadurch wird der vorhandene Gyps in 
Schwefelcalcium umgewandelt. Der genannte Kalk wird 
mit Wasser abgelöscht, die Kohle abgeschlämmt und das 



Wolframsaures Natron zur Trennung von Calcium etc. 237 

Kalkhydrat so lange ausgewaschen, bis das Waschwasser 
sich frei von Schwefelcalcium zeigt. Man löst hierauf 
den Filterrückstand in Salpetersäure, fällt die Lösung 
mit kohlensaurem Ammoniak, wäscht den erhaltenen koh- 
lensauren Kalk aus und brennt denselben durch fortgesetztes 
Glühen caustisch. Auf diese Weise wird der Kalk von 
Chlor und Schwefelsäure gänzlich frei erhalten. (Ztschr. 
für analyt. Chemie.) B. 



Wolframsaures Natron zur Trennung von Calcium und 
^iagnesium. 

Nach E. Sonstadt bleibt eine gesättigte Lösung 
von schwefelsaurem Kalk, wenn man ein gleiches Volumen 
einer gesättigten Lösung von wolframsaurem Natron 
zufügt, vollkommen klar. Beim Erwärmen auf ungefähr 
420 entsteht jedoch ein dichter Niederschlag. Diese 
Reaction ist so scharf, dass sie noch erkennbar bleibt, 
wenn das Verhältniss der Kalklösung wie 1 : 114000 ist. 
Eine Lösung von Chlorcalcium verhält sich ebenso. Eine 
Lösung von schwefelsaurer Magnesia wird nicht 
durch wolframsaures Natron gefällt. Sind die 
Lösungen jedoch concentrirt, so erhält man beim Erwär- 
men derselben eine Krystallisation, die sich nur sehr schwer 
und auch nicht ganz vollständig in Wasser löst. Eine 
Flüssigkeit, die 2,000,000 Th. Wasser, 35 Th. schwefel- 
sauren Kalk und 33849 Th. schwefelsaure Magnesia ent- 
hielt, Hess beim Erwärmen auf 700 einen vollkommen 
deutlichen Niederschlag fallen. Eine andere ganz gleiche 
Lösung, die aber kein Magnesiasalz enthielt, gab dagegen 
eine schnellere und deutlichere Reaction schon bei niedri- 
gerer Temperatur. Auf diese Weise lässt sich in einer 
Flüssigkeit, die auf ungefähr 56000 Theile 1 Th. Kalksalz 
und ungefähr 1000 Theile Magnesiasalz enthält, ersteres 
Salz noch deutlich erkennen. 

Die Gegenwart von Ammoniaksalzen beeinträchtigt 
diese Reaction, noch mehr ist dies der Fall, wenn gleich- 
zeitig freies Ammoniak vorhanden ist. Die Reaction wird 
dann erst deutlich, wenn die Kalklösungen i/gQQ bis Vi 000 
sind. Jedoch kann vollkommen genug Salmiak vorhanden 
sein, um die Fällung der Magnesia durch freies Ammoniak 
zu verhindern, auch kann das Ammoniak etwas über- 
schüssig sein, ohne dass dadurch die quantitative Bestimm- 
barkeit des Kalks nach dieser Methode wesentlich beein- 
trächtigt würde. Zur Ausführung ^er Operation empfiehlt 



238 Ueber Phos'phormagnesium. 

Sonstadt, dass man das Becherglas, in welchem man 
die Fällung vornehmen will, vorher erst mit einem mit 
Oel befeuchteten Leder etwas anreibt, weil sonst der 
Niederschlag sehr schwer aus dem Glase zu entfernen ist. 
Die Filtration darf erst nach einigen Stunden, indem man 
die Flüssigkeit warm hält, statt finden. Wenn der Nieder- 
schlag ausgewaschen ist, muss man ihn nochmals mit ver- 
dünnter Ammoniaklösung übergiessen, braucht aber das 
Filtrat nicht aufzuheben. Das Filter muss gesondert ver- 
brannt werden, nachdem der Niederschlag so viel als 
möglich davon getrennt ist. Nach dem Glühen und Wägen 
muss man ferner den Niederschlag auf seine Reinheit 
prüfen, indem man ihn mit starkem Ammoniak einige 
Zeit stehen lässt, und die Lösung dann mit Säuren über- 
sättigt. Entsteht hierdurch ein Niederschlag, so muss 
man das Verfahren mit Ammoniak wiederholen und aber- 
mals glühen und wägen. Der geglühte Niederschlag muss 
ganz weiss sein. 

Das Filtrat könnte nun gleich zur Bestimmung der 
Magnesia durch phosphorsaures Natron gefällt werden ; 
man thut aber besser, die überschüssige Wolframsäure 
vorher durch Kochen mit Salzsäure zu entfernen. {Ckem. 
JSfeios. — Cham. Centrbl. 1866. 7.) B. 



lieber PhosphormagDesinin. 

Th. P. Blunt erhielt eine Verbindung von Phosphor 
und Magnesium von der Zusammensetzung Mg^P durch 
Einwirkung von Phosphordämpfen auf in einer Kohlen- 
säure-Atmosphäre glühendes Magnesium und durch weite- 
res Behandeln des Productes mit Salzsäure. Bei letzterer 
Procedur entwickelte sich ein nicht selbstentzündlicher 
PhosphorwasserstofF und es blieb das Phosphormagnesium 
als eine schwarze, selbst in siedender Säure nur unbe- 
deutend lösliche flockige Substanz zurück. Die Phosphor- 
wasserstoffentwickelung deutet Th. P. Blunt folgender- 
massen: „Das ursprüngliche Product ist ein Gemenge 
von P und Mg, die eine galvanische Kette unter sich 
bilden. Es entwickelt sich auf Zusatz einer Säure H, 
der an das Phosphormagnesium tritt." Directe Versuche 
haben diese Ansicht bestätigt. 

Das mit einer kleinen nicht zu entfernenden Menge 
von Mg behaftete Phosphormagnesium stellt eine wenig 
cohärente, gepulvert russähnliche schwarze Masse dar, 
die sich selbst durch mehrwöchentliches Einwirken von 



Carnallit von Maman in Persien etc. 239 

verdünnter Salzsäure, eben so wenig durch Kochen mit 
halbconcentrirter Schwefelsäure verändert. Kochendes 
Königswasser löst dasselbe nur schwierig. Unter Luft- 
abschluss erträgt es ßothglühhitze, bei Luftzutritt erhitzt, 
wird es nach und nach unter Bildung von Magnesia 
oxydirt. [Journ. oftlie ehem. soc. Ser.2. Vol. 3. -p. 106. — 
Journ. für prak. Chemie. Bd. 96. p. 207 — 209.) C. Bl. 



Untersuchung des Carnallits von ^laman in Persien 
und über die Ursache der rothen Färbung mancher 
natürlicher Salze. 

■ Der Carnallit findet sich nicht allein im Salzlager 
von Stassfurt;, sondern auch in den bedeutendsten Steinsalz- 
bergwerken Persiens, zu Maman, im südöstlichen Ader- 
beidjan, welches Ad. Göbel im August 1859 besuchte. 
Die Analyse ergab folgende Zusammensetzung: 

Gefunden Aequivalente Bei-echnet 

Chlorkalium 25,621 iKCl 26,900 

Chlormagnesium 34,649 2 MgCl 34,210 

Unlöslicher Rückstand 0,060. — — 

Wasser (u. organische 

Bestandtheile) . . . 39,670 12 HO 38,890 

100,000. 100,000. 

Die Formel desselben ist mithin die des Carnallits 
= KCl, 2 MgCl -f 12 HO. 

Die rothe Färbung dieses Minerals ist nach A. Göbels 
sorgfältigen Untersuchungen organischen Gebilden 
zuzuschreiben. Da man beim Einlegen eines Stückes 
Carnallit in Wasser nach einiger Zeit ein weiches flottiren- 
des Gebilde von der Grösse, Form und Farbe des ursprüng- 
lichen Stückes in der Salzlösung suspendirt erhält, so 
dürfte diese Thatsache nach genauer Ermittelung der 
Natur des Suspendirten schon hinreichend sein zu folgender 
Schlussfolgerung: „Die im Steinsalze eingeschlos- 
senen Carnallitklumpen von Maman sind min- 
destens mit gleichem Rechte als Organismen 
aufzufassen, wie als Minerale. Eisenoxyd ist aller- 
dings nach A. Göbel's Untersuchungen in diesen Organis- 
men, die an die Structur einiger der niedersten Pflanzen- 
formen, namentlich an Palmella Kiitz. und an Nostoc erin- 
nern, neben Kieselsäure vorhanden. 

Der Carnallit von Stassfurt zeigt dasselbe Verhal- 
ten. Die gelbe Färbung des Tachhydrits von Stassfurt 



240 Kainit, ein neues Salz von Leopoldshall. — Smirgel. 

rührt ebenfalls von denselben Organismen her. In der 
Lösung des Tachhydrits (CaCI, 2 Mg Cl -f 12 HO), 
die durch ruhiges Zerfliessenlassen desselben in Wasser 
erzeugt ist, befinden sich leicht flottirende Flocken, die 
aus denselben haarförmigen Spiculen mit rothen hexa- 
gonalen Tafeln bestehen, wie im Carnallit. 

Die rothe Färbung des Steinsalzes von Hall und von 
andern Orten ist durch formloses Eisenoxyd bedingt, 
welches man als Rest ehemaliger organisirter Gebilde 
ansehen kann. (Bullet, de Vacad. des sciences de St. Peters- 
bourg. T. IX. 1. — Journ. für -prakt. Chemie. Bd. 97. Heft 1. 
pag.6—29.) C. Bl. 

Kainit, ein neues Salz von Leopoldshall; dem Anhal- 
tischen Steinsalzwerke bei Stassfurt. 

Dieses Mineral, das Zinken Kainit zu nennen vor- 
schlägt, findet sich in dem durch sein ausgezeichnetes 
Vorkommen von Leopoldit bekannten Leopoldsschachte. 
Der Kainit findet sich bis jetzt nur derb und zeigt nur 
an einzelnen Stellen kleine krystallinische Partien, hat 
eine hellgraugrüne Farbe, einen ebenen bis splitterigen 
Bruch, ist durchscheinend, zerspringt leicht und löst sich 
leicht in kaltem Wasser auf; sein spec. Gew. ist 2,131. 

Die Analyse des Minerals ergab folgende Resultate: 

Wasser 18,52 — 

Chlor 19,69 18,56 

Schwefelsäure... 28,09 30,00 

Magnesia 14,78 14,76 

Kalium 17,83 14,27 

Natrium 2,96 4,37 

Kalk 0,15 Rückstand 0,22 

Die Ergebnisse beider Analysen stimmen bis auf den 
circa 2 Proc. differirenden Alkaligehalt ziemlich genau 
überein und entsprechen der Formel: 

|MgO,S03^ 4-4 i^^M -I- 15H0 
^ |CaO,S03\ + ^ j Na eil + ^^ ^^• 

{Berg- und Hüttenm. Ztg.) B. 



Smirgel. 



Jackson theilt mit, dass in Chester bei Springfield 
(Massachusets) ein fast unerschöpfliches Lager von Smirgel 



Ist der Alaun ein normaler Bestandtheil des Weins? 241 

entdeckt worden sei, welcher dem besten in London darge- 
stellten Fabrikate von der Insel Naxos gleichkomme. Da 
der Smirgel des griechischen Archipels durch ein ein- 
ziges londoner Bankhaus und der aus Kleinasien durch 
eine Firma in Smyrna monopolisirt ist, so war der Preis 
des Smirgels bis jetzt ausserordentlich hoch und wird 
nothwendior bedeutend fallen. Dr. Eeich. 



Eyansit; ein neues Alineral. 

Das unter dem Namen AUophan von Evans im 
Jahre 1855 aus Ungarn mitgebrachte Mineral ist jetzt 
von Forbes einer genaueren Untersuchung unterworfen 
und mit dem Namen Evansit bezeichnet worden. {Phil. 
Magaz. 28.) 

Dasselbe besteht aus zusammengehäuften kleinen 
Stalaktiten mit Auswüchsen in Gestalt natürlicher oder 
künstlicher Perlen besetzt und überkleidet die Drusen- 
wände in Brauneisenstein. Farblos bis milchweis, zuweilen 
schwach gelblich, bläulich oder irisirend, glas- oder wachs- 
glänzend und von halbmuschligem Bruch, amorph, nie- 
ren- oder traubenförmig abgelagert. Härte 3,5 — 4. 
Spec. Gew. 1,822 — 2,099. Unschmelzbar. 

Die procentige Zusammensetzung war: 

HO 39,95 

P05 19,05 

A12 03. . 39,31 1 Mittel aus 3 Analysen. 
Si02.... 1,41' ^ 



99,72 

Daraus lässt sich die Formel 3 AP 03, PO^ -[- 18 HO 
berechnen. {Journ.furprakt. Chemie. Bd. 95. 6.) B. 



Ist der Alaun ein normaler Bestandtheil des Weins! 

Ueber diese Frage äussert sich A. Chevallier 
( Journal de Chimie medicale ) wie folgt : In mehren 
Theilen Frankreichs hat die Anwendung des Alauns zum 
Versetzen des Weins so zugenommen, dass die Krämer 
und Droguisten ihn ganz öffentlich zu diesem Zwecke 
schon in Paqueten abgefasst verkaufen. Ein solches 
Paquet enthält 1/2 Pfd. römischen Alaun und reicht ge- 
wöhnlich für ein Fass von 500 Pinten aus; mitunter 
werden aber auch 2 Paquete zu dieser Quantität Wein 



242 Ist der Alaun ein normaler Bestandtlieil des Weins") 

genommen. Die Polizei sollte auf diesen Unfug ein wach- 
sames Auge haben, den Verkauf des Alauns zu diesem 
Zwecke verbieten und damit behandelten Wein confisciren, 
denn auf den Genuss desselben folgen Verstopfung, Span- 
nung im Magen, Zusammenschnürung der Capillargefässe, 
später Magenkrämpfe und Abzehrung. 

Angesichts der ganz zweifellosen Thatsache, dass 
französische Weine mit Alaun versetzt werden, ist es nun 
von grösster Wichtigkeit zu wissen, ob die Weine schon 
im natürlichen Zustande Alaun enthalten oder nicht. 

Wein- Analysen liegen in grosser Menge vor, so von 
Faure in Bordeaux, Filhol in Toulouse, Girardin in 
Lilie, Payen und Jacob in Tonnerre. 

Faur^ fand in den Weinen von Bordelais: doppelt- 
weinsaures Kali, weinsauren Kalk, weinsaure Alaunerde, 
weinsaures Eisenoxyd, Chlorkalium, Chlornatrium, schwe- 
felsaures Kali, phosphorsaure Alaunerde. 

Nach Filhol enthalten die südlichen Weine ausser- 
dem noch: Chlorcalcium, Chlormagnesium, schwefelsauren 
Kalk, phosphorsauren Kalk, phosphorsaure Magnesia. 

Jacob, wie Ch. Roy erhielten aus den Weinen 
der Bourgogne: doppeltweinsaures Kali, schwefelsaures 
Kali, phosphorsauren Kalk, weinsauren Kalk, weinsaure 
Alaunerde und Chlornatrium. Bei keinem Chemiker findet 
man aber angegeben, dass die betreffenden Weine Alaun 
enthielten. ChevaUier selbst hat bei seinen zahlreichen 
Analysen von Weinen niemals Alaun angetroffen. Nirgends 
ist also vom Alaun im natürlichen Weine die Rede und 
doch will Hugoulin in allen von ihm untersuchten 
Weinen Alaun gefunden haben. Diese Widersprüche ver- 
dienen mithin eine ernste Würdigung. 

Die Annahme, dass die Weine Alaun enthalten, stützt sich 
entweder auf die Gegenwart der Bestandtheile des Alauns 
(Kali, Alaunerde und Schwefelsäure) in denselben, oder, was 
ChevaUier noch einleuchtender ist, auf die Gegenwart 
der schwefelsauren Alaunerde in Folge der Behandlung 
der Weine mit Gyps. Limo uzin-La motte, welcher 
mit der Untersuchung gegypster Weine beauftragt war, 
hat in dieser Beziehung eine Reihe von Erfahrungen ge- 
sammelt, welche ergeben, dass alle gegypsten Weine in 
Folge dieser Behandlung Alaunerdesalze, deren Wirkung 
auf den Organismus eben so entschieden ist, als die des 
Alauns, enthalten. Der Gyps nämlich, womit man die 
Weine des Languedoc, welche der Gegenstand der Unter- 
suchung waren, behandelt, ist nach Limouzin-Lam othe 



Die Zusammensetzung des Guignet'schen Grüns. 243 

von einem Alaunerdesalze in merklicher Menge begleitet, 
•welches durch die Säuren in den Weinen aus dem Gypse 
aufgenommen wird. 

Durch diese Untersuchungen des Letzteren wird die 
Behauptung Hugoulin's, dass Weine von Natur schon 
Alaun enthalten, widerlegt. Obgleich die Gegenwart kleiner 
Mengen Alaunerde in den Weinen unbestritten bleibt, so 
darf aber doch mit Gewissheit auf eine damit vorgenom- 
mene Künstelei geschlossen werden, wenn man in einem 
Weine Alaunerde in erheblicher Menge findet, habe diese 
nun in einem Zusätze von Alaun selbst oder von Alaun- 
erde-haltigem Gypse bestanden. Die Behörden hätten 
demnach ihr Augenmerk nicht bloss auf das Alaunen, 
sondern auch auf das Gjpsen der Weine zu richten, und 
letzteres ebenfalls zu verbieten. ( Wittst. Vierteljahr sehr. 
Bd. 15. 2.) B. 

lieber die ZusammensetzuDg des Ouignet'schen (ürüns. 

Indem in einer früheren Arbeit Scheurer-Kestner's 
die Frage über die Bildung dieser Farbe (Chromoxydhydrat) 
ungelöst bleiben musste, so hat sich jetzt durch weitere 
Versuche desselben herausgestellt, dass die frühere An- 
nahme, zur Bildung desselben sei ein Alkali nöthig, durch 
die Darstellung des Guignet'schen Grüns ohne ein Alkali 
oder ein Alkalisalz widerlegt wird. 

Ersetzt man nämlich in dem gewöhnlichen Verfahren 
das doppelt-chromsaure Kali durch Chromsäure, so erhält 
man eine blasige Masse, welche sich in Wasser zu einem 
mit dem Guignet'schen Grün identischen Chromoxyd hydrat 
unter Lösung der Borsäure umwandelt. Auch bei An- 
wendung von Chromoxydhydrat ist das Resultat dasselbe. 
Borsaures Chromoxyd mit Wasser zusammengebracht, 
zersetzt sich unter Abscheidung eines reichlichen Nieder- 
schlags von grünem Chromoxydhydrat, welches ebenfalls 
mit dem Guignet'schen Grün identisch ist. Der so erhal- 
tene Niederschlag wurde heiss ausgewaschen, dann mit 
heisser verdünnter Aetznatronlösung behandelt, gewaschen 
und bei 110^ getrocknet. 

Die Analyse ergab : 

Angewandte Substanz 1,1725 

Wasser 0,1910 

Verlust beim Erhitzen mit Flusssäure 0.0090 

Es entspricht der Formel 2Cr2 03, 3H0'. 
Berechnet Gefunden 

Wasser 15,06 16,3. 



244 Vorkommen des Vanadiums im Aetznatron. 

Bei Verwendung des gewöhnlichen Chromoxydhydrats 
für die Darstellung des Grüns muss die Menge der Bor- 
säure zur Erleichterung des Schnielzens vergrössert werden. 

Bei Darstellung des Guignet'schen Grüns bildet sich 
demnach zuerst borsaures Chromoxyd, welches sich in 
Berührung mit Wasser, eben so wie das borsaure Eisen- 
oxyd- und das Thonerdehydrat in Hydrat und freie Bor- 
säure zerlegt. Das Alkali im doppelt -chromsauren Kali 
befördert mit der Borsäure das leichtere Schmelzen der 
Masse. {Bull, de la soc. cliim. — Journ. f. prakt. Chem. 
Bd. 59. 8.) ß. 

lieber ein Verfahren, Spuren von Chrom im Eisen 
und Stahl nachzuweisen. 

Man bringt nach A, Terreil's Angabe das Metall 
auf gewöhnliche Weise in Lösung und schlägt mit einer 
concentrirten Kalilösung nieder; dann lässt man vorsichtig 
in die auf 80 — DO^ erhitzte Flüssigkeit eine sehr ver- 
dünnte Lösung von übermangansaurem Kali tropfen, bis 
die von der Bildung des mangansauren Kalis herrührende 
grüne Färbung eintritt. Man tiltrirt, übersättigt mit Essig- 
säure und versetzt mit essigsaurem Bleioxyd, worauf beim 
Vorhandensein von Chrom der charakteristische Nieder- 
schlag von chromsaurem Bleioxyd erfolgt. {Bull, de la Soc. 
chim. — Chem. Centrhl. 1866. 3.) B. 

Heber das Vorkommen des Vanadiums in dem Aetz- 
natron des Handels. 

A. Baumgarten hat aus Sodamutterlaugen ein Salz 
erhalten, welches seiner Zusammensetzung nach der Formel 
2 (3 NaO, P05) -|- Na F -f 38 HO entspricht, in der 
Annahme, dass ein Theil der Phosphorsäure durch die 
gleichzeitig mit beobachtete Arsen- und Vanadsäure ver- 
treten sein könne. Für diese Annahme spricht, dass das 
Salz, sechs Mal umkrystallisirt, noch vanadhaltig war 
und dass sich auch künstlich vanadhaltige Krystalle er- 
halten Hessen, wenn man das durch Kochen von 36 Grra. 
phosphorsaurera Natron, 2, 1 reinem Fluornatrium und 200 CC. 
einer 9 Grm. Natron enthaltenen Lösung dargestelltes 
Salz 2 (3 NaO, P 05) _[_ NaF -|- 38 aq mit vanadsaurem 
Natron mischte. Baum garten nimmt daher die Vanad- 
säure der Phosphorsäure gleichartig zusammengesetzt = 
V05 an. {Ztschr. f. Chemie. N. F. Bd. 1. 19 u. 29.) B. 



Pyrocliroit, ein neues Mineral, 245 

Die Titansäure 

ist trimorph in den auf einander nicht zurückführ- 
baren Krystallformen des Rutil (quadratisch), Anatas (qua- 
dratisch, aber mit derRutilforni nicht vereinbar) undBrookit 
(rhombisch). Das spec. Gew. des Rutils ist 4,21 — 4,29 
und ändert sich beim Glühen nicht, das des Anatas ist 
3,7 — 3,9 und wird durch Glühen zu dem des Rutils, 
eben so der Brookit, dessen spec. Gew. 4,13 — 4,16 ist. 
Haute feuille hat diese drei Mineralien künstlich dar- 
gestellt. Fluortitandämpfe wurden bei der Verflüchtigungs- 
temperatur des Kadmiums in Wasserdämpfe geleitet, wo- 
durch schöne Kry stalle von Titansäure in Anatasform 
von dem spec. Gew. 3,7 — 3,9 erhalten wurden. Wirkt 
Fluortitan auf feuchte Luft, so entsteht bei Dunkelroth- 
gluth farbloser Anatas ; mit Wasserdampf gesättigtes 
Wasserstoffgas giebt bei 5000 durch Titanoxyd indigblau 
gefärbte Anataskrystalle ; wendet man schwach feuchtes 
Wasserstoffgas an, so ist der resultirende Anatas durch 
rothes 1 1/2 fach Fluortitan violettblau gefärbt. Arbeitet 
man bei einer Temperatur, die zwischen den Verflüch- 
tigungstemperaturen des Kadmiums und Zinks liegt, so 
entsteht Brookit von 4,1 — 4,2 und bei Hellrothgluth 
Rutil von 4,3. Bei diesen Versuchen entsteht neben der 
Titansäure Fluorwasserstoffsäure, welche als Lösungsmittel 
der Titansäure wirkt, so dass diese bei Verflüchtigung 
des Fluorwasserstoffs wieder krystallisirt. Es würde sich 
Chlorwasserstoffsäure ähnlich verhalten, diese wirkt aber 
erst bei so hoher Temperatur, dass sich stets nur Rutil 
bildet. {Coviptes rendus.) Dr. Reich. 



Pyrochroit, ein neues Mineral. 

In Pajsbergs Eisen- und Mangangrube (Wermland 
in Schweden) findet sich nach L. J. Igel ström {Oefv. 
of Akad. Foerh. 21.) ein Mineral, welches in dem Magnet- 
eisenstein weisse, perlmutterglänzende Adern von 1 — 2 
Linien Breite bildet. Es verwittert schnell an der Luft, 
indem es braun, dann schwarz wird, ist in dünnen Blät- 
tern durchscheinend und weniger hart als Kalkspath. Im 
Kolben erhitzt, giebt es viel Wasser ab und wird zuerst 
grün, dann grüngrau und schliesslich braunschwarz. Von 
diesem Farbenwechsel in der Hitze hat es Igelström 
Pyrochroit benannt. 

In Salzsäure ist es sehr leicht löslich. Geglüht verliert es 



246 Uehermangansaures Kali aus Manganoxyd. 

Wasser und Kohlensäure und bekommt das Ansehen des 
Manganoxydoxyduls, woraus es dann wesentlich besteht. 
Seine Zusammensetzung ist: 

MnO 76,40 

MgO 3,14 

CaO 1,27 

FeO 0,00G 

HO 15,35 

C02 3,834 (aus dem Verlust) 

100. 
Man kann den Pyrochroit als einen Brucit, welchem 
er äusserlicli auch sehr ähnelt, mit überwiegendem Mangan- 
oxydulgehalt ansehen. {Journ. f. prakt. Chemie. Bd. 95. 5.) 

ß. 

Debermangansaures Kali aus ^anganoxyd. 

Die bisherige Darstellungsmethode des übermangan- 
sauern Kalis aus Braunstein giebt nicht immer eine gute 
Ausbeute, da der Braunstein von sehr wechselnder Be- 
schaffenheit ist und man deshalb die Materialien nur 
selten im richtigen Verhältnisse anwenden kann. Gräger 
ersetzt deshalb den Braunstein durch Manganoxyd Mn^O^. 
Er erhält dasselbe, indem er die Rückstände von der Chlor- 
bereitung durch vorsichtige Fällung mit Soda von Eisen 
befreit, das darauf ebenfalls durch weitereu Zusatz von Soda 
gefällte kohlensaure Manganoxydul auswäscht, trocknet und 
glüht. Von diesem Präparate werden 130 Th. mit 100 Th. 
chlorsaurem Kali und 184 Th. möglichst kohlensäurefreiem 
Aetzkali zusammengeschmolzen und 1/4 Stunde lang seh wach- 
roth geglüht. Man benutzt dazu vortheilhaft Kalilauge, 
die man mit dem chlorsauren Kali und dem Manganoxyde 
zur Trockne verdampft. Die erkaltete Schmelze Avird mit 
Wasser ausgelaugt, und die Lösung mit Kohlensäure be- 
handelt, bis ein Tropfen der Flüssigkeit auf weissem 
Fliesspapier einen rein rothen Fleck giebt. Man filtrirt 
dann durch gepulverten Marmor und verdampft zur Trockne. 

Dr. Reich. 



Verfälschung des Petroleums. 247 



Heber Verfälschung des Petroleums 

enthält das in Köln erscheinende „Amtsblatt" folgende Be- 
kanntmachung der königl. Regierung : „ Das Petroleum wird 
in der jüngsten Zeit vielfach verfälscht und zwar haupt- 
sächlich in der Weise, dass man die schweren, sonst nicht 
zur Beleuchtung verwendbaren Paraflinöle durch Zu- 
mischung von Petroleumessenz (Naphta), welche ein spec. 
Gew. von 0,750 hat, auf ein spec. Gew. von etwa 0,800 
bringt. Solche Oele, welche sich der äussern Erscheinung 
nach fast gar nicht von dem reinen Petroleum unterschei- 
den, indem höchstens ein stärkerer Geruch bei demselben 
vorwaltet, sind sehr leicht entzündlich und deshalb im 
Gebrauche sehr gefährlich. Wird nun Essenz zu einem 
schw^eren Oele von 0,830 spec. Gew. gesetzt, so treten 
beim Brennen von Lampen folgende Erscheinungen ein: 
Im Anfange kommt grösstentheils eine Auflösung von 
schwerem Oel in Essenz zur Verbrennung, indem durch 
die Einwirkung der Wärme auf das Oel im Dochte 
ein Theil des schweren Oels im Dampfe der Essenz 
gelöst verbrennt. Mit dem Consum der Essenz hört auch 
die Verbrennung des schweren Oels auf: die Flamme 
geht zurück, es findet eine Verkohlung des Dochtes 
und späterhin ein Russen statt. Um dieses zu vermeiden, 
hat man gutes Petroleum von 0,790 — 0,795 spec. Gew. 
zugesetzt, oder aber die schweren Oele von nur 0,820 
spec. Gew. genommen. Es wird hierdurch zwar ein 
grösserer Consum des schweren Oeles bedingt, es treten 
jedoch schliesslich ebenfalls die oben genannten Uebel- 
stände beim Brennen ein. In einem Falle wurde ein 
solches verfälschtes Oel, welches ein specifisches Gewicht 
von 0,800 hatte, näher untersucht, wobei sich ergab, dass 
dasselbe in 100 Raumtheilen aus circa 25 Vol. Essenz 
von 0,750 spec. Gew., 20 Vol. gutem Petroleum -Brennöl 
von 0,790 spec. Gew. und 50 Vol. schwerem Oele, sog. 
Schmier- oder Paraffinöl von 0,830 spec. Gew. bestand. 
Zur Erkennung eines solchen Gemisches giebt es ein eiri- 
faches Mittel. Man mischt nämlich in einem passenden 
Gefässe einen Raumtheil (?) mit kaltem Wasser zusammen, 
rührt das Gemisch gut um und giesst eine einen starken 
Strohhalm dicke Schicht des fraglichen Oels darauf. Ist 
dasselbe frei von Essenz, so kann es durch einen bren- 
nenden Fidibus nicht entzündet werden. Uebersteigt aber 
der Essenzgehalt 12 Proc, so entzündet sich das Oel 



248 Kohlemvasserstoff'e im Steinkohleniheeröle. 

jedenfalls. Wir machen das Publicum hiermit auf diese 
gefährliche Mischung aufmerksam und warnen vor dem 
Gebrauch derselben als Beleuchtungsmaterial, da aus ihrer 
leichten Entzündlichkeit viele in der neuesten Zeit durch 
Explosionen herbeigeführte Unglücksfälle entstanden sind*. 
{Bl.f.Hdl.u.Gew. 1866. 16.) B. 



Neue Untersuchung über die in dem flüchtigsten Theile 
des Steinkohlentheeröles enthaltenden Kohlen- 
wasserstofl*e. 

Rectiticirt man Benzin des Handels in Mengen von 
800 — 1000 Liter auf einmal und fängt man die ersten 
zwei oder drei Liter gesondert auf, so erhält man nach 
C. Greville-Williams eine sehr flüchtige Flüssigkeit, 
die zum grössten Theile unter 700 siedet und noch viel 
Benzin enthält. Dieselbe wurde mit einem grossen Ueber- 
schusse von Schwefelsäure behandelt, wodurch man un- 
gefähr den achten Theil davon abschied, der sich in der 
Säure nicht auflösen wollte. Nach zwei- oder dreimaligem 
erneuten Behandeln dieses Theils mit Säure wurde er 
durch Kali von der Säure befreit, getrocknet, über Na- 
trium rectificirt und dann der fractionirten Destillation 
unterworfen. Man erhielt von 10 zu 10 Graden Fractionen 
von 700 an bis zu Temperaturen, die über den Siedepunct 
des Quecksilbers hinaus lagen. Die beträchtlichsten Frac- 
tionen destillirten indess um 2150 herum. Die Analyse 
derselben ergab: 





I. 


IL 


IIL 


IV. 


Kohlenstoff. . 


88,45 


88,49 


88,98 


88,64 


Wasserstoff. . 


11,18 


11,23 


11,12 


11,18 



Die erste und zweite Analyse bezieht sich auf eine 
zwischen 2100 und 2200 siedende Flüssigkeit von einer 
Darstellung, die dritte auf eine Flüssigkeit von einer 
anderen Darstellung, die zwischen 2150 und 2200 siedete, 
für die vierte hat Greville-Williams keine näheren 
Angaben gemacht. 

Diese Zahlen stimmen sehr nahe mit mehren Formeln, 
nämlich mit derjenigen des Phenyl-Amyl C^SH'ß, des Phe- 
nyl-Hexyl C^niis und des Phenyl- Heptyl C26H20 und 
da in diesem Falle eine Dampfdichtebestimmung offenbar 
das beste Mittel abgab, um zwischen diesen verschiedenen 
Formeln zu entscheiden, so wurde eine solche mit der 
grössten Sorgfalt ausgeführt. Gefunden wurde 5,78. Dieses 



Erkennung von Kohlenioasserstoffen in Gasgemengen. 249 

Resultat stimmt am besten mit der Formel C24H^8^ wie 
folgende Vergleichung zeigt: C24H«8 5,605, C22H16 5,121, 
C26H20 6,089, weshalb Greville-Williams nicht an- 
steht, die Substanz für das gemischte Radical Phenyl-Hexyl 
C12H5, C12H13 = C24H18 anzusehen. Man kann die 

t.^ , J- T^" C12H6 I , C12H5 1 . ., 

r ormel dieses Korpers pi2tri2f oder pi2Hi3i schreiben, 

da die Tbatsache, dass er sich aus einer unter 70^ sie- 
denden Flüssigkeit bildet, die also nur zwischen engen 
Grenzen siedende Körper enthalten konnte, andere For- 
meln ausschliesst. 

Diese Substanz ist demnach homolog mit dem Phenjl- 
Amyl von Tollens und Fittig, es ist eine farblose 
Flüssigkeit von charakteristischem Gerüche und einem 
spec. Gew. = 0,8731 bei 130,2. 

Greville-Williams hofft später die Existenz von 
noch anderen gemischten Radicalen in den nach der oben 
mitgetheilten Methode dargestellten Flüssigkeiten nach- 
weisen zu können und verspricht gleichzeitig weitere 
Mittheilungen über eine aus dem Phenyl-Hexyl durch 
Reduction des Nitroproductes entstehende Base. {Covipt. 
rend. 1866. T.62. — Chem. Centrhl. 1866. 19.) B. 



mittel zur Erkennung ?on Kohlenwasserstoifen in das- 
gemengeU; von Berthclot. 

Die Bildung von Acetylen bei unvollkommener Ver- 
brennung bietet ein Mittel dar, um ein Gemenge von 
Kohlenoxyd und Wasserstoff, von einem Gemenge von 
Wasserstoff mit einer geringen Menge von Sumpfgas oder 
einem anderen Kohlenwasserstoffe zu unterscheiden, eine 
Aufgabe, die nicht selten bei den Reactionen der orga- 
nischen Chemie gestellt wird. Man kann zu diesem 
Zwecke entweder das Gasgemenge bei Gegenwart von 
ammoniakalischemKupferchlorür einer unvoll- 
kommenen Verbrennung unterwerfen, oder man 
lässt durch die Gase 2 — 3 Minuten lang eine Reihe von 
elektrischen Funken hindurchschlagen und bringt dann 
das Reactionsmittel hinzu. Unter solchen Umständen 
erzeugt sich in einem Gemenge von Wasserstoff und 
Kohlenoxyd keine Spur von Acetylen, wenn man nicht 
die Operation mehre Stunden lang unter besonderen 
Umständen fortsetzt. 

Ein Gemenge von Kohlenoxyd und Wasserstoff und 

Arch.d. Pharm. CLXXXI.Bds. 3.Hft. 17 



250 Verhindungen des Naphtalins mit Brom, 

von Wasserstoff und Sumpfgas lässt sich zwar auch so 
unterscheiden, dass man das Gas mit seinem Volumen 
einer salzsauren Lösung von Kupferchlorür schüttelt, worin 
sich das Kohlenoxyd auflöst, während Kohlenwasserstoff 
ungelöst bleibt, sodann das Gas aus diesem Reactions- 
mittel entfernt und anzündet. Hierbei wird das Gas, 
welches Kohlenoxyd enthalten hatte, keine Kohlensäure 
mehr geben, während andererseits das Gas, welches 
Sumpfgas enthält, natürlich auch noch Kohlensäure geben 
wird. Indess ist diese Probe nicht so scharf, wie die 
obige, da Spuren von Kohlenoxyd der Absorption ent- 
gehen können, die dann für Sumpfgas angesehen werden, 
und da andererseits eine saure Lösung von Kupferchlorür, 
besonders in solcher Masse, wie man sie zur Absorption 
des Kohlenoxyds braucht, auch verschiedene Kohlenwasser- 
stoffe C-"H'-" und andere brennbare Dämpfe absorbiren 
kann, die man somit für Kohlenoxyd ansehen würde. Die 
Bildung von Acety lenkupfer ist dagegen von die- 
sen Zweideutigkeiten frei und bietet auch in ihrer An- 
wendung keine Schwierigkeiten dar, (Bidl. de la Soc. 
Chim. 1866. — Ckem. Centrhl. 1866. No. 39.) 

B. 



Verbindungen des Naphtalins mit Brom. 

C. Glaser hat folgende Verbindungen des Broms 
mit Naphtalin dargestellt. 

M o n o b r o m n a p h t a 1 i n , C^o H^ Br, farbloses Oel 
von starkem Lichtbrechungsvermögen, spec. Gew. 1,555, 
Siedepunct 285*^, leicht löslich in Weingeist und Aether, 
löst Naphtalin leicht und schon in der Kälte, so wie Jod, 
ohne sich mit letzterem zu vei'binden. Es verändert sich 
nicht beim Kochen mit weingeistiger Kalilösung, giebt 
bei der Behandlung mit Natriuraamalgam Bromnatrium 
und Naphtalin und wird von concentrirter Salpetersäure 
beim Kochen vollständig zersetzt. 

Dibromnaphtalin, C^OHeßr^, schon von Laurent 
in reinem Zustande dargestellt, wird beim Kochen mit 
Salpetersäure in eine Nitroverbindung übergeführt und 
tritt in zwei Modificationen auf: a) zolllange, seideglän- 
zende Nadeln, Schmelzpunct 81^, Erstarrungspunct zwi- 
schen 500 und 700, leicht löslich in Weingeist und Aether; 
6) wai'zenförmige, krystallinische Gebilde, Schmelzpunct 
760, noch leichter löslich in Alkohol. 

Tribromnaphtalin, C^o H^ Br^, bildet schöne 



Feste Kohlenwasserstoffe des Steinkohlentheeröls. 251 

weisse Nadeln, Schmelzpunct Tö^, leicht löslich in Alkohol 
und Aether, wird von weingeistigem Kali nicht verändert. 

Tetrabromnaphtalin, CSOR^Br*, ist in Wein- 
geist nicht merklich löslich, in Aether schwer löslich; es 
ist in Benzol in der Wärme leicht löslich und scheidet 
sich daraus in radial gruppirten Nadeln ab. Aus Aether 
krystallisirt es auch in kurzen Prismen. 

Pentabromnaphtalin, C^OH^Br^, besteht aus 
weissen krystallinischen Körnern, die unlöslich in Alkohol 
und sehr schwer löslich in Aether sind, sich aber in 
Benzol in der Wärme lösen. Der Körper wird durch 
Brom nicht weiter verändert, ist unzersetzt flüchtig und 
wird von Aveingeistigem Kali nicht verändert. 

Von den von Laurent noch beschriebenen Brom- 
verbindungen des Naphtalins konnte der Verfasser nur 
darstellen das 

Dihydrobrom-Tetrabromnaphtalin = C20H6Br6 
= C^OH^Br*, 2 HBr, welches er in farblosen und schön 
ausgebildeten Krystallen des rhombischen Systems erhielt. 
{Annal. der Cliem. und Pharm. CXXXV. 40 — 49.) G. 



Heber die festen Kohlenwasserstoffe des Steinkohlen- 

theeröls. 

J. F ritsch e hat bereits in einer früheren Abhand- 
lung einen neuen festen Kohlenwasserstoff beschrieben, der 
sich im Steinkohlentheere befindet, eine prächtig orange- 
rothe Farbe besitzt und im Stande ist, grossen Mengen 
von farblosen Kohlenwasserstoffen eine schöne gelbe Farbe 
zu ertheilen. Dieser Körper, den Fritsche Chry- 
sogen nennt, ist in der festen Substanz enthalten, welche 
sich aus dem sogenannten schweren Steinkohlenöle abson- 
dert und welche aus einem Gemenge verschiedener Kohlen- 
wasserstoffe besteht, zu deren Darstellung sie das Material 
bildet. Das Rohmaterial, das der Verfasser zu seinen 
Versuchen benutzte, stammte aus einer Steinkohlentheer- 
Destillation in Glasgow und war ein pulverförmiger Kör- 
per von citronengelber Farbe, in harte Kuchen zusammen- 
gepresst und den Namen Paranaphtalin führend. Zur 
Darstellung der gelb färbenden Substanz aus diesem 
Materiale behandelte es der Verfasser mit Steinkohlenöl, 
wobei er grosse gelbe Blätter erhielt, die durch wieder- 
holtes Umkrystallisiren aus diesem Lösungsmittel immer 
dunkler gelb wurden und eine grünschillernde Farbe an- 

17* 



252 Feste Kohlenwasserstoffe des SteinkoJdentheeröls. 

nahmen, während iu der Lösung ein weniger gefärbtes 
Product zurückblieb. Dabei kam es darauf an, nicht nur 
den richtigen Concentrationsgrad der Lösung, sondern 
auch den richtigen Moment beim Abkühlen für die Fil- 
tration zu trefifen, denn das am meisten gefärbte Product 
scheidet sich zuerst aus und je früher man nach begin- 
nendem Ausscheiden filtrirt, desto dunkler gefärbte Blätter 
erhält man gewöhnlich, aber desto kleiner ist auch ihre 
Menge, Diese Blätter zeigten lange kein besonderes Ver- 
halten gegen andere Lösungsmittel, nachdem der Verfasser 
sie jedoch oftmals dieser so zu nennenden Concentrations- 
arbeit unterworfen hatte, erhielt er endlich eine kleine 
Menge dunkel grüngelber Blätter, welche beim Behandeln 
mit Aether ein eigenthümliches Verhalten zeigten. Sie 
wurden nämlich von Aether gleichsam angefressen und 
es blieb Anfangs ein orangefarbenes zusammenhängendes 
Gerippe zurück. Bei weiterem Behandeln mit Aether 
zerfiel auch dieses allmälig zu einem orangefarbenen 
Pulver, welches auf dem Filter, auf dem man es durch 
Aether ausgewaschen hatte, zurückblieb. Dieses Pulver 
ist das Chry sogen. Man darf dasselbe indess nicht 
zu lange auswaschen, da es in geringem Grade in Aether 
löslich ist-, löst man es nun in der Wärme in Steinkohlenöl, 
«o erhält man es beim Abkühlen iu prachtvoll orange- 
farbenen, goldglänzenden höchst dünnen Blättchen. Auf 
diese und ähnliche Weise gelang es dem Verfasser mit 
unsäglicher Mühe, nach und nach 0,75 (irra. Chrysogen 
darzustellen, ohne doch eine weitere T^arantie für seine 
Reinheit, als sein gleichmässiges Verhalten gegen Lösungs- 
mittel u. s. w. zu haben. Die beiden Analysen^ die der 
Verfasser mit Producten von zwei Darstellungen anstellte, 
stimmen daher auch nicht überein, zumal die erstere von 
beiden noch dadurch beinahe unbrauchbar gemacht wurde, 
dass aus einer dem Verfasser unerklärlichen Ursache ein an- 
organischer Rückstand blieb, der, da er aus dem bei der 
Analyse benutzten Platinschifi'chen herausgefallen war, 
sich der Rückwägung entzog. Man kann indess wohl mit 
Sicherheit annehmen, dass das Chrysogen nur aus Kohlen- 
.stoff und Wasserstoff besteht, und dass es sich seinem 
geringen W'asserstoffgehalt zufolge (4,7 Proc.) den mit 
Pikrinsäure verbindbaren Kohlenwasserstoffen näher an- 
schliesst, als den .gegen 14 Proc. Wasserstoff enthaltenden 
paraffinartigen Körpern. 

Das Chrysogen ist ein sehr schwer löslicher Körper 
Benzol und dessen Homologen sind noch seine besten 



gm 



Feste Kohlenicasserstoffe des Steinkohlentheeröls. 253 

Lösungsmittel. Ein Theil Chrysogen braucht jedoch 
gegen 2500 Th. Benzol von gewöhnlicher Temperatur 
und 500 Th. kochenden Benzols zu seiner Auflösung. 
Auch in Essigsäure ist das Chrysogen nur sehr schwiei'ig 
löslich, und in Alkohol und Aether noch weniger. Die 
Krystalle, in denen sich das Chysogen aus der kochend 
gesättigten alkoholischen Lösung ausscheidet, bestehen 
aus gut ausgebildeten rhombischen Tafeln, oder aus blatt- 
artig ausgebreiteten Aggregaten von ihnen. Eine aus- 
gezeichnete Eigenschaft des Chrysogens ist das Vermögen, 
grossen Quantitäten von anderen an und für sich farb- 
losen Kohlenwasserstoffen eine schön gelbe Farbe zu 
ertheilen. Löst man z. B. einen Theil Chrysogen mit 1000 Th. 
des in grossen Blättern krystallisirenden Kohlenwasser- 
stoffes C28H10 in 5000 Th. Steinkohlenöl kochend auf, 
so erhält man eine intensiv gelb gefärbte Lösung, welche 
beim Erkalten durch Ausscheidung grünlich-gelber Blätter 
gänzlich erstarrt; eben so erhält man einen schon grün- 
gelben Körper durch Zusammenschmelzen beider Sub- 
stanzen in den angegebenen Verhältnissen. Die so erhal- 
tenen gelben Substanzen verhalten sich vollkommen so, 
wie die gelben Körper, welche man aus den festen Destil- 
lationsproducten des Steinkohlentheers erhält und diese 
verdanken daher ihre gelbe Farbe einer grösseren oder 
geringeren Beimischung von Chrysogen. Anfangs glaubte 
der Verfasser es mit Laurents Chrysen zu thun zu 
haben, überzeugte sich indess bald, dass dies nicht der 
Fall sei. Laurent bezeichnet die Farbe des Chrysens 
in reinem Zustande als schön gelb, ohne allen Stich ins 
Orangefarbene oder Grünliche und ein solcher, von den 
durch Chrysogen gefärbten Kohlenwasserstoffen gänzlich 
verschiedener und Laurent 's Chrysen w^enigstens ähn- 
licher Körper findet sich in der That auch in den 
allerletzten Producten der Destillation des Steinkohlen- 
theers. 

Der Schmelzpunct des Chrysogens liegt bei ungefähr 
280 — 2900. Bei dieser Temperatur schwärzt es sich 
indess bereits, während ein Theil mit etwas veränderten 
Eigenschaften sublimirt. In concentrirter Schwefelsäure 
ist das Chrysogen ohne grosse Veränderung löslich und 
fällt daraus beim langsamen Anziehen von Wasser in 
Gestalt feiner Flocken wieder nieder. Höchst concentrirte 
Salpetersäure greift das Chrysogen sehr energisch an. 

Durch directes Sonnenlicht werden die Lösungen 
des Chrysogens rasch gebleicht, wobei sich ein krystalli- 



254 Verbreitung des Copals in Angola. 

sirtes fjirbloscs Umwandlungsproduct zu bilden scheint, das 
beim Schmelzen wieder eine orangegelbe Farbe annimmt. 
Indess hat der Verfasser nicht zu entscheiden vermocht, 
ob diese P^arbe von regenerirtem Chrysogen herrührte. 
{Bull, de l'acad. imper. de St. Petersburg. — Chem. Centrbl. 
1866. 19.) B. 

Ko|)aivabal$aiii 

erstarrt mit gebrannter Magnesia angerieben zu einer 
knetbaren Masse. Es ist dieses charakteristisch, bisweilen 
jedoch findet man sehr guten und unzweifelhaft echten 
Balsam, der mit Magnesia nicht erhärtet. Roussin hat 
nun gefunden, dass frisch gebrannter Kalk mit Balsam 
angerieben werden kann, ohne jemals zu erhärten, dass 
aber diese Erhärtung sofort eintritt, wenn man ein wenig 
Wasser mit der Mischung zusammen rührt. Eben so 
verhält es sich mit der Magnesia. Frisch gebrannte Mag- 
nesia mit ganz wasserfreiem Balsam erhärtet nicht. Nun 
zieht aber die gebrannte Magnesia begierig Wasser an, 
und eben so findet man im Handel wasserhaltigen Balsam, 
so dass ohne weitere Massregeln bald Erhärtung eintreten 
wird, bald nicht, je nachdem man zufällig wasserfreie 
oder wasserhaltige Substanzen in Händen hat. {Chemical 
News.) Dr. Reich. 

lieber den Ursprung nnd die geographische Verbrei- 
tung des Copals in Angola^ von Weliritsch. 

Der Copal findet sich im westlichen tropischen Afrika 
vorzugsweise innerhalb der Grenzen, wo die Adansonia 
digitata vorkommt. In der Provinz Angola liefern die 
Landschaften, welche zu dem Gouvernement Benguela 
gehören, am meisten von diesem Harze, bis 2 Millionen 
Pfund des Jahres. Es wird aus dem losen Sande oder 
Mergel ausgegraben, zuweilen liegt es, durch heftige 
Regengüsse entblösst, offen zu Tage. Meistens sind die 
Stücke nicht grösser als ein Hühnerei. Sie sind mit einer 
weissen erdigen Kruste bedeckt, heller oder dunkler von 
Farbe. Nach Daniel kommt der Sierra -Leone -Copal 
von einem Baume, Gxdbourtia copaUifera s. Copallifera 
Guibourtiana Benth ; Wel witsch ist der Meinung, dass 
aller westafrikanische Copal als ein fossiles Harz zu be- 
trachten sei, ähnlich dem Bernstein, abstammend von 
Bäumen, die vor längerer Zeit dort Wälder bildeten, jetzt 



lieber Asa foetida. 255 

aber entweder gar nicht mehr oder nur in zwerghaften 
Abkömmlingen existiren. (Pharmac. Journ. and Transact. 
July 1866. 2. Ser. Vol. VIII. No. I. p. 27.) Wp. 



Schiieiie Bereitung einer Schellacklösung. 

Die Auflösung von Schellack lässt sich am schnell- 
sten und sichersten in der Weise bewirken, dass man 
den Schellack auf einer gx'ossen grobmahlenden Kaffee- 
inühle, indem man ihn 2 bis 3 Mal durchgehen lässt, zu 
einem gleichmässigen Pulver mahlt, in das Auflösungs- 
gefäss schüttet, nur so viel Spiritus darauf giesst, dass 
die umgeschüttelte Masse die Consistenz eines massig dün- 
nen Breies hat, das Gefäss auf ein zusammengelegtes 
Handtuch legt, dessen Enden doppelt liegen, um das 
Fortrollen des Gefässes zu hindern, und die Flasche alle 
'/4 ^'s V2 Stunden etwa um 90 Grad dreht. Der Brei 
vei'dickt sich im Anfang, wird dann dünner flüssig und 
bildet nach circa 8 bis 10 Stunden eine syrupdicke, ganz 
gleichmässige Flüssigkeit, der man dann den noch fehlen- 
den Spiritus zusetzt. (Pharm. Ztg. 1866.) B. 



Heber Asa foetida. 

Nach Henkels Mittheilung findet sich schon seit 
einigen Jahren eine vorzügliche Asa foetida in lacrymis 
im Handel, welche von grosser Reinheit, bei weniger 
penetrantem Geruch, als der, den die geringere Sorte in 
Ätassen darbietet, auch in ihrem sonstigen Verhalten 
wesentlich von der früheren Asa foetida des Handels 
abweicht. 

Kämpfer, der die Einsammlung des Stinkasants an 
Ort und Stelle selbst beobachtete, bezeichnet als wichtigste 
Productionsstelle das Baktyriari- Gebirge in der Gegend 
von Lar in der Provinz Farsistan in Westpersien; diese 
Angaben finden ihre Bestätigung durch Borszczow, 
der zwar trotz zweijährigen Aufenthalts im westlichen 
Centralasien nicht selbst dazu kam, die Gewinnung des 
Stinkasants mit anzusehen, jedoch die Identität von Linne's 
Ferula Asa foetida und Bunge's Scorodosma foetidum 
als alleiniger Stammpflanze des Stinkasants behaupte t 
Zugleich bemerkt derselbe, dass es noch andere Dolden 
gebe, die ein ähnlich riechendes Product ausscheiden, 
darunter namentlich Narthex Asa foetida Falk., dass aber 
nirgends Nachweis vorliege, der für den Export letzterer 



256 Die Saughütchen von Kautschuck etc. 

Producte, als Asa foetlda, spreche. Letztere Angabe ist 
jedoch eine irrige, welche schon Henkel nach Berichten 
von Bollew nachgewiesen hat. Die Angaben Borsz- 
czow's beziehen sich nur auf den westlichen Theil Per- 
siens, während im südöstlichen Theile von Persien, gegen 
die Grenze von Vorderindien hin, wohin derselbe nicht 
kam, also auch über die Exportverhältnisse keine authen- 
tischen Notizen sammeln konnte, allerdings von Narthex 
Asa foetida Falk, diese Drogue gesammelt wird. Nach 
den Gouvernementsberichten des nordwestlichen Theils 
von Indien beträgt der Werth des aus letzterem Theile 
von Persien importirten Stinkasants nach Indien über 
2000 Pfund Sterling. Während wir früher die Asa foetida 
meist über die Levante erhielten, beziehen wir seit Jahren 
diese Drogue aus England, wohin sie aus Ostindien gelangt 
und es scheint dadurch der Unterschied bedingt zu sein, 
dass wir jetzt das Product von Narthex, früher aber das 
von Scorodosma erhielten. 

Die gegenwärtig im Handel häufigste Asa foetida in 
lacrymis besteht aus verschiedenen (bis 1 Zoll im Durch- 
messer) grossen, frisch weichen, plattgedrückten Stücken 
von strohgelber, später dunkler werdenden Masse; Stücke, 
welche anfänglich rundliche Thränen darstellten, die sich 
erst durch den Druck abplatteten; festere Stücke zeigen 
auf dem Bruche eine mattweisse, stellenweise gelbliche 
Farbe und fast körnige Structur und die auffallendste 
Eigenschaft dieses ostindischen Stinkasants besteht darin, 
dass die Bruchfläche der Stücke, deren Henkel mehre 
den ganzen Sommer hindurch der Luft und dem Lichte 
aussetzte, nicht jene eigenthümliche pfirsischrothe, später 
braune Färbung annimmt, wie solche bekanntlich an der 
früheren persischen Asa foetida beobachtet werden konnte. 

Die Angaben englischer Autoren, dass Narthex Asa 
foetida wirklich eine Sorte Stinkasant liefere, hält Henkel 
für gerechtfertigt und glaubt auf den bezeichneten Unter- 
schied beider Producte, die wir als Asa foetida kennen, 
in Beziehung auf die Farbenveränderung, die sich nur 
bei dem persischen Producte von Scorodosma zeigt, hin- 
weisen zu sollen. {N. Jahrh.f. Pharmacie. Bd. 15. 2.) B. 



Die Saugbntchen von Kautschuk, eine Quelle chro- 
nischer Aphthenbildung bei Kindern. 

Mettenheimer findet die Ursache hartnäckiger und 
lang andauernder Aphthenerkrankungen bei Kindern in 



Holz zu conserviren. 257 

dem Gebrauch der Kautschuk-Saughütchen, indem diese 
nicht immer rein genug gehalten werden. Derselbe fasst 
seine Beobachtungen in folgende Sätze zusammen: 1) wenn 
Kinder, die mit der Flasche aufgezogen werden, wieder- 
holt und langwierig an Schwämmchen erkranken, so kann 
die Ursache der Recidive in einer Pilzvegetation auf dem 
Kautschukhütchen liegen; 2) die Pilzsporen sitzen vor- 
zugsweise auf der inneren, schwer zu reinigenden Ober- 
fläche dieser Hütchen; 3) blosses Einlegen der Hütchen 
in Wasser und Ausspülen in demselben genügt nicht 
zur Entfernung der Sporen ; 4) zieht man in solchen 
Fällen nicht ein Mundstück aus Hörn, Knochen" oder 
Elfenbein vor, so wende man beim Reinigen die Hütchen 
um und reibe auch die innere Oberfläche sorgfältig ab. 
{Memorabilien.) B. 



(üeleimtes und farbiges Pergameutpapier. 

Es stand der vielseitigen Verwendung des Pergament- 
papieres bisher der Uebelstand im Wege, dass sich das- 
selbe auf Holz oder Pappe sehr schlecht, auf sich selbst 
aber gar nicht verleimen lässt. Ebermayer befeuchtet 
das Pergamentpapier auf der Seite, auf welcher es ver- 
leimt werden soll, zuerst mit Alkohol oder starkem 
Branntewein, legt das mit Leim stark bestrichene Material 
darauf und reibt mit einem Falzbeine an. Will man 
Pergamentpapier mit sich selbst verleimen, so behandelt 
man die beiden sich berührenden Flächen in angegebener 
Weise. 

Farbiges Pergamentpapier kann auf gewöhnliche Art 
nicht schön hergestellt werden, weil die wenigsten Farben 
die Einwirkung concentrirter Schwefelsäure vertragen. 
Dagegen nimmt Pergamentpapier die Anilinfarben gut 
auf, wenn man es in die heisse wässerige Lösung dersel- 
ben bringt. Man kann gelb färben mit pikrinsaurem 
Natron, orange mit Pikrinsäure und Anilinroth, grün mit 
Pikrinsäure und Indigkarmin. Dr. Reich. 



Um Holz zu conserviren^ 

wurde in der Berliner polytechnischen Gesellschaft 
Braunkohlentheer mit einem Gehalt von 3 Proc. phenyl- 
saurem Natron, wie er in der Weissenfelser Gegend ge- 
wonnen wird, empfohlen. Dieser wird mit 4 Th. Wasser 
verdünnt, 3 — 4 Mal aufgestrichen und dann mit Eisen- 



'2Ö8 Schiesspulver aus Holzsägespünen. — CoUodiumwolle. 

vitrioUösung nachgestrichen. Es bildet sich schwefelsaures 
Natron, das auswittert und vom Kegen fortgespült wird, 
während das Kreosot zurückbleibt. Controlirende Ver- 
suche sollen sehr günstige Resultate gegeben haben. 
{BlfürHdl.u.Geioerhe. 1866. 7.) B. 



Schiesspiilvcr <ius llolzsägcspäiien 

wird in der Pulverfabrik zu Potsdam dargestellt und 
wird die Fabrikation in kurzer Zeit auch in Frankreich 
eingeführt werden. Die Entdeckung rührt von Schnitze, 
Artillerie-Officier in der preussischen Armee, her. Man 
erhält das Pulver durch Digestion von Holzsägespänen in 
Natronlauge, worauf man die mit Wasser gewaschene 
Mischung der Wirkung von Dampf aussetzt. Nach Bleichen 
mit Chlor und neuem Waschen werden die Späne in 
eine Mischung von 40 Th. Salpetersäure und 100 Th. Schwe- 
felsäure gebracht, der Ueberschuss der Säuren wird durch 
eine Turbine herausgeschleudert, die Holzmasse mit Natron 
gekocht, ausgewaschen und getrocknet. Das so erhaltene 
Pi'oduct ist unschädlich und durchaus nicht brennbar, so 
dass man es in voller Sicherheit in die Magazine bringen 
kann. Um es explodirbar zu machen, digerirt man es 
15 Minuten mit einer Lösung von 12 Th. Pottasche in 
100 Th. Wasser; das darauf nöthige Trocknen muss bei 
höchstens 40^ C. geschehen. Es hat dieses Pulver den 
Vorzug vor anderen explodirenden Compositionen, dass 
man es auf nassem Wege darstellen kann und dass es 
in dem Augenblicke, in Avelchem das Präparat fertig ist, 
keine Gefahr mit sich führt. Man versichert, dass es 
die Waffen nicht schmutzig mache und in guter Qualität 
sehr wenig Rauch gebe. Frankreich endlich würde, wenn 
es dieses neue Pulver annimmt, nicht mehr nöthig haben, 
Schwefel vom Auslande zu kaufen, und so eine jährliche 
Ersparniss von nicht weniger als 3 Millionen ei'zielen. 
{Courrier de la Cote. 1866.) Dr. Reich. 



Collodiiiinwolle. 

Dawson's Versuche haben ergeben, dass selbst bei 
Beachtung aller Vorsichtsmassregeln nicht immer ein 
gutes Collodium erhalten wird, besonders ist die Qualität 
der Baumwolle und die Länge der Faser zu beachten. 
Langfaserige Baumwolle gab stets gutes Collodium, in 
demselben Säuregemische jedoch löste sich geringere wenn 



Zwei neue Arten von Schiessbaumicolle. 259 

auch gut gereinigte Baumwolle sofort auf. Erst nachdem 
der Wassergehalt der Mischung auf i/jq reducirt war, 
erhielt man mit kurzfaseriger Baumwolle ein ziemlich 
gutes Resultat, doch niemals gelang es, damit vollkommen 
lösliches Pyroxylin oder gut haftendes Collodium darzu- 
stellen. Am besten eignet sich zur Collodiumbereitung 
die Sea- Island- Baumwolle und nächst dieser die lang- 
faserige egyptische. {Bj'itish Journal.) 

Nach Wallis hält sich mit Alkohol befeuchtete 
Collodium wolle vier Jahre unverändert und giebt mit 
gleichen Theilen Aether und Alkohol ein dickflüssiges 
Collodium. {Photo graphisches Archiv.) Dr. Reich. 



ieber zwei neue Arten von Schiessbanmwolle. 

Ch. Blondeau ist durch seine Untersuchungen zu 
der Ansicht gekommen, dass die Schiessbaumwolle als 
eine wasserfreie, wenig beständige Säure angesehen werden 
müsse, von der Formel C 24 H 20 O 20 (NO 5) 5. Durch Ver- 
bindung mit Ammoniak erlange diese Säure eine grössere 
Beständigkeit; es bilde sich dann eine Zusammensetzung 
von der Formel C24H20O20(NO4)5(H2N)5, welche Blon- 
deau Cellulo- Nitro -Pentamid nennt. Die Verbindung 
entsteht nicht sofort, sondern nur allmälig; sie ist die 
Grenze, bei welcher die Reaction schliesslich anlangt; 
es bilden sich succesive Verbindungen von den Formeln: 
C24 H20 020 (N05)4 (N04) (H2N) 

C24H20 020 (N05)3 (N04)2 (H2N)2. 

Unterbricht man die Einwirkung des Ammoniaks, 
sobald die erste dieser Verbindungen entstanden ist, so 
erhält man eine Schiessbaumwolle, welche bei aller explo- 
siver Wirkung doch bei gewöhnlicher Temperatur unver- 
änderlich ist und selbst bei 100^ sich noch nicht zersetzt. 

Um diesen neuen Körper darzustellen, nimmt man 
gewöhnliche gute Schiessbaumwolle und setzt sie ungefähr 
24 Stunden der Einwirkung von Ammoniakdämpfen aus; 
sie wird bald gelblich und giebt nach dem Trocknen 
ein Präparat, dessen explosive Kraft grösser ist, als die 
der gewöhnlichen Schiessbaumwolle. Die ammoniakalische 
Schiessbaumwolle {Pyroxyle ammoniacale) giebt mit Salz- 
säure eine Verbindung von der Formel 

C24H20O20 (N04)5 (H2N)5 (HC1)5, 

welche sonst eben so stark explodirt, wie gewöhnliche 
Schiessbaumwolle, sich aber bei gewöhnlicher Temperatur 
eben so wenig wie bei 100^ zersetzt. Man stellt dieselbe 



260 Einwirkung d. wasserfreien Essigsäure a. Cellulose etc. 

dar, indem man Schiessbauniwolle in einer starken Lösung 
von Salmiak kocht, das Product in vielem Wasser aus- 
wäscht und in der Sonne trocknet. Dieses neue Product 
detonirt bei derselben Temperatur, aber die Zersetzungs- 
producte sind andere, denn ausser Kohlenoxyd und Wasser 
findet sich unter denselben Cyan, Salmiak, Salzsäure, 
Stickstoff und Wasserstoff; 
C24H20O20(NO4)5(H2N)5(HCl)5 = C20O20 -j- H20O20 

j^ C2N 4- 3(H3NHC1) -f N5 -I- 2HC1 -}- H. 
{Covipt. rend. T. 61. — Chem. Centrbl. 1866. 63.) B. 



Einwirkung der wasserfreien Essigs.äure auf Cellulose^ 
Stärke, Zucker, Mannit und dessen Verwandte, auf 
Glykoside und gewisse vegetabilische Farbstoffe. 

Berthelot's Untersuchungen haben erwiesen, dass 
sich die Zuckerarten wie mehratomige Alkohole verhalten, 
welche wie das Gljcerin fähig sind, zusammengesetzte 
Aether zu bilden. Die von .Schützenberger angewandte 
Methode, um die Aether der Zucker zu erhalten, besteht 
darin, dass man diese Körper mit einer wasserhaltigen 
Säure erhitzt. Die Methode ist zwar allgemein, erfordert 
aber eine lange Zeit (40 bis 50 Stunden) zur Bildung 
und liefert auch in gewissen Fällen viel zu geringe Men- 
gen des beabsichtigten Productes. Viel günstigere Resul- 
tate erhielt Schützenberger bei Einwirkung von Essig- 
säure auf Zuckerarten, Cellulose etc., indem er anstatt 
der krystaliisirten Säure das Anhydrid anwandte. Die 
Aetherification ist in einigen Minuten vollendet. Die 
organische Substanz, die im Allgemeinen im siedenden 
Anhydrid unlöslich ist, wird bei 138^ bis 140^ angegriffen 
und wenn dieser Punct einmal eingetreten ist, so geht 
die Reaction unter lebhaftem Aufkochen von selbst vor 
sich. Die gewonnenen Producte der Reaction sind 1) Essig- 
säurehydrat, 2) ein in Essigsäure lösliches, in Wasser^ je 
nach der Natur der angewandten Substanz, lösliches oder 
unlösliches Derivat. Im letzteren Falle genügt es, den 
dicken Syrup, den man nach Vollendung der Reaction 
erhalten, in Wasser zu giessen und den Niederschlag mit 
Wasser zu waschen, im ersteren Falle verdünnt man mit 
Wasser, entfärbt, wenn nöthig ist, mit Thierkohle und 
dampft im Vacuum über Kalk zur Trockne. 

Stärke giebt nach diesem Verfahren 2 farblose, feste, 
essigsaure Verbindungen: die eine in Wasser unlöslich, 



Ueher das Kermanische Gummi. 261 

in Alkohol und Essigsäure löslich, die andere in Wasser 
und Alkohol löslich von bitterem Geschraacke. Alle beide 
verseifen sich mit Kali leicht und geben Dextrin und ein 
Acetat. Die Essigsäure-Cellulose ist fest, weiss, amorph, 
unlöslich in Wasser und Alkohol, löslich in Essigsäure- 
hydrat. Sie wird durch siedendes Kali unter Wieder- 
erzeugung von Cellulose schnell zersetzt. Rohrzucker, 
Glykose, Milchzucker, Mannit und Dulcit geben nach 
dem angeführten Verfahren in Wasser lösliche, feste, sehr 
zähe Derivate von bitterem Geschmack. Auf die natür- 
lichen Glykoside, z. B. Tannin, Salicin, Amygdalin u. s. w. 
und auf viele vegetabilische Farbstoffe (Brasiliin, Hämatin 
u. s. w.) wirkt Essigsäure-Anhydrid in derselben Weise ein. 
Schützenberger glaubt mit Hülfe dieser Essig- 
säure-Aether zur Darstellung anderer Aether zu gelangen, 
deren Synthese bis jetzt noch nicht gelungen ist. Mit 
kaustischem Ammoniak erhitzt liefern sie stickstoffhaltige 
Verbindungen, welche mit Tannin ähnliche Niederschläge 
geben, wie solche Schützenberger in Verbindung mit P. 
Thenard durch Einwirkung von Ammoniak auf Kohlen- 
wasserstoffe bei 1400 erhalten hat. {Compt. rend. T. 61. 
165. — Chem. Centrhl.) B. 



Heber das Kermanische Gummi. 

Als Wood mit der Durchsicht des Dispensatoriums 
der Vereinigten Staaten beschäftigt war, erhielt er von 
Benjamin R. Smith von Philadelphia sogenanntes 
„Caramania Gummi" zugesandt. Ueber dessen Ursprung 
konnte Smith keinen Aufschluss geben, aber es ist viel- 
leicht dasselbe, welches von Maltass beschrieben und zur 
Fälschung des Traganthes gebraucht wird. Malta ss 
giebt an, dass man es bis zu 50 Proc. zur Fälschung 
der gemeinen Traganth-Varietäten verwendet und es, um 
den Betrug weniger auffallend zu machen, mit Bleiweiss 
mengt. Hanbury sagt, dass das Kermanische Gummi 
identisch scheint mit dem „Gomme pseiidoadraganta" von 
Guibourt, welches derselbe als ein Product von „Ästra- 
galus gummifer Labill." ei'klärt. Aber Maltass bemerkt, 
dass es dem Gerüchte nach auf den wilden Mandelbaum, 
eine Pflaumenart Kermans zu beziehen sei. 

Dieses Gummi kommt in Stücken vor, welche von 
Erbsengrösse bis zur Grösse einer Kastanie wechseln, 
mit grösserer Neigung zur Kugelform, als Traganth, ob- 
gleich bisweilen, wie dieser, der wurmförmig gewundenen 



2G2 Das Goemin, ein Bestandtheil von Fucus crispus. 

Gestalt sich nähernd. Die Farbe variirt von Hell- zu 
Röthlichbruun, es ist mehr oder weniger transparent, fast 
geschmacklos und, in Wasser gegeben, die Feuchtigkeit 
langsam einsaugend, wobei es zu voluminösen, wasser- 
haltigen, gallertförmigen Massen anschwillt, während die 
Zwischenräume mit einer schleimigen Lösung des löslichem 
Gummiantheils gefüllt sind, welcher aber weniger reichlich 
ist, als der lösliche Antheil des Traganthes. Der Schleim 
wird durch basisch essigsaures Bleioxyd gefällt, aber weniger 
sicher, als das Arabin ; oxalsaures Ammoniak bewirkt 
einen nicht sehr reichlichen weissen Niederschlag, Alkohol 
fällt ihn nicht. Er gerinnt nicht mittelst Borax und 
Eisensesquichlorid. Der unlösliche gelatinöse Antheil hat 
anfänglich nur eine geringe Cohäsion, aber durch Stehen 
erweicht er und wird mehr teigig. Mit Schwefelsäure 
gekocht verliert er seine Gallertform und nimmt Syrups- 
consistenz an. Eine Kupferoxydlösung in Kali fällt sogleich 
diese und das lösliche Gummi als ein voluminöses, bläu- 
liches Hydrat. Wood meint, dass das Kermanische 
Gummi denselben Ursprung habe, wie das Gummi von 
Bassora und beide wahrscheinlich in der Provinz Kerman 
in Kleinasien erzeugt würden, indem das letztere aus 
dem persischen Meerbusen in den Handel gelange, während 
das erstere nach Smyrna komme, um als ein Fälschungs- 
mittel gebraucht zu werden. [Americ. Journ. der Pharm, 
— Ztschr. der österr. Apoth.- Ver. 3. Jahrg. 24.) B. 



Das Ooemin, ein Bestandtheil von Fncns crispus. 

Ch. Blonde au hat der Pariser Akademie {Compt. 
rend. T. 60, 860) eine Untersuchung über das Perlmoos 
(Fucus crisj^us L.), welches auch in Frankreich an den 
Küsten der Bretagne und Normandie in grosser Menge 
wächst, mitgetheilt, aus welcher ersichtlich ist, dass das- 
selbe nicht bloss zu Heilzwecken, sondern auch in der 
Haushaltung benutzt wird, zu w^elchem Zwecke man es 
durch Waschen mit Wasser von seinem Salzgehalt befreit 
und an der Luft trocknet, wodurch gleichzeitig die Pflanze 
ihre grüne Farbe verliert und schön weiss wird. Sie ist 
dann geruch- und geschmacklos. 

Durchs Kochen der Pflanze mit Wasser entsteht eine 
schleimige Flüssigkeit, welche beim Erkalten zu einpr 
Gallerte gesteht, jener aus Leim sehr ähnlich. Die- 
ser Bestandtheil des Fucus ist aber kein Leim, indem 
seine wässerige Lösung weder durch Gerbsäure noch 



Weinstein. 263 

durch Alaun und Bleizucker gefällt wird. Blondeau 
nennt diesen Stoff Goemin, von Goemon, der französischen 
Benennung des Fucus crispus. 

Zur Reindarstellung des Goeniins wurde die Alge einige 
Stunden lang mit destillirtem Wasser gekocht und die 
schleimige Flüssigkeit mit Alkohol vermischt. Der dadurch 
entstandene Niederschlag wurde wieder in Wasser gelöst 
und die Lösung im Wasserbade abgedampft. Man erhält 
dünne durchsichtige und elastische Tafeln, welche wie 
Hausenblase aussehen und wie diese in kaltem Wasser 
anschwellen. 

Das Goemin reagirt neutral, es ist geschmacklos und 
geruchlos. In Salzsäure löst es sich rasch beim Erwärmen. 
Von concentrirter Schwefelsäure wird es unter Verkohlung 
gelöst. Bei Einwirkung der Salpetersäure auf dasselbe 
entwickeln sich salpetrige Dämpfe und die Lösung ent- 
hält Oxalsäure und Zuckersäure. Auch in Kalilauge löst 
sich das Goemin vollständig. 

Bei der Analyse zeigte es folgende Zusammensetzung: 

C 21,80 

H 4,87 

N 21,36 

S 2,51 

O 49,46 

100,00. 

Das Goemin wäre demnach eine der stickstoffreichsten 
Substanzen des Pflanzenreichs^ denn selbst der Leim ent- 
hält kaum 20 Proc. Stickstoff. Es wäre demnach wichtig, 
den Nahrungswerth des Goemins zu bestimmen. 

Zwischen diesem von Blondeau erhaltenen Resultat 
und den früheren Untersuchungen des Fucus crispus, 
namentlich von Mulder und C. Schmidt besteht dem- 
nach ein grosser Unterschied, denn nach Letzteren ist 
der Hauptbestandtheil dieser Alge Stickstoff- und schwefel- 
freier Pflanzenschleim. {Buchn. n. Repert. Bd. 15. 1.) B. 



Weinstein 

empfiehlt Betoldi als Mittel bei der zuckerigen Harnruhr. 
Bei dieser Behandlung brauchen die Kranken sich weder des 
Zuckers, noch zuckerhaltiger Nahrungsmittel zu enthalten; 
sie können essen, was sie wollen, nur soll ihr Getränk 
stets mit Weinstein gesättigt sein. {Wittst. Vierteljahr sehr. 
Bd. 14.) B. 



264 



W¥. liiteratiir iind Kritik* 



Muspratt's theoretische, praktische und analytische Che- 
mie in Anwendung auf" Künste und Gewerbe. Zweite 
vermehrte und verbesserte Auflage. 2ter Band. 

Dextrin. Vorkommen und Bildung. Schieiden hält es für 
einen eigentlichen bildungsfähigen Pflanzenbestandtheil und legt 
ihm grössere Bedeutung bei als dem Gummi. Fürstenberg fand 
es im Weizen und Roggen, Planta im keimenden Mais, Oude- 
manns fand in Weizenkleie 5,52, in Roggenkleie 7,79 Procent; 
Stein in der Gerste 6,5, im Luftmalz 7,55, im Darrnialz 8,23 Pro- 
cent; Albini in der echten Kastanie 22,8 bis 23,3 Procent. Im 
Thierreiche haben es Sanson und Bernard in Blut und Mus- 
keln, Sanson in Milz und Leber nachgewiesen. Im Thierreiche 
seheint sein Vorkommen von der Ei-nährung herzurühren, da es 
bei Ernährung mit Körnern gefunden, bei Fütterung mit Möhren 
nicht gefunden wurde. Das Holzdextrin scheint nicht identisch 
mit dem Stärkemehldextrin. Es finden sich viele geschichtliche 
Notizen ü'oer die chemischen Arbeiten über Dextrin. Ueber den 
Vorgang aber, der beim Einwirken von Säuren, Diastase und an- 
dern .Stofi'en auf Stärkemehl statt findet, weiss man nichts Siche- 
res, da frühere Annahmen sich unhaltbar gezeigt haben. Darstel- 
lung nach Payen, Houze, Pinel, St. Etienne, Ch. O'Neill, 
Hoffmann, Persoz, Thomas. Eigenschaften und Zusammen- 
setzung. Anwendung. Der Artikel ist von Schwaner t verfasst 
und sehr ausführlich. 

Tinte. Auf 3U Seiten hat Stohmann sehr ausführliche Mit- 
theilungen gegeben. Schreibtinten. Die Arbeiten von Lewis und 
Ribemann waren zur Zeit die gründlichsten. Brande, Ure, 
Booth, Reid, Karmarsch, Rostock haben Vorschriften ge- 
geben; Rostock hat Versuche über die Zusammensetzung ange- 
stellt. Stepheus wird als wahrscheinlicher Erfinder der Alizarin- 
tinte angeführt. Winternitz, Leonhardi, Prollius, Bley, 
Runge haben Vorschriften gegeben. Stephens, Baudrimont, 
Kindt gaben Anweisungen zur Herstellung von unau.slöschlichen 
Tinten. Scott und J. B. Reade Hessen sich Patente geben. 

Sympathetische Tinte. Lithographische Schreibtinte. Buch- 
druckerschwärze. 

Dünger. Auf 52 Seiten handelt Stohmann über Dünger, die 
früheren Begriffe über die Ernährung der Pflanzen, Schubart 
von Kleefeld's Einführung des Kleebaues, die Arbeiten von 
Priestley, Sennebier, Saussure, Davy, Ingenhouss, Chap- 
tal, Hermbstädt, Einhof, Schübler, Sprengel über den 
chemischen Theil der Pflanzenphysiologie. Liebig's Lehre von 
der Agriculturchemie, welche die Humustheorie umstüi-zte. Arbei- 
ten von Wich mann und Po Istorf geben dafür Beweise, so wie 



Literatur. 265 

die Vegetationsversuche von Knop, Stohmann, Sachs. Ferner 
sind der Boden und seine Entstehung sehr gründlich besprochen. 
Ebenso die künstliche Verbesserung des Bodens, die Stallwirth- 
schaft. Liebig hat dieselbe als Verzehrerin von Capital und 
Zinsen bezeichnet. Nur bei ganz kleinem Betriebe hält Liebig 
sie für vortheilhaft. Bedeutung und Verwerthung der städtischen 
Excremente. Künstliche DüngstofFe. Guano. Animalische Dün- 
gerfabrikate. Untersuchung der Düngstoffe. 

Der nächstfolgende Artikel Eisen, auf 384 Seiten von Stoh- 
mann bearbeitet, umfasst beinahe 6 Hefte. Vom Atomgewichte 
an, über Roheisen, Stabeisen, Stahl sich erstreckend, die Geschichte 
des so wichtigen Elements einschliessend, die Roheisenerzeugung, 
seine Constitution, Anwendung der verschiedenen Sorten Roheisen, 
die Begleiter desselben, als Schwefel, Phosphor, Silicium, Mangan, 
Molybdän, Vanadin, Chrom, Wolfram, welche theils ursprünglich 
sich darin finden, theils aus den Schmelzmaterialien dazu kommen, 
sind alle in Betracht gezogen. Die Eisenerze und die Schmelz- 
materialien, deren Verarbeitung, die Zusammensetzung vorkommen- 
der Eisenerze, Gewinnung, Aufbereitung, Probiren der Eisensteine, 
Bestimmung auf nassem Wege, Röstprocess, Brennmaterialien, 
Schmelzapparate, Gebläse, Hohofenbetrieb, Hohofenproducte, Schla- 
cken, Umschmelzen des Eisens. Stabeisenbereitung, mit zahlrei- 
chen Abbildungen der Oefen, Werkzeuge. Flammöfen. Puddel- 
frischen. Stahlerzeugung. Gediegen Eisen und Meteoreisen. Dar- 
stellung des reinen Eisens. Verbindungen des Eisens. Verhalten 
der Eisensalze gegen Reagentien. Reductionsmethoden. Trennung 
des Eisens von andern Körpern. Analyse der Eisenerze. Eben so 
ausführlich als umsichtig bearbeitet. 

Emaille. Auf 14 Seiten hat Stohmann eine sehr zweck- 
mässige Ai-beit über Zusammensetzung, Darstellung, Materialien, die 
verschiedenen Farben der Glasmassen gegeben, unter Mittheilung 
von Vorschriften zur Anfertigung der Emaillen. 

Essigsäure. Ueber Geschichte, Vorkommen, Bildung, Zu- 
sammensetzung und Constitution, mit vielen Formeln einer Reihe 
von homologen Säuren, Darstellung, Zersetzung, verschiedene Zu- 
stände, als Essigsäureanhydrid, concentrirter Essig, Weinessig. Malz-, 
Getreide-, Bieressig, Rübenessig, Branntweinessig. Schnellessig- 
Fabrikation mit vielen Abbildungen von Fabrikgegenständen. Holz- 
geist oder Holznaphtha, Reinigung des rohen Holzessigs. Prüfung 
auf Gehalt an Essigsäure, auf Verunreinigungen und Verfälschun- 
gen ist das Nöthige in recht belehrender Uebersicht aufgeführt. 

Färberei. Farbstoffe und Rohstoffe, Cochenille, Kermes, 
Murexid, Purpur, Carmin, Farbstoffe des Pflanzenreiches, Alkanna, 
Berberin, Curcuma, Ki-app, Alizarin, Werthbestimmung, Farbhölzer 
und Rinden. Lokao, Chinesisch Grün, Catechu, Lack-Dye, Lack- 
Lack, Stock-, Stangen-, Körner -Lack, Aloe, Chica, Carucura, 
Chlorophyll, Galläpfel, verschiedene Sorten Valonien, Dividivi, 
Myrobalanen, Gelb- oder Avignon -Beeren, Saftgrün, Chinesische 
Gelbschoten, Orlean, Saflor, Safran, Sumach, Orseille, Persio, 
Lecanorsäure, Erythrin, Orcin. Lackmus, Indig, Waid, Wau, Sorgho, 
Steinkohlentheer-Farbstoffe, als Benzol, Phenylalkohol, RosoJsäure, 
Anilin, Naphthalin, Azulin, Xanthophylensäure, Pikrinsäure, Rosol- 
säure, Anilin, einst von Unverdorben Krystalliu genannt, von 
Runge Kyanol, von Pritsche als Anilin bezeichnet. Anilide, 
Anilsäuren. Anilinfarben zuerst von Runge und Pritsche be- 
merkt. Die Constitution lehrte 1861 Hof mann kennen, dessen 

Arch.d. Pharm. CLXXXLBds. S.Hft. 18 



266 Literatur. 

Ansichten Stadel er, Arndt in ihren Arbeiten über Anilin und 
Toluidin widersprachen. Die Bereitung der Anilinfarben geechieht 
auf die verschiedenste Weise, von verschiedenen Eigenschaften. 

Anilinroth, nach Hof mann Rosanilinsalz. Mit wasserfreien 
Metallchloriden stellten zuerst 1859 Renard und Franc Fuchsin 
dar. G.Schnitzer stellt es mit Quecksilberchlorid dar. MitArsen- 
säure von Med lock, Girard, Delaire, mit Antimonsäure Smith 
in Glasgow, mit salpetersaurem Quecksilberoxyd Gerber und Kel- 
ler, mit salpetersaurem Blei Dale und Caro. Hughes wandte 
Salpetersäure an. 

Anilinblau, nach Hof mann Triphenylrosanilinsalz. Schlum- 
berger stellt es aus 1 Rosauilin, 3 Anilin und l'/a Essigsäure dar, 
Pariser Blau wird nach Persoz, de Luynes und Salvetat aus 
16 Anilin mit 9 Zinnchlorid durch SOstündiges Erhitzen auf 180^ 
im zugeschmolzenen Glasrohre, Auskochen der Masse mit Wasser, 
Fällen mit Kochsalz erhalten. Mühlhauser Blau wird durch Kochen 
von einer alkalischen Schellacklösung mit Anilinroth erhalten. 

Lauth stellt Anilinblau mit Aldehyd dar. Aniliuviolett, zuerst 
von Perkin dargestellt, im Handel als Anilinpurpur, Tyrischer 
Purpur, Indisin, Anilein, Malvenfarbe; Schlumberger stellt es 
mittelst Schwefelsäure und sauren chromsauren Kalis dar, De- 
pouilly und Lauth mittelst Chlorkalks, Dale und Caro mit- 
telst Kupferchlorids, Price mittelst Bleihypero.xyds; Hofmann 
hat es aus Rosanilin darzustellen gelehrt. Anilinbraun von R. 
Smith aus Anilinroth gewonnen, Anilingelb von Nicholson be- 
reitet aus einem basischen Harz, welches bei der Darstellung von 
Anilinroth sich bildet. Chrysanilin ist eine Base, die mit Säuren 
zwei Reihen Salze bildet. Äniliugrün bildet sich direct auf den 
Geweben, wenn sie mit einer Lösung von chlorsaurem Kali in 
Wasser getränkt, nach dem Trocknen mit einer Lösung von wein- 
saurem oder salzsaurem Anilin bedruckt und dann 12 Stunden in 
einem Locale aufbewahrt werden, worin eine erhöhte Temperatur 
mit bestimmtem Feuchtigkeitsgrade sich findet. Anilinschwarz aus 
25 chlorsaurem Kali, 50 Anilin, 50 Salzsäure, 50 Kupferchlorid, 
25 Salmiak, 12 Essigsäure. — Werthbestimmung der Anilinfarben. 

— Naphthalin. Kreosot. 

Unorganische Farbstoffe. — Aluminiumverbindungen. Ultra- 
marin. Antimonverbindungen. Arsenverbindungen. Bleiverbin- 
dungen. Chlorkalk. Kieselsaures Natron. Zinnverbicdungen. 

Die Operationen der Färberei und Druckerei. Waid-, Indig- 
oder Pastelküpe, Pottasche- und Sodakiipe, kalte Küpen. 

Baumwollenfärberei. Mit 55 Recepten. — Seidenfärberei. Mit 
63 Recepten. — Schafwollfärberei. Mit 84 Recepten. 

Färberei der sogenannten Halbzeuge oder gemischten Waaren. 

— Türkischrothfärberei. 

Vorbereitung der Farben und Beizen. Vorbereitung des Zeu- 
ges vor dem Drucke. 

Klotz Druck für Mineralfarben. Dops'scher Druck fürTafel- 
und Dampffarben. Druck der Wolle, Seide und gemischten Gewebe. 
Druck der wollenen Stoffe. Druck der Gewebe aus Wolle und 
Baumwolle. Druck der Seidenstoffe. Statistik des Zeugdrucks. 

Kritik und Theorie der Proeesse. 

Die auf fast 500 Seiten gegebene Belehrung über Färberei ist 
eben so verständlich als präcis gehalten und mit vielen Illustratio- 
nen verdeutlicht, eine Arbeit von Kletzinsky. 



Literatur. 267 

Fette und Oele. Allgemeine Eigenschaften der Fette. Vor- 
kommen und Bildung im Pflanzen- und Thierreiche. Constitution 
der Fette. Nähere Bestandtheile. Säuren der Fettsäuregruppe. 

Palmitinsäure. Palmitin. Stearinsäure. Stearin. Olein. Leinöl- 
säure. Physetölsäure. 

Eintheilung und Classification der Fette. 

Ochseutalg, Hammeltalg. Ziegentalg, Butter, Schweineschmalz, 
Menschenfett, Knochenfett, Klauenöl, Cocosnussöl, Palmöl, Cacao- 
butter, Lorbeerfett, Pinientalg, Muscatbutter, Muscattalg, Japani- 
sches Wachs. 

Nicht-Glyceride. Bienenwachs. Chinesisches oder vegetabili- 
sches Wachs. Wallrath. 

Flüchtige Fette oder Oele. Darstellung aus Samen. Allge- 
meine Eigenschaften der Oele. 

Glyceride der Oelsäure. Olivenöl. Baumöl. Verfälschungen. 

Mandelöl. Verfälschungen mit Olivenöl und Schmalzöl. 

Eüböl. Von der Darstellung mittelst Schwefelkohlenstoff ist 
nicht die Rede. 

Sesamöl. Beben- oder Benöl. Buchöl. Erdnussöl. Senföl (fet- 
tes). Baumwollensamenöl. Crotonöl. Eieröl. Leinöl. Wallnussöl. 
Mohnöl. Hanföl. Ricinusöl. Traubenkernöl. 

Fischöle oder Thrane. Walfischthran. Delphinthran. Hai- 
fischthran. Leberthran. Spermacetiöl. 

Verfälschungen der Oele. — Firnisse. Verschiedene 
Arten. Bereitung. — Arbeit von St oh mann. 

Galvanoplastik. Diese sehr interessante Kunst ist eine 
Erfindung der neuesten Zeit und wesentlich Jacobi zuzuschreiben, 
der sie in Petersburg zuerst und zwar in grossem Maassstabe zur 
Anwendung brachte. Elkington in Birmingham, Ruolz in Paris 
vervollkommneten das Verfahren. De la Rive in Genf führte 
zuerst die Versilberung und Vergoldung praktisch aus, nachdem 
allerdings schon Brugnatelli vor mehr als 60 Jahren darauf hin- 
gewiesen hatte. Ein Engländer Spencer nimmt mit Jacobi die 
Priorität der Erfindung in Anspruch. Jacobi aber hat zuerst die 
praktische Anwendung gemacht. 

Dieser auf 72 gespaltenen Seiten von Stohmann ausgeführte 
Artikel ist mit zahlreichen Abbildungen erläutert und enthält das 
Wichtigste des Verfahrens auf sehr fassliche Weise dargestellt. 

Gerberei. Eine kurze geschichtliche Notiz leitet die Abhand- 
lung ein, woraus wir gesehen, dass die Juden und andern Völker 
des Alterthums die Herstellung des Leders kannten und sich des- 
selben bedienten, indess keines derselben genauere Beschreibung 
über das Verfahren gegeben hat. 

Mit diesem Artikel schliesst das zuletzt uns zugekommene 19te 
Heft des zweiten Bandes. 

Beim Vergleiche mit der ersten Auflage des so sehr prakti- 
schen, nützlichen Werkes ergiebt sich die zahlreiche Vermehrung 
und Bereicherung der Beschreibungen. 

Das Werk gereicht seinem Verfasser Muspratt zur höchsten 
Ehre und wir haben dem Bearbeiter in deutscher Sprache Dr. Stoh- 
mann die gründliche Umarbeitung und Verbreitung in Deutsch- 
land zu danken. Dasselbe hat sich bereits seit den wenigen Jah- 
ren seines Erscheinens eine weite Bahn gebrochen, welche bei der 
grossen Brauchbarkeit sich immer mehr erweitern wird. 

Papier. Druck und Abbildungen gereichen der Verlagshand- 
lung zum gerechten Ruhme. Dr. L. F. Bley. 



268 Literatur. 

Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preus- 
sischen Rhcinlande und Westphalens. Herausgegeben 
von Dr. C. J. Andrä, Secretair des Vereins. 23ster 
Jahrgang. 3te Folge. 3ter Jahrgang. Mit Abhand- 
lungen, Correspondenzblatt 2 und Sitzungsbericht. 
2te Hälfte von 1866. Bonn, in Commission bei Max 
Cohn & Sohn. 1866. 

Einige kurze Mittheilungen. 
Pag. 156. Hr. Dr. Hugo Laspeyres in Berlin über das Vor- 
kommen des Cäsiums und Rubidiums in einem plutonischen Silicat- 
gestein der preussischen Kheinprovinz. Die folgenden Mittheilun- 

fen schliessen sich den vorjährigen Verhandlungen (Band XXII. 
eite 35 — 48 aus dem Sitzungsberichte der niederrheinischen Ge- 
sellschaft in Bonn vom 2. März 1865) an, ergänzen und beantwor- 
ten die früher angeregten Fragen, so weit der Verf. zu Resultaten 
gelangt ist. 

Pag. 171. Hr. wirkl. Geh. Rath Dr. v. Dechen: Notizen über 
die geologische Uebersichtskarte der Rheinprovinz und der Provinz 
Westphalen. Der Hr. Verf. bemerkt, dass die vorliegende Karte 
im Maassstabe von VsoO'OOO der wahren Grösse (1 preuss. Meile = 
0,576 Zoll oder 6,912 Linien) eine wünschenswerthe Ergänzung er- 
halten hat, so erscheint es demselben an der Zeit zu sein, über 
Umfang, Zweck, Inhalt und Ausführung dieses Kartenwerks eine 
kurze Erläuterung zu veröffentlichen. Diese ausführliche und lehr- 
reiche, 3 Bogen starke Abhandlung über diese schöne geologische 
Karte ist nach unserer Ansicht nicht in einzelnen Bruchstücken 
fasslich wiederzugeben und der Raum des Archivs ist zu beschränkt, 
um die Sache in grösserem Umfange vorzutragen. Es kann des- 
wegen auch nur eine Andeutung der Karte gegeben werden, um 
Denjenigen, die sich für die Sache interessiren, die Herausgabe 
derselben anzuzeigen. 

Correspondenzblatt No. 2. Pag. 41. Bericht über die XXIII. 
General-Versammlung des naturhistorischen Vereins. Nachdem die 
geschäftlichen Angelegenheiten des Vereins abgehandelt waren, wur- 
den die Verhandlungen aufgenommen. 

Pag. 44. Hr. Dr. Wirtgen berichtet über eine neue Pflanzen- 
form aus der Gattung Plantago L. und legte eine grosse Zahl von 
Exemplaren in den mannigfaltigsten Abänderungen vor, welche von 
Hrn. Pharmaceut Winter aus den salzführenden Wiesen von 
Emmersweiler unweit Saarbrücken gesammelt und eingesendet wor- 
den waren. Durch das reichliche Material konnte der Vortragende 
genauere Untersuchungen anstellen; er fand darunter eine der PZcm- 
tago major ähnliche Pflanze, die sich aber in vielen Merkmalen 
von dieser unterscheidet: „sie hat eine stärkere Behaarung, 
die Blätter sind 3 — 5nervig, oft länglich oder lanzett- 
lich und allmälig in einen flachen Blattstiel verschmä- 
lert, das Deckblatt unter der Blüthe ist breit rauten- 
förmig, fast so lang als der Kelch und bis auf einen 
schmalen Streifen am Rande ganz grün etc." Er wagt es 
einstweilen nur die Pflanze als Var. salina zu bezeichnen, zweifelt 
aber nicht, dass die Pflanze sich durch den Samen constant fort- 
pflanzen wird und in diesem Falle nennt Wirtgen dieselbe Plan- 
tago Winteri. 



J 



Literatur. 269 

^^r. Dr. Andrä Dahm Veranlassung, an die oft gemachte Wahr- 
nehmung zu erinnern, dass Pflanzen, deren eigenthümlicher Stand- 
ort nicht Salzboden sei, sehr häufig, wenn sie auf diesen gerathen, 
im Habitus bedeutende Abweichungen zeigen und führt als Beleg 
Taraxacum officinale Wiggers an. Wenn es ferner auch dankens- 
werth sei, auf solche Formen die Aufmerksamkeit zu lenken, so 
ermahnen doch gerade dergleichen offenbar vom Boden abhängige 
Formen zur grossen Vorsicht in Aufstellung von neuen Arten, zu- 
mal aus der von dem Herrn Vorredner erwähnten Gattung Plan- 
tago, welche schon einen charakteristischen Salzbodenbewohner in 
PI. maritima besitze. 

Pag. 45. Hr. Prof. vom Rath machte aus einer grössern Arbeit, 
welche für die Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft be- 
stimmt ist: „Geologisch-mineralogische Fragmente aus Italien", einige 
Mittheilungen, besonders über die albanischen Gebirge bei Rom. 

Pag. 46. Hr. Dr. Marquart legte der Versammlung eine grosse 
Reihe Stufen von grönländischem Kryolitb mit verschiedenen Ein- 
schlüssen vor. Dann zeigte Dr. Marquart Indium- Oxydhydrat 
und Schwefel-Indium in nicht unbedeutender Menge vor, welches 
in seiner chemischen Fabrik aus sächsischem Zinkmetall gewon- 
nen war. 

Pag. 46. Hr. Prof. Schaff hausen macht der Versammlung 
Mittheilung über zahlreiche Säugethierreste westphälischer Höhlen 
in der Gegend von Balve und hielt darüber einen eingehenden 
Vortrag. 

Pag. 58. Hr. wirkl. Geh. Rath v. Dechen knüpfte hieran die 
Notiz eines californischen Blattes, zufolge welcher in einer bedeu- 
tenden Tiefe, wahrscheinlich tertiärer Ablagerungen des Goldlan- 
des, ein Menschenschädel gefunden worden sei. 

Pag. 58. Hr. Dr. Andrä theilt den Inhalt eines Schreibens 
des Hrn. Dr. v. Konen in Berlin „Ueber das Alter der Tertiär- 
schichten bei Bünde in Westphalen" mit. 

Pag. 60. Hl-. Med.-Rath Dr. Mohr sprach seine Ansichten über 
die Thalbildung, gestützt auf die Beobachtungen während einer 
Reise durch die Schweiz, in einem eingehenden Vortrage aus. 

Pag. 66. Hr. Dr. v. d. Marck bemerkte im Anschlüsse an den 
Vortrag des Hrn. Prof. Seh äff hausen Folgendes: Seit einer 
Reihe von Jahren hatte ich mich bemüht, Producte menschlichen 
Kunstfleisses, welche der frühesten Periode angehören, unter den 
Einschlüssen der erwähnten Knochenhöhle von Balve aufzufinden, 
allein bis in die neueste Zeit vergebens. In den höheren Lagen 
des Höhlenlettens waren allerdings vor einigen Jahren unter an- 
deren auch eine Anzahl Münzen, wenn er nicht irrt aus dem Uten 
Jahrhundert, aufgefunden worden, welche Hr. Siebertz in Arens- 
berg ankaufte und wovon nur 1 Exemplar in Balve blieb. Der 
Redner besuchte 1866 im Sommer die Höhle nochmals und fand 
zu seiner Freude Steinwerkzeug der rohesten Bearbeitung und 
Bruchstücke sehr alter irdener Gefässe, welche denen in der west- 
phälischen Ebene als Theile von Urnen etc. nicht selten vorkom- 
menden Geschirren ähnlich waren. Die meissel- oder beilartigen 
Steinwerkzeuge waren denjenigen, welche im Sommethale bei Amiens 
aufgefunden, sshr ähnlich und bestanden nach der Analyse des 
Redners aus einem kieselsäurereichen Kieselschiefer: 89,01 Kiesel- 
säure, l,15Thonerde, 4,25 kohlensaurer Kalkerde, 0,35 kohlensaurer 
Bittererde, 3,00 kohlensaurem Eisenoxydul und 2,04 Kohlenstoff in 
100 Theilen. 



270 Literatur. 

Sitzungsbericht der niederländischen Gesellschaft für Natur- und 
Heilkunde in Bonn, als Folge der ersten Hälfte von 1866. 

Pag. 33. Hr. Prof. Schulze sprach über die Anatomie und 
Physiologie der Retina, indem er die Resultate seiner neueren Unter- 
suchungen zusammenstellte. 

Pag. 34. Hr. Med.-Kath Dr. Mohr theilte mit, dass er in dem 
Steinkohlenruss Brom entdeckt habe. Ferner trug derselbe Redner 
vor, dass es ihm gelungen sei, ein sicheres Verfahren zur Bestim- 
mung des Magneteisens in Melaphyren, Basalten etc. zu ermitteln. 
Wenn man feingepulvertes Magneteisen mit Salzsäure und Jod- 
kalium in einem verschlossenen Glase stehen lasst, so scheidet sich 
eine dem Gehalt an Eisenoxyd entsprechende Menge Jod aus. 
Diese kann dann leicht mit unterschwefligsaurem Natron nach der 
Methode gemessen werden, welche der Vortragende schon früher 
angegeben hat: indem nun so einmal 0,2 Grm., dann 0,4 Grm. 
Magneteisen behandelt wurden, so mussten nachher zur Austitri- 
rung des Jods 1) 17,3, 2) 34,4 CG. Zehntel unterschwefligsaures 
Natron verwendet werden. Diese Mengen ergaben, wenn man das 
Atomgewicht des Magneteisens zu 116 nach der Formel Fe^Q* an- 
nimmt, 1) 0,2Ü0G8 Grm., 2) 0,39904 Grm. Magneteisen, also immer 
bis zum letzten Milligramm genau. Ob aber überhaupt Magnet- 
eisen vorhanden ist, erkennt man an der Wirkung des Steines auf 
astatische Magnetnadeln oder an der Entfärbung des Gesteins in 
verdünnter Salzsäure. 

Pag. 39. Hr. Prof. Troschel berichtete über eine Sammlung 
von Fischen, welche Hr. Dr. S tu bei in Dresden an den Cap Ver- 
dischen Inseln gesammelt und dem Vortragenden zur wissenschaft- 
lichen Untersuchung übergeben hat. 

Pag. 40. Hr. Geh. Bergrath Burkart überreicht den Abdruck 
einer Abhandlung des Hrn. Prof. del Castillo in Mexiko über 
ein neues, vom demselben beschriebenes Insekt, welches er zu dem 
Genus Fulgora und zu dem Subgenus Lystra Laireille zieht und 
glaubt dasselbe als Lystra cerifera mexicana bezeichnen zu müssen, 
wenn es noch nicht von einem früheren Autor benannt worden ist. 

Pag. 44. Hr. Dr. Wüllner sprach über die Spectra des glü- 
henden Wasserstoffgases und berichtet über das Ergebniss seiner 
Untersuchungen. 

Pag. 48. Hr. Prof. Bergemann theilte die Resultate einiger 
Versuche mit, welche von ihm mit dem Russ von Steinkohlen aus 
der Ruhi-gegend angestellt worden sind, um einzelne Bestandtheile 
derselben zu ermitteln. Diese Versuche bezogen sich auf die An- 
gaben, welche Hr. Med.-Rath Dr. Mohr in der letzten Sitzung über 
seine Entdeckung der Broms in dem Steinkohlenruss gegeben hat 
und bemerkte unter Anderem, dass schon Bussy in manchen Koh- 
lensorten Brom und Jod in geringer Menge entdeckt habe, aber ein 
solches Vorkommen sei nicht allgemein und nicht als etwas Cha- 
rakteristisches zu betrachten etc. 

Pag. 49. Hr. Pi-of. Schulze hielt einen eingehenden Vortrag 
über den gelben Fleck der Retina, seinen Einfluss auf normales 
Sehen und auf die Farbenblindheit etc. 

Pag. 64. Hr. Prof. Argelander berichtete über den neuen 
Stern im Sternbilde der Krone, der sich am 12. Mai plötzlich ver- 
schiedenen Beobachtern als zweiter Grösse gezeigt hat. 

Hr. Med.-Rath Mohr berichtet über eine Verbesserung des 
dialytischen Apparats zur Trennung von krystallinischen und leim- 



Berichtigungen. 



271 



artigen Stoffen. Er bedient sich dafür eines spitzen, sternförmig 
gefalt.nen Filters von Pergamentpapier, welches aufrecht in ein 
Glas gestellt wird. Es bietet diese Form die grösste Menge wirk- 
samer Fläche bei kleinstem Inhalt. Schon nach 6 Stunden konnte 
er aus dem Dialysat von Opium Morphium fällen und aus einer 
stark mit Succ. liquirlt. versetzten Arseniklösung wurde die arse- 
nige Säure mit Schwefel wasserstofFgas gelb gefällt. 

Pag. 65. Hr. Prof. Landolt theilt die Resultate einiger Ver- 
suche über das Verhalten des Alkohols und Aethers bei längerem 
Erwärmen mit. 

Pag. 66. Hr. Dr. WüUner hielt einen Vortrag anschliessend 
an Prof. Landolt über die Spannkraft der Dämpfe einiger orga- 
nischen Flüssigkeiten, welcher einiges Licht auf die Beobach- 
tungen Regnault's über die Spannung des Aetherdampfes zu 
werfen geeignet ist. Es erscheint in Uebereinstimmung mit Lan- 
dolt nicht erforderlich zu sein, eine Molecularänderung des Aethers 
anzunehmen, um die Beobachtung Regnault's zu erklären etc. 

Dr. Löhr. 



Druckfehler- Berichtigungen. 

Im ISOsten Bande des 3ten Heftes des Archivs muss es heissen: 



Seite 266 


Kreis Crefeld: Süchteln 


anstatt Stüchteln 


rt 


269 


JJ 


Ruhr : Langendreer 


JJ 


Langenreer 


jy 


270 


JJ 


Herford : Röttscher 


JJ 


Böttscher 


>J 


271 


n 


Minden: Schaupensteiner 


» 


Schaupensteiner 


Jj 


275 


JJ 


Lüneburg: Leddin 


JJ 


Zeddin 


JJ 


276 


JJ 


Ostfriesland : Bünde 


JJ 


Bouda 


J7 


277 


?j 


Braunschweig : Lehrte 


JJ 


Lehre 




279 


JJ 


Schwerin : Schiemann 


JJ 


Schumann 


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279 


n 


Bernburg : Plötzkau 


JJ 


Rötzkau 


jy 


279 


JJ 


„ Kroner 


JJ 


Körner 


7) 


283 


JJ 


Hersfeld: Literfeld 


JJ 


Eiterfeld 


JJ 


285 


JJ 


Eisenach: Simon 


JJ 


Simen 


JJ 


291 


JJ 


Königsberg: Lämmerhirt 


JJ 


Lammerhirt 


JJ 


294 


JJ 


Halberstadt : Kabisch 


JJ 


Kabich 


JJ 


294 


JJ 


„ Denstorff 


JJ 


Dendorf 


JJ 


296 


JJ 


Danzig: Riebensahm 


JJ 


Rilbensahm 


JJ 


297 


JJ 


Posen : Kosten 


JJ 


Körten 


JJ 


299 


JJ 


Görlitz: Knobloch 


JJ 


Knoche 


JJ 


303 


JJ 


Schleswig: Leck 


JJ 


Leik 


JJ 


303 


JJ 


Padel 


JJ 


Podel 


JJ 


303 


JJ 


„ Hansen 


JJ 


Hausen 


JJ 


318 


JJ 


Crefeld: Kossta 


jf 


Kortka 


» 


318 


n 


Elberfeld : Ditgens 


JJ 


Dilgener 


JJ 


318 


JJ 


Bernburg: Kroner 


JJ 


Körner 


JJ 


318 


JJ 


Keil 


JJ 


Keit 


JJ 


318 


JJ 


„ Bockshammer 


JJ 


Borkhammer 


T> 


318 


JJ 


Cassel : Melsungen 


JJ 


Malchow 


n 


318 


n 


Hersfeld : Homberg 


JJ 


Horneburg 


JJ 


318 


n 


Halberstadt: Kroppenstedt 


JJ 


Creppenstedt 


JJ 


318 


JJ 


„ Kabisch 


JJ 


Kabich 


» 


319 


JJ 


Lausitz 


» 


Kreis Lauritz 



272 



Berichtigungen. 



Seite 319 Kreis 


i Arnswaldc: Fiebelkorn 


anstatt Jubelkorn 


jj 


319 


n 


Berlin : Kortum 


JJ 


Kortiumt 


n 


319 




Posen : Kosten 


JJ 


Körten 


n 


319 


n 


Görlitz : Berghau 


n 


Berghan 


jj 


319 


n 


Reichenbacii : Koslcnblut 


JJ 


Kostenthal 


ft 


319 


n 


Schleswig: Streckenbach 


JJ 


Strackenbach 




319 


rt 


Padel 


JJ 


Badel 




325 


n 


St. Wendel: Roth 


jt 


Rath 


n 


326 


n 


Ruhr: Redeker 


JJ 


Rediker 


yj 


326 


r) 


Ruhr: Schulze-Berge 


JJ 


Schulze-Benge 


J7 


326 


n 


„ Schmathe 


JJ 


Letmathe 


JJ 


326 


n 


„ Langendreer 


» 


Langenreer 


n 


328 


rt 


Ostfriesland : Bünde 


JJ 


Bunde 


7j 


330 


yt 


Rostock: Bulle 


JJ 


BüUe 


Yj 


334 


yf 


Saalfeld: GöUner 


JJ 


Gollner 


yj 


336 


y) 


Leipzig: Rothe 


JJ 


Ruthe 


rt 


337 


n 


Königsberg: Soldin 


JJ 


Seidin 


JJ 


340 


n 


Angerburg: Benkheim 


JJ 


Berkheim 


^ 


341 


jt 


Breslau : David 


JJ 


Davids 


j) 


342 


JJ 


Altona: Coun 


JJ 


Flonn 


w 


348 


JJ 


Herford : Krönig 


n 


Kröning. 



Hofbucbdrockerei der Gkbr. JSnecke bu Hannover. 



DER 



PHARMA€IE. 

Eine Zeilschrift 

des 

allgemeinen deutschen Apotheker- Vereins. 

Jlhtljnlung Inrlikntsrlilnnli. 



Herausgegeben 

von 

li. Bley and H. liud^^lg. 



XTII. tTalirgaiig. 



HANNOVER. 

Im Verlage der Hahn'schen Hofbuchhandlimg. 

186 7. 



DER 



PHARMACIE. 



Zweite Reihe. CXXXII. Band. 
Der ganzen Folge CLXXXII. Band. 



Unter Mitwirkung der Herren 

Bender, Berlandt, Dragendorff, Erdmann., Landerer, Löhr, Petz- 

holdt, Philipp., Ramdolir, Eammelsberg, Reicliardt, Schacht, Schaeh- 

trupp, Weinhold 

herausgegeben 

von 

li« Bley und U. litidwi^. 



AscIioflTselies Tereiiisjalir. 



HANNOVER. 
Im Verlage der Hahn'schen Hofbuchhandlung. 



186 7. 



Inhaltsanzeige. 



Erstes und zweites Heft. 



I. Physik, Chemie, Pflanzenphysiologie und 

praktische Pharmacie. Seite 

Ueber die Anwendung des Amylalkohols zur Darstellung und 
quantitativen Bestimmung des Morphins, zur Darstellung 
des Strychnins, so wie zum Nachweise der Alkaloide bei 
gerichtlich - chemischen Analysen: von Ludwig Schach- 
t r u p p aus Lauenberg 1 

Ueber Kreosotgas: von L. Ramdohr, techn. Dirigent der 

Mineralöl- und Paraffin-Fabrik Georghütte bei Aschersleben 53 

Ueber die Rhodanverbindungen des Quecksilbers; von J. Phi- 
lipp 78 

Analyse der Glimmer von Utö und Easton und Bemerkungen 
über die Zusammensetzung der Kaliglimmer überhaupt ; 
von C. Rammeis berg in Berlin 82 

Zur Methode der Aschenanalyse; von Prof. Dr. E. Reichardt 
in Jena 88 

Blutendes Brod 100 

Ueber Desinfectionsmittel 102 

II. Naturgeschichte und Pharmakognosie. 

Pharmakologische Notizen; von Dr. X, Landerer in Athen 104 

Ueber Marrubium; von Demselben 105 

Notizen über den Maulbeerbaum: von Demselben 107 

Notizen über Höhlen in Griechenland; von Demselben 108 

Ueber ein eisenhaltiges Mineralwasser; von Demselben 109 

III. Monatsbericht. 

Dünnes Eisenblech S. 110. — Gusseisen 110. — Einfluss des 
Wolframs auf Gusseisen 110. — Nutzbarmachung der Weiss- 
blechschnitzel 111. — Methode zum Verkupfern des Guss- 
eisens 112. — Eine ungewöhnliche Entstehungsart von 
Eisenoxydoxydul 112. — Verfahren zur volumetrischen Be- 



VI Inhaltsanzeige. 

Seite 
Stimmung des Eisens 113. — Tellur 117. — Grosse Halt- 
barkeit einer sauren Lösung der arsenigen Säure 117. — 
Verhalten des Kupfers und Silbers zu den Auflösungen 
der arsenigen, selenigen und phosphorigen Saure 118. — 
Nachweisung von Antimon durch die Löthrohrprobe 119. 

— Krystallisirtes Antimonoxyd und dessen Verbindungen 
120. — Zinkfabrikation 121. — Natürliche Verbindung von 
Zinkoxyd, Ammoniumoxyd und Wasser 122. — Indium 122. 

— Vorkommen von Indium im sogen. Ofenrauch der Zink- 
Köstöfen auf Juliushütte bei Goslar a. H. 124. — Einfache 
Gewinnung des Thalliums 126. — Reactionen des Thal- 
liums 126. — Salze des sogen. Thalliumhyperoxyds 127. — 
Fluorthallium 128. — Thalliumglas 129. — Vergiftung durch 
einen Bleigehalt von Mühlsteinen 130. — Schlagloth für 
Hartlöthungen 131. — Chemische Untersuchung einer alten 
in Hindostan gefundenen Statue des Buddha 131. — Auf- 
findung von sehr kleinen Mengen Kupfer in thierischen 
Theilen 131. — Alfenide 132. — Bereitung von sogenann- 
tem cbromsauren Kupferoxyd 132. — Bereitungsweise einer 
schönen grünen Kupferfarbe 133. — Ein ergiebiges Quecksil- 
berlager 133. — Grosse Gaben von Argentum nitricum gegen 
Croup 134. — Verfälschung von Argentum nitricum fusum 135. 

— Vereinfachung des Bothe'schen Glasversilberungsverfah- 
rens 135 — Prüfung von Gold- und Silbermünzen auf ihre 
Aechtheit 136. — Wassergehalt des Goldoxydhydrates 136. — 
Platinplattirte Schalen für chemische Laboratorien 137. — 
Platinspiegel 138. — Bromverbindungen des Iridiums 138. 

— Botany-Bay- oder Grassbaum -Gummi, Gummi acroides 
140. — Fabrikation des Stärkezuckers 140. — Bildung des 
Stärkezuckers und Dextrins aus der Stärke 141. — Neue 
Reaction auf Traubenzucker 142. — Neues Unterscheidungs- 
mittel von Rohr- und Traubenzucker 143. — Zuckerver- 
brauch im Zollverein 143. — Rübenzuckerfabrikation im 
Zollvereine in der Periode 1850—1864 146. — Neues Ver- 
fahren der Saftgewinuung aus Runkelrüben 147. — Der 
condensirte Rübendampfsaft (Brüdenwasser) der Dünnsaft- 
apparate 148. — Fabrikation der Zuckercouleur 148. — 
Oxydationsproduct des Erythrits 149. — Trehala oder Tri- 
cala 150. — Umwandlung der inactiven Weinsäure in Trau- 
bensäure 150. — Bereitung der Citronensäure 151. — Ci- 
tronensäure, ein Mittel zur Linderung der Schmerzen bei 
Krebsgeschwüren 151. — Borcitronsaure Magnesia 152. — 
Darstellung der Aepfelsäure aus den Fruchtzapfen von 
Rhus coriaria und das verschiedene Verhalten der Gerb- 



Inhaltsanzeige. vn 

Seite 
säuren 153. — Geruch der käuflichen Gerbsäure 154. — 
Digitalin 156. — Helleborin und Helleborein 156. — Laser- 
pitin 158. — Untersuchung der Aloe succotrina 159. — 
Verhalten der Aloe zur Thierkohle 160. — Aloetinsäure 
161. — Chrysocjaminsäure 161. — Chloranil 162. — Unter- 
suchungen über die Entwickelungsgeschichte des FarbstoflFs 
in Pflanzenzellen 162. — Chlorophyll 164. — Farbstofife der 
Blätter 165. — Flechtenstofi'e 167. — Catechin 168. — Kino 
169. — Scoparin 169. — Ratanhin 169. — Anwendung der 
Ratanhia in der Färberei 171. — Nachweisung der Krapp- 
verfälschung 172. — Ueber eine dem Alizarin isomere Ver- 
bindung aus Naphthalin 172. — Morindon identisch mit 
Alizarin 173. — Behandlung des Opiums mit Terpenthin- 
öl 173. — Schweiuemilch 174. — Mikroskopische Unter- 
suchung der Blutflecken 174. — Chemische Beschaffenheit 
der Gehirusubstanz 175. — Pökeln des Fleisches 177. — 
Pökeln des Fleisches mit Zucker 178. — Conservirung von 
Rauchfleisch und Beseitigung bereits eingetretener Fäul- 
niss desselben 178. — Werth des Fleischextracts 179. — 
Fleischextract 180. — Einwirkung von salpetriger Säure auf 
Kreatinin 180. — Vorhandensein einer dem Chinin sehr 
ähnlichen fluorescirenden Substanz in dem thierischen Ge- 
webe 181. — Pancreatin 182. — Flüssiger Leim 182. — 
Xanthingehalt der Leber 182. — Xauthin im Harn 183. — 
Chloroform als Reactionsmittel auf zuckerhaltigen Harn 
184. — Verdeckung des unangenehmen Geruchs der Schwe- 
felkaliumpräparate 184. 

IV. Literatur und Kritik , 185 

Bibliographischer Anzeiger 189 



Drittes Heft. 



I. Biographisches Denkmal. 
Nekrolog des Dr. F r i e d r i ch M e u r e r 193 

II. Physik, Chemie, Pflanzenphysiologie und 
praktische Pharmacie. 

üeber Chloroform; von Dr. C. Schacht, Apotheker in Berlin 213 
Zur Milchprüfung ; von Dr. Julius Erdmann 220 



VIII Inhaltsanzeige. 

Seite 

Uutersuchungen aus dem pharmaceutischen Institute in Dorpat. 
Mitgetheilt von Professor Dr. Dragendorff. Beiträge zur 
Kenntniss des Cantharidius 233 

Ueber die Verunreinigungen der Arzneimittel; von Dr. Her- 
mann Ludwig, a. Professor in Jena 259 

Ueber die Mineralquellen zu Heppingen, Landskron und Apol- 
linarisbrunn im Abrtbal; von K. Bender in Coblenz . . . . 278 

III. Naturgeschichte und Pharmakognosie. 

Nachweisung des Mutterkorns im Koggen- und gemischten 

Weizenmehle; von L. Berlandt, Apotheker in Bukarest 282 
Zur Kenntniss der giftigen Wirkung des Khus toxicodendron 283 

IV. Literatur und Kritik 285 

Register über Bd. 129, 130, 131 und 132 der zweiten 

Reihe des Archivs 289 



!-ati 



ARCHIV DERJHARIIAOE. 

CLXXXII. Bfindes erstes und zweites Heft. 

I. Physik, Chemie, Pflaiizeiiiihysio- 
log^le luid praktische Phariiiacie. 

Ueber die Anwendung des Amylalkohols 

zur Darsiellung und quantifaliven Beslimmung des 
Morphins, zur Daistellimg des Slrychnins, so wie 
zum Nachweise der Alkaloide bei gerichlHch- 
chemischen Analysen; 

von 

L II (1 w i g S ch a ch t r u p p 

aus Lauenberg. 



ochon vor mehren Jahren wurde das Fuselöl von 
L. V. Uslar und J. Erdmann dazu angewandt, die 
Alkaloide Morphin, Narcotin, Strychnin, Nicotin und Coniin 
bei gerichtlich -chemischen Untersuchungen aufzufinden. 

Die Methode erwarb sich bald die Anerkennung der 
Fachmänner, weil sie sich bei der praktischen Anwendung 
nicht allein durch Einfachheit in der Ausführung aus- 
zeichnet, sondern auch mit grosser Sicherheit zum Ziele 
führt und selbst in der Hand des weniger geübten Arbeiters 
gute Resultate gibt. Die Verfasser erkannten damals 
schon, dass das Fuselöl durch die vielen Vorzüge, welche 
es vor dem gewöhnlichen Alkohole hat, vielleicht auch 
zur Darstellung der Alkaloide geeignet sein möchte und 
behielten es sich vor, später über diesen Gegenstand 
weitere Mittheilungen zu machen. 

Im Laufe der Zeit wurden auch im hiesigen Labora- 
torium vielfache Versuche in dieser Richtung ausgeführt; 
aber zu einem Abschlüsse konnte es nicht gebracht werden, 
weil die Verfasser durch vielseitige Berufsgeschäfte ausser 
Stande waren, sich eingehender mit diesem Gegenstande 
zu beschäftigen. Als mich deshalb Herr Professor v. Uslar 
Arch. d. Pharm. CLXXXII. Bds. l.u. 2. Hft. 1 



2 L. Schachtriipp, Anwendung des Amylalkohols 

aufforderte,, die Anwendung des Fuselöls zur Darstellung 
von Morphin und Strychnin einer ausführlichen Unter- 
suchung zu unterwerfen, ergriff ich die Gelegenheit mit 
Freuden, weil die genannten Alkaloidc ein lebhaftes Inter- 
esse stets in Anspruch nehmen. 

Bei dieser Gelegenheit ist es mir ßedürfniss, meinem 
hochverehrten Lehrer, Herrn Professor v. Uslar, herzlich 
zu danken für die Unterstützung bei der vorliegenden 
Arbeit, so wie auch für die grosse Bereitwilligkeit, mit 
welcher er mir durch Rath und That bei alle meinen 
Arbeiten im hiesigen Laboratorium zur Seite stand. 



I, Morphin. 

Bei den grossen Fortschritten der organischen Chemie 
in den letzten Decennien ist auch die Zahl derjenigen 
Verbindungen, welche den allgemeinen Namen organische 
Basen führen, zu einer fast unübersehbaren Menge heran- 
gewachsen. 

Dieselben lassen sich ihrer Entstehung nach in zwei 
Gruppen bringen, deren eine diejenigen Basen umfasst, 
welche künstlich darstellbar sind und die bei weitem 
grösste Anzahl ausmachen, während die zweite Gruppe 
aus einer verhältnissmässig nur kleinen Reihe von Ver- 
bindungen besteht, die bislang allen Versuchen der künst- 
lichen Darstellung Trotz boten und ausschliesslich Producte 
des Pflanzenlebens sind. Diese letzteren führen den be- 
sonderen Namen Alkaloide. 

So grosses Interesse auch, vom theoretischen Stand- 
puncte aus betrachtet, die erste Classe von Verbindungen 
darbietet, so gering ist, mit Ausnahme des Anilins, bis 
jetzt ihr Werth für das praktische Leben; dagegen bilden 
die Alkaloide auch in dieser Beziehung einen Gegensatz 
zu jenen Basen, dass ihre Bedeutung in der angewandten 
Medicin eine sehr wichtige und vielseitige ist, während 
bislang ihre chemische Constitution noch so gut wie völlig 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 3 

unbekannt blieb, so mannigfaltige Forschungen auch in 
dieser Richtung unternommen werden mochten. 

Wir kennen jetzt die nahe Beziehung der künstlichen 
Basen zu Ammoniak und Ammoniumoxyd, wir sind, gestützt 
auf ihr chemisches Verhalten, zu der Annahme berechtigt, 
dass sie als Verbindungen betrachtet werden können, die 
sich von jenen Typen in der Weise ableiten lassen, dass 
der Wasserstoff ganz oder theilweise durch organische 
Radicale, d. h. durch Atomgruppen, die sich wie Elemente 
verhalten, vertreten werden kann ; aber die Bemühungen, 
diese theoretischen Anschauungen auf die Alkaloide zu über- 
tragen, auch sie in Radicale zu zerlegen, um so eine Ein- 
sicht in ihre Constitution zu erlangen, sind fehlgeschla- 
gen. Wohl ahnen wir, dass auch ihre Zusammensetzung 
in inniger Beziehung zu den Typen Ammoniak und Ammo- 
niumoxyd steht und in neuester Zeit hat diese Betrachtung 
sogar durch das Einschieben von Radicalen in die Zusam- 
mensetzung einzelner Alkaloide, also durch sogen, sub- 
stituirte Verbindungen, eine grössere Stütze erhalten; so 
lange wir indess nicht im Stande sind, sie selbst in Radicale 
zu zerlegen, ist unsere Anschauung über ihre Zusammen- 
setzung noch eine sehr mangelhafte, und eine künstliche 
Darstellung derselben unmöglich. 

Die Alkaloide sind, wie die organischen Basen über- 
haupt, durch einen entschieden ausgeprägten basischen 
Charakter ausgezeichnet, die meisten sättigen die stärksten 
Säuren so vollständig, wie die Alkalien Kali, Natron und 
x^mmoniak und bilden häufig sehr gut krystallisirende 
Salze. Alle Alkaloide sind stickstoffhaltig, und man ist 
zu der Annahme berechtigt, dass ihre Basicität von ihrem 
Stickstoffgehalte abhängig ist. Eine genauere Betrachtung 
ihrer chemischen Constitution führt zu der merkwürdigen, 
ebenfalls unerklärbaren Erscheinung, dass alle Alkaloide, 
welche aus den Elementen Kohlenstoff, Wasserstoff' und 
Stickstoff bestehen, flüchtig sind, während die grössere 
Zahl derselben, die ausser jenen Elementen noch Sauer- 
stoff' enthalten, zu den nicht flüchtigen gehören, so dass 
es scheinen könnte, als wären die verschiedenen Aggregat- 

1* 



4 L. Schachtrupp, Anioendung des Amylalkohols 

zustände durch das Vorhandensein oder Fehlen des Sauer- 
stoffs bedingt. 

Die flüchtigen Alkaloide, zu denen nur Nicotin, Coniin 
und Spartiin gehören, stehen wahrscheinlich in naher 
Beziehung zu dem Typus Ammoniak, die übrigen nicht 
flüchtigen glaubt man als Ammoniumbasen auffassen zu 
müssen. 

Fast säramtliche Alkaloide sind durch ihre energische 
Wirkimg auf den Thierkörper im hohen Grade ausgezeich- 
net; die meisten gehören deshalb nicht allein zu den 
wichtigsten Arzneimitteln, sondern auch zu den furcht- 
barsten Giften. Die Wichtigkeit sehr vieler officineller 
Pflanzen wird durch die in denselben enthaltenen Alkaloide 
allein bedingt, ja man glaubte lange Zeit, dass die Wir- 
kung sämmtlicher Arzneipflanzen allein von dem Gehalte 
an jenen Basen abhängig sein müsse, also in jedem offi- 
cinellen Gewächse ein Alkaloid zu suchen sei. Diese 
Annahme hat längst aufgegeben werden müssen, der Eifer, 
mit welchem das Auftreten und die Eigenschaften dieser 
interessanten Classe von organischen Verbindungen ver- 
folgt wurde, hatte zu einer unhaltbaren Theorie geführt; 
auch den übrigen in Pflanzen erzeugten Producten, wie 
den Bitterstoffen, Harzen, ätherischen Oelen etc., muss 
ein grosser Antheil an der medicinischen Wirksamkeit 
zugeschrieben werden. 

Unter allen den Producten, welche das Pflanzenleben 
dem Arzneischatze geschenkt hat, hat keines so grosse 
Wichtigkeit erlangt, als das Opium. Seitdem die Medicin 
dies unschätzbare Arzneimittel in seinem ganzen Umfange 
hat kennen lernen, ist eine völlige Umwälzung durch das- 
selbe namentlich in der Therapie herbeigeführt, so dass 
Hufeland mit Recht einst sagen konnte: ^ Die Geschichte 
des Opiums ist die Geschichte der Medicin selbst." Mit 
einem des Gegenstandes würdigen Eifer sind daher schon 
seit dem Bekanntwerden des Opiums vorzugsweise die 
Pharraaceuten bemüht gewesen, unsere Kenntnisse über 
die Gewinnung und die Bestandtheile desselben immer 
mehr zu erweitern, wobei bis auf den heutigen Tag die 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 5 

Literatur dieses Gegenstandes zu einem bedeutenden Um- 
fange herangewachsen ist. 

Das Opium wird aus den unreifen Samenkapseln 
des Mohnes, Papaver somniferum L., gewonnen. Man 
beschäftigt sich mit der Bereitung desselben fast aus- 
schliesslich in den orientalischen Ländern, weil das Klima 
hier der vollständigen und üppigen Entwickelung der 
Mohupfianze besonders günstig ist. Indess sind auch in 
Europa und selbst in Deutschland Productions- Versuche 
gemacht worden, deren Resultate in so fern befriedigend 
waren, als dabei ein Opium von oft sehr guter Beschaffen- 
heit erhalten wurde, welches der besten türkischen Waare 
gleich kam; aber die Beschäftigung ist eine so mühsame, 
und der Ertrag im Verhältniss zur Arbeit ein so geringer, 
dass der pecuniäre Nachtheil die grössere Ausdehnung 
dieses Industriezweiges unmöglich machte. Hervorzu- 
heben ist hier allerdings, dass in Frankreich die Opium- 
gewinnung mit jedem Jahre grösser wird; im Jahre 1857 
betrug der nur im Departement der Somme erzielte Opium- 
werth 1 Mill. 900,000 Francs. Es bleiben trotz alle dem 
Kleinasien, Arabien, Aegypten, Persien, Ostindien und 
in neuerer Zeit auch China und Algerien die Haupt- 
bezugsquellen für das Opium. 

Die Gewinnung desselben wird in den verschiedenen 
Ländern nach gleichen Principien ausgeführt, indem man 
den Milchsaft der halbreifen Samenkapseln durch Ein- 
schnitte zum Ausfliessen bringt, ihn dann nach dem Ein- 
trocknen an den Mohnköpfen sammelt und zusammenknetet. 
Die Art und Weise, wie diese Arbeit der Opiumbereitung 
nach Gewohnheit und althergebrachter Sitte von den 
einzelnen Völkern vorgenommen wird, ist in den einzel- 
nen Ländern verschieden. 

In Kleinasien pflegt man im Allgemeinen so zu ver- 
fahren, dass man des Abends die halbreifen Samenkapseln 
mit eigends zu diesem Zwecke hei'gerichteten Instrumen- 
ten einschneidet, indess mit der Vorsicht, dass die Ein- 
schnitte die Wand der Kapseln nicht durchbrechen, damit 



6 L. Schachtrupp, Amvendung des Amylalkohols 

der aus der verwundeten Stelle hervorquellende Milchsaft 
aussen an der Kapsel erhärtet, nicht aber in das Innere 
derselben fliesst und dadurch verloren geht. Am anderen 
Morgen wird der in der Form grösserer oder kleinerer 
Tropfen an den einzelnen Mohnkapseln festgetrocknete 
Saft mittelst eines Messers abgeschabt, durch Zusaromen- 
kneten innig gemischt, in Kuchen geformt und getrocknet. 

Das Einsammeln geschieht nicht immer mit gleicher 
Sorgfalt, und eben so wenig wird die weitere Verarbeitung 
des Eingesammelten stets in derselben Weise, mit dem- 
selben Fleisse und der nöthigen Aufmerksamkeit bewerk- 
stelligt, sondern in den verschiedenen Ländern und Di- 
stricten Kleinasiens machen Sitten, Gewohnheiten und 
Gewinnsucht grossen Einfluss auf diesen wichtigen Industrie- 
zweig geltend. Bei dem Abschaben des mehr oder weniger 
erhärteten Saftes werden nicht unerhebliche Mengen von 
Epidermis der Kapseln absichtlich zwischen das Opium 
gebracht, in anderen Gegenden wird das wahre Opium 
stets auf die Weise verfäscht, dass man nach dessen Ein- 
sammlung die Mohnpflanzen abmäht, auspresst, auskocht 
und diese Abkochung zur Extractconsistenz eindampft, 
um das echte Product mehr oder weniger zu verfälschen 
und dadurch Opiumsorten von verschiedenem Werthe zu 
erzeugen. Nach Landerer's Berichten sollen auf diese 
Weise die vielen Handelssorten des türkischen Opiums 
entstehen. 

Nur dieses Opium kommt zu uns in den Handel und 
wird von den meisten Pharmakopoen als die officinelle 
Drogue verlangt. Man unterscheidet zwei verschiedene 
Sorten, das Constantinopolitanische und Smyrnaische 
Opium, die man früher glaubte zusammenfassen zu müssen, 
in letzterer Zeit indess mit Recht pharmakognostisch ge- 
trennt hat. Das erstere bildet völlig gleichmässige, homo- 
gene, auf dem Bruche glänzende Stücke von 1/3 — 2^/2 Pfd. 
Gewicht, das letztere stellt braune, an einzelnen Stellen 
stärker oder schwächer gelb gefärbte, gleichsam gefleckte 
Kuchen von 1 1/2 — 2 Pfd. Gewicht dar, zeigt, worauf 



zw Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 7 

Merk zuerst aufmerksam maclite, samenähnliche Thränen 
und ist stets mehr oder weniger von Epidermis und ein- 
zelnen Theilen der Mohnkapseln verunreinigt. Das Con- 
stantinopolitanisehe Opium wird für das beste türkische 
Opium gehalten, und einzelne Sorten desselben sind durch 
einen sehr hohen Procentgehalt an Morphin (15 — 16 Proc.) 
ausgezeichnet. Da dasselbe indess nur in geringer Menge 
iTnd nicht regelmässig in den Handel kommt, also nicht 
gleichmässig in den Apotheken vorräthig sein kann, so 
darf es nicht dispensirt werden, sondern die Pharmakopoen 
verlangen das sogen. Smyrnaische Opium, welches stets 
in genügender Menge importirt wird. 

In Ostindien weicht die Art der Zubereitung des 
Opiums in mancher Beziehung von der in der asiatischen 
Türkei beschriebenen ab. Wir haben in neuester Zeit die 
ausführlichsten Berichte, in welcher Weise die Opium- 
ernte und die weitere Verarbeitung desselben in diesem 
Lande vorgenommen wird. Für Ostindien ist dieser Han- 
delszweig eine Quelle reichen Gewinnes, weil dieses Land 
die bei weitem grösste Menge dieser Drogue liefert. Für 
uns hat indess dieses ostindische Opium um so weniger 
Interesse, weil es gar nicht oder doch nur als Seltenheit 
in unsern Handel kommt, mit Ausnahme einer einzigen 
Sorte, des sogen. Patna-Opiums, an Güte noch weit hinter 
der schlechtesten Smyrnaischen Waare zurücksteht, so dass 
es mehr einem getrockneten Extracte als wirklichem 
Opium ähnlich sieht. Dagegen consumirt China fast 
sämmtliches hier gewonnenes Opium, während in Ost- 
indien selbst nur *ein geringer Theil verbraucht wird. 
Dadurch dass die Chinesen, überhaupt die morgenländi- 
schen Völker, dem Geist und Körper zerrüttenden Genüsse 
des Opiums fröhnen, ist die Cultur desselben in Ostindien 
zu einer ernormen Höhe gestiegen, hervorgerufen durch 
das immer grössere Verlangen nach diesem Berauschungs- 
und Genussmittel. So betrug beispielsweise im Jahre 1844 
die Einfuhr in China 40,000 — 50,000 Kisten zu einem 
Werthe von pr. pr. 144 — 180 Mill. Francs, und jährlich 



8 L. Schachtntpp, Amoendung des Amylalkohols 

hat die Consumtion in einer Schrecken erregenden Weise 
zugenommen. 

Wie leicht aus diesen kurzen Betrachtungen zu ersehen 
ist, wird nur ein kleiner Theil des gesanimten Opiums 
zu medicinischen Zwecken verwendet. Es geht ferner aus 
dem früher Angeführten hervor, dass alles nach Europa 
gebrachte Opium mehr oder weniger verfälscht wird, 
dass diese Drogue, weil sehr oft ihr Verbrauch den Ertrag 
übersteigt, von jeher aus Gewinnsucht die Zielscheibe 
der gröbsten Betrügereien gewesen ist. Die pharmaceu- 
tische Literatur ist reich an Berichten über zahlreiche 
Verfälschungen und täuschend ähnliche in den Handel 
gebrachte Kunstproducte des Opiums. Harze aller Art, 
Thee, Gummi, Mehl, Salep, Zucker, Lakritzensaft, Stärke, 
extrahirtes Opium u.s. w. sind in betrügerischer Absicht bei- 
gemischt oder es ist sogar aus ihnen Opium künstlich 
fabricirt worden. 

Bei einem so wichtigen Arzneimittel wie das Opium, 
■war es deshalb dringendes Bedürfniss, Mittel zu finden, 
durch welche man sich von der Güte des fraglichen Prä- 
parates überzeugen konnte. Als man daher das Opium 
zum Gegenstande ausführlicher chemischer Untersuchungen 
machte, wurde dasselbe zu einer wahren Fundgrube der 
interessantesten Stoffe, die sich noch bis in die jüngste 
Zeit vermehrt haben, und unter denen besonders eine 
Reihe Aikaloide, Morphin, Narcotin, Codein, Narcein, 
Papaverin etc. so wie die durch ihr Vorkommen und ihr 
chemisches Verhalten ausgezeichnete Säure, die Mecon- 
säure, gehören. Da das Opium seine Wirkung allein den 
darin vorkommenden Basen und zwar vorzugsweise dem 
Morphin verdankt, welches unter allen die wichtigste ist 
und in der grössten Menge darin auftritt, so geht daraus 
hervor, dass eine quantitative Bestimmung dieses Alkaloids 
den einzigen sicheren Massstab für die Beurtheilung der 
Güte des Opiums abgeben kann, dass der raedicinische 
Werth des letzteren von dem Gehalte an Morphin ab- 
hängig ist. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 9 

Das Morphin wurde im Jahre 1804 von Sertürner 
entdeckt, jedoch erst im Jahre 1816 (nicht aber 1830, 
wie Einige angeben) beschrieb er seine Bereitungsweise 
und erkannte die basische Natur desselben. Wenn auch 
DerosnC; Apotheker in Paris,, sich schon 1803 mit Unter- 
suchungen des Opiums beschäftigte, das Narcotin abschied 
und rein darstellte, so gelang es ihm doch nicht, das 
Morphin zu erkennen, obgleich er dasselbe mit Narcotin 
zusammen durch ein Alkali gefällt und die alkalische 
Reaction des Morphins durch die grüne Farbe des Veil- 
chensyrups beobachtet hatte. Um so sicherer erkannte 
dagegen unser Landsmann Sertürner durch seine scharf- 
sinnigen Beobachtungen nicht allein das Morphin als eine 
salzfähige Grundlage, die sich, wie er bestimmt aussprach, 
dem Ammoniak zunächst anschliesse, sondern er entdeckte 
auch die dem Opium allein eigene Pflanzensäure, die 
Meconsäure. 

Die übrigen im Opium enthaltenen Basen sind von 
weniger grossem Interesse^ obgleich sie die Wirkung des 
Opiums theilweise bedingen vmd so modificiren, dass sie 
von der des reinen Morphins in mancher Beziehung ab- 
weicht. 

Sehr lehrreich sind die Untersuchungen von Ber- 
nard*) hinsichtlich der Wirkungen und Giftigkeit der 
einzelnen Opiumalkaloide. Am giftigsten ist das Thebain, 
dann folgen der Reihe nach Codein, Papaverin, Narcein, 
Morphin und Narcotin. Sämmtliche Opiumbasen, mit 
Ausnahme des Narceins, welchem die schlafmachende 
Wirkung des Opiums vorzugsweise zuzuschreiben ist, 
wirken ki'ampfei'regend, eine Eigenschaft, die wiederum 
dem Thebain im höchsten Grade zukommt, dem sich dann 
in der Reihenfolge Papaverin, Narcotin, Codein und Morphin 
anschliessen. 

Aus dem Umstände, dass in letzter Instanz der Werth 
des Opiums von dem Procentgehalte an IMorphin abhängt. 



Compt. rend. LIX. 406. 1864. 



10 L. Schachtnipp, Anwendung des Amylalkohols 

aus der Thatsache, dass kein unverfälschtes Opium in 
den europäischen Handel kommt, geht zur Genüge hervor, 
nur solches Opium für den mediciiiischen Gebrauch in 
Apotheken zuzulassen, dessen Gehalt an Älorphin durch 
quantitative Bestimmung genau festgestellt ist und der 
pharmakognostischen Prüfung dieser Drogue nur einen 
untergeordneten Werth beizumessen. 

Es sind daher im Laufe der Zeit viele Vorschriften 
zur Gewichtsbestimmung des Morphins im Opium gegeben, 
von denen indess nur wenige ein allgemeines Interesse 
erregten und für die pharmaceutische Praxis geeignet 
waren, indem ihnen entweder die nöthige analytische 
Schärfe fehlte, oder das vorgeschriebene Verfahren zu 
umständlich und zeitraubend für eine schnelle und präcise 
Ausführung war. 

Bevor ich zu der von mir gefundenen Methode der 
quantitativen Bestimmung des Morphins übergehe, sei es 
mir erlaubt, einige der wichtigsten Vorschriften dieser 
Art anzuführen, um sie einer Vergleichung und Prüfung 
zu unterziehen. 

Nach dem von Merk angegebenen Verfahren operirt 
man in folgender Weise: 1 Th. zerschnittenes Opium 
wird mit 16 Th. Branntwein gekocht, filtrirt, und der 
Rückstand auf gleiche Weise nochmals mit 8 Th. Brannt- 
wein eben so behandelt. Man setzt den vereinigten und 
filtrirten Auszügen ^2 Th. kohlensaures Natron zu, ver- 
dampft auf dem Wasserbade zur Trockne, weicht die 
Masse mit kaltem Wasser auf, lässt in einem cylindrischen 
Gefässe absitzen, decantirt, giesst etwas Wasser auf den 
Rückstand, rührt um, lässt wieder absitzen und übergiesst 
nun den Rückstand mit iTh. Weingeist von 0,85 spec. Gew. 
Nachdem letzterer ungefähr 1 Stunde eingewirkt hat, wird 
der Niederschlag auf einem Filter gesammelt, mit etwas 
Weingeist abgewaschen und getrocknet. Man bringt den 
getrockneten Niederschlag so vollständig als möglich vom 
Filter, löst ihn in einem Gemische von 1 Th. destillirtera 
Essig und Wasser, filtrirt durch dasselbe Filter und wäscht 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 1 1 

mit 1 Theil desselben Gemisches von Essig und Wasser 
nach. Das Filtrat enthält das Morphin als essigsaures 
Salz; es wird mit Ammoniak im geringen Ueberschuss 
versetzt, und das Ausscheiden des Morphins durch Reiben 
der Gefasswände mit einem Glasstabe unterstützt. Das 
Morphin scheidet sich als nur wenig gefärbtes, schmutzig 
weisses Pulver ab, welches nach 12 stündigem Stehen auf 
einem Filter gesammelt, getrocknet und gewogen wird. 

Die von Mohr*) angegebene Methode beruht auf 
der Löslichkeit des Morphins und der Unlöslichkeit des 
Narcotins in überschüssigem Kalkwasser und der Fällung 
des ersteren aus der alkalischen Flüssigkeit durch Salmiak. 

Das Opium wird drei Mal durch Auskochen mit 
Wasser erschöpft, die Auszüge werden eingedampft und 
in eine kochende Kalkmilch gegossen, welche ungefähr 
^,'4 des angewandten Opiums an Kalkerdehydrat enthält. 
Das anfangs gefällte Morphin wird durch den Ueberschuss 
des Kalkes wieder gelöst, während das Narcotin ungelöst 
zurückbleibt, zugleich scheidet sich säramtliche Mecon- 
säure als unlösliches Kalksalz ab. Man giesst die Masse, 
nachdem sie einige Minuten gekocht hat, durch ein leinenes 
Colatorium, wäscht mit kochendem Wasser ab und presst 
aus. Die ablaufende weingelbe Flüssigkeit wird so lange 
eingedampft, bis ihr Gewicht das Doppelte von dem in 
Arbeit genommenen Opium beträgt, und nun noch heiss 
filtrirt, weil sie sich beim Verdampfen wieder trübt. Das 
Filtrat wird rasch bis zum Kochen ei'hitzt und mit i/jg 
des Gewichtes des Opiums an Salmiak versetzt, wodurch 
das Morphin sich in krystallinischem Zustande ausscheidet. 
Es wird auf einem Filter gesammelt, etwas abgewaschen, 
in Salzsäure gelöst, mit Thierkohle entfärbt und wieder 
mit Ammoniak gefällt. Das so erhaltene^ schön reine 
Morphin kann nach dem Trocknen gewogen werden. 

Wir finden in der pharmaceutischen Literatur mehre 
Methoden der quantitativen Bestimmung des Morphins, 



*) Annal. der Chem. und Pharm. XXXV, 119. 



12 L. Schachti'^tppf Anwendung des Amylalkohols 

welche die Trennung dieses Alkaloids vom Narcotin auf 
anderem Wege zu bewerkstelligen suchen, sich aber ver- 
schiedener Mittel zur Erreichung ihres Zweckes bedienen. 
Eine durch Säuren (z. B. Salz- oder Schwefelsäure) be- 
wirkte Lösung der genannten Basen mit einer Lösung 
von doppelt - kohlensaurem Kali oder Natron versetzt, 
bringt sofort einen Niederschlag von Narcotin hervor, 
während Morphin als doppelt- kohlensaures Salz in Lösung 
bleibt. Filtrirt man den entstandenen Niederschlag rasch 
ab, so scheidet sich aus dem Filtrate nach längerem 
Stehen das Morphin krystallinisch ab. Auf dieses beob- 
achtete Verhalten hin haben mehre Forscher versucht, 
Gewichtsbestimmungen des Morphins im Opium auszu- 
führen^ und man ist, sobald man jene allgemeine That- 
sache im Auge behält, leicht im Stande, mehre Methoden 
unter einem gemeinsamen Gesichtspuncte zusammen zu 
fassen. 

So lässt z.B. Duflos den wässerigen Opiumauszug 
mit einer Lösung von doppelt- kohlensaurem Kali fällen 
und aus dem Filtrate durch Erhitzen das Morphin ab- 
scheiden. 

Statt des doppelt- kohlensauren Kalis hat Rump*) 
zuerst das Amman, carh. der Officinen in Vorschlag ge- 
bracht und darauf eine Bereitungsmethode des Morphins 
begründet^ welche von der Hannoverschen Pharmakopoe 
zur Prüfung des Opiums in wenig veränderter Weise vor- 
geschrieben ist. 

Nach der genannten Pharmakopoe wird 1 Th. Opium 
mit 4 Th. Spirit. vini rectißcati Übergossen und so lange 
digerirt, bis das Opium völlig aufgeschlossen ist, dann 
wird filtrirt, und der Rückstand mit 1 Th. desselben 
Spiritus nachgewaschen. Das Filtrat wird mit einer Lösung 
von anderthalb kohlensaurem Ammoniumoxyd so lange ver- 
setzt, als dadurch ein Niederschlag entsteht, dieser wird so 
schnell wie möglich abfiltrirt, und die ablaufende Flüssig- 



*) Preis -Courant von Rump. Mai, 1854. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 13 

keit bei Seite gestellt. Nach mehrtägigem Stehen schei- 
det sich das Morphin krystallinisch ab; es wird auf einem 
P'ilter gesammelt, getrocknet und gewogen. 

Nach Guillermond*) werden 15 Th. Opium mit 
60 Th. Weingeist von 70 Proc. ausgezogen, der Auszug 
filtrirt, und der Rückstand mit demselben Weingeist noch 
einige Male extrahirt. Sämmtliche filtrirte Auszüge werden 
mit Ammoniak versetzt, und nach 12 stündigem Stehen 
sollen dann die weissen Prismen von Narcotin von den 
schweren, fest am Glase haftenden Krystallen von Morphin 
durch Abschlämmen getrennt, letztere auf einem Filter 
gesammelt und, nach dem Auswaschen von dem mit ge- 
fällten meconsauren Ammoniumoxyd, gewogen werden. 

Das Princip der von J. Schacht**) angegebenen 
Methode, welche nicht nur für Smyrnaisches Opium, son- 
dern auch für jede andere Opiumsorte anwendbar ist, 
beruht darauf, dass eine bestimmte Menge Opiumpulver 
durch Wasser völlig extrahirt wird. Der in Wasser 
unlösliche Rückstand, auf einem Filter gesammelt und 
nach dem Austrocknen gewogen, darf bei gutem Opium 
nicht mehr wie 40 Proc. betragen. Der wässerige Aus- 
zug wird nach dem Eindampfen mit Thierkohle entfärbt, 
dann abfiltrirt, mit Ammoniak in geringem Ueberschuss 
versetzt, und der Niederschlag, wenn die Flüssigkeit nicht 
mehr nach Ammoniak riecht, auf einem Filter gesammelt. 
Bei gutem Opium muss der Niederschlag, welcher aus 
Morphin, Narcotin und meconsaurera Kalke besteht, min- 
destens 14 Proc. betragen. Durch Aether wird das Narcotin 
entfernt, durch Weingeist (von 0,810 sp. Gew.) das Morphin 
gelöst. Beim Verdunsten der weingeistigen Lösung wird 
das letztere rein erhalten. 

Wenn ich die vor Kurzem von Hager ***) angegebene 
Methode zur quantitativen Bestimmung des Morphins über- 



*) Journ. pharmac. XVI, 17. Jahresber. von Liebig und Kopp. 

1849. S. 607. 
**) Archiv der Pharm, Bd. 164. 2. Heft. 
***) Pharmaceutische Centralhalle. Jahrg. V. No. 24 und 27. 



1-i L. kSchac/Urupp, Anwendung des Amylalkohols 

gehe, so geschieht das nur aus dem Grunde, weil dieselbe, 
selbst in der vom Autor verbesserten Form, häufig un- 
genaue Resultate liefert, sehr umständlich und nicht für 
jede üpiumsorte anzuwenden ist. 

Nach den von mir ausgeführten Versuchen Avar das 
nach der Merk'schen Methode erhaltene Morphin allerdings 
von Farbstoflfen fast völlig frei, aber das Alkaloid enthielt 
bei genauer Prüfung stets geringe Beimengungen von 
Narcotin. Als ich dasselbe mit reinem Chloroform be- 
handelte und den Auszug verdunstete, blieb ein Rück- 
stand, der bei der Untersuchung aus Narcotin bestand, 
und gleichfalls konnte letzteres durch Benzin dem Morphin 
entzogen werden. 

Wenn der Werth einer Bestimmungsmethode dieser 
Art allerdings vorzugsweise nach den erhaltenen Resul- 
taten beurtheilt werden muss, so ist doch, meiner Ansicht 
nach, nicht zu bestreiten, dass ein grosser Vorzug darin 
liegt, ob eine Methode viele oder wenige Operationen 
zu ihrer Ausführung verlangt. In dieser Beziehung zeichnet 
sich die Mohr'sche Vorschrift sehr vortheilhaft vor der 
Merk'schen aus, sie liefert sehr gute Resultate bei grös- 
serer Einfachheit in der Ausführung. 

In noch höherem Grade gebührt dieses Lob der Rump- 
schen Methode, welche indess wieder den Nachtheil vor 
den beiden ersteren hat, dass sie, da die Abscheidung 
des Morphins ein mehrtägiges Stehen in Anspruch nimmt, 
nicht so rasch zum Ziele führt; aber gerade bei solchen 
Bestimmungen liegt für die Praxis ein grosser Vortheil 
in der raschen Beendigung der begonnenen Arbeit. 

Wenn die Hannoversche Pharmakopoe den weingeisti- 
gen Opiumauszvig mit einer Lösung von Aiumon. carhon. 
versetzen lässt, so ist das nicht zweckmässig, ja es kann 
dadurch sogar das Resultat der Bestimmung verändert 
werden. Da das reine Morphin, wenn auch nur in gerin- 
ger Menge, in Wasser und noch mehr in weingeisthaltigen 
Flüssigkeiten löslich ist, so muss jede unnöthige Verdün- 
nung sorgfältig vermieden werden; es ist im Gegentheil 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 15 

ein Vortheil der Methode, wenn das Alkaloid aus mög- 
lichst concentrirter Lösung gefällt wird. Man beob- 
achte deshalb den Handgriff, das Ammoniaksalz nicht in 
Lösung^ sondern fein gerieben in Substanz und im Ueber- 
schusse dem Opiumauszuge zuzufügen, unter häufigem 
Umschwenken zur Beförderung der Lösung 10 Minuten 
lang einwirken zu lassen und nun rasch durch ein Falten- 
filter abzufiltriren. So manipulirt wird das Narcotin frei 
sein von Morphin. Es ist ferner zweckmässig, vor dem 
Zusätze des Amraoniaksalzes die Flüssigkeit mit einigen 
Tropfen concentrirter Essigsäure zu versetzen, damit sich 
etwas doppelt-kohlensaures Aramoniumoxyd bilden kann, 
wodurch die sofortige Ausscheidung von Morphin um so 
mehr verhindert wird. Das auf diese Weise erhaltene 
krystallinische Morphin hat eine dunkle Farbe, kann indess 
ohne weiteres zur quantitativen Bestimmung benutzt 
werden. 

Nach der von Guillermond angegebenen Methode 
in ihrer alten Gestalt, wie ich sie kurz angeführt habe, 
dürfte wohl schwerlich noch gearbeitet werden, weil sie, 
wie ein Blick zeigt, durch die Trennung des Narcotins 
vom Morphin nur zu approximativen Schätzungen, nicht 
aber zu exacten Bestimmungen dienen kann. Abgesehen 
davon, dass die mechanische Trennung der beiden Alkaloide 
durch Abschlämmen nur unvollständig geschehen kann 
und häufig gar nicht ausführbar ist, leidet die Methode 
noch an den Fehlern, dass sie einerseits schon nach 
12 stündigem Stehen des mit Ammoniak versetzten Aus- 
zuges das Morphin trennen lässt, aber in so kurzer Zeit 
noch keine vollständige Abscheidung erfolgt sein kann, 
andererseits die zum Ausziehen benutzte Alkoholmenge 
das Opium nicht völlig aufschliesst. 

Von de Vry*) hat die Guillermond'sche Methode 
eine Verbesserung erfahren, die dahin geht. Morphin und 
Narcotin durch Behandeln mit einer Lösung von schwefel- 



*) Journ. de Pharm, et de Chim. XVII, 439. 



IG L. Schachtrujip, Anwendung des Amylalkohols 

saurem Kupferoxyd zu trennen. Das Morphin geht als 
schwefelsaures Salz in Lösung, indem sich basisch schwefel- 
saures Kupferoxyd ausscheidet, Narcotin (und mecon- 
saurer Kalk) bleiben ungelöst, und aus dem Filtrat wird 
das Morphin, nachdem durch Behandeln mit Schwefel- 
wasserstoff das überschüssige Kupfersalz zersetzt und 
dadurch die Farbstoffe mit dem Schwefelkupfer entfernt 
sind, mit Ammoniak wieder gefällt. 

Die Resultate nach diesem de Vry'schen Verfahren 
sind nicht immer günstig, sondern in vielen Fällen erhält 
man nur eine sehr geringe Ausbeute an Morphin. 

Ich werde nun die von mir gefundene Methode in 
der Weise folgen lassen, dass ich zuerst ihren Werth 
zur quantitativen Bestimmung des Morphingehaltes im 
Opium darzulegen und zu beweisen suche, indem ich sie 
durch analytische Belege mit den beiden vorhin erwähn- 
ten Methoden von Merk und Rump vergleiche, sodann 
werde ich über ihre Anwendung als Bereitungsmethode 
des Morphins später einige Worte beifügen. 

Im Allgemeinen gründet sich diese Methode auf die 
vollständige Unlöslichkeit des Morphins in Benzin und 
die Löslichkeit desselben in Fuselöl. Ich will hier be- 
merken, dass man sich statt des reinen Benzins, dessen 
Siedepunct bei 800 (J, liegt, auch der rohen Handels- 
waare bedienen kann. Wird die letztere ein- oder zwei- 
mal rectificirt, eine Arbeit, die leicht ausführbar ist, so 
erhält man ein farbloses Product, dessen Siedepunct aller- 
dings viel höher ist, als der des reinen Benzins, welches 
indess zu dem vorliegenden Zwecke brauchbar und viel 
billiger ist. 

Die mit verschiedenen Benzinsorten angestellten Ver- 
suche zeigten, dass das Morphin sowohl in dem reinen 
wie auch in dem rohen (rectificirten) Benzin unlöslich 
ist und dienten damit zur Bestätigung der schon von 
Rodgers angegebenen Eigenschaft dieses Alkalo'ids. Das 
Narcotin dagegen löst sich leicht in Benzin, so dass ein 
Gemisch von Narcotin und Morphin sich mit grösster 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 17 

Sicherheit und Schärfe durch Benzin trennen lässt. Mit 
Benutzung dieser Thatsachen lässt sich die quantitative 
Bestimmung des Morphins im Opium in folgender Weise 
ausführen : 

Eine bestimmte Menge des abgewogenen Opiums 
wird in einer Porcellanschale auf dem Wasserbade mit 
einer Lösung von kohlensaurem Natron übergössen. Das 
Opium zergeht in der alkalischen Flüssigkeit sehr leicht 
und bildet, wenn die richtige Menge der Sodalösung 
angewandt ist, nach dem Zergehen eine dünne breiige 
Masse, welche dann, nachdem man sich durch Lackmus- 
papier überzeugt hat, dass das Alkali im Ueberschuss vor- 
handen ist, bis zur vollständigen Trockne gebracht wird. 
Diese Masse wird nun heiss mit Benzin behandelt, um 
das Narcotin zu entfernen. Zu diesem Zwecke bringt 
man das trockene Pulver in eine völlig trockene Koch- 
flasche, übergiesst dasselbe mit so viel Benzin, dass es 
davon bedeckt ist, erwärmt nun auf dem Wasserbade 
unter häufigem Bewegen eine Zeit lang und filtrirt mit 
der Vorsicht ab, dass möglichst wenig von dem festen 
Inhalte der Kochflasche mit auf das Filter kommt. Der 
Rückstand Avird in derselben Weise noch 2 — 3 mal mit 
erneuerten Mengen von Benzin erschöpft. Das Filter, 
durch welches die Benzinlösung filtrirt ist, wird getrock- 
net und mit sammt dem Inhalte dem Rückstande zu- 
gefügt. Um denselben von den letzten Resten des anhaf- 
tenden Benzins zu befreien, schüttet man ihn in eine 
Porcellanschale und lässt unter Umrühren kurze Zeit auf 
dem Wasserbade stehen, bis er völlig trocken geworden 
ist. Nun wird der Rückstand zweckmässig in derselben 
Kochflasche, welche zum Ausziehen des Benzins diente, 
mit Amylalkohol (1320 Siedepunct) übergössen, auf freiem 
Feuer (über der Weingeist- oder Gasflamme) unter stetem 
Bewegen bis zum Sieden erhitzt und heiss abfiltrirt. 

In gleicher Weise zieht man noch 2 Mal mit neuen 
Mengen von Fuselöl aus und stellt die vereinigten Aus- 
züge einige Stunden bei Seite. Ein grosser Theil des 
Arch. d. Pharm. CLXXXII. Bds. 1. u. 2. Hft. 2 



18 L. Schachtrupj)} Anwendung des Amylalkohols 

Morphins scheidet sich nach kurzer Zeit aus dieser Lösung 
in kleinen mehr oder weniger gefärbten Krystallen ab, 
die rund herum die Gefiisswände mit einer dünnen, fest 
anhaftenden Kruste bedecken, zum Theil auch lose am 
Boden liegen. Das Fuselöl wird von den Krystallen in 
eine kleine trockene Retorte abgegossen, bis auf ungefähr 
1/3 seines ursprünglichen Volumens abdestillirt, der Rück- 
stand noch heiss auf warmes mit Salzsäure angesäuertes 
Wasser gegossen und anhaltend damit geschüttelt. Das 
säurehaltige Wasser entzieht dem Amylalkohol das Alka- 
loid, indem letzteres als salzsaures Salz in Lösung geht. 
Mittelst einer Pipette wird das mehr oder weniger stark 
braun gefärbte, auf der Flüssigkeit schwimmende Fuselöl 
abgenommen, nochmals mit warmem, säurehaltigen Wasser 
ausgeschüttelt, wieder abpipettirt und dann zu einer ge- 
legentlichen Reinigung durch Rectification bei Seite gestellt. 
Die aus dem Amylalkohole abgeschiedenen Krystalle 
werden in den vereinigten wässerigen salzsauren Lösungen 
ebenfalls gelöst, die Flüssigkeit auf dem Wasserbade so 
stark eingedampft, dass ihr Gewicht doppelt so gross ist, 
als das des angewandten Opiums und filtrirt. Zu dem 
Filtrate setzt man Ammoniak im geringen Ueberschuss 
und lässt dasselbe, mit Fliesspapier lose bedeckt, 24 Stun- 
den stehen. 

Das Morphin scheidet sich anfangs als voluminöser 
Niederschlag ab, der aber nach einigem Stehen krystalli- 
nisch wird. Er wird auf einem Filter gesammelt, einige 
Male mit destillirtem Wasser abgewaschen, getrocknet 
und gewogen. Das so dargestellte Morphin ist noch mehr 
oder weniger gefärbt, kann indess als hinlänglich rein 
für die quantitative Bestimmung betrachtet werden. 

Wollte man indess eine Reinigung vornehmen, so 
rathe ich, einfach so zu verfahren, dass man den getrock- 
neten Niederschlag in einem Becherglase mit sammt dem 
Filter mit einem Gemische von gleichen Theilen Wasser 
und destillirten Essig anrührt, so dass das Ganze einen 
dünnen Brei bildet, und kurze Zeit unter zeitweiligem 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 19 

Umrühren ohne jede Anwendung von Wärme maceriren 
lässt. Es wird filtrirt, mit kaltem Wasser, dem einige 
Tropfen Essigsäure zugesetzt sind, ausgewaschen und 
durch Ammoniak gefällt. Jetzt scheidet sich das Morphin 
viel reiner als gelbliches Pulver ab. 

Auf diese einfache Weise lässt sich das Morphin 
stets von dem grössten Theile der mitgefällten Farbstoffe, 
Harze etc. trennen, wenn man nur darauf achtet, jede 
Erwärmung bei der Einwirkung der verdünnten Essig- 
säure zu vermeiden, das noch unreine Morphin vorher 
zu trocknen und beim Nachwaschen nur immer kleine 
Mengen von Flüssigkeiten nach dem vollständigen Ab- 
laufen der vorher aufgegossenen anzuwenden, damit aus 
der Lösung, ohne sie durch Eindampfen zu concentriren 
(denn dadurch färbt sie sich stets dunkler), durch Am- 
moniak das Alkaloid gefällt werden kann. 

Wendet man statt der schwachen Essigsäure eine 
stärkere Säure z. B. Salzsäure an, so geht ein grosser 
Theil der Verunreinigungen wieder in Lösung, die ab- 
laufende Flüssigkeit ist noch immer stark gefärbt; wird 
der Niederschlag noch feucht angewandt, werden die Ver- 
unreinigungen gleichfalls nicht so vollständig zurück- 
gehalten. Es ist meiner Ansicht nach zweckmässig, die 
Anwendung der Kohle bei so werthvollen Substanzen, vor 
allen aber bei der Ausführung quantitativer Bestimmungen 
so viel wie möglich zu beschränken; denn die Kohle hält 
stets etwas von dem Alkalo'ide so hartnäckig zurück, dass 
es ihr praktisch auf keine Weise wieder zu entziehen ist. 

Der Vortheil dieser so eben beschriebenen Methode 
liegt zunächst in der Schnelligkeit, mit welcher sich die- 
selbe ausführen lässt, sodann in den zu erzielenden genauen 
Resultaten und schliesslich \\\ der Leichtigkeit, mit welcher 
die dabei angewandten Extractionsmittel, Benzin und 
Fuselöl, in völliger Reinheit wieder gewonnen werden 
können. 

Ich habe oben schon hervorgehoben, dass der Amyl- 
alkohol durch Destillation zum grössten Theile wieder 

2* 



20 L. Schachtnqypj Anwendung des Amylalkohols 

erhalten und dann, wie sich von selbst versteht, ohne 
weiteres zur nächsten Bestimmung verwandt werden kann ; 
hinzufügen will ich nur noch, dass man mit Benzin in 
gleicher Weise verfährt. 

Will man das in demselben gelöste Narcotin nicht 
gewinnen, so wird aus einer Retorte über gelindem Kohlen- 
feuer das Benzin bis auf einen geringen Rückstand ab- 
destillirt und letzterer weggeworfen 5 im anderen Falle 
giesst man ihn auf heisses mit Salzsäure angesäuertes 
Wasser, schüttelt mehre Male tüchtig durch und bringt 
das Ganze auf ein gut durchnässtes Filter. Es läuft eine 
schön rothe Flüssigkeit vollkommen klar durch, während 
das Benzin als schmutzig zähe Masse zurückbleibt und 
erst durch das Filter geht, nachdem die wässerige Nar- 
cotinlösung abgelaufen ist. Man fällt das Narcotin durch 
Ammoniak, sammelt es auf einem Filter, wäscht es ab 
und behandelt es nach dem Austrocknen mit siedendem 
Alkohol, aus welchem man nach dem Erkalten schöne 
Krystalle erhält, die durch Abwaschen mit kaltem Alkohol 
und, wenn sie noch nicht weiss genug sein sollten, durch 
Wiederauflösen in verdünnter Salzsäure und Behandeln 
mit Thierkohle rein erhalten werden. 

Eine lange Reihe von Versuchen, das Morphin quan- 
titativ nach dieser so eben beschriebenen Methode zu be- 
stimmen, haben mir bei Vergleichung mit anderen Vor- 
schriften dieser Art, namentlich mit den Methoden von 
Merk und der Hannoverschen Pharmakopoe (Rump) den 
Beweis von der Brauchbarkeit und Genauigkeit derselben 
geliefert. 

Zwei Smyrnaische Opiumkuchen, welche innen von 

sehr feuchter Beschaffenheit waren, wurden in der Weise 

untersucht, dass ich von jedem Stücke drei quantitative 

Analysen ausführte, die das folgende Resultat gaben: 

1. Analyse. 

xr nV. M t Nach der Hann. Nach meiner 

JNacb Merk Pharmakopoe Methode 

8,29 Proc. 4,81 Proc. 8,302 Proc. 

Narcotinhaltig. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 21 

2. Analyse. 

Nach Merk Nach der Hann. Nach meiner 

Pharmakopoe Methode 

8,01 Proc. 4,25 Proc. 7,959 Proc. 
Narcotinhaltig. 

Ich will noch anführen, dass ein anderes Stück Opium, 
sehr feucht und stark mit Lakritzen verfälscht, mir die 
beiden folgenden Zahlen gab: 

1. Analyse. 2. Analyse. 

5,5 Proc. 5,216 Proc. 

Aus den ersten sechs quantitativen Bestimmungen 
wird zur Genüge das Verhältniss der erhaltenen Morphium- 
mengen nach den verschiedenen Bestimmungsmethoden 
hervorgehen. Da die Ausführung der Analysen auch bei 
dem mit Lakritzen versetzten Opium mit gleicher Leich- 
tigkeit von Statten ging, so darf daraus der Schluss ge- 
zogen werden, dass meine Methode sich bei allen Opium- 
sorten mit Vortheil anwenden lässt. 

Es kann nicht auffallen, dass die von der Hannover- 
schen Pharmakopoe aufgenommene Rump'sche Methode 
stets geringere Ausbeute gibt, wenn man nur berück- 
sichtigt, dass das Morphin sich aus einer alkoholischen 
Lösung, deren Gewicht das Fünffache von dem angewandten 
Opium beträgt, abscheiden muss. 

Bevor ich die verschiedenen Methoden der quantita- 
tiven Bestimmung des Morphins verlasse, um einen Blick 
auf die wichtigsten Bereituugsmethoden dieses Alkaloids 
zu werfen, will ich noch anführen, dass bei der Wichtig- 
keit dieses Gegenstandes für die pharmaceutische Praxis, 
der Wunsch nach einem raschen und dabei doch exacten 
Verfahren sehr nahe lag. Auf keine Weise würde diesem 
berechtigten Verlangen mehr entsprochen sein, als durch 
das Auffinden einer allen Anforderungen genügenden mass- 
analytischen Methode-, denn diese haben, wenn sie ihrem 
Zwecke entsprechen, für das praktische Leben durch die 
Schnelligkeit, mit welcher sie ausführbar sind, einen 
grossen Vorzug vor allen gewichtsanalytischen Bestim- 
mungen. 



22 L. Schaclitrupp, Anwendung das Amylalkohols 

In der That ist ein Verfahren dieser Art von Ki eff er *) 
angegeben, und zwar gründet sich dasselbe auf die Zer- 
setzung einer alkoholischen Morphinlüsung durch Ferrid- 
cyankaliuni und auf das Zurücktitriren des überschüssigen 
rothen Blutlaugensalzes durch Jod und unterschwefligsaures 
Natron. Aber leider ist diese Methode deshalb unbrauch- 
bar, weil sich nicht, wie der Verfasser annimmt, gleiche 
Aequivalente des Ferridcyankaliums und Morphins zer- 
setzen_, obgleich andererseits die Beobachtung, dass eine 
Zersetzung beider Substanzen beim Zusammentreffen augen- 
blicklich vor sich geht, richtig ist. 



Damit wende ich mich jetzt zu einer kurzen Betrach- 
tung der Vorschriften zur Darstellung des Morphins, an 
welchen die Literatur reicher ist, als an Methoden für die 
quantitative Bestimmung dieses Alkaloids. 

Es kann indess hier nur eine kurze Betrachtung der 
wichtigsten Vorschriften dieser Art ausgeführt werden, 
denn viele, namentlich der älteren Bereitungsweisen, können 
mehr wie historisches Interesse nicht beanspruchen. Zu 
diesen letzteren würde vorzugsweise die erste Darstellungs- 
methode des Morphins gehören, welche von dem Ent- 
decker desselben, Sertürner, gegeben ist, indess ist 
hier eine Ausnahme gewiss erlaubt und bedarf wohl keiner 
Rechtfertigung. 

Nach Sertürner**) sollte das trockene, zerschnit- 
tene Opium so lange mit heissem Wasser ausgezogen 
werden, als dasselbe noch gefärbt war. Die vereinigten 
Auszüge wurden alsdann concentrirt und mit Ammoniak 
versetzt. Den ei'haltenen Niederschlag, vorzugsweise aus 
Morphin und Narcotin bestehend, liess er nach dem Ab- 
waschen mit kaltem Wasser durch wiederholtes Auflösen 
in heissem Weingeist und Krystallisiren reinigen, oder 
er löste den Niederschlag in verdünnter Schwefelsäure, 



*) Aiinal. der Chem. und Pharm. Bd. 103. 
**) Trommsdorff's Journal der Pharmacie. 13. 1. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 23 

fällte wieder durch Ammoniak, zog ihn dann mit ver- 
dünntem Ammoniak und schliesslich mit kaltem Wein- 
geist aus. 

So oft auch das Umkrystallisiren und Wiederfällen 
vorgenommen werden mochte, so blieb doch das Mor- 
phin narcotinhaltig. Sertürner liess später das Opium 
mit verdünnter Essigsäure ausziehen und suchte die Rei- 
nigung des Morphins durch Aviederholtes Binden an Säu- 
ren und Fällen mittelst Ammoniak zu bewerkstelligen. 

In ähnlicher Weise wie Sertürner hat Seguin*) 
seinen Zweck zu erreichen gesucht, indem er ebenfalls 
das durch Wasser extrahirte Opium mit einer der stär- 
keren Basen, Kali, Natron oder Ammoniak fällte und 
das unreine Morphin durch Umkrystallisiren aus heissem 
Alkohol, so wie durch abermaliges Fällen reinigte. 

Anstatt die Alkalien resp. das Ammoniak zum Ab- 
scheiden des Morphins anzuwenden, bediente sich Robi- 
q u e t **) der Magnesia als Fällungsmittel. Nach ihm wird 
eine wässerige concentrirte Opiumabkochung mit Bitter- 
erde versetzt, der entstandene Niederschlag auf einem 
Filter gesammelt, gut abgewaschen und durch Krystalli- 
siren aus wasserfreiem Alkohol gereinigt. 

Diese drei Methoden stimmen im Princip völlig über- 
ein, liefern aber ohne sehr erhebliche Verluste kein rei- 
nes Morphin, weil keine directe Trennung des Narcotins 
vorgenommen wird. Aehnliche Vorschriften sind noch 
mehre vorhanden, z.B. von Thomson, Hottot, Ani- 
chini u. s. w., die aber an dem gemeinschaftlichen Feh- 
ler leiden, dass die Trennung des Morphins vom Narco- 
tin auf dem Wege des Umkrystallisirens aus Alkohol und 
der wiederholten Fällungen erreicht werden soll, was nie- 
mals ohne bedeutende Einbusse an Morphin möglich ist. 

Es ist deshalb die Methode von R o b i n e t ***) als 



*) Ebendaselbst. 2. 117. 
**) Gilbert's Annalen. 57. 
***) Gmelin's Handbuch. II. S. 936. 



24 L. Schachtrupp, Anioendung des Amylalkohols 

ein Fortschritt zu betrachten, weil derselbe durch An- 
wendung einer concentrirten Kochsalzlösung zum Extra- 
hiren des Opiums das Narcotin, welches in concentrirten 
Salzlösungen unlöslich ist, trennt. Das Opium wird mit 
der sechsfachen Menge einer Kochsalzlösung von 1,1155 
spec. Gew. einige Male ausgezogen, die vereinigten Aus- 
züge werden eingedampft und das sich ausscheidende 
salzsaure Morphin, welches sich durch Zersetzung des 
Kochsalzes mit dem raeconsauren Morphin gebildet hat, 
durch Urakrystallisircn aus siedendem Alkohol und Fäl- 
len mit Ammoniak gereinigt. 

Nach dieser Methode erhält man ein reines^ narcotin- 
freies Präparat. 

Es schliesst sich an diese Bereitungsweise des Mor- 
phins die von Wittstock*) gegebene, von der 4. Aus- 
gabe der Preussischen Pharmakopoe adoptirte Vorschrift, 
die ebenfalls Kochsalz zur Abscheidung des Narcotins 
benutzt. 

Schon bei Betrachtung der wenigen hier angeführten 
Methoden der Morphinbereitung ergiebt sich, dass die 
einzige und grosse Schwierigkeit bei der Darstellung in 
der Trennung des Alkaloids von mitgefällten Farbstoffen, 
harzigen Substanzen etc., vor allem aber in der völligen 
Abscheidung des Narcotins besteht. 

Die verschiedenen Methoden geben mannigfaltige Mit- 
tel zur Erreichung dieses Zweckes an die Hand; für die 
Praxis wird indess nur die Methode sich Geltung ver- 
schaffen können, welche mit Einfachheit in der Ausfüh- 
rung zugleich die Vortheile verbindet, ein reines Präpa- 
rat in der möglichst grössten Menge darzustellen. 

Indem ich viele Bereitungs Vorschriften übergehe, werde 
ich nur noch diejenigen hervorheben, welche den so eben 
ausgesprochenen Anforderungen genügen oder doch ein 
grösseres Interesse in Anspruch nehmen. 

Das Princip der Duflos'schen Methode ist bereits 

*) Wittstock, Berzelius Lehrbuch. 3. 246. 



zur Darstellung w. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 25 

früher (bei der quantitativen Bestimmung des Morphins) 
angeführt. 

Merk hat zwei Methoden angegeben, von denen die 
erstere ir.it der auf S. 12 angegebenen, kleine Abände- 
rungen ausgenommen, so übereinstimmt, dass auf das 
dort Gesagte verwiesen werden kann. Nach der zweiten 
verbesserten Vorschrift von Merk*) wird 1 Th. Opium 
mit 0,38 Th. Essigsäure und mit Wasser ausgezogen, 
dies nochmals mit halb so viel derselben Flüssigkeit wie- 
derholt, das Filtrat mit Ammoniak übersättigt, der Nie- 
derschlag mit Wasser, dann mit Weingeist gewaschen, 
2 Mal in heissem Alkohol, dann in Essigsäure gelöst, 
abgedampft und das essigsaure Morphin mit Wasser, 
unter Zurückbleiben von Narcotin, ausgezogen. 

Während also Merk das Narcotin durch Behandeln 
der gemischten Alkaloide mittelst verdünnter Essigsäure 
vom Morphin zu trennen sucht und durch Umkrystalli- 
siren aus Weingeist den letzten Rest der Verunreinigun- 
gen beseitigt, liegt, wie ich schon früher bemerkte, dem 
Duflos'schen Verfahren das Verhalten der doppelt kohlen- 
sauren Alkalien gegen Narcotin und Morphin zum Grunde. 
Ich sagte schon damals, dass Rump zuerst das Ammon. 
carhonic. in Vorschlag gebracht habe, welches gleichsam 
als Stellvertreter der fixen doppelt kohlensauren Alkalien 
betrachtet werden kann, und jetzt will ich die Rurap- 
sche Methode nochmals als Bereitungsweise für Morphin 
erwähnen. Bei der Ausführung verfährt man genau so, 
wie es S. 14 angegeben ist. Für die Gewichtsbestim- 
mung genügte es, das abgeschiedene, gefärbte Morphin 
ohne weitere Reinigung zu gebrauchen, indess bei der 
Bereitung des Alkaloids und seiner Salze ist die voll- 
ständige Entfernung der Farbstoffe ein wesentliches Er- 
forderniss. 

Rump**) sucht die Reindarstellung des rohen Mor- 
phins durch Auflösen desselben in Salzsäure, Krystalli- 

*) Gmelin's Lehrbuch der theoret. Chemie. 11. 933. 
**) Preis-Courant von Rump, Mai 1854. 



2G L. kSchachtriipp, Amvendung des Amylalkohols 

siren des salzsauren Salzes und endliches Fällen auszu- 
zuführcn. Man erreicht dies, nach meiner Beobachtung, 
leichter und ohne Verlust, wenn man das auf" einem Fil- 
ter gesammelte Morphin mit kaltem Wasser abwäscht, 
in einer reichlichen Menge salzsäurehaltigem Wasser löst, 
eine Lösung von essigsaurem Bleioxyd (oder schwefel- 
saurem Kupferoxyd) hinzusetzt und so lange Schwefel- 
wasserstoftgas hindurchleitet, bis die Flüssigkeit stark 
darnach riecht. Nach dem Abtiltriren des Schwefelbleies 
erwärmt man bis zum Verschwinden des Schwefelwasser- 
stoffgeruchs und fällt mit Ammoniak. 



Es ist schwer, eine für alle Fälle zweckentsprechende 
Reinigungsmethode des Morphins anzugeben ; denn je 
nach Beschaffenheit des Opiums führt das eine oder an- 
dere Verfahren rascher zum Ziele. Am schwierigsten 
gelingt, nach meinen Erfahrungen, die Reinigung eines 
mit Lakritzen versetzten Opiums. 

Die Rump'sche Methode kann sehr empfohlen wer- 
den ; sie liefert eine genügende Ausbeute, fordert wenig 
Manipulationen, was viele Methoden für die Praxis so 
schwerfällig macht, gibt bei richtiger Ausführung ein 
reines Präparat und hat als Bereitungsvorschrift weniger 
durch den Vorwurf zu leiden, dass sie 5 — Ttagiges Ste- 
hen zum Abscheiden des Morphins verlangt, Avie solches 
bei der Gewichtsbestimmung hervorgehoben wurde. 

Ich werde jetzt noch eine Bereitungsweise des Mor- 
phins besprechen, die unter allen bislang aufgefundenen 
Methoden mit Recht die erste Stelle einnimmt; es ist die 
Methode von Mohr. Dieselbe ist schon früher ausführ- 
lich mitgetheilt; es soll hier nur noch bemerkt werden, 
dass bei der Darstellung im Grossen ebenso, wie dort 
beschrieben ist, verfahren wird, nur mit der Ausnahme, 
dass man das in Salzsäure gelöste und mit Thierkohle 
entfärbte Morphin zur Darstellung des salzsauren Salzes 
direct zur Krystallisation abdampfen kann. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 27 

Herzog *) gibt an, dass durch die Bildung von 
kohlensaurem Kalk aus dem Aetzkalk, in welchem das 
Morphin gelöst ist, leicht ein Verlust durch Ausschei- 
dung des Alkaloids entstehen könnte und schlägt deshalb 
vor, das Morphin zum zweiten Male in kalter, verdünn- 
ter Aetzkalilauge zu lösen, die Lösung durch Thierkohle 
zu entfärben, nach dem Filtriren auszuwaschen und das 
zum Sieden erhitzte Filtrat mit Salmiaklösung zu ver- 
setzen. Es scheidet sich alsdann das Morphin in farb- 
losen, schönen Krystallen ab. 

Zum Schlüsse komme ich noch einmal auf die von 
mir gefundene Methode der quantitativen Bestimmung 
zurück, um über ihren Werth zur Darstellung des Mor- 
phins einige Worte hinzuzufügen und die Modificationen 
anzugeben, welche man zu diesem Zwecke einschlagen 
muss. 

Es leuchtet ein, dass die Methode auch ohne jede 
^^eränderung zur Bereitung des Morphins dienen könnte; 
aber bei der Verarbeitung grosser Opiummengen ist das 
Manipuliren mit Fuselöl eine lästige, unangenehme Arbeit. 
Indess eignet sich die Methode mit folgender einfacher 
Abänderung sehr gut auch für die Darstellung des Mor- 
phins. 

Das Opium wird ebenfalls mit einer Sodalösung auf 
dem Wasserbade zur völligen Trockne gebracht und mit 
Benzin zur Entfernung des Narcotins behandelt. Das 
letztere wird, wie ich oben angegeben habe, durch De- 
stillation wieder gewonnen. Das Ausziehen des Narco- 
tins mit Benzin verursacht nicht die geringste Unannehm- 
lichkeit, ist auch bei grossen Mengen durchaus nicht 
gefährlich, weil nur auf dem Wasserbade erwärmt wird. 
Der mit Benzin erschöpfte Rückstand wird durch kurzes 
Erwärmen in einem flachen Gefässe auf dem Wasser- 
bade von den anhaftenden letzten Resten des Benzins 
befreit, eine Arbeit, die zweckmässig unter einem Schorn- 



*) Archiv der Pharmacie. 



28 L. kichachtrupp, Anicendxing des Amylalkohols 

steine vorgenommen wird. Man übergiesst nun den Rück- 
stand mit Wasser, setzt concentrirte Essigsäure bis zur 
sauren Reaction hinzu, lässt unter häufigem Umrühren 
mehre Stunden an einem warmen Orte stehen, giesst 
dann das Ganze auf ein Colatorium und presst aus. Den 
Pressrückstand behandelt man nochmals in gleicher Weise, 
benutzt dazu wieder dieselben Gefässe, dasselbe Cola- 
torium, um Verluste zu vermeiden. Die vereinigten Flüs- 
sigkeiten, welche, um sicher zu sein, dass alles Morphin 
gelöst ist, von überschüssiger Essigsäure sauer reagiren 
müssen, werden unter stetem Umrühren so weit einge- 
dampft, dass ihr Gewicht das Doppelte des in Arbeit 
genommenen Opiums beträgt. Je weniger Flüssigkeit 
von vornherein angewandt wurde, desto rascher wird 
dieses Ziel erreicht, um so mehr wird jeder störende 
Einfluss beim Eindampfen vermindert. Man versetzt nun 
die Flüssigkeit mit Ammoniak in geringem Ueberschuss 
und lässt sie, lose bedeckt, mehre Tage stehen. Es hat 
sich alsdann das Morphin in Krystallen abgesetzt, die 
überall an den Wänden des Gefässes sitzen, so dass die 
Flüssigkeit nebst den übrigen mitgefällten Stoffen fast 
vollständig abgegossen werden kann, was um so ange- 
nehmer ist, als in den meisten Fällen eine Filtration der- 
selben praktisch wegen der schleimigen Beschaffenheit 
unmöglich ist. Die auf einem Filter gesammelten Kry- 
stalle werden etwas abgewaschen, gut getrocknet und in 
einem Gemische von gleichen Theilen destillirtem Essig 
und Wasser in der Kälte aufgenommen. Man filtrirt, 
wäscht mit essigsäurehaltigem Wasser einige Male nach 
und fällt aus dem Filtrate durch Ammoniak das Morphin. 
Dasselbe scheidet sich jetzt viel reiner als gelblich-weis- 
ses Pulver ab. Nach dem Trocknen löst man dasselbe 
unter Erwärmen in Fuselöl, filtrirt heiss und stellt zum 
Krystallisiren an einen kühlen Ort. Das Morphin schei- 
det sich in schönen weissen Krystallen ab, über welchen 
eine gesättigte Lösung des Alkaloids in Amylalkohol steht. 
Die Krystalle können als reines Morphin aufbewahrt 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 29 

werden, während das Fuselöl zum grössten Theile ab- 
destillirt und der Rückstand durch die Säure ausgeschüt- 
telt werden kann, deren Morphinsalz man darstellen will. 
Ich mache hier noch besonders auf die grossen Vor- 
züge des Amylalkohols vor dem gewöhnlichen Alkohol 
aufmerksam und empfehle ihn für die Reinigung der 
meisten krystallisirbaren Alkaloide, vorzugsweise für Mor- 
phin. Das Fuselöl löst bei weitem nicht in dem Masse, 
wie der Aethylalkohol, die stets vorhandenen Verunreini- 
gungen, macht dadurch in vielen Fällen den Gebrauch 
der Thierkohle überflüssig und ist speciell für Morphin 
aus dem Grunde sehr brauchbar, weil es für dasselbe in 
der Hitze ein bedeutend grösseres Löslichkeitsvermögen 
besitzt, wie in der Kälte, so dass ein grosser Theil des 
Alkaloids beim Erkalten abgeschieden wird. 



n. Stryehnin. 

Ein Alkaloid, welches von jeher die Aufmerksamkeit 
der Naturforscher in fast noch grösserem Masse als das 
Morphin auf sich gezogen hat, ist das Stryehnin. Dasselbe 
findet sich wahrscheinlich in allen Strychneen, die eine in 
Ostindien einheimische Pflanzenfamilie ausmachen, wird 
aber nur aus den beiden bei uns ofticinellen Droguen, den 
Krähenaugen und Ignatiusbohnen, dargestellt. Die erste- 
ren stammen von Strychnos Nux vomica L. und sind die 
reifen Samen dieser Pflanze, von denen 3 — 5 in der 
Frucht, einer grossen, gelbrothen Beere, enthalten sind. 
Das Aeussere der Samen ist höchst charakteristisch und 
lässt sie nicht leicht mit irgend einer andern Drogue 
verwechseln. Sie sind kreisi'und, platt und, was sie so- 
fort erkennen lässt, auf der Oberfläche mit angedrückten, 
weichen Haaren bedeckt, wodurch sie ein seidenglänzen- 
des Ansehen bekommen. Die Ignatiusbohnen sind die 
reifen Samen von Ignatia amara L., die bis zu 20 in 
der Frucht dieses Baumes stecken, unregelmässig gestal- 



30 L. Schaclitrupi}y Amcendung des Amylalkohols 

tet, aussen braun und mit feinem Filze bedeckt, inn"^»! 
von vei'schiedener Farbe (weisslich bis braun), hart unrt 
hornartig sind. 

Es gehören diese Droguen nicht allein zu den gif- 
tigsten Arzneimitteln, sondern man kann sagen, zu den 
giftigsten Körpern des ganzen Pflanzenreichs, und zwar 
verdanken sie ihre Giftigkeit und medicinische Bedeu- 
tung dem Gehalte an Strychnin und Brucin. Diese bei- 
den organischen Basen kommen in den genannten Pflan- 
zenstoffen stets gleichzeitig, aber in verschiedener Menge 
vor. Die Ignatiusbohnen enthalten 1,2 — 1,5 Proc. Strych- 
nin, dagegen nur sehr wenig Brucin, während in den 
Nuces vomicae etwas mehr Brucin wie Strychnin vor- 
kommt und durchschnittlich von letzterem 0,4 — 0,5 Proc. 

Diese beiden Basen zeigen in ihrem chemischen Ver- 
halten und toxikologischen Eigenschaften, vor allen in 
der speciHschen Wirkung auf das Rückenmark und den 
dadurch bewirkten Tetanus, die grösste Aehnlichkeit. Als 
Medicament hat nur das Strychnin Anwendung gefunden 
und wird deshalb auch vielfach zu diesen und andern 
Zwecken dargestellt; das Brucin ist für die Praxis von 
keiner Bedeutung, sondern kann mehr wie wissenschaft- 
liches Interesse bislang nicht in Anspruch nehmen. 

Obgleich die Literatur über das Strychnin nicht so 
umfangreich ist, wie die des Morphins, so sind doch sehr 
viele Vorschriften über die Darstellung desselben in den 
wissenschaftlichen Journalen gegeben worden, von denen 
ich die wichtigsten hier kurz anführe und die von mir 
gefundene Methode zum Schlüsse folgen lasse. 

Fast Scämmtliche bislang bekannte und beliebte Be- 
reitungsmethoden des Strychnins erfordern sehr umständ- 
liche, mannigfaltige und langwierige Operationen. Zu- 
nächst muss jeder Darstellung des Alkaloids die Zerklei- 
nerung der Strychninsaraen oder Ignatiusbohnen voran- 
gehen. Die ersteren namentlich sind äusserst hart und 
zähe, deshalb nur sehr schwierig und am besten auf die 
Weise zu zerkleinern, dass sie entweder einige Zeit mit 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Moryhins etc. 3 1 

Wasser gekocht und dann zerschnitten werden, ein Ver- 
fahren, was sich im Kleinen anwenden iässt, oder nach 
scharfem Austrocknen auf den Kaffeemühlen ähnlichen 
Apparaten in ein grobes Pulver verwandelt werden. Wei- 
tere Schwierigkeiten liegen in der vollständigen Tren- 
nung des Strychnins vom Brucin, die in dem vielfach 
analogen Verhalten beider Körper gegen Lösungsmittel 
ihren Grund haben, sodann in der Entfernung der hart- 
näckig anhaftenden Farbstoffe. Die verschiedenen Me- 
thoden suchen auf mannigfaltigen Wegen ihr Ziel zu 
erreichen und es machen sich bei der Vergleichung der- 
selben besonders zwei entgegengesetzte Richtungen gel- 
tend. Da die beiden Alkaloide in den betreffenden 
Pflanzen an Säure (Milchsäure?) gebunden enthalten 
sind, so pflegt man sie entweder dadurch auszuziehen, 
dass man Alkohol zur Lösung der Salze anwendet, Aveil 
dieser dieselben leicht und vollständig aufnimmt, oder 
man behandelt die Pflanzenstoffe mit stärkeren Säuren, 
welche die ursprüngliche schwächere Säure abscheiden 
und mit denen die Alkaloide leicht lösliche Salze bilden. 
Pelletier und Caventou, welche 1818 das Strych- 
nin entdeckten, stellten dasselbe aus den Ignatiusbohnen 
in der Weise dar, dass sie die geraspelten Samen so 
lange mit Aether auszogen, bis derselbe kein Fett mehr 
aufnahm, dann einige Male mit Alkohol auskochten, letz- 
teren durch Destillation und Abdampfen entfernten, den 
Rückstand mit Wasser aufnahmen und die Basen durch 
Kochen mit Magnesia oder durch Versetzen mit Kali- 
lauge abschieden. Dem gesammelten, abgewaschenen 
und getrockneten Niederschlage wurde durch Auskochen 
mit absolutem Alkohol das Strychnin entzogen, welches 
aus dem Filtrat auf Zusatz von wenig Wasser auskry- 
stallisirte. In ähnlicher Weise stellen die genannten Che- 
miker das Strychnin aus den Krähenaugen dar, nur wurde 
hier ein Entfärben der Flüssigkeit nöthig, welches von 
ihnen durch essigsaures Bleioxyd und Entfernen des Blei- 
salzes mittelst Schwefelwasserstoff ausgeführt wurde. 



32 L. Öchac/Urupp, Anwendung des Amylalkohols 

Die von der 6ten Ausgabe der preuss. Pharmakopoe 
adoptirte Darstellungsraethode verfolgt ebenfalls das Prin- 
cip der weingeistigen Extraction der beiden Alkaloide 
aus den Nnces vomicae. Die Brechnüsse werden mit 
Weingeist von 0,90 spec. Gewicht dreimal ausgekocht. 
Von den vereinigten Auszügen wird der Weingeist ab- 
destillirt, der Rückstand zur Extractconsistenz eingedampft, 
das Extract in Wasser gelöst und von dem Ungelösten 
abfiltrirt. Aus dem Filtrate fällt man nach dem Ein- 
dampfen durch Magnesia die Alkaloide und bringt die- 
selben durch Auskochen des getrockneten Niederschlages 
mittelst Weingeistes wieder in Lösung. Nach dem Ab- 
destilliren des letzteren scheidet sich das Strjchnin zuerst 
in Krystallen aus. 

Das Duflos'sche Verfahren reiht sich im Princip den 
beiden eben erwähnten Methoden an. Zum Ausziehen 
der Nuc. vomic. w^ird ein mit I/256 Schwefelsäure ange- 
säuerter Weingeist von 88 Proc. angewandt und die Aus- 
züge werden durch Knochenkohle entfärbt. Um die har- 
zigen Stoffe zu entfernen, lässt Duflos mit einer gesät- 
tigten Lösung von doppelt kohlensaurem Kali fällen und 
aus dem Filtrat durch Kalilauge die Alkaloide abschei- 
den. Das Brucin vs^ird dem Niederschlage durch Aus- 
kochen mit Wasser entzogen, das zurückbleibende Strych- 
nin durch Umkrystallisiren aus Alkohol gereinigt. 

Ich übergehe hier die minder wichtigen Methoden 
von Ferrari, Corriol, Robiquet, Henry und An- 
dern und wende mich, nachdem ich als Muster für die 
Darstellung des Strychuins mittelst Alkohols mehre Me- 
thoden angeführt habe, zu den Bereitungsweisen dieses 
Alkaloids, welche als Typus für die Darstellung mit ver- 
dünnten Säuren angesehen werden können. 

Um die höchst zeitraubende und mühsame Arbeit 
der Zerkleinerung der Strychninsamen rascher und leich- 
ter zu bewerkstelligen, kocht Merk dieselben mit schwe- 
felsäurehaltigem Wasser 1 — l^j^ Tage in einem kupfer- 
nen Kessel, um dann die erweichten Samen zwischen 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 33 

steinernen Walzen zu zerquetschen. Der Brei wird noch- 
mals mit Wasser ausgekocht und gepresst. Aus den 
vereinigten Flüssigkeiten werden Strychnin und Brucin 
durch Aetzkalk gefällt. Dem ausgepressten Niederschlage 
entzieht man durch Auskochen mittelst Weingeists von 0,85 
spec. Gew. die Alkaloide, destiilirt den Weingeist ab, 
entfernt von dem erkalteten Niederschlage so viel wie 
möglich durch Decantiren die überstehende Flüssigkeit 
und wäscht ihn so lange mit kaltem Weingeist, als der- 
selbe noch gefärbt abläuft. Um den Niederschlag von 
den letzten Resten des Farbstoffes zu befreien, wird der- 
selbe mit einer hinreichenden Menge von Weingeist und 
Thierkohle gekocht und heiss filtrirt. Beim Erkalten 
scheidet sich ein grosser Theil des Strychnins ab, aus 
der Mutterlauge werden Strychnin und Brucin durch 
Ammoniak und Kali gefällt und der Niederschlag so 
lange mit Wasser ausgekocht, als noch Brucin beim 
Erkalten sich ausscheidet. Der nun bleibende Rückstand 
ist noch Strychnin. 

Auf andere Weise, aber mit Zugrundelegung des- 
selben Princips, nämlich des Ausziehens der Alkaloide 
mit verdünnten Säuren, hat Horsley*) seinen Zweck 
zu erreichen gesucht. Derselbe vermischt das Krähen- 
augenpulver mit der gleichen Gewichtsmenge käuflicher 
Essigsäure (eine solche Essigsäuremenge ist überflüssig, 
der unnöthige Verbrauch schwerlich zu rechtfertigen), 
verdünnt die breiförmige Masse mit der vier- bis sechs- 
fachen Wassermenge und digerirt sie dann einige Tage. 
Nachdem die Flüssigkeit auf einem Seihtuche abgelaufen 
ist, wird der Rückstand durch Digeriren mit Wasser 
nochmals ausgezogen, beide werden gemischt, zum Ab- 
setzen einige Zeit bei Seite gestellt, vom Bodensatze 
abgegossen und bis zur Syrupsconsistenz eingedampft. 
Nach dem Erkalten wird der Rückstand mit der gleichen 
Gewichtsmenge Wasser verdünnt, mit Ammoniak im Ueber- 



*) Canstatt's Jahresbericht. 1856. S. 127— 129. 
Arch.d. Pharm. CLXXXII. Bds. 1. u. 2. Hft. 



34 L. SchacJitrupp, Anwendung des Amylalkohols 

schuss versetzt und einige Tage zum Abscheiden der 
Alkaloide hingestellt. Man sammelt den Niederschlag 
auf einem Filter, um ihn auf dem Wasserbade zu trock- 
nen. Durch Behandeln mit verdünnter Essigsäure wer- 
den die Alkaloide von der durch Ammoniak mitgefällten 
harzigen Substanz gereinigt. Die so gewonnene Lösung 
der essigsauren Alkaloide wird mit chromsaurem Kali 
versetzt, wodurch sogleich reines chromsaures Strychnin 
abgeschieden wird, während bei massigem Ueberschusse 
an Essigsäure das leichter lösliche chromsaure Brucin in 
der Flüssigkeit gelöst bleibt, aus welcher es durch ein 
Alkali gefällt werden kann. Um aus dem chromsauren 
Salze reines Strychnin darzustellen, wird dasselbe, nach 
dem Auswaschen, mit Ammoniakliquor digerirt, das chrom- 
saure Ammoniumoxyd abfiltrirt und das reine Strychnin 
gewaschen und getrocknet. Nach dieser Methode will 
Horsley 0,88 Procent Strychnin erhalten haben, eine 
Quantität, die bislang auf keine Weise erreicht werden 
konnte. 

Wenn es schon seit langer Zeit in der pharmaceu- 
tischen Praxis zur Regel geworden ist, das Strychnin 
nicht selbst zu bereiten, sondern aus Fabriken zu bezie- 
hen, so findet dieser Umstand darin seine Rechtfertigung, 
dass die bislang für die Darstellung dieses Alkaloids ge- 
gebenen Vorschriften viel zu umständlich und zeitrau- 
bend, vor allem aber zu kostspielig waren, als dass die 
in den Apotheken verbrauchten kleinen Mengen dieses 
Präparats sich mit Vortheil hätten darstellen lassen. Es 
zeigt dies z. B. leicht ein Blick auf die von der preussi- 
schen Pharmakopoe gegebene Vorschrift, nach welcher 
man — kleine unwesentliche Abänderungen vielleicht ab- 
gerechnet — stets zu arbeiten pflegte, wo noch eine 
Selbstbereitung in dem pharmaceutischen Laboratorium 
statt fand. Die von Merk angegebene, im Allgemeinen 
durch grössere Einfachheit sich auszeichnende Methode 
ist, wie leicht einzusehen, nur für den Fabrikbetrieb 
geeignet, weil sie grössere Apparate (steinerne Walzen) 
voraussetzt. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Mor'pMns etc. 35 

Die von mir gefundene Methode zeichnet sich vor- 
zugsweise durch die grösste Einfachheit in der Ausfüh- 
rung aus, sie erfordert nur wenig Arbeit, führt rasch 
zum Ziele, liefert ein reines Präparat mit sehr geringem 
Kostenaufwande und ist auch für die Darstellung im 
Kleinen sehr geeignet. Man operirt in folgender Weise: 
Die Nuces vomicae, von denen man — auch selbst bei 
Bereitung der kleinsten Menge Strychnin — nie unter 

1 Pfund nehmen sollte, werden entweder als grobes Pul- 
ver, welches im Handel billig zu beziehen ist (jedoch, 
was zu beachten ist, häufig verfälscht wird) angewandt, 
oder auf die Weise selbst zerkleinert, dass man sie mit 
Wasser übergiesst, ungefähr eine halbe Stunde kochen 
lässt und nach dem Erkalten sogleich mit einem schar- 
fen Messer zerscheidet. Die Samen sind nun sehr weich, 
das Zerschneiden geht rasch, so dass, wenn nur 1 bis 

2 Pfund in Arbeit genommen werden, diese Methode 
leicht ausführbar ist. Die zerkleinerten Samen über- 
giesst man mit Wasser, setzt verdünnte Schwefelsäure 
(1 : 5) bis zur sauren Reaction hinzu, vermeidet jedoch 
einen grösseren Ueberschuss derselben sorgfältig. (Für 
den Fall, dass das Zerkleinern der Samen auf die zu- 
letzt bezeichnete Weise ausgeführt ist, benutzt man zu- 
erst das zum Erweichen derselben angewandte Wasser.) 
Die Flüssigkeit wird nun unter Umrühren zum Sieden 
erhitzt, wobei man zuweilen prüft, ob sie noch sauer rea- 
girt und, wenn das nicht der Fall sein sollte, setzt man 
noch einige Tropfen Schwefelsäure zu. Hat die Flüssig- 
keit 10 Minuten gekocht, lässt man sie noch kurze Zeit 
zum Abkühlen stehen und dann auf einem Seihetuche 
ablaufen, kocht den Rückstand noch zweimal unter Säure- 
zusatz auf dieselbe Weise aus und wiederholt dann zum 
vierten Male die Abkochung, jedoch dieses Mal ohne 
Hinzufügung von verdünnter Schwefelsäure. Die ver- 
einigten Abkochungen werden zum Absetzen 24 Stunden 
bei Seite gestellt, darauf von dem Bodensatze so voll- 
ständig als möglich abgegossen oder abgehebert. Die 

3* 



36 L. Schachtnipp, Amrendung des Amylalkohols 

ziemlich klare, meistens schwach gelblich oder bräunlich 
gefärbte Flüssigkeit wird nun so weit eingedampft, bis 
ihr Gewicht doppelt so gross ist, wie das der in Arbeit 
genommenen Strychninsamen, noch warm in ein cylin- 
drisches Gefäss gegossen und mit Ammoniak im geringen 
üeberschusse versetzt. jMan lässt nun 5 bis 7 Tage zum 
Absetzen der gefällten Alkaloide stehen, welche sich voll- 
ständig und in krystallinischer Beschaffenheit zu Boden 
setzen. Die über dem Niederschlage stehende Flüssig- 
keit abzufiltriren, ist nicht zu empfehlen, weil die Filtra- 
tion äusserst langsam vor sich geht und auch bei der 
vollkommenen Abscheidung der Alkaloide zwecklos sein 
würde. Deshalb giesst oder hebert man dieselbe so viel 
wie möglich von dem Niederschlage ab, bringt diesen 
auf ein Filter, lässt die noch anhängende Flüssigkeit ab- 
laufen, wäscht den Rückstand einige Male mit Wasser 
ab und trocknet ihn gut aus. Der Inhalt des Filters 
wird in ein möglichst kleines Kochfläschchen gebracht, 
das Filter selbst zerschnitten, dem Inhalte hinzugefügt, 
das Ganze mit einer kleinen Menge Fuselöl übergössen 
und einige Zeit auf dem Wasserbade erwärmt. Die Lö- 
sung der Alkaloide in Fuselöl wird noch warm durch ein 
kleines mit Fuselöl befeuchtetes Filter in eine kleine 
Retorte filtrirt, der Rückstand noch zweimal in derselben 
Weise mit dem Amylalkohol behandelt und von den ver- 
einigten Auszügen der letztere bis ungefähr zu 23 sei- 
nes ursprünglichen Volumens abdestillirt. Der Rückstand 
in der Retorte stellt eine heiss gesättigte Lösung der 
Alkaloide in Fuselöl dar, die man sogleich in eine Schale 
giesst und bedeckt zum Auskrystallisiren bei Seite stellt. 
Die Alkaloide schiessen in schönen, weissen Krystallen 
an, werden unter Beobachtung der nöthigen Vorsichts- 
massregeln in verdünnter Salpetersäure gelöst und durch 
Krystallisation von einander getrennt. Man erhält nach 
dieser Vorschrift stets viel weniger Bruein wie Strych- 
nin. Der Durchschnitt vieler Versuche gab mir 0,4816 
bis 0,57 Proc. Strychnin. Um reines Strychnin aus dem 



zur Darstellung u. qiiantit. Bestimmung des Jlorphijis etc. 37 

salpetersauren Salze darzustellen, hat man nur nöthig, 
letzteres durch Ammoniak wieder zu zersetzen und das 
gefällte Alkaloid aus Aethjlalkohol oder Fuselöl krystal- 
lisiren zu lassen. 

Die Bereitung des Strychnins nach dieser Methode 
ist eine so einfache Operation, dass sie auch da ausge- 
führt werden kann, wo nur geringe Mengen desselben 
verbraucht werden. 

Eine Reinigung der gefällten Basen ist überflüssige 
weil das Fuselöl nicht, wie der Weingeist, die mitgelall- 
ten Farbstoffe so wie andere organische Massen löst, son- 
dern man wird bemerken, dass der zum Ausziehen an- 
gewandte Amylalkohol eine nur schwach gelbliche Farbe 
bat, dass die aus der Lösung desselben krystallisirenden 
Alkaloide, noch mehr aber ihre salpetersauren Salze, so 
farblos und rein sind, wie sie nur nach irgend einer an- 
dern Methode erhalten werden. 

Sind die von Horsley gemachten Angaben richtig, 
so hat derselbe allerdings einen höheren Procentgehalt 
erzielt; aber man darf in dieser Beziehung nicht über- 
sehen, wie viel umständlicher, kostspieliger und zeitrau- 
bender diese Methode ist und wie in noch höherem Grade 
dieser Vorwurf die übrigen angeführten Bereitungswei- 
sen trifft. 

Ich habe Versuche gemacht, die Bereitung des Strych- 
nins dadurch noch mehr zu vereinfachen, dass ich mir 
einen Apparat construiren Hess, in welchem die zerschnit- 
tenen, mit Ammoniakliquor durchfeuchteten und wieder 
getrockneten Krähenaugen direct mit Amylalkohol extra- 
hirt werden konnten. Der Apparat bestand aus zwei 
schachteiförmig in einander verschiebbaren Cylindem, von 
denen der äussere nach unten, der innere nach oben in 
eine enge Röhre auslief. Durch das mehr oder weniger 
tiefe Einschieben der Cylinder Hess sich der Apparat 
nach Belieben vergrössern oder verkleinern, je nach den 
zu den Versuchen in Arbeit genommenen Mengen Nuces 
vomicae. Das Fuselöl wurde aus einem Kolben_, der 



38 L. SchacJitrupp, Anwendung des Amylalkohols 

durch eine zweiscbenkclig gebogene Glasröhre mit dem 
Apparate verbunden war, heiss auf die Krähenaugen de- 
stillirt, das unten ablaufende, Strychnin enthaltende De- 
stillat zum zweiten Male in derselben Weise bis auf einen 
kleinen Rückstand abdestillirt und gewöhnlich diese Ope- 
ration zum dritten Male wiederholt, um die Nuc. vomic. 
mit ein und derselben Quantität Fuselöl so vollständig 
als möglich zu extrahiren. Schliesslich pflegte ich, um 
den von den Samen eingesogenen Amylalkohol zu ver- 
drängen, Wasserdämpfe durch den Apparat streichen zu 
lassen, so lange noch das unten abfliessende Wasser 
Fuselöl mit sich führte. Der vereinigte Amylalkohol 
wurde ebenso behandelt, wie ich bei Beschreibung der 
vorhergehenden Methode auseinandergesetzt habe. 

Die auf diese Weise erhaltenen Resultate waren in- 
sofern unbefriedigend, weil nur eine geringe Menge Strych- 
nin erhalten wurde; aber ich glaube, dass, wenn der 
Apparat zweckentsprechend verbessert, namentlich die zu 
rasche Condensation des Fuselöls verhindert wird^ dieses 
Verfahren (besonders für den Fabrikbetrieb) noch eine 
Zukunft haben dürfte. 

Bei dieser Gelegenheit will ich bemerken, dass von 
mir auch die Anwendung des Fuselöls auf die Darstel- 
lung des Atropins und Theins ausgedehnt worden ist. 
Die Resultate, welche bei der Bereitung des Atropins 
erhalten wurden, waren nicht günstiger, wie nach den 
bislang bekannten Vorschriften, was seinen Grund theils 
in dem schwankenden Procentgehalte der Belladonna an 
dieser Base hat, theils in der leichten, schon bei niedri- 
ger Temperatur statt findenden Zersetzung des Alkaloids. 

Dagegen kann das The'in mit Fuselöl viel leichter 
als nach andern Methoden und in ausgezeichneter Schön- 
heit erhalten werden. 

Bislang hatte ich noch nicht Zeit, die Vorschrift zur 
Bereitung dieses letzteren Alkaloids zu fixiren und ich 
behalte mir vor, in nächster Zeit das Resultat meiner 
weiteren Untersuchungen über Atropin und The'in mit- 
zutheilen. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 39 

III. Methoden 

für die Nachweisung der Alkaloide, besonders des Strychnin^ 
und Morphins, bei gerichtlich-chemischen Untersuchungen. 

So wichtig Morphin und Strychnin nicht nur an und 
für sich, sondern auch ihre Muttersubstanzen und die 
aus denselben bereiteten Arzneimittel für die Medicin 
sind, so grosse Bedeutung haben die beiden Alkaloide 
und die sie enthaltenden Droguen und Präparate auch 
vom toxikologischen Standpuncte aus. 

Ein lebhaftes Interesse haben sie auch deshalb stets 
in Anspruch genommen, weil sie wegen ihrer grossen 
Giftigkeit, die in dem Strychnin den höchsten Grad 
erreicht, oft zu verbrecherischen Zwecken benutzt und 
deshalb öfters Gegenstand der Untersuchung für Gerichts- 
chemiker gewesen sind. Es leuchtet ein, dass es für die 
zuletzt erwähnten Zwecke von grossem Werthe war, 
Methoden aufzufinden, die den Nachweis der kleinsten 
Mengen von Morphin und Strychnin möglich machten 
d. h., einerseits Vorschriften zum Abscheiden der Alkaloide 
aus organischen Massen, als auch andererseits Reactionen 
zur sicheren Erkennung derselben anzugeben. 

Zuerst war es Stas*), welcher eine Methode zum 
Auffinden giftiger Alkaloide bei Gegenwart vegetabilischer 
oder animalischer Massen angab und auf folgende Erfah- 
rungen gründete: 1) Die sauren, weinsauren und Oxal- 
säuren Salze der organischen Basen sind in Wasser und 
Weingeist löslich und werden durch Digeriren bei 70 — 75^ 
C. ausgezogen, Uebergiesst man daher organische Massen 
(z. B. Eingeweide, Magen, Speisen etc.) mit Alkohol, dem 
Weinsäure oder Oxalsäure zugesetzt ist, digerirt damit 
bei der angegebenen Temperatur und colirt oder filtrirt 
dann, so ist in dem Filtrate das Alkaloid enthalten. Das 



^) Jahresber. für praktische Pharm. XXIV, 313. 



40 L. Schachtrupp, Anwendung des Amylalkohols 

Filtrat soll bei 35<^ verdunstet werden, was unter der 
Glocke der Luftpumpe oder in einem Luftstrome geschieht, 
um auch die flüchtigen Alkaloide zu gewinnen. 2) Die 
Alkaloide, auch die in Aether schwer löslichen, werden 
von demselben aufgenommen, wenn ihre wässerige Lösung 
durch kohlensaure oder fixe Alkalien gefällt und mit 
Aether anhaltend geschüttelt wird. 3) Umgekehrt sind 
dagegen die Salze der Alkaloide in Aether unlöslich. 
Schüttelt man daher die ätherische Lösung eines Alkaloids 
mit säurehaltigem Wasser, so wird dem Aether die Base 
entzogen und in die wässerige Lösung übergeführt. 

Das Stas'sche Verfahren hat mit Recht in neuerer 
Zeit viele Verbesserungen erlitten. Für die Nachweisung 
des Morphins genügt es nicht, weil diese Base in Aether 
fast völlig unlöslich ist^ ferner ist die Voraussetzung unter 
1) nicht unbedingt richtig, denn Brucin z. B. ist als saures 
weinsaures und oxalsaures Salz, nach Dragendorff's 
Angaben, in Alkohol nur schwer löslich. Wollte man 
nach der Stas'schen Methode eine quantitative Bestimmung 
der Alkaloide (die indess nur selten möglich ist) 
ausführen, so würden keine befriedigende Resultate zu 
erwarten sein, weil, abgesehen von der Schwerlöslichkeit 
des Morphins^ auch die übrigen Alkaloide nicht leicht 
von dem Aether aufgenommen werden. 

Um dies Verfahren auch für die Nachweisung des 
Morphins geeignet zu machen, hat Otto*) dasselbe dahin 
verbessert, dass er das Morphin durch überschüssige Natron- 
lauge löst, und, nach dem Verdunsten des in der Flüssig- 
keit gelösten Aethers, das Alkaloid durch eine concen- 
trirte Lösung von Salmiak fällt. Das Morphin scheidet 
sich, während das Ammoniak entweicht, in kleinen Kry- 
stallen aus. 

Graham und Hoffmann**) haben Tbierkohle dazu 
angewandt, um Strychnin aus Lösungen abzuscheiden, 



*) Annal. der Chem. und Pharm. 100. 44. 
**) Annal. der Chem. und Pharm. 83. 39. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 41 

indem sie die Kohle 12—24 Stunden mit der betreffenden 
Flüssigkeit unter häufigem Um schütteln in Berührung 
Hessen, abfiltrirten, mit Wasser auswuschen und zuletzt der 
Kohle durch Auskochen mit 80 — 90procentigem Weingeist 
das Alkaloid wieder entzogen. Nachdem der Weingeist 
abdestillirt war, wurde das Strychnin mit Kalilauge gefällt, 
durch Schütteln mit Aether ausgezogen und meistens so 
i'ein erhalten, dass die Reactionen damit angestellt werden 
konnten. 

Dieses einfache Verfahren kann auch zur Auffindung 
anderer Alkaloide benutzt werden, ist indess in so fern 
nicht ohne Mangel, dass der Erfolg der Arbeit von der 
Güte der Thierkohle abhängig gemacht wird, ein Umstand, 
der um so mehr zu berücksichtigen ist, als die Kohle in 
ihren Eigenschaften je nach der Zubereitung, Aufbewah- 
rung und dem Material, aus welchem sie dargestellt 
wurde, sehr variirt. Im Allgemeinen bleibt die Graham- 
Hofimann'sche Methode in der Zuverlässigkeit bei weitem 
hinter den Erwartungen zurück. 

Weil das Strychnin schon so oft zu gerichtlich-chemi- 
schen Untersuchungen Veranlassung gegeben hat, sind 
mehre Methoden zur Nachweisung dieser Base gegeben 
worden, die auf der Löslichkeit des reinen Alkaloids in 
Chloroform beruhen. 

Nach Prollius*) kocht man mit Weingeist unter 
Zusatz von Weinsäure die zu untersuchende Substanz 
aus, verdampft in gelinder Wärme, filtrirt die saure Lösung 
durch ein angenässtes Filter, setzt Ammoniak im geringen 
Ueberschuss, dann 20 — 25 Gran Chloroform hinzu und 
schüttelt. Man giesst die über dem Chloroform stehende 
Flüssigkeit ab, schüttelt das Chloroform mit etwas Wasser, 
um es von anhängender Lauge zu befreien, setzt 3 Th, 
Weingeist hinzu und lässt verdunsten. 

In ähnlicher Weise verfährt Thomas **), um Morphin 



*) Chem. Centralblatt. 1857. 231. 
**) Zeitschr. für analytische Chemie. 1. 517. 



42 L. iSchachtruppj Anwendung des Amylalkohols 

und Strychnin abzuscheiden und zu trennen. Er lässt 
mit essigsäurehaltigem Wasser digerirend ausziehen, aus 
der filtrirten Flüssigkeit mit Kalilauge im Ueberschuss 
Strychnin fällen und in Chloroform durch Schütteln lösen, 
während das im Ueberschuss des Alkalis gelöste Morphin 
durch Zusatz von Salmiak gefällt werden kann. 

Auch von Rodgers und Girdwood*) ist ein den 
beiden zuletzt erwähnten ähnliches Verfahren angegeben 
worden. 

Wir besitzen demnach in dem Stas'schen Verfahren 
eine Methode zur Nachweisung aller auch der flüchtigen 
Alkaloide (Morphin ausgenommen), während die übrigen 
Vorschriften nur auf einzelne Basen Rücksicht nehmen. 
In neuester Zeit ist mit Recht die Aufmerksamkeit auf 
ein neues Verfahren gelenkt worden, welches im Princip 
mit dem von Stas angegebenen übereinstimmt, sich indess 
in vieler Beziehung sehr vortheilhaft von diesem unter- 
scheidet und sämmtliche Alkaloide in das Bereich ihrer 
Untersuchung zieht. Dies ist die Methode von Erdmann 
und V. Uslar**). Was Stas mit Aether zu erreichen 
sucht, wird hier mit Amylalkohol (Siedepunct 1320) er- 
reicht. 

Die organischen Massen werden, wenn es nöthig ist, 
mit Wasser zu einem dünnen Brei angerührt, mit Salz- 
säure angesäuert und, wenn sie nicht schleimig sind, aus- 
gekocht, im anderen Falle auf dem Wasserbade 1 bis 2 
Stunden digerirt, dann auf ein mit Wasser angefeuchtetes 
Colatorium gebracht. Der Rückstand wird auf gleiche 
Weise nochmals mit salzsäurehaltigem Wasser ausgezogen, 
und die vereinigten Auszüge werden anfangs auf freiem 
Feuer, zuletzt, wenn sie schleimig geworden, auf dem 
Wasserbade unter Zusatz von reinem Quarzsande und 
zuletzt unter Hinzufügen von Ammoniak zur Trockne 
gebracht. Die völlig trockene, alkalisch reagirende Masse 



*) Jahresb. von Liebig und Kopp. 1857. 603. 
**) Annal. der Chem. und Pharm. 120. S. 121 — 122. S, 360. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 43 

bringt man in eine reine, trockne Kochflasche, um sie 
unter Erwärmen auf dem Wasserbade wiederholt mit 
Fuselöl zu extrahiren. Das Letztere wird durch ein mit 
Amylalkohol benetztes Filter filtrirt; es enthält ausser 
dem Alkaloide noch Fette und Farbstoffe gelöst. Um es 
hiervon zu befreien^ schüttelt man dasselbe in einem 
cylindrischen Gefässe mit Salzsäure- oder Phosphorsäure- 
haltigem heissen Wasser, welches dem Fuselöl das Al- 
kaloid entzieht, während Fett- und Farbstoffe in dem auf 
dem Wasser schwimmenden Amylalkohol gelöst bleiben. 
Man nimmt letzteren mit einer Kautschukpipette ab, 
schüttelt die saure Flüssigkeit wiederholt mit neuen Men- 
gen Fuselöl, bis dieselbe möglichst entfärbt und entfettet 
ist und den zuerst abgenommenen Amylalkohol mit einer 
neuen Menge des angesäuerten Wassers, um ihm alles 
Alkaloid sicher zu entziehen^ und vereinigt beide wässe- 
rige Lösungen. Diese werden nun auf dem Wasserbade 
concentrirt, mit Ammoniak im geringen Ueberschuss ver- 
setzt und wiederholt mit Fuselöl geschüttelt. Die Lösung 
des Alkalo'ids in Fuselöl wird abpipettirt, die Flüssigkeit 
noch einmal mit Amylalkohol geschüttelt und letzterer 
auf dem Wasserbade verdunstet, wobei das Alkaloid in 
den meisten Fällen schon in völliger Reinheit zurückbleibt. 
Sollte dasselbe indess noch gefärbt sein, so wird es aber- 
mals mit säurehaltigem Wasser aufgenommen, die Lösung 
mit Amylalkohol geschüttelt und nach dem Uebersättigen 
mit Ammoniak nochmals mit Amylalkohol das Alkaloid 
aufgenommen. 

Im vorigen Jahre hat Dragendorff *) die so eben 
angeführte Methode von Erdmann und v. Uslar einer 
genauen Prüfung unterworfen und ist dabei zu Resultaten 
gekommen, die mit den von mir gesammelten Erfahrun- 
gen nicht völlig übereinstimmen. Er gibt allerdings zu, 
dass der Amylalkohol zur Lösung der Alkaloide beson- 
ders zu empfehlen sei, glaubt indess in dem hohen Siede- 



*) Pharmac. Zeitschr. für Russland. 



44 L. Schachtrupp, Anwendung des Amylalkohols 

puncte und in der Möglichkeit einer Zersetzung desselben 
in nicht flüchtige Stoffe Nachthcilc für das Fuselöl zu 
finden, die das Aufsuchen eines anderen Lösungsmittels 
für diese Zwecke wünschenswerth machten. Man soll 
ferner bei der Anwendung des Amylalkohols darauf achten, 
dass während der Operation die umgebende Atmosphäre 
rein sei von flüchtigen, fremdartigen Stoffen, 

Dragendorff findet alsdann in dem Benzin einen 
Körper, welcher bei der Nachweisung von Strychnin und 
Brucin das Fuselöl zweckmässig ersetzt, und ändert das 
Verfahren von Erdmann und v. Uslar dahin ab, dass 
für Amylalkohol Benzin substituirt wird. 

Die Bedenken, welche Dragendorff gegen das 
Fuselöl vorbringt, sind, meiner Ansicht nach, nicht stich 
haltig. Der hohe Siedepunct könnte den Amylalkohol 
für die Nachweisung flüchtiger Alkaloide, vom theoretischen 
Standpuncte aus betrachtet, wenig geeignet machen, und 
auch Fresenius sagt in seiner qualitativen Analyse, 
dass in solchen Fällen das Verfahren von Stas den Vor- 
zug verdiene; aber directe Versuche haben gezeigt, dass 
auch unter diesen Umständen Resultate erhalten werden, 
die in jeder Beziehung Vertrauen verdienen. Die beiden 
hier in Betracht kommenden Alkaloide, Coniin und Nicotin, 
deren Siedepunct bei 1630 und circa 250^0. liegt, sind in 
der kleinsten Menge nachgewiesen ; denn das Fuselöl 
verdampft in der gelinden Wärme des Wasserbades ziem- 
lich schnell, wenn auch, wie sich von selbst versteht, 
langsamer als Benzin und Aether. Wenn Ein Tropfen 
jener Basen in einer 1 Pfd. und mehr betragenden Menge 
eines künstlichen Speisebreies mit grösster Sicherheit nach- 
gewiesen wird, dann genügt das Verfahren auch für alle 
Fälle des praktischen Lebens, da niemals weniger wie 
diese Menge bei einer gerichtlich- chemischen Analyse 
in Betracht kommen kann. Selbst wenn man zu ängst- 
lich sein sollte, die zuletzt erhaltene reine Lösung des 
flüchtigen Alkaloids in Fuselöl mit diesem in gelinder 
Wärme zu verdunsten, so hat man nur nöthig, mit säure- 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 45 

haltigem Wasser das Alkaloid nochmals auszuziehen, die 
reine, wässerige Lösung desselben direct einzudampfen 
und mit dem Rückstande die nöthigen Reactionen anzu- 
stellen. Man wird aber bis zu dieser letzten Operation 
den Amylalkohol nicht gern entbehren; weil er besser 
wie Benzin, Aether und alle anderen Mittel die Lösungen 
von Fett, ExtractivstofFen etc. reinigt, sich sehr leicht 
aus der damit geschüttelten Flüssigkeit abscheidet und 
v.on ihr trennen lässt und das reine, gefällte Alkaloid voll- 
ständig aus der Flüssigkeit aufnimmt. 

Es muss den gesammelten Erfahrungen des Einzelnen 
anheimgestellt werden, ob er bei flüchtigen Alkaloiden 
dieser oder der Stas'schen Methode den Vorzug geben 
will; handelt es sich aber um die Nach Weisung nicht 
flüchtiger Alkalo'ide, so steht in keiner Weise der An- 
wendung dieser Methode ein Hinderniss im Wege. Wenn 
Dragendorff solche Hindernisse in einer möglicherweise 
statt findenden Zersetzung des Fuselöls findet und nament- 
lich sehr besorgt vor störenden Einflüssen der umgeben- 
den Atmosphäre ist, so muss ich dazu bemerken, dass 
solche Hindernisse hierbei nicht in Betracht kommen, 
in den meisten Fällen gar nicht existiren, und eine der- 
artige Besorgniss vollständig unbegründet ist. Seit vielen 
Jahren ist im hiesigen Laboratorium nach der Erdmann- 
und v. Uslar'schen Methode gearbeitet, und sie hat sich 
stets vorzüglich und tadellos bewiesen. Ich selbst habe 
aus grossen Speisemassen die kleinsten Mengen der Al- 
kalo'ide in ausgezeichneter Reinheit erhalten, habe nie 
Zersetzungsproducte des Fuselöls bemerken können, die 
irgend welchen störenden Einfluss auf die Reactionen der 
abgeschiedenen Alkaloide gehabt hätten. Um nun einen 
Gegenbeweis gegen die von Dragendorff besonders 
betonten Atmosphäreneinflüsse beizubringen, brauche ich 
wohl nur zu bemerken, dass bei der Ausführung der 
zahlreichen gerichtlich -chemischen Analysen hieselbst ein 
solcher Einfluss niemals hat beobachtet werden können. 
Wo so viele Praktikanten wie in dem hiesigen grossen 



46 L. Schachtrupp, Anwendung des Amylalkohols 

und stark besuchten akademischen Laboratorium arbeiten, 
ist die Luft leider oft im höchsten Grade mit schädlichen 
Gasen und Dämpfen erfüllt; aber nie hat dieser Umstand 
eine nachtheilige Wirkung auf die Resultate der Analyse 
oder der Reactionen ausgeübt, und es ist mir in der That 
auch unklar, worin ein solcher störender Einfluss bestehen, 
und welche Verbindungen denselben ausüben sollten. 

Dagegen lässt sich gegen die Anwendung des Benzins, 
so vorzüglich seine Lösungsfähigkeit für viele Alkaloide 
auch ist, vom praktischen Standpuncte aus betrachtet, 
Manches einwenden. Wird der mit Säuren bereitete Aus- 
zug aus organischen Massen, welcher stets mehr oder 
weniger färbende, extractartige Materien gelöst enthält, 
mit Benzin geschüttelt, entweder um der Flüssigkeit nach 
Zusatz von Ammoniak das Alkaloid zu entziehen, oder 
um dieselbe von den gelösten organischen Massen so viel 
wie möglich zu befreien, so erhält man in vielen Fällen 
ein so zähes, schleimiges Magma, dass man rathlos hin- 
sichtlich der weiteren Verarbeitung dasteht. Mir ist es 
vorgekommen, dass die ganze Flüssigkeit durch das Benzin 
zu einer Emulsion geworden war, die sich nach mehren 
Stunden nicht klären wollte. Was soll man da nun an- 
fangen? Dragendorff macht auf diesen Uebelstand 
selbst aufmerksam und räth, unter solchen Umständen 
das Gemisch einer Temperatur von -f- 50 bis 600 C. aus- 
zusetzen oder, wenn diese Manipulation fehlschlagen sollte, 
die Klärung durch einige Tropfen Alkohol zu bewirken; 
doch führen auch diese Hülfsmittel nicht immer sicher zum 
Ziele. Einen zweiten Nachtheil hat die Anwendung des 
Benzins dadurch, dass es sich schwer von dem damit 
geschüttelten Wasser trennen lässt, dass letzteres oft in 
kleinen Tröpfchen hartnäckig gleichsam in dem Benzin 
vertheilt sitzt. Man soll in solchen Fällen bei grösseren 
Flüssigkeitsmengen zu einem Scheidetrichter, bei kleineren 
zu einer Bürette seine Zuflucht nehmen und die letzten 
Wassermengen durch ein angenässtes Filter von dem 
Benzin trennen. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 47 

Bei dem Gebrauche des Fuselöls umgeht man diese 
Klippen. Tritt bei dem Schütteln einer Flüssigkeit 
mit demselben nicht sofort die Trennung ein, so ge- 
nügt ein sehr kurzes Erwärmen auf dem Wasserbade, 
um die Scheidung sofort herbeizuführen, und diese 
ist dann stets so vollständig, dass bei einiger Uebung 
der Amylalkohol bis auf den letzten Tropfen mit einer 
Kautschukpipette abgenommen werden kann. Es hat 
ferner viel für sich, wenn man bei so subtilen Unter- 
suchungen, wie es die Nachweisungen der Alkaloide sind, 
mit der Benutzung vieler Gefässe, so wie auch mit der 
Anwendung der Filtrationen so sparsam als möglich ist; 
denn in solchen Fällen muss der kleinste Verlust mit 
der grössten Aengstlichkeit vermieden werden, was um 
so mehr geschieht, in je einfacherer Weise die Opera- 
tionen ausgeführt werden. 

Ich will bei dieser Gelegenheit noch einen Gegen- 
stand zur Sprache bringen. 

Bei gerichtlich -chemischen Untersuchungen fehlt es 
selten an bestimmten Anhaltspuncten hinsichtlich der zur 
Vergiftung angewandten Substanz, so dass dem Gerichts- 
chemiker in den meisten Fällen Fingerzeige von Seiten 
des Gerichtes oder des Arztes gegeben werden können. 
Um so nöthiger ist dies, wenn es sich um die Auffindung 
von Alkaloiden handelt. Der Sectionsbefund hat in die- 
sen Fällen eine ganz besonders grosse Wichtigkeit, weil 
er häufig sichere Schlüsse auf das vorhandene Alkaloid 
gestattet. Es wäre jedoch auch möglich, dass dem Gerichts- 
chemiker bei einer Vergiftung mit Alkaloiden gar kein 
Anhaltspunct gegeben werden könnte; und in einem sol- 
chen Falle würde eine Methode, die gleichzeitig den 
Nachweis aller hierher gehörender Alkaloide gestattete, 
von doppelt grossem Werthe sein. 

Die Stas'sche Methode ist nicht anwendbar, weil 
Morphin dadurch übersehen und jede mögliche quantita- 
tive Bestimmung problematisch würde; die Methode von 
Graham und Hoffmann dürfte noch nicht die Probe 



48 L. Schachtrujjp, Anwendung des Amylalkohols 

für eine solche Erweiterung in ihrer Anwendung bestan- 
den haben; dagegen würde man nach dem Erdmann- 
Uslar'schen Verfahren bei genauem Arbeiten nie Gefahr 
laufen, irgend ein Alkaloid zu übersehen, während in 
einem solchen Falle das Benzin allein nicht zum Ziele 
führt, weil Morphin von demselben gleichfalls nicht gelöst 
wird. 

Es ist von Dragendorff die grössere Löslichkeit 
des Strychnins in Benzin bewiesen und hervorgehoben, 
100 Th, Benzin lösen 0,G07 Th. Strychnin, eben so viel 
Fuselöl löst 0,55 Th. desselben. Jedenfalls liegt darin 
kein Vorwurf; denn die Abweichung in der Löslichkeit 
ist sehr gering und kann nicht in Betracht kommen. Der 
Amylalkohol besitzt durchschnittlich eine so grosse Lö- 
sungsfähigkeit für Alkaloide, dass dadurch sein Werth 
für gerichtlich-chemische Untersuchungen noch besonders 
erhöht wird. Nach den von M. Kubly*) über die Alka- 
loide des Opiums bei forensisch -chemischen Untersuchun- 
gen mitgetheilten Beobachtungen, ist dem Benzin, wenn 
es sich um die Isolirung von Narcotin, Papaverin und 
Thebain handelt, der Vorzug vor dem Fuselöl zu geben, 
weil letzteres die genannten Körper in geringerem Grade 
löst; dagegen wird der Amylalkohol zu dem Nachweise 
von Morphin wiederum empfohlen, und zugleich sein grös- 
seres Löslichkeitsvermögen für Codein hervorgehoben. 

Bei einer Vergiftung mit Opium ist der Beweis, dass 
das Verbrechen mit dieser Substanz ausgeführt ist, meiner 
Ansicht nach dadurch am schlagendsten geführt, wenn 
neben Morphin und Narcotin das Vorhandensein der Mecon- 
säure nachgewiesen ist. Sollte man Substanz genug haben, 
um bei solchen Analysen auch die Gegenwart der übrigen 
im Opium enthaltenen Basen zu beweisen, so würde, 
nach M. Kubly, das Erdmann -Uslar'sche Verfahren 
dahin abzuändern sein, dass die von organischen Materien 
und Farbstoffen befreite wässerige Lösung der Alkaloide 



*) Pbarmaceutische Zeitschrift für Russland. 



zur Darstellung ii. quantif. Bestimmung des Morphins etc. 49 

auf Zusatz von Ammoniak zuerst mit Benzin und dann 
mit Fuselöl behandelt würde. Das erstere enthält dann 
Narcotin, Papaverin, Thebain und Codein gelöst, in dem 
letzteren ist das Morphin enthalten. Behandelt man nach 
Entfernung des Benzins den Rückstand mit Fuselöl in 
der Kälte, so wird das Codein gelöst. Von den drei 
rückständigen Basen Narcotin, Papaverin und Thebain 
wird ersteres durch Behandeln mit essigsäurehaltigem 
Wasser getrennt, in welchem Narcotin unlöslich ist, The- 
bain und Papaverin können durch Versetzen einer schwe- 
felsäurehaltigen Lösung mit Jodwismuth -Jodkalium ge- 
trennt werden, durch welches Thebain gefällt und Papa- 
verin gelöst bleibt. Kubly gibt alsdann für die zuletzt 
genannten Alkaloide die Specialreactionen an. Ich lasse 
mich hier auf diese weiteren Details nicht ein, sondern 
erlaube mir, aus der nüchternen Praxis noch einige Be- 
merkungen einschalten zu dürfen. 

Es ist die interessante und schöne Arbeit von Kubly 
allerdings in so fern von grossem Werthe, als der Ver- 
fasser über die Trennungen und beweisenden Reactionen 
der Alkaloide Papaverin, Thebain und Narcein Licht ver- 
breitet; aber schwerlich glaube ich, dass bei der prak- 
tischen Ausführung der über Opiumvergiftung angestellten 
Analysen der betreffende Gerichtschemiker in allen Fällen 
Material genug hat, um die Trennung dieser im Opium 
nur in geringer Menge vorkommenden Basen ausführen 
und ihr Vorhandensein sicher bestätigen zu können. Wenn 
man in einer grösseren Menge Speisebrei 5 Gran Opium 
hat, so ist man zufrieden, Morphin, Narcotin und Mecon- 
säure mit Sicherheit nachgewiesen zu haben, und hat 
man diese Verbindungen gefunden, so sinkt damit der 
etwaige Nachweis der übrigen Körper im Opium zu 
einem Beweise von nur secundärem Werthe herab. Es 
ist ein grosser Unterschied, ob man die reinen Basen 
mit künstlichem Speisebrei mischt, um sie aus demselben 
wieder abzuscheiden, oder ob man einige Grane Opium 
zu solchen Versuchen nimmt, oder ob gar Leichentheile 
Arch.d. Pharm. CLXXXII.Bds. l.u.2.Hft. 4 



50 L. Schac?itrupp, Anwendung des Amylalkohols 

zu prüfen sind, die vielleicht nicht mehr wie einige Grane 
noch unzersetzten Opiums enthalten. 

Sollte ich eine Untersuchung auf Opium machen 
müssen, so würde ich, gestützt auf die Lehren der Wissen- 
schaft, das Vorhandensein des Opiums vor dem Gerichte 
angeben, wenn ich den bestimmten Nachweis der oben 
angeführten Verbindungen beizubringen im Stande wäre, 
auch wenn es mir nicht möglich sein sollte, Narcein, 
Thebai'n, Code'in und Papaverin aufzufinden. 

Hinsichtlich der bestätigenden Reactionen für Morphin 
legt Kubly viel Werth auf die von Husemann ange- 
gebene Reaction, die durch Erhitzen des Morphins auf 
100 — 1500 und nach dem Erkalten durch Hinzufügen 
von Salpetersäure ausgeführt wird. Es tritt anfangs car- 
raoisin- oder blau violette Färbung ein, welche allmälig 
durch Blutroth in Dunkelorange übergeht. So empfindlich 
diese Reaction auch ist, so lege ich doch das grösste 
Gewicht auf das Verhalten der Eisenoxydsalze gegen 
Morphin und würde nie das Vorhandensein desselben für 
bewiesen halten, wenn diese Reaction nicht in völliger 
Deutlichkeit auftreten sollte. 

Wenn Kubly anführt, dass sie nur bei einem ho- 
hen Grade von Reinheit und nur in concentrirter Lösung 
des Morphins erfolge, so muss ich das erstere zugeben, 
das zweite indess nach meinen Beobachtungen bezweifeln. 
Auch eine verdünnte Lösung von Morphin gibt die be- 
wusste Reaction sehr schön und deutlich, wenn man einen 
Tropfen einer möglichst neutralen Lösung von Eisenchlorid 
in die Flüssigkeit fallen lässt. Viel schöner beobachtet man 
im Allgemeinen diese so wie alle Reactionen der AlkaloVde 
in einem sauberen, recht weissen Porcellanschälchen, als 
auf Uhrgläschen. 

Eben so vortheilhaft wie die Erdmann- Uslar'sche 
Methode bei gerichtlich- chemischen Untersuchungen über- 
haupt, als auch speciell bei dem Auffinden des Morphins 
ist, so sichere Resultate liefert sie bei dem Nachweise 
des Strychnins. Ein einfacher Versuch, den ich hier noch 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 51 

anführen will, bestätigt dies wiederum. Man nehme un- 
gefähr den dritten oder vierten Theil eines einzigen 
Strychninsamens, durchfeuchte denselben mit Amraoniak- 
liquor und lasse ihn an der Luft oder in gelinder Wärme 
austrocknen. Bringt man das kleine Stück in ein Pro- 
bierröhrchen, giesst etwas Fuselöl darauf und erhitzt über 
der Gasflamme einige Augenblicke, so geben schon wenige 
Tropfen des verdunsteten Amylalkohols mit Schwefelsäure 
und saurem chromsauren Kali die prachtvolle Reaction 
auf Strychnin. 

Letheby will gefunden haben, dass Ferridcyankaliüm 
und das von Otto empfohlene zweifach chromsaure Kali 
weniger sicher zur Erkennung des Strychnins seien, als 
Braunstein, Bleihyperoxyd und der galvanische Strom. 
Ich habe nie irgend welchen erheblichen Unterschied 
zwischen dem Braunstein, Bleihyperoxyd und dem Chrom- 
säure-Salze bemerkt; wo das letztere kein Strychnin 
anzeigt, ist auch kein Strychnin vorhanden. 

Was diese letzteren Reactionen (mit den Hyperoxyden 
von Mangan und Blei, so wie mit saurem chromsauren 
Kali und Ferridcyankaliüm) anbetrifft, so verdient her- 
vorgehoben zu werden, dass nach Dragendorff's Beob- 
achtungen auch das Curarin völlig gleiche Reactionen gibt. 
Es bleiben alsdann für Strychnin noch die durch Kalium- 
Quecksilberjodid, Gerbsäure, Platinchlorid, Goldchlorid 
und Chlorwasser charakteristischen Fällungen als Erken- 
nungsmittel übrig, welche^ wenn sie gleichzeitig mit den 
oben bemerkten Reactionen auftreten, die Gegenwart des 
Strychnins und Abwesenheit des Curarins beweisen. Ka- 
lium - Quecksilberjodid gibt in einer von Alkohol, Essig- 
säure und Ammoniak freien Lösung des schwefelsauren 
Strychnins einen amorphen gelben, Gerbsäure und Chlor- 
wasser bewirken einen weissen, Platinchlorid und Gold- 
chlorid einen grauen Niederschlag. Da das Curarin aus 
wässeriger Lösung nicht in Benzin übergeht, so kann es 
dadurch leicht vom Strychnin getrennt werden, welches 
sich leicht in Benzin löst. 



52 L. Schachtrupp, Amoendung des Amylalkohols 

Es kann mir schwerlich ein Vorwurf darüber gemacht 
werden, dass ich viele der früher empfohlenen und in 
jüngster Zeit noch aufgefundenen Methoden zur Abschei- 
dung der Alkaloide für gerichtlich -chemische Analysen 
unberücksichtigt gelassen habe; denn bei dem grossen 
Umfange der Literatur über diesen Gegenstand würde 
selbst eine kurze Uebersicht und Beschreibung aller in 
dieses Gebiet schlagenden Arbeiten eine besondere und 
umfangreiche Arbeit für sich ausmachen und mich weit 
über die Grenzen des mir gestellten Themas hinausführen. 

Ich will nur hervorheben, dass die von Sonnen- 
schein angegebene Methode, welche der Stas'schen an 
Zuverlässigkeit völlig gleich zu stellen ist und auf der 
Fällung der Alkaloide durch Phosphormolybdänsäure be- 
ruht, nach dem Bekanntwerden des Erdmann-Uslar'schen 
Verfahrens von dem Autor selbst aufgegeben ist, indem 
er die Vorzüge des letzteren bereitwillig und oflfen an- 
erkannte. 

Zum Schlüsse mag es mir erlaubt sein^ noch einen 
Punct in Bezug auf den Nachweis der Alkaloide hervor- 
zuheben. Cloetta hat vor einiger Zeit eine Arbeit über 
das Auffinden des Strychnins in organischen Massen publi- 
cirt, welche von C. Neubauer in Fresenius' Zeitschrift 
für analytische Chemie mitgetheilt ist. Ohne mich auf 
die Beschreibung der von Cloetta angewandten Methode 
und der sonstigen hierauf bezüglichen Bemerkungen ein- 
zulassen, will ich nur die von demselben gefundene That- 
sache hervorheben, dass Morphin und Strychnin, in den 
lebenden thierischen Organismus gebracht, einer gänzlichen 
Zersetzung zu unterliegen scheinen, indem Cloetta in 
keinem Theile des Thierkörpers die genannten Alkaloide 
aufzufinden im Stande war. 

Im Widerspruch mit diesen Angaben stehen die 
Untersuchungen des Pharmaceuten Masing in Dorpat*), 
welcher Strychnin in mehren Fällen im Blute, in beträcht- 



*) Pharmac. Zeitschr. für Russland. 



zur Darstellung u. quantit. Bestimmung des Morphins etc. 53 

lieber Menge in der Leber, in geringerer Menge in den 
Nieren, der Milz und Pancreasdrüse, im Duodenum und 
der oberen Hälfte des Dünndarmes, so wie aucb stellen- 
weise im Harne nachgewiesen hat, während er das Gift 
im Herzen, in der Lunge, der unteren Hälfte des Dünndar- 
mes, den Faeces, dem Gehirne, den vom Blute entleerten 
grösseren Gefässen nicht aufzufinden im Stande war. 

An diese Angaben schliesst sich ein von mir beob- 
achteter und untersuchter Fall an. Eine Katze hatte im 
Verlaufe von 24 Stunden 15 Gran Morphin bekommen; das 
Gift schien keine Wirkung auf sie auszuüben. Sie wurde 4 
bis 5 Stunden nach der letzten Darreichung des Giftes ge- 
tödtet. Der Magen war fast leer. Es wurden Herz, Lun- 
gen, Magen, Gedärme mit Faeces und der Harn, welcher 
die Harnblase fast ganz anfüllte, untersucht, zum Theil 
nach der Sonnenschein'schen, zum Theil nach der Erd- 
mann-Uslar'schen Methode. Trotz des genauesten Arbeitens 
konnte in keinem der angeführten Körpei'theile auch nur 
eine Spur Morphin nachgewiesen werden. 



Deber Ereosotgas; 

von 

L. Ramdohr, 

techn. Dirigeut der Mineralöl - und Paraffin - Fabrik Georghütte bei 
Aschersleben. 



L 

Bei der Verarbeitung des Braunkohlentheers auf 
Mineralöle (Photogen, Solaröl) und Paraffin werden die 
in den Rohproducten enthaltenen und in denselben lös- 
lichen, der Carbolsäure-Reihe angehörigen Stoffe 
(welche in der Technik aus naheliegenden und bekannten 
Gründen überall kurzweg als Kreosot bezeichnet werden, 
und für welche in nachstehenden Zeilen der 
Kürze halber ebenfalls nur dieser Ausdruck 
benutzt werden wird) durch concentrirte Aetznatron- 
lauge ausgeschieden. Das Kreosot-Natron ist in den 
Mineralölen etc. unlöslich und scheidet sich nach erfogter 



54 L. Ramdohr, 

Mischung der Rohöle mit der Natronlauge am Boden des 
Mischgefässes als eine tiefschwarze, schwere, in der Wärme 
ziemlich leichtflüssige Schicht ab, von welcher das kreosot- 
freie Oel zur weiteren Behandlung mit Schwefelsäure 
u. s. w. abgehoben wird. 

Die Ausgabe für Aetznatron repräsentirt in allen den- 
jenigen Fabriken, welche Braunkohlentheer verarbeiten, 
eine ganz respectable Zahl ; man rechnet im grossen Durch- 
schnitt auf 1 Ctr. Theer für 10 Sgr. bis 13 1/2 Sgr. Aetz- 
natron. Nimmt man an, dass in der Provinz Sachsen im 
Jahre 1865 etwa 450,000 Ctr. Braunkohlentheer auf Mineral- 
öle und Paraffin verarbeitet worden sind und rechnet 
man auf 1 Ctr. Theer nur das Minimum von 10 Sgr. 
für Aetznatron, so beläuft sich die Ausgabe für diesen 
Artikel schon auf 150,000 Thlr. Trotzdem hat man bis- 
her wenig Glück mit einer Verwerthung des Kreosot- 
natron gehabt, welche auch nur etwas] über die Hälfte 
der Kosten für das Alkali gedeckt hätte. 

Einige der grösseren Fabriken verwenden noch jetzt 
das Kreosotnatron zum Imprägniren der zum Ausbau der 
Schächte und Strecken benutzten Hölzer oder verkaufen 
es zu gleichem Zwecke für den Preis von 1 bis höchstens 
1^/4 Thlr. pro Centner. Wenn man nun in 100 Pfd. Kreosot- 
natron etwa 50 Pfd. Kreosot und 20 Pfd. käufliches Aetz- 
natron in Form von 50 Pfd. Lauge, den Werth von 
1 Ctr. Kreosot aber zu 25 Sgr. annimmt, so werden die 
in 100 Pfd. Kreosotnatron enthaltenen 20 Pfd. Aetznatron 
im günstigten Falle zu 15 Sgr., 100 Pfd. des Natrons 
mithin zu 21/2 Thlr. verwerthet, was etwa 30 Proc. vom 
Selbstkostenpreise ausmacht. Diese Benutzung des Kreosot- 
natrons ist, namentlich mit Rücksicht darauf, dass das 
Kreosot für sich allein nicht stets gut zu verwerthen ist, 
immerhin noch vortheilhafter, als die hier und da übliche 
Trennung des Kreosots aus seiner Verbindung mit dem 
Natron unter Bildung von Glaubersalz. Zu diesem ßehufe 
wird nämlich das Kreosotnatron mit der zur Reinigung 
der Rohöle benutzten Schwefelsäure gemischt 5 dabei schei- 
det sich obenauf das rohe Kreosot als tiefschwarze Flüs- 



über Kreosotgas. 55 

sigkeit aus, während das Glaubersalz sich in wässeriger 
Lösung im unteren Theile des Gefässes vorfindet. Die 
so gewonnene rohe Carbolsäure wird häufig auch für sich 
allein zum Imprägniren der Grubenhölzer verwendet. 
Dies Verfahren dürfte, wie schon erwähnt, fast überall 
zu verwerfen sein; jedenfalls ist es nur in dem gewiss 
äusserst seltenen Falle gerechtfertigt, wo die gebrauchte 
Schwefelsäure als werthloses, dagegen Kreosot und Glauber- 
salz als gut bezahlte Producte zu betrachten sind. Hierbei 
mag nicht unerwähnt bleiben, dass der Mineralöl-Fabrikant 
es fast immer in der Hand hat, seine bereits gebrauchte 
Schwefelsäure zu verhältnissmässig gutem Preise zu ver- 
werthen. Diese Säure eignet sich nämlich ganz vorzüg- 
lich zum Aufschliessen der Knochenmehle oder des Bein- 
schwarzes behufs Darstellung des sogenannten sauren 
phosphorsauren Kalkes; sie lässt sich in diesem Pralle — 
vorausgesetzt, dass man die Fabrikation dieses Dünge- 
mittels selbst betreibt — mit mindestens 1 1/4 Thlr. pro 
Centner verwerthen, andern Falls ist sie an nahegelegene 
Düngerfabriken mit 20 bis 15 Sgr. abzusetzen. 

Für vortheilhafter habe ich die folgende Verarbeitungs- 
weise gehalten, welche ich seit etwa sechs Jahren auf 
der Mineralöl- und Paraffinfabrik Georghütte bei Aschers- 
leben angewandt habe. Das Kreosotnatron wird in einem 
den bei hüttenmännischen Processen gebräuchlichen Flamm- 
öfen nicht unähnlichen Ofen zur Entzündung gebracht. 
Die Sohle (den Heerd) dieses Ofens bildet eine starke 
gusseiserne Pfanne von circa 8 Fuss Länge, 4 Fuss Breite 
und 9 Zoll Tiefe. Die Ränder dieser Pfanne sind durch 
Chamotte-Uebermauerung gegen die directe Einwirkung 
der Flamme geschützt. Die Entzündung des Kreosots 
erfolgt durch die von einem 2^/2 Quadratfuss grossen 
Roste herkommende, durch Verbrennung von erdiger Braun- 
kohle erzeugte, über die in der Pfanne befindliche Flüssig- 
keit hinwegstreichende Flamme sehr leicht und an der 
ganzen Fläche. Die Verbrennungsproducte werden unter 
der auf einem 10 Zoll starken ChamottegewÖlbe ruhenden 
Pfanne zurück und sodann seitwärts einem etwa 50 Fuss 



56 L. Ramdohr, 

hohen, 2 Fuss im Lichten weiten Schornsteine zugeführt. 
Während an der einen schmalen Seite des Ofens sich 
der Rost für die Feuerung befindet, ist an der entgegen- 
gesetzten Seite eine Arbeitsöffnung zum Durchkrücken 
des brennenden Pfannen-Inhalts, ausserdem aber an einer 
der Breitseiten eine zweite Oeffnung zum Entleeren der 
Pfanne angebracht. Selbstverständlich sind beide Arbeits- 
öffnungen durch Thüren verschliessbar. Der Gang des 
Betriebes ist nun einfach folgender. Das in dem Kreosot- 
natron enthaltene Wasser verdampft, das Kreosot verbrennt 
unter Ausscheidung eines kohlenstoffreichen porösen Coks, 
welcher mit dem unverbrennlichen, resp. nicht flüchtigen 
Natron gemengt, in der Pfanne als glühende Masse zurück- 
bleibt, welche durch die zweite Arbeitsöffnung ausgezogen 
und behufs der Abkühlung in geeignete eiserne Gefässe 
geworfen wird. Ein grosser Theil der durch Verbrennung 
des Kreosots erzeugten Kohlensäure geht selbstverständ- 
lich an das Natron. 

Mittelst einer solchen Pfanne lassen sich in 10 Arbeits- 
stunden bequem 20 bis 25 Centner Kreosotnatron auf- 
arbeiten und es resultiren daraus 30 bis 33 Proc. natron- 
haltiger Cok, kurzweg als „Natroncok" bezeichnet. 

Nehmen wir in 100 Pfd. Kreosotnatron 20 Pfd. käufli- 
ches Aetznatronhydrat (caust. Soda) an, so beträgt nach 
Abrechnung der vom Natron aufgenommenen Kohlensäure 
die Quantität des aus dem Kreosot ausgeschiedenen Kohlen- 
stoffs etwa 10 Pfd., also circa 20 Pi'oc. von dem Gewichte 
der in jenen 100 Pfd. Kreosotnatron enthaltenen Kreosots 
selbst. Ausserdem entweicht noch ein Theil unverbrannten 
Kohlenstoffs aus dem Schornstein. 

Es ist einleuchtend, dass der in der Pfanne zurück- 
bleibende Cok das gesammte, zur Ausscheidung des Kreo- 
sots aus den Mineralölen etc. benutzt gewesene Aetznatron 
in der Form von kohlensaurem Natron enthalten muss; 
eben so einleuchtend ist es, dass das kohlensaure Natron 
ein viel leichter zu verwendender und werthvollerer Stoff 
ist, als das bei Zersetzung des Kreosotnatrons mittelst 
Schwefelsäure erhaltene Glaubersalz — mit einem Worte, 



über Kreosotgas. 57 

dass diese Art der Nutzbarmachung des Kreosotnatrons 
gewinnbringender sein wird, als die beiden zuvor mit- 
getheilten Verwerthungsmethoden. Die Arbeitslöhne sind 
nicht bedeutend und eine etwas erhebliche Abnutzung 
tindet nur bei der gusseisernen Pfanne statt. 

Die Natroncoks wurden anfänglich an eine chemische 
Fabrik verkauft, welche jedenfalls das Katron daraus 
wiedergewonnen haben wird-, späterhin habe ich sie selbst 
auf Aetznati'onlauge zur sofortigen directen Wiederver- 
wendung in der Mineralöl -Fabrikation verarbeitet. 

Trotz der unleugbaren Vorzüge dieser Methode zur 
Verwerthung des Kreosotnatrons genügte mir dieselbe 
nicht, wenn ich daran dachte, dass das Kreosot gänzlich 
verloren ginge, höchstens als Brennmaterial etwas nützend, 
und so kam ich schon vor einigen Jahren auf den Gedanken, 
dass das Kreosot auch auf Leuchtgas zu ver- 
arbeiten sein müsste. Mehrfache, diese Vermuthung 
befestigende Betrachtungen veranlassten mich schon vor 
etwa zwei Jahren, von einem Freunde Vergasungsversuche 
mit dem carbolsauren Natron vornehmen zu lassen; obwohl 
diese Versuche nur als ganz primitive zu bezeichnen 
waren, insofern die eigenthümliche Consistenz des zu unter- 
suchenden Körpers und die hauptsächlich beabsichtigte 
Darstellung eines möglichst reinen kohlensauren Natrons 
als Retorten - Rückstand ganz besondere, zu einem vor- 
läufigen Versuche nicht gut herstellbare Vorrichtungen 
erforderlich gemacht haben vnirde, so zeigte sich doch 
schon damals, dass meine Voraussetzungen an sich richtig 
waren : das Gas wurde mir als ein vorzüglich hell leuch- 
tendes und mit Leichtigkeit zu entwickelndes bezeichnet. 
Messungen hinsichtlich der Leuchtkraft und der Quantität 
fanden bei diesen flüchtigen Versuchen nicht statt; es 
hätte dies damals auch wenig Werth gehabt, insofern 
zur Verdickung der Masse Sägespäne angewandt werden 
mussten und diese auf Qualität und Quantität des Gases 
nicht ohne Einfluss gewesen sein mochten. Späterhin — 
es war gegen Ende des Jahres 1865 — Avürde ein zweiter, 
aber auch nur roher^ Versuch in der Weise ausgeführt; 



58 L. Bamdohr, 

dass in der Holzgas- Anstalt zu Sondershausen das Kreosot- 
natron, nicht gemengt mit Sägespänen oder dergl., mittelst 
Schaufeln auf das bereits ausgegaste Holz geworfen wurde. 
Auch hier resultirte ein sehr schön leuchtendes Gas in 
erheblicher Menge. Specielle Messungen konnten leider 
auch hier nicht vorgenommen werden. Indess war doch 
die Möglichkeit einer vortheilhaften Vergasung der Car- 
bolsäure zur Evidenz nachgewiesen, und es handelte sich, 
bevor zur praktischen Nutzbarmachung der Idee geschritten 
wurde, nur noch um Feststellung der Qualität und Quan- 
tität des erzeugten Leuchtgases. Zu einem derartigen 
letzten Versuche hatten die mir befreundeten Besitzer 
eines technischen Etablissements die Güte, die Hand zu 
bieten. Dieselben erzeugen zur Beleuchtung ihrer Fabrik 
in einer Chamotteretorte Steinkohlengas. Der Gasbehälter 
war möglichst leer gemacht und die Reinigungskästen 
mit frischem Kalk beschickt worden. Eine mehrtägige 
Vergasung von dem aus der Mineralöl- und Paraffinfabrik 
Georghütte stammenden Kreosotnatron ergab nun im 
Wesentlichen folgendes Resultat: 

1) 100 Pfd. Kreosotnatron ergaben circa 550 Cubikfuss 
Leuchtgas. (Wenn in 100 Pfd. des Kreosotnatrons 
50 Pfd. Kreosot enthalten sind, so beträgt dies auf 
100 Pfd. der letzteren eine Ausbeute von 1100 
Cubikfuss Gas.) 

2) Das Kreosotgas, aus einem gewöhnlichen Stein- 
kohlengas-Schnittbrenner, welcher pro Stunde 5 
Cubikfuss Gas verbraucht, gebrannt, zeigte eine 
Lichtstärke von 38 Wachskerzen (6 auf ein Pfund 
bei 10 Zoll Länge), 

3) Desgl. aus einem 4 Cubikfuss Schnittbrenner von 
28 Wachskerzen. 

4) Desgl. aus einem 3 Cubikfuss Schnittbrenner von 
19 Wachskerzen. 

5) Trotzdem ein Theil der erzeugten Kohlensäure an 
das in der Retorte zurückbleibende Natron gegangen 
war, so fanden sich im Gase doch noch erhebliche 
Quantitäten freier Kohlensäure vor. 



über Kreosotgas. 59 

6) Die Chamotte- Retorte hatte nur bei der ersten 
Beschickung mit Kreosotnatron Gas durchgelassen; 
später war sie dicht geblieben. 

Obwohl die vorstehenden Zahlenangaben auf absolute 
Genauigkeit Anspruch nicht machen dürfen (es würde 
dazu eine längere Experimentirzeit gehören), so erschien 
doch auf Grund der erfolgten Beobachtungen die Verwend- 
barkeit des Kreosotnatrons zu Leuchtgas vollkommen ge- 
sichert, und zwar um so mehr, als das eigentlich wich- 
tigere Product — nämlich die mit kohlensaurem Natron 
imprägnirten Coks — in der bequemsten Weise nebenbei 
gewonnen werden. Es wurde deshalb die Einrichtung 
einer Kreosotgas -Anstalt für die Georghütte beschlossen 
und es dürfte deren Benutzung im October dieses Jahres 
erfolgen. 

Bei der Bestimmung über die Einrichtung der Retorten- 
öfen schwebten mir ursprünglich folgende Ideen vor: 

1) Man hätte jeden Ofen mit zwei Retorten (A- und 
B-Retorte), welche durch ein etwa fünfzölliges Rohr unter 
einander hätten verbunden werden müssen, versehen kön- 
nen. In Retorte A würde eine einfache Verdampfung 
des Wassers und des Kreosots, in der mit Coksstücken 
u. s. w. gefüllten Retorte B die Vergasung der aus A 
herübertretenden Kreosotdämpfe statt zu finden haben. 
Voraussichtlich hätte man beide Retorten durch ein einziges 
Feuer heizen können, welches zuerst die Retorte B und 
dann erst die Verdampfungs- Retorte A hätte berühren 
müssen. 

Jedenfalls hätte indess die Leuchtgas - Fabrikation 
bei Anwendung dieses Systems einige Schwierigkeiten 
insofern mit sich gebracht, als es nicht gerade leicht sein 
möchte, die Rostfläche^ die passende Grösse und das ge- 
eignete Material der beiden Retorten ohne vorhergegangene 
längere Versuche, so zu sagen lediglich nach dem Gefühl, 
zu bestimmen. Bei der nicht immer gleichmässig guten 
Beschaffenheit des Heizmaterials, namentlich wenn dasselbe 
Braunkohle ist, würde der Betrieb eines solchen Doppel- 
ofens sogar grosse Schwierigkeiten haben, wenn man 



60 L. liamdohr, 

bedenkt, dass Retorte A eben nur eine solche Temperatur 
erhalten darf, wie sie zur Verdampfung des Kreosots 
erforderlich ist, während Retorte B unter allen Umständen 
die nöthige Vergasungstemperatur erhalten muss. Ausser- 
dem würde, da für jeden Fall ein Reserveofen hätte vor- 
handen sein müssen, die Ofenanlage gerade nicht billig 
geworden sein. Mit Rücksicht auf alle diese mit Be- 
stimmtheit vorauszusehenden Mängel wurde von der An- 
lage eines solchen Doppel -Retortensystems abgesehen, 
trotzdem dasselbe im Princip jedenfalls richtig ist. 

2) Eine andere Art der Verarbeitung des Kreosot- 
natrons würde darin bestehen, dass man diesen Körper 
mit Sägespänen, gebrauchter Lohe, Braunkohlencok, oder 
ähnlichen Stoffen zu einem steifen Brei gemengt, schaufel- 
weise in eine ganz gewöhnliche Gasretorte einträgt und 
zur Vergasung bringt. Der Uebelstand indess, dass einer- 
seits es nicht unbedeutende Quantität irgend eines der 
erstgenannten Körper erforderlich und deren Beschaffung 
noch mit besonderen Kosten verknüpft sein würde, während 
andererseits dadurch das Volumen der natronhaltigen 
Coks nicht nur wesentlich vergrössert, sondern die letzteren 
noch mit einen unnützen, für ihre Verarbeitung auf Natron- 
lauge jedenfalls nachtheiligen Ballast beladen werden 
würden, Hess mich auch von dieser Art der Vergasung 
des Kreosotnatrons absehen. 

3) Aus ähnlichen Gründen musste davon abgesehen 
werden, die Vergasung des Kreosots in einer Retorte aus- 
zuführen, welche ähnlich den bei der Harzgasfabrikation 
angewandten mit Coks oder Ziegelstücken etc. gefüllt 
ist; der natronhaltige Cok würde massenhaft mit fremd- 
artigen Körpern, welche von ihm incrustirt sein würden, 
vermengt sein und vielleicht hätte fast Stunde um Stunde 
eine Entleerung des Retorter-Inhalts statt finden müssen. 

In Berücksichtigung dieser und ähnlicher Umstände 
wird eine einfache Retorte angewendet und derselben 
das geschmolzene Kreosotnatron in einem continuirlichen 
Strahle zugeführt werden. Dass dies so ganz ohne Weiteres 



über Kreosotgas. 61 

nicht geht, sondern dass gewisse Vorkehrungen erforderlich 
sind, welche durch die eigenthümliche Beschaifenheit des 
Rohmaterials, so wie durch die beabsichtigte Darstellung 
des später in besonderer Weise zu verarbeitenden Natron- 
cok bedingt werden, liegt auf der Hand. Seiner Zeit 
werde ich nicht unterlassen, auf die in dieser Beziehung 
gemachten Beobachtungen und gesammelten Erfahrungen 
zurückzukommen. 

Schliesslich weise ich nur noch darauf hin, wie es 
wissenschaftlich interessant sein wird, einerseits die flüssi- 
gen Nebenproducte bei dieser Gasbereitungsweise kennen 
zu lernen, andererseits aber auch festzustellen, wie weit 
die Gegenwart des Aetznatrons durch seine prädisponirende 
Verwandtschaft zu der aus dem Kreosot in der Glühhitze 
sich bildenden Kohlensäure die Vollständigkeit der Zer- 
setzung zu Leuchtgas bedingt. Dies wird aus einem — 
demnächst auszuführenden — Versuche erhellen, bei wel- 
chem das aus der Verbindung mit dem Natron abgeschie- 
dene Kreosot für sich allein der nämlichen Glühhitze aus- 
gesetzt wird. 

Die Resultate dieses Parallelversuches hinsichtlich 
des Gasquantums, der Leuchtkraft des Gases und der 
Art der Nebenproducte hotfe ich demnächst mittheilen zu 
könhen. 

IL 

Im Anschluss an die 1866 bereits gemachten Mitthei- 
lungen gebe ich im Folgenden einige Notizen über die 
bei meiner Kreosotgas- Anstalt erlangten Betriebsresultate, 
nachdem ich zuvor in einfachen Umrissen die vorhandenen 
Betriebs-Einrichtungen beschrieben haben werde. 

A. ßetriehs- Einrichtungen. 
1) Retortenhaus. Es sind zwei Oefen mit je 
einer Retorte von 6 Fuss rheinl. Länge und 15 Zoll Durch- 
messer vorhanden, von denen einer für den Betrieb, der 
andere als Reserve dient. In die auf den Oefen liegende, 
zur Hälfte mit Wasser etc. gefüllte Vorlage von 12 Zoll 



62 L. Ramdohr, 

Durchmesser und 6 Fuss Länge münden die 5 Zoll weiten 
Steigrohre mit einem Eintauchen von 1^/2 Zoll ein. Zur 
Speisung der Retorten mit dem zu verarbeitenden Kreosot- 
natron findet sich auf jedem Ofen ein zum Theil in das 
Mauerwerk versenktes Bassin, welches im Stande ist, 
circa 15 Ctr. Kreosotnatron aufzunehmen. Die Grösse 
dieser Bassins habe ich so gewählt, dass jeder Zoll Höhe 
der Flüssigkeitssäule einem Gewichte von 50 Pfd. entspricht, 
so dass die der Retorte zufliessende Gewichtsquantität 
stets mit Leichtigkeit durch Messung festgestellt werden 
kann. Um nun selbst geringe Mengen des Rohmaterials 
mit hinreichender Genauigkeit messen zu können, habe 
ich mir folgende sehr einfache Vorrichtung construirt. 
Von einem im Kreosotnatron -Bassin befindlichen Schwim- 
mer führt eine Schnur über eine an der Balkenlage 
befestigte Rolle in annähernd horizontaler Richtung nach 
einer Rolle von 1 Zoll Durchmesser, an deren Achse 
und fast mit derselben verbunden eine zweite Rolle von 
4 Zoll Durchmesser sich befindet, auf welcher letzteren 
gleichfalls, aber in entgegengesetzter Richtung ziehend, 
eine »Schnur aufgewickelt ist, an deren Ende ein Zeiger- 
gewicht hängt. Beide Rollen laufen in einem kleinen 
Gestelle, welches an dem oberen Ende eines 12 Fuss 
langen, 3 Zoll breiten, in vertikaler Stellung an der nächsten 
Wand befestigten Scalenbrettes angebracht ist. Bei dem 
Steigen oder Sinken des Schwimmers im Kreosotnatron- 
Bassin durchläuft das Zeigergewicht vor der Scala (und 
zwar im entgegengesetzten Sinne) eine vierfach grössere 
Länge, resp. Höhe, als der Schwimmer selbst. Dem ent- 
sprechend zeigt die Eintheilung der Scala die im 
Verhältniss der Rollenperipherien wie 4:1 vergrösser- 
ten Zolle mit ihren Unterabtheilungen an. Sonach ist 
ein vergrösserter Zoll (selbstverständlich nur bei genauer 
Ausführung der Rollen, auf deren Umfange durch ein- 
geschnittenes Schraubengewinde die Aufwickelungslinie 
der Schnur vorgeschrieben ist) 4 Zoll rheinl. lang, mithin 
gross genug, um selbst i/,6 Zoll Niveauunterschied im 



über Kreosotgas. 63 

Kreosot-Bassin — einem Gewichte von S^/g Pfd. Kreosot- 
natron entsprechend — mit grosser Leichtigkeit ablesen 
zu können; ja bei einiger Üebung lässt sich sogar eine 
Abnahme des Vorraths im Bassin um 1 Pfd. ziemlich 
genau an der vergrösserten Scala ablesen und man könnte 
erforderlichen Falls durch weitere Vergrösserung des 
Durchmessers der zweiten Rolle die Genauigkeit der 
Gewichtsmessungen noch steigern. 

Die Heizung des Ofens erfolgt durch die bei der 
Mineralöl- und Paraffinfabrikation als Nebenproduct ge- 
wonnenen Theercoks — kohlenstofFreiche, in den Theer- 
blasen verbleibende Rückstände — welche die Steinkohlen- 
coks im Heizeflfect um ein nicht Unbedeutendes übertreffen. 

Im Retortenhause ist ferner ein Brett mit 5 Manometern 
angebracht: No. 1 communicirt mit den beiden Steig- 
röhren und mit dem die Vorlage mit dem Condensator 
verbindenden 4 Zoll weiten Rohre. Durch eingeschaltete 
Hähne kann die Communication mit dem einen oder dem 
andern dieser Theile hergestellt werden. No, 2 giebt 
den Druck unmittelbar hinter dem Condensator, Nr, 3 
den Druck hinter der Waschmaschine, No, 4 den Druck 
hinter dem Kalkreiniger, No. 5 den Druck in den Fort- 
leitungsröhren, also hinter dem Druckregulirungs-Ventil, an. 

Ausserdem enthält das Retortenhaus noch eine aus 
dem zwischen Wechselhahn und Gasbehälter liegenden 
Rohre gespeiste, fortwährend brennende Experimentir- 
flarame, deren Wichtigkeit gerade bei der Kreosotgas- 
Fabrikation sehr in die Augen springt. 

2) Der Reinigungsraum. Derselbe enthält zu- 
nächst an Stelle des Scrubbers einen Röhren -Condensator 
mit äusserer Wasserkühlung, wie ich ihn aus der Mineralöl- 
fabrik zufällig disponibel hatte. Dieser Condensator ver- 
braucht bei circa 60 Quadratfuss Kühlfläche stündlich 
circa 12 Cubikfuss Kühlwasser. 

Von dem Condensator aus gelangt das Gas in die 
Waschmaschine, ein würfelförmiges Gefäss mit eingelegtem 
Siebboden, welcher etwa 4^/3 Zoll tief unter dem Wasser- 



64 L. Eamdohr, 

niveau liegt. Die sonstige Einrichtung der Waschmaschine 
darf als bekannt vorausgesetzt werden. 

Sodann gelangt das Gas in den Wechselhahn, welcher 
gestattet, dasselbe entweder dem einen der beiden Reini- 
gungskästen oder aber direct dem Gasbehälter zuzuführen. 
Da aus dem ungereinigten Gase vorzugsweise nur Kohlen- 
säure zu entfernen ist, so wird zur Füllung der Reinigungs- 
kästen nur zu Staub gelöschter Kalk angewandt. Die 
Kalkreiniger, von einer früher auf Holzgas arbeitenden 
Anstalt angekauft, sind excl. Tasse im Lichten 5 Fuss 
7 Zoll lang und 2 Fuss 3 1/2 Zoll breit, nach unten sich 
verjüngend und in der Mitte durch eine Scheidewand in 
zwei o-leich grosse Räume getheilt, von denen der eine 
den auf- der andere den absteigenden Gasstrom durch- 
lässt. In jeder Abtheilung des Reinigers liegen drei aus 
Holz rostartig construirte Horden von je 27,5 X «^3 Zoll; 
27,5 X 32 Zoll; 26,25 X 31,5 Zoll — resp. 6,3; 6,1; 5,75 
Quadratfuss Fläche (incl. Rahmen) und 55; 53,3 und 51,6 
Quadratzoll freiem Durchgange zwischen den Stäben. 
Die gesaramte Hordenfläche in einem jeden Kalkreiniger 
beträgt also 36^/3 Quadratfuss rheinl. Zur Füllung eines 
Reinigers sind erforderlich 100 Pfd. gebrannter Kalk = 
150 Pfd. Staubkalk; mithin kommen auf 1 Quadratfuss 
Hordenfläche durchschnittlich 4,13 Pfd. Staubkalk zu liegen. 

3) Der Gasbehälter weicht in seiner Construction 
nicht von den üblichen derartigen Vorrichtungen ab. Das 
aus Mauersteinen und Cement aufgeführte Bassin ist 12 Fuss 
6 Zoll tief bei 16 Fuss lichtem Durchmesser. An der 
dem Reinigungsraume am nächsten liegenden Stelle seines 
Umfanges befindet sich der Schacht für die Wassertöpfe 
des Eingangs- und Ausgangsrohres. Die Gasbehälterglocke 
hat 2000 Cubikfuss nutzbaren Inhalt; sie ist 12 Fuss 
hoch bei 15 Fuss Durchmesser und aus •/jg Zoll starkem 
Eisenblech hergestellt worden. Durch vier an dem oberen 
und vier an dem unteren, unter Wasser bleibenden Ende 
angebrachte Rollen wird die Geradführung der Glocke 
bewirkt. An einem der Führungsböcke befindet sich 



über Kreosotgas. 65 

eine auf 10 zu 10 Cubikfuss rheinl. eingetheilte Scala 
befestigt, für Avelche der Zeiger an der Oberkante der 
Glocke fest angebracht worden ist. 

Der von der Gasbehälterglocke ausgeübte Druck be- 
trägt genau 4 Zoll rheinl. 

4) Sonstige Einrichtungen. Das von dem Gas- 
behälter abgehende Ableitungsrohr ist in den Reinigungs- 
raum zurückgeführt und hier mit einem gewöhnlichen 
Kegelventil verbunden worden, an welches die Erdrohr- 
leitung sich anschliesst. Hierbei mag zuletzt bemerkt 
sein, dass der grössere Theil der circa 70 Ruthen langen 
Erdleitung aus gut getheerten schmiedeeisernen Röhren 
hergestallt worden und bis jetzt vorzüglich dicht geblie- 
ben ist. 

Eine Gasuhr ist nicht vorhanden, da nur für den 
eigenen Bedarf gearbeitet wird und das producirte Gas- 
quantum mit genügender Genauigkeit an der neben dem 
Gasbehälter befindlichen Scala abgelesen werden kann. 
Eben so hielt ich einen Druckregulator für überflüssig, 
da, wenn erst sämmtliche Flammen angezündet sind und 
der Druck am Ventil danach regulirt ist, erhebliche 
Schwankungen im Druck nicht weiter erfolgen können, 
insofern die Flammenzahl während der Nacht Avenigen 
oder gar keinen Veränderungen unterliegt. 

B. Betriebs- Resultate. 
Die Heizung des Ofens erfolgt, wie bereits bemerkt, 
durch Theercoks, von denen auf jeden Centner des ver- 
gasten Kreosotnatrons 90 — 100 Pfd. verbraucht werden. 
Der Verkaufspreis für diese Coks schwankt auf den ver- 
schiedenen Paraffinfabriken zwischen 7 1/2 — 10 Sgr. pro 
Centner; die Georghütte erzielte in früheren Jahren — ■ 
bevor die hiesige Stadt-Gasanstalt mit ihren Gascoks con- 
currirend auftrat — sogar einen Preis von 12 1/2 — 15 Sgr. 
pro Centner. Sollte die eigene Production an Theercok 
nicht ausreichen oder der letztere zeitweise zu höherem 
Preise sich verwerthen lassen, so werde ich nicht anstehen, 

Arch. d. Pharm. CLXXXII. Bds. 1. u. 2. Hft. r 



66 L. Ramdohr, 

den billigeren Steinkohlengascok als Heizmaterial für die 
Gasretorte anzukaufen. 

Die Heizung des Ofens lässt sich jedenfalls auch mit 
gewöhnlichen Braunkohlen durchführen und vorzugsweise 
nur der Umstand, dass ich den nach dem Schornstein 
führenden Fuchs unter höchst ungünstigen Verhältnissen 
anlegen musste, welche eine Reinigung desselben von 
Flugasche äusserst schwierig und namentlich zeitraubend 
machen würde, hat mich von der Anwendung einer Braun- 
kohlen-Feuerung zurückgehalten. 

Eine jede Charge verarbeitet 150 Pfd. Kreosotnatron 
in einem Zeitraum von 4 — 41/2 Stunden. Auf Entleeren 
der Retorte und ähnliche Nebenarbeiten werden 10 Minuten 
gerechnet, so dass täglich im Durchschnitt 5 Chargen 
gemacht werden, welche sich indess, wenn es auf forcirte 
Production ankommt, auch auf sechs würden bringen lassen. 
Ursprünglich war ein continuirlicher Zufluss des Kreosot- 
natrons beabsichtigt ; aus mehrfachen Gründen bin ich indess 
dahin gelangt, es für vortheilhafter zu halten, die Flüssig- 
keit in einzelnen Rationen der Retorte zuzuführen. Anfangs 
arbeiten in Folge der lebhaften Entwickelung von Wasser- 
dämpfen bei etwas heruntergekommener Temperatur der 
Retorte sämmtliche Manometer, namentlich das mit dem 
Steigrohr direct communicirende, sehr unruhig und bei 
diesem letzteren habe ich schon einen Druck von 9 — 11 
Zoll beobachtet. Sehr bald beruhigt sich Alles und das 
zuletzt erwähnte Manometer bleibt auf etwa 7 Zoll Druck 
ruhig stehen. 

Der normale Druck an den übrigen Manometern 
beträgt für No. 2 = 5 1/2 Zoll; No. 3 = 5 Zoll; No. 4 
= 41/2 Zoll. 

Die Beendigung des Vergasungsprocesses wird an 
der Experiraentirflamme erkannt, welche in diesem Falle 
einen blauen Kern zeigt und an den Kanten roth umflort 
erscheint (Kohlenoxyd, Sumpfgas?). Bei frischer Be- 
schickung findet das Schwanken der Manometer 1 — 4 etwa 
3 — 5 Minuten lang statt, nach deren Verlauf die normale 



ilher Kreosotgas. 67 

Gasbildung, unter gleichzeitiger Entbindung von Wasser- 
dämpfen, ausserordentlich rapide statt findet. Bei der 
Vergasung von Steinkohlen vergehen bekanntlich vom 
Augenblicke der frischen Beschickung bis zur normalen 
Gasbildung in der Regel 25 — 30 Minuten: ein Zeichen, 
um wie viel leichter die Vergasung des Kreosots erfolgt, 
trotzdem bei jeder Füllung von 150 Pfd. Kreosotnatron 
nebenbei circa 30 Pfd. Wasser verdampft werden müssen. 

Die Frage, ob eine theilweise Zersetzung des 
Wassers statt finde, muss ich für jetzt noch unbeant- 
wortet lassen; jedenfalls scheint mir diese Zersetzung, 
wenn sie überhaupt erfolgt, nicht sehr bedeutend zu sein. 

Die Menge der flüssigen Nebenproducte festzustellen, 
ist aus Mangel an Zeit mir bis jetzt nicht möglich gewesen. 
Dieselben bestehen aus Wasser und fast unzersetzt über- 
destillirtem Kreosot. Die Quantität des letzteren ist 
eine überaus geringe und kaum in Rechnung zu bringende. 
Das aus der Vorlage abfliessende Wasser ist milchig trübe, 
reagirt weder merklich sau^r, noch alkalisch und besitzt 
ein spec. Gew. von 1,0025 - 1,003 bei 14» R. — Seine 
Bestandtheile festzustellen^ ist bis jetzt noch nicht gelun- 
gen; mehrfache Reagentien geben zwar zum Theil sehr 
voluminöse Niederschläge, dieselben sind aber nicht deut- 
lich genug charakterisirt, um auf irgend einen bestimmten 
Bestandtheil (Schwefel, Ammoniak etc.) schliessen zu kön- 
nen. Es wird vielmehr eine specielle Untersuchung der 
Niederschläge statt finden müssen. (Sollte vielleicht irgend 
eine bis jetzt unbekannte organische Verbindung 
in dem Wasser gelöst sein?) 

DerThatsache, dass vorzugsweise nur Wasser, theerige 
u. s. w. Producte dagegen so gut wie gar nicht, überdestil- 
liren, dürfte die Annehmlichkeit zuzuschreiben sein, dass 
die von dem Retortenkopfe ausgehenden Steigrohre sich 
nie verstopfen, also einer Reinigung auch nie bedürfen. 
Eben so wird eine Verstopfung in dem Fortleitungs-Rohr- 
system durch Naphtalin oder ähnliche Körper niemals zu 
befürchten sein. 



68 L. Ramdohr, 

Der Rückstand in der Retorte ist ein lockerer, ver- 
hältnissmässig sehr leichter, reichlich mit dem an das 
Kreosot gebunden gewesenen Natron imprägnirter Cok, 
welcher in seiner schwammigen^ aufgeblähten Form die 
Retorte etwa zu zwei Drittel anfüllt. Das Mittel aus 
einer Reihe von Wägungen ergiebt 45 Pfd. Natroncok 
aus 150 Pfd. Kreosotnatron. Selbstverständlich ist der 
grössere Theil der Kohlensäure, deren Entstehung nicht 
zu vermeiden ist, an das Natron gebunden; ein nicht ge- 
ringer Theil des Natrons ist jedoch als Aetznatron vor- 
handen. Es ist dies eigentlich etwas Auffälliges und nur 
dadurch zu erklären, dass ursprünglich fast sämmt- 
liches Natron in der Form, in welcher es im Kreosot- 
natron enthalten war, also als Aetznatron, frei wird und 
nur an den äusseren, mit der Kohlensäure in directe Be- 
rührung tretenden Theilen mit dieser Säure bis in eine 
gewisse Tiefe in Verbindung tritt, während ein innerer 
Kern durch diese Hülle von kohlensaurem Natron vor 
weiterer Berührung mit der Kohlensäure geschützt wird. 
Es wird das Interessante an dieser Thatsache durch die 
Beobachtung erhöht, dass Alles in Allem noch circa 
1,6 Proc. Kohlensäure aus dem Kreosot weniger erzeugt 
werden, als zur Bildung von einfach kohlensaurem Natron 
aus dem vorhandenen Natron erforderlich sind. In den 
Coks finden sich nämlich circa 32 Proc. NaO vor, welche 
circa 23 Proc. CO^ zur Bildung von NaO, CO^ erfordern. 
Die gesammte Kohlensäure ist aber weiter unten auf 
6,42 Proc. vom Gewichte des Kreosotnatrons, mithin auf 
circa 21,4 Proc. vom Gewichte der Coks berechnet worden, 
so dass, wenn sämmtliches NaO in NaO, CO^ umgewandelt 
werden sollte, noch circa 23 minus 21,4 = 1,6 Proc. 
C02 dazu fehlen würden. 

Mehrfache Untersuchungen des Natroncoks ergaben 
an löslichen Bestandtheilen überhaupt 56 — 60 Proc; diese 
bestehen aus: 

37 — 38 Proc. kohlensaurem Natron (NaO, C02) entspr. 
21-22 Proc. NaO. 



über Kreosotgas. 69 

13 — 14 Proc. Aetznatron (NaO, HO), entspr. 10 bis 
11 Proc. NaO. 

6—8 Proc. fremde Salze (NaO, S 03; Na Gl etc.), 
welche aus der käuflichen caustischen Soda in das Aetz- 
natron mit übergegangen sind. 

An NaO sind überhaupt vorhanden 31 — 33 Proc, 
an C02 = 15—16 Proc. 

Der sofort nach dem Umschalten aus dem Reinigungs- 
kasten entnommene Kalk zeigte im Durchschnitt einen 
durch den Gewichtsverlust bei Behandlung mit Salzsäure 
(im Geissler'schen Apparat) ermittelten Kohlensäuregehalt 
von 29,8 Proc, von welchen bei der vorzüglichen Be- 
schaffenheit des angewandten gebrannten Kalks 27 — 28 
Procent auf Rechnung der aus dem Kreosot erzeugten 
Kohlensäure gesetzt werden mögen, während die Differenz 
von circa 2 — 3 Proc. auf Rechnung der im gebrannten 
Kalk etwa noch vorhanden gewesenen Kohlensäure, so wie 
der in der Reinigungsmasse enthaltenen Spuren von Schwe- 
felwasserstoff und sonstigen Gasen gebracht werden mag. 
Jene 29,8 = rund 30 Proc. Kohlensäure bedeuten so 
viel als circa 45 Pfd. in dem angewandten Staubkalk, 
dessen ursprüngliches Gewicht von 150 Pfd. eben durch 
Aufnahme der Kohlensäure auf durchschnittlich 195 Pfd. 
— ganz in Uebereinstimmung mit dem durch die Analyse 
gefundenen Procentsatze — sich erhöht hat. Da wir nun 
nur 27 — 28 Proc. = circa 40 Pfd. auf Rechnung der 
aus dem Kreosot erzeugten Kohlensäure gesetzt haben 
und zur Erzeugung dieser Quantität circa 2250 Pfd. 
Kreosotnatron haben vergast werden müssen, so machen 
diese 40 Pfd. Kohlensäure = 1,77 Proc. des angewandten 
Kreosotnatrons aus. 

Die in dem Cok enthaltene Kohlensäure beträgt, wie 

oben angegeben, circa 15,5 Proc. vom Gewichte des Coks = 

15 5 30 
^— j- = 4,65 Proc vom Gewichte des Kreosotnatrons, 

so dass die aus letzterem überhaupt erzeugte Kohlensäure 
auf 1,77 -|- 4,65 = 6,42 Proc veranschlagt werden darf, 



70 L. Ramdohr, 

, , , 6,12.100 ^ T^ ^ . , , 

welche als --r = 21,4 Jrroc. vom (gewichte der 

oO 

Coks in letzterer an Natron gebunden sein könnten. 

Die Verwerthung der aus der Retorte gezogenen 
Coks ist nach Vorstehendem eine eben so leichte und 
einfache, als lohnende Arbeit. Die Coks werden möglichst 
erschöpfend ausgelaugt, die Lauge durch Absetzenlassen 
geklärt und sodann entweder gänzlich auf Aetznatron 
allein oder auf kohlensaures Natron und auf das als 
solches bereits vorhandene Aetznatron verarbeitet. Der 
Werth dieser Coks dürfte hiernach mit 2 Thlr. pro Centner 
immerhin sehr massig veranschlagt sein. 

Die Gasausbeute ist eine erhebliche, wenn auch 
nicht so hohe, als auf Grund der im Octoberhefte des 
Journ. für Chem. und Pharm, beschriebenen, ganz rohen 
und auf Genauigkeit Anspruch nicht machenden Vorver- 
suche angenommen werden durfte. In der That liefern 
im fabrikmässigen Betriebe 100 Pfd. Kreosot- 
natron ^= 450 bis 460 Cubikfuss preuss. gereinig- 
tes Leuchtgas von sehr grosser Lichtstärke. Die Flamme 
dieses Gases ist selbst im Tageslichte fast weiss zu nennen. 
Als Durchschnitt aus einer langen Reihe von Versuchen 
kann ich Folgendes hinstellen : 

1) Ein kleiner Schnittbrenner bei 2 Cubikfuss preuss. 
Verbrauch = 6 Wachskerzen; 

2) ein grösserer Schnittbrenner bei 3 Cubikfuss Ver- 
brauch = 11,2 Wachskerzen; 

3) ein Zweiloch - Brenner bei 5 Cubikfuss stündlichem 
Verbrauch =3 23,5 Wachskerzen. 

Die Wachskerzen sind aus ganz reinem Wachs in 
solcher Grösse hergestellt, dass bei 10 Zoll rheinl. Länge 
davon 6 Stück auf 1 Pfd. Zollgewicht gehen. Sämmt- 
liche Beobachtungen sind zu den verschiedensten Zeiten 
(namentlich auch bei fast gänzlich ausgenutzter, bei halb 
ausgenutzter und bei ganz frischer Reinigungsmasse) und 
stets bei 5 Linien Druck unmittelbar hinter dem Druck- 
regulirungsventil^ entsprechend 4^/2 Linien Druck in der 



über Kreosotgas. 71 

Photometerkammer, welche circa 300 Fuss von der Anstalt 
entfernt liegt, angestellt worden. 

Sonach beträgt die Leuchtkraft des Kreosot- 
gases etwa das Doppelte von derjenigen, welche 
bei Contracten gewöhnlich für das Steinkohlen- 
gas beansprucht wird. 

Uebrigens lässt sich durch Erhöhung der Vergasungs- 
teraperatur zwar nicht die Quantität, wohl aber die Qualität 
des Kreosotgases nicht unerheblich steigern. 

In Folge dieser grossen Leuchtkraft konnten die ein- 
zelnen Theile des gesammten Rohrsystems in verhältniss- 
mässig kleineren Dimensionen ausgeführt werden, als dies 
bei Steinkohlengas erforderlich gewesen sein würde. Na- 
mentlich tritt dies bei der Grösse der Brenner sehr deut- 
lich hervor. Von den überhaupt vorhandenen 104 Stück 
Brennern sind 89 Schnittbrenner der kleinsten Sorte, 
welche pro Stunde circa 2'/^ Cubikfuss verbrauchen; 
4 Stück sind Schnittbrenner mit circa 3^/2 Cubikfuss 
Consum und 8 Stück Zweilochbrenner (Hof-Laternen), 
welche durch die betreffenden Regulirhähne auf circa 51/2 
Cubikfuss gebracht worden sind; ausserdem sind noch 
3 Argandbrenner vorhanden. 

Hier dürfte der geeignete Platz sein, anzugeben, dass 
das Gas die ganze Nacht hindurch niemals mit mehr als 
höchstens 5 Linien Druck in das Kohrsystem ge- 
lassen wird ; Regel ist, dass nur 4 Linien gegeben werden. 

Was nun — um zunächst die Mittheilungen über die 
erlangten Betriebsresultate zu beschliessen — die Reini- 
gung des Gases anlangt, so erfolgt dieselbe, so weit sie 
auf chemischen Einwirkungen beruht, lediglich durch zu 
Pulver gelöschten Kalk. Weiter vorn ist bereits angedeutet 
worden, dass zur Füllung eines Reinigungskastens 150 
Pfund Staubkalk, welche aus 100 Pfd. gebranntem Kalk 
dargestellt wurden, erforderlich sind und dass im Durch- 
schnitt auf 1 Quadratfuss Hordenfläche = 4,13 Pfd. Staub- 
kalk liegen. Nach Verlauf von reichlich drei Tagen ist 
der Kalk mit Kohlensäure gesättigt, sein Gewicht ist von 



72 L. Ramdohr, 

150 auf 195 Pfd., mithin um 30 Proc. gestiegen, was mit 
dem durch die Analyse nachgewiesenen Kohlensäuregehalt 
(29,82 Proc.) genau übereinstimmt. 

Jede Füllung eines Kastens reinigt durchschnittlich 
das Gas von 15 Chargen h 150 Pfd. Kreosotnatron, mit- 
hin wurden zu je 1 Charge = 10 Pfd., und auf 100 Pfd. 
Kreosotnatron = 6^/3 Pfd. Staubkalk verbraucht. Jene 
15 Chargen produciren rund 10,000 Cubikfuss gereinigtes 
Gas-, mithin erfordern 1000 Cubikfuss = 15 Pfd. Staub- 
kalk zur Reinigung. Bei einer Jahresproduction von 
1 Million Cubikfuss sind demnach erforderlich = 15,000 
Pfund Staubkalk = 10,000 Pfd. = 125 Scheffel ä 80 Pfd. 
gebrannter Kalk. 

Zum Schluss noch einige "Worte über die Leistungs- 
fähigkeit, die Anlagekosten und die Rentabilität der auf 
der Georghütte vorhandenen Anlage. 

Die durchschnittliche Leistungsfähigkeit beträgt bei 
Benutzung einer Retorte (von den vorn angegebenen ge- 
ringen Dimensionen) täglich 5 Chargen ä 150 Pfd. Kreosot- 
natron = 3375 bis 3400 Cubikfuss Gas; mithin bei 350 
Arbeitstagen = 1,181,250 bis 1,190,000 Cubikfuss Gas, 
wofür in runder Summe nur 1 Million Cubikfuss ange- 
nommen werden mögen. Zu deren Erzeugung sind in 
runder Summe erforderlich =: 2300 Ctr, Kreosotnatron, 
welche 690 Ctr, Natroncok liefern. 

Die Anlagekosten werden Alles in Allem (incl. eines 
Reserveofens mit Retorte) auf circa 2500 bis 2700 Thlr. 
sich belaufen. 

Die Rentabilität der Anlage stellt sich im Vergleich 
zu einigen anderen Methoden der bisherigen Verwerthung 
des Kreosotnatrons als sehr günstig heraus. Ich lasse 
die betreffenden Berechnungen hier folgen und bemerke 
nur im Voraus, dass ich überall Zinsen der Anlage mit 
5 Proc. Amortisation (Abschreibungen) aber nicht mit in 
Rechnung gestellt habe. Den folgenden drei Berech- 
nungen ist überall die gleiche Quantität von zu verarbei- 



über Kreosotgas. 73 

tendem Kreosotnatron (2300 Center jährlich) zu Grunde 
gelegt worden. 
I. Verarbeitung des Kreosotnatrons auf Glaubersalz und 
rohes Kreosot. 

Die Kosten einer hierzu erforderlichen Anlage habe 
ich, und zwar gewiss sehr niedrig, auf 800 Thlr. ange- 
nommen. Sodann bin ich von der Voraussetzung ausge- 
gangen, dass die Zerlegung des Kreosotnatrons durch die 
bei der Reinigung der Rohöle angewandte Schwefelsäure 
erfolgt, da die letztere auf allen Paraffinfabriken in ge- 
nügender Menge vorhanden ist und es ohnehin kaum 
Jemand in den Sinn kommen dürfte, für diesen Zweck 
etwa frische Schwefelsäure zu verwenden. Nach meinen 
Beobachtungen kann man voraussetzen, dass 100 Th. 
Kreosotnatron zur Zersetzung 50 Th, gebrauchter 
Schwefelsäure erfordern und circa 75 Th. des wasserhal- 
tigen Glaubersalzes nebst 70 Th. rohen Kreosots geben. 
In das letztere sind, wie man schon aus der erheblichen 
Quantität schliessen wird, sämmtliche durch die Schwefel- 
säure aus den Rohölen ausgeschieden gewesenen harzigen 
u. s. w. Substanzen mit übergegangen. 
Einnahme. 

2300 Ctr. Kreosotnatron ergeben: 
1725 Ctr. rohes Glaubersalz ä Ctr. 71/2 «f. - . 431 4 7sf6d) 
1615 „ „ Kreosot ä Ctr. höchstens 15s§F 805 „ -„ -„ 

in Summa 1236 «^7sf 6^ 
Ausgabe. 
1150 Ctr. gebrauchte Schwefel- 
säure ä 10 sf 4 383. 10. — . 

Löhne, 1 Mann 3 60 Tage ä 15sf „ 180. — . — . 
Zinsen der Anlage von 800 «^ 

ä 5 Proc „ 40. — . — . 

Brennmaterial zum Eindampfen 

der Laugen „ 220. — . — . 

Reparaturen an den Pfannen etc. „ 50. — . — . 
Diverses und zur Abrundung „ 12. 27. 6. 

Summa 886 4 7 sfGd) 

bleibt Gewinn . . . 350 ^ -sf -d) 



74 L. Ramdohr, 

Sonach verwerthet sich 1 Ctr. Kreosotnatron auf 
^^^ = -^4,,rC,8%. 

//. Verarbeitung des Kreosotnatrons im Flammofen durch 
Verbrennung des Kreosots behufs Gewinnung natron- 
haltiger Coks. 
Es ist dies das mehrere Jahre lang auf der Georg- 
hütte angewandte oben beschriebene Verfahren. 

Einnahme. 

2300 Ctr. Kreosotnatron geben 690 Ctr. 

Natroncok ä II/4 4 862 ^ 15 sf —d) 

S. p. s. 
Ausgabe. 
Lohn für 1 Arbeiter auf circa 

130 Tage ä 15 sf 4> 65. —. — . 

1 neue Pfanne nebst Ein- 

mauerung ^ 80. — . — . 

Zinsen der Anlage von 200 ^ 

ä 5 Proc „ 10. — . — . 

Verbrauchte Feuerkohlen „ 20. — . — . 

Diverses und zur Abrundung. ^ 7. 15. — . 

Summa Ausgabe 182,^15sf — ^ 

bleibt Gewinn 680 4>—sf—h 

Demnach verwerthet sich 1 Ctr. Kreosotnatron auf 

J^4 = -4 8sr 10,5^. 

Wenn vorstehend die producirten Natroncoks mit 
11/^4 pi'O Ctr. in Ansatz gebracht worden sind und dies 
im Vergleich zu dem Preise der bei der Kreosot -Ver- 
gasung gewonnenen Coks zu niedrig erscheinen möchte, 
so bemerke ich zur Erläuterung dieser Differenz, dass 
obiger Ansatz von 1 ',4 4 noch etwas höher als der inner- 
halb eines Zeitraumes von etwa 5 Jahren thatsächlich 
erzielte Durchschnittspreis ist, während andererseits ein 



über Kreosotgas. 75 

Preis von 2 *^ für die Gasnatroncoks als ein verhältniss- 
raässig sehr geringer erscheinen muss, in so fern letztere 
ausser einfach kohlensaurem Natron noch circa 13 Proc. 
Aetznatronhydrat enthalten, während die Flammofencoks 
Aetznatron gar nicht, dagegen eine bedeutend grössere 
Quantität Kohlensäure enthielten, als zum Vorhandensein 
von Na 0,002 erforderlich war, so dass die Verarbeitung 
der älteren Coks schon aus diesem Grunde weit weniger 
lohnend war. 

///. Verarbeitung des Kreosotnatrons auf Leuchtgas und 
Natroncok. 
100 Pfd. Kreosotnatron geben: 
30 Pfd. Cok mit 37 — 38 Proc. NaO, C02 und 13—14 
Proc. NaO, HO; 
450 — 460 Cubikfuss rheinl. Leuchtgas. 

In 350 Arbeitstagen wurden in runder Summe ver- 
arbeitet 2300 Ctr. Kreosotnatron; diese ergeben: 
1,000,000 Cubikfuss Leuchtgas; 
690 Ctr. Natroncoks. 

Unter Berücksichtigung der bedeutenden Lichtstärke 
der Kreosotgasflamme, welche sich zu der des guten 
Steinkohlengases wie 2 : 1 verhält, erscheint es angemessen, 
den Werth von 1000 rheinl. Cubikfuss Kreosotgas = 
4 «^ zu setzen, oder mit anderen Worten einen Stein- 
kohlengaspreis von 

2 4 —sf — ^ für 1000 Cubikfuss rheinl. 
oder 1^ 25 s^ — ^ für 1000 Cubikfuss engl, 
der Werthbestimmung für Kreosotgas zu Grunde zu legen. 

Eben so ist der für die Natroncoks angenommene 
Preis von 2 ^ thatsächlich ein überaus geringer. 

Einnahme. 
Für 1,000,000 Cubikf. Gas ä lOOOCubikf. 4,| 4000^ -sf -^ 

„ 690 Ctr. Natroncok ä Ctr. 2 ^ 1380 „ - „ - „ 

Summa. . . 5380»f -sjf -^ 



76 L. Ramdohr, 

Ausgabe. 
Löhne, 2 Mann auf je .3G0 Tage 

■A If) sf 360. — , — . 

Zinsen der Anlage von 2600 «f 

ä 5 Proc 130. — . — . 

Zur Heizung der Retorte, 2300 Ctr. 

Cok, a Ctr. 10 sf 766. 20. — . 

51/4 Wispel gebrannter Kalk ä6,^ 31.15. — . 
Ersatz an Retorten, Chamottestei- 
nen, Maurerarbeitslöhnen, Di- 
verses und zur Abrundung . . 211. 25. — . 

Summa Ausgabe 1500«^ — sf — ^ 

bleibt Gewinn 3880^— sf—-^ 

Sonach verwerthet sich 1 Ctr. Kreosotnatron auf 

-i|?^^ = 14 20 5f 7,3^. 



Bei dieser Gelegenheit möge es mir gestattet sein^ 
eine Stelle des oben mitgetheilten Aufsatzes über Kreo- 
sotgas, so weit dieselbe zu Missverständnissen Veranlas- 
sung geben könnte, hier specieller zu erörtern. 

Ziemlich am Anfange des fraglichen Artikels ist 
gesagt worden, dass einige der grösseren (Paraffin-) Fa- 
briken noch jetzt das Kreosotnatron zum Imprägniren der 
zum Ausbau der Schächte und Strecken benutzten Hölzer 
verwenden, oder es zu gleichem Zwecke für einen Preis 
von 1 bis 1^/4 Thlr. verkaufen. Hiernach könnte es 
scheinen, als ob ein grosser Theil des überhaupt pro- 
ducirten Kreosotnatrons zu diesem ziemlich hohen Preise 
verkäuflich und somit kaum das Bedürfniss zu einer 
möglichst hohen anderweiten Verwerthung dieses Kör- 
pers vorhanden gewesen sei. Diese Auffassung hat aber 
nicht in meinem Sinne gelegen, obgleich ich nicht Anstand 
nehme zu bekennen, dass ich selbst durch die Fassung 
jener Worte Veranlassung gegeben habe, um aus jenen 



über Kreosotgas. 77 

Zeilen etwas Derartiges herauslesen zu können. — Die 
zum Imprägniren der Grubenhölzer verwandte Quan- 
tität ist in der That eine im Verhältniss zur gesammten 
Production verschwindend kleine; ausserdem ist jener 
Preis in so fern ein imaginärer, als die betreffenden 
Paraffinfabriken denselben nur ihren eigenen Kohlen- 
gruben, also sich selbst, in jener Höhe angerechnet, aus- 
wärtige Käufer dazu aber so gut wie gar nicht gehabt 
haben. Auch ist inzwischen in Folge eines bedeutenden, 
durch das Kreosotiren der Grubenhölzer verursachten 
Grubenbrandes in der Nähe von Zeitz Seitens der königl. 
preuss. Bergbehörde die Benutzung von Kreosot und ähn- 
lichen feuergefährlichen Stoffen zum Conserviren der 
Grubenhölzer untersagt worden, so dass diese Art der 
Verwendung überhaupt aufgehört hat. Ferner möchte die 
Kreosotiruug der Grubenhölzer von zweifelhaftem Nutzen 
sein, da das Kreosotnatron in jedem Verhältniss im Wasser 
löslich ist und durch die Grubenfeuchtigkeit sehr bald 
aus den Hölzern wieder entfernt werden dürfte. Die Aus- 
führung der Kreosotirung ist ferner mit erheblichen Kosten 
verbunden, da, wenn sie einigermassen hinreichend werden 
soll, dieselben Maschinen und Apparate erforderlich sind, 
wie bei dem Imprägniren von Eisenbahnschwellen, Tele- 
graphenstangen etc. mit Kupfervitriollösung und dergl. 

Das von Dr. H. Vohl (DinglJourn. Bd. 144. S. 449) 
empfohlene Verfahren, die Hölzer nach dem Tränken 
mit Kreosotnatron noch in gleicher Weise mit verdünnter 
Eisenvitriollösung zu imprägniren, wodurch das Kreosot 
frei werden und mit der Holzfasersubstanz sich verbinden 
soll, während das erzeugte Glaubersalz in Folge der zu- 
tretenden Feuchtigkeit nach und nach entfernt wird, ver- 
doppelt nicht nur die Kosten der Imprägnirung, sondern 
scheint auch in der Praxis keinen Eingang gefunden zu 
haben. 



78 J. Philipp, 

neber die Rhodanverbindungen des Quecksilbers; 

von 

J. IMiilipi) *). 



Durch Rhodankalium entsteht in einer Lösung von 
salpersaurem Quecksilberoxyd ein weisser Niederschlag, 
der in einem Uebermass beider Salze auflöslich und 
Quecksilberrhodanid ist. 

HgC2N2S2 

gefunden 









a. 


b. 


Hg = 


200 = 


63,29 


63,24 


62,47 


2 C 


24 


7,60 






2 N 


28 


8,86 






2 S 


64 


20,25 


19,68 


20,03 



316 100. 
Es ist dies das in neuerer Zeit als „Pharaoschlange" 
allgemeiner bekannt gewordene Salz, dessen Verhalten 
in der Hitze schon längst durch Wo hier bekannt war. 
Am Licht erleidet es eine partielle Zersetzung und scheint 
dann etwas Quecksilberrhodanür zu enthalten. Aus kochen- 
dem Wasser krystallisirt es in perlrautterglänzenden Blätt- 
chen, ebenso, wenn man Quecksilberoxyd mit Rhodan- 
wasserstoffsäure kocht. 

Kaliumquecksilberrhodanid entsteht, wenn man 
salpetersaures Quecksilberoxyd so lange zu Rhodankalium 
fügt, bis sich der anfangs entstehende weisse Niederschlag 
in eine gelbliche, krystallinische Masse verwandelt, das 
Ganze erwärmt und die entstandene Auflösung erkalten 
lässt. Man erhält es auch direct durch Auflösen von 
Quecksilberrhodanid in Rhodankalium. 



^) Aus dem Monatsbericht der Königl. Akademie der Wissenschaf- 
ten in Berlin als Separatabdruck von Hrn. Prof. Dr. Ram- 
melsberg übergeben. 





KHg(CN 


S)3 


ge 


K = 39 


= 9,44 




a. 
9,33 


Hg = 200 


48,43 




48,96 


3 C = 36 


8,72 






3 N = 42 


10,17 






3 S = 96 


23,24 




22,49 



über die Rhodanverhindungen des Quecksilbers. 79 

gefunden 
b. 

48,81 



22,66 
413 100. 
Dieses Doppelsalz ist in warmem Wasser ziemlich 
leicht löslich; von grösseren Mengen kalten Wassers wird 
es zersetzt^ indem ein Theil Quecksilberrhodanid sich 
abscheidet. In der Hitze hinterlässt es Rhodankalium 
und Schwefelkalium. 

Quecksilbercyanid-Rhodankalium erhält man 
direct, wobei concentrirte Auflösungen zu einem Brei 
feiner Krystalle gestehen. 

K (CNS), Hg (CN)2 _|- 2 H20 

gefunden 









a. 


K = 


39 = 


10,13 


10,28 


Hg- 


200 


51,95 


52,40 


3 C 


36 


9,35 




3 N 


42 


10,91 




S 


32 


8,31 


8,99 


2H20 


36 


9,35 





8,98 



385 100. 

Es lässt sich aus Wasser umkrystallisiren *). 

Quecksilberjodid-Rhodankalium. Ersteres löst 
sich leicht in letzterem auf; die gesättigte Auflösung giebt 
mit Wasser einen gelben Niederschlag von Quecksilber- 
jodid, der beim Stehen, Schütteln oder Erhitzen roth 
wird; in der Flüssigkeit bleibt wenig Quecksilber auf- 
gelöst. Die gesättigte Lösung giebt beim Verdunsten ein 
gelblich gefärbtes Doppelsalz, welches an der Luft zerfliesst 



*") Dieses und einige ähnliche Doppelsalze hat schon Böckmann 
beschrieben. 



80 ./. Philipp, 





2K(CNS),HgJ2 -f 2H20 






gefunden 


2 K = 


: 78 = 


= 11,40 11,10 


Hg 
2 J 


200 
254 


29,24) 

üiM ''■'' "'"' 


2 C 


24 


3,52 


2 N 


28 


4,09 


2 S 


64 


9,36 9,22 


2H20 


36 


5,26 



684 100. 
Enthält die Auflösung des Quecksilberjodids einen 
Ueberschuss von Rliodankalium, so wird sie von Wasser 
nicht gefällt. 

Verhalten von Quecksilberbromid und -Chlorid 
zu Rliodankalium. Aus der gemeinsamen Lösung 
beider Salze krystallisirt Brorakalium oder Chlorkalium, 
später das Doppelsalz von Quecksilberrhodanid und Rhodan- 
kalium. Aus concentirten Lösungen von Quecksilber- 
chlorid und Rhodankalium scheidet sich sogar unter Trü- 
bung allmälig Quecksilberrhodanid ab. Umgekehrt ent- 
steht aber auch Quecksilberchlorid, wenn Quecksilber- 
rhodanid auf Chlorkalium wirkt. 

Aus diesen Untersuchungen folgt, dass die Oxysalze 
des Quecksilbers sich mit Rhodankalium umsetzen, das 
Cyanid und Jodid aber sich direct mit letzterem verbin- 
den, während das Chlorid und Bromid gleichsam den 
Uebergang bilden. Das Quecksilberfluorid verhält 
sich analog den Oxysalzen, nicht bloss wegen seines Ver- 
haltens zu Wasser, sondern auch zu Rhodankalium. 

Als basisches Quecksilberrhodanid beschrieb Claus 
den gelben Niederschlag, welchen Ammoniak in Kalium- 
quecksilberrhodanid hervorbringt. Der Körper detonirt 
beim Erhitzen. Seinem Verhalten und den Zahlen der 
Analysen zufolge ist er ein Analogen bekannter Chlor- 
und Jodverbindungen, nämlich 

Mercuramraoniumoxyrhodanid. 



über die Rhodanverhindungen des Quecksilbers. 81 







^iHg' 


. CNS, Hg 
a. 


0. 

gefunden 
b. c 


2 Hg 


= 400 = 


81,64 


82,74 


80,99 


2 H 


= 2 


0,41 






C 


12 


2,45 






2 N 


28 


5,71 


6,86 


6,44 


S 


32 


6,53 


6,94 


6,86 7, 





16 


3,26 







d. 



6,80 
26 

490 100. 

Am Licht wird die Verbindung in kurzer Zeit grau. 

Durch Jodkalium verwandelt sie sich in die von Ram- 

melsberg beschriebene braune Jodverbindung. Auch 

durch Erwärmen von Quecksilberrhodanid in Ammoniak 

entsteht ein gelber in der Hitze sich ähnlich verhaltender 

Körper. 

Quecksilberrhodanür. Hermes hat in einer 
kürzlich publicirten Arbeit behauptet, dass diese Verbin- 
dung, ähnlich dem Cyanür, nicht existire. Dies ist jedoch 
ein Irrthum, um so mehr, als das Salz schon von Claus 
untersucht worden ist. Allein die Neigung des Queck- 
silberrhodanids, mit Rhodankalium sich zu verbinden, ist 
die Ursache, dass sich jenes neben metallischem Queck- 
silber ausscheidet, wenn man salpetersaures Quecksilber- 
oxydul anwendet. Man muss letzteres in verdünnter 
saurer Lösung, jedoch in grossem Ueberschuss nehmen. 
Das Rhodanür ist weiss, in Wasser unlöslich^ wird von 
Alkalien geschwärzt, von kochender Chlorwasserstoffsäure 
gleich wie von Rhodankalium unter Abscheidung von 
Quecksilber aufgelöst, und verhält sieh in der Hitze 
ähnlich dem Rhodanid, ohne jedoch in gleichem Masse 

aufzuschwellen. 

Hg2 (CNS)2 

gefunden 
a. b. 

2 Hg =z 400 =r 77,52 76,24 77,13 

2 C = 24 4,66 

2 N —.28 5,42 

2 S — 64 12,40 12,15 12,39 

516 TÖÖ. 
Arch. d. Pharm. CLXXXII.Bd.s. 1. u. 2. Hft. 6 



82 C. Eammelsberg, 

Bei der Darstellung dieses Salzes scheint sich anfangs 
stets Quecksilberrhodanid und metallisches Quecksilber 
zu bilden. Ist die Flüssigkeit hinreichend sauer, so wird 
der graue oder schwarze Niederschlag durch längeres 
Stehen weiss, was darauf beruht, dass Quecksilberrhodanid 
und salpetersaures Quecksilberoxydul sich in unlösliches 
Rhodanür und salpetersaures Quecksilberoxyd umsetzen: 
Hg(CNS)2 4- Hg2N2 06 = Hg2(CNS)2 4- HgN2 06. 



Analyse der Glimmer von Utö nnd Easton und 
Bemerkungen über die Zusammensetzung der 
Kaliglimmer überhaupt; 

von 

C. Rammelsberg in Berlin*). 



Keine der grossen und wichtigen Mineralgruppen 
bietet in krystallographischer, optischer und chemischer 
Hinsicht so viel Eigenthümliches und zum Theil Unerklär- 
bares, wie die Glimmer. Ihre Structur und ihre meist 
wenig messbaren Krystalle Hessen sie lange für sechs- 
gliedrig halten; eine gut krystallisirte Abänderung (vom 
Vesuv) wurde als zwei- und eingliedrig erkannt, später 
für zweigliedrig-partialflächig erklärt, bis sich zeigte, dass 
ihre Form geometrisch in aller Strenge eben so wohl 
sechsgliedrig, als zweigliedrig oder zwei- und eingliedrig 
gelten könne. 

Uebrigens ist neuerlich die angebliche zweigliedrige 
Partialflächigkeit durch vollständigere Beobachtungen wi- 
derlegt (Hessenberg). 

In optischer Beziehung unterschied man lange ein- 
und zweiaxige Glimmer. Allein man nimmt jetzt gewöhn- 
lich an, dass die anscheinend einaxigen solche sind, deren 
beide Axen einen sehr kleinen Winkel machen, da man 



*) Als Abdruck aus der Zeitschrift der deutschen geologischen 
Gesellschaft, Jahrg. 1866, vom Herrn Verfasser übergeben. 



Analyse der Glimmer von Utö und Easton etc. 83 

gefunden hat,, dass optisch zweiaxige Blättchen, in einer 
um 900 gekreuzten Stellung auf einander gelegt, so dass 
die Ebenen ihrer optischen Axeu sich gleicher Art schnei- 
den, die Erscheinungen optisch einaxiger Krystalle zeigen. 

Aber nicht allein ist der Winkel der optischen Axen 
bei den Glimmern ein äusserst veränderlicher, von 0^ 
bis 77O gehend, obwohl die Mittellinie immer senkrecht 
zur Spaltungsfläche steht und negativ ist, sondern die 
Ebene der optischen Axen ist bei manchen Glimmern 
senkrecht gegen diejenige anderer. Die Untersuchungen 
lassen erkennen, dass solche verschiedene Glimmer, ver- 
schieden in der Grösse des Winkels und in der Lage 
der Ebene der optischen Axen, an einem Fundorte vor- 
kommen (Warwick). 

Unwillkürlich erinnern diese Verhältnisse der Glimmer 
an die von Scacchi zur Sprache gebrachten Fälle von 
Polysymmetrie. Das zweigliedrige, optisch zweiaxige 
schwefelsaure Kali ist geometrisch gleich dem schwefel- 
sauren Kalinatron, welches sechsgliedrig und optisch ein- 
axig ist. Wenn dies beweist, dass die künstlichen Ab- 
theilungen, welche wir den Symmetriegesetzen der Kry- 
stalle anpassen — unsere Krystallsysteme — , dem Keich- 
thume der Erscheinungen nicht Genüge leisten, so müssen 
die Glimmer besonders zu einem weiteren Studium an- 
regen, und es wäre wohl denkbar, dass es unter ihnen 
auch wahre optisch einaxige gäbe. 

Die chemische Unterscheidung der Glimmer erfolgt 
vorläufig am besten nach der Natur der sogenannten 
starken Basen, welche die Analyse aus ihnen darstellt. 
Denn finden wir auch manche derselben in allen Glimmern 
wieder, so tritt doch eine in der Regel bei einer ganzen 
Abtheilung als herrschend hervor. 

Alkali glimm er nenne ich daher solche, welche 
durch ein Alkali charakterisirt sind. Unter ihnen sind 
die wichtigsten die Kaliglimmer von heller Farbe, 
46 — 50 Proc. Kieselsäure und im Mittel 10 Proc. Kali 
gebend, neben ihm nur wenig Magnesia und höchstens 

6* 



84 C. Rammelsberg^ 

8 Proc. Eisenoxyd. Viele scheinen nur Spuren von Natron, 
einige bis 5 Proc. desselben zu enthalten. Fluor ist wohl, 
wenn auch nur in kleiner Menge, doch wahrscheinlich in 
allen enthalten und vom Wasser, glaube ich, gilt das- 
selbe. Der Winkel ihrer optischen Axen ist gross. 

Die Natrongliramer (Paragonit), feinschuppige, 
helle Glimmer, sind bis jetzt wenig bekannt. Ausser 
Natron, dem stets Kali beigesellt ist, sind kaum andere 
starke Basen darin enthalten. 

Die Lithionglimmer, optisch den Kaliglimmern 
gleich, enthalten neben vorherrschendem Kali auch Lithion 
und Natron und sind durch ihren hohen Fluorgehalt und 
ihre Schmelzbarkeit ausgezeichnet. Theils eisenfrei (Lepi- 
dolith), theils eisenhaltig, entbehren sie aller anderen 
starken Basen fast ganz. 

Vor Kurzem habe ich zwei Kaliglimmer untersucht, 
den goldgelben von Utö, den H. Rose vor 50 Jahren 
in Berzelius' Laboratorium analysirte bei Gelegenheit 
der Arbeit, welche ihn zur Entdeckung des Fluors in 
den Glimmern führte. Ich wünschte zu wissen, in wie 
weit die Fortschritte der Mineralanalyse bei einer Wieder- 
holung Aenderungen des früheren Resultats bewirken kön- 
nen, was insbesondere für Fluor, Wasser und die Alkalien 
in Frage kommt. 

Der zweite ist hellbräunlicher, in dünnen Blättchen 
farbloser Glimmer, der, von Orthoklas und Quarz begleitet, 
in grossen sechsseitigen Prismen zu Easton in Pensyl- 
vanien vorkommt. 

Das Volumengewicht des Glimmers von Utö ist = 
2,836, das von Easton = 2,904, und das Resultat der 
Analysen, wobei ich H. Rose 's beifüge, ist: 

Utö Easton 

H. Rose 

Wasser 2,30 2,50 3,36 ,. 

Fluor 0,96 1,32 1,05 

Kieselsäure 47,50 45,75 46,74 

Thonerde 37,20 35,48 35,10 



Analyse der Glimmer von Utö und Easton etc. 85 

Eisenoxvd 3,20 1,86 4,00 

Eisenoxydul — — 1,53 

Manganoxydul | 0,90 0,52 — 

Magnesia ) — 0,42 0,80 

Kali 9,60 10,36 9,63 

Natron — 1,58 Spur 

101,66 99,79 102,21. 

Der Glimmer von Utö enthält so wenig Eisen, dass 
eine besondere Prüfung auf die Oxyde desselben nicht 
nöthig ist. Was zunächst den Glimmer von Utö betrifft, 
so stimmen H. Rose 's und meine Analyse in dem Ver- 
hältnisse der Kieselsäure und Thonerde sehr genau überein. 
Es ist nämlich 

AP : Si = 1 : 2,18 At. bei H. Rose, 
= 1 : 2,20 At. bei mir. 
Auch wenn das sämmtliche Eisen als Eisenoxyd vor- 
ausgesetzt und sein Aequivalent dem AP hinzugerechnet 
wird, bleibt das Verhältniss ziemlich unverändert, trotz- 
dem H. Rose fast doppelt so viel Eisen (2,24 Proc.) fand 
als ich (1,3 Proc); es wird nämlich: 

(A12, Fe2) : Si = 1 : 2,07 H. R. 
= 1 : 2,13 Rg. 
Anders aber gestaltet sich das Verhältniss des Kaliums 
zu jenen beiden Elementen. Denn jenes ist bei H. Rose 
= 7,97, bei mir aber, mit Zurechnung des Natriumäqui- 
valentes, = 10,60, d. h. ich habe ^\^msX so viel gefunden 
als H. Ro s e. Auch wird diese Differenz nicht ausgegli- 
chen durch die kleinen Mengen Mangan und Magnesium, 
welche bei mir = 1;39, bei H. Rose nur = 0,9 sind. 
Daher kommt es, dass das Atoraenverhältniss K (Na, Mg, 
Mn) : A12 oder Si in beiden Analysen nicht unerheblich 
differirt. Es ist nämlich: 

K : A12,(Fe2) = i : 1,70 K : Si = 1 : 3,5 H. R. 
= 1 : 1,16 = 1 : 2,5 Rg. 

Wird das Eisen als Oxydul berechnet oder, richtiger 
gesagt, als zweiwerthig dem Mangan und Magnesium 



86 



C. Rammeisher g, 



zugetheilt, so ist nach seiner Verwandlung in das Kalium- 
äquivalent: 

K(Fe) : A12 =r 1 : 1,18 K (Fe) : Si = 1 : 2,6 H. R. 
= 1 : 2,5 = 1 : 5,5 Rg. 

In der früheren Art in Sauerstofiverhältnissen aus- 
gedrückt, würden diese Berechnungen geben: Sauerstoff von 



RO 

R203 

RO 

RO,R2 03 

also: 



(H. Rose) 

R203 = 1 
Si02 = 1 

Si02 = 1 
Si02 = 1 



(Rammeisberg) 



: 9,6 


1 


7,0 


: 1,38 


1 


1,42 


: 13,2 


1 


10 


: 1,25 


1 


1,24 


''^ '113,3 


1 


7 . UO 

^ • M,9 



RO : R203: 8102= 1:9,6 



Oder, wenn das Eisen lediglich als Oxydul berechnet wird: 



RO 

A12 03 
RO 
RO,A12 03 
also: 



(H. Rose) 
A12 03 = 1 
Si02 = 1 
Si02 = 1 
Si02 =r 1 



(Rammeisberg) 



RO : A1203: Si02 = 1:7 



7 

1,45 
10 
1,27 

. UO 
• 1 10,15 



5,9 
1,5 
8,65 
1,26 



1:5,9 



|8,65 
)8,85 



Bei diesen Berechnungen ist aber auf das Wasser 
keine Rücksicht genommen. H. Rose hatte bereits das 
Wasser als chemisch gebundenes bezeichnet, und ich habe 
mich überzeugt, dass die Glimmer, nachdem sie bei einer 
dem Glühen nahen Temperatur erhalten worden, in starker 
Hitze oft eine bedeutende Menge Wasser liefern, welches 
von Fluorkiesel oder vielmehr Kieselsäure und Kiesel- 
fluorwasserstoffsäure begleitet ist. Bei dem Glimmer von 
Utö betrug dieser Verlust 4,3 Proc. *). Rechnet man die 



*) Die Angaben älterer Analysen lassen sich schwer corrigiren. 
H.Rose fand im Glimmer von Utö 0,53 Proc. Flusssäure und 
2,63 Wasser. Diese Zahlen wären in 0,96 und 2,3 zu ver- 
wandeln. 



Analyse der Glimmer von ütö und Easton etc. 87 

dem gefundenen Fluorgehalte entsprechende Menge Fluor- 
kiesel ab, so bleiben 2,3 Proc. Wasser. 

Den neueren Ansichten zufolge ist der Wasserstoff 
des Wassers ein Vertreter des gleich ihm einwerthigen 
Kaliums; er muss folglich bei der Berechnung diesem 
zugefügt werden. Thut man dies bei den beiden von mir 
untersuchten Glimmern, so werden die Atomverhältnisse 
viel einfacher wie sonst. 
Atoraverhältnisse von 

H : K : A12 : Si H,K : AI2 : Si 

ütö.. . = 0,79*) : 0,86 : 1 : 2,13 = 1,65 : 1 : 2,13 
Easton = 1,0*) : 0,8 : 1 : 2,12 = 1,8 : 1 : 2,12. 
Mit einer kleinen Correction für die am schwersten 
genau bestimmbaren Elemente H und K sind also nicht 
allein beide Glimmer gleich, sondern auch höchst einfach 
zusammengesetzt, denn das Atomverhältniss 2:1:2 giebt, 
wenn H = K, 

^^2 O^ entsprechend 2 H^ Si O^. 

Si2) 
Mit der Analyse der Glimmer von Aschaffenburg und 
von Gossen beschäftigt, hoffe ich später über die chemische 
Constitution der Kaliglimmer mehr sagen zu können, will 
aber schon jetzt bemerken^ dass die Glimmer von Utö 
und Easton mit der Mehrzahl aller anderen 1 Atom AP 
(Fe2) gegen 2 Atome Si, eine Minderzahl 1 : 3 Atome 
enthalten, und dass in jener ersten Abtheilung auf 1 Atom 
AI2 (Fe2) stets 2 Atome der einwerthigen Elemente, K und 
H, kommen. 

Verwandelt man in der eben entwickelten Formel 
die 2 Atome einwerthiger Elemente (K und H) in ihr 
Aequivalent, d. h. in 1 Atom eines zweiwerthigen, z. B. 
Magnesium, so erhält man MgA12Si2 08. Beide Formeln 
drücken die Zusammensetzung von Singulosilikaten aus. 



^) Diese Zahlen sind in der Wirklichkeit sicher grösser, weil der 
geglühte Glimmer nicht alles Fluor vei'loren hat. 



88 E. Eeickardt, 

Nun habe ich längst zu zeigen gesucht *), dass die 
Magnesiaglimmer Singulosilikate sind. Die vorhergehen- 
den Betrachtungen lehren, dass auch die untersuchten 
und noch viele andere (vielleicht alle) Kaliglimmer Singulo- 
silikate sind. Es ist meines Wissens dies der erste auf 
factischen Grundlagen ruhende Schritt, die Analogie der 
Zusammensetzung für beide Glimmerarten zu erweisen. 



Zur Methode der Aschenanalyse; 

von 

Prof. Dr. E. Reichaidt, 

iu Jena **). 



Die Ermittelung der anorganischen Bestandtheile in 
pflanzlichen oder thierischen Substanzen ist schon seit 
lange der vielfachsten Erörterungen theilhaftig geworden. 
Die Wichtigkeit dieser Stoffe für den pflanzlichen oder 
thierischen Organismus, für die Erhaltung des Lebens, 
wie für den Aufbau der einzelnen Theile ist sicher nicht 
zu unterschätzen, wie es früher lange Zeit geschehen war. 
Die kleinsten Mengen einzelner Aschenbestandtheile treten 
so constant auf, dass dadurch schon allein ihre Unentbehr- 
lichkeit genügend erwiesen wird. Dies die Veranlassung 
einer besonderen Besprechung der Ausführung der Aschen- 
analysen, um gleichzeitig mit Vereinfachung die möglichste 
Genauigkeit der Methode zu bieten. 

Die Darstellung einer Asche durch Verbrennung der 
verbrennbaren Theile bietet um so mehr Schwierigkeiten, 
je mehr von phosphorsauren Salzen oder von Kieselerde, 
auch Thonerde, in den organischen Substanzen vorhanden 
ist und besonders auch, je mehr stickstoffhaltige organische 
Verbindungen zugegen sind. Mannigfache Vorschläge 

*) Handbuch der Mineral -Chemie, S. 669. 
**) Als Separatabdruck aus der Jenaischen Zeitschrift für Medicin 
und Naturwiss. IV. Bd. 1867 von Hrn. Verfasser erhalten. 

D. Ked. 



zur Methode der Aschenanalyse. 89 

einer geeigneteren Verbrennungsweise für solche Substan- 
zen sind gegeben worden, vorzüglich Empfehlungen von 
Zusätzen, welche die Verbrennung erleichtern sollen, z. B. 
von Gy ps, essigsaurem Kalk, Sand, Eisenoxjd etc., allein 
alle diese Zusätze erschweren nicht unbedeutend das ganze 
Verfahren. 

Unter den grösseren Arbeiten, welche auf die Analyse 
der Aschen eingehen, sind diejenigen von H. Rose*), 
H. Wackenroder **), Knop***) und Staffel f) hervor- 
zuheben, obgleich noch viele andere namhafte Autoren, 
wie Erdmann, Mitscherlich, Fresenius u. s. w. 
sich gleichfalls damit beschäftigt haben. Auch ich habe 
schon früher eine derartige ausführliche Arbeit {Arch. d. 
Pharm. Bd. 73. p. 257) veröffentlicht und mag sich diese 
Abhandlung der ersteren anreihen. 

Als Aufgabe bei der Gewinnung von Asche ist natür- 
lich die möglichst vollständige Erhaltung der vorhandenen 
anorganischen Bestandtheile auszusprechen, jedoch ist 
schon diese ganze Unterscheidung eine vollständig will- 
kürliche, eigentlich nur durch unsere, bis jetzt als pas- 
send erachtete Scheidung und Methode der Analyse her- 
vorgerufen. Die Pflanze, als Ganzes betrachtet, besteht 
eben aus den sie zusammensetzenden Theilen, welche 
s-ich, so weit wirkliche Verbindungen unter einander ent- 
standen sind, alle in sogenannter organischer Vereinigung 
befinden. 

Durch den Glüh- und Verbrennungsprocess treten 
so gewaltige Aenderungen in der früheren Mischung ein, 
dass kein anderer Zusammenhang mit den rückbleibenden 
Aschen vorliegt, als dass es frühere Bestandtheile der 
Pflanzen waren, deren Anordnung in der Pflanze, Ver- 
einigung mit anderen Stoffen, durch ganz andere, physio- 
logisch-chemische Versuche erst ermittelt werden kann. 



*) Poggendorff's Annal. Bd. 70. p. 449. 
**) Arch. der Pharm, Bd. 53. p. 1 u. Bd. 57, p. 17. 
***) Journ. für prakt. Chemie. Bd. 38. S. 16. 
t) Arch. der Pharm. Bd. 64. p. 1 u. p. 129. 



90 E. Reichardt, 

Handelt es sich daher um weitergehende Gesichts- 
puncte, so sind diese jedenfalls nicht allein durch die 
Darstellung und Untersuchung der Aschen zu erledigen, 
sondern verlangen völlig entsprechende, weitergreifende 
Untersuchungen, auch namentlich bezüglich der zu wäh- 
lenden Methoden. 

Die sorgfältigste Darstellung und Analyse einer Asche 
kann z. B. nicht die Frage des Gesammtgehaltcs der 
Pflanze oder des thierischen Bestandtheiles an Schwefel 
oder Phosphor erledigen, wenn nicht eben speciell für 
diese hervorgehobene P^rage der Lauf der ganzen Unter- 
suchung geändert wird. 

Wie in anderen Zweigen der analytischen Chemie 
längst üblich, sind auch hier für solche specielle Fragen 
besondere Untersuchungsweisen einzuführen und dienen 
dazu iih reichlichsten Masse die bekannten und so genau 
durchdachten Methoden, welche besonders bei der Analyse 
organischer Körper Anwendung finden. Dass hierbei 
gleichzeitig die Resultate der Aschenanalysen mit in Ver- 
gleich gezogen werden und wichtige Aufschlüsse zu geben 
im Stande sind, braucht nur erwähnt zu werden 

Diese angedeuteten Aenderungen in dem analytischen 
Gange liegen darin begründet, dass bei dem Verbrennungs- 
processe mannigfache Verluste unvermeidlich sind, über- 
haupt nur diejenigen Bestandtheile hinterbleiben, welche 
unter den gegebenen Verhältnissen feuerbeständig sind 
oder derartige Verbindungen erzeugen. Wollte man diese 
bei jeder Veraschung unvermeidlichen Uebelstände sämmt- 
lich beseitigen, so würde wohl eine sehr lästige Steigerung 
der Arbeit bei der Darstellung eintreten, als durch Zu- 
sätze die Hebung des einen Uebels leicht mit der Ein- 
führung eines anderen verbunden sein. 

Ein gleiches Verlangen, besondere, nur dem einen 
Zweck dienende Untersuchungen anzustellen, muss für 
diejenigen anorganischen Bestandtheile in Anspruch ge- 
nommen werden, welche sich in sehr kleiner Menge oder 
nur in einzelnen Fällen vorfinden. Eine Ausdehnung der 



zur Methode der A$chenanalyse. 91 

gewöhnlichen Analyse auf diese Theile würde nur erschwe- 
rend wirken für die Untersuchung, wie für die Genauig- 
keit der Resultate. Diese Scheidung ist übrigens auch 
längst üblich. 

Die Darstellung der Asche durch Verbrennung ist 
jedoch von derartigen Verlusten begleitet, dass von einer 
directen Verbrennung der Pflanzen oder thierischer Sub- 
stanzen unter lebhaftem Luftzutritt überhaupt Abstand 
genommen werden muss, sobald die Untersuchung auf 
die nothwendige Exactität Anspruch machen soll. Die 
Chloride der Alkalien werden leicht mit verflüchtigt und 
führen so doppelte, nicht immer geringe Verluste herbei. 

Die zahlreichen Versuche, welche ich für diese Zwecke 
ausführen liess, erwiesen den Verlust an Chloriden selbst 
dann, wenn die leicht verbrennlichsten Pflanzentheile 
gewählt und nur ein ganz langsamer, regelmässiger Luft- 
oder Sauerstoffgasstrom angewendet wurde. Man kann 
sich davon sehr leicht überzeugen, wenn man in einer 
Glasröhre, nach Art der Elementaranalyse, die verkohlte 
Substanz durch einen Sauerstoffstrom zu verbrennen sucht, 
legt man bei den Verbrennungsproducten ein mit ange- 
säuerter Silberlösung versehenes Gefäss vor, so dass die 
Gase durchstreichen müssen, so tritt auch bei vorsichtigster 
Leitung des Experimentes dennoch bald die Reaction 
von Chlor hervor. Bei schwer und langsam verbrennenden 
Substanzen ist dieser Vei'lust um so beträchtlicher. 

Rose, Wackenroder, Staffel und Andere haben 
daher mit Recht eine vorhergehende Verkohlung der Sub- 
stanz vorgeschrieben, dann ein Auslaugen der Kohle und 
hierauf erst die Verbrennung der letzteren. Rose unter- 
schied sogar noch verschiedene Grade des Widerstandes, 
Avelchen Kohlen bei der Ueberführung der damit verbun- 
denen löslichen Substanzen den Lösungsmitteln leisten. 
Die Auszüge von der Kohle wie Asche mussten besonders 
untersucht werden, und so entstand allmälig eine Com- 
bination von Erfahrungen und Ansichten, welche die 
Untersuchung der Aschen mindestens zu einer sehr lang- 



92 E. lieichardtj 

weiligen oder langwierigen mächten, ohne gerade die 
Genauigkeit zu verstärken. 

Das Ziel der Bestimmung der sogenannten anorga- 
nischen Stoffe kann nur darin liegen, dieselbe ohne Ver- 
lust zu erhalten und muss sich demnach vor Allem auf 
die Sorgfalt bei der Isolirung dieser Theile richten. Die 
weitere Analyse ist durchaus nicht complicirter, als die 
gewöhnlichen Untersuchungen von Gemischen überhaupt, 
und betrifft eigentlich nur die Bestimmung von Kali, 
Natron, Kalk, Talkerde, Eisenoxyd, Thonerde, Mangan- 
oxydoxydul und von Kohlensäure, Chlor, Schwefelsäure 
und Phosphorsäure, Stoffe, welche zu den häufigsten in 
den gewöhnlichen Gemengen gehören. 

So interessant eine weitere Untersuchung des Ver- 
haltens der Kohle oder so gewonnener Kohlen hinsichtlich 
der darin enthaltenen Stoffe sein kann, so hat diese Art 
der Auffassung mit der eigentlichen Aschenanalyse nichts 
zu thun und ist ganz für sich zu verwerthen, kann eben 
so wohl auf der Verschiedenheit der Pflanze, wie den 
leicht wechselnden Graden der Verkohlung beruhen. 

Dem Gehalte an Kohlensäure wurde gleichfalls in 
mehrfacher Beziehung eine besondere Bedeutung zugelegt, 
einmal, um sämmtliche Bestandtheile der Asche überhaupt 
zu bestimmen und eine Controle zu erleichtern, sodann 
aber auch als Repräsentant der durch keine anderen 
Säuren gebundenen Basen, welche vorher vielleicht mit 
Pflanzensäuren gesättigt waren. Lieb ig wollte sogar 
ein gewisses Verhältniss zwischen der Quantität der orga- 
nischen und anorganischen Basen in einer Pflanze erken- 
nen. Bei ruhiger Ueberlegung lassen sich auf jeder Seite 
gewichtige Einwände erheben. 

Zuerst ist die Menge der Kohlensäure in den Aschen 
sehr abhängig von der Darstellung derselben bei höherer 
oder niederer Gluth, lebhaftem oder minder lebhaftem 
Luftzutritt und von den Eigenthümlichkeiten der verbren- 
nenden Substanz selbst und der Kohle derselben. Des- 
halb ist vorgeschlagen, die Asche vor der Ermittelung 



zur Methode der Aschenanalyse. 93 

der Kohlensäure nochmals mit kohlensaurem Ammoniak 
zu glühen, aber auch dann erhält man natürlich bei Talk- 
erde nur das Oxyd. Unter allen Umständen muss die 
Bestimmung der Kohlensäure als ein besonderer, mit ge- 
wissen Vorsichtsraassregeln begleiteter Versuch bezeich- 
net und den angeregten Einwendungen Rechnung getra- 
gen werden. 

Genau entsprechend dieser Behandlung der Kohlen 
und Aschen wurde von Rose, auch Wackenroder, 
eine Theilung der Lösungen empfohlen; es wurden für 
sich die wässerigen Auszüge der Kohle, der Asche, die 
sauren Lösungen untersucht und aus einer Analyse drei 
bis vier verschiedene, die Arbeit vermehrende. Diese 
mehrfachen Analysen hatten mit geringen Ausnahmen 
immer ganz dieselben Bestandtheile zu ermitteln und 
können demnach füglich vereint werden. Wird man ein- 
wenden, dass durch diese Theilung in wässerigen Aus- 
zug und saure Lösung ein Einblick in die vorhandenen 
Salze geboten würde, so ist dagegen zu wiederholen, dass 
diese Salze, wie sie die Asche wirklich enthält, keinerlei 
Bedeutung haben können für den Versuch der Uebertragung 
auf die frühere Pflanze. Die Nachweisung der einzelnen 
Bestandtheile ist das Wichtigste und die Berechnung auf 
Salze nur als nothwendige Controle der Analyse anzu- 
sehen, wobei uns thatsächlich gleichgültig ist, ob die 
Schwefelsäure an Kalk, Kali oder Natron gebunden wird. 
Oder liegen vielleicht wichtige Anzeigen, durch die Menge 
eines Stoffes gegeben, vor, so gehört die Verfolgung der- 
selben wiederum zu den sogenannten besonderen Analysen, 
wobei oft auf die ursprünglichen Substanzen zurückgegan- 
gen werden muss. 

Möge diese Besprechung dazu dienen, den Beweis 
zu liefern, dass es sich bei der Bestimmung der anorga- 
nischen Bestandtheile weniger um die Bereitung einer 
guten Asche handelt, als um die Erhaltung und Gewin- 
nung aller dieser Stoffe ohne Verlust, die Scheidung der- 
selben kann dann unmittelbar aus einer Lösung und in 



94 E. Reichardtj 

einer Reihenfolge vorgenommen werden. Der nachfolgende 
(Jang der Analyse basirt sich deingemäss auf diese An- 
schauung und richtet sich in erster Linie auf die sorg- 
fältige Gewinnung der Stoffe, 

I. Bestimmung des Aschengehalts und der Kohlensäure. 

1 — 10 Grm. der Substanz, je nach dem ungefähr 
bekannten Aschengehalte, werden möglichst vorsichtig 
verbrannt, bis zur Gewinnung der reinen Asche; nach 
dem Erkalten befeuchtet man den Rückstand mit einer 
concentrirten Lösung von kohlensaurem Ammoniak, trock- 
net und glüht nochmals schwach. Die Wägung ergiebt 
die Aschenmenge. 

Kohlensäure. Die so gewonnene Asche kann un- 
mittelbar zur Bestimmung der Kohlensäure durch Aus- 
treiben u. s. w. benutzt werden. 

Mit der P]rmittelung des Aschengehaltes verbindet 
man vorher die Bestimmung des Wassergehaltes durch 
Trocknen. Bei dieser Veraschung treten stets Verluste, 
namentlich an Chloriden, ein. 

II. Bestimmung der anorganischen Bestandtheile. 

Je nach dem bekannten Aschengehalte nimmt man 
so viel Substanz, dass darin 1 — 2 Grm. Asche enthalten 
sind und glüht diese in einem locker bedeckten Tiegel 
bei angehender Rothglühhitze bis zur Verkohlung, d. h. 
bis keine brennbaren Gase mehr entweichen. Stärkere 
Erhitzung ist nicht nothwendig und könnte nachtheilig 
werden. 

Die Kohle wird zerrieben und drei bis vier Mal mit 
Wasser ausgekocht, wobei man die Kohle in dem Gefässe 
möglichst zurückhält und die Filtrate vereint, sodann fügt 
man zu der Kohle wiederum Wasser und etwas Salpeter- 
säure bis zum deutlichen Vorwalten der Säure, erwärmt 
nur ein paar Minuten und filtrirt die nunmehr saure 
Lösung zu der ersten wässerigen, welche, wie sogleich 
anzugeben, vorher mit Silberlösung versetzt worden war. 



zur Methode der Aschenanalyse. 95 

Die Kohle giebt man mit auf das Filter, wäscht gut aus, 
trocknet und verascht. 

Die Asche wird sodann abermals mit Wasser zwei 
bis drei Mal ausgekocht, um etwa noch vorhandene Alkali- 
salze, besonders Chloride, in Lösung zu bringen, sodann 
mit ziemlich starker Salpetersäure erwärmt und sämmt- 
liche Filtrate dem ersten zugegeben. Die in Salpeter- 
säure unlöslichen Theile der Asche werden nach unten 
folgender Angabe noch mit ChlorwasserstofFsäure behandelt. 

Schwefel und Chlor. Die wässerigen Auszüge 
der Kohle und Asche werden sogleich mit salpetersaurem 
Silberoxyd versetzt im Uebermass, gewöhnlich deutet 
dies die dunkle Färbung des mitfallenden Silberoxydes 
und kohlensauren Silberoxydes an. Zu dieser Flüssigkeit 
giebt man sodann die salpetersauren Lösungen von Kohle 
und iVsche und säuert, wenn nicht schon an und für sich 
erlangt, mit Salpetersäure an. 

a) Der sich abscheidende Niederschlag kann aus 
AgS und AgCl bestehen, ersteres aus den bei dem Glü- 
hen der Kohle vielleicht entstandenen Sulfiden herrührend; 
er wird auf gewogenem Filter gesammelt und das Filtrat 
nach b weiter behandelt. AgCl und AgS werden aber 
noch frisch auf dem Filter mit etwas verdünntem Aetz- 
ammoniak übergössen, bis sich nichts mehr löst und die 
durchlaufende Flüssigkeit nicht mehr durch Salpetersäure 
getrübt wird. Auf dem Filter hinterbleibt AgS, welches 
nach dem Trocknen bei 100^ C. gewogen und auf SO^ 
berechnet wird. Das Filtrat von AgS säuert man mit 
Salpetersäure an und sammelt das sich abscheidende 
AgCl nur bei sehr kleinen Mengen auf gewogenem Filter, 
sonst wie gewöhnlich. 

b) Der oben bei der Behandlung der Asche mit Sal- 
petersäure hinterbliebene Rückstand enthält namentlich 
noch Eisen, auch Kieselsäure, und wird sofort mit concen- 
trirter Chlorwasserstoffsäure erwärmt, dann verdünnt, noch- 
mals erwärmt, hierauf filtrirt und das Filtrat unmittelbar 
zu dem von der ersten Scheidung des AgS und AgCl 



96 E. Reichardt, 

erhaltenen gegeben, um hier zugleich das im Uebermass 
zugefügte Silberoxyd zu entfernen ; man wäscht nach und 
fügt, wenn nöthig, noch so viel Salzsäure zu, dass sämmt- 
liches Silberoxyd entfernt wird. Das andere vom abge- 
schiedenen AgCl erhaltene Filtrat wird zur Scheidung 
der Kieselsäure im Dampf bade zum Trocknen verdunstet. 

Rückstand. Sollte bei der letzten Behandlung der 
Asche mit Salzsäure noch ein Rückstand bleiben, welcher 
nicht verbrennlich ist, demnach aus Sandkörnchen besteht, 
so muss derselbe nochmals auf Kieselsäure gemäss den 
Silicaten geprüft werden. 

Kieselsäure. Der Rückstand der zur staubigen 
Trockne verdunsteten F'lüssigkeit wird mit Salzsäure 
Übergossen, ^/^ — 1/2 Stunde der Ruhe überlassen, dann 
mit Wasser verdünnt, wenig erwärmt und filtrirt; auf 
dem Filter, hinterbleibt Kieselsäure, welche nach dem 
Glühen gewogen wird. 

Das Filtrat von der Kieselsäure theilt man in zwei 
Theile und benutzt den einen zur Bestimmung der Schwefel- 
säure und Alkalien, den anderen zur Bestimmung der 
übrigen Bestandtheile. 

A. Schwefelsäure und Alkalien. 

In dem bestimmten Theile wird durch BaCl die 
Schwefelsäure gefällt und ermittelt, das Filtrat vom schwe- 
felsauren Baryt aber zur Trockne verdunstet. 

Der Trockenrückstand wird mit Barytwasser im star- 
ken Uebermass versetzt, erwärmt und filtrirt mit Ver- 
meidung jedes Wassers. Das Filtrat darf von Barytwasser 
nicht mehr getrübt werden, der Rückstand wird mit 
Barytwasser mehrmals gewaschen. Das Filtrat versetzt 
man mit kohlensaurem Ammoniak bis kein Niederschlag 
mehr entsteht, erwärmt, filtrirt abermals und verdunstet 
das nunmehrige Filtrat wieder zur Trockne. Der Trocken- 
rückstand wird mit wenig Salzsäure angesäuert in einen 
Platintiegel gebracht, wieder verdunstet und schwach 



zur Methode der Aschenanalyse. 97 

geglüht. Es hinterbleiben die Chloride von Kalium und 
Natrium, welche, wenn nöthig, durch Platinchlorid geschie- 
den werden und spectralanalytisch auf Rubidium und 
Cäsium untersucht. 

B. Eisenoxyd, Thonerde etc. 
Der zweite Theil der salzsauren Lösung wird stark 
mit Wasser verdünnt zum Sieden erhitzt, mit Natron 
neutralisirt, bis ein Niederschlag erscheint, welcher sofort 
in wenigen Tropfen Salzsäure wieder gelöst wird, man 
entfernt die kochende Flüssigkeit vom Feuer und fügt 
sogleich einige Krystalle von essigsaurem Natron zu — 
entsprechend der im Uebermass zugefügten Salzsäure — 
rührt dabei fortwährend um, wodurch Eisenoxyd und 
Thonerde, wenn Phosphorsäure vorhanden, als phosphor- 
saure Salze gefällt und noch heiss sogleich abliltrirt 
werden. Das Filtrat behandelt man augenblicklich nach 
b weiter, den Niederschlag nach a. 

a) Fe2 03undA12 03.. Ist der Niederschlag gelblich- 
weiss, so hat man bei den Aschen die phosphorsauren 
Verbindungen, welche den Formeln Fe^ O^, PO^ und 
A12 03, P05 entsprechen; man löst sofort in wenig Salz- 
säure wieder auf und kocht mit einem üeberschuss von 
Natronlauge, wodurch Fe^O^ geschieden, noch heiss ab- 
filtrirt und mit heissem Wasser sehr gut gewaschen wird. 
Das Filtrat säuei't man mit Salzsäure wieder an und fällt 
durch kohlensam*es Ammoniak die Thonerde als A1203,P05. 

100 Theile dieser phosphorsauren Thonerde bestehen 
aus 41,843 Th. Thonerde und 58,157 Th. Phosphorsäure. 
100 Th. des abgeschiedenen Eisenoxydes entsprechen 
89,110 Th. Phosphorsäure. 

Gewöhnlich sind nur Spuren von Thonerde vorhanden 
und würde bei Erden oder sonstigen Gemischen das Eisen- 
oxyd vorwalten, durch die Farbe leicht kennbar, so muss 
dann in dem Thonerde haltenden alkalischen Filtrate die 
Phosphorsäure bestimmt werden. 

Arch.d. Pharm. CLXXXII.Bds. l.u.2.Hft. 7 



98 E. Raichardt, 

Ueber diese Scheidung bei sehr phosphorhaltigen 
Geraischen siehe übrigens den Nachtrag. 

h) Mn O, Das essigsaure Filtrat von der ersten Schei- 
dung des Fe^QS und der APO'^ wird abermals zum Kochen 
erhitzt und vom Feuer entfernt, sofort etwas unterchlorig- 
saures Natron *) zugefügt. Ist Mangan zugegen, so ent- 
steht eine bleibende Trübung; man fügt dann mehr unter- 
chlorigsaures Natron zu unter stetem Umrühren und prüft 
nach wenigen Secunden, ob die Flüssigkeit noch sauer 
reagire — sonst niuss noch etwas Essigsäure zugefügt 
werden — und sehr bald die P^ntfärbung des Reagens- 
papieres eintrete, wodurch das Ueberniass des unter- 
chlorigsauren Natrons angezeigt wird und der Beweis ge- 
geben, dass sämmtliches Mangan als Hyperoxyd gefällt ist. 

Man filtrirt, wäscht den Niederschlag gut aus und 
glüht; es hinterbleibt Mn'^O''. 

CaO. Das Filtrat vom Mangan wird sofort noch 
warm mit oxalsaurem Ammoniak im Uebermass versetzt, 
nach mehren Stunden Ruhe der Oxalsäure Kalk geschie- 
den und wie gewöhnlich bestimmt. 

Mo-O und P05. Das Filtrat vom Kalk theilt man 
in zwei Theile: 

MgO. In dem einen Theile fällt man durch phos- 
phorsaures Natron und Ammoniak die Talkerde. 

Fü^. Zu dem zweiten Theile giebt man eine klare 
Mischung von Chlormagnium, Chlorammonium und Am- 
moniak und fällt so die Phosphorsäure. 

Es versteht sich von selbst, dass die wiederholte 
Theilung bei der Berechnung gehörig berücksichtigt werde. 



Wie schon oben angedeutet, richtet sich bei dieser 
Methode der Aschenanalyse die grösste Aufmerksamkeit 



*) Das unterchlorigsaure Natron bereite ich durch Behandlung 
von Chlorkalk mit wässerigem kohlensauren Natron im schwa- 
chen Uebermass, d. h. das Filtrat darf durch kohlensaures 
Natron nicht mehr gefällt werden. 



zur Methode der Aschenanalyse. 99 

auf die Gewinnung der anorganischen Bestandtheile der 
Pflanzen- oder Thiersubstanzen, weshalb in dieser Hin- 
sicht Verkohlung und allmälige Behandlung der Kohle 
wie Asche mit Wasser und Säuren vorgeschrieben ist. 
Indem jedoch die Kohle nicht nur mit Wasser, sondern 
auch verdünnter Salpetersäure behandelt wird, lösen sich 
stets die meisten Stoffe schon hier auf und wird dadurch 
die Verbrennung, namentlich bei schwerer verbrennbaren, 
viel phosphorsaure Salze oder Kieselsäure haltenden, Kohlen 
sehr erleichtert. 

Mit concentrirter Salpetersäure oder überhaupt einem 
zu starken Ueberraass darf man chlorhaltige Substanzen 
nicht längere Zeit erwärmen, da sonst stets Verluste an 
Chlorwasserstoffsäure eintreten. 

Man erhält zwar durch das wiederholte Auslaugen 
und Behandeln der Kohle wie Asche eine ziemlich be- 
deutende Menge Flüssigkeit, allein schon nach der ersten 
Scheidung des Chlors wird dieselbe zur Bestimmung der 
Kieselsäure eingedichtet und so dieser Uebelstand voll- 
ständig beseitigt. 

Soll eine vorhandene Asche direct der Untersuchung 
unterworfen werden, so nimmt man circa 1 — 2 Grm. der- 
selben und behandelt dieselbe nur mit Wasser und Salpeter- 
säure u. s. w., lässt demnach das über die Auslaugung der 
Kohle gegebene weg. Sollte hierbei AgS erhalten werden, 
so rührt der Schwefel von S-O'-^ her, welche sich bei 
längerem Liegen der Asche aus den vorhandenen Schwefel- 
alkalien gebildet hat. Das erhaltene AgS muss demnach 
2 SO^ entsprechen, da man es regelmässig auf diese Säure 
berechnet, welche doch schliesslich der Ursprung war. 
Fast regelmässig finden sich nur Spuren von Sulfiden 
überhaupt. 

Bei der Untersuchung einer an phosphorsauren Sal- 
zen reichen Asche, des Fleisches, der Knochen, auch 
einiger Früchte, ist es sehr geeignet, bei der Fällung von 
Eisenoxyd und Thonerde durch essigsaures Natron gleich- 
zeitig etwas Essigsäure noch zuzufügen, um so die etwaige 

7* 



100 Blutendes Brod. 

Abscheidung von phosphorsaurem Kalk zu verhindern. 
Der Fehler wird übrigens sofort bei der folgenden Be- 
handlung des phosphorsauren Eisenoxydes und der phos- 
phorsauren Thonerde mit Natron erkannt, wobei dann 
das Eisenoxyd nicht rothbraun hervortritt, sondern noch 
vermengt mit phosphorsaurem Kalk. Nochmaliges Losen 
in Salzsäure und F.ällen durch essigsaures Natron hebt 
diesen Fehler sehr leicht auf. In einem solchen Falle ist 
es überhaupt geeignet, vor dem Zusätze von essigsaurem 
Nati'on eine grössere Menge der Lösung von Chlornatrium 
zuzufügen, wodurch die Abscheidung von phosphorsaurem 
Kalk leicht völlig gehindert werden kann. 



Blutendes Brod. 



Im Jahre 1819 machte dieses Phänomen zu Legnaro 
bei Padua eine grosse Aufregung unter dem Volke; es 
gelang damals aber einer Untersuchungs-Commission, vor- 
zugsweise dem späteren Medicinalrathe Dr. Sette in 
Venedig, diese Erscheinung als einen Vegetationsprocess 
zu erkennen, welchen er als eine neue Pilzart {Zooga- 
lactina imetropha) erklärte. 1848 zeigte jedoch Ehren- 
berg, dass die Erscheinung eine tbierische, belebte sei, 
deren kleinstes Wesen er Monas i^rodigiosa nannte. Das 
diesjährige Auftreten hat mir, berichtet Dr. v. Erdmann, 
Gelegenheit gegeben, den chemischen Charakter des Phä- 
nomens und den Zusammenhang zu entdecken, welcher 
zwischen dem Roth- und Blauwerden der Speisen be- 
steht. Letztere häufiger auf Milch sich zeigende Far- 
benbildung ist 1841 von Fuchs und 1852 von Haube- 
ner untersucht worden. Die Resultate meiner Unter- 
suchungen, sagt Dr. V. Erdmann, sind folgende: Der 
rothe und blaue FarbestofF der Speisen wird durch Ver- 
mittelung von Vibrionen erzeugt. Das Material, aus wel- 
chem sich beide FarbenstofFe entwickeln, bilden die stick- 
stoffhaltige Substanz sehr verschiedener Speisen, wie z. B. 



Blutendes Brod. 101 

aller Arten gekochten und gebratenen Fleisches, Roggen- 
und Weizenbrod, Eiweiss, Reis, Kartoffeln u. s. w. Durch 
die chemischen Reactionen unterscheiden sich die gebil- 
deten Farbenstoffe von allen bisher bekannten, mit Aus- 
nahme der sogenannten Anilinfarben. Diesen sind sie in 
Bezug auf Schönheit der Lösungen, tingireude Kraft und 
durch ihr chemisches Verhalten so ähnlich, dass sich der 
Farbestoff blauer Speisen durch keine Reaction von dem 
Anilinblau unterscheidet, welches man nach den Unter- 
suchungen des Professors A, W. Hoff mann als Tri- 
phenylrosanilin betrachten muss, während die Farbe ro- 
ther Speisen alle Eigenschaften des Rosanilins zeigt und 
nur in seinem Verhalten zu concentrirter Salzsäure ab- 
weicht, welche ihn nicht verschwinden lässt. Das Roth- 
und Blauwerden der Speisen ist mithin ein Fäulniss- 
stadium der Proteinstoffe, in welchem eine durch Vibrio- 
nen vermittelte natürliche Bildung derjenigen Farbestofte 
statt findet, welche durch ihre Schönheit und Abstam- 
mung als unzweifelhafte Kinder der Wissenschaft in der 
Neuzeit so grosses Interesse erregt haben. Die gebilde- 
ten Farbestoffe sind nach der Meinung des Dr. v. Erd- 
mann Producte der Vibrionen in dem Sinne, wie Kohl- 
säure, Glycerin, Bernsteinsäure, Alkohol, Producte der 
Hefe in gährenden Flüssigkeiten. Die bei der Bildung 
des rothen und blauen Pigments thätigen Wesen schei- 
nen ein und dieselben zu sein, wenigstens hat derselbe 
nicht ein einziges Unterschiedsmerkmal aufzufinden ver- 
mocht. Vielmehr glaubt er, dass sie zu derselben Gat- 
tung wie jene Vibrionen gehören, welche Pasteur als 
das Ferment der Buttersäuregährung bezeichnet und die 
man bei der Zersetzung vieler Substanzen organischen 
Ursprungs findet. Je nach dem Substrate und den ein- 
wirkenden Agentien mögen die Producte dieser Vibrio- 
nen andere werden, auch letztere selbst in einer Weise 
entwickeln, welche auf die zu bildenden Producte bestim- 
mend einwirkt. Dies sind die Resultate und die Vor- 
stellungen, zu denen mich meine bisherigen Untersuchun- 



102 Ueber Desinfectionsmittel. 

gen geführt haben und die ich durch fortgesetzte Ver- 
suche zu prüfen beabsichtige. {Berlin, akadem. Monats- 
hemcht, 1866. — Ausland, 19. Mai 1867.) Dr. Löhr. 



Ueber Desinfectionsmittel. 

(Vortrag des Dr. Marquart in Bonn.) 



Ueber die in neuerer Zeit von allen Seiten empfoh- 
lenen Desinfectionsmittel glaubt Dr. Marquart um so mehr 
zu einer Kritik berufen zu sein, als nicht Jeder im Stande 
sei, den Werth derselben zu prüfen und die Industrie leider 
das Auftreten der Cholera zur pecuniären Ausbeutung des 
Publicums zu benutzen scheine. Namentlich erwähnte 
derselbe der langen Listen von Desinfectionsmitteln, welche 
von Berlin aus verbreitet würden. Dr. Marquart glaubt 
diese Mittel in solche eintheilen zu können, welche nur 
die Gase der Aborte zu absorbiren im Stande wären, 
wie Eisenvitriol, Eisenchlorür und Manganchlorür. Die 
Wirkung dieser chemischen Producte sei unzweifelhaft, 
da die aus den Excrementen sich entwickelnden Gase 
gebunden und dem Geruchssinn entzogen Avürden. Die 
Frage, ob diese Oxydulsalze auch im Stande seien, die 
Gährung oder Zersetzung der frischen Excremente zu 
verhindern^ hält Dr. Marquart für eine offene, welche, 
theoretisch betrachtet, verneint werden müsse. Die zweite 
Classe von Desinfectionsmitteln wurde als oxydirende be- 
zeichnet. Hierher gehören Eisenoxydsalze, übermangan- 
saures Kali oder Natron, Chlor u. s. w. 

Nach der Ansicht des Vortragenden liesse sich an 
der Wirksamkeit dieser Mittel kaum zweifeln, er bedaure 
aber, dass man eine Lösung eines Oxydsalzes, wel- 
ches kaum nennenswerthe Spuren von Uebermangan- 
säure enthalte, unter dem fingirten Namen „präparirtes 
Chamäleon" zu Preisen in den Handel bringe, welche 
den reellen Werth um das Zwei- bis Dreifache überstei- 
gen. Die wirksamsten Desinfectionsmittel werden immer- 



Ueber Dssinfectionsmittel. 103 

hin die überaiangansauren Salze bilden, wobei diesen 
aber der allgemeinen Anwendung ihr hober Preis ent- 
gegenstehe. Das Pfund krystallisirtes übermangansaures 
Kali komme zu 5 Thlr. im Handel vor und die Berliner 
Industrie verkaufe eine Flüssigkeit unter dem Namen 
„übermangansaures Natron" zum Preise von 10 Thlr. pro 
100 Pfund. Dieser scheinbar billige Preis sei aber ein 
unmässig hoher, da nach der Untersuchung von Dr. Mar- 
quart nur 1 Procent übermangansaures Salz darin vor- 
handen sei und demnach das Pfund desselben mit 10 Thlr. 
bezahlt werden müsse. Eine dritte Abtheilung der Des- 
infectionsmittel umfasse die antiseptischen oder fäulniss- 
widrigen, wie Carbolsäure, carbolsauren Kalk, Holzessig 
u. s. w. 

Der Vortragende glaubte, dass wenn wirklich nur 
die in Zersetzung begrifienen und nicht die frischen Ex- 
cremente die Träger des Ansteckungsstoffes der Cholera 
seien, eben diese antiseptischen Mittel eine besondere 
Berücksichtigung zu verdienen schienen ; es stände aber 
der Anwendung der Carbolsäure in Wohnhäusern der 
durchdringende unangenehme Geruch derselben entgegen^ 
dieser unangenehme Geruch sei aber weniger dem Holz- 
essig eigen. 

Ueber die Frage, welches Mittel demnach vom wis- 
senschaftlichen Standpuncte aus zu . empfehlen sei, ent- 
spann sich eine Debatte, an welcher sich auch Professor 
Landolt betheiligte, welche damit endete, dass eine 
Anwendung von Zinksalzen, welche bekanntlich auf orga- 
nische Körper und namentlich stickstoffhaltige, specifisch 
einwirken, in Verbindung mit Eisenoxydulsalzen oder 
einer Auflösung von Zinkeisenchlorür empfohlen zu wer- 
den verdiene. ( Verhandl. des naturhisfor. Vereins für Rliein- 
land w. Westphalen. IL Ahth. 1866. Sitzung shericht pag. 75.) 

Dr. L ö h r. 



104 



II. Matiir^escliiclite luid Phariiia- 
ko^iiosie* 



Pharmakologische Notizen; 

von 

Dr. X. Land er er in Athen. 



Des Gebrauches der Meerzwiebeln in Griechenland 
und im Oriente gegen verschiedene Leiden der Brust- 
organe, gegen Phthysis habe ich schon manchmal er- 
wähnt. Diese Pflanze, deren Wurzel oder Zwiebel 
man Hundszwiebel nennt, lindet sich überall, nicht 
allein am Meeresstrande, weshalb sie Scylla maritima 
genannt wird, sondern auch weit im Innern sehr häufig 
auf Hügeln und Vorbergen. In Griechenland gelangt die 
Wurzel zu einer bedeutenden Grösse und eine grosse 
Meerzwiebel kann ein Gewicht von 6 bis 8 Unzen errei- 
chen. Einer meiner früheren Schüler, der sich im Klo- 
ster zu Jerusalem als Apotheker befindet und den ich 
um Mittheilungen über die daselbst im Gebrauche sich 
findenden Volksheilmittel ersuchte, theilte mir mit, dass 
diese Meerzwiebelpflanze dort in solcher Menge vorkomme, 
dass man ganze Schiffsladungen davon nach Europa sen- 
den könne. Unter diesen Meerzwiebeln, welche die Ara- 
ber ebenfalls Skylla nennen, finden sich Zwiebeln von 
der Grösse eines Kinderkopfes und einer Schwere von 
1 bis l'/o Okka, d.i. 21/4 bis 3 Pfund, weshalb man ge- 
nöthigt sei, Gruben zu graben, um sie aus der Erde her- 
auszunehmen. Auch die Araber und Türken betrachten 
diese Zwiebel als ein Heilmittel gegen Lungenleiden, ja 
gegen Lungensucht, wenn sie auch schon im sehr vor- 
gerückten Stadium sei. Zu diesem Zv/ecke wird die 



Landerer, über Marriibium. 105 

Zwiebel, nachdem sie von den Wurzelt'asern und Schup- 
pen gereinigt ist, mit Wasser sehr fleissig gewaschen, bis 
sie keinen bittei'n Geschmack mehr besitzt, sodann ge- 
kocht und die Pulpa durch ein Sieb getrieben, um einen 
Peltes, d. h. eine Conserve-Pulpa, zu erzielen, denen man 
sodann Hyssopum zusetzt. Diese Latwerge, Mantsun ge- 
nannt, ist im ganzen heiligen Lande gegen die Phthysis 
und andere Leiden der Lunge im allgemeinen Gebrauch 
und durch dieselbe werden Wunderkuren erzielt, so 
dass Leute, die von allen Aerzten aufgegeben waren und 
sich im letzten Stadium der Phthysis befanden, durch den 
längeren Gebrauch dieser Skylla- Mantsun cum Hyssopo 
geheilt wurden. Aus alten Schriftstellern ist zu ersehen, 
dass schon Pythagoras und Epimenides ihren Gebrauch 
als Arzneimittel kannten. 

Dem Hyssopiis officin.., einer Pflanze, die in Griechen- 
land nicht bekannt ist, schreiben die Araber ebenfalls 
grosse Heilkräfte zu und bei allen von Erkältung her- 
rührenden Krankheiten nehmen die Leute ihre Zuflucht 
zu dieser Pflanze. Die Araber nennen dieselbe Hyschop 
auch Assoff welcher Name aus dem Arabischen stammt; 
Esoh bedeutet ein heiliges Kraut, mithin ist der Gebrauch 
dieser Pflanze leicht erklärlich. 



.•ws>a< s » 



üeber Marrubium; 

von 

De iij s e I b e n. 



In die Kategorie der Pflanzen, die nach der Meinung 
des Volkes und auch der noch aus alten Zeiten stam- 
menden Chirurgen und empirischen Aerzte ausgezeich- 
nete Heilkräfte besitzen und gegen eine Menge von 
Krankheiten mit gutem Erfolge angewandt werden, ge- 
hört Alarriibiuvi vulgare. In den meisten Theilen des 
Landes, im nördlichen Attika, findet sich M. creticum, 
auf den Feldern der feuchteren Niederimgen M. vidgare 



106 Landerer, 

und auf trocknen Ebenen und Hügeln von Ostgrieolien- 
land bis zu einer Hohe von 2000 Fuss Marruhium pseu- 
dodictamus, falscher Diptam. Theophrast und Dioscori- 
des nannten diese Pflanze Prasion und schon in den 
ältesten Zeiten war Prasion eine bedeutende Heilpflanze. 
Der Name Marrubiurn soll nach Wittstein aus dem 
hebräischen Mar, bitter, und Pob, viel, stammen, mithin 
eine viel bitter schmeckende Pflanze bedeuten. Linne 
leitet den Namen, jedoch irrig, von Maria und Urhs, 
Sumpfstadt, einer Stadt im ehemaligen Latium am See 
Fucinus, wo die Pflanze häufig vorkommen soll, ab. 

In Betreff" der Heilkräfte dieser Pflanze ergiebt sich 
aus den alten Schriftstellern, dass dieselbe gegen Krank- 
heiten der Lungen im Rufe stand und dass die Salben- 
bereiter (Ungiientarii) sich ihrer bedienten. Das Volk 
nennt die Pflanze Hundskraut, Skylocliorton, von Chorton, 
Kraut, und Skylos, Hund, weil die Hunde, wenn sie sich 
krank fühlen, dieselbe aufsuchen und fressen. Dieses 
Prasion wird im ganzen Oriente innerlich und äusserlich 
angewandt. Besonders sind es die beiden im ganzen 
Oriente so gefürchteten Krankheiten, die Scropheln, Choi- 
rades genannt, die man für ansteckend hält, und die 
Phymatosis, Tuberculose (cpu[j.a, Tvherculum), Lungensucht, 
gegen welche man die Pflanze anwendet. Gegen Scro- 
pheln wird sie in Form von Kataplasmen gebraucht, die 
sich das Volk jedoch auf andere Weise bereitet. Die 
frischen Pflanzen werden zwischen zwei Steinen zerquetscht 
und die Masse in statu quo auf die Geschwülste gelegt. 
Um dieselbe noch wirksamer zu machen, wird etwas 
Raky, d. i. schlechter Branntwein, darauf gespritzt und 
man fährt mit der Anwendung fort, bis die Geschwülste 
sich zertheilen oder in Suppuration übergehen, die man 
jedoch nicht mit Lanzetten oder andern schneidenden 
Instrumenten öffnen darf, sondern mittelst einer goldenen 
Nadel oder einer Fischgräte etc. Gegen die Tubercu- 
lose wird unser Skylocliorton in Form von Mantsuns, 
Electuarien, nur in sehr starken, kräftigen, concentrirten 



über den Maulbeej-hnim. 107 

Abkochungen gegeben. Jedenfalls ist Marruhiiim eine 
sehr kräftige Heilpflanze und der Aufmerksamkeit der 
Aerzte nicht unwerth. 

Notizen über den Maulbeerbaum; 

von 

Demselben. 



Die Wichtigkeit des Maulbeerbaums durch seine 
Blätter für die Seidenzucht ist allgemein bekannt. Der 
Peloponnes erhielt von dem Namen des Baumes Morea 
den Namen Morea. Die Hellenen nannten den Baum 
Sykaminos. Betreffs der Anwendung in der Medicin ist 
bekannt der Syrupus Mororum, der im Oriente dieselbe 
Rolle spielt wie bei uns Syv. Buhi Idaei, den man hier 
gar nicht kennt, indem der Strauch sich nicht findet und 
auch cultivirt nicht gedeiht. Die Remanentia ex Syrwp, 
werden im Oriente zur Destillation eines Wassers ver- 
wendet, welches die Leute Moroneron nennen und das als 
ein grosses Heilmittel bei Kinderkrankheiten gilt. Aus 
den Schriften des Galenus {in lihro de alimentis facidt. 
Cap. 11.) ist zu ersehen, dass derselbe schon des Maul- 
beerbaumes erwähnt und Archigenes empfiehlt gegen 
Zahnschmerz den milchigen Saft des Maulbeerbaumes. 
Alle diese Anwendungen aus den ältesten hellenischen 
Zeiten haben sich auf die heutigen Griechen vererbt. 
Bei Zahnschmerzen nimmt das Landvolk seine Zuflucht 
zu dem Safte der Maulbeerblätter, jedoch nicht der Mo- 
nis albus oder nigra, sondern zu der Varietät mit grossen, 
schwarzen, sehr saftigen Früchten, aus denen der Syrup. 
Mororuvi bereitet wird. Diese saftigen Früchte sind so 
färbend, dass man es bereut^ diese so gut schmeckenden 
kühlenden Früchte gegessen zu haben, indem Hände und 
Lippen so stark gefärbt werden, dass man den Farbestoff 
nicht mit den gewöhnlichen Waschmitteln entfernen kann. 
Die Reinigung der schwarzroth tingirten Organe geschieht 
im Oriente mit den Blättern desselben Baumes. Man 



108 Landerer, 

zerquetscht einige Blätter und reibt mit dem Safte die 
gefärbten Organe, welche im Augenblick dadurch gerei- 
nigt werden. 

Das Holz des Maulbeerbaumes ist ein gutes Färbe- 
mittel, um wollene und baumwollene Stoflfe damit gelb 
zu färben und die Rinde von den Zweigen ist in vielen 
Fällen auch ein Medicament gegen den Bandwurm, 

Notizen über Höhlen in Griechenland; 

von 

Demselben. 



In Griechenland finden sich wunderschöne Höhlen, 
die zu den grossartigsten Europas zu zählen sind und 
sich durch die Zierde ihrer Stalaktiten, die oft 5 bis 10 
Ellen lang von der Decke herabhängen, auszeichnen. 
Eine solche wunderschöne Höhle ist auf Antiparos, einer 
kleinen Insel des griechischen Archipels, und Hunderte 
von Fremden besuchen diese nur von Hirten und einigen 
armen Familien bewohnte Insel dieser Höhle wegen. Um 
diese Stalaktiten zu erhalten, werden dieselben von den 
Hirten, die den EVemden zu Wegweisern dienen, ver- 
brecherischer Weise abgeschossen und bilden für diese 
•gewissenlosen Menschen einen Handelsartikel, indem sie 
nach Smyrna, Konstantinopel und Alexandrien versendet 
und auf den Bazars als Stalaktiten von Antiparos ver- 
kauft werden. In kurzer Zeit wird diese prachtvolle 
Höhle aller ihrer Zierden beraubt sein. 

Eine zweite schöne Höhle befindet sich auf der Insel 
Thermia, welche man Katafiki nennt, von dem Worte 
Katafigion, d. i. Zufluchtsort, indem die Leute zu der 
Zeit, als die Inseln des griechischen Archipels von See- 
räubern beherrscht waren, ihre werthvollen Sachen darin 
zu verbergen im Stande waren. Die Phantasie des Men- 
schen bildete aus den Stalaktiten Ambosse mit dem 
Schmiede, Sessel, Vorhänge, Giebel etc. Diese Hohle 
ist in der That wunderschön und gut erhalten; indem sie 



über ein eisenhaltiges Miner ahcasser. 109 

in der Nähe der Stadt Thermia liegt und unter Aufsicht 
steht, um diese Naturschätze zu bewahren. 

Eine dritte Höhle ist die am Fusse des Parnass ge- 
legene Korykische Höhle, voll von Stalaktiten, eine vierte 
auf der Insel Makronison. Durch einen Zufall fand sich 
auf der Insel Tinos in der Nähe des Dorfes Exomenia 
eine der schönsten Höhlen vielleicht ganz Europas. In 
diesen Gegenden wird nämlich Marmor gebrochen und 
indem man sich mit dem Sprengen desselben beschäf- 
tigte, entstand mit einem Male eine Oeffnung, durch 
welche die Leute durchkriechen konnten. Sie befanden 
sich in einer mit den schönsten Stalaktiten verzierten 
Höhle, und es ist eine Pracht, diese im unveränderten 
Zustande zu sehen und die Natur darin zu bewundern. 



Ueber ein eisenhaltiges Mineralwasser; 

von 

Demselben. 



Auf der Insel Thermia, auch Kythnos genannt, fin- 
det sich eine ausgezeichnete Stahlquelle, welche Kakkaho 
genannt wird und eine Wärme von 42^ R. zeigt. Diese 
Quelle zeigt von ihrem Ursprünge bis wo sie sich in das 
Meer ergiesst, ihren Eisengehalt durch den Absatz des 
Eisenoxyds an allen Steinen und Gegenständen, die man 
in das Rinnsal des Wassers legt, deutlich an. Verliert 
jedoch die Quelle ihre Wärme, so ist mit einem Male 
auch das Eisen verschwunden und das Eisenoxydul wird 
als Eisenoxyd abgesetzt, so dass das Wasser in ein sali- 
nisches umgewandelt ist und der Patient statt eines stahl- 
haltigen ein salinisches Wasser gebraucht. Dass diese 
Erscheinung auf dem Verluste von Kohlensäure beruht, 
worin sich das Eisenoxydul aufgelöst findet, welches sich 
im nämlichen Augenblicke in Eisenoxyduloxyd umwan- 
delt, ist hinreichend bekannt. Wozu nützen jedoch solche 
Stahlquellen, solche Chalybothermen? diese wichtige Frage 
drängt sich mir auf, denn es handelt sich um das Wohl 
von Tausenden von Patienten, die nach Kythnos gehen, 
um auf den Rath der Aerzte die Stahlquelle des Kak- 
kaho zu gebrauchen, jedoch in Folge der angegebenen 
Erscheinung in Wirklichkeit eine salinische benutzen 
und mithin eine andere Wirkung sehen, wie voraus- 
gesetzt und erwartet wurde. 



110 



III. Jfloiiatslierielit« 



Dännes Eisenblech. 

Seiner Zeit ei-regte ein von Pittsburg abgesandter 
Brief grosses Aufsehen, der auf dünnes Eisenblech ge- 
schrieben war. Dieses Blech war so dünn, dass man 
1000 Blätter brauchte, um 1 Zoll Dicke zu erhalten. Seit 
jener Zeit sind in England Bleche von noch viel grösserer 
Dünne erzeugt worden : 

1. Auf den Marshfield- Eisenwerken ein Blatt von 
110 Quadratzoll Oberfläche, 89 Grains schwer. 

2. Daselbst ein eben so grosses Blatt nur 23 '/2 Gr. 
schwer, 2950 Blatt auf 1 Zoll. 

3. Pontardawe walzte ein Blech, von dem man 
3799 Stück zu einem Zoll Dicke brauchte. 

4. Endlich gelang es dem Werkführer von Hallam & 
Comp, ein Eisenblatt zu erzeugen, von dem man zu 1 Zoll 
4800 Stück braucht. {Berggeist.) B. 



Gusseisen. 

Gemische von altem und neuem Gusseisen in einem 
zur Hervorbringung grosser Widerstandsfähigkeit geeig- 
neten Verhältnisse erlangen eine noch höhere Festigkeit 
durch Hinzufügen einer geringen Menge^ bis 2 Proc, 
AVolfrara, durch grössere Mengen Wolfram wird das Eisen 
nur härter; die so erlangten Vortheile gehen durch Um- 
schmelzen des Eisens nicht wieder verloren. Das deutsche 
Wolframerz vom Zinnvvakle (wolfrarasaures Eisenoxydul- 
Manganoxydul [FeO, MnO] WO^) wirkt kräftiger als das 
französische, welches durch Rösten zunächst von Schwefel 
und Arsen gereinigt werden muss. Es genügt dann, das 
Erzpulver mit dem Eisen zu mengen, da die Reduction 
durch den Kohlenstoff des letzteren erfolgt. {Amial. de 
Chim. et de Phys.) Dr. Reich. 

Einfliiss des Wolframs anf Gasseisen. 

Einige schrieben die grössere E^estigkeit, welche in 
früheren Versuchen das mit Wolfram geschmolzene Roh- 



Nutzharmachung der WeissblechschnitzeJ . 111 

eisen erhielt, auf Rechnung einer grösseren Reinigung, 
welche der Wolfram durch Entfernung von Schwefel und 
Phosphor bewerkstelligt haben sollte. Le Guen {Compt. 
rend. T. 59.) ist auf Grund nachstehend beschriebener 
Versuche der Ansicht, dass der Wolfram an und für sich 
eine grössere Zcähigkeit des Eisens herbeiführe und aller- 
dings vorzugsweise die grösste, wenn das mit ihm ge- 
schmolzene Roheisen an sich uni-ein war. 

Die Versuche wurden mit Holzkohleneisen angestellt 
von vortrefflicher Qualität aus der Giesserei von Nevers 
und Ruelle. ]\Ian schmolz l'/o, 2 bis 21/2 Proc. Wolfram 
ein und goss aus etwa 80 Kilogrm. Cy linder unter ganz 
gleichen Bedingungen des Versuchs. In allen Fällen 
erhielt man ein Gussstück, welches in den Sprengproben 
eine viel grössere Widerstandsfähigkeit besass, als das 
beste Kanoneneisen. In der Vermuthung, dass der Wolfram 
vielleicht in der partiellen Kohlenentziehung seine Kraft 
habe, stellte man ein bia an die Grenze des Vortheilhaften 
gehendes v/eisses, halbirtes Eisen dar; aber dieses besass 
nie die Wiederstandsfähigkeit des mit Wolfram geschmol- 
zenen. Dass in dem letzteren das Wolframmetall anwesend 
sei, haben directe Analysen gezeigt. Die Zähigkeit wuchs 
in dem Gusseisen von Raveau um Vg und in dem von 
Ruelle um '/y, {Jonrn. für prakt. Chemie, ßd. 95. 5.) B. 



NutzbarmachuDg der Wcissblechschnitzel. 

Die in den Klempnerwerkstätten, Knopffabriken und 
bei andern Gewerben abfallenden Wcissblechschnitzel 
Avurden bis jetzt als werthlos betrachtet, da die bisher 
vorgeschlagenen Methoden zur Nutzbarmachung derselben 
theils in der Praxis grosse Schwierigkeiten boten, theils 
jede Rentabilität in Frage stellten. Es ist nun kürzlich 
J. Fuchs die Auffindung eines praktischen Verfahrens 
gelungen, welches allen billigen Ansprüchen genügen 
dürfte. Das betreffende Verfahren gründet sich auf die 
Eigenschaft des metallischen Eisens, bei Gegenwart von 
Zinn mit Salzsäure behandelt nicht eher angegriffen zu 
Averden, als bis alles Zinn aufgelöst ist, so Avie als End- 
resultat auf die Verwerthung des durch Zink aus der 
Lösung niedergeschlagenen Zinnes und des zurückblei- 
benden Seh warz blech s. Die zur Lösung zu verAven- 
dende rohe Salzsäure ist A'^orher, unter Zusatz von circa 
6 Proc. Salpetersäure, mit dem gleichen Quantum Wasser 
zu mischen. Mehrfach angestellte Versuche haben im 



112 Ungeio'öhnliche Entstehungsart von Eisenoxydoxydul. 

Durchschnitt einen Gewinn von 1 ',4 Thh'. pro Centner 
Weissblechabfälle ergeben, {ßl. für Hdl. und Gew. 2866.) 

B. 

Methode zum Verkupfern des Gusseisens. 

Dem von Weil beschriebenen Verfahren zum Ver- 
kupfern gusseiserner Gegenstände stellt Payen das Zeug- 
niss unbedingter Brauchbarkeit aus. Zur Prüfung dessel- 
ben wurden in einem aus Steinzeug bestehenden Gefässe 
750 Grm. Seignettesalz in 4 Liter Wasser gelöst und 
400 Grm. käufliches Aetznatron zusetzt. Hiermit ver- 
mischte man eine Lösung von 175 Grm. Kupfervitriol 
in 1 Liter Wasser und erhielt so ein alkalisches Kupfer- 
bad, welches 20^ am Beaume'schen Aräometer zeigte. 
Die zu verkupfernden Gegenstände wurden folgender- 
massen präparirt. P^iltrirtes Seinewasser wurde mit eben 
so viel Schwefelsäure versetzt, dass die Flüssigkeit 2" ß. 
zeigte. Die Gegenstände wurden dann 10 Minuten bis 
1/2 Stunde dai'in liegen gelassen, hierauf in eine schwache 
Aetznatronlauge (von 1^ B.) gelegt, am anderen Tage 
aus letzterer entfernt, mit einer Kratzbürste aus Eisen- 
draht gebürstet, mit dünnem Zinkdrahte umwickelt und 
mittelst desselben im alkalischen Kupferbade aufgehängt. 
Nach 1, 2 und besser nach 3tägiger Eintauchung waren 
die Gegenstände schön verkupfert. Mit Wasser abgespült 
lind mit einer Kratzbürste aus Messingdraht sehr stark 
gebürstet, löste sich auch nicht das geringste Kupfer- 
plättchen ab. (Bidl. dela SOG. del'encour. — Chem. Centrhl. 
1866. 32.) B. 

Eine ungewöhnliche Entstehungsart von Eisen- 
oxydoxydul. 

Beim Reinigen eines zur Wasserheizung dienenden 
Systems schmiedeeiserner Röhren, resp. beim Ab- 
lassen des in diesen Röhren circulirenden Wassers wurde 
eine nicht unbeträchtliche Menge ziemlich dicker, stein- 
artiger schwarzer Krusten vorgefunden, die sich von den 
inneren Wandungen jener Röhren abgelöst hatten. Eine 
damit angestellte Analyse ergab als Resultat, dass diese 
Krusten lediglich aus Eisenoxydoxydul bestanden; sie 
wurden nämlich von einem vStahlmagnet kräftig angezogen 
und zeigten sich hierauf sehr polarisch. Von Salzsäure 
wurden sie in der Wärme mit Leichtigkeit ohne Wasser- 



Verfahren, zur volumetrischen Bestimmung des Eisens. 113 

stotfgasentwickelung gelöst (Beweis von der Abwesenheit 
metallischen Eisens); die Lösung reagirte sowohl auf 
Ferridcyankalium, wie auf Rhodankalium. Ueber die 
räthselhafte Entstehung dieser intermediären Oxydations- 
stufe des Eisens in luftfreien, fortAvährend mit einem und 
demselben Quantum Wasser völlig angefüllten Eisenröhren, 
wird man sicherlich dann erst entscheiden können, wenn 
fragliche Köhren einer speciellen Prüfung unterworfen, wenn 
sie dem directen Feuer ausgesetzt worden sind. Jedenfalls 
mahnt eine solche Corrosion schmiedeeiserner, zu Wasser- 
heizungen dienenden Röhren, in welchen das circulirende 
Wasser nicht selten eine ausserordentlich hohe Temperatur 
annimmt, folglich einen gewaltigen Druck auf die Wände 
dieser Röhren ausübt, zu grösster Vorsicht. (Böttgers 
polyt. Notizhl. 1866. 12.) B.' 



Verfahren zur yolumetrischen Bestimmung des Eisens, 

von Clemens ^V i n k 1 e r. 

In neuerer Zeit ist man vielfach bemüht gewesen, 
ein Verfahren zur volumetrischen Bestimmung des Eisens 
aufzufinden, welches sich auf die Ueberführung von Eisen- 
oxyd in Eisenoxydul gründet, also auf dem entgegen- 
gesetzten Principe beruhen würde, wie die früheren Me- 
thoden zur Bestimmung dieses Metalles, welche die Gegen- 
wart desselben im Zustande des Oxyduls voraussetzen. 
Die bis jetzt zur Erreichung dieses Zweckes in Anwen- 
dung gekommenen Reductionsmittel sind Zinnchlorür und 
Jodkalium. Die Anwendungsweisen derselben lassen aber 
manches noch zu wünschen übrig und trotz der torzüg- 
lichen Resultate, welche sie geben, haben sie sich schwierig 
Eingang in technische Laboratorien verschafft. 

Ein dem Zinnchlorür analog wirkendes, aber weit 
kräftigeres Reductionsmittel für Eisenoxydsaize ist nach 
Clemens Winkler das Kupferchlorür. Während 
Zinnchlorür die Reduction des Eisenchlorids in der Kälte 
nur theilweise hervorzurufen im Stande ist, bewerkstelligt 
Kupferchlorür dieselbe sofort in den niedrigsten Tem- 
peraturen und bei jeder Verdünnung mit theoretischer 
Genauigkeit. Es ist deshalb für die Volumetrie des Eisens 
ganz geeignet. 

Zur Ausführung der in Rede stehenden Titrirmethode 
ist nun nach Clemens Wink 1er Folgendes nöthig. 

1. Eine Auflösung von Kupferchlorür. Man 
stellt sich durch Auflösen von Kupferblech in Salpeter- 

Arch. d. Pharm. CLXXXII.Bds. l.u.2.Hft. 8 



114 Verfahren ztir volumetri sehen Bestimmung des Eisens. 

säure eine Kupferoxydlösung dar, dampft ab, und nimmt 
den Rückstand in salzsäurehaltigcm Wasser auf. Diese 
Auflösung bringt man in einen Kolben, fügt ein dem 
Gewicht des trocknen Kupferchlorürs ungefähr gleiches 
Quantum Kochsalz zu, um bei der nachherigen Reduction 
die Ausscheidung festen Kupferchlorürs zu vermeiden, 
stellt einige Streifen Kupferblech in den Kolben und erhitzt 
sodann zum Kochen, so lange bis der Inhalt des Kolbens 
fast farblos geworden ist und somit alles Kupferchlorid 
sich in Chlorür verwandelt hat. Hierauf wird der Kolben 
verkorkt, erkalten gelassen und die erhaltene Flüssigkeit 
mit salzsäurehaltigem Wasser so weit verdünnt, dass ein 
Cubikcentimeter desselben ungefähr 6 Mgrm. Eisen ent- 
spricht. 

Um den also dargestellten Titer ohne Zersetzung zum 
ferneren Gebrauch aufzubewahren, füllt man ihn in eine 
Flasche mit dicht schliessendem Stöpsel und stellt in diese 
eine, vom Boden bis beinahe zum Halse derselben reichende 
Spirale von starkem Kupferdraht zum Schutze des Kupfer- 
chlorürs vor erheblicher Oxydation. Eine solche frisch 
bereitete Kupferchlorürlösung reducirte z. B. pro Cubik- 
centimeter 6 Mgrm. Eisen von Oxyd zu Oxydul; jetzt, 
nach 4 Monaten ist ihre Reductionsfähigkeit, geringe 
Schwankungen von 0,1 bis 0,2 Mgrm. Fe ausgenommen, 
noch immer dieselbe, obgleich die Flasche unausgesetzt 
im Gebrauche gewesen und sehr oft geöffnet worden ist. 
Zum currenten Gebrauche empfiehlt der Verfasser jedoch 
eine kleinere Flasche mit der aus der grossen Flasche 
entnommenen Titerflüssigkeit zu benutzen, welche, wenn 
sie thfeilweise geleert ist, damit wieder gefüllt wird. Durch 
Einwirkung der Luft und der Salzsäure auf die Kupfer- 
spirale wird natürlich der Titer eher reicher an Kupfer- 
chlorür als ärmer, doch lässt er sich dann durch Zufügung 
von wenig Wasser leicht auf den alten Wirkungsgrad 
zurückführen. Mit gutem Erfolge anwendbar ist auch 
ohne Zweifel für diesen Fall das Verfahren von Frese- 
nius, welches dieser bei Aufbewahrung von Zinnchlorür- 
lösung in Anwendung brachte und welches in einer Ab- 
sperrung der oxydablen Flüssigkeit durch alkalisches 
pyrogallussaures Kali besteht. Die als Titer benutzte 
Kupferchlorürlösung darf selbst redend nicht von Tag zu 
Tag in der Bürette stehen bleiben. Am zweckmässigsten 
und richtigsten wird es für alle Fälle sein, den Wirkungs- 
werth des Titers zeitweilig zu bestimmen. Man hält 
sich deshalb 



Verfahren zur vohimetrischen Bestimmung des Eisens. 115 

2) Eine Eisenchloridlösung von bekanntem 
Gehalte vorräthig, welche man nach Fresenius durch 
Auflösen von 10,03 Grm. Clavierdraht_, entsprechend 10,00 
Grra. reinem Eisen in Salzsäure und chlorsaurem Kali 
und Verdünnen auf 1 Liter darstellt. Zu jeder Titer- 
bestimmung misst man 10 CG. dieser Normallösung ab, 
welche 100 Mgrm. Eisen entsprechen. 

3) Um die Beendigung der Reduction mit Schärfe 
beobachten zu können, bedient man sich einer Auflösung 
von Schwefelcyankalium in Wasser, von welcher man 
der zu untersuchenden Flüssigkeit wenige Tropfen zufügt 
und ihr dadurch die bekannte blutrothe Farbe ertheilt. 
Winkler verwendet gewöhnlich zu dem der Aufgabe 
entsprechenden Zwecke eine zehnprocentige Schwefel- 
cyankaliumlösung, die Gegenwart von zu viel Schwefel- 
cyankalium lässt die Erscheinungen undeutlicher hervor- 
treten. 

Bei der Ausführung der volumetrischen Eisenbestim- 
mung mittelst Kupferchlorür selbst sind nur wenige Re- 
geln zu beobachten. Zunächst ist es anzurathen, die zu 
titrirende Eisenlösung gehörig angesäuert und in stark 
verdünntem Zustande unter die Bürette zu bringen. Eine 
Lösung, weiche 100 — 200 Milligrm. Eisen enthält, ver- 
dünne man auf 500 und mehr Cubikcentimeter. Es ist 
dies zwar zum Gelingen der Operation nicht unbedingt 
nöthig, aber die Erscheinungen verlaufen weit klarer und 
deutlicher, als bei Anwendung concentrirter Flüssigkeiten. 
Beim Zusetzen der Schwefelcyankaliumlösung muss eben- 
falls eine gewisse Vorsicht beobachtet werden. Es ist 
vollkommen hinreichend_, wenn man 4 — 5 Tropfen der 
obengenannten Schwefelcyankaliumlösung zur Eisenlösung 
setzt; beim Zutröpfeln des Kupferchlorürs erfolgt dann 
das Verbleichen der rothen Farbe mit seltener Schärfe 
und erst, wenn alles Eisen zu Oxydul geworden ist, be- 
wirkt die nächste Tropfung eine bleibende, sanfte Trü^ 
bung. 

Es lag im Interesse der Wissenschaft, die durch 
Kupferchlorür zu Oxydul reducirte Eisenlösung mittelst 
Zusatz titrirten Chamäleons wieder in Oxyd überzufüh- 
ren, um auf diese Weise eine Controlanalyse zu erhalten. 
Dieses ist jedoch nicht ausfühi'bar, da die vorhandene 
Rhodanwasserstoffsäure durch das übermangansaure Kali 
in Cyanwasserstoff und Schwefelsäure übergeführt und 
dadurch ein bedeutender Mehrverbrauch an Chamäleon 
veranlasst wird. Ebenso wirkt die in der Flüssigkeit 

8* 



116 Verfahren zur volumetrischeu Bestimmung des Eisens. 

anwesende ei'hebliche Menge ChlorwasserstofTsäure zer- 
setzend auf das übermangansaure Kali, weshalb man 
nicht minder talsciie Resultate erhält, wenn man der 
Eisenchloridlösung, statt Schwefelcyankalium, Jodkalium 
zusetzt, um die nach erfolgter Reduction auftretende Aus- 
scheidung von Kupferjodür als Indicator zu benutzen. 
Beim Zurücktitrircn mittelst Chamäleon macht sich dann 
ein deutlicher Chlorgeruch bemerkbar und man erhält 
viel zu hohe Gehalte. 

Die Gegenwart gefärbter Metallverbindungen, z. B. 
der Salze des Kobalts, Nickels, Kupfers u. s. w., hindert 
durchaus nicht die sichtbare Wahrnehmung der End- 
erscheinung, wenn die Flüssigkeit hinreichend verdünnt 
ist. Eben so wenig stört die Anwesenheit von Arsen- 
säure, da diese nicht durch Kupferchlorür reducirt wird. 
Hieraus ist ersichtlich, dass diese Methode für den Hüt- 
tenmann von Wichtigkeit ist, um auf die vorgeschrie- 
bene Weise in kurzer Zeit den Eisengehalt eines Steines, 
einer Speise oder eines andern Productes schnell und 
richtig zu erfahren. 

Belege. 

1) Je 10 C.C. einer Eisenchloridlösung, entsprechend 
0,098 Grm. Fe, wurden mit viel concentrirter Kobalt- 
oder Nickelchlorürlösung versetzt und dadurch stark ge- 
färbt. Dieselben Versuche wurden unter Anwendung von 
viel Arsensäure gemacht. 

1 C.C. Kupferchlorür entsprach 6,0 Milligrm. Fe. 

Angewendet Verbraucht Gefunden Differenz 

Grm. Grm. 

a) 0,098 Fe viel CoCl = 16,3 C.C. 0,0978 Fe 0,0002 

b) 0,098 „ „ NiCl =16,4 „ 0,0984 „ 0,0004 

c) 0,098 „ „ CoCl u. As05 = 16,3 „ 0,0978 „ 0,0002 

d) 0,098 „ „ NiCl u. As05 = 16,3 „ 0,0978 „ 0,0002 

2) 1 Grm. kobalt- und nickelhaltige Speise wurde 
gelöst, die Lösung verdünnt und titrirt. 

1 C.C. Kupferchlorür entsprach 5,9 Mgrra. Fe. Es 
wurden verbraucht: 

a) 15,6 C.C.J ^ n 204 Proc. Fe. 

b) 15,6 „ / 

Die Bestimmung durch Gewichtsanalyse ergab = 
9,210 Proc. Fe. 

Diese Ergebnisse geben zu ihrer Verwendung nicht 
allein in der Technik, sondern auch bei Wissenschaft- 



Haltbarkeit einer sauren Lösung der arsenigen ISäure. 117 

liehen Untersuchungen, die beste Hoffnung. {Journ. für 
prakt. Chemie. Bd. 95. 7.) B. 



Tellar 

findet sich in Südamerika im Staate Bolivia auf dem 
Berge Illampu, 15,000 Fuss über dem Meere, zu ö Proc. 
in einem Wismutherze. Dieses wird bergmännisch ge- 
wonnen, so dass auch das Tellur, ein bis jetzt höchst 
seltenes Metall, jetzt allgemeiner zugänglich werden wird. 
{PJiilos. Mag.) 

In geringer Menge finden sich Tellurerze zu Ofi*en- 
banya, Salathna, Nagyag in Siebenbürgen, zu Schemnitz 
in Ungarn, auf der Sawodinsky- Grube am Altai, zu Spott- 
sylvania in Virginien vor. Aber auf der Stanislaus-Grube 
in Californien sind diese Erze so massenhaft, dass ein 
eigener Schmelzprocess darauf betrieben werden kann. 
Nach dem Berichte von Mathewson finden sich etwa 
24 Stunden von St. Franzisco in dem Calaveras-Gebiete, 
zwischen dem Stanislaus Kiver und dem Albany Hill, 
auf 3 Meilen Länge und 1 Meile Breite, eine grosse An- 
zahl Erzgänge und Lager in metamorphosirtem Schiefer. 
Dieser ist von mächtigen Serpentinmassen durchsetzt, 
welche fast alle die Mineralien enthalten, welche am 
Fusse des Nevada Range vorkommen. Die wichtigste 
Erzablagerung wird durch die Stanislaus-Mine abgebaut, 
wo die Erze der Hauptsache nach aus Tellurgold und 
Tellursilber bestehen, begleitet von goldreichem Schwe- 
felkies und Spuren von Bleiglanz und Kupferkies. Nach 
Stetefeldt enthält das Erz der Grube hauptsächlich 
Sylvanit oder Schrifttellur, bestehend aus 59,6 Tellur, 
25,5 Gold, 13,9 Silber, ferner geringe Mengen Tellurblei 
neben gediegen Gold. Bei dem grossen Werth der Erze 
und der Gefährlichkeit der Tellurdämpfe hat man hier 
mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Amalga- 
mationsverfahren kann man nicht anwenden, weil das 
Gold meistentheils durch Tellur vererzt ist und der Ge- 
halt an Tellurblei störend wirkt. Dr. Reich. 



Grosse Haltbarkeit einer sauren Lösung der arseni- 
nigen Säure. 

Eine im Jahre 1857 von Wittstein bereitete salz- 
saure Lösung der arsenigen Säure (1 Liter), welche in 
einer mit Korkstöpsel verschlossenen Flasche aufbewahrt 



118 Verhalten des Kupfers u. Silbers zu Säure- Auflösungen. 

Aviirde, zur Prüfung des Chlorkalks auf seine Bleiclikraft 
nach Gay-Lussac, erwies sich nach der Prüfung im 
September 186.5, also nach einer Dauer von 8 Jahren, 
noch unverändert in seinem Gehalte an arseniger Säure. 

Die Prüfung geschah auf folgende Weise. Der dritte 
Theil des Restes der Lösung wurde mit schwefelsaurer 
Magnesia und Salmiak versetzt, mit Ammoniak übersät- 
tigt und mit einem Glasstabe fleissig umgerührt, es trat 
aber selbst binnen mehren Stunden nicht die mindeste 
Trübung ein. Am folgenden Morgen hatten sich zwar 
einige leichte Flocken abgesetzt 5 diese waren aber keine 
arsensaure Ammoniak-Magnesia, sondern Magnesiahydrat, 
denn sie lösten sich in Salmiaklösung vollständig auf. 

Die salzsaure Lösung der arsenigen Säure gehört 
mithin zu denjenigen Titrir- Flüssigkeiten, welche ihre 
ursprüngliche Beschaffenheit auf lange Zeit, vielleicht auf 
immer beibehalten — eine für die Massanalyse nicht un- 
wichtige Thatsache. ( Wittst. Vierteljahrsschr. Bd. 15. 1.) 

B. 

Heber das Verhalten des Kupfers und Silbers zu den 
Auflösungen der arsenigen^ selenigen uu<I phos- 
phorigen Säure. 

Rein seh hat früher schon nachgewiesen, dass das 
metallische Kupfer für die schweflige Säure das em- 
pfindlichste Reagens ist und dass die Schwärzung des 
Kupfers, welche man öfters wahrnimmt, wenn dasselbe 
mit verdünnter Schwefelsäure oder Salzsäure gekocht 
wird, häufig von einem geringen Gehalt an schwefliger 
Säure herrührt. Diese Reaction könnte leicht zur Ver- 
muthung Veranlassung geben, als ob jene Säuren mit 
Arsenik verunreinigt seien; allein das Verhalten des durch 
schweflige Säure mit Schwefelkupfer überzogenen Kupfers 
beim Glühen in einer Glasröhre ist so bestimmt und 
sicher, dass eine Verwechselung des durch arsenige Säure 
und schweflige Säure entstandenen Beschlages ganz un- 
möglich ist; erstere verflüchtigt sich nämlich beim Ei'- 
hitzen des Probedrahts in einer Glasröhre vollständig als 
arsenige Säure und legt sich an die Wände derselben in 
Form eines krystallinischen Pulvers, während das Kupfer 
glänzend hell metallisch erscheint; der durch schweflige 
Säure hervorgebrachte Beschlag dagegen bleibt unver- 
ändert und fest auf dem Kupfer sitzen. 

Reinsch hat gleichfalls früher gezeigt, dass sich 



Nachweisung von Antimon durch die L'ötlirohrprohe. 119 

das Kupfer gegen eine mit Salzsäure angesäuerte Lösung 
von antimoniger Säure ganz so wie gegen die arse- 
nige Säure verhält. Da aber jetzt auch zuweilen Salz- 
säure und Schwefelsäure mit seleniger Säure verun- 
unreinigt vorkommen, so wurde auch das Verhalten des 
Kupfers gegen letztere geprüft. 

Kocht man einen blanken Kupferdraht in verdünn- 
ter Salzsäure und setzt hierauf einen Tropfen seleniger 
Säure hinzu, so wird das Kupfer sogleich schwarz be- 
schlagen; lässt man die Flüssigkeit einige Zeit über dem 
Kupfer stehen, so färbt sie sich hellroth von ausgeschie- 
denem Selen. Bringt man hierauf den mit Selenkupfer 
beschlagenen Kupferdraht aus der Flüssigkeit, so blättert 
sich der Beschlag leicht ab; erhitzt man dann den Draht 
in einer Glasröhre, so erhält man einen metallisch glän- 
zenden schwarzen Beschlag von Selenkupfer und das 
Kupfer erscheint nach dem Glühen dunkelbleigrau. Ganz 
so verhält sich ein Silberdraht. Gegen schweflige Säure 
verhält sich der Silberdraht genau Avie der Kupferdraht 
und ist ein eben so empfindliches Reagens wie letzterer 
auf schweflige Säure. 

Bringt man in verdünnte Salzsäure ein Stück Kupfer- 
di'aht und Silberdraht, erhitzt zum Kochen und setzt nun 
einen Tropfen gelöster verdünnter arseniger Säure zu, so 
beschlägt sich das Kupfer sogleich mit Arsenik, während 
das Silber glänzend hell erscheint; erst nach längerem 
Kochen der Flüssigkeit wird das Silber mit einzelnen 
graulichen Arsenikflecken bedeckt. Dieses Verhalten ist 
sehr geeignet, um arsenige Säure und schweflige Säure 
in einer Flüssigkeit nachzuweisen. 

Gegen Antimon verhält sich das Silber in einer mit 
Salzsäure angesäuerten Lösung wie gegen Arsenik. 
{N. Jahrb. für Pharm. Bd. 25.) ß. 



Nachiveisiing ron Antimou durch die Löthrohrprobe. 

Nach E. J. Schapmann wird die Probe in einem 
beiderseitig ofi"enen Glasrohre geglüht, die Stelle, an wel- 
cher sich das weisse Sublimat angesetzt hat, mit der 
Feile abgeschnitten und in einem Probirgläschen in wäs- 
seriger AVeinsäurelösung vorsichtig erhitzt, wodurch sich 
wenigstens ein Theil des Sublimats löst. Dann schmilzt 
man eine geringe Menge zweifach -schwefelsauren Kalis 
mit etwas Borax gemengt auf Holzkohle in der Reduc- 
tionsflamme, löst die Hepar von der Kohle, bringt die- 



120 Krystallisirtes Antimonoxiid und dessen Verbindungen. 

selbe in ein Porcellanschiilchen und benetzt sie mit eini- 
gen Tropfen der weinsauren Lösung des Sublimats. Die 
Entstehung eines orangefarbenen Niederschlages ist ein 
Beweis für Antimon. Arsen würde sich ebenso verhal- 
ten, doch ist der Niederschlag durch seine hellgelbe FarVje 
sofort vom Antimonniederschlage zu erkennen. {Polyt. 
Journ. Bd. 179.) B. 

Heber das krystallisirtc Antimonoxyd und dessen 
Verbindungen. 

Verbrennt man nach Terreil metallisches Antimon 
oder röstet man Schwefelantiraon, so entsteht Antimon- 
oxyd nur in prismatischer Krystallform. Octaedrisches 
Oxyd entsteht nur bei vorsichtiger Sublimation des Anti- 
monoxyds in nicht oxydirenden Gasen. Behandelt man 
prismatisches Antimonoxyd mit Schwefelammonium, so 
färbt es sich schnell rothbraun und löst sich langsam auf. 
Dagegen bleiben die octaedrischen Krystalle in demsel- 
ben Reagens vollkommen weiss und glänzend, sobald 
man sie nicht vorher zu einem feinen Pulver zerrieben 
hat. Das prismatische Oxyd löst sich auch viel leichter 
in Säuren und Alkalien, als das octaedrische. Die Dich- 
tigkeit des ersteren bei lö^ ist 3,72, die des zweiten 5_,11. 
Damit stimmt die Dichtigkeit der natürlichen Oxyde 
überein, indem A. Terreil durch Versuche sich über- 
zeugte, dass dem natürlichen prismatischen Oxyd (aus 
Algier) die Dichte 3,70 und dem natürlichen octaedri- 
schen Oxyd (ebenfalls aus Algier) die Dichte 5,0 zu- 
kommt. Die krystallinischen Niederschläge, die sich aus 
alkalischen Lösungen des Antimonoxyds bilden, sind Ver- 
bindungen des letzteren mit Alkali. Terreil untersuchte 
ein neutrales Salz: NaO, SbO^^ 6 HO und ein saures NaO, 
3 SbO^ -|- 2 HO. Beide Salze erschienen in kleinen oc- 
taedrischen Krystallen, die Polarisationserscheinungen zei- 
gen. Das neutrale Salz wird durch Schwefelammonium 
nicht verändert, während letzteres das saure Salz augen- 
blicklich zersetzt und vollkommen auflöst. Die Lösung 
des neutralen Salzes wird durch Silberoxyd weiss gefällt, 
welches in verdünnter Salpetersäure löslich ist. Die 
Lösung des neutralen Salzes wird durch Schwefelwasser- 
stoff gelb gefärbt, aber nicht gefällt, wenn man sie vor- 
her nicht sauer gemacht hat. Eisenoxydsalze werden 
durch die Lösung dieses Salzes gelblich -weiss gefällt, 
essigsaures Bleioxyd weiss, schwefelsaures Kupferoxyd 



Zinkfabrikation. 121 

bläulich-weiss. Alle diese Niederschläge sind in Salpe- 
tersäure löslich. {Compt. rend. T. 62. — Bull, de la Soc. 
chim. — Chem. Centrbl. 1866. 17.) B. 



Die Zinkfabrikation 

ist in steter Zunahme begriffen und es werden die Rheinpro- 
vinz so wie Westphalen in nicht zu ferner Zeit Schlesien in 
dieser Hinsicht erreicht haben. Die bedeutendste Production 
hat die Actiengesellschaft für Zinkfabrikation in Stollberg 
beiAachen und in Westphalen, so wie die aus belgischen 
Actionären gebildete Gesellschaft Altenberg zu Moresnet 
bei Eupeu, die jüngst bei Gelegenheit der Besprechung 
des sogen, neutralen Gebiets in öffentlichen Blättern ge- 
nannt worden ist. Auf der Zinkhütte zu Moresnet wur- 
den 1864 aus 605,503 Ctr. rohen Erzen 428,919 Ctr. 
rohes Galinei dargestellt und dann aus 82,405 Ctr., die 
an Ort und Stelle verhüttet wurden, 33,754 Ctr. ßoh- 
zink gewonnen. Die Gesellschaft hat Gruben in der 
Gegend von Bensberg erworben, die in den letzten Jah- 
ren stark ausgebeutet wurden. Im Jahre 1861 wurden 
im Kreise Mühlheim 50,244 Ctr. Bleierze und 260,298 Ctr. 
Zinkerze gewonnen. Im Jahre 1864 ist die Production 
gestiegen. Es wurden in den rechtsrheinischen Kreisen 
des Oberbergaratsbezirks Bonn auf 30 Gruben mit einer 
Gesammtbelegschaft von 2236 Arbeitern 710,867 Ctr. 
Blende im Werthe von 361,546 Thlr. gewonnen gegen 
632,002 Ctr. im Werthe von 264,374 Thlr. im Jahre 1863. 
An dieser Production participiren vorzugsweise die Re- 
viere Deutz mit 367,179 Ctr. oder 51,3 Proc, Unkel mit 
58,489 Ctr. oder 8,2 Proc. Bensberg gehört zum Revier 
Deutz und kommt die Mehrzahl der Blendebeförderung 
auf die Gruben der Altenberger Gesellschaft, obgleich 
auch die Gesellschaft Saturn in Cöln in der Nähe von 
Bensberg und Owerad einige Gruben hat. Die bedeu- 
tendste Blendebeförderung des Reviers Deutz hatten die 
Gruben Blücher mit 125,656 Ctr., Lüderich mit 85,711 Ctr., 
Berzelius mit 44,600 Ctr., Apfel mit 43,060 Ctr , Leopold 
V. Buch mit 17,307 Ctr., Washington mit 17,300 Ctr., 
Castor und Pollux mit 11,901 Ctr., Weiss mit 11,816 Ctr. 
Der Durchschnittswerth des Centners Blende stieg von 
14 Sgr. 10,44 Pf im Vorjahre auf 19 Sgr. 11 Pf. in 
1864. {Bl.fürHdl.u.Geiohe. 1866.) B. 



122 Veber das Indium. 

(Icbcr eine natürliche ViTbiiidiiii;^ von Zinkoxyd, 
Aninionniino\}d und Wasser. 

Beim Auswässern einer Abtrittsf2;rube bemerkten die 
Arbeiter auf einem Ziegelsteine <les (^eniäuers viele glän- 
zende Spitzen. Der Ziegelstein hatte, da er gänzlich mit 
Schwefeleisen imprägnirt war, ein schwarzes Ansehen. 
Eine seiner Flächen war gelblich-weiss, mit grossen Kry- 
stallen bedeckt, welche gerade rhombische Prismen bil- 
deten. Beim Erhitzen entwickelten sie Wasser und Am- 
moniak und hinteriiessen Zinkoxyd. 

Die Analyse ergab nach Malaguti: berechnet 

Zinkoxyd 48,000 = 2 ZnO 47,87 

Ammoniak.... 12,55 = H-^N 12,62 

Wasser 39,45 = 6 HO 30,51 

"^100,00 100,00. 

Die Formel dieser Verbindung, welche Malaguti 
trotz mancherlei Versuchen künstlich darzustellen nicht 
im Stande war, würde demnach 

2 ZnO, H3N, 6 HO 
sein. {Comyt. rend. T. 62. — Chem. Centrhl. 1866. 37.) 

B. 



(leber das Indium 

hat Sehr Ott er der Wiener Akademie folgende Mit- 
theilungen gemacht. Die Lage der beiden charakteristi- 
schen Linien des Indiums wurde durch unmittelbare Ver- 
gleichung des Indium - Spectrums mit dem der Sonne 
bestimmt. Jenes wurde auf die bekannte Art mittelst 
der Rühmkorff'schen Inductionsspirale und eingeschalteter 
Leidener Flaschen erzeugt. Es stellte sich heraus, dass 
die prächtige blaue Indiumlinie mit keiner dunkeln Linie 
des Sonnenspectrunis zusammenfällt, dass somit nach 
Kirch ho ff's scharfsinniger Deduction in der Sonnen- 
atmosphäre kein Indium enthalten ist. Diese blaue Linie 
entspricht nach der Kirchhoff'schen Bezeichnung genau 
der Zahl 2523. Die zweite violette Indiumlinie liegt 
zwischen G und H, also in dem Theile des Spectrums, 
der von Kirch ho ff gemessen wurde; sie fällt mit einer 
starken Frauenhofer'schen Linie zusammen, die auch auf 
der Photographie des Sonnenspectrums von Ruther- 
furd sehr scharf ausgedrückt ist. Um die Lage dieser 
Linie näher zu bestimmen, wurden, nachdem die drei 
eOgrädigen Prismen des Apparates für die Linie G (2854,8) 



lieber das Indj'um. 123 

in die Minimalsteliung gebracht waren, mittelst der Mikro- 
meterschraube die Distanzen der drei bekannten Linien 
(2670), (2574) gemessen. Hieraus ergab sich der Werth 
einer Umdrehung der Mikroraeterschraube in Millimetern. 
Wurde nun in gleicher Weise von G bis zur violetten 
Indiumlinie und bis zu den Linien H und H^ strecken- 
weise gemessen und immer wieder die Minimumstellung 
der Prismen eingehalten, so ergab sich, dass nach der 
KirchhofF'schen Scala der violetten Indiumlinie nahezu 
die Zahl 3265,8, der Linie H die Zahl 3582 und der 
Linie H' die Zahl 3677 entspricht. Nahe dasselbe Ver- 
hältniss in den Distanzen stellt sich auch heraus, wenn 
man die Lage der genannten Linien in der Rutherfurd- 
schen Photographie des Sonnenspectrums misst. 

Ausser den beiden angeführten Linien waren im Spec- 
trum des Indiums noch eine Anzahl anderer Linien sicht- 
bar, die jedoch theils den Gasen der Atmosphäre, theils 
dem Eisen und dem Zink angehören, von denen, wie es 
scheint, noch Spuren in dem verwendeten Indium ent- 
halten waren, worüber spätere Versuche Aufschluss brin- 
gen werden. 

Obwohl die neueste Bestimmung des Indium-Aequi- 
valents von C. Winkler ziemlich genau sein dürfte, so 
hielt es Schotter doch für nöthig, auch noch auf einem 
andern Wege die Grösse desselben zu bestimmen. Er 
wählte hierzu das Schwefelindium. Nach seiner Ansicht 
zeigt das Indium die grösste Aehnlichkeit in allen seinen 
Beziehungen mit dem Cadmium, neben welchem es, 
seinem elektrischen Verhalten nach, als elektronegativ zu 
stehen kommt. Das Schwefelindium besitzt zur Bestim- 
mung des Aequivalentes die sehr günstige Eigenschaft, 
sich durch Chlorwasserstoff schon bei gewöhnlicher Tem- 
peratur unter Abscheidung von Schwefelwasserstoff voll- 
ständig in Indiumchlorid zu verwandeln. Dieses kann, 
obgleich höchst hygroskopisch, unter Beobachtung gewis- 
ser Bedingungen doch genau gewogen M^erden und über- 
dies lässt sich der Schwefelgehalt zur Controle genau 
bestimmen, indem man das entweichende Schwefelwasser- 
stoffgas durch eine Eisenoxydlösung leitet und die da- 
durch gebildete Menge des Eisenoxyduls durch Titriren 
bestimmt. Das Schwefelindium wird, gegen die bisheri- 
gen Angaben, aus jeder gehörig verdünnten und 
nur wenig freie Säure enthaltenden Indium- 
lösung durch Schwefelwasserstoff gefällt und 
seine Farbe ist von der des Schwefelcadmiums 



124 Indium imOfenr(üicli der Zinh-Röstöfen zu Jtdiuskütte. 

nicht zu unterscheiden. Die Angaben über die 
numerischen Bestimmungen sind noch nicht zum Ab- 
schlüsse gelangt. {Ber. d. Wien. Akad. — Joiirn. für prakt. 
Chemie. Bd. 95. 7.) ß. 

lieber das Vorkoniinen von Indium im sogen. Ofen- 
rauch der Zink-Röstöfen auf Juliuskntte bei («oslar a. H. 

Böttger erhielt vom Hüttenmeister Siegemann, 
Betriebsdirector der Hcrzogl. Bi'aunschweigschen Julius- 
hütte unweit Goslar am Harz, vor Kurzem eine nicht 
unbedeutende (circa 200 Pfund betragende) Quantität von 
dem in den Schornsteinen dortiger Zink -Röstöfen sich 
ansammelnden Ofenrauch, einem überaus leichten, grau- 
schwarzen Flugstaube, in welchem nach einer vorläufig 
damit vorgenommenen chemischen Behandlung, spectral- 
analytisch deutliche Spuren von Indium erkannt werden 
konnten. Ausserdem Hessen sich nicht unerhebliche Quan- 
titäten schwefligsaurer Verbindungen, desgl. Verbindun- 
gen von Kupfer, Eisen, Zink, Cadmium, arseniger Säure 
und Thallium darin nachweisen. 

Um nun das Indium daraus auf eine möglichst 
wohlfeile Weise zu gewinnen, schlug Böttger die ver- 
schiedensten Wege ein und fand in der Oxalsäure 
ein Mittel, das vorgesteckte Ziel glücklich zu errei- 
chen. 6 — 8 Pfund Ofenrauch werden mit gewöhnlicher 
roher Salzsäure in reichlicher JMenge in einer geräumi- 
gen Porcellanschale überschüttet und circa 1/2 Stunde 
lang unter Umrühren damit gekocht, der ganze Inhalt 
der Schale sodann auf ein grosses Leinwandfilter gebracht 
und die durchlaufende Flüssigkeit, nach längerem ruhi- 
gem Stehen, nochmals durch Leinwand tiltrirt, um sie 
möglichst klar zu erhalten. In diese stark saure Flüs- 
sigkeit wirft man nun eine Anzahl gewöhnliche, möglichst 
dicke Zinkblechtafeln, rührt von Zeit zu Zeit uoi 
und lässt so die Einwirkung des Zinks bei mittlerer 
Temperatur circa 6 Stunden andauern. Nach Ablauf 
dieser Zeit hat die Wasserstoffgasentwickelung aufgehört, 
alle durch das Zink fällbaren Metalle haben sich in Ge- 
stalt eines samraetschwarzen Pulvers theils auf dem Bo- 
den der Porcellanschale, theils den Zinkblechtafeln fest 
anhaftend, aus der Flüssigkeit abgeschieden. Jetzt ent- 
fernt man durch Decantiren die über dem Zink stehende 
Flüssigkeit, sammelt das sammetschwarze, zarte Metall- 
pulver auf einem doppelten Papierfilter und süsst es hier 



Indium im Ofenrauch der Zlnk-R'östöfe)i zu Juliv.slnltte. 125 

so lange mit siedendem Wasser aus, bis die ablau- 
fende Flüssigkeit durch Schwefelammonium 
nicht im Mindesten raelir auf Eisen reagirt. 
Hierauf kocht man das schwarze, aus Kupfer, Arsen, 
Cadmium, Thallium und Indium bestehende Metallpulver 
mit einer concentrirten Lösung gewöhnlicher kcäuflicher 
Oxalsäure, verdünnt die heisse Flüssigkeit mit einer 
reichlichen Menge destillirten Wassers und filtrirt. Die 
ablaufende, aus cadmium- und thalliumhaltigem 
Oxalsäuren Indiumoxyd bestehende Flüssigkeit ver- 
setzt man mit einem Ueberschuss von Aetzammoniak- 
flüssigkeit; der dadurch entstehende schleimige, grau- 
weisse Niederschlag von Indiumoxydhydrat wird 
einige Mal mit Ammoniakflüssigkeit ausgekocht und dann 
mit heissem Wasser so lange ausgesüsst, bis derselbe 
keine Spur der Thalliumlinie im Spectralapparate mehr 
zu erkennen giebt; dann erweist er sich zugleich als 
cadmiumfrei und lässt in diesem Zustande die intensiv 
blaue Indiumlinie sehr brillant hervortreten. 

Sollten indess wider Erwarten dem Indiumoxyd- 
hydrate noch Spuren von Eisenoxyd anhaften, dann ist 
es nöthig, solche nach dem von C. Winkler angegebe- 
nen Verfahren daraus zu entfernen, indem man das be- 
treffende Hydrat in Salzsäure löst, die Lösung in der 
Siedhitze so lange mit schweflig saurem Natron be- 
handelt, bis alles Eisenoxyd in Oxydul übergeführt ist 
und dann die erkaltete Lösung mit frisch gefälltem koh- 
lensaurem Baryt, unter gleichzeitigem Einleiten von 
Kohlensäure einige Minuten lang umrührt. Da der 
kohlensaure Baryt das Indiumoxyd aus seiner Lösung 
vollkommen niederschlägt, so besteht -schliesslich der ab- 
filtrirte, mit kaltem Wasser e-ehöris; ausg-esüsste Nieder- 
schlag nur aus kohlensaurem Indiumoxyd und überschüs- 
sigem kohlensauren Baryt. Wird derselbe hierauf mit 
verdünnter Schwefelsäure einige Zeit lang digerirt und 
die von dem sich bildenden schwefelsauren Baryt abül- 
trirte Lösung des schwefelsauren Indiumoxyds mit Am- 
moniak versetzt, so gewinnt man ein chemisch reines 
Indiumoxydhydrat, aus welchem sich nach dem von 
Reich und Richter in Freiberg befolgten Verfahren das 
reine Metall mit Leichtigkeit darstellen lässt. 

Die Nach Weisung von Indium, des bisher nur in 
Freiberger Zinlcerzen vorgefundenen und daraus gewon- 
nenen Metalles, in dem erwähnten, völlig werthlosen Hüt- 
tenproducte dürfte vielleicht den einen oder andern Che- 



12G Geicinmmij des Thalliums. — Reactionen des Thalliums. 

miker veranlassen, noch weitere Versuche mit ähnlichen 
Abtauen anderer auf Verarbeitung von Zinkerzen ange- 
wiesener Fabriken anzustellen. Die Ausbeute des raehr- 
genannten Ol'enrauciies an Indiunioxyd ist eine nicht 
ganz unerhebliche, inden» sich dieselbe im Durchschnitt 
recht gut auf '/,o Proc. anschlagen lässt. {Polyt. Notizhl. 
1866. 12.) ■ B. 

Einfache Gewinnung des Thalliums. 

Auf dem grossen Zinkvitriolwerke zur Juliushütte bei 
Goslar am Unterharz versiedet man eine aus Rammeis- 
berger Kiesen gewonnene Lauge, die so reich an Thal- 
lium ist (in 100 Th. Lauge 0,050 Chlorthallium), dass man 
dieses Metall mit Leichtigkeit pfundweise daraus darstel- 
len kann. R. ßunsen empfiehlt hierzu folgende Methode. 

Man senkt Zinkbleche in die kalte Lauge ein und 
schlägt auf diese Weise das Kupfer, Kadmium und Thal- 
lium als Metallpulver nieder, wäscht dann dasselbe mit 
Wasser aus und digerirt es hierauf mit Wasser, dem 
man von Zeit zu Zeit etwas Schwefelsäure zusetzt. Thal- 
lium und Kadmium lösen sich leicht unter Wasserstoff- 
entwickelung auf, das Kupfer bleibt zurück. Aus der 
schwefelsauren Lösung fällt man schliesslich mittelst Jod- 
kaliums chemisch reines Jodthallium, das sich leicht durch 
Decantation auswaschen lässt. 1 Cubikmeter Lauge giebt 
0,6 Kilogrm. Thallium. {Ann. d. Chem. u. Pharm. CXXXIII. 
108—111.) G. 

Scott hat im Sande der Alunbai auf der Insel Wight 
viel Thallium gefunden, so dass dieses Metall wohl bald 
billiger werden wird. {Ann. de Chim. et de Phys.) 

Dr. Reich. 

Reactionen des Thalliums. 

Ueber das Verhalten der Thalliumoxyde, des Thal- 
liumoxyds TIO und des Thaüiumtrioxyds TIO-^, zu den 
verschiedenen Reagentien liegen specielle Angaben von 
M. Hebberling vor, von denen wir hier nur folgende 
Reaction miltheilen wollen, welche zur Erkennung klei- 
ner Mengen eines Thalliumoxydsalzes die geeigneteste ist. 

Jodwasserstoffsäure und lösliche Jodmetalle erzeugen 
in selbst sehr verdünnten Lösungen der Thalliuraoxydul- 
salze einen Niederschlag von Thalliumjodür, TU; dasselbe 



Ueber die Salze des sogen. Thallhtmhyperoxyds. 127 

hat im Augenblick der Fällung eine orangegelbe Farbe, 
die aber schon nach wenigen Minuten oder sogleich beim 
Kochen rein gelb wird. Auch aus einer heiss gesättig- 
ten Lösung scheidet es sich beim Erkalten orangegelb 
ab, um bald in die gelbe Modiiication überzugehen. Das 
Jodthallium löst sich bei IßO— IT» in 11676 Th., bei 
1000 in 804 Th. Wasser; 98procentiger Weingeist löst 
noch kleinere Mengen auf. Die Reaction ist so scharf, 
dass eine neutrale Lösung, welche in 1 CG. nur 0,0000105 
schwefelsaures Thalliumoxydul enthält, mit Jodkalium 
noch eine sichtbare Fällung giebt. Ist die Lösung sauer, 
so tritt nur gelbe Färbung ein; bei alkalischer Keaction 
erfolgt weder eine Fällung noch eine Färbung. Schwe- 
felwasserstoff erzeugt bei dieser Verdünnung keine sicht- 
bare Reaction. Obwohl das Thalliumplatinchlorid bei 
mittlerer Temperatur etwas schwerer löslich ist als das 
Thalliumjodür, so ist doch wegen der blassgelben Farbe 
des Platinniederschlages die Reaction mit Jodkalium em- 
pfindlicher und zur Erkennung kleiner Mengen eines 
Thalliumoxydsalzes vorzuziehen. Ein Ueberschuss von 
Jodkalium erhöht die Löslichkeit des Thalliumjodürs in 
Wasser nicht, ein grosser Ueberschuss von Jodkalium 
scheint sogar die Löslichkeit eher zu verringern. {Ann. 
der Chem. u. Pharm. CXXXIV. 11 — 23.) G. 



lieber die Salze des sogen. Thalliuinhypcroxyds. 

Die Verbindungen des Thalliumoxyds (TIO) mit Säu- 
ren sind schon grossentheils genauer untersucht worden, 
während von den Verbindungen des Thalliurahyperoxyds 
nur wenig bekannt ist. Einige dieser Salze hat A.Stre- 
cker genauer beschrieben. 

Thalliumhyperoxyd = TIO^, wurde dargestellt 
durch Zusatz von unterchlorigsaurem Natron zu einer 
Lösung von Thalliumchlorür in kohlensaurem Natron. Es 
ist ein brauner Niederschlag. 

Schwefelsaures Salz, farblose, dünne Blättchen, 
lufttrocken = T103, SSO^-f 7 HO, bei 220» getrocknet 
= T103, 3 S03 4- HO. 

Schwefelsaures Natron-Doppelsalz = NaO, 
SO 3 -f Tl 03, 3 SO 3. Farblose Kry stallnadeln. 

Schwefelsaures Kali-Doppelsalz =:2(KO,S03) 
-|- Tl 03, 2 S03. Farblose Krystalle, welche durch Wasser 
oberflächlich braun werden, in verdünnter Schwefelsäure 
schwer löslich. 



128 Fluorthallium. 

Oxalsaures Ammoniak-Doppelsalz = H^NO, 
C203 + T103, :3 C203 -f 6 HO. Schwerer weisser Nieder- 
schlapp, in kaltem Wasser j^anz unlöslich, beim Kochen 
mit Wasser unter Kohlensäureentwickelung sich auflösend. 
Beim Erhitzen des Salzes in der Glasröhre wird das Me- 
tall reducirt. 

Salpetersaures Salz = Tl O^, 3 NO^ -f 6 HO. 
Farblose, gut ausgebildete Krystalle, die durch Wasser 
unter Abscheidung von braunem Thalliumoxyd sogleich 
zerlegt werden. 

Das wein saure Salz wird durch Kochen einer Lö- 
sung von Weinsäure mit Thalliumhyperoxyd erhalten. 
Es ist krystallinisch. 

Das chromsaure Salz besteht aus einem gelben 
Niederschlage, der sich mit Wasser zersetzt. Mit Fer- 
rocyankalium giebt das salpetersaure Salz einen zei- 
siggrünen, mit Per ridcyankali um einen gelben Nie- 
derschlag, beide in verdünnter Salpetersäure unlöslich. 

Phosphor sau res Natron giebt in der schwefel- 
sauren Lösung einen schleimigen Niederschlag, der sich 
beim Abkochen der Flüssigkeit etwas gelb färbt. 

Da sich hieraus ergiebt, dass die Verbindung TIO-^, 
ganz wie TIO, eine entschiedene Salzbasis ist, so 
ist der Verf. selbst der Ansicht, dass man jenes soge- 
nannte Thalliumhyperoxyd besser Thalliumoxyd und 
das zeitherige Thalliumoxyd besser Thalliumoxydul 
nennen müsse. Was die Stellung des Thalliums in der 
Reihe der übrigen Metalle betrifft, so stimmt es in sei- 
nen Verbindungen mit Sauerstoff, so wie mit den Halo- 
genen zwar mit dem Golde überein, indessen zeigen 
andererseits die bekannten Analogien mit dem Blei und 
mit den Alkalimetallen, so wie auch wiederum die 
Abweichungen von allen andern Metallen, dass das Thal- 
lium in keine der jetzt angenommenen Familien der Me- 
talle eingereiht werden kann. {Aym. der Chem. u. Pharm, 
CXXXV. 207—217.) G. 

Das Fiuorthallium 

wird nach Max Büchner erhalten durch Auflösen 
von kohlensaurem Thalliumoxydul in wässeriger Fluor- 
wasserstoffsäure bis zur schwach sauren Reaction und 
Abdampfen der Lösung in einer Platinschale bis zur 
Trockne. Die Verbindung zeigt eine weisse Farbe und 
liefert, in Wasser gelöst und der freiwilligen Verdunstung 



Ueber Thalliumglas. 129 

überlassen, zahlreiclie Krystalle, die von der Mutterlauge 
getrennt und im Exsiccator getrocknet, folgende Eigen- 
schaften zeigen: 

Die Krystalle sind farblos, von starkem Glasglanze, 
bilden Corabinationen des Octaeders mit dem Hexaeder 
und sind in Wasser leicht löslich (1 Theil löst sich in 
11/4 Th. Wasser von lö« C.)- In Alkohol ist das Fluor- 
thallium nur schwer löslich. Die wässerige Lösung rea- 
girt alkalisch. Beim Erhitzen schmilzt das Fluor- 
thallium und verflüchtigt sich mit Hinterlassung einer 
farblosen krystallinischen Substanz. Das Sonnenlicht 
färbt es allmälig violett. Die Analyse ergab die Zusam- 
mensetzung = TIF. 

Gefundeu. Berechnet. 

F 8,56 8,53 

Tl 91,42 91,47 



99,98 100,00. 

F 19 



Tl 204 

TIF 2237 

Fluorthallium mit überschüssiger Fluorwasserstoffsäure 
versetzt, hinterlässt beim Verdunsten über Schwefelsäure 
Krystalle von Fluorwasserstoff-Fiuorthallium, die aus Com- 
binationen des Octaeders mit dem Hexaeder bestehen. 
Sie sind stark glänzend, luftbeständig, lösen sich in gleichem 
Gewicht Wasser und zerfallen über 100^ C. erhitzt in 
HF und TIF. Ihre Zusammensetzung entspricht nach 
den analytischen Resultaten der Formel TIF, HF. (Journ. 
fürprakt. Chemie. Bd. 96. Heft 7. pag. 404-405.) C. Bl. 

Heber Thalliuiuglas. 

Da die von Lamy dargestellten Thalliumalkoholate 
sich durch bedeutendes Brechungs- und Dispersions- 
ver mögen auszeichnen, so hat Lamy jetzt versucht, im 
gewöhnlichen Glase das Kali oder das Bleioxyd durch 
Thalliuraoxyd zu ersetzen, um auf diese Weise ein Glas 
mit grösserem Brechungsvermögen zu erhalten. Es ist 
dies vollständig gelungen. Bei dem ersten Versuche wurde 
aus 300 Th. Sand, 400 Th. reinem kohlensauren Thallion 
und 100 Th. kohlensaurem Kali ein leicht schmelzbares 
und leicht affinirbares Glas erhalten, aber die erkaltete 
Masse war nicht homogen. Die oberen Schichten im Tiegel 
waren weniger gelb, specifisch leichter und weniger reich 

Arch.d.Pharm. CLXXXII.Bds.l.u.2.Hft. • 9 



130 Vergiftung durch einen Bleigehalt von Mühlsteinen. 

an Tballion, als die unteren. Eine zweite Probe wurde 
aus :m) Th. Sand, 200 Th. Mennige und 335 Th. kohlen- 
saurem Thallion bereitet. Das Geniengo schmolz leichter 
und Hess sich leichter aftiniren, als das vorige, das Glas 
war homogen und besass eine angenehme gelbe Farbe. 
Das spec. Gew. 4,235 und der Brechungsindex 1,71 (für 
den gelben Strahl) waren grösser, als bei allen bekannten 
Glassorten. Durch Veränderung der Thalliummenge er- 
hielt Lamy Glasarten, deren spec. (Jcw. 4,235 und 5,625 
und deren Brechuagsindex zwischen 1,71 und 1,965 
schwankte. Aus diesen Versuchen schliesst Lamy 1) dass 
das Thallion das Kali besser, als Bleioxyd im Glase er- 
setzen kann ; 2) dass das Thallion dem Glase eine gelbe 
Farbe ertheile; und dass 3) sich diese Eigenschaften un- 
zweifelhaft bei Darstellung gewisser optischer Gläser und 
künstlicher Edelsteine vortheilhaft verwerthen lassen wer- 
den. {Atis Bull. soc. chim. — Ztschr.fUr Chemie. 1866.) B. 



Vergiftung durch einen Bleigehalt von Slühlsteinen. 

Maunoury und Salmon berichten über eine Ver- 
giftung von 300 bis 350 Personen, welche in mehren 
Dörfern der Umgegend von Chartres statt fand und 
woran 15 bis 20 dieser Personen starben. Diese Ver- 
giftung war durch den Genuss bleihaltigen Brod- 
mehls herbeigeführt worden, welches alle erkrankten 
Familien aus ein und derselben Mühle bezogen hatten. 
Die Untersuchung dieser Mühle Hess auch bald die Ursache 
der Krankheit erkennen. An den mahlenden Flächen der 
Mühlsteine befinden sich nämlich je nach ihrer Qualität 
mehr oder weniger zahlreiche, grössere und kleinere, gru- 
bige Vertiefungen, welche von dem Müller ausgefüllt wer- 
den. In diesem Falle hatte der Müller, welcher die Mühle 
erst kurz vorher übernommen, zur Ausfüllung metalli- 
sches Blei benutzt, welches durch die Bewegung der 
Steine abgerieben wurde und sich dem Mehl beimengte. 
Die chemische Untersuchung des Brods und Mehls ergab 
die Gegenwart von Blei theils in metallischem Zustande, 
theils als kohlensaures und essigsaures Salz und 
zwar fanden sich ungefähr 5 Milligrra. Blei in je 500 Grm. 
Mehl. Nach Beseitigung des Bleies in der Mühle erlosch 
die Krankheit. {Der 'praktische Arzt.) B. 



Auffindung von Kupfer in tJiierischen Theilen. 131 

Scillagloth fär Hartlöthungen. 

Ein vortreffliches Schiagioth für Hartlöthungen 
erhält man nach Kletzinsky, wenn man 4 Th.|Zinn 
und 6 Th. Wismuth zusauimenschmilzt, in den heissen 
Metallfluss rasch 18 Th. Zink einträgt und nach erfolgtem 
Zusammenschmelzen 72 Th. Kupfer zusetzt. Nach dem 
Klarschmelzen wird die Masse unter öfterem Umrühren 
mit einem Stahldrahte durch Eingiessen in Wasser gra- 
nulirt. {ßl.filr Handel und Gewerbe. 1866.) B. 



Chemische Untersuchung einer alten in Uindostan 
gefundenen Statue des Buddha. 

Eine frisch blossgelegte Fläche dieser Statue, deren 
Alter sich auf circa 3500 Jahre schätzen lässt, zeigte eine 
dunkle Kupferfarbe 5 das spec. Gew. war = 8,29. Die 
Analyse ergab: 

Kupfer 91,502 

Eisen 7,591 

Silber 0,021 

Gold 0,005 

Nickel ( o 

Mangan \ ^ 

Arsen 0,079 

Schwefel 0,510 

Unauflösliches 0,292 

100,00. 
{ßiem. News, No.266. — Chem. Centrhl.) B. 



Heber die Auffindung von sehr kleinen Giengen 
Kupfer in thierischen Theilen. 

Nach den von W. Lossen ausgeführten vergleichen- 
den Versuchen in Folge der Arbeit von Ulex {Archiv 
der Pharmacie. Bd. 125. S. 72 — 79), nach welcher Kupfer 
im Thierreiche überall vorhanden sein sollte, lassen die 
Angaben von Ulex als unrichtig oder mindestens als zwei- 
felhaft erscheinen. 

Nach Lossen's Ansicht ist Ulex dadurch zu diesem 
falschen Schlüsse gelangt, dass derselbe sich eines mes- 
singenen Bunsenschen Brenners und eines Gestelles 
von Messing zu seinen Versuchen bediente, wodurch, wie 
Lossen durch seine Versuche sich überzeugt hat, Kupfer 

9* 



132 Bereitung von sogenanntem chromaatiren Kivpferoxyd. 

von den Apparaten in die Asche gelangt sei. Lossen 
fand stets Kupfer, wenn er sich der Apparate von Messing 
bediente, bei Anwendung eines gläsernen Löthrohrs 
und eines gläsernen Brenners aber konnte kein 
Kupfer aufgefunden werden. 

Aus Lossen's Versuchen geht deshalb deutlich her- 
vor, dass bei Untersuchungen auf Kupfer in organischen 
Substanzen kupferne oder Kupfer enthaltende Apparate 
vermieden werden müssen. Ulex hat dies nicht gethan 
und es sind daher seine Versuche über den Kupfergehalt 
thierischcr Substanzen völlig unbrauchbar. {Journ. für 
jyrakt. Chemie. Bd. 96.) B. 



Alfcnidc 

besteht aus 59 Th. Cu, 30 Th. Zn und 10 Th. Ni 
mit Spuren von Eisen. {B. K. u. Giobl.) H. L. 



Heber die Bereitung von sogenanntem chromsauren 
Kupferoxyd 

giebt J. Stinde eine Methode, welche das billigste 
und einfachste Arbeiten zulässt. In einer grossen Stein- 
gut- oder Porcellanschale löse man unter Anwendung von 
Wärme 1 Th. doppelt chromsaures Kali in 20 Th. Wasser 
und gebe, wenn dasselbe gelöst ist, 2 Th. gepulverten 
Kupfervitriol hinzu. Man trägt Sorge, dass die Lösung 
des doppelt chromsauren Kalis nicht zu sehr abkühle, 
sondern erhalte sie während des Kupfervitriolzusatzes 
nahezu im Sieden, das verdampfte Wasser wird durch 
heisses ersetzt. Nach erfolgter Lösung des Kupfervitriols 
wird die Flüssigkeit mit einer concentrirten und vorher 
erwärmten Lösung von gewöhnlicher Soda versetzt. (1 Ge- 
wichtstheil Soda, 2 Th. siedendes Wasser). Die Soda- 
lösung wird in kleinen Portionen zu der zu fällenden 
Flüssigkeit gesetzt. Es entsteht sogleich bei dem Ein- 
giessen der Sodalösung ein brauner Niederschlag, der 
Anfangs wieder gelöst wird, später jedoch constant bleibt. 
Wenn auf Zusatz der Sodalösung kein Aufbrausen mehr 
erfolgt, ist die Fällung beendet. Die Schale bleibt nun 
kurze Zeit ruhig stehen, bis sich das chromsaure Kupfer- 
oxyd abgesetzt hat. Die überstehende Flüssigkeit wird 
mit einem kleinen Glasheber so weit wie möglich ab- 
genommen und der Niederschlag mit kochendem Wasser 
aufgerührt. Man wäscht mit siedendem Wasser behufs 



Ein ergiebiges Quecksilber^laget: 133 

der Entfernun«; des durch Wecliselzersetzung entstandenen 
schwefelsauren Kalis. Nach dreimaligem heissen Aus- 
waschen wird das heisse Wasser mit kaltem vertauscht. 
Man wäscht den Niederschlag 5 — 6 mal aus, worauf der- 
selbe genügend rein ist, trocknet ihn durch gelindes Ein- 
dampfen zu einem dünnen Brei und versetzt diesen mit 
Ammoniakflüssigkeit von 0,91 spec. Gewicht. 

Der Niederschlag von chromsaurem Kupferoxyd löst 
sich mit grosser Leichtigkeit in der Ammoniakflüssigkeit 
und man thut gut, nur sehr kleine Mengen des letzteren 
auf einmal hinzuzufügen, da nur sehr wenig zur Lösung 
erforderlich ist und ein Ueberschuss an Ammoniak ver- 
mieden werden muss. Die resultirende, schön dunkel- 
grüne Lösung von chromsaurem Kupferoxyd- Ammoniak 
wird rasch durch Flanell filtrirt, auf 250 B. gebracht und 
in gut zu verkorkende Flaschen gefüllt. {Hambtirg. Ge- 
werbeblatt. 1866.) B. 

Bereitungsweise einer schönen grünen Kupferfarbe. 

Vermischt man, nach W. Casselmann, eine siedend 
heisse Lösung von Kupfervitriol mit einer sie- 
dend heissen Lösung von essigsaurem Kali oder 
mit einer solchen von essigsaurem Natron, so entsteht ein 
basisches Kupferoxydsalz in reichlicher Menge; dasselbe 
ist in Wasser völlig unlöslich, anfangs von flockigem An- 
sehen, in kurzer Zeit indess eine fast körnige Beschafi"en- 
heit annehmend und dann sich leicht absetzend. Es ist 
von hellgrüner Farbe und zeigt, wenn es getrocknet und 
verrieben ist, ein solches Feuer, dass es nach dem Schwein- 
furter Grün entschieden die schönste der unlöslichen Kupfer- 
verbindungen bildet, weshalb dasselbe gewiss als F'arbe 
technische Verwendung finden wird. (Ztschr. für analyt. 
Chemie.) B. 

Ein ergiebiges Quecksilberlager 

ist in Neu-Rhonard bei Olpe in Westphalen, Regie- 
rungsbezirk Arnsberg, entdeckt worden. Es ist dort ein 
seit dem Mittelalter berühmtes Kupferbergwerk, in welchem 
bei Bearbeitung eines Stollens auf Eisenstein das Queck- 
silbererz auftrat. In der Gegend finden sich reichliche 
Schwefelkiese; die jüngere Grauwacke wird von eigen- 
thümlichen Porphyren durchbrochen, die theils als Quarz- 
porphyr theils als Feidspathporphyr zu Tage treten ; bei 



134 Grosse Gaben von Argentum nitricum gegen Croup. 

dem Quecksilberbergwerke Almaden in Spanien ist die 
gleiche Formation. Das Erz liegt 250 Fuss tief unter 
der Spitze eines Berges, der Boden ist auffallend scharlach- 
roth gefärbt und wird seit langer Zeil von den umwoh- 
nenden Leuten als Anstrichfarbe benutzt. Der Hütten- 
ofen ist nach pfälzischer Construction erbaut. Am 31. Januar 
1865 wurden in Cöln die ersten 5000 Pfd. des bei Olpe 
gewonnenen Quecksilbers verkauft. Dr. Reich. 



Grosse Gaben yon Argentnm nitricam gegen Croup. 

Bei einem 4jährigen, fast moribunden Kinde, bei 
dem mehre Aerzte nur noch die Tracheotomie als das 
einzige Rettungsmittel vorgeschlagen hatten, kam Schö- 
vers auf den Gedanken, ob nicht vorher die innere An- 
wendung grosser Dosen des Höllensteins durch seine die 
Exsudation beschränkende Wirkung am Platze wäre. Zum 
Schutze des Magens Hess man dem Kinde vorher und 
gleichzeitig mit der Arznei einige Löffel Salzwasser nehmen. 
Die Arznei wurde in der Stärke von 1 Grm. Argent. 
nitric. auf 60 Grm. Ag. destill, verordnet, von der man 
das erste Mal 1/2 Esslöffel voll und 1/2 Stunde darauf 
eben so viel gab; von da ab einen Kaffeelöffel voll alle 
10 Minuten. Einige Stunden später war das Befinden der 
kleinen Patientin sehr geändert, sie schlief gut und wenn 
auch die Respiration noch sehr erschwert und croupös 
war, so war doch ruhige Lagerung vorhanden und der Puls 
von 140 auf 110 gesunken. Von nun ab liess Schövers nur 
stündlich 10 Tropfen der Silberlösung reichen, dazwischen 
etwas Salzwasser trinken und das Krankenzimmer mit 
warmen Wasserdampf durchfeuchten. Nach zwei Tagen 
war der Zustand sehr befriedigend ; zweimal war schwar- 
zer Stuhlgang mit weisslichen Flocken vermischt, erfolgt, 
ohne Leibschmerzen. Die Dyspnoe war fast ganz ge- 
schwunden, nur Lippen, Mund und Zunge waren mit einer 
weisslichen Membran bedeckt; aber das Verschlucken 
von Flüssigkeiten war ganz schmerzlos. Nun wurde der 
Höllenstein ausgesetzt und nur das Salzwasser beibehalten. 
Das Kind bekam seinen Appetit bald wieder, die Mem- 
bran schälte sich bald los und innerhalb acht Tagen war 
totale Genesung eingetreten. (Oesterr. Ztschr. für prakt. 
Heilkunde.) B. 



Bothesches Glasversilherungsverfahren. 135 

Verfälschung Ton Argentnm nitricnm fusum. 

Ein von einem französischen Handelshause bezogener 
Höllenstein erregte durch sein dem Porcellanbisquit ähn- 
liches Aussehen, so wie durch eine erstaunliche Härte, 
die Aufmerksamkeit Andreä's, Dieser Höllenstein war 
sehr weiss, zeigte keine Risse, weder der Länge noch der 
Quere nach und war von mattem Ansehen. 

Da eine directe Bestimmung des Salpeters im ge- 
gebenen Falle weitläufiger und weniger genau als eine 
indirecte und der Silbergehalt beim Höllenstein immer 
den Hauptfactor bildet, so wurde aus einer 1 Grm. hal- 
tenden Lösung das Silber mittelst eines reinen Kupfer- 
streifens gefällt, der Niederschlag auf einem Tarafilter 
gesammelt, ausgewaschen und getrocknet. Es ergaben 
sich dabei 57,20 Proc. Silber statt 63,53 Proc. 

57,20 Th. Silber liefern aber nur 
90,03 Th. Höllenstein, 
derselbe war also verfälscht mit 

9,37 Th. Salpeter 

Es enthielt also obiger Höllenstein nahezu 10 Proc. 
Salpeter. {Schweiz. Wochenschr. der Pharm. 1866. 19.) 

B. 



lieber eine Vereinfachung des Bothe'schen Glas- 
versilberungsverfahrens. 

Nach der von Böttcher ermittelten, etwas verein- 
fachten Weise, lässt sich das Bothe'sche neue Versilberungs- 
verfahren des Glases folgendermaassen ausführen: Die 
Reductionsflüssigkeit erhält man dadurch, dass man 
1 Drachme salpetersaures Silberoxyd (Höllenstein) 
in circa 1 Unze destillirten Wassers löst und diese Lösung 
in eine ins heftigste Sieden gebrachte Auflösung von wein- 
saurem Kali -Natron, sog. Seignettesalz (48 Gran 
dieses Salzes und 48 Unzen destillirten Wassers) nach 
und nach einschüttet, das Ganze circa 5 bis 10 Minuten 
im Sieden erhält, dann erkalten lässt und durch weisses 
Filtrirpapier filtrirt. Als Versilberungsflüssigkeit dient 
salpetersaures Silberoxyd- Ammoniak, in welcher 
das Ammoniak nicht vorwalten darf. Man erhält dieselbe 
durch Auflösen von 1 Drachme Höllenstein in circa 1 Unze 
destillirten Wassers, welchem man so lange Aetzammoniak- 



136 Wassergehalt des Goldoxydhydrates. 

flüssigkeit hinzufügt, bis die hierdurch entstehende Trü- 
bung eben wieder verschwindet, sets^t alsdann 12 Un- 
zen destillirten Wassers hinzu und filtrirt. Will man 
nun ein Plan- oder Hohlglas versilbern, so vermischt 
man von dieser Versilberungsflüssigkeit und der erwähn- 
ten Reductionsflüssigkeit gleiche Raumtheile, überschüttet 
oder füllt in circa '2 Zoll dicker Schicht mit diesem klaren 
ungefärbten Gemisch die Gläser, und schon nach Verlauf 
von 10 Minuten sind die Gläser mit einer spiegelglänzen- 
den, festhaftenden Schicht Silbers bekleidet. Wiederholt 
man diesen Prozess nur einmal, so erlangt die Silber- 
schicht eine solche Dicke, dass sie völlig undurchsichtig 
erscheint und nun die Rückseite derselben zum Schutz 
mit einem aus in Benzol gelöstem Asphalt bestehenden 
Firniss überzogen werden kann. (Jahr.-Ber. des phys. 
Ver. zu Frankfurt a. M.) B. 



Prüfung von Gold- und Silbermnnzen auf ihre 
Acchtheit. 

Durch Reiben des befeuchteten Metalls mit Höllen- 
stein vrird, wenn jenes ein unedles ist, hierbei ein 
schwarzer Ueberzug auf demselben erzeugt. {niustr. 
Geioerheztg.) H. Ludwig. 

IJeber den Wassergehalt des Goldo.\ydhydrates. 

Dass das Goldoxyd ein Hydrat bildet, ist zwar bekannt, 
aber über die Quantität des damit verbundenen Wassers 
existirte bisher nirgends eine Angabe, weshalb sich 
Wittstein veranlasst sah, diese Lücke auszufüllen. 
Am besten erwies sich die Darstellung des Goldoxydhy- 
drates durch Versetzen einer verdünnten Lösung des/ 
Goldes in Königswasser mit gebrannter Magnesia im Ueber- 
schuss, V4 — ^'2 stündiges gelindes Erwärmen, Sammeln 
des Niederschlages auf einem Filter, Auswaschen bis zur 
Entfernung der letzten Spur Chlor, Vertheilen des Nieder- 
schlags in Wasser, Behandeln mit reiner verdünnter Sal- 
petersäure, um die beigemengte Magnesia aufzulösen^ 
Sammeln des Niederschlags auf einem Filter, Auswaschen 
und Trocknen bei gewöhnlicher Temperatur. 

Aus der goldsauren Magnesia, welche noch in der 
Flüssigkeit enthalten ist, kann man das Gold leicht wieder 
gewinnen, wenn man die von dem, mit der überschüssig 
zugesetzten Magnesia vermengten Goldoxydhydrate, abfil- 



Platinplattirte Schalen für chemische Laboratorien. 137 

trirte Flüssigkeit, incl. der Waschwässer, mit Salzsäure 
ansäuert und dann mit Eisenvitriollösung versetzt. 

Das auf die angegebene ^^'eise bereitete Goldoxyd- 
hydrat ist ein hell kastanienbraunes Pulver, das sich in 
Salzsäure mit der grössten Leichtigkeit löst. Bei 100^ C. 
verliert es, aber sehr langsam, sein Wasser und nimmt 
dabei eine schwarzbraune Farbe an. Dieser Wasseraustritt 
erfolgt ganz ruhig und nur, wenn das entwässerte Oxyd 
stärker erhitzt wird, geräth es rasch unter Entbindung 
von Sauerstoflf in eine schwache Bewegung und hinterlässt 
dann ein zimmtbraunes Pulver von Metall, ganz ähnlich 
demjenigen, welches man durch Fällen der Goldlösung 
mit Eisenvitriol bekommt. 

Zur Analyse wurden von Goldoxydhydrat, welches 
mehrere Stunden unter der Luftpumpe gelegen hatte, 
8 Gr. so lange einer Temperatur von 100^ C. ausgesetzt, 
bis kein Gewichtsverlust mehr statt fand. Es hinterblieben 
7,1120 Gr. Diese 7,1120 Gr. lieferten durch stärkeres 
Erhitzen 6,3467 Gr. Metall. 

Gefunden Aequivalente Berechnet 

Gold 79,334 1 79,420 

Sauerstoff 9,566 3 9,677 

Wasser.. 11,100 3 10,903 



100,000. 100,000. 

Die Formel des Goldoxydhydrates ist also AuO^ -[- 
3 HO. ( Wittst. Vierteljahr sehr. Bd. 15. 1.) ß. 



Platinplattirte Schalen für chemische Laboratorien. 

In der Mai -Versammlung 1865 des Vereins für Ge- 
werbfleiss in Preussen legte Stahlschmidt eine in der 
Fabrik von Sy und Wagen er gefertigte Kupferschale 
vor, welche im Innern mit Platin plattirt war und die 
er von den Genannten zu dem Zwecke erhalten hatte, 
um festzustellen^ wie weit diese Fabrikate zu chemischen 
und technischen Operationen tauglich seien. Durch kost- 
spielige Versucheist es nämlich nunmehr Sy und Wage- 
ner gelungen, platinplattirte Schalen darzustellen, welche 
sich durch vorzügliche Arbeit, durch Billigkeit und be- 
sonders durch ihre Brauchbarkeit auszeichnen. Der Preis 
derselben beträgt etwa '/g von dem der massiven Platin- 
schalen und kann noch geringer gestellt werden, wenn 
die Platinschicht dünner gearbeitet wird. Wenngleich 
es bis jetzt nur gelungen ist, einfache Schalen für chemische 



138 Platinspiegel. — Bromverbindungen des Iridiums. 

Laboratorien anzufertigen, so unterliegt es wohl keinem 
Zweifel, dass auch grossere Gegenstände, wie Abdampf- 
kesselfür Schwefelsäurefabriken, sich in nicht langer Zeit 
werden darstellen lassen. In den gefertigten Schalen 
können die verschiedensten Säuren in jeder beliebigen 
Stärke Wochen lang aufbewahrt werden, ohne dass eine 
Spur Kupfer aufgelöst wird. Man kann ferner die Säuren 
sowohl im Wasserbade, wie auch über freiem Feuer in 
denselben erhitzen, ja selbst concentrirte Schwefelsäure 
darin abdampfen, ohne dass besonders in letzterem Falle 
durch die hohe Temperatur das Platin sich ablöst oder 
das Kupfer von den Säuren angegriffen wird. {Verh. d. 
Ver. zur Beford. des G eioerhfleisses in Preussen.) B. 



Platiiispiegel. 

Im Fache der Spiegelfabrikation ist eine neue Er- 
scheinung aufgetaucht. Ausser der Silberspiegelfabrik 
haben Cr es well und Tavernier bereits eine Fabrik 
von sehr dauerhaften und wohlfeilen Platinspiegeln in 
Gang gebracht. Die spiegelnde Metallfläche liegt bei dem 
neuen Artikel eben so wie bei dem Porcellan frei auf 
dem Glase, durch Einbrennen mit demselben untrennbar 
verbunden und bedarf keiner schützenden Glastafel. Das 
Einbrennen ist eine ganz leichte Arbeit: mit Lavendelöl 
zusammengeriebenes Chlorplatin wird mit einem Pinsel 
auf die Glastafel getragen und dieselbe nach dem Ein- 
trocknen in einer Muffel gebi'annt; hiermit ist der Spiegel 
fertig. Zu diesen Spiegeln können alle fehlerhaften Glas- 
tafeln benutzt werden, wenn sie sich nur auf der einen 
Seite schleifen und poliren lassen. Die Dünne der Platin- 
schicht bringt es übrigens mit sich, dass solche Platten, 
obwohl sie beim Daraufsehen einen guten Spiegel abgeben, 
doch gegen das Licht gehalten transparent sind und man 
durch sie hindurch Alles sehen kann, ohne selbst gesehen 
zu werden. {Polyt. Notizbl. 1866. 15.) B. 



Broiiu erbiiiduugen des Iridiums. 

Durch C. Birnbaum sind folgende Verbindungen 
des Broms mit dem Iridium bekannt geworden: 

Iridiumsesquibromür t= Ir2Br3 -|- 8 aq, schei- 
det sich in hellolivengrünen sechsseitigen Krystallen aus, 
wenn man blaues Iridiumoxydhydrat mit Bromwasser- 
stoff'säure behandelt. Es ist leicht löslich in Wasser, 



Bromverhindung en des Iridiums. 139 

unlöslich in Alkohol und Aether. Auf Zusatz von Sal- 
petersäure wird die grüne Lösung des Salzes sofort blau 
unter Bildung von Bromid. 

Wasserstoff iridiumsesquibromür = Ir2 Br-^, 
3 HBr -|- 6 aq, schiesst in stahlblauen Nadeln an, wenn 
die vorige Verbindung aus der Lösung von Iridiumoxyd 
in Brorawasserstoffsäure herauskrystallisirt ist. Die blauen 
Krystalle sind im durchfallenden Lichte braunroth, lösen 
sich mit grosser Leichtigkeit in Wasser, Alkohol und 
Aether und zerfliessen an der Luft rasch zu einer brau- 
nen Flüssigkeit, die auf Zusatz von Salpetersäure die 
blaue Fai'be des Bromids annimmt. Die wässerige Lösung 
reagirt stark sauer. 

Kaliurairidiumbromid = KBr, IrBr2, bekommt 
man durch Einwirkung von Brorakalium auf Iridiurachlorid. 
Undurchsichtige, stark glänzende, schwarzblaue regel- 
mässige Octaeder, die sich in Wasser mit prächtig blauer 
Farbe lösen. 

Natriumiridiumbromid, NaBr,IrBr2 -|- x HO, 
bei Zusaramengiessen der Lösungen von Iridiumchlorid 
und Bromnatrium entstehend, bildet eine blaue zerfliess- 
liche Masse. 

Ammoniumiridiumbromid, H''NBr,IrBr2, erhält 
man leicht durch Eintragen von Iridiumsalmiak in eine 
erwärmte concentrirte Lösung von Bromnatriura. Es sind 
schwarzblaue Octaeder. 

Kaliumiridiumsesquibromür, SKBr^Ir^Br-^ -j- 
6 HO, krystallisirt in langen, olivengrünen, lebhaft glän- 
zenden Nadeln, verwittert an der Luft und wird dabei 
undurchsichtig und hellgrün. 

Natrium iridiumsesquibromür, 3 NaBr, Ir2Br3 
-|- 24 HO, aus dunkelgrünbraunen, in einander geschich- 
teten Rhomboedern bestehend, verhält sich dem Kalium- 
salze sehr ähnlich. 

Ammonium iridiumsesquibromür, 3 H* N Br, 
Ir^Br^ -]- HO, wurde als krystallinischer Niederschlag 
erhalten und zeigte dasselbe Verhalten, wie die beiden 
vorhergehenden Verbindungen. {Annal. der Chem. u. Pharm. 
CXXXIII. 161—176.) G. 



140 Fabrikation des Stärkezuckers. 

Botany - Bay- oder drassbaum - dunmii, 
Gumnii aeroides. 

Unter dem Namen Gummi acroides führen schon seit 
einiger Zeit die Droguisten eine Substanz, welche in klei- 
nen Stücken oder als grobes l^ulver vorkommt, dunkel- 
gelb, dem Gummigutt ähnlich, von etwas adstringiren- 
dem und aromatischen Beigeschmack. Beim Erhitzen 
schmilzt es und entzündet sich unter Verbreitung des 
Geruchs nach Tolubalsam. Zur Dai'stellung von Pikrin- 
salpetersäure ist es sehr geeignet. Dieses Gummi wird 
von mehren in Australien einheimischen Bäumen, Xan- 
thorrlwea hastilis, X. australis und A'. arborea gewonnen 
und neuerdings als vortreffliches Material zur Bereitung 
von Leuchtgas benutzt. Aus der inneren Portion der 
Wurzeln jener Bäume wird durch Pressen und Destil- 
liren ein guter Branntwein gewonnen, bei der Destil- 
lation hinterbleibt ein zuckeriger Rückstand. {Pharm. 
Journ. and Transact. Aug. 1866. II. Ser. Vol. VIII. No. 2. 
'po.g. 78.) Wp. 



Fabrikation des Stärkezuckers. 

Man kocht nach A. Manbre das Gemenge aus ver- 
dünnter Schwefelsäure und Stärkemehl bei hohem Druck 
und einer Temperatur von 160^ C. (6 Atmosphären). Die 
dazu nöthigen Kessel haben die Form eines Hochdruck- 
kessels, sind aus starkem Eisenblech und inwendig mit 
Blei gefüttert. Im Kessel liegt ein durchlöchertes Dampf- 
leitungsrohr aus Blei. Ferner ist der Kessel mit einem 
Dampfabzugsrohre, mit Sicherheitsventilen, Probehähnen, 
Thermometer u. s. w. versehen. Man verdünnt zu dem 
Ende 56 Pfd. Schwefelsäure von 66« B. mit 5600 Pfd. 
Wasser, erhitzt im Kessel auf 100<'C. und verdünnt gleich- 
zeitig in einem Holzgefässe abermals 56 Pfd. Schwefel- 
säure mit 5000 Pfd. Wasser^ welche man mittelst Dampf 
auf eine Temperatur von 30^ C. bringt. Letztere Flüs- 
sigkeit wird mit 2240 Pfd. Stärkemehl gemischt und un- 
ter fortwährendem Umrühren auf 38^ C erhitzt. Man 
giesst diese Mischung nach und nach in die kochende 
verdünnte Schwefelsäure im Kessel und lässt während 
dessen durch ausströmenden Dampf die Temperatur bis 
1000 C. steigen. Hierauf schliesst man den Kessel, bis 
die Temperatur 160^0. geworden ist und öffnet dann 
den Abzugshahn für den Dampf, damit Druck und Tera- 



Bildung des Stärkezuckers u. Dextrins aus der Stärke. 141 

peratur eine Zeit lang constant bleiben. Man kocht so 
lange, bis herausgenommene Proben kein Stärkemehl in 
der Flüssigkeit mehr anzeigen, was meistens nach 2 bis 
4 Stunden der Fall ist. Darauf zieht man das Ganze in 
ein hölzernes Gefäss, rührt 168 Pfd. gereinigten kohlen- 
sauren Kalk, der mit 100 Pfd. Wasser angerührt ist, 
hinzu, lässt absetzen, filtrirt durch Spitzbeutel, dampft 
auf 20*^ B. ein, klärt mit Blut und Kohle^ filtrirt wieder 
u. s. w., und erhält so vollkommen reinen Stärkezucker, 
der frei von bitterem und empyreumatischen Geschmack 
ist. (Ob auch frei von Blei?) {Median. Magaz. — Chem. 
Centralhl.) B. 

lieber die Bitdung des Sttärkezuckers und Dextrins 
aus der Stärke. 

Musculus stellte die Behauptung auf, dass bei der 
Umwandlung des Stärkemehls durch Malz nur circa 1/3 
des Stärkemehls in Traubenzucker überginge, während 
der Rest in Dextrin verwandelt werde. Die Diastase 
des Malzes sollte auf das gebildete Dextrin ohne alle 
Wirkung sein. Payen hat nun durch Experimente Fol- 
gendes nachgewiesen. In der That ist bei der Umwand- 
lung des Stärkemehls durch Malz eine Dextrinbildung 
nicht zu vermeiden. Der gebildete Stärkezucker wider- 
setzt sich immer mehr der weiteren Umwandlung des 
Dextrins in Stärkezucker. Je nach dem Verfahren, der 
Temperatur u. s. w. kann man indessen durch Malz über 
52 Proc. des Stärkemehls in Zucker verwandeln, bei 
grösserer Verdünnung mehr, als in concentrirten Lösungen. 
Wird nun aber dieser Stärkezucker durch Zusatz von 
Hefe und Gährung zerstört, so Avandelt sich das rück- 
ständige nicht gährungsfähige Dextrin durch die Wirkung 
der noch vorhandenen Diastase ebenfalls in Stärkezucker um. 
Auf diese Weise kann der ganze Antheil Alkohol gewon- 
nen werden, den der Stärkemehlgehalt der Materialien 
theoretisch voraussetzen lässt. Man sieht hieraus, weshalb 
die Spritfabrikanten ihre Maische nicht durch Kochen 
bereiten, dagegen die Bierbrauer das Dick- und Lauter- 
maischkochen eingeführt haben. Ln ersteren Falle soll 
die Diastase des Malzes bis zuletzt wirken, beitii Bier 
dagegen zerstört werden, damit neben dem Alkohol auch 
unzersetztes Dextrin im Biere bleibe. {Bresl. Geichl.) 

B. 



142 ISJeue Reaction auf Trmibenzucker. 

Neue Reaction auf Traubenzucker. 

Erwärmt man n;icli C. D. Braun Traubenzucker- 
lüsung mit Kali oder Natronlauge, mit Baryt oder Kalk- 
wasser, oder auch mit einer Lösung von kohlensaurem 
Natron, so erhält man in sehr concentrirten Lösungen 
eine citronengelb gefärbte Flüssigkeit, die ihre Farbe beim 
Eintropfen von Pikrinsäurelösung und bei erneuertem 
Erhitzen bis zum Kochen in Tiefblutroth verwandelt. 
Natron- oder Kalilauge wirkt von den genannten basischen 
Agentien am kräftigsten. 

Aus diesem Verhalten der Pikrinsäure ergiebt sich, 
eine sehr brauchbare Reaction zur Nachweisung der Gly- 
kose. Die Pikrinsäurelösung bereitet man hierzu am 
besten von der Stärke, dass auf 1 Th. Säure 250 Th. 
Wasser kommen. Man verfährt bei der Prüfung zweck- 
mässig in der Weise, dass man in die mit etwas Natron- 
lauge versetzte, auf 90^ C. erhitzte Traubenzuckerlösung 
ein paar Tropfen Pikrinsäurelösung giebt und dann zum 
Kochen erhitzt. War die Traubenzuckerlösung nur eini- 
gerraassen concentrirt, so erhält man jetzt eine intensiv 
blutroth gefärbte Flüssigkeit, während die Farbe in ver- 
dünnten Traubenzuckerlösungen tiefroth erscheint. Da 
Rohrzucker dieses Verhalten durchaus nicht zeigt, so 
giebt dieses Reagens ein einfaches Mittel, um Trauben- 
zucker in Rübenzucker u. dergl. zu erkennen. Auch für 
den praktischen Arzt wird die neue Reaction von Wich- 
tigkeit sein, um in gegebenen Fällen zu entscheiden, ob 
ein fraglicher Harn zuckerhaltig sei oder nicht. Braun 
hatte verschiedene Male Gelegenheit, den Harn von an 
Diabetes mellitus Leidenden zu prüfen und erhielt unter 
Anwendung der Pikrinsäure eine sehr stark roth gefärbte 
Flüssigkeit. Fruchtzucker und Milchzucker zeigen, wie 
Traubenzucker, die schöne Reaction, nicht aber Rohr- 
zucker und Mannit. (Ztschr. für analyt. Chemie. Jahrg. 4.) 

B. 



Zuckerverbrauch im Zollverein. lAc 



Heber ein neues Dnterscheidungsmittei von Rohr- 
nnd Traubenzucker. 

Zweifach ChlorkohlenstofF verhält sich gegen Rohr- 
zucker und Traubenzucker verschieden. Rohrzucker, mit 
dem Reagens einige Zeit lang in einer verschlossenen 
Glasröhre bis nahe an 1000 erhitzt, verändert sein An- 
sehen allmälig, bedeckt sich mit braunen Flecken und 
nimmt zuletzt eine mehr oder weniger dunkle Farbe an. 
Bei längerer Einwirkung erhält die Masse ein theerarti- 
ges schwarzes Ansehen. Traubenzucker dagegen behält 
bei gleicher Behandlung seine Farbe und wird selbst bei 
längerer Einwirkung nicht braun. J. Nicki es ist der 
Ansicht, dass dieser Unterschied in der Einwirkung des 
Chlorkohlenstoffs von der Bildung einer kleinen Menge 
Chlorwasserstoffsäure herrührt, welche, wie BouUay 
gezeigt hat, den Rohrzucker leicht schwärzt. Diese Fär- 
bung tritt aber nicht ein, wenn man dem Rohrzucker im 
Glasrohre etwas Magnesia zusetzt. {Com'pt. rend. T. 62. 
— Chem. Centrhl. 1866. 38.) B. 



Zuckerverbrauch im Zollverein. 

Um zu ermitteln, wie hoch sich die Zuckerconsumtion 
belaufen hat, ist von der Production an Rübenrohzucker 
und von der Einfuhr ausländischen Zuckers die Ausfuhr 
in Abzug gebracht. Die Bevölkerung ist mit den Zahlen, 
welche den Abrechnungen des Zollvereins zu Grunde gelegt 
worden sind, angegeben. Da der Nachweis, wie viel 
Rübenrohzucker im Zollverein gewonnen worden ist, erst 
vom Jahre 1840 — 1841 mit einiger Sicherheit zu führen 
gewesen, so sind auch erst von diesem Jahre ab die Ergeb- 
nisse berechnet worden. Nachrichtlich ist jedoch zu ver- 
merken, dass Dieterici die Consumtion an Colonial- 
zucker für 1836 auf 4,178 Pfd., für 1837 auf 3,37 Pfd., 
für 1838 auf 4,45 Pfd. und für 1839 auf 4,61 Pfd. pro 
Kopf angegeben hat. Wenngleich in diesen Jahren be- 
reits Production und Consumtion von Rübenzucker statt 
gefunden, so sind doch die Äesultate derselben verhält- 
nissmässig noch zu unbedeutend gewesen, um auf den 
vorstehend berechneten Verbrauch einen nennenswerthen 
Einfluss ausüben zu können. Vom Jahre 1840 ab berech- 
net sich der Zuckerconsum im Zollverein folgender- 
massen. 



144 



Zuckerverbrauch im Zollverein. 



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ic^c: •—^o irt_ co^^r- CD c^^o CD i~-; «-^^^^co co^co^co i— ( co co ;m o 

co'cm'co 3"- c£ th'öo'cTo'ö c^ as'ai-^'o-ro'cM'— J'th o ö^cT 

t- CM O Ci O c:^0 CDOOOCliOiO^fMCO'tl-rti-^l^.c^t^ 
iO_CO -*__-^__iO^-5J^_^-*_ X_CC_^aD_-^__in__iO,l--__l— ^-^lO lO >0 CD CD CO 

i>^ t-^ co' cd cd" o" ot' m' oT c^' o^' o' (>f c^f (>f c^' c(:r cd co" co" -rt^' tjT-^jT 

(M^C^CNC<lC<l<M(M(M(MC<lCOCOCOCOCOCOCOCOCOCOCOCO 



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Zucker verbrauch im Zollverein. 145 

Nach dieser Uebersicht ist die Consumtion von Zucker 
im Zunehmen gewesen und seit dem Jahre 1840 von 
4,69 Pfd. auf 9,89 Pfd. pro Kopf im Jahre 1864, mithin 
im Verhältniss von 100 : 210 gestiegen. Wenn sich in 
einzelnen Jahren eine augenblickliche Abnahme des Ver- 
brauchs bemerklich gemacht hat, wie z. B. 1853, 1854, 
1859, so hat solche ihren Grund hauptsächlich darin, dass 
die Runkelrübenernten nicht befriedigend ausgefallen waren 
und selbstredend weniger Rohzucker gewonnen wurde. 
In Folge hiervon gingen die Preise des Zuckers in die 
Höhe und der Consum beschränkte sich. Im Grossen 
und Ganzen ist aber die nachgewiesene Verbrauchszunahme 
eine sehr bedeutende und hauptsächlich dadurch herbei- 
geführt, dass der Consum des Zuckers wegen der Preis- 
ermässigung, welche die Concurrenz des Rübenzuckers 
herbeiführte, ein allgemeinerer geworden ist, als dies früher 
der Fall war, wo wegen der hohen Preise des Indischen 
Zuckers der Genuss desselben fast nur den wohlhabendem 
Classen der Bevölkerung erlaubt war. Während im Jahre 
1836 der Centner inländischer Raffinade noch 28 — 30 
Thaler kostete, ist der Preis gegenwärtig auf 16 — 18 Thlr. 
gesunken. 

Uebrigens ist aber anzunehmen, dass sich der Zucker- 
verbrauch noch etwas höher, als berechnet worden, gestellt 
hat, da die Production von Rübenzucker jedenfalls niedri- 
ger, als sie in Wirklichkeit gewesen, berechnet wurde. Ueber- 
dies bestehen aber auch im Zollverein noch Stärkezucker- 
fabriken, die sich mit der Zubereitung von festem Zucker 
aus Kartoffelstärke beschäftigen und deren Fabrikate eben- 
falls in den Consum übergegangen sind. Es entzieht sich 
indess der Berechnung, in wie weit diese Fabrikate auf 
den Kopfverbrauch von Einfluss gewesen sein mögen, da 
die Fabrikation dieser Art von Zucker einer Versteuerung 
nicht unterworfen ist und die Betriebsresultate der be- 
treffenden Anstalten nicht bekannt geworden sind. Solche 
Stärkezuckerfabriken bestehen in Preussen und dem Gross- 
herzogthum Hessen ; die Nachfrage nach ihren Fabrikaten 
soll im Zunehmen gewesen sein, weil das in Frankreich 
schon seit längerer Zeit und in grosser Ausdehnung an- 
gewendete Verfahren der Verbesserung des Weins durch 
Zusatz von Stärkezucker in neuerer Zeit auch in der 
Rheingegend Verbreitung gefunden hat. {Bl. für Handel 
und Gewerbe. 1866. 16.) B. 



Arch. d. Pharm. CLXXXII. Bds. l.u.2.Hft. 10 



14G Rühenznckerfahrikation im Zollvereine von 1850 — 1864. 

Die Rübenznckcrfabrikation im Zollvereine in der 
Periode 1850—1864. 

Welche Ausdehnung die llübenzuckerfabrikation im 
Zollvereine erlangt hat, mögen folgende Zahlen beweisen. 

Unter den Zollvereins-Staaten haben folgende Rüben- 
zuckerfabriken und hatten dieselben beispielsweise im 
Jahre 18^4/55 und zehn Jahre später nachstehende Massen 
von rohen Rüben verarbeitet: 

_1.?'/Ü — . 1863/64 ^ 

Vereins- Zahl der Verwendete Zahl der Verwendete 
Staaten. activen Hülien. activen Rüben. 

Fabriken. Zollcentner. Fabriken. Zollcentner. 

Preussen 192 16,400,028 221 34,187,291 

Bayern 6 247,120 6 422,444 

Sachsen 4 131,968 1 80,070 

Hannover.. — — 1 142,455 

Würtemberg 5 603,256 6 1,247,287 

Baden 2 988,825 1 1,144,472 

Kurhessen... 3 59,137 1 17,360 

Thüringen... 2 122,966 2 245,510 

Braunschweig 8 634,496 14 2,424,631 

Es haben also 18^4^55 säramtliche Zuckerfabriken im 
Zollvereine 19,188,402, im Jahre 1863/^^ aber 39,911,520 
Zollcentner Rüben verarbeitet, oder durchschnittlich je 
eine Fabrik im ersten Jahre 86,434, im letzten Jahre 
dagegen 157,792 Ctr. Im Jahre 1863 zählte man in 
Oesterreich 139 Rübenzuckerfabriken, die 20,856,600 Ctr. 
Rüben verarbeiteten. Für das Jahr 18ß-^/g4 ergiebt sich 
der durchschnittliche Verbrauch einer Fabrik in Preussen 
auf 154,694 Ctr., in Bayern auf 70,407, in Würtemberg 
auf 207,881, in Thüringen auf 122,755 und in Braun- 
schweig auf 173,188 Ctr. Rüben. Die grösste Zucker- 
fabrik des Zollvereins ist jene zu Waghäusel in Baden, 
welche in den letzteren Jahren nicht unter 1 Million Centner 
Rüben verarbeitete. In den letzten 14 Jahren IS^o/g^ 
wurden im Zollvereine zusammen 379,440,811 Ctr. Rüben 
verarbeitet, und waren jährlich im Durchschnitt 236 Fabri- 
ken thätig. In den einzelnen Jahren betrug die Zahl 
der arbeitenden Fabriken und war deren Verbrauch fol- 
gender : 



Neues Verfahren der Saftgewinnung aus Runkelrüben. 147 



Betriebs- 


Zahl der 


Verarbeitete Rüben 


jahre. 


activen Fabriken. 


ZoUcentner. 


1850/5, 


184 


14,724,308 


185V52 


234 


18,289,901 


18^2/53 


238 


21,717,096 


1853/5, 


227 


18,469,889 


185%5 


222 


19,188,402 


1855/56 


216 


21,839,798 


1856/57 


233 


27,551,207 


1857/58 


249 


28,915,133 


1858/59 


257 


36,668,577 


1859/60 


256 


34,399,317 


1860/6, 


247 


29,354,031 


1861/62 


247 


31,692,394 


1862/63 


247 


36,719,258 


1863/64 


253 


39,911,520 



Durchschnittlich wurden demnach in obiger Zeitperiode 
jährlich 27,102,915 Ctr. Rüben für die Zuckerfabrikation 
verwendet. Man rechnet, dass 11^/2 Ctr. Rüben einen 
Centner Rohzucker oder 82 Pfd. (7,13 Proc.) Raffinade 
geben. Somit würden im letzten Jahre 2,845,865 Zoll- 
centner Raffinade im Zollvereine erzeugt worden sein, 
die nach dem Fabrikpreise einen Werth von 85,377,000 Fl. 
darstellen. (In Oesterreich betrug die Production an 
Rübenzucker etwa 1,487,166 ZoUcentner.) Der gegen- 
wärtige Bedarf an Zucker im Zollvereine wird durch die 
inländische Fabrikation gedeckt. {Dingl. polyt. Journ. 
Bd. 176.) B. 

Neues Yerfahren der Saftge^vinnnng aus Runkelrüben; 

von R, de Massy. 

Der von der Rübe kommende Rübenbrei wird mit 
7 Proc. Kalk gemischt auf 50 — 60^ erhitzt, dann in ein 
geschlossenes konisches Gefäss, und hierauf in den eigent- 
lichen Saftgewinnungsapparat gebracht. Dieser besteht 
aus einem eisernen, vertical stehenden, durchlöcherten 
Blech cy lind er und einem inneren, etwas engeren Cylinder, 
ebenfalls aus Blech. Um letzteren befindet sich ein 
Kautschukfutter, die inneren Wände des äusseren Cylinders 
sind mit Leinwand gefüttert. In den Hohlraum zwischen 
beiden wird der Brei mittelst Dampfdruck getrieben, der 
Saft dringt durch die Leinwand. Zuletzt lässt man hydro- 
statischen Druck zwischen dem inneren Cylinder und dem 
Kautschukfutter wirken, und drückt so den Brei vollkommen 

10* 



148 Die Fabrikation der Zucker couleur. 

aus. Der trockene Rückstand beträgt nur 11 Proc. vom 
Gewichte der Rüben. {Polyteckn. Journ. Bd. 180. S. 396. 
1866.) B. 

Der condensirte Räbendanipfsaft (Brüdenwasser) der 
Dünnsaftapparate 

enthält nach einer Analyse von Stamraer in 10,000 
Theilen : 

0,14 — 0,16 Th. organische Substanzen, 
0,05 — 0,02 Th. unorganische Substanzen, 
0,59 — 1,87 Th. Ammoniak. 

Die Polarisation des auf '/200 eingedampften Wassers 
war 0; die Reaction deutlich sauer, wahrscheinlich von 
Fettsäure; hieraus dürfte der Schluss zu ziehen sein, dass 
der Anwendung dieses vollkommen zuckerfreien Wassers 
nach dem Abkühlen und allenfalls unter Zusatz von sehr 
geringen Mengen Kalk oder gewöhnlichem Wasser, irgend 
welche Bedenken nicht entgegenstehen, und dass diese 
Anwendung die Melassebildung erheblich vermindern 
werde. {Dincjl. iwlyt. .Journ. Bd. 177.) B. 



Die Fabrikation der Zuckereouleur 

ist bis jetzt immer noch als Geheimniss angesehen wor- 
den, welches nun von Assmuss aufgeschlossen worden 
ist. Das Wesentliche derselben besteht darin, dass man 
Zucker unter Zusatz von Soda, Aetznatron, Pottasche 
oder Aetzkali, oder, wie bei der Darstellung der Essig- 
couleur, von kohlensaurem Ammoniak in einem metallenen 
Gefäss über freieuj Feuer so lange kocht, bis sich der 
Zucker in eine dunkelbraune, fast schwarze, aufgeblähte 
Masse verwandelt hat, worauf eine bestimmte Menge kochen- 
den Wassers allmälig zugegeben wird. Der Alkalizusatz 
bezweckt die Farbe kräftiger, d. h. intersiver dunkler zu 
machen, aber auch die kleine Menge Humussäure, die 
sich beim Kochen bildet, in Auflösung zu erhalten und 
so eine Trübung der Couleur zu verhindern. Beim Kochen 
kann das Feuer anfangs, damit der Zucker schneller 
schmilzt, ziemlich stark sein und so lange verstärkt gehal- 
ten werden, als der Zucker noch eine helle oder fuchsrothe 
Farbe zeigt; sobald er stechende graue Dämpfe zeigt, muss 
das Feuer gemässigt und die Masse im Kessel beständig 
umgerührt werden. Beim Kochen der Essigcouleur wird 



Ein Oxydationsproduct des ErytJirits. 149 

die Masse sehr bald dunkel, ohne dass jedoch die Farbe 
das baldige Fertigwerden anzeigt. Man hat sich nach 
der Entwickelung des stechenden, grauen Dampfes zu 
richten; wenn dieser in ansehnlichen Wolken aufsteigt, 
mässigt man sofort das Feuer. Ist die Farbe fertig 
gekocht, so giesst man Wasser in sehr dünnem Strahl 
hinzu unter fortwährendem Umrühren. So viel Zucker 
man nimmt, so viel Couleur erhält man. Das Geheimniss 
der Couleurfabrikanten besteht in der Anwendung des 
Traubenzuckers anstatt der Raffinade, Melis etc. 

R u m c o u 1 e u r. Zur Bereitung derselben bringt 
man 1 Pfd. krystallisirtes kohlensaures Natron oder 3 4 Pfd. 
Aetznatron in den Kessel, übergiesst mit der doppelten 
Menge Wasser, macht unter dem Kessel Feuer an und 
giebt, nach Auflösung des Salzes, wobei das verdampfende 
Wasser nach und nach zu ersetzen ist, 30 Pfd. Trauben- 
zucker oder 321,2 Pfd. Traubenzuckersyrup zu. Nach 
dem Fertigkochen giesst man 71/2 bis 10 Pfd. weichen 
heissen Wassers in feinem Strahl zu. 

Essigcouleur. Zur Bereitung derselben bringt 
man 30 Pfund Traubenzucker oder 32 '/o Pfund Syrup 
in den Kessel, macht darunter Feuer, setzt IIJ2 Pfd. in 
der gleichen Menge Wasser gelöstes kohlensaures Am- 
moniak hinzu und nach dem Fertigkochen noch 7 '{2 bis 
10 Pfd. Wasser. {Polyt. Notizhl. 1866. 14.) B. 



lieber ein Oxydationsproduct des Erythrits. 

Die Einwirkung des Sauerstoffs unter Vermittelung 
von Platinschwarz auf eine wässerige Lösung von Erythrit 
ist eine sehr heftige. Man löst am besten nach E. Seil 
30 Grm. Erythrit in 250 — 300 Grm. Wasser und bringt 
die Lösung in ein Porcellangefäss, das 15 — 20 Grm. 
Platinschwarz vermischt mit Bimstein enthält. Rührt man 
häufig um und ersetzt das verdampfende Wasser, so be- 
merkt man nach einiger Zeit, dass die Lösung stark 
sauer geworden ist. Man filtrirt nun, dampft das Filtrat 
auf die Hälfte des Volumens ein und giebt eine Lösung 
von basisch essigsaurem Bleioxyd, aber ja nicht im Ueber- 
schusse zu. Der hierdurch entstehende weisslich- gelbe 
Niederschlag wird ausgewaschen, durch Schwefelwasser- 
stoffzersetzt, die filtrirte Lösung abermals mit essigsaurem 
Bleioxyd gefällt und dann wie das erste Mal verfahren. 
Man setzt diese Operation fort, bis der Bleiniederschlag 
ganz weiss erscheint. Die Lösung, die aus diesem letzten 



150 Umwandlung der inactiven Weinsäure in Traubensäure. 

Niederschlage durch Schwefelwasserstoff resultirt, ist An- 
fangs farblos, bräunt sich aber alhuälig beim Eindampfen. 
Man setzt sie daher schliesslich unter die Luftpumpe, 
wobei man eine Masse langer Kry stallnadeln erhält, ver- 
mischt mit einem dicken 8yrup. Der Luft ausgesetzt 
verschwinden diese Krystalle bald wieder. 

Die Analyse dieser Säure hat Seil keine genügenden 
Resultate ergeben. Die Analyse des Bleisalzes führte zu 
der Formel CA6H'3Pbä022^ Ji^^ vielleicht als basisches 
Salz 2(C8H6pb20iO) -f Pbü,HO zu schreiben wäre. 
Die Formel der Säure würde dann sein 4H0, CSH^Qß 
und ihre Entstehung aus dem Erythrit: C^H^O'', 4H0 
-f 40 = 2 HO -1- 4H0, C8H4 06. Oxalsäure scheint 
sich bei dieser Reaction nicht zu bilden. Die Salze der 
neuen Säure sind beinahe alle sehr löslich. (Compt. rend. 
T. 61. — Chem. Centrhl) B. 



Trehala oder Tricala. 

Unter diesem Namen ist im Orient eine mannaähn- 
liche Substanz in Gebrauch, welche das Gehäuse eines 
kleinen Insects, Lnrimis suhrugosiis Cart. bildet und durch 
den Stich desselben auf einer Syrischen Art EcJiinops 
entsteht. Eine ähnliche Substanz kommt in Indien unter 
dem Namen Schukhur-ool- Äschur oder Schukhur Preghal 
vor und zwar auf Calotropis yigantea. Sie wird gleich- 
falls durch ein Insect, Guttigal der Eingebornen, Larinus 
ursus Fahr, gebildet, dem sie als Gehäuse dient. (Pharmac. 
Journ. and Transact. Jidi 2866. 2. Ser. Vol. Vlll. No. 1. 
p. 26.) Wp. 

Heber die Umwandlung der inactiven Weinsäure in 
Traubenstäure. 

Destillirt man nach Dessaignes trocken inactive 
Weinsäure bei 200^, bis ungefähr IJ3 der Säure sich zu 
flüchtigen Producten zersetzt hat, so erhält man im Rück- 
stande nach langer Zeit einige Krystalle, die nichts weiter 
als unveränderte inactive Weinsäure sind. Man sättigt 
den Syrup, aus dem diese Krystalle erhalten worden sind, 
zur Hälfte mit Ammoniak, und gewinnt durch mehrfaches 
Umkrystallisiren zwei Doppelsalze. Das eine, wenig lös- 
liche, bildet ungefähr \ der Masse und enthält Trauben- 
säure, das andere löslichere besteht aus inactiv doppelwein- 
saurem Ammoniak. {Bull, de la Soc. chim. — Chem. Centrhl.) 

B. 



Citronensäure. 151 

Bereitung der Citronensäure. 

Der nach England importirte concentrirte Citronensaft, 
welcher zur Bereitung der Citronsäure dient, enthält nach 
Fr. Row viel Schleim, Farbstoff und andere Unreinigkeiten, 
welche in den citronsauren Kalk und daraus in die Citron- 
säure übergehn, so dass diese eines wiederholten Umkry- 
stallisirens bedarf. Durch Verdünnung des concentrirten 
Saftes in dem Maasse, dass er etwa die Concentration 
des frisch gepressten hat, sollen sich die Unreinigkeiten 
grossentheils in Flocken abscheiden lassen. 

Bei der Zersetzung des citronsauren Kalks ist ein 
Ueberschuss von Schwefelsäure nöthig, diese häuft sich 
aber in der Mutterlauge der Citronsäure nach und nach 
so an, dass dadurch die noch vorhandene Citronsäure 
gefährdet wird. Man hilft dem Uebelstande dadurch ab, 
dass man die Mutterlauge durch eine Schicht frischen 
citronsauren Kalks filtriren lässt. {Phnrmac. Journ. and 
Transact. IL Ser. Vol. VII. No. 9. March 1866. p. 466.) 

Wp. 

€itronenstäure; ein Mittel zur Linderung der Schmerzen 
bei Rrebsgesehwüren. 

Ein im Spitale S. Maria della Scala befindlicher 
mit Zungenkrebs behafteter Greis wurde von Luigi 
Brandini behandelt. Er war von den heftigsten 
Schmerzen gepeinigt; kein Büttel war im Stande, sie 
zu beschwichtigen. Da er ein besonderes Gelüste nach 
sauren Dingen hatte, so bat er um eine Citrone. Der 
Saft dieser Frucht schien ihm sehr grosse Linderung 
zu verschaffen, weshalb er die nächsten Tage wieder 
darnach verlangte, in Folge dessen die schmerzlindernde 
Wirkung jeden Tag in überraschender Weise wiederkehrte. 
Dieser heilsame Erfolg veranlasste L. Brand ini, Ver- 
suche mit Citronensäure anzustellen. Er Hess 4 Grra. 
krystallisirte Citronensäure in 350 Grm. Wasser auf- 
lösen und diese Lösung als Gurgelwasser gebrauchen. 
Die Schmerzen Hessen hierauf vollständig nach, stellten 
sich aber nach einiger Zeit wieder ein, um auf die wie- 
derholte Anwendung der erwähnten Solution neuerdings 
sich zu beschwichtigen. Seit einem Monate sind nicht 
nur die Schmerzen durch das besagte Mittel beseitigt, 
sondern auch die Anschwellung der Zunge ist beträcht- 
lich vermindert. 



152 Borcitronensaure Magnesia. 

Ein weiterer Versuch mit demselben Mittel wurde 
bei einer 73 Jahre alten Kranken gemacht, welche mit 
einem offenen Krebse der rechten Brustdrüse behaftet 
war. Die Schmerzen waren hier so heftig und anhaltend, 
dass die Kranke nicht einmal kurze Zeit Ruhe finden 
konnte. Es wurde nun Charpie, welche mit der oben 
angeführten Lösung getränkt war, auf das Geschwür ge- 
legt und der Erfolg war ein augenblicklicher, die Schmer- 
zen Hessen nach und so oft sie wiederkehrten, (alle 6 — 7 
Stunden) reichte die Erneuerung des Verbandes hin, sie 
zu beschwichtigen. 

Die gleiche Lösung von Citronensäure hatte dieselbe 
Wirkung bei einem 19 Jahre alten Kranken, welcher 
am Zungenkrebs litt. — Diese Thatsachen werden von 
mehren italienischen ärztlichen Autoritäten beglaubigt. 
[Lit. Beil. zum Aerztl. hitelligenzhl. — Hageres Centralh.) 

B. 



Borcitronensaure Magnesia 

wird von Dr. Becker in Mühlhausen als Mittel 
gegen Nierensteine und Harngries empfohlen. Nachdem 
er durch v. Helmont's Beschreibung auf die Entdeckung 
geleitet war, dass der Ludus, das Geheimmittel des Para- 
celsus gegen den Stein, der Boracit sei, liess er sich 
Boracitsalmiak bereiten, den er 25 Jahre lang in allen 
Fällen von Nierenstein und Harngries mit Erfolg angewen- 
det hat. Das Mittel wird jedoch wegen des scharfen Ge- 
schmackes von Salmiak den Kranken leicht lästig. In 
Folge dessen liess er von den in Stassfurt in reichlicher 
Menge vorkommenden Boracit ein Präparat anfertigen, 
worin der Salmiak durch Citronensäure ersetzt wurde. 
Dieses hat einen mild säuerlichen Geschmack, schmeckt, 
mit Zucker gemischt, wie Limonadepulver und lässt sich 
sehr gut nehmen. Zwei Fälle, in welchen eine sehr hef- 
tige Nierenkolik eingetreten war, heilten überraschend 
schnell mit Abgang von Steinchen nach dem Gebrauch 
dieses Mittels. In dem einen Falle wurden täglich drei 
Mal eine Messerspitze voll, im anderen zweistündlich die- 
selbe Dosis gegeben. {Allgem. med. Centr.-Ztg. — Med. 
Neuigk. 1866.) B. 



Aepfelsäure aus den Fruchtzapfen von Uhus coriaria etc. 153 

Darstellung der Aepfelsäure aus den Fruchtzapfen von 
Rhus coriaria und das verschiedene Verhalten 
der Gerbsäuren. 

H. R e i n s ch stand eine grosse Menge von den 
Früchten des Gerbersumachs zu Gebote und er machte 
einen Versuch, die Aepfelsäure daraus darzustellen. Zu 
diesem Behufe wurden die Früchte zerrieben, mit kal- 
tem Wasser übergössen und vier Tage lang unter öfte- 
rem Umrühren damit digerirt. Die sehr saure, ange- 
nehm weinartig riechende Flüssigkeit wurde abgegos- 
sen, der Rückstand ausgepresst, einige Tage der Ruhe 
überlassen und dann ein Theil davon mit Bleizucker- 
lösung gefällt. Aus der vom Bleiniederschlage getrennten 
Flüssigkeit krystallisirte nach einigen Tagen eine grosse 
Menge schneeweisser, halbzolllanger Nadeln von äpfel- 
saurem Bleioxyd heraus; mit dieser Flüssigkeit wurde 
nun der Bleiniederschlag wiederholt aufgekocht, wobei 
stets fast schneeweisses äpfelsaures Bleioxyd erhalten wurde, 
welches auf die bekannte Weise zu Aepfelsäure verarbei- 
tet wurde. Rein seh ist daher der Ansicht, dass die 
Früchte des Gerbersumachs, da sie verhältnissmässig die 
grösste Menge Aepfelsäure und eine weit geringere Menge 
von anderen Bestandtheilen enthalten, sich ganz besonders 
zur Darstellung dieser Säure eignen. Bei Darstellung 
der Aepfelsäure, namentlich aus den Fruchtsäften der 
Vogelbeeren und Berberisbeeren, gelang es Rein seh 
niemals, ein so reines Bleisalz, als aus dem Gerbersumach 
zu erhalten. 

Ein anderer Theil der sauren Flüssigkeit von den 
Früchten des Gerbersumachs wurde bei Kochhitze mit 
Kreide gesättigt, trotzdem diese aber im grossen Ueber- 
schusse angewendet wurde, konnte die Flüssigkeit nicht 
neutral erhalten werden, sondern reagirte fortwährend 
sauer ; dieses rührt daher, dass die Kreide von der Gerb- 
säure nicht zersetzt wird. Es bietet dieses Verhalten ein 
bequemes Mittel dar, um die Gerbsäure von der Aepfel- 
säure zu trennen. Man verdampft nämlich die Flüssig- 
keit bis zur Krystallhaut und überlässt sie dann der Ruhe, 
wobei der weisse äpfelsaure Kalk auskrystallisirt, während 
die Mutterlauge die Gerbsäure enthält; diese schüttelt 
man mit starkem Alkohol, worin sie sich auflöst. Die 
dadurch gewonnene Gerbsäure ist ganz rein und eisen- 
bläuend. 

In sranz ähnlicher Weise behandelte Reinsch den 



154 ßeruch der käußichen Gerbsäure. 

Saft aus Berberisbeeren, nur mit dem Unterschiede, dass 
derselbe erst vergähren gelassen und von der grossen Menge 
ausgeschiedener Unterhefe getrennt wurde. Dabei gelang 
es weder aus dem Safte unmittelbar krystallisirtes äpfel- 
saures Hleioxyd, noch durch Behandlung mit Kreide 
krystallisirten äpfelsauren Kalk zu erhalten ; die Gerbsäure 
ist eisengrünend, aber nicht so rein als aus den Früchten 
des Sumachs. Hierbei beobachtete Reinsch ein noch 
unbekanntes Verhalten der beiden Gerbsäuren, wodurch 
es auch möglich wird, diese, wenn sie in ein und der- 
selben Pflanze enthalten sein sollten, von einander zu 
scheiden. Bringt man nämlich zu einer sehr verdünnten 
Lösung von eisenbläuender Gerbsäure einige Tropfen 
Eisenchlorid bis zur Schwarzfärbung, setzt hierauf einige 
Tropfen Ammoniakliquor zu, bis die Flüssigkeit rothbraun 
geworden ist, und zuletzt, bis zur Uebersättigung des 
Ammoniaks so viel Essigsäure, so setzt sich nach wenigen 
Stunden das gerbsaure Eisenoxyd vollständig ab. Das- 
selbe kann leicht von der Flüssigkeit abtiltrirt und die 
Gerbsäure auch quantitativ bestimmt werden. Verfährt 
man in ganz ähnlicher Weise mit eisengrünendem Gerb- 
stoff, so bleibt die Flüssigkeit nach Zusatz der Essigsäure 
grün und vollkommen klar. Sind hingegen beide Gerb- 
stoffe in einer Flüssigkeit enthalten und man behandelt 
sie auf oben angegebene Weise, so setzt sich das blaue 
gerbsaure Eisenoxyd als Niederschlag ab, nur etwas lang- 
samer, während das grüne gerbsaure Eisenoxyd in der Flüs- 
sigkeit gelöst bleibt. Für qualitative Pflanzenuntersuchun- 
gen scheint dieses Verhalten der beiden Gerbsäuren von 
nicht geringem Werthe zu sein. (N. Jahrb. für Pharm. 
Bd. 25. 2.) ß. 



Heber den Gerach der k<äuflicheii Clerbsäure 

theilt William Procter {in den Proceedings of the 
American Pharmacuutical Association, Philadelphia 1864, 
pag. 255 — 256) Folgendes mit. 

Da reine Gerbsäure eine geruchlose Substanz ist, so 
fragt es sich, ob die Galläpfel eine riechende Substanz 
enthalten, die in die käufliche Gerbsäure fibergeht, oder 
ob der Geruch der letzteren von Unreinigkeiten des zu 
ihrer Darstellung benutzten Aethers herrührt? 

Nach Dr. Wood (U. S. Disp.) sind die Galläpfel 
geruchlos. 



Geruch der käuflichen Gerbsäure. 155 

P e r e i r a sagt : Galläpfel haben keinen Geruch {Elements, 
pag. 323. Vol. 11. Am. Edit). Christison sagt auch: 
Galläpfel sind ohne Geruch. 

Dessen ungeachtet geben die zwei letzteren Autoritäten 
an, dass ätherisches Oel zu den Bestandtheilen der 
Galläpfel gehöre. 

Meine eigene Untersuchung der Galläpfel ergiebt, 
dass sie in ganzem und trocknen Zustande nur einen 
schwachen Geruch zeigen, während sie in einer Büchse 
oder Kasten aufbewahrt werden; wenn sie hingegen ge- 
stossen oder gepulvert werden, so verbreiten sie einen 
bezeichnenden obgleich nicht sehr hervortretenden Geruch. 

Wenn nun gewöhnlicher alkoholhaltiger Aether mit 
gepulverten Galläpfeln in Berührung kommt, muss er 
dieses Geruchsprincip nebst der Gerbsäure und einen 
grünen oder braunen Farbstoff denselben entziehen und 
hinterlässt dieses Geinenge lieim Abilampfcn nebst ge- 
wissen Verunreinigungen, welche dem Aether anhingen. 

Um diese Ansicht durch einen Versuch zu bekräftigen, 
verschaffte ich mir von Hr. Dr. Squibb reinen Aether, 
welcher bei freier Verdunstung nichts Riechendes hinter- 
liess. Derselbe Avurde mit der erforderlichen Menge von 
Alkohol und Wasser gemischt und zum Ausziehen von 
gepulverten Galläpfeln benutzt. Der ätherisch alkoholische 
Auszug wurde in einer Schale bei gelinder Wärme ver- 
dunstet, bis der Aether verflüchtigt war. Der trockene, 
spröde Rückstand wurde zu Pulver zerrieben. Er besass 
eine grünliche Farbe und einen entschiedenen Geruch 
nach zerriebenen Galläpfeln, aber keinen Geruch nach 
unreinem Aether. 

Ein Theil dieser Gerbsäure wurde mit Benzin dige- 
rirend ausgezogen, in welcher Flüssigkeit die Gerbsäure 
unlöslich ist und von dem Auszuge in einer Glasschale 
das Benzin verdunstet; es hinterblieb ein geringer Rück- 
stand, welcher den charakteristischen Geruch der Gall- 
äpfel {the well marked odor of nntgalls) besass. 

Die hieraus zu ziehende Folgerung ist, dass der 
Geruch der käuflichen Gerbsäure vornehmlich von dem 
Geruchsprincip der Galläpfel selbst herrührt, welcher von 
den Farbstoffen der Galläpfel begleitet wird, zuweilen wohl 
auch von den riechenden Verunreinigungen des Aethers. 
In Anbetracht der Unlöslichkeit der Gerbsäure in Benzin, 
können durch letzteres der Gerbsäure die genannten Riech- 
und Farbstoffe entzogen werden. H. Ludwig. 



156 Hellehorin und Hellebore'in. 

Digitalin. 

Man konnte dieses höchst giftige Alkaloid aus Digi- 
talis purpurea bisher bei gerichtlich -chemischen Unter- 
suchungen nicht mit Sicherheit nachweisen. (Man erin- 
nere sich der Schwierigkeiten, die in dieser Beziehung 
im Processe la Pommerais zu überwinden waren.) Gran- 
de au hat einfache und sichere Reactionen auf Digitalin 
gefunden. Man scheidet es zunächst durch Dialyse ab, 
was noch gelingt, wenn in 100 CG. Flüssigkeit nur 
0,10 Grm. desselben enthalten ist. Reines Digitalin färbt 
sich mit concentrirter Scliwefelsäure braun, wird nach 
einiger Zeit weinroth und auf Zusatz von Wasser augen- 
blicklich schmutziggrün. Beim Eindampfen einer ver- 
dünnten Digitalinlösung tritt mit Schwefelsäure eine je 
nach der Menge des Digitalins mehr oder weniger dunkle, 
braunrothe Färbung ein, bei sehr geringen Mengen z. B. 
0,0005 Grm. eine rosa Färbung. Bromdämpfe färben mit 
Schwefelsäure befeuchtetes Digitalin je nach der vorhan- 
denen Menge vom dunkelsten Violett bis zum Maiven- 
violett. Diese Färbung ist bei noch weniger als 0,0005 
Gramm sichtbar. 

Im Handel kommt nach Lefort lösliches (von Merk 
in Darmstadt) und unlösliches (französisches) Digitalin vor. 
Ersteres färbt sich mit Salzsäure Aveniger und langsamer 
grün als letzteres. Chlorwasserstoff färbt das unlösliche Digi- 
talin dunkelgrün, das lösliche dunkelbraun und entwickelt 
besonders aus letzterem den charakteristischen Digitalin- 
geruch. Das unlösliche erscheint unter dem Mikroskop 
als ein Gemenge von wenigstens zwei Substanzen. Die 
grüne Färbung wird durch einen flüchtigen Stoff hervor- 
gebracht, der beiden Digitalinsorten anhängt und ihnen 
den specifischen Geruch ertheilt, übrigens können beide 
Sorten durch Dialyse getrennt werden. (Comptes rendus.) 

Dr. Reich. 

Helleborin und Helleborein. 

Als die wirksamen Bestandtheile in Hellehorus niger L. 
und Hellehorus viridis L. bezeichnen A. Husemann und 
W. Marme zwei Glykoside, die von ihnen Helleborin 
und Hellebore'in genannt werden. 

Das Helleborein kommt viel reichlicher in der schwar- 
zen als in der grünen Nieswurz vor, übertrifft aber auch 
in letzterer an Menge beträchtlich das Helleborin. Zu 
seiner Darstellung wird die wässerige Abkochung der 



Helleborin und Helleborein. 157 

zerkleinerten Wurzeln mit Bleiessig gefällt, das Filtrat 
dui'ch schwefelsaures Natron vom überschüssigen Blei 
befreit, durch Eindampfen stark concentrirt und dann so 
lange mit Gerbsäure versetzt, als noch ein Niederschlag 
entsteht. Dieser, stark ausgepresst, wird mit Weingeist 
und geschlämmter Bleiglätte angerieben; auf dem Wasser- 
bade ausgetrocknet, mit Weingeist ausgekocht und aus 
der weingeistigen Lösung wird dann durch Aether das 
Helleborein gefällt. Es krystallisirt in durchsichtigen, 
erbsengrossen, aus mikroksopischen Nadeln zusammen- 
gesetzten Warzen, die an der Luft rasch kreide weiss 
werden und ein gelblich- weisses, sehr hygroskopisches 
Pulver geben, besitzt einen süsslichen Geschmack, 
löst sieh leicht in Wasser, gar nicht in Aether und ist 
nach der Formel C52H44O30 zusammengesetzt. Von con- 
centrirter Schwefelsäure wird es mit braunrother, allmälig 
ins Violette übergehender Farbe gelöst. 

Kocht man Helleborein mit verdünnter Schwefelsäure 
oder Salzsäure, so scheidet sich rasch ein schön dunkel- 
veilchenblauer Niederschlag aus, der nach dem Trocknen 
ein graugrünes, amorphes Pulver bildet. Dieses Spaltungs- 
product ist das Helleboretin, ist geruch- und geschmack- 
los, löst sich weder in Wasser, noch in Aether, aber gut 
und mit violetter Farbe in Weingeist. Seine Zusammen- 
setzung ist C28H20O65 die Spaltungsgleichung 

C52H44O30 = C28H20O6 4_ 2C12H>2 012. 

Um das Helleborin zu gewinnen, kocht man die 
zerkleinerten Wurzeln wiederholt mit Weingeist aus, engt 
die Auszüge durch Destillation auf ein kleines Volumen 
ein und schüttelt den Rückstand wiederholt mit beträcht- 
lichen Quantitäten kochenden Wassers, in welchem das 
Helleborin bei Gegenwart von Helleborein löslich ist. 
Nach starkem Concentriren und Erkaltenlassen scheidet 
sich dann das Helleborin aus und wird durch Umkrystalli- 
siren aus Weingeist gereinigt. Es bildet glänzend weisse, 
concentrisch gruppirte Nadeln, ist, im trockenen Zustande 
auf die Zunge gebracht, fast geschmacklos, aber seine 
weingeistige Lösung schmeckt ausserordentlich scharf 
und verursacht an den Lippen ein viele Stunden anhal- 
tendes Brennen. Es ist in kaltem Wasser unlöslich und 
löst sich nur wenig in Aether und fetten Oelen, aber gut 
in kochendem Weingeist und in Chloroform. Seine Zusam- 
mensetzung wird durch die Formel C'2JJ42012 ausgedrückt. 
Concentrirte Schwefelsäure färbt es prachtvoll hochroth; die 
Reaction ist ungleich intensiver und empfindlicher, als die 



lab Laserpitin. 

bekannte Salicinreaction. Wasser scheidet aus dieser 
Lösung einen harzartigen Körper, 

das Helleboresin, ab, welcher neben Zucker aus 
dem Helleborin entstanden ist. Am besten gelingt die 
Spaltung mit syrupartiger Chlorzinklösung. Das Helle- 
boresin von der Formel C^oppsOS stellt nach dem Trock- 
nen ein grauweisses, geschmackloses Pulver dar, welches 
sich nicht in Wasser, nur wenig in Aether, aber gut in 
kochendem Weingeist löst. 

Die physiologischen Wirkungen dieser Stoffe sind 
folgende : Von Helleborein genügten 300 Milligr. in den 
Magen einer ausgewachsenen Katze gebracht zur tödtlichen 
Vergiftung, bei subcutaner Application war eine kleinere 
Dose ausreichend. DasHelleboretin übt keine sichtliche Wir- 
kung auf den thierischen Organismus aus. Das Helleborin 
ist ein starkes Narcoticum, noch energischer als das Helle- 
borein. {Annal. d. Chem. u. Pharm. CXXX V. 55 — 65.) G. 



Laserpitin. 

Das Laserpitin ist ein von A. Feld mann in der 
Wurzel von Laserintium latifolium L. aufgefundener Bitter- 
stoff, den man daraus durch Ausziehen mit Weingeist 
von 80 Proc. darstellen kann. Die reine Substanz kry- 
stallisirt leicht in vollkommen farblosen rhombischen Pris- 
men, ist geruch- und geschmacklos, in kaltem und kochen- 
dem Wasser unlöslich, leicht löslich in Alkohol, Aether, 
Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Terpenthinöl, Benzin und 
fetten Oelen. Die alkoholische Lösung reagirt neutral 
und schmeckt bitter; die Substanz schmilzt bei 114^ 
zu farblosen, ölartigen Tropfen und erstarrt wieder zu 
einer amorphen Masse, die später wieder krystallinisch 
wird. Ueber seinen Schmelzpunct erhitzt, verflüchtigt 
sich das Laserpitin und sublimirt unzersetzt in öligen 
Tropfen; es ist unlöslich in Kali-, Natron- und Ammoniak- 
flüssigkeit, in concentrirter Salzsäure, Salpetersäure und 
Essigsäure; durch concentrirte Schwefelsäure wird es mit 
kirschrother Farbe gelöst. 

Beim Erhitzen mit Kalihydrat zerfällt das Laserpitin 
in Angelikasäure C'^H^ 04 und einen alkoholartigen Kör- 
per, vom Verfasser Laserol = C^^H^^O^, genannt. 

Das Laserpitin besitzt die Formel C^^H^GOi* und 
die Zersetzung in Angelikasäure und Laserol erklärt sich 
nach der Gleichung: 

C48H36014 -[.. 2H0 = C28H2208 -\- 2(C»"H804). 



Untersuchung der Aloe succotrina. 159 

Das Laserpitin besitzt demnach denselben Kohlen- 
stoffgehalt wie Atharaantin, Peucedanin und das diesem 
identische Imperatorin, wie es denn überhaupt in seinen 
allgemeinen Eigenschaften mit diesen Stoffen überein- 
stimmt. Bemerkenswerth ist, dass diese Substanzen sämmt- 
lich von botanisch nahestehenden Pflanzen aus einer natür- 
lichen Familie abstammen. {Annal. der Chem. und Pharm. 
CXXXV. 236—247.) G. 



(Intersuchung der Aloe succotrina. 

Rochleder theilt in Folgendem die bis jetzt gewon- 
nenen Resultate in Kürze mit, welche 0. Czumpelik 
aus seiner Untersuchung der Aloe succotrina gezogen hat. 

Hiernach muss die Aloe succotrina als ein Gemenge 
von Substanzen angesehen werden, die in dem Safte der 
Aloeblätter enthalten sind, mit einer nicht geringen Quan- 
tität von Stoffen, die durch Zersetzung der ursprünglichen 
Bestandtheile entstanden sind, abgesehen von Sand, Holz- 
stücken und anderen Unreinigkeiten, die bald in grösserer, 
bald geringerer Menge zugegen sind. Zu den eigentlichen 
Bestandtheilen der Aloe gehört ein krystallisirbarer Stoff", 
der in allen seinen Eigenschaften von dem Aloin verschie- 
den ist. Er lässt sich aus erwärmtem, wässerigen Wein- 
geiste umkrystallisiren und auf diese Weise rein erhalten. 
Seine Natur zu erforschen muss jedoch weiteren Versuchen 
vorbehalten bleiben. Das x\loin ist ein zweiter Bestand- 
theil der Aloe, welcher bis jetzt aus der Aloe succotrina 
vergeblich darzustellen versucht wurde. Die Menge des 
Aloins ist nicht unbedeutend und beträgt circa 1 Loth auf 
l'/2 Pfd. Aloe. Czumpelik hat es in allen im Handel vor- 
kommenden Sorten von Aloe succotrina aufgefunden. Er halt 
auch das Bromaloin von Stenhouse daraus dargestellt, so 
dass an der Identität dieses Aioins mit dem aus Barbados- 
Aloe kein Zweifel ist. Durch Behandlung einer weingeistigen 
Aloin-Lösung mit Salzsäure wird das Alom zerlegt und giebt 
dabei ein gelbes krystallisirtesSpaltungsproduct, welches mit 
Alkalien dieselbe Reaction zeigt, wie die Chrysophansäure. 
Ein dritter Bestandtheil der Aloe ist ein schön gelbes, beim 
Betropfen mit Salzsäure sich blutroth färbendes Harz. 
Dieses wird durch Behandlung mit Alkalien in wässeriger 
Lösung bei erhöhter Temperatur zerlegt und giebt dabei, 
neben anderen, den farblosen in zolllangen Nadeln kry- 
stallisirten Stoff, den man erhält, wenn Aloe direct mit 
Aetznatronlösung gekocht, die Flüssigkeit mit Schwefel- 



160 Verhalten der Aloe zur Thierkolile. 

säure gesättigt und mit Aether ausgezogen wird. Der 
vierte ßestandtheil endlich ist ein Gerbstoff, eine ad- 
stringirend schmeckende, lllisenoxydsalze schwärzende Sub- 
stanz, die nur in geringer Menge vorhanden ist und offenbar 
in Folge der leichten Veränderlichkeit zum grössten Theile 
im zersetzten Zustande sich unter den Stoffen befindet, 
welche die Aloebestandtheile begleiten. Diese Substan- 
zen bleiben ungelöst zurück, wenn die Aloe mit wenig 
mehr als der gleichen Gewichtsmenge von wasserfreiem 
Alkohol im gepulverten Zustande behandelt wird. Sie 
sind schwarz von Farbe und unmöglich als solche in dem 
Safte der Aloeblätter fertig gebildet vorhanden. 

Hieran schliesst Rochleder noch eine Bemerkung, 
welche das Aloin betrifft. Stenhouse hat für dieses 
purgirende Princip, das Smith in der Barbados- Aloe 
entdeckte, die Formel C34H"8 0i4 aufgestellt. Dieser 
Zusammensetzung nach ist das Alo'in nicht unwahrschein 
lieh ein Glykosid, das sich nach der Gleichung C'^'^H^^QH 
-}- 4 HO = C'-i2Hi0O6 -f C12H12012 spalten würde. 
Dieses C22H*0O6, welches Rochleder Aloetin nennen 
würde, wäre homolog mit der Chrysophansäure, dem pur- 
girenden Stoffe der Rhabarber und das dritte Glied der 
Reihe, die mit dem Purpurin des Krapps beginnt : 

C'8H6 06 = Purpurin, 

C20 HS 06 = Chrysophansäure, 

C22H10O6 = Aloetin. 

Für diese Vermuthung sprechen die Eigenschaften des 
von Czumpelik gefundenen Spaltungsproductes der Chry- 
sophansäure. (Sitz.-Ber. der k. k. Gesellsch. der Wissensch. 
— Chem. Centrbl. 1866. 2.) B. 



Terhalteu der Aloe zur Thierkohle. 

Bei Gelegenheit der Untersuchung des Daubitz'schen 
Kräuterliqueurs hat Jacobsen gefunden, dass die Aloe 
vollständig durch Thierkohle zurückgehalten wird, wenn man 
die Flüssigkeit einige Zeit unter öfterem Umrühren bei 
Seite gestellt hat. Das Filtrat ist farblos und schmeckt 
nicht mehr nach Aloe. Auf diese Weise lässt sich auch sehr 
gut der Zucker in dem genannten Liqueure nachweisen. 
13eispielswcise hat Jacobsen 3 Di-achmen Aloetinctur und 
1 Drchm. Zucker in 1 Drchm. Wasser gelöst, zusammengegos- 
sen, reine Thierkohle hinzugesetzt und wie oben behandelt. 
Das Filtrat war farblos, schmeckte nicht mehr nach Aloe und 



Aloetinsäure. — Chrysocyaminsäure. 161 

gab nach dem Abdampfen auf dem Wasserbade genau die 
Drachme Zucker als weisses, süsses Pulver. {Böttgers 
polyt. Notizbl.) B. 

Die Aloetinsäure, 

ein Oxydationsproduct der Aloe mittelst Salpeter- 
säure, hat nach C. Finckh folgende Eigenschaften: 

Sie besteht aus einem sattgelben amorphen Pulver, 
welches bei 120^ unter Abgabe von 1 Aeq. HO sich 
bräunt, wenn sie aus der Lösung des Barytsalzes in der 
Kälte durch verdünnte Salpetersäure abgeschieden wird. 
War die Lösung des Barytsalzes heiss, so erscheint sie 
als braune, amorphe Masse. In kaltem Wasser ist sie 
wenig löslich, mehr in kochendem mit purpurrother Farbe, 
welche auf Zusatz von Säuren in Gelb übergeht und beim 
Neutralisiren mit Basen wieder roth wird. In Weingeist 
löst sie sich leicht mit rother Farbe; auf Platinblech erhitzt 
verpufft sie. Ihr Geschmack ist stark bitter und kratzend. 
Ihre Zusammensetzung wird durch die Formel C14H2N2O10 
ausgedrückt, die sich von der Formel der Chrysaminsäure, 
Ci4H2N'-0'2, einem anderen Oxydationsproduct der Aloe 
mittelst Salpetersäure, nur durch ein Minus von 2 O unter- 
scheidet. Durch Kochen mit concentrirter Salpetersäure 
wird die Aloetinsäure auch in Chrysaminsäure übergeführt. 

Die Aloetinsäure ist eine ziemlich starke Säure und 
treibt die Kohlensäure aus ihren Salzen aus; mit den 
Alkalien und Erdalkalien bildet sie in Wasser mit Purpur- 
farbe lösliche Salze; schwer- und zum Theil unlöslich 
sind die Verbindungen mit den Oxyden schwerer Metalle. 
I^Annal. der Chem. und Pharm. CXXXIV. 236— 240.) G. 



Chrysocyaminsänre. 

Diese neue Säure erhielt C. Finckh beim Eintra- 
gen von Chrysaminsäure in eine erwärmte Lösung von 
Cyankalium. In reinem Zustande Hess sich die Säure 
nicht darstellen, aus der Analyse ihrer Salze aber ergab 
sich für dieselbe die Formel C18H3N3 012. Die Verbin- 
dungen der Chrysocyaminsäure mit Natron, Kali und 
Ammoniak sind leicht löslich und krystallisirbar, die 
meisten übrigen Metallsalze sind dunkelroth gefärbte kry- 
stallinische Niederschläge, welche zum Theil in reinem 
Wasser etwas löslich, meist jedoch vollkommen unlöslich 
Arch.d. Pharm. CLXXXII.Bds, l.u.2.Hft. H 



162 Entioickelungsgeschichte des Farbstoffs in Pflanzenzellen. 

sind. Beim Erhitzen verpuffen sämmtliche Salze wie 
Sehiesspulver. [Eine geringe Menge des Kalisalzes in 
Wasser geworfen löst sich mit intensiver dunkelviolett- 
rother Farbe auf, {Annal. der Chem. und Pharm. CXXXIV. 
229 — 236.) G. 

Chloranil. 

Behandelt man eine alkoholische Lösung von Capaloe 
mit Chlor, so trennt sich die Flüssigkeit in zwei Schich- 
ten, wovon die obere Producte der Einwirkung von Chlor 
auf Alkohol enthält, während die untere aus einem orange- 
gelben halbflüssigen Harze besteht, welches sich in kaltem 
Weingeist mit rothbrauner Farbe löst, unter Abscheidung 
von gelblich -weissen Krystallblättchen. Diese Kry stalle 
sind nach der Untersuchung von C. Finckh Chloranil 
= C»2C14 04 {Annal. der Chem. und Pharm. CXXXIV. 
241—242.) G. 

Untersuchungen über die Ent^ickelungsgeschichte des 
Farbstofls in Pflanzenzellen 

hat Adolf Weiss (Prof. der Botanik an der Univer- 
sität Lemberg) veröffentlicht. Er stellte dieselben mit 
den Beeren von Lycium harharum L., Solanum Dulcamara 
L., Solanum capicastrum Lk., Solanum laciniatum Ait., 
Solanum pseudocajysicum L., den Zellen des gelben Ueber- 
zugs, der die Samen von Econymus europaeus L. beklei- 
det, den Beeren von Capsicum haccatum, Asparagus ver- 
ticillatus L. an, welche sämmtlich einen nicht gelöst 
auftretenden gelbrothen Farbstoff enthalten und fasst 
die Resultate seiner mitgetheilten und durch schöne colo- 
rirte Abbildungen erläuterten Beobachtungen in folgende 
allgemeinere Sätze zusammen: 

1. Die Bildung des Farbstoffes erfolgt in einer und 
derselben Zelle fast immer auf zwei oder mehre von 
einander verschiedene Weisen. 

2. Sie geschieht nicht in der Weise, dass etwa die 
Chlorophyllkörner zuerst verschwinden und durch 
Neubildung sich auf einer neuen Untei'lage neuer Farb- 
stoff erzeugt, sondern indem die Unterlage des früheren 
Chlorophyllkorns (wohl meist Amylum) bleibt und nur 
das grüne Pigment, welches sich unter Einwirkung des 
Lichtes darauf abgelagert hatte, succesive durch alle Ab- 
stufungen von Gelb hindurch in den schliesslich rothgelben 
Farbstoff verwandelt. 



Entwickelungsgesckichte des Farbstoffs in Pflanzenzellen. 163 

3. Die Ursache dieser Farbenwandlung muss in einer 
durch die Vorgänge des Reifens der Beere veränderten 
Diffusion st hätigkeit der Zellen gesucht werden, ob- 
gleich sich derzeit über die zu Grunde liegenden chemi- 
schen Verhältnisse nichts angeben lässt. 

4. Neben dieser bei weitem häufigsten Bildungsart 
kommt gewöhnlich eine zweite von ihr gänzlich verschie- 
dene vor, durch welche im Innern von Bläschen der 
Farbstoff direct aus dem Protoplasma oder richtiger aus 
der stickstoffhaltigen Materie im Innern derselben ent- 
steht. 

5. Die fertigen Farbstoffgebilde erhalten später an 
ihren Enden meist farblose Schleimfäden^ welche zwei 
oder mehre derselben verbinden und möglicherweise 
das Product einer Umwandlung sein können, welche die 
Unterlage (Amylum) des Farbstoffs bei und nach der 
Reife erfährt. 

6. Schliesslich zerfallen die Farbstoffgebilde, indem 
ihr Pigment allmälig immer blässer und blässer wird, in 
ihre einzelne Theile (Unterlage und Pigment). 

Weiss bedient sich in seiner Abhandlung des Aus- 
druckes Bläschen zur Bezeichnung eigenthümlicher Ge- 
bilde im Innern von Pflanzenzellen und er spricht sich 
über dieselben dahin aus: 

Es ist sicher, dass im Innern von Zellen eine Art 
von Elementarorganen, Bläschen, vorkommen, die aus 
einer Membran und einem von ihr scharf getrennten 
flüssigen Inhalte bestehen, in oder aus welchem sich im 
Verlaufe ihres Lebens Amylum, Chlorophyll und 
Farbstoffe bilden können, die demnach wie die Zellen 
selbst eine fortschreitende Entwickelung zeigen. Ihr Unter- 
schied von dem, was wir Zelle nennen, dürfte kaum 
darin bestehen, dass sie ohne Einwirkung eines Cytoblasten 
sich individualisiren, jedenfalls aber, dass wir an ihnen 
vor der Hand keine Cellulosehülle nachweisen kön- 
nen, ja dass sie dieselbe höchst wahrscheinlich durchaus 
nicht besitzen. Generisch sind sie von unseren Zellen 
sicher nicht verschieden. Was den Cytoblasten be- 
trifft, so wird ihm ebenfalls sicher die Zellennatur zu- 
gesprochen werden müssen. {Sitzungsber. der k. k. Akad. 
der Wissensch. Math.-naturio. Cl. 50. Bd. I. Heft. I. Abth. 
S. 6 — 35.) H. Ludioig. 



11 



164 Ueher das Chlorophyll. 

Heber das Chlorophyll. 

Durch frühere Untersuchungen hat E. Freniy ge- 
zeigt, dass man das Chlorophyll durch Einwirkung von 
Salzsäure und Aether in einen gelben Körper Phylloxanthin 
und in einen blauen Fhyllocyanin spalten kann. Ganz 
ähnlich wie Salzsäure wirken auch andere Säuren, selbst 
schwache, wie sich im weiteren Verlaufe seiner Unter- 
suchungen ergeben hat. Eine Reindarstellung der Spal- 
tungsproducte war aber auf diesem Wege nicht zu ermög- 
lichen. 

Fremy studirte darauf die Einwirkung der verschie- 
denen Basen auf das Chlorophyll und stellte Folgendes fest. 

Die Basen scheinen auf das Chlorophyll in dreifach 
verschiedener Weise zu wirken. 

1) Die Hydrate gewisser Erdbasen, wie die Magnesia 
und namentlich Thonerdehydrat mit einer alkoholischen 
Lösung von rohem Chlorophyll geschüttelt, geben Lacke, 
indem sie sich mit der grünen Substanz verbinden, und 
lassen im Alkohol eine gelbe Substanz und namentlich 
auch Fett gelöst. 

2) Alkoholisches Kali und Natron verhalten sich zum 
Chlorophyll in der Siedhitze wie die Säuren, verseifen 
aber gleichzeitig die Fettkörper, welche dasselbe verun- 
reinigen. Auf diese Weise erhält man eine grüne Flüssig- 
keit, in welcher man leicht die Gegenwart der beiden 
Spaltungsproducte nachweisen, diese Substanzen aber nur 
schwierig rein darstellen kann. 

3) Die alkalischen Erden, wie Kalk, namentlich Baryt, 
verhalten sich am eigenthümlichsten gegen das Chloro- 
phyll. Kocht man durch Thonerde j.,ereinigtes Chloro- 
phyll eine Zeit lang mit Barythydrat, so schlägt sich das 
Phyloxanthin, gleichzeitig mit einem unlöslichen Baryt- 
salze nieder. Letzteres enthält einen zweiten Körper, 
den Fremy vorläufig Phyllocyaninsäure nennt. Das 
Chlorophyll verhält sich hiernach wie Fett, das neutrale 
Phylloxanthin entspricht dem Glycerin und die Phyllo- 
cyaninsäure würde als eine blaugrün gefärbte Fettsäure 
anzusehen sein. 

Nach Vollendung der Spaltung wird die Masse mit 
Alkohol behandelt; in diesem löst sich das Phylloxanthin 
und scheidet sich aus der Lösung nach seinem Verdun- 
sten wieder ab. Aus dem phyllocyaninsauren Baryt er- 
hält man durch Zersetzung mit Schwefelsäure die Phyllo- 
cyaninsäure. Das Phylloxanthin ist neutral, unlöslich in 
Wasser, löslich in Alkohol und Aether, krystallisirt bald 



Die Farbstoffe der Blätter. 165 

in gelben Blättchen, bald in röthlichen Prismen^ welche 
in ihrem Ansehen Aehnlichkeit mit zweifach chromsaurem 
Kali haben. 

Die Phyllocyaninsäure ist unlöslich in Wasser, lös- 
lich in Alkohol und Aether, und erhält in diesen letzteren 
Flüssigkeiten eine olivengrüne im reflectirten Licht braun- 
rothe oder violette Färbung. Alle ihre Salze sind braun 
oder grün; nur die Salze der Alkalien sind in Wasser 
löslich. Die Säure löst sich in Schwefelsäure oder Salz- 
säure je nach der Concentration mit grüner, röthlicher, 
violetter oder schön blauer Farbe, durch einen Ueber- 
schuss von Wasser wird die Phyllocyansäure wieder aus- 
geschieden. Die Existenz einer aus dem Chlorophyll ab- 
zuscheidenden Säure, welche durch die Einwirkung ge- 
wisser Agentien grüne, violette und blaue Färbung annimmt, 
gilt Freray als das beachtenswertheste Factum, welches 
diese Untersuchung zur Kenntniss gebracht hat. {Compt. 
rend. T. 61. — Chem. Centrhl.) B. 



lieber die Farbstoffe der Bltätter. 

Sowohl die Blüthen als auch andere schnell sich ent- 
wickelnde Pflanzenorgane enthalten nach Chatin und 
Filhol eine Substanz (A), die sehr begierig Sauerstoff 
aufnimmt, sich unter dessen Einfluss verändert und die 
Blätter im Herbst braun färbt. 

Das Chlorophyll wird durch die Wirkung des Lichtes 
und der Luft gelblich -braun und wird dann durch Salz- 
säure nicht wieder grün. Die gleichzeitige Einwirkung 
des Lichtes und der Luft auf das Chlorophyll wird, wie 
schon Fremy gezeigt hat, durch die Gegenwart von 
Basen begünstigt, durch Säuren dagegen erschwert; mehre 
derselben (Mineralsäuren) verändern es bekanntlich gänzlich. 

Es ist bekannt, dass Payen aus der Cuticula der 
Blätter mehre fettartige Substanzen ausgezogen hat. Cha- 
tin und Filhol haben gefunden, dass die Oberfläche 
der jungen Blätter (eben so der Blumenblätter) mit einer 
schützenden fettartigen Materie überzogen ist, welche 
sich vermindert, je näher die Periode des Gelbwerdens 
oder des Färbens der Blätter hervortritt. 

Als Chatin und Filhol grüne Blätter durch Ein- 
tauchen in reinen oder noch besser in ammoniakalischen 
Aether von der oberflächlichen Fettschicht befreiten und 
dann der Luft ansetzten, nahmen sie ziemlich rasch die 
Farbe abgestorbener Blätter an. Das Ammoniak begün- 



166 Die Farbstoffe der Blätter. 

stigt eben so wie die anderen Alkalien die Umwandlung 
der Substanz A, welche der zersetzenden Wirkung der 
physikalisch-cliemischen Agentien nicht widerstehen kann, 
einmal weil sie nicht genügend durch die fettartige Firniss- 
schicht geschützt ist, dann aber ohne Zweifel auch, weil 
das Leben der Zellen durch den Aether alterirt wird. 
Der Sauerstoff der Luft wird dabei zu Kohlensäure. Die 
Blüthen erleiden dieselben Veränderungen. 

Die meisten weissgestreiften Blätter färben sich nach 
der Einwirkung des ammoniakalischen Aethers braun, 
nur sehr selten bleiben welche weiss {Acer Negundo) in 
Folge der ausnahmsweisen Abwesenheit der Substanz A. 
Die Blätter mehrer Pflanzen {Malus etc.) färben sich 
gegen das Ende des Sommers gelb, dann roth, aber 
niemals zuerst roth und dann gelb. Die gelb gewordenen 
Blätter Averden nach Behandlung mit ammoniakalischera 
Aether und nachherigem Auslegen an die Luft roth, indem 
sie Sauerstoff absorbiren. Schwefelige Säure und andere 
desoxydirende Mittel färben die roth gewordenen Blätter 
wieder gelb. 

Die gelben Blätter, welche später die rothe Färbung 
annehmen, scheinen demnach in dem ersten Grade der 
Oxydation der rothen Blätter zu stehen. Bei einigen 
Pflanzen, wie den Aprikosenbäumen {Arrneniaca), den 
Pappeln {Popidus) werden die Blätter übrigens nur gelb, 
niemals roth-, die Oxydation schreitet also bei diesen 
nicht so weit fort. Eben so verhält es sich mit den gelben 
Früchten von Ruhtis Idaeus, Prunus, Rihes etc., gegen- 
über den rothen Früchten, welche andere Varietäten der- 
selben Species hervorbringen. Das Cyanin in den Blät- 
tern von Pelargonium zonale und anderer Pflanzen färbt 
manche Blätter roth ; eine andere Substanz, welche sich 
durch ihre Nichtfärbung im zerstreuten Lichte auszeichnet, 
färbt die Berberisblätter roth. Aether entzieht den Nuss- 
blättern {Juglans) eine farblose Substanz, welche unter 
den Einflüssen des Ammoniaks und der Luft eine schön 
violette Farbe annimmt. Diese Substanz wird während 
der herbstlichen Färbung zerstört; sie findet sich noch 
nicht in den Blättern des Frühlings. 

In den Blättern und im Allgemeinen in allen kraut- 
artigen Theilen findet sich Quercitrin. Mit demselben 
kommt häufig Tannin, bisweilen Gallussäure vor, die beide 
mit den Eisensalzen eine Färbung geben. Neben dem 
Quercitrin oder auch bei dessen Abwesenheit findet man 
ferner das Quercetin und das Melin (Bolley, Stein). 



lieber einige Flechtensfoffe. 167 

Diese Substanzen kommen in verschiedener Menge vor, 
das Quercetin ist die verbreiteste, das Tannin kommt 
viel weniger vor, die Gallussäure ist selten. {Compt. rend. 
T.57. — Journ.fürijrakt.Chrmie. Bd. 59. 6.) B. 

lieber einige Fiechtenstoffe. 

Zur Untersuchung verwendete H. Lamparter zwei 
verschiedene Sorten von Roccella fuciformis, der sonst 
zur Bereitung von Orseille dienenden Valparaisoflechte. 

Das aus der einen Flechte nach dem früher von 
Stenhouse angegebenen Verfahren dargestellte Chromo- 
gen hatte, obgleich in seinen äusseren Eigenschaften und 
sonstigem Verhalten dem gewöhnlichen aus diesen Flech- 
tenarten erhaltenen Erythrin ganz ähnlich, doch eine 
andere, von dem gewöhnlichen Erythrin um C^H^ sich 
unterscheidende Zusammensetzung C^H-'^O^O -\~ 2 HO. 
Dieser Körper, als Beta-Erythrin zu bezeichnen, schmilzt 
schon bei 115 — 116^ unter heftiger Eutwickelung von 
Kohlensäure, während das gewöhnliche Erythrin bei 1370 
schmilzt und erst über 200^ erhitzt Kohlensäure entwickelt. 
Wird das Beta-Erythrin längere Zeit mit starkem Wein- 
geist gekocht, so entsteht neben Orsellinsäureäther 
ein neuer Körper, der wiederum in seiner chemischen 
Zusammensetzung von dem sonst bei dieser Behandlung 
erhaltenen Pikroerythrin verschieden ist und Beta- 
Pikroerythrin zu nennen ist. Dasselbe löst sich sehr 
leicht in Wasser und Alkohol, nur ganz wenig in Aether, 
hat eine schwach saure Reaction und giebt mit Chlorkalk 
eine rothe Färbung. Es hat die Formel C26H16012. 
Das Beta-Pikroerythrin lässt sich durch Kochen mit Baryt- 
wasser, ähnlich wie das gewöhnliche Pikroerythrin, in 
zwei weitere Körper spalten, wovon der eine wie Orcin 
in Aether löslich, der andere darin unlöslich ist. Diese 
sind das Betaorcin, Ci^HiOO^, und das Erythro- 
glycin, C^HiOOS. Das Betaorcin ist leicht löslich in 
Wasser, Weingeist und Aether und verhält sich gegen 
Salpetersäure, gegen chromsaures Kali und Schwefelsäure 
und gegen Brom ganz wie gewöhnliches Orcin. Mit Eisen- 
chiorid giebt es einen fast schwarzen Niederschlag, der 
beim Vermischen mit Wasser violett erscheint, während 
gewöhnliches Orcin mit Fe^CP einen dunkelrothen Nieder- 
schlag hervorbringt. 

Die andere Flechtensorte wurde auf dieselbe Weise 
behandelt, wie die erstere ; das erhaltene Chromogen ver- 



168 Catechin. 

hielt sich aber wie gewöhnliches Erythrin, für wel- 
ches der Verfasser die Strecker' sehe Formel C'*0H22O20 
annimmt. Das aus dem Erythrin gewonnene und durch 
Destillation gereinigte Orcin, C^^JJSO*, schmilzt in wasser- 
freien Zustande bei 86^, siedet zwischen 286 — 290^ und 
schiesst aus wässeriger Lösung in schönen regelmässigen 
Krystallen an. Mit Brom geht das Orcin zwei Verbin- 
dungen ein: Monobrom orcin, C'^H^BrO^, entsteht, 
wenn man zu einer wässerigen Lösung von Orcin so 
lange Bromwasser zusetzt, als noch kein oder ein gerin- 
ger Niederschlag entsteht und dann die Flüssigkeit zur 
Krystallisation eindampft. Es krystallisirt wasserfrei, 
schmilzt bei 1350 un(j fängt schon unter lOO" an zu sub- 
limiren. Tri bromorcin, C'^H^Br^O^, erhält man, 
wenn man zu einer concentrirten, wässerigen Lösung von 
Orcin so lange Brom zusetzt, als noch eine Einwirkung 
statt findet. 

Das Erythrogly ein (der Erythromannit) bildet 
sich neben Orcin beim Kochen von Erythrin mit Basen, 
nicht aber, wie Stenhouse behauptet, beim Kochen 
von Orsellinsäureäther mit Alkalien. Durch rauchende 
SaJpetersäure wird das Erythroglycin in eine neue Säure 
übergeführt, die Erythroglycinsäure, C^HSOiOj die 
nicht krystallisirbar ist und zu dem Erythroglycin in 
demselben Verhältnisse steht, wie die Glycerinsäure zum 
Glycerin. {Ann. der Chem. u Pharm. CXXXIV. 243—262.) 

G. 

lieber das Catechin. 

Behufs der Darstellung des Catechins behandelte 
P. Schützenberger gelbes Bombay-Catechu mit kaltem 
Wasser, um die Catechugerbsäure zu entfernen, löste so- 
dann den Rückstand in siedendem Wasser, worauf sich 
beim Erkalten aus der filtrirten Flüssigkeit gelbes Cate- 
chin abschied. Reines Catechin erhält man in Nadeln, 
wenn man das unreine Catechin in Wasser löst, mit Blei- 
zuckerlösung fällt, den Niederschlag durch Schwefelwasser- 
stoff zerlegt und wie gewöhnlich verfährt. Es schmilzt 
bei 2170. Schützenberger studirte die Derivate des- 
selben, da die einfache Analyse des bei 1400 getrockneten 
Catechins kein brauchbares Resultat ergab. Er gelangte 
hierbei zu Derivaten, welche Kraut und van Delden 
in ihrer Arbeit über das Catechin nicht erwähnt haben, 
aus deren Zusammensetzung aber ebenfalls keine bestimmte 



Kino. — Scoparin. — Ratanhiu. 169 

Formel für das Catechin ableitbar ist. {Bull, ch la soc. 
ckim. — Journ. für prakt. Chem. Bd. 96. p. 266 — 268.) 

C. Bl. 



Kino. 

Da man in dieser Drogue Catechin gefunden hat, so 
musste man mit Wahrscheinlichkeit bei der Behandlung 
mit Kali auch Phloroglycin daraus erhalten. 

Dies ist in der That der Fall. Hlasiwetz erklärt, 
unter allen bisher bekannten, Phloroglycin liefernden 
Materien das Kino als das wohlfeilste Material. Er fand, 
dass 100 Grm. Kino 92 Grm. Phloroglycin gaben. (Nach 
früheren Angaben nur 12 Proc.) {Annal. der Chem. und 
Pharm. CXXXV. 122.) G. 



Heber das Scoparin. 

Der krystallisirte Farbstoff von iSpartium scoparium, 
mit dem uns zuerst Stenhouse bekannt machte, gehört 
in die Quercetingruppe. H. Hlasiwetz hat eine Probe der 
Substanz (4 Grm.) in derselben Weise mit Kali behandelt, 
wie es beim Quercitrin geschah und als Resultat der Zer- 
setzung Protocatechusüure und Phloroglycin er- 
halten, wie von diesem auch. Der Bildung dieser Ver- 
bindungen scheint die Entstehung eines Mittelgliedes nach 
Art der Quercetinsäure vorauszugehen. 

Die empirische Formel von Stenhouse zu Grunde 
gelegt, wäre das Endresultat des Vorgangs vielleicht: 

C42H22O20 _^ 10 = C12H606 -j- 
Scoparin Phloroglycin 

2 Ci4H608-f 02 04+ 4HÖ 
Protocatechusäure. 
(Süz.-Ber. der Wien. Akad. Bd. 58. 1866.) B. 



lieber das Ratanhin. 

Der von Wittstein aus dem amerikanischen Ratan- 
hia-Extracte dargestellte und von ihm für Tyrosin gehal- 
tene farblose krystallinische Körper ist nach den Unter- 
suchungen von Emil Rüge nicht Tyrosin, sondern ein 
neuer Körper, das Ratanhin. Dasselbe wird erhalten, wenn 
man die Auflösung des Extractes mit Bleiessig fällt, das 
Filtrat mittelst Schwefelwasserstoff vom Blei befreit und 
bis auf ein kleines Volumen verdunstet. Nach zwölf- 
stündigem Stehen wird der entstandene Krystallbrei ge- 



170 Ratanhin. 

presst und gewaschen, dann in Ammoniak und etwas 
kohlensaurem Ammoniak gelöst und nach dem Abfiltriren 
des ausgeschiedenen kohlensauren Kalks die Lösung der 
freiwilligen Verdunstung überlassen. Die entstehenden 
Krystallbüschel des Ratanhins sind denen des Tyrosins 
täuschend ähnlich. Man reinigt dieselben, indem man 
sie von der Mutterlauge durch Pressen und Waschen 
befreit, in heissem Wasser löst, etwas Bleiessig hinzu- 
fügt, liltrirt und mit dem durch Schwefelwasserstoff ge- 
fällten Schwefelblei kocht, bis der Geruch nach Schwe- 
felwasserstoff verschwunden ist, endlich siedendheiss fil- 
trirt und zur Krystallisation hinstellt. Man erhält nach 
einiger Zeit das Ratanhin in prächtigen Drusen, deren 
Krystallnadeln sich leicht verHlzen. Die grösste Aus- 
beute, welche Rüge erhielt, betrug 1,25 Proc. Die Ra- 
tanhiawurzel enthielt kein Ratanhin. Dasselbe ist also 
wahrscheinlich ein erst im Extract entstandenes Zersetzungs- 
product. Die Analyse führte zu der Formel: C^OHi^Nü^. 

Es unterscheidet sich das Ratanhin vom Tyrosin nur 
durch ein Mehr von C2H2. 

In seinem Verhalten gegen salpetersaures Quecksil- 
beroxyd unterscheidet sich das Ratanhin vom Tyrosin 
wesentlich. Eine bei lö^ gesättigte Ratanhinlösung giebt 
nach mehrtägigem Stehen nach dem Versetzen mit eini- 
gen Tropfen der Lösung des Quecksilbersalzes beim Er- 
hitzen eine hübsch rosenrothe Färbung ohne Trübung. 
Eine Trübung tritt erst im geringen Grade bei längerem 
Kochen ein, der nach dem Erkalten entstandene Boden- 
satz löst sich aber beim Wiedererhitzen und scheidet 
sich beim Ei'kalten nicht stärker ab. Neu hinzugefügte 
Quecksilbersalzlösung bringt braunrothe Flocken darin 
hervor. 

Ratanhin mit wenig Wasser angerieben, giebt, wenn 
man unter Umschütteln so viel verdünnte Salpetersäure 
hinzufügt, dass die Mischung noch dünnbreiförmig bleibt, 
beim Erwärmen eine Lösung, die beim Kochen aus einer 
rosenrothen in eine rubinrothe und endlich durchs Vio- 
lette in eine tief indigblaue Färbung übergeht. Die ver- 
dünnte Lösung zeigt im durchfallenden Lichte nach die- 
ser Manipulation eine blaue oder violette, im auffallenden 
Lichte eine undurchsichtige blutrothe Farbe. Ein Zusatz 
von concentrirter Schwefelsäure oder Salzsäure und schwa- 
ches Erwärmen steigert die Intensität der blauen Farbe, 
beim stärkeren Erhitzen tritt aber der Farbenton durch 
die oben genannten Nuancen wieder ins Rothe zurück. 



Anwendung der Ratanhia in der Färberei. 171 

Das Ratanhin unterscheidet sich durch diese äus- 
serst empfindliche Reaction sehr charakteristisch vom 
Tyrosin. 

Rüge hat folgende Verbindungen des Ratanhins dar- 
gestellt und näher untersucht: 

1. Barytverbindung = C20HiiBa2NO6. 

2. Salzsaures Ratanhin = C20H13NO6, HCl. 

3. Ratanhinschwefelsäure = HO, C20H12NO5, S206 

(einbasische) 
und zweibasische = 2 HO, C20Hi2NO^ §206. 
(Journ. für prakt. Chem. Bd. 96. pag. 106 — 115.) C. B. 



Die Anwendung der Ratanhia in der Färberei. 

Neuere Versuche von Jul. Roth haben nach dem 
Bulletin indnstriel de 31ldhouse nachgewiesen, dass die 
Ratanhia auch als Farbstoff verwandt werden kann ; 
sie giebt ohne Beizen ziemlich solide Farben, färbt Wolle 
und Baumwolle und ertheilt der Seide sehr schöne 
und glänzende Nuancen, die man gewöhnlich mit einem 
Gemisch von Orseille und Krapp darstellt; die dunklen 
Farben auf Wolle kann man nur mit Beizen herstellen. 
Sehr verschiedene Färbungen erhält man namentlich, wenn 
man die ursprünglichen Nuancen mit verschiedenen Sal- 
zen oder Beizen behandelt, wie mit doppelt-chromsaurem 
Kali, salpetersaurem Kupferoxyd-Aminoniak, Zinnchlorid 
u. a. m. Da aber die meisten Metallsalze den Farbstoff 
aus seinen Lösungen fällen, so darf man sie nicht beim 
Färben in Anwendung bringen. 

Alle Versuche wurden von Roth mit Ratanhiawur- 
zeln und im luftleeren Räume dargestellten Ratanhia-Ex- 
tract ausgeführt ; die nach andern Methoden dargestellten 
Extracte liefern dasselbe Resultat, sind aber weniger rein 
und enthalten viel unlösliche Bestandtheile. Die Rinde 
liefert 1/3 ihres Gewichtes Extract und die Wurzel ^/g, 
doch erhält man im Handel die Wurzel stets mit der 
Rinde bedeckt. Für die Färberei kann man eine leichte 
Abkochung, besser aber einen Aufguss mit Wasser von 
300 R. verwenden. Das Ratanhia- Extract löst sich lang- 
sam und nur zum Theil in kaltem Wasser, während er 
in kochendem Wasser und Alkohol vollständig löslich ist. 
Mineralsäuren fällen die Lösungen, Weinsäure, Citronen- 
und Essigsäure dagegen trüben dieselben nicht. (Deutsche 
Industr.- Zeitung.) B. 



172 Dem AUzarin isomere Verbindung aus Naphthalin. 

Nachweisung der Krappverfälsehung. 

Nuch zahlreichen Versuchen, ein sicheres Mittel zu 
finden, Verfälschungen des Krapps nachzuweisen, empfeh- 
len Pimont, Müller und Ben n et folgendes Verfahren: 
5 Grm. des zu untersuchenden Krapps werden mit 65 Grm. 
destillirten Wassers von 50<^ und mit .'55 Grm. Alkohol be- 
handelt; dasselbe geschieht gleichzeitig mit reinem Krapp. 
Nach einer Viertelstunde hltrirt man und taucht in das 
Filtrat Streifen von Filtrirpapier, die man nachher trock- 
nen lässt. Behandelt man diese Streifen mit verschie- 
denen Reagentien, so entstehen Färbungen, die je nach 
den Verfälschungen, welche der Krapp erlitten hat, ver- 
schieden sind. Man kann auf diese Weise alle fremden 
Farbstoffe nachweisen. 

Alle bis jetzt vorgekommenen Verfälschungen lassen 
sich durch folgende 5 Reactionen erkennen: 

1) Essigsaures Kupferoxyd, erhalten durch 10 Grm. 
schwefelsa